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Friedrich August von Hayek und Milton Friedman als Protagonisten des marktradikalen Neo-Liberalismus

Seminararbeit 2014 14 Seiten

BWL - Unternehmensethik, Wirtschaftsethik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2.Problemstellung und Zielsetzung

3.Der marktradikale Neo-Liberalismus nach Hayek
3.1 Hayek als politischer Berater von Margaret Thatcher – Der Thatcherismus
3.2 Hayek und das Weasel-Word ‚soziale‘ Marktwirtschaft

4. Die Mont Perlin Society
4.1 Die ‚think tank‘ Strategie der Mont Perlin Society
4.2 John Maynard Keynes – Der Keynesianismus
4.3 Karl Popper gegen das alleinige Vertrauen auf freie Märkte
4.4 Der Monetarismus

5. Die Chicago Boys – Chile als marktradikales Labor
5.1 Friedman und das‚ Wunder von Chile‘

6. Milton Friedman und die wirtschaftliche Freiheit
6.1 Friedman als politischer Berater Ronald Reagans

7. Fazit

8.Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der marktradikale Neo-Liberalismus wird seit der Industrialisierung und dem angewandten Liberalismus kontrovers diskutiert. Im Vordergrund dieser Wirtschaftspolitik stehen die Gier des Menschen und ein freier Markt, in welchen der Staat nicht regulierend eingreift. Der marktradikale Neo-Liberalismus verlangt eine stärkere Ablösung der schöpferischen Marktkräfte von der Regierung im Vergleich zum klassischen Liberalismus.1 Der Staat soll sich so weit wie möglich zurückziehen, jedoch mittels Gesetzgebung die Sicherheit des Eigentums und des Individuums gewährleisten.2

Einfluss in die Politik erhielt der marktradikale Neo-Liberalismus durch die Protagonisten Friedrich August von Hayek und Milton Friedman, die als politische Berater von Margaret Thatcher und Ronald Reagan fungierten. Der Erfolg dieser beiden Politiker ist eng mit den Ansichten und Theorien der beiden Protagonisten verknüpft, insbesondere im Hinblick auf die Inflationsbekämpfung und Deregulierung.

2. Problemstellung und Zielsetzung

Die zentrale Fragestellung dieser wissenschaftlichen Arbeit soll sein, ob Maßnahmen wie Steuersenkung, Lohnzurückhaltung, Deregulierung und Privatisierung dauerhaft zu Wirtschaftswachstum und Wohlstand führen. Diese Frage werde ich am Beispiel des marktradikalen Labors der Chicago Boys in Chile erläutern. Der marktradikale Neo-Liberalismus gesteht im Gegensatz zur neo-klassischen Lehre bewusst kein Versagen des Marktes ein.3

Eine Intervention des Staates wird nur gestattet, um das neoliberale Modell aufrecht zu erhalten.4 Dass niedrige Löhne und geringe Staatsausgaben die gesamtwirtschaftliche Nachfrage senken, wird von den marktradikalen Neo-Liberalen ausgeblendet. Es wird sich an den Interessen der Gutverdiener orientiert und nicht am Gemeinwohl. Die Gemeininteressen haben für Neo-Liberale kollektivistische Züge in einer Marktwirtschaft und sind somit für sie der Weg in den Untergang.5

John Maynard Keynes hingegen bezieht in seinen ökonomischen Prinzipien grundsätzlich ein Versagen des Marktes mit ein. In konjungturstarken Zeiten sollen seiner Meinung nach Reserven angelegt werden, die bei Marktversagen für inländische Projekte ausgegeben werden, um die Arbeitslosigkeit gering zu halten.

Kritiker sehen im neoliberalen Modell „ein Programm zur Zerstörung kollektiver Strukturen, die noch in der Lage sind der Logik des reinen Marktes zu widerstehen.“6

Dies wird insbesondere deutlich durch das politische Verhalten von Margaret Thatcher und ihrem eisernen Kampf gegen die Gewerkschaften.7

3. Der marktradikale Neo-Liberalismus nach Hayek

Friedrich August von Hayek legt den zentralen Begriff der Freiheit mit der völligen Abwesenheit von Zwang aus. Die wichtigste Rolle spielt hierbei die Freiheit des Individuums gegenüber Staat und Gesellschaft. Hayek vertritt die These von der Freiheit vernichtenden Demokratie mit totalitären Auswüchsen, wenn die Wählermehrheit über die Freiheit des Individuums bestimmen kann.8

Er sieht als Ursache der Ungleichheit das hohe Tempo gesellschaftlicher Vorreiter als Grundtatsache des Fortschritts.9 Bei dem Bestreben materielle Gleichheit herzustellen sieht Hayek die Gefahr, dass die tatsächliche Gleichheit abnimmt.

In einem Interview mit der Zeitung Die Welt kommentiert Hayek 1983 den Versuch der Umverteilung folgendermaßen: „Ich halte soziale Gerechtigkeit für ein Unsinnswort. Es ist im Grunde inhaltsleer, weil es unerfüllbare Wünsche ausdrückt.“10 Staatliche Mengen- und Preiskontrolle wird von Hayek grundsätzlich abgelehnt, da jene letztendlich entscheidende Funktionen des Marktes behindern würden. Ein Staat hat seiner Meinung nach eher zur Aufgabe Betrug und Gewalt zu verhindern, allgemein gültige Verträge zu erzwingen und das persönliche Eigentum sowie gleiche Rechte für alle Individuen zu schützen. Diese Aspekte sind für ihn Grundvoraussetzungen für einen funktionellen Markt.11

Hayek sieht die Freiheit des einzelnen Menschen bedroht durch Regierungsformen die in Kollektivismus ausarten, also faschistische Regime, Nationalsozialismus sowie die keynesianische Lehre.12 Er warnt vor der Gefahr, dass zunehmende soziale Sicherung als primäres Regierungsziel gesetzt würde. „Wenn die Regierung nicht bloß die Erreichung gewisser Standards für die Einzelnen erleichtern will, sondern sichern will, dass jedermann sie erreicht, kann sie das nur indem sie den Einzelnen jedweder Wahl beraubt.“13

3.1 Hayek als politischer Berater von Margaret Thatcher – Der Thatcherismus

Die politische Linie von Margaret Thatcher steht eng in Relation zu ihrem politischen Berater Friedrich August von Hayek. Sie befasst sich bereits während ihres Studiums mit Hayeks Hauptwerk Der Weg zur Knechtschaft. Thatcher war fasziniert von Hayeks „Blickwinkel des Staates, wie ihn Konservative sich wünschen - eine begrenzte, rechtsstaatliche Regierung - und weniger aus Sicht der Staatsform“.14

Die Absicht des Thatcherismus ist „Zum einen das Zurückschrauben der Grenzen fordistischer Staatsintervention und zum anderen das Finden neuer Formen staatlicher Intervention mit dem Ziel, eine Flexibilisierung und Dynamisierung der britischen Wirtschaft zu erreichen“.15 Thatcher hat insbesondere wirtschaftspolitische Maßnahmen gegen Gewerkschaften unternommen. Sie forderte Privatisierung, Flexibilisierung des Arbeitsmarktes und Deindustrialisierung und die „Konfliktstrategie gegenüber den Gewerkschaften“16, welche sie mit eisernem Willen durchführte.

Sie war wie Hayek der Ansicht, dass Sozialisten Feinde der Freiheit seien. Der Neo-Liberalismus im Thatcherismus spiegelt sich besonders in der Verlagerung öffentlicher Aufgaben. Sinnbild hierfür ist die Privatisierung von staatlichen Unternehmen und die Deregulierung staatlicher Beschränkungen, „die Reprivatisierung gesellschaftlicher Lebensverhältnisse“.17 Thatcher baute staatliche Regulierungs- gremien gegen Monopolisierung, was sich deutlich vom Neoliberalismus im Sinne von Hayek abgrenzt. Den Gewerkschaften wurde mit der Nutzung der Marktkräfte ermöglicht, das Lohnniveau bei Fachkräftemangel zu erhöhen, was mit Thatchers allgemeiner Strategie kollidierte, die Gewerkschaften zu schwächen.18

3.2 Hayek und das Weasel-Word ‚soziale‘ Marktwirtschaft

„Wir verdanken den Amerikanern eine große Bereicherung der Sprache durch den bezeichnenden Ausdruck weasel-word. So wie das kleine Raubtier, das auch wir Wiesel nennen, angeblich aus einem Ei allen Inhalt heraussaugen kann, ohne daß man dies nachher der leeren Schale anmerkt, so sind die Wiesel-Wörter jene, die, wenn man sie einem Wort hinzufügt, dieses Wort jedes Inhalts und jeder Bedeutung berauben. Ich glaube, das Wiesel-Wort par excellence ist das Wort sozial. Was es eigentlich heißt, weiß niemand. Wahr ist nur, daß eine soziale Marktwirtschaft keine Marktwirtschaft, ein sozialer Rechtsstaat kein Rechtsstaat, ein soziales Gewissen kein Gewissen, soziale Gerechtigkeit keine Gerechtigkeit – und ich fürchte auch, soziale Demokratie keine Demokratie ist.“19

Dies ist ein Zitat von Hayek, welches in der Zeit verfasst wurde, in der er Margaret Thatcher beim politischen und wirtschaftlichen Umbau nach dem Neo-Liberalen Konzept in England beriet.20 In dieser Zeit drohten die Theorien von John Maynard Keynes den marktradikalen Neo-Liberalismus zu unterwandern.21

Er warnte somit vor dem Übergreifen des „abgestumpften und nackten Ökonomismus“22 den er als Gefahr ansah, eine Marktwirtschaft in einen Sozialstaat zu verwandeln. Hayek sieht die Gefahr dass ein Sozialstaat, betitelt durch den schönenden Ausdruck‚soziale‘ Marktwirtschaft schlussendlich die Freiheit nicht mehr gewährleistet. Er bezeichnet nationalsozialistische Züge in einer Regierung als „Weiterentwicklungen des Sozialismus“23 und nicht als Folge eines Kapitalistischen Systems.24

4. Die Mont Perlin Society

Die Mont Perlin Society ist eine Gemeinschaft von Intellektuellen, die den marktradikalen Neo-Liberalismus und Monetarismus vertreten. Ihr Ursprung geht zurück auf ein Treffen, welches von Friedrich August von Hayek am ersten April 1947 am Mont Pèlerin in der Schweiz einberufen wurde. Ziel des Zusammenkommens war die Wiederherstellung von politischer und marktwirtschaftlicher Freiheit nach dem zweiten Weltkrieg.25 „Es kam zu einer Art Rütlischwur der Freiheit. Das religiös anmutende Motto lautete: ‚Save the Books‘.

Der Neoliberalismus sollte laut Hayeks Eröffnungsreferat überwintern und auf lange Sicht Regierungsdoktrin werden.“26 Die Hauptziele der Mont Perlin Society sind das Schaffen einer freien Markt- und Unternehmerschaft und das Bekämpfen des Wohlfahrtsstaates.27 Zu den Mitgliedern der ersten Stunde gehörten neben dem Gründungsvater Hayek die Intellektuellen Friedman und Popper.

Die Mont Perlin Society ist bis heute aktiv und gibt sich in der Öffentlichkeit als offene Organisation aus, wirkt jedoch leicht verschlossen und mystisch. Die Protagonisten des marktradikalen Neo-Liberalismus werden bis heute hoch angesehen und verehrt.

4.1 Die ‚think tank‘ Strategie der Mont Perlin Society

Ein ‚think tank‘ ist ein Zusammenschluss von Intellektuellen, welche sich unter dem Aspekt einer politischen Diskussionsgrundlage wie eine ‚Denkfabrik‘ formieren um Ideen zu reflektieren. Sie sind „Organisationen, die sich gerne als Reflexionsforen ausgaben, die man allerdings eher als entscheidende Träger der politischen Engagements bestimmter Intellektueller ansehen muß.“28 Diese Zusammenschlüsse sind für Intellektuelle eine Möglichkeit ihre Ansichten und Theorien zu verbreiten, publik zu machen und aktiv auf die Politik zu wirken.

Die neoliberalen ‚think tanks‘ der Mont Perlin Society lassen sich mit dem Begriff „Krieg der Ideen“29 umschreiben. Friedrich August von Hayek äußert sich hierzu folgendermaßen: „Wenn wir das Ansehen der Wissenschaft erhalten und die Anmaßung von Wissen, die auf einer oberflächlichen Ähnlichkeit des Verfahrens mit dem der exakten Naturwissenschaft gründet, verhindern wollen, wird viel Mühe auf die Entlarvung solcher Anmaßungen aufgewendet werden müssen, von denen manche jetzt schon geschützte Interessen anerkannter Lehrfächer geworden sind.“30

Diese Hauptaufgabe der ‚think tanks‘ soll demnach sein, Ideen, die durch mehrfaches Versagen in der Praxis nicht mehr in Betracht gezogen werden, wieder in die aktive Wirtschaftspolitik einfließen zu lassen.31 Der Beweis, dass ‚think tanks‘ aktiv in die Politik eingeflossen sind, ist schwierig zu erbringen. Margaret Thatcher und ihr Neo-Liberal angehauchter Regierungsstil lässt sich zumindest mit Neo-Liberalen ‚think tanks‘ verknüpfen. Hierzu zählen das Centre of Policy Studies (CPS), Adam Smith Institute (ASI) und das Institute of Economic Affairs (IEA).32

Die Mont Perlin Society unterstützte das Institute of Economic Affairs (IEA), so wurde die IEA bei der Organisation und Durchführung von Versammlungen unterstützt. Auch vertritt die IEA größtenteils die Ansichten der Mont Perlin Society. Eine Veröffentlichung der IEA erklärt das Scheitern Großbritanniens „als Folge einer Vielzahl von Beschränkungen des Marktprinzips, die es daran hindern, seine dynamische und wohlstandsspeichernde Funktion zu entfalten.“33

Das Ziel des Institute of Economic Affairs ist Großbritannien auf lange Sicht zum marktradikalen Neo-Liberalen Staat umzustrukturieren. Der Protagonist Friedrich August von Hayek wird auch heute noch, über 20 Jahre nach seinem Ableben von den Neo-Liberalen ‚think tanks‘ als Denker, Vorbild und Ikone verehrt.34

[...]


1 Vgl. Radermacher (2004).

2 Vgl. Ötsch (2009).

3 Vgl. Hayek (2003).

4 Vgl. Friedman (2004).

5 Vgl. Ruckriegel (2009), S.49f.

6 Bourdieu (1998).

7 Hugo (2001), S. 203.

8 Vgl. Hayek (1991).

9 Vgl. Hayek (1991), Kapitel 3.

10 Hertz (1983), S. 3.

11 Vgl. Hertz (1983).

12 Vgl. Dixon (2000), S. 9.

13 Hayek (1991), S. 332.

14 Thatcher (1995), S. 68.

15 Jessop (1994), S. 359.

16 Hugo (2001), S. 203.

17 Hugo (2001), S. 194.

18 Vgl. Thatcher (1995).

19 Hayek (2004), S.61f.

20 Vgl. Ptak (2003), S. 18.

21 Vgl. Ptak (2003).

22 Kießling (2011), S.57.

23 Hayek (2003).

24 Vgl. Hayek (2003).

25 Vgl. Mirowski, P. / Plehwe, D. (2009).

26 o.V.2 (2012), S.33.

27 Vgl. o.V.2 (2012), S.33.

28 Dixon (2000), S.8.

29 George (2001).

30 Hayek (1996), S.12.

31 Vgl. Dixon (2000), S. 26f.

32 Vgl. Dixon (2000), S. 30.

33 Gamble (1985), S. 38.

34 Vgl. o.V.2 (2012).

Details

Seiten
14
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668976351
ISBN (Buch)
9783668976368
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v489555
Institution / Hochschule
Fachhochschule Südwestfalen; Abteilung Hagen
Note
1.0
Schlagworte
friedrich august hayek milton friedman protagonisten neo-liberalismus

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Titel: Friedrich August von Hayek und Milton Friedman als Protagonisten des marktradikalen Neo-Liberalismus