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Analyse zum Wandel der Rolle "Ehefrau"

Untersuchung eventueller Veränderungen in Art und Stärke der ehelichen Maßregelungen seitens der Ehefrau

Hausarbeit (Hauptseminar) 2014 10 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Analysevorgehen

III. Reflexion vor dem theoretischen Hintergrund: Rückbezug zur Hypothese

IV. Fazit und Vorschläge zur Weiterentwicklung der Theorie und Entwicklung neuer Hypothesen

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

Das Seminar „Wandelt sich die Interaktionsforschung – Soziologische Filmanalysen“, das im Sommersemester 2014 an der Ludwig-Maximilian-Universität angeboten wird, beschäftigt sich mit der Analyse von Filmsequenzen. Die wissenschaftliche Untersuchung einer Filmsequenz bemüht sich um neue Erkenntnisse über die dargestellte Interaktion. Sie strebt nach der Beantwortung der Frage, wie die Interaktion in der Filmsituation umgesetzt wird, wie Gestaltungs- und Vermittlungsformen geschaffen und kommuniziert werden und zielt auf die Rekonstruktion des intrinsischen Zusammenhangs der einzelnen Handlungssequenzen ab.

Auch die teilnehmenden Studierenden des Seminars hatten sich in Forschungsgruppen der Analyse einer Filmsequenz angenommen, mit dem Ziel die jeweilige Interaktionslogik in einer Sequenz zu rekonstruieren, sie auf eventuelle Muster im Vergleich zu anderen Sequenzen hin zu prüfen und diese schließlich im Zeitvergleich zu analysieren. Die Studierenden drangen in wöchentlichen Gruppenmeetings immer tiefer in die Materie ein und arbeiteten sich so immer weiter vor. Wöchentliche Protokolle, die den Forschungsprozess dokumentierten wurden eingereicht – von Themenwahl bis hin zum Ergebnis der Analyse.

Die hier ausgeführte Hausarbeit dient als Forschungsbericht und stellt die geleistete Arbeit der Gruppe 7 in zusammengefasster Form dar. Im Anschluss werden die gefundenen Ergebnisse vor dem Hintergrund der theoriebezogenen Ausgangslage reflektiert. Vorschläge zur weiteren Theorieentwicklung schließen diesen Bericht ab.

II. Analysevorgehen

Um oben beschriebenes Vorhaben in die Tat umzusetzen, musste zuerst eine Interaktionssituation gewählt werden, die sich für eine solche Analyse eignen könnte. Nach kurzer Diskussion der Gruppenmitglieder der Arbeitsgruppe 7, konnte man sich schnell auf eine solche einigen. Als Untersuchungsgegenstand wurde folgende Interaktion gewählt: Der (Ehe-)Partner wird von seiner Partnerin (in der Öffentlichkeit) auf Grund eines Fehlverhaltens seinerseits (bspw. Ehe- / Beziehungsbruch, Beleidigung, Streitprovokation, usw.) zurechtgewiesen. Die Zurechtweisung/Maßregelung ist für dargestellte Analyse zu verstehen als ein zur Rede stellen unter Beziehungspartnern. Die Zurechtweisung ist im Sinne von „jemandem eine Szene machen“ zu betrachten, d.h. eine Situation in einer Beziehung dramatisieren, den Partner eines „Vergehens“ beschuldigen und/oder dem Partner (heftige) Vorwürfe machen.

Aus diesem Thema ergeben sich folgende Fragestellungen:

1. Sind Muster im Vergleich der Interaktionssequenzen zu entdecken?
2. Hat sich die Art und Weise geändert, wie der Partner durch seine Partnerin zurechtgewiesen wird?

Durch die Aufarbeitung des Forschungsstandes fanden sich Studien, die sich primär mit dem Wandel der Frauenrolle beschäftigten (u.a. Peuckert, 2012, Huinink, 2009 oder Cyprian, 1996, etc.), die die Arbeitsgruppe zu folgendem theoretischen Hintergrund gelangen ließen: Die bisher dominierende Rolle der Hausfrau sowie die Eheschließung zu ihrer finanziellen und sozialen Absicherung wurde durch die Angleichung der Bildungschancen mittels der Bildungsexpansion der 1960er und 1970er Jahre, die Frauen den Erwerb des eigenen Einkommens aufgrund qualifizierter Berufsarbeit ermöglichte, zurückgedrängt. Die weibliche Selbstständigkeit und Emanzipation wurde forciert, sodass Frauen heute nur unter den Voraussetzungen von völliger Gleichberechtigung, sowie finanzieller Unabhängigkeit eine Ehe eingehen. Generell ist eine Veränderung in den gesellschaftlichen Verhältnissen festzustellen, denn heute wird die Vorstellung einer partnerschaftlichen Organisation des gemeinsamen Lebens von Frauen und Männern geteilt. (vgl. Peuckert, 2012, Huinink, 2009, Cyprian, 1996) Zieht man mit diesem Wissen Rückschlüsse auf oben gestellte Frage, ob sich die Maßregelungen des Mannes durch seine Frau im Laufe der Zeit gewandelt haben, so ist die Arbeitsgruppe zu folgender Theorie gelangt: Aufgrund der gewandelten Frauenrolle, könnte sich die emanzipierte Frau heute im Vergleich zu Zeiten vor den Modernisierungsprozessen, gestärkt fühlen, ihren Partner zurechtzuweisen. Daraus ließ sich die Hypothese ableiten, dass die Maßregelungen des Mannes durch seine Frau im Laufe der Zeit an Stärke gewinnen. In Bezug auf zu untersuchende Interaktionssequenzen hieße das: Je später der Drehzeitpunkt des Films, desto wahrscheinlicher ist mit einer Maßregelung zu rechnen / desto heftiger fällt die Maßregelung aus.

Für die Beantwortung dieser Frage nach Interaktionsmustern und Wandel dieser im Zeitverlauf, wurden Sequenzen aus folgenden Filme gewählt: Erstere stammt aus dem 1950 gedrehten Film „Jetzt schlägt’s 13“. Zweite ist in dem Film „Topas“ aus dem Jahr 1969 zu finden. Letzte Sequenz ist aus dem 2013/14 gedrehten Film „The Wolf of Wall Street“. Besonders günstig waren eben diese Sequenzen, da der Partner in allen Sequenzen das gleiche Vergehen begangen hat: Ehebruch/Betrug.

Jede einzelne Sequenz wurde von der Forschungsgruppe mittels Filmsequenzprotokoll auf filmische Stilmittel hin untersucht und deren Wirkung mit der Art und Weise der Maßregelung in Beziehung gesetzt. Dadurch konnte der Interaktionsablauf der Sequenz rekonstruiert werden, worauf schließlich die Interpretation der Stärke der Zurechtweisung aufgebaut wurde. Zur Erinnerung werden ausgearbeitete Interaktionsordnungen als Überblick dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

III. Reflexion vor dem theoretischen Hintergrund: Rückbezug zur Hypothese

Im Folgenden sollen zuerst die Gemeinsamkeiten aller Interaktionssequenzen dargestellt und die Bedeutung des daraus abgeleiteten Interaktionsmusters veranschaulicht werden. Anschließend wird untersucht, ob innerhalb dieses Musters ein Wandel in der Art und Weise des Interaktionsvollzugs identifiziert werden kann. Dafür werden zuerst die Interaktionsabfolgen von 1950 im Vergleich zu 2013/14 in Bezug auf den Wandel der Stärke der Maßregelung seitens der Ehefrau gegenübergestellt. Zuletzt folgt die Einordnung der Szene aus 1969 unter eben diesem Aspekt.

Vorab zu den Gemeinsamkeiten, dem Handlungsmuster, das sich über alle Sequenzen streckt: Alle Szenen weisen einen Verdacht der Ehefrau auf, der die direkte Interaktion um den Betrug einleitet. In allen Szenen versucht Sie Ihn von dem Betrug zu „trennen“, seien es die Briefe, die Affaire im Auto, oder die Affaire, die am Ziel einer Reise wartet. Auch ist allen Szenen die weibliche Initiative, das Thema aufgrund des Verdachts anzusprechen gemeinsam, sowie ein Nicht-Gutheißen des Betrugs, das mittels missbilligender Gefühle zum Ausdruck gebracht wird, die die Damen im Verlauf der Interaktion zeigen. Sei es ein direktes Zeigen in Form von Wutausbrüchen oder Impulshandlungen, oder aber, wie versucht wird, die missbilligenden Gefühle zu unterdrücken. In allen Szenen wird das Vergehen des Partners also als unmoralisch und inkorrekt dargestellt und von allen Partnerinnen als „Grund für die Zurechtweisung“ aufgefasst, das die Damen zwar auf unterschiedliche Art, aber stets missbilligend reagieren lassen. Jede der Szenen weist einen stürmischen, gefühlsbetonten Höhepunkt der Zurechtweisung auf und läuft auf ein gesetztes, situativ beruhigtes aber emotional aufgewühltes Ende der Interaktion hinaus. Da diese Handlungen in allen Situation so ablaufen, entsprechen sie dem Interaktionsmuster der „typischen“ Situation „Maßregelung/Zurechtweisung aufgrund eines Vergehens“. Erst dieses Muster lässt erkennen, dass es sich bei Interaktionen, die im allgemeinen eine solche Handlungsabfolge aufweisen, um eine Zurechtweisung aufgrund eines Vergehens handelt.

Betrachtet man den Wandel der Interaktionslogik und der Art der Interaktion vor dem Hintergrund des aufgearbeiteten Forschungsstandes und den daraus abgeleiteten Hypothesen, so lässt sich Folgendes festhalten:

Wie vermutet, ändert sich die Art der Zurechtweisung. Im Vergleich zu den 50er Jahren sind Sie und Er heute gleichgestellt. Bei Regelbruch gilt heute gleiches Recht für alle und somit Akzeptanz der Maßregelung und entsprechendes Verhalten. Deutlich wird das an der Reaktion des Ehemannes in der Szene des Films „The Wolf of Wall Street“. Er erkennt seinen Fehltritt an und, als für ihn logische Folge, entschuldigt sich dafür. In den 50er Jahren sind noch deutliche Rangunterschiede zu erkennen, wenn auch erst auf den zweiten Blick. Zugegeben, Sie reagiert in der Szene aus 1950 („Jetzt schlägt’s 13“) aggressiver als von der Arbeitsgruppe ursprünglich vermutet. Dies könnte auch am Genre „Komödie“ liegen. Doch bei genauer Analyse und mithilfe der Betrachtung der Szene durch die filmischen Stilmittel, werden feine Unterschiede erkennbar, die auf deutliche Rangunterschiede in der Beziehung hinweisen. Exemplarisch lässt sich hier der Schreck über das eigene Verhalten aus der Szene des Films „Jetzt schlägt’s 13“ nennen: Sie erteilt ihrem Mann am Ende der Szene aus dem Affekt heraus eine Ohrfeige. Nachdem sie ihre Tat realisiert hat, deutet ihr entsetzter Gesichtsausdruck darauf hin, dass ein solches Verhalten in ihrer Position eher unüblich zu sein scheint. Sie scheint zu wissen, das gehört sich für eine Ehefrau nicht, sie ist dazu nicht „berechtigt“. Auch, dass Sie sich anstelle ihres Mannes ein rangniedrigeres „Opfer“ sucht, zu dessen Maßregelung die Ehefrau berechtigt ist, deutet auf Rangunterschiede in der Partnerschaft hin. In der Szene aus „Jetzt schlägt’s 13“, wendet sie die Zurechtweisung teils weg von ihrem Mann und hin zum Butler.

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Details

Seiten
10
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668972957
ISBN (Buch)
9783668972964
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v489747
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München
Note
1,7
Schlagworte
analyse wandel rolle ehefrau untersuchung veränderungen stärke maßregelungen

Autor

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Titel: Analyse zum Wandel der Rolle "Ehefrau"