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Darstellung und Kritik der PESTEL Analyse anhand des weltweiten Marktes für Zigaretten

Hausarbeit 2019 35 Seiten

BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung, Social Media

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Problemstellung und Gang der Untersuchung

2. Aufbau und Funktionsweise der PESTEL-Analyse
2.1. Anwendungsbereiche und Entwicklungslinien
2.2. Funktionsweise
2.2.1. Political: Die politische Dimension
2.2.2. Economic: Das ökonomische Umfeld
2.2.3. Social: Die Relevanz gesellschaftlicher Trends
2.2.4. Technological: Das Problem disruptiver Technologien
2.2.5. Environmental: Die physische Umwelt als Rahmenbedingung
2.2.6. Legal: Der rechtliche Handlungsspielraum

3. Tabakindustrie und Zigaretten-Weltmarkt
3.1. Historische Entwicklung und aktuelle Tendenzen
3.2. Die „Global Player“
3.2.1. Philip Morris International & Altria Group Inc
3.2.2. British American Tobacco & Reynolds Tobacco Company
3.2.3. Japan Tobacco
3.2.4. Imperial Tobacco & Reemtsma
3.2.5. ITC Limited
3.2.6. China National Tobacco

4. Durchführung der PESTEL-Analyse für den Zigaretten-Weltmarkt
4.1. Political: Bedeutung politischer Stabilität und Einfluss der Wirtschaftspolitik
4.2. Economic: Bevölkerungsstruktur und Marktgegebenheiten
4.3. Social: Das Aufspringen auf Trends
4.4. Technological: Disruptive Innovationen entscheiden
4.5. Environmental: Umweltfreundlichkeit
4.6. Legal: Die Umsetzung politischer Ziele als Rahmen

5. Kritik an der PESTEL-Analyse
5.1. Kritik aus der Literatur
5.2. Kritik am Beispiel der Tabak-/Zigarettenindustrie

6. Zusammenfassung und kritische Würdigung

Quellenverzeichnis

1. Problemstellung und Gang der Untersuchung

In einer immer komplexer werdenden Unternehmensumwelt versuchen viele Methoden und Instrumente, eine Struktur vorzugeben, aus der man Zukunftsentwicklungen erkennen und eine Unternehmung zielgerichtet steuern kann. Dazu gehört auch die PESTEL-Analyse. Der weltweite Markt für Zigaretten dient hierbei als gelungenes Beispiel, da in den jüngsten Jahren viele Neuerungen im Markt geschaffen wurden, vornehmlich durch Substitute zu der herkömmlichen Zigarette. Diese Alternativprodukte haben einen großen Einfluss auf den gesamten Markt und revolutionieren diesen aktuell noch.

In dieser Hausarbeit wird eine PESTEL-Analyse am Beispiel des weltweiten Marktes für Zigaretten durchgeführt und die PESTEL-Analyse anschließend am selben Beispiel evaluiert. Dazu wird zunächst der Aufbau und die Funktionsweise der PESTEL-Analyse erläutert. Anschließend werden die Anwendungsbereiche im Allgemeinen und die historische Entwicklung der Methode erläutert sowie die Funktionsweise dargelegt. In der Darlegung der Funktionsweise wird jede einzelne Dimension ohne Bezug auf das Beispiel des weltweiten Zigarettenmarktes erklärt sowie einige dimensionsrelevanten Größen genannt und zugeordnet. In Folge dessen wird im dritten Abschnitt die Tabakindustrie und der Zigarettenweltmarkt durchleuchtet. Dazu werden die historische Entwicklung des Gesamtmarktes und aktuellen Tendenzen im Markt herausgearbeitet. Ein Blick auf die aktuellen „Global Player“ im Markt umreißt die wichtigsten Wettbewerber im Markt. Dabei wird hauptsächlich auf private und öffentliche Unternehmen eingegangen. Lediglich der größte Zigarettenhersteller der Welt, welcher staatlich geführt ist, wird zusätzlich kurz ausgeführt. Im Anschluss daran wird in Abschnitt 4 die PESTEL-Analyse in der jeweiligen Dimension für den Zigarettenweltmarkt durchgeführt, wobei dabei bereits auf die ersten Grenzen des Modells gestoßen wird. Schließlich werden Kritikpunkte an der PESTEL-Analyse zuerst aus der Literatur extrahiert und anschließend eigenen Kritikpunkte am durchgeführten Beispiel formuliert. Abschließend werden die Forschungsergebnisse zusammengefasst und kritisch gewürdigt.

2. Aufbau und Funktionsweise der PESTEL-Analyse

2.1. Anwendungsbereiche und Entwicklungslinien

Der genaue Ursprung der Idee, das Umfeld einer Unternehmung fokussierend auf die externen Einflüsse zu betrachten, lässt sich aus der Literatur nicht genau definieren. Die früheste Referenz zu der PESTEL-Analyse findet sich allerdings in dem Werk „Scanning the Business Environment“ von Francis J. Aguilar aus dem Jahr 1967 wieder. Francis Joseph Aguilar war von 1964 an Dozent an der Harvard Business School.1 Unter Berücksichtigung verschiedener Managerlevel und Unternehmensgrößen führte Aguilar Interviews durch und untersuchte die Ergebnisse hinsichtlich Auffälligkeiten zwischen den verschiedenen Teilnehmern und deren Hintergrund. Zur Datenbeschaffung ließ er 137 Manager aus 41 Unternehmen interviewen. Dabei ging es um:

1. Die Jobbeschreibung, die organisationale Zuordnung, die Berichtsstrukturen und der Hierarchieaufbau im Unternehmen,
2. Das Erstellen einer Liste sowie der Beschreibungen der einzelnen Punkte der Liste hinsichtlich der Art der Gewinnung von externen Informationen und deren subjektive Wichtigkeit und
3. Das Dokumentieren einer Anzahl von spezifischen Fällen der Informationsbeschaffung externer Informationen sowie der Quelle und der Art und Weise der Beschaffung.2

Die Ergebnisse der Interviews wurden zusammengetragen und anschließend geclustert. Die herausgearbeiteten externen Informationsbereiche wurden so gekürzt, dass nur noch strategische Bereiche übrig bleiben.3 Als strategische Bereiche sind jene zu verstehen, welche nützlich für strategische Entscheidungen sind. Diese sind vornehmlich die langfristige Gesundheit sowie das Überleben des Unternehmens und definieren das grundlegende Image, die Zwecke, die aktuellen und zukünftigen Tätigkeitsbereiche des Unternehmens sowie die erwartete zukünftige Position in diesen Bereichen.4 Als strategische, von Extern beeinflusste Bereiche verbleiben: Ökonomische Faktoren wir das Marktpotenzial oder Wettbewerbssituation, technische Faktoren, bezogen auf die Einführung neuer Produkte und damit Innovationen, politische Faktoren wie die politische Einstellung der regierenden Partei und Initiativen politisch Engagierter und letztlich demografische Faktoren wie die Bevölkerungsstruktur und Kulturen der Marktteilnehmer.5 Die dabei entstandene Bezeichnung der makroökonomischen Umweltbetrachtung, die ETPS-Analyse, wird also von F.J. Aguilar auf die vier aufgeführten Faktoren zurückgeführt: Economic, Technical, Political und Social. Kurz nach der Publikation von Aguilar wurde die Analyse durch Arnold Braun zu STEP (Strategic Trend Evaluation Process) als eine Ergebnisbetrachtung der Umweltanalyse reorganisiert. In den folgenden Jahren haben sich mehrere Autoren an Variationen und Erweiterungen der STEP-Analyse versucht, wobei viele verschiedene Namen durch Neuplatzierungen der einzelnen Buchstaben und Erweiterungen um weitere Faktoren entstanden, beispielsweise PEST, STEPE oder STEEPLE. Dadurch finden sich in der Literatur unterschiedliche Modellnamen, die sich inhaltlich bis auf die Erweiterungen von Faktoren kaum unterscheiden.6

Da sich bisher kein Akronym gänzlich durchgesetzt hat wird in dieser Arbeit folgend von der PESTEL-Analyse gesprochen.

Einzuordnen ist die PESTEL-Analyse in das strategische, internationale Management. Ziel strategischer Management-Instrumente ist es, den Unternehmenserfolg, der von Innen und Außen beeinflusst wird, zu sichern. Dies geschieht durch die externe und interne Ausrichtung des Unternehmens in seiner Umwelt und seinem Markt. Die Sicherung dieser Ziele erfolgt durch die Erschließung sogenannter Erfolgspotenziale aus einer übergreifenden Perspektive heraus. Dem gegenüber stehen administrative und operative Management-Instrumente.7 Die PESTEL-Analyse ist ein strategisches Management-Tool, welches in unterschiedlichen Bereichen und in unterschiedlichen Kontexten eines Unternehmens eingesetzt werden kann. Grundsätzlich lässt sich die PESTEL-Analyse generell als Datenlieferant und entscheidungsunterstützendes Tool verstehen. Dies kann beispielsweise im Bereich der Geschäftsplanung oder der Produktentwicklung in Kombination mit der SWOT-Analyse zur Erkennung von Bedrohungen und Chancen betriebswirtschaftlicher Entscheidungen, im Marketing als Grundlage einer Marketingstrategie, oder in der Gestaltung einer Organisationsstruktur im Sinne der politischen Zusammensetzung der Organisation und steuerlichen Faktoren bei der Budgetierung der Bereiche im Unternehmen verwendet werden.8 Dabei zeigt die PESTEL-Analyse spezifische Marktgegebenheiten, wahrscheinliche Entwicklungen von Märkten und Produkten sowie deren vermutliche Auswirkungen im Makroumfeld des Unternehmens oder des Produktes auf.9

2.2. Funktionsweise

Zur Betrachtung der Makroumwelt bildet jeder Buchstabe im Akronym PESTEL wie beschrieben eine Betrachtungsdimension ab. In jeder Dimension werden also Daten und Informationen gesammelt, geordnet und in Zusammenhänge gebracht, um den entsprechenden, externen Einflussfaktor möglichst breit zu durchleuchten und Entwicklungen und Trends sowie deren mögliche Folgen und Folgewirkungen zu erkennen. Dabei beeinflussen sich die Dimensionen auch teilweise gegenseitig, worauf in den einzelnen Dimensionen von 2.2.1. bis 2.2.6. beispielhaft eingegangen wird. Als Leitfragen für die PESTEL-Analyse lassen sich aufführen:

- Von welchen Umweltfaktoren wird das Unternehmen umgeben?
- Welche Trends können in Zukunft einen Einfluss auf Nachfrage, Marktverhalten von Lieferanten und Verhalten der Wettbewerber haben?
- Wann starten diese Trends und wie verlaufen sie?10

Trends sind in diesem Zusammenhang als Instrument zu verstehen, das über die allgemeine Definition als Richtung des Zeitgeschmackes oder von Konsumgewohnheiten hinausgeht. Vielmehr sind Trends als Rückbetrachtung statistischer Zusammenhänge und Häufungen von Ereignissen definierbar, welche weiterführend als Prognose zukünftig zu erwartender Zustände betrachtet werden.11 Operativ ist es von besonderer Bedeutung, die PESTEL-Analyse in regelmäßigen und teils außerzyklischen Abständen zu überarbeiten oder neu durchzuführen. Somit kann verhindert werden, dass Entscheidungen auf einer falschen und/oder nicht aktuellen Informationsbasis getroffen werden und ein nachhaltiger Schaden für die Unternehmung resultiert. Veränderungen in den Dimensionen müssen dabei rechtzeitig erfasst werden.12 Auch kann die PESTEL-Analyse aus unterschiedlichen Blickwinkeln durchgeführt werden:

- Als Unternehmen, das den Markt betrachtet
- Als Produkt, das den Markt betrachtet
- Marke im Zusammenhang mit dem Markt
- Geschäftseinheit innerhalb eines Unternehmens
- Für strategische Entscheidungen wie ein Markteintritt
- Für eine potentielle Akquisition eines anderes Unternehmens
- Für eine potentielle Partnerschaft mit einem anderen Unternehmen
- Für eine Investitionsmöglichkeit
- Etc.13

Die folgenden sechs Abschnitte zeigen die Bedeutungen der einzelnen Dimensionen, deren Anfangsbuchstaben wie oben geschrieben das Akronym PESTEL bilden, auf.

2.2.1. Political: Die politische Dimension

Die politische Dimension bildet politische Größen ab, die in direktem Zusammenhang mit dem Stand der Staatsorganisation zusammenhängen, wie z.B. die Wirtschaftsordnung in einem Land oder einer Region. Zudem berücksichtigt sie, welche politischen Bestrebungen die Staatsorgane haben. Dies kann beispielsweise die Ex- und Import-Politik eines Landes sein. Relevant ist auch die Stabilität der Politik und des politischen Systems in einem Land im Hinblick darauf, ob Bürgerkriege oder Unruhen vorherrschen, drohen oder gehäuft vorkommen.14 Weitere Beispiele für politische Einflussmöglichkeiten sind Steuerrichtlinien, Privatisierung, Subventionen oder die Handelspolitik im Allgemeinen. Ein konkreteres Beispiel ist die Bevorzugung von landeseigenen Unternehmen gegenüber Unternehmen mit Sitz in fremden Ländern.15 Nicht selten wird die politische Dimension im Zusammenhang mit der rechtlichen Dimension genannt oder gleich zu einem Punkt verbunden. Der Kausalzusammenhang liegt darin, dass aus politischen Einstellungen und Programmen meist neue Rechtsakte resultieren oder zumindest resultieren sollen. Dies leitet auch über zu der Verbundenheit der politischen mit der sozio-kulturellen oder gesellschaftlichen Dimension. Jene politischen Einstellungen und Programme spiegeln das Bestreben und die Meinung der zu regierenden Gesellschaft wieder, um möglichst viele Wähler zu generieren. Ansonsten riskiert eine politische Partei, in der folgenden Legislaturperiode nicht wieder gewählt zu werden.16

2.2.2. Economic: Das ökonomische Umfeld

Zur Analyse des ökonomischen Umfeldes betrachtet man volkswirtschaftliche Situationen und Entwicklungen. Als Kennzahlen dienen dafür unter anderen das Wirtschaftswachstum, die Bevölkerungszahl, Zinsniveau und Inflationsrate, Wechselkurse, die Arbeitslosenquote, die Kaufkraft der Bevölkerung und auch die finanzielle Höhe und absolute Anzahl an Import- und Exportgeschäften aus der Vergangenheit.17 So bedeutet beispielsweise eine starke lokale Währung, dass eine Verteuerung und damit ein Wettbewerbsnachteil auf anderen Absatzmärkten entsteht. Dies bietet also eine breite und sehr wichtige Daten- oder Entscheidungsgrundlage dafür, möglicherweise eine Standortentscheidung zu treffen. Dies muss nicht unbedingt eine große Veränderung sein, sondern kann im strategischen Sinne auch ein einfacher Umzug innerhalb einer Region aus infrastrukturellen Vorteilen heraus sein.18 Eine weitere Relevanz bieten auch die Entwicklungen einzelner Industrien im Zielmarkt. Nicht selten ist es so, dass das eigene Geschäft von anderen Industrien und Wirtschaftsbereichen abhängt oder sie eng miteinander verknüpft sind. Die negative Entwicklung einer Branche kann einen direkten (zumeist ebenfalls negativen, wenn in der selben Supply-Chain liegend) Einfluss auf die Entwicklung des eigenen Unternehmens haben.19 Im Speziellen ist dabei die Entwicklung und das Bestehen von Abhängigkeiten von zentralem Interesse. Dabei kann es u.a. Liefer-, Abnehmer-, Aktivkredit-, Passivkredit-, Patent- oder Stimmrechtsabhängigkeiten geben. Ein Abhängigkeitsverhältnis ist dabei ein Spiegel der wirtschaftlichen Macht im Markt, respektive in der regionalen oder Gesamtwirtschaft eines Landes. Damit einher geht automatisch auch ein hoher Einfluss auf die politischen Entscheidungen und/oder Entscheidungsträger, welche in puncto Arbeitsplätze oder Steuereinnahmen darauf angewiesen sind, mit den agierenden Wirtschaftsunternehmen zu kooperieren, um den Wohlstand der Bürgerinnen und Bürger zu halten oder zu gewinnen.20

2.2.3. Social: Die Relevanz gesellschaftlicher Trends

Der sozio-kulturelle Faktor beschäftigt sich unter anderem mit demografischen Größen wie beispielsweise der Altersstruktur und kulturellen Besonderheiten.21 Dazu zählen auch die religiöse Verteilung im Land, vorherrschende Lebensstile, Werte und die Bildung.22 Wichtig ist, ob die betrachtete Umwelt eher traditionell oder eher mit dem Trend gehend agiert. Dies hätte unter anderem einen großen Einfluss darauf, ob ein Markteintritt mit einem innovativen Produkt sinnvoll ist oder nicht. Wie sich die gesellschaftliche Entwicklung auf die Nachfrage und die Belegschaft auswirken und ob beispielsweise soziale Sicherungssysteme geplante Investments unterstützen sind zwei mögliche Fragestellungen, die einen erheblichen Einfluss auf die zukünftige Entwicklung haben.23 Wie in Absatz 2.2.1. beschrieben, haben gesellschaftliche Trends einen unmittelbaren Einfluss auf die aktive Gestaltung der Politik. Zusätzlich hängt die gesellschaftliche Dimension auch mit der technologischen Entwicklung und der physischen Umwelt zusammen, welche Trends in einer Gesellschaft auslösen können.24

2.2.4. Technological: Das Problem disruptiver Technologien

Im technologischen Bereich wird vor allem untersucht, welche technischen Entwicklungen in Zukunft einen Einfluss auf bisherige Prozesse, Systeme und sonstige Bereiche des Unternehmens haben können. Wenn es solche technologischen Treiber, Durchbrüche oder Weiterentwicklungen gibt wird zusätzlich betrachtet, ob es die Möglichkeit eines Technologietransfers im Unternehmen gibt.25 Wie die Überschrift dieses Absatzes andeutet lohnt es sich hier noch eine Unterscheidung vorzunehmen. Es gibt evolutionär-inkrementelle und disruptive Innovationen in der Technologie. Während inkrementelle Entwicklungen schrittweise erfolgen und das Ziel einer Steigerung der Leistungsfähigkeit bestehender Produkte verfolgen, sind disruptive Innovationen deutlich markantere Veränderungen in dem aus ihnen resultierenden, teilweise neuen Nutzen. Und für den Einfluss disruptiver Innovationen gibt es viele Beispiele.26 Ein Blick auf die Computer-Branche veranschaulicht das. War International Business Machines Corporation (IBM) noch das dominierende Unternehmen für Großrechner, so wurde der Trend übersehen, Minicomputer zu entwickeln und zu produzieren, was technologisch deutlich leichter war als bei Großrechnern. Kreiert wurde der Markt der Minicomputer von Digital Equipment Corporation (DEC), wobei auch DEC sich schnell von Konkurrenten überholen ließ, unter anderen von Data General, Hewlett-Packard (HP), Nixdorf und Wang. Davon schaffte kein Unternehmen den entscheidenden Durchbruch zu Desktop-Computern. Hier war wiederum wieder IBM neben Apple, Commodore und Tandy Vorreiter. Apple und IBM hinkten allerdings bei der Tragbarkeit der Computer hinterher. Und so zieht es sich weiter durch die Geschichte.27 Die Markt- und Branchenführer scheitern häufig an disruptiven Innovationen, da diese eben nicht attraktiv genug wirken. Sie versprechen meist eine geringere Marge bei geringerer Leistungsfähigkeit im Nutzen der Vorprodukte und einem vermeintlich kleineren Markt. Die Funktionsweise disruptiver Technologien ist allerdings, dass ein anderer Kundennutzen angesprochen wird, als es mit den bisherigen Produkten getan wurde. Häufig beginnt dabei auch der Absatz eher an Randgruppen und wird schrittweise im Markt etabliert, bis das alte Produkt überholt und einstige Marktführer bereits abgehangen sind.28 Hierbei wird vernachlässigt, dass disruptive Innovationen in der Regel einfacher, billiger, zuverlässiger und benutzerfreundlicher sind, als etablierte Technologien.29 Weitere Beispiele für disruptive Innovationen sind: der Discounthandel gegenüber den Kaufhäusern, Quarzuhren gegenüber mechanischen Uhren, Digitalkameras gegenüber Filmkameras, Elektroauto gegenüber Verbrennungsmotor oder Tablets und Smartphones gegenüber stationären PCs und Notebooks. Es reicht bei der Analyse der technologischen Umwelt also nicht, sich nur Märkte anzuschauen, die man schon bedient. Auch Märkte, die noch nicht existieren, haben eine besondere aktuelle Relevanz.30 Heutzutage ist hier das Schlagwort Digitalisierung zu nennen. Aber auch Energieversorgung, Patentschutz, Optimierungen in dem Supply-Chain-Management, Forschung sowie Erkennung von Leistungspotenzialen fallen in diesen Bereich der Unternehmensumwelt.31

2.2.5. Environmental: Die physische Umwelt als Rahmenbedingung

Die ökologische Umwelt als Rahmenbedingung beschreibt sowohl die bilaterale Beziehung zwischen Unternehmen und der physischen Umwelt als auch das Vorkommen von Rohstoffen, Energiequellen, Umweltauflagen am Standort des Marktes und die gesamte Infrastruktur.32 Eng verbunden ist dieser Bereich mit den gesellschaftlichen, politischen und rechtlichen Dimensionen. Die Gesellschaft hat eine bestimmte Ausprägung bezüglich des Umweltschutzgedankens, welches von der Politik adaptiert wird, um eine möglichst hohe Wählerschaft zu generieren. Die Politik beschließt Maßnahmen, welche in Rechtsakten münden und somit die rechtliche Dimension betreffen. Diese Rahmenbedingungen schränken dabei sehr häufig den Handlungsspielraum der Unternehmen ein, wie beispielsweise Umweltschutzauflagen oder erlaubte, bzw. unerlaubte Produktionsverfahren. Doch auch gerade in der Weitsicht solcher Faktoren steckt die Chance für Unternehmen, unter Anwendung umweltfreundlicher Produktions- und Herstellungsverfahren einen Wettbewerbsvorteil gegenüber der Konkurrenz zu generieren, während sich diese erst an neue Regelungen, Gesetze und Umstände anpassen muss.33

2.2.6. Legal: Der rechtliche Handlungsspielraum

Der Einfluss von Recht und Gesetz ist für die meisten Unternehmen einer der wichtigsten Faktoren bei der Betrachtung der Makroumwelt. Es gibt auch viele verschiedene Ausprägungen, die einen Einfluss auf das Unternehmen haben können, wie beispielsweise Steuergesetze, aber auch Handelsgesetze, etc. Dabei gibt es nicht immer nur einen Gesetzgeber, dessen Gesetze einzuhalten sind. In der europäischen Union beispielsweise sind sowohl die Gesetze im Land des Standortes, als auch die Gesetze des Landes in dem die Vermarktung stattfindet und die supranationalen Gesetze der Europäischen Union einzuhalten. Die rechtlichen Rahmenbedingungen definieren und begrenzen häufig den Handlungsspielraum von Unternehmen, wie zum Beispiel durch Werbeverbote, und haben somit eine besondere Relevanz, da sie u.a. den kompletten Marketing-Mix beeinflussen können.34 Ebenfalls einschränkend kann die rechtliche Dimension auf Fusionen und Übernahmen, die Arbeitsplatzgestaltung/-sicherheit, Datenschutz oder Gesundheitsgesetze haben.35 Wie in 2.2.1. und in 2.2.5. beschrieben hängen rechtliche Faktoren direkt zusammen mit der politischen Dimension und der Umweltdimension, indirekt zusätzlich mit der sozio-kulturellen Dimension.36 Eine sehr bedeutende Wechselwirkung besteht zwischen der technologischen, der politischen und der rechtlichen Einflussgröße. So reagiert Politik auf Innovationen häufig mit Regulierungen und sehr strengen Normen, die eingehalten werden müssen. Verklausuliert werden diese Normen häufig in sekundärrechtlichen Instrumenten, welche nicht zwangsläufig Folge eines expliziten Vorfalls mit Schaden sein müssen.37 Kommen solche Innovationen von außen und gibt es Substitut-Produkte in dem entsprechenden Land, dann sind beispielsweise auch nationale Gesetze zum Schutz der eigenen Industrie und des eigenen inneren Marktes ein Mittel, welches einen hohen Einfluss auf die technologische Dimension mit Ursprung in der politischen Dimension hat.38

[...]


1 Vgl. https://rapidbi.com/pestle/.

2 Vgl. Aguilar, Francis J.: Scanning The Business Environment, New York, 1967, S. 209ff.

3 Vgl. Aguilar (1967), S. 37ff.

4 Vgl. Aguilar (1967), S. 4ff.

5 Vgl. Aguilar (1967), S. 40ff.

6 Vgl. https://rapidbi.com/pestle/.

7 Vgl. Aguilar (1967), S. 4f.

8 Vgl. https://www.brighthubpm.com/project-planning/100279-pestle-analysis-history-and-application/

9 Vgl. https://www.management-monitor.de/de/infothek/whitepaper_pestel_Analyse.pdf

10 Vgl. http://www.ngo.de/images/stories/organisationsentwicklung/strategieentwicklung/pest-analyse.pdf

11 Vgl. Pillkahn, Ulf: Trends und Szenarien als Werkzeuge zur Strategieentwicklung, Erlangen, 2007, S.125f.

12 Vgl. https://www.strategische-wettbewerbsbeobachtung.com/pestel-analyse/

13 Vgl. https://rapidbi.com/Introduction-to-the-PESTLE-analysis-tool/

14 Vgl. https://www.management-monitor.de/de/infothek/whitepaper_pestel_Analyse.pdf

15 Vgl. https://www.strategische-wettbewerbsbeobachtung.com/pestel-analyse/

16 Vgl. http://www.manager-wiki.com/externe-analyse/19-makroumweltanalyse-pest-analyse

17 Vgl. https://www.management-monitor.de/de/infothek/whitepaper_pestel_Analyse.pdf

18 Vgl. https://www.strategische-wettbewerbsbeobachtung.com/pestel-analyse/

19 Vgl. Pillkahn (2007), S. 87

20 Vgl. Arndt, Helmut: Recht, Macht und Wirtschaft, Berlin, 1968, S. 113ff.

21 Vgl. https://www.management-monitor.de/de/infothek/whitepaper_pestel_Analyse.pdf

22 Vgl. https://www.strategische-wettbewerbsbeobachtung.com/pestel-analyse/

23 Vgl. Pillkahn (2007), S. 87

24 Vgl. http://www.manager-wiki.com/externe-analyse/19-makroumweltanalyse-pest-analyse

25 Vgl. Pillkahn (2007), S. 87

26 Vgl. Christensen, Clayton M.: The Innovator’s Dilemma, München, 2013, S. 3f.

27 Vgl. Christensen (2013), S. 136ff.

28 Vgl. Christensen (2013), S. 4ff.

29 Vgl. Christensen (2013), S. 221f.

30 Vgl. Christensen (2013), S. 14ff.

31 Vgl. https://www.strategische-wettbewerbsbeobachtung.com/pestel-analyse/

32 Vgl. https://www.management-monitor.de/de/infothek/whitepaper_pestel_Analyse.pdf

33 Vgl. http://www.manager-wiki.com/externe-analyse/19-makroumweltanalyse-pest-analyse

34 Vgl. https://smartmarketingbreaks.eu/pestel-analyse/

35 Vgl. http://www.conmethos.com/blog/die-pestel-analyse-laesst-uns-die-unternehmensumwelt-verstehen/

36 Vgl. http://www.manager-wiki.com/externe-analyse/19-makroumweltanalyse-pest-analyse

37 Vgl. Black, Julia/Lodge, Martin/Thatcher, Mark: Regulatory Innovation, Cheltenham, 2005, S. 182ff.

38 Vgl. Arndt (1968), S. 44f.

Details

Seiten
35
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668974159
ISBN (Buch)
9783668974166
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v489730
Institution / Hochschule
Northern Business School
Note
1,0
Schlagworte
Marketing PESTEL International Management Zigarette Analyse Philipp Morris cigarette e-zigarette

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Titel: Darstellung und Kritik der PESTEL Analyse anhand des weltweiten Marktes für Zigaretten