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Entstehung und Ziele der Neuen Frauenbewegung

von Kilian Norden (Autor)

Hausarbeit 2010 15 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Entstehung der Neuen Frauenbewegung
2.1 Nachkriegsjahre bis 1967/1968
2.2 Die Neue Frauenbewegung ab 1968

3. Die Ziele der Neuen Frauenbewegung
3.1 Die Kinderladenbewegung
3.2 Die §218 Kampagne
3.3 Die Selbsterfahrungs-Gruppenbildung
3.4 Die Projektbewegung
3.5 Die Zunehmende Institutionalisierung

4. Fazit

5. Literatur

1. Einleitung

Im Jahre 1847 schrieb Louise Otto-Peters (1819 – 1895):

Selbstständig müssen die deutschen Frauen werden1.

Otto-Peters, die „Lerche des Völkerfrühlings“2, gilt als Begründerin der deutschen Frauenbewegung. Sie ragt infolge einer außerordentlichen Kombination aus politisch-sozialen Engagement und literarischen Talent aus dem Reigen ihrer Mitstreiterinnen hervor.3

Damals in einer Epoche der politischen Begeisterung, der Ideen von Freiheit, Gleichheit und Selbstständigkeit, waren sie und ihre Gefährtinnen auf die spezielle gesellschaftliche Situation der Frauen aufmerksam geworden. In „Wort und Tat“4 setzten sich diese bürgerlichen Frauen bereits um die 1848er Revolutionsjahre für Veränderungen ein. Obgleich erst 1865 ein formaler Zusammenschluss erfolgte und damit die organisierte Frauenbewegung, ist ihr Ursprung bereits in jene Zeit zu datieren.5

Von ihren Anfängen bis in das Jahr 1933 datiert diese erste Frauenbewegung. In ihr gab es mehrere, jedoch maßgeblich zwei - „sich gravierend unterscheidende“6 – Richtungen. Die proletarische und die bürgerliche Frauenbewegung.7

Nach dem Ende der NS-Diktatur lebten verschiedene Frauenverbände aus der ersten Frauenbewegung wieder auf, heute sind diese im Deutschen Frauenrat zusammengeschlossen.8

1968, dem Jahr der Breschnew Doktrin, der Wahl Richard Nixons zum US-Präsidenten und den Notstandsgesetzten in der Bundesrepublik, entstand die Neue Frauenbewegung.9

Gegenstand dieser Arbeit ist die Entstehung der Neuen Frauenbewegung in der Bundesrepublik. Anschließend werden deren Ziele thematisiert, bevor in einem Fazit auf eventuelle Erfolge und erreichte Veränderungen der Neuen Frauenbewegung eingegangen wird.

2. Die Entstehung der Neuen Frauenbewegung

2.1 Nachkriegsjahre bis 1967/1968

Wie bereits kurz angeführt, wurden in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg mehrere, teilweise durch die Nationalsozialisten zwangsweise aufgelöste, Frauenverbände (wieder)gegründet. Beispielsweise wurden 1947 der „Demokratische Frauenbund Deutschland“ und zwei Jahre später der Deutsche Frauenrat (DFR) gegründet. Letztgenannter thematisierte die unmittelbare Situation der Frauen sowie Arbeits- und Berufsfragen und war damit auch politisch aktiv.10

Ebenfalls 1949 trat das Grundgesetz der Bundesrepublik in Kraft. Im Artikel 3, Abs. 2 und 3 wurde auf Betreiben der „Mütter des Grundgesetzes“11 die Gleichberechtigung und Gleichstellung von Mann und Frau rechtlich verankert.12

Im Bundesministerium des Innern kam es 1950 zur Gründung des Frauenreferats, unter anderem mit dem Ziel Gleichberechtigung zu verwirklichen.13

1951 wurde als Zusammenschluss von vierzehn einzelnen Frauenverbänden der „Infodienst für Frauenfragen e.V.“ gegründet. Später im Jahre 1969 wurde dieser umbenannt in: „Deutscher Frauenrat – Bundesvereinigung der Frauenverbände und Frauengruppe gemischter Verbände e.V.“ Gefordert wurden unter anderem die Gleichstellung und Gleichberechtigung der Frauen in Politik, Recht und Wirtschaft, gleiche (Aus)Bildungschancen für Mädchen und Jungen und die Entlastung berufstätiger Mütter.14

Soeben wurde exemplarisch aufgezeigt, dass in der Bundesrepublik auch bereits vor 1968 Vertretungen und Vereinigungen, für die Interessen der Frauen, existierten und wirkten.

Es ergibt sich daher folgende Frage: Wodurch grenzt sich die Neue Frauenbewegung von diesen bestehenden Organisationen ab? Die Beantwortung ergibt sich aus dem 3. Punkt dieser Arbeit (Die Ziele der Neuen Frauenbewegung). Ohne jedoch ausgedehnt vorgreifen zu wollen, sei vorab auf eine stark unterschiedliche Zielsetzung und Strategie dieser neuen sozialen Bewegung hingewiesen. Ferner grenzte die Neue Frauenbewegung sich ganz bewusst von den mehrheitlich an den Traditionen vor dem Dritten Reich anknüpfenden Frauenverbänden ab.15

Dieser zusammenhangvermittelnde Einschub ist wichtig, um bereits vor der jetzt folgenden Entstehung der Neuen Frauenbewegung, eine gewisse Trennung vorzunehmen und das „Neue“, nicht an Altem anknüpfende, herauszustellen.

2.2 Die Neue Frauenbewegung ab 1968

Die Studentenbewegung von 1967/68 markiert gleichzeitig den Beginn der Entstehung der Neuen Frauenbewegung. Obgleich die Vereinigten Staaten der Entstehungsort für beide Bewegungen waren, wäre es allerdings falsch von einem Import nach Deutschland zu sprechen. Denn, der hierzulande spezifische Kontext aus wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen ermöglichte und prägte die Entstehung in der Bundesrepublik maßgeblich.16

Die Bundesrepublik wurde seit 1966 durch eine große Koalition, unter Kurt Georg Kiesinger, bestehend aus CDU/CSU und SPD, regiert, welche versuchte der damals herrschenden Rezession zu begegnen. Infolgedessen fehlte im Parlament jedoch ein wirksamer Gegenpol zur Koalition. 1967 entstand aus diesem oppositionsfeindlichen Hintergrund die Außerparlamentarische Opposition (APO) und kurze Zeit später die Studentenbewegung.17

Ein bis dahin beispielloser und deshalb umso vehementer ausgetragener Diskurs wurde eröffnet. Neben dem Hochschulbereich, waren ebenso innen- und außenpolitische Themen, hier besonders der Vietnamkrieg, auf den Tagesordnungen. Wiedersprüche zwischen Anspruch und Realität der Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung in der Bundesrepublik, verstärkt durch den allgemeinen gesellschaftlichen Umbruch und Wertewandel seit den 1950er Jahren, wurden thematisiert. Die bestehenden Werte und Normen wurden hinterfragt und unter anderem eine antiautoritäre Erziehung sowie eine liberalere Einstellungen zur Sexualität gefordert. Im bereits 1946 gegründeten und Mitte der 60er Jahre völlig neu orientierten Sozialistischen Deutschen Studentenbund (SDS) kam es 1968 jedoch zu Spannungen zwischen den Studenten und Studentinnen.18

Die weiblichen Mitglieder mussten die Erfahrung machen, dass ihre männlichen Kommilitonen die autoritären Strukturen, Erziehungs- und Verhaltensmuster sowie die Unterdrückungsmuster der Gesellschaft nach außen hin zwar scharf kritisierten, innerhalb des SDS und im privaten ihr eigenes diskriminierendes und autoritäres Verhalten jedoch nicht in Frage stellten bzw. abstellten.19

Die Frauen waren nur Hilfskräfte im Hintergrund und sollten selber nicht politisch aktiv mitarbeiten.20 Dementsprechend verfügten Sie nur über einen abgeleiteten Status innerhalb der Bewegung, als Freundin oder Frau eines SDS Mannes und waren in ihrem Handeln beschränkt auf Kaffee kochen, Flugblätter abtippen oder die Sicherstellung der Kinderbetreuung während politischer Veranstaltungen.21 Eine Prominente Vertreterin der Neuen Frauenbewegung bemerkte hierzu sinnbildlich: „Männer dachten, Frauen tippten“22.

Dadurch beeinflusst wurde im Januar 1968 der Westberliner „Aktionsrat zur Befreiung der Frauen“, durch sieben Frauen aus dem SDS, als erster Zusammenschluss dieser Art, gegründet. Auf dem darauffolgenden Parteitag des SDS trat diese Gruppierung in die Öffentlichkeit und legte eine Resolution gegen das repressive Verhalten ihrer männlichen Genossen vor. Schließlich im September 1968 erreichten die Spannungen eine neue Qualität.23

Auf der 23. Tagung des SDS in Frankfurt wirft die Romanistik-Studentin Sigrid Rüger drei Tomaten auf den SDS-Cheftheoretiker Hans-Jürgen Krahl. Sie brachte damit ihre Wut auf die männlichen Mitglieder zum Ausdruck, im Zusammenhang mit deren ignoranten und arroganten Reaktionen auf eine Rede Helke Sanders. Dieses Ereignis erlangte äußerst große Aufmerksamkeit durch die Presse und wurde in der Folge zu einem Symbol für das Aufbegehren der Frauen innerhalb der APO.24

Doch keineswegs nur dort, der Tomatenwurf steht sinnbildlich für die Ankündigung der Neue Frauenbewegung in Deutschland.25

Tatsächlich gründeten sich in der Folge, auch außerhalb von West-Berlin, weitere Frauengruppen, beispielsweise im November 1968 der „Frankfurter Weiberrat“. Allerdings bestand zu diesem Zeitpunkt noch keine großräumig agierende Bewegung, lediglich der Grundstein war gelegt. Die folgende Entwicklung zu einer breiten, polarisierten, tiefe gesellschaftliche Spuren hinterlassenden, Neuen Frauenbewegung verlief letztlich über eines der Hauptziele dieser, bis dahin, noch relativ wenigen Frauengruppen.26

[...]


1 Otto-Peters: Die Teilnahme der Frauen an den Interessen des Staates. Leipzig 1847. S. 51.

2 vgl. Internetpräsenz: Deutsches Historisches Museum.

3 vgl. Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Hannover 1997. S. 7.

4 Gerhard: Über die Anfänge der deutschen Frauenbewegung um 1848. München 1983. S. 196.

5 vgl. Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Hannover 1997. S. 7.

6 Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Hannover 1997. S. 7.

7 vgl. Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Hannover 1997. S. 7.

8 vgl. ebd.

9 vgl. ebd.

10 vgl. Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Hannover 1997. S. 36.

11 vgl. Internetpräsenz: Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

12 vgl. Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Hannover 1997. S. 37.

13 vgl. ebd.

14 vgl. Internetpräsenz: Deutscher Frauenrat e.V..

15 vgl. Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Hannover 1997. S. 39.

16 vgl. ebd.

17 vgl. Internetpräsenz: Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. 2010a.

18 vgl. Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Hannover 1997. S. 39.

19 vgl. ebd.

20 vgl. Wagner: Soziale Arbeit und Soziale Bewegungen. Wiesbaden 2009. S. 53.

21 vgl. Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Hannover 1997. S. 39.

22 Schwarzer: Männer, wir kommen! Deutsche Frauen im Aufbruch. Frankfurt am Main. 1972.

23 vgl. Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Hannover 1997. S. 40.

24 vgl. Schwarzer: Männer, wir kommen! Deutsche Frauen im Aufbruch. Frankfurt am Main. 1972

25 vgl. Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Hannover 1997. S. 40.

26 vgl. Nave-Herz: Die Geschichte der Frauenbewegung in Deutschland. Hannover 1997. S. 40f.

Details

Seiten
15
Jahr
2010
ISBN (eBook)
9783668978508
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v489759
Institution / Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg
Note
2,0
Schlagworte
Frauenbewegung Neue Frauenbewegung

Autor

  • Kilian Norden (Autor)

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