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Spuren der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik von 1990 bis heute. Das Phänomen der "Ostalgie"

Diplomarbeit 2012 73 Seiten

Geschichte Europa - Deutschland - Nachkriegszeit, Kalter Krieg

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Überblick: Die deutsche Einheit - zwanzig Jahre später- eine Realität?

Kapitel 1. Auftreten eines Phänomens: die „Ostalgie“
1. Was heißt „Ostalgie“? Definition des Begriffs
2. Die historischen Hintergründe der „Ostalgie“: Rückblick auf die Ereignisse von 1989/1990
2.1 Die „ Herbst Revolution“
2.2. Weg zur Wiedervereinigung

Kapitel 2. Erscheinungsformen der „Ostalgie“ als Reaktionsbewegung
1. Gewinner und Verlierer der deutschen Einheit : „Ostalgie“ als Reaktionsbewegung der Ostdeutschen
2. Die Vermachtung der „Ostalgie“
3. „Ostalgie“ in den Medien : Instrumentalisierung der „Ostalgie“
4. „Ostalgie“ und Film
5. „Ostalgie“ und Politik

Kapitel 3. Fallstudie: Mödlareuth
1. Die Geschichte Mödlareuths
2. Das Dorf heute: Mödlareuth als „Symbol“ der deutschen Geschichte?

Schluss: „Ostalgie“ als Resultat der Behauptung der ost-deutschen Identität?

Bibliografie

Einleitung

Überblick: Die deutsche Einheit - zwanzig Jahre später- eine Realität?

Im Berliner Martin-Gropius-Bau, vom 1. Mai bis zum 14. Juni 2009, fand die Ausstellung 60 Jahre - 60 Werke 1 statt und wurde von der Bundeskanzlerin A. Merkel eröffnet. Diese Ausstellung gedachte des 60. Geburtstags des deutschen Grundgesetzes. Ihre Absicht war es, eine Retrospektive der Kunst in der BRD von 1949 bis 2009 zu veranstalten. In dieser künstlerischen Retrospektive galt das Prinzip „ ein für eins“ das heißt: nur ein Werk bildete jeweils ein Jahr ab. Sechzig übriggebliebene Kunstwerke sollten die Entwicklung der Kunstgeschichte in der BRD veranschaulichen. Eines der Auswahlkriterien war, dass es eine Kunst sein musste, gemäß dem Artikel 5, Absatz 3 des Grundgesetzes, welcher die Freiheit der Kunst regelt2. Die Überschrift dieses Artikels lautet: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei.“3

In vieler Hinsicht schien das Konzept der Ausstellung ehrgeizig zu sein: den Besuchern sollte ein übersichtliches Panorama der bundesrepublikanischen Kunst angeboten werden.

Dennoch führte die Ausstellung zu Debatten in der Öffentlichkeit. In der Tat gab die Ausstellung Anlass zur Kritik, da für die Zeit vor dem Jahr 1989 die ostdeutschen Werke aus der Rückschau ausgegrenzt waren. Die ostdeutschen Kunstwerke, die in der Ausstellung im Berliner Martin-Gropius-Bau gezeigt wurden, waren alle nach dem Mauerfall geschaffen worden. Die Kritiker sprachen von Voreingenommenheit. Diesen Kritikern zufolge war die Auswahl der Werke ideologisch und politisch gefärbt. Eine solche Auswahl schien das Vorurteil zu bestätigen, das den westdeutschen zugeschrieben wurde, nach dem was aus dem Westen kommt besser sei, als das was aus dem Osten kommt. Der Professor Patrice Neau beschreibt dieser Auswahl, als Ergebnis eines anachronistischen Konzepts, das aus den 1950er Jahren kommt. Das kommt mit, für manche Kuratoren, Missachtung gegenüber was aus dem Osten kommt4.

Wie wir bereits oben erwähnt haben, wurde die ausgestellte Kunst gemäß dem Artikel 5 des Grundgesetzes geschaffen. Die Auswahl der Bilder wurde also anhand eines politischen Konzepts getroffen. Dieses Konzept besagt, dass die Prosperität der Kunst nur unter der Schirmherrschaft des Gesetzes garantiert werden kann5. Wichtig ist zu verstehen, dass in der SED-Diktatur die Kunst eine andere ästhetische Qualität aufwies, unter dem Vorwand, dass sie „der Regel“ der Diktatur folgen musste. Die Lage änderte sich nach dem Mauerfall. Diese Auffassung [die in der Perspektive verbetene Auffassung] der Kunst setzt eine Verbindung voraus zwischen der Meinungsfreiheit einerseits, und künstlerischer und ästhetischer Qualität andererseits.6 Die Ausstellung ignorierte die gesamte ostdeutsche Kunst von 1949 bis 1989, deshalb haben mehrere Prominente wie zum Beispiel die Schriftsteller Gunter Grass und Christoph Hein oder der Grafikdesigner, Karikaturist, Jurist und Verleger Klaus Staeck gegen diese Ausstellung protestiert. Interessant festzustellen ist, dass Gunter Grass aus der ehemaligen BRD kommt und, dass Christoph Hein und Klaus Staeck aus der ehemaligen DDR kommen, also ist ganz Deutschland von der Debatte, die die Ausstellung eingeleitet hat, betroffen. Am 30. April 2009 konnte in der Tagesausgabe der Zeit die Schlagzeile So sehen Sieger aus gelesen werden.7 Eine solche Schlagzeile ist sehr aufschlussreich für den Standpunkt der Ostdeutschen. Sie fühlten sich verachtet. Dieser Eindruck lässt sich dank der Worte von Siegfried Gohr, einem der Kuratoren der Ausstellung verstehen.

Siegfried Gohr reagierte gegenüber der Kritik in einem Gespräch mit der Zeitschrift Die Welt, in der seine „Gegenrede an die Kritiker“ publiziert wurde.8 Hier rechtfertigte Gohr seine Entscheidung, die ostdeutschen Künstler aus der Ausstellung auszuschließen. Ihm zu folge hatte die Debatte in „einem wachsenden Ressentiment [der Ostdeutschen] gegen die Bundesrepublik“ ihren Ursprung und er fügt am Ende seiner Gegenrede hinzu:“ Die Ausstellung “60 Jahre/60 Werke“ beweist Gott sei Dank, dass die DDR-Kunst“ wirklich nur ein Nebenkriegsschauplatz ist.“9 Damit deutete er darauf hin, dass nicht die eigentliche Retrospektive das sei, sondern ihre Wahrnehmung durch einen Teil der Bevölkerung. Dieser Standpunkt erscheint wiederum problematisch. Die Behauptung Gohrs ist für uns insofern interessant, als sie grundsätzlich ablehnend ist. Allerdings staunt man etwas, und fragt sich, was ihn zu einer solchen sehr offenkündigen Verachtung gegenüber dem, was aus der ehemaligen DDR, noch heute, kommt, veranlasste.

Diese Aussage zeigt, dass sobald die Rede ist von dem ehemaligen ostdeutschen Staat immer noch zwischen Westdeutschen und Ostdeutschen unterschieden wird; es stellt sich außerdem heraus, dass diese Unterscheidung mit einem Werturteil einhergeht: die Ostdeutschen würden sich allgemein als Bevölkerungsgruppe im wiedervereinigten Deutschland durch eine besondere Stimmung („Ressentiment“) auszeichnen bzw. absondern.

Heute noch halten sich die meisten Ostdeutschen für Verlierer der Wiedervereinigung und für Bürger zweiter Zone.

Diese Selbstwahrnehmung der Ostdeutschen stellt direkt die Frage der inneren Einheit der deutschen Bevölkerung. Ist die innere Einheit eine aktuelle Realität? Ist sie vollendet?

Dieser Diskurs wirft also die Frage nach der Wahrnehmung der DDR im heutigen Deutschland auf. Inwiefern veränderte sich, zwanzig Jahre nach der Wende, die Wahrnehmung der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik?

Um diese Frage beantworten zu können, werden wir ein besonderes Phänomen untersuchen, nämlich „die Ostalgie“. Diese Wortschöpfung bezeichnet die Sehnsucht der Ostdeutschen und ihre Rückwendung zu der Vergangenheit. Sie wirft die Frage der Verklärung einer vergangenen Zeit auf. In der ersten Phase unserer Untersuchung werden wir das Auftreten des Phänomens schildern und vor allem seine historischen Gründe herausstellen. Danach werden wir den alltäglichen Ausdruck der „Ostalgie“ in ihren geschäftlichen, medialen, und politischen Aspekten analysieren, und schließlich, werden wir anhand einer Fallstudie über das Dorf Mödlareuth dokumentieren, inwiefern sich das Phänomen im Alltagsleben der Deutschen niedergeschlagen hat.

Kapitel 1. Auftreten eines Phänomens: die „Ostalgie“

Heutzutage wird die ehemalige Deutsche Demokratische Republik, oder vielmehr was von ihr geblieben ist, ihr Erbe, durch ein besonderes Phänomen, die „Ostalgie“, teilweise wiederbelebt.

Obwohl der ostdeutsche Staat seit der Wende zum Gegenstand von zahlreichen Monographien und Lehrwerken wurde, scheint dieses Thema noch sehr aktuell, als wäre die Vergangenheit noch nicht ganz verarbeitet und bewältigt.

Dieses Phänomen soll in dieser Arbeit untersucht werden.

1. Was heißt „Ostalgie“? Definition des Begriffs

Für das Wort „Ostalgie“ und sein Synonym „DDR-Nostalgie“ gilt heute noch keine „offiziell“ akzeptierte Definition.

Der Neologismus „Ostalgie“ wurde von dem Dresdener Kabarettisten und Schauspieler Uwe Steimle im Jahre 1995 erfunden und verbreitet.10 Die Verbreitung erfolgte durch die MDR-Serie Ostalgie von Uwe Steimle und durch das Buch Uns fragt ja keener – Ostalgie mit Frau Bähnert und Herrn Zieschong.11

Das Buch ist eine Textsammlung, die für die filmische Inszenierung der MDR-Serie Ostalgie geschrieben wurden. Es geht um Dialoge im Dresdener Dialekt zwischen zwei Protagonisten, Frau Bähnert und Herrn Zieschong. Die Texte sind humorvoll und sie sind eine politische Satire der Epoche. Der satirische Aspekt ist deutlich inszeniert durch die Kommentare der Protagonisten, die die Volksstimme verkörpern.

Das Wort besteht aus den beiden Wörtern „Ost“ und „Nostalgie“. Auf den ersten Blick wäre die „Ostalgie“ die Nostalgie nach dem Osten (unter Osten muss man die ehemalige Deutsche Demokratische Republik verstehen). Wichtig ist, den Begriff „Nostalgie“ zu definieren. Dieser Begriff kommt aus den griechischen Wörtern nóstos für Rückker in die Heimat und álgos für Schmerz. Das Deutsche Universalwörterbuch Duden gibt für das Stichwort „Nostalgie“ folgende Definition: „vom Unbehagen an der Gegenwart ausgelöste, von unbestimmter Sehnsucht erfüllte Gestimmtheit, die sich in der Rückwendung zu einer vergangenen in der Vorstellung verklärten Zeit äußert, deren Mode, Kunst, Musik o.Ä. man wieder belebt“12.

Katarina Kuperstein fügt hinzu: «Wenn den Menschen die Gegenwart und Zukunft unüberschaubar und unangenehm vorkommen, die Vergangenheit dagegen geboren und vertraut, entsteht Nostalgie“.13

Laut dieser Definition der „Nostalgie“, könnte man eine Definition der „Ostalgie“ formulieren. Es wäre möglich die „Ostalgie“, als das Bedauern, den Mangel der ehemaligen DDR oder seiner eigenen persönlichen Vergangenheit, zum Beispiel seiner Kindheit, und auch als den Verlust der verschwundenen Heimat zu definieren.14

Für Thomas Ahbe hat der Neologismus eine sehr negative Konnotation, denn das Wort „Ost“ ist ein Synonym für Rückständigkeit und „Nostalgie“ gilt als Synonym für Vergangenheitskult und Unfähigkeit, Zuversicht in die Zukunft zu haben15.

Gegenüber der negativen Konnotation des Begriffs „Ostalgie“ benutzen mehrere Forscher, wie zum Beispiel Rita Bartl oder Katja Neller, das Synonym „DDR- Nostalgie», das einen weniger pejorativen Beigeschmack hat und vor allem neutraler ist16.

Der Philosoph und Politikwissenschaftler Lothar Fritze lehnt die beiden Begriffe „Ostalgie“ und „DDR-Nostalgie“ ab. Er benutzt eher Begriffe wie „Partial- Nostalgie“ oder „Pseudo-Nostalgie“. Nach ihm gibt es nicht genug „Ostalgier“, um von „Ostalgie“ oder „DDR-Nostalgie“ sprechen zu können, denn es gehe nicht um ein gesamtes Bedauern der Vergangenheit. Nach Fritze gibt es trotz der schlechten ostdeutschen Lebensbedingungen und der Kritik an dem Kapitalismus, keine Nostalgie 17.

Auch die Politikwissenschaftlerin Katja Neller schlägt eine Definition der „DDR- Nostalgie“ vor. Sie beschreibt diese „DDR-Nostalgie“ als den Verlust der Heimat.

Unter „Heimat“ muss man die gesellschaftliche –politische und wirtschaftliche Ordnung verstehen. Sie untersucht die „DDR-Nostalgie“ als eine positive Sichtweise des kollektiven Lebens in der DDR. Für sie gelten auch die besonderen politischen und ideologischen Meinungen der ehemaligen DDR-Bürger. Die Verbundenheit mit dem Sozialismus könnte von „globalem“ Aspekt herrühren. Man hält ihn oder einige seiner spezifischen Aspekte wie die Justiz oder die Lebensbedingungen für eine „gute Idee“. 18 Nach Katja Neller darf man nicht die ehemalige DDR nur für eine Diktatur halten. Das Leben in der ehemaligen DDR konnte auch guten Seiten haben und alles im Konzept Sozialismus sei nicht negativ. Man darf den Sozialismus als „ideale gesellschaftliche Ordnung“ nicht mit der inneren Politik der DDR verwechseln.

Der Begriff „DDR-Nostalgie“ gilt in einem positiven Sinn, da wo er eine retrospektive und positive Beurteilung über die DDR-Vergangenheit erlaubt. Diese Beurteilung hat einen rationellen Vergleich zwischen der DDR und der BRD zur Grundlage. Die „DDR-Nostalgie“ hat auch, nach Neller, einen anderen verschiedenen Aspekt. Es ist die affektive Idealisierung, die die negativen Aspekte des Regimes hinter „nostalgischen“ Darstellungen versteckt zur Grundlage hat.19 Aber der erste Aspekt deckt sich nicht mit dem zweiten. Um dieser affektiven Idealisierung verstehen zu können, muss der historische Hintergrund der Wiedervereinigung berücksichtigen sein.20

Die Definition Nellers ermöglicht die „ostdeutsche Spezifität“ zu betonen. Sie betont auch die affektive Verbundenheit mit der ehemaligen ostdeutschen Gesellschaft und dem ehemaligen DDR-Regime, die manche ehemaligen DDR-Bûrger für „besser“ als das heutige Regime hält.21

Dank dieser Definition kann man den Begriff „Ostalgie“ besser einordnen. Es geht vor allem um ein Stichwort mit dem verschiedene Wertungen verbunden sind. „Ostalgie“ gilt als ein brandmarkender Begriff, der mit der Neubelebung von Symbolen (die Zigaretten Club und Caro, die Ampelmännchen, die Waschmittelmarke Spee …) aus der DDR-Zeit einhergeht. Oft wird dieses Stichwort im negativen Sinn, vor allem in den medialen Diskurse, benutzt, um Debatte über ein wirkliches wichtiges und gegenwärtiges Problem – die Selbstwahrnehmung der Ostdeutschen im vereinigten Deutschland- zu vermeiden.

In der Forschung ist diese Neubelebung von Symbolen aus der DDR-Zeit für die einen neutral und sie sehen in ihr eine Form der Erinnerung oder des Geschäfts. Sie glauben in der „Ostalgie“ eine Art ostdeutscher Selbstbehauptung zu erkennen.22

Den Begriff „Ostalgie“ benutzt man heute, wie bereits erwähnt, als Stichwort. Er hat, in diesem Sinn, keine wissenschaftliche Relevanz. Man benutzt ihn unbedacht. Das Stichwort erlaubt, die Debatte über die wichtigen gesellschaftlichen Probleme zu vermeiden, denn den Begriff erlaubt das Vermischen zwischen der „Nostalgie“, das heißt „ dem Bedauern der guten alten Zeit“, und der Verbundenheit mit der persönlichen Vergangenheit, Miterinnerungen oder Werte, trotz dieser Debatte in der Öffentlichkeit kommen auf. Das Wort beinhaltet auch den Sinn mehrerer anderer Begriffe wie: „Mentalität“, „Identität“ „Anschauung“ und „Meinung“.23

Trotz seines brandmarkenden Aspekts ist und bleibt der Begriff „Ostalgie“ das bekannteste Stichwort, vor allem durch seine Benutzung in den Medien. Wie man zum Beispiel an folgenden Zeitungsschlagzeilen sehen kann: „ für Ostalgie besteht kein Anlass“24 oder „Stasi-Kneipe In Lichtenberg macht mit Ostalgie Kasse“25.

Die größere Verbreitung der „Ostalgie“ ist jedoch eine relativ kürzlich erfolgte Erscheinung. Sie tritt im Jahre 2003, nach dem Erfolg des Filmes Goodbye Lenin! von Wolfgang Becker auf.26 Die größere Verbreitung der „Ostalgie“ datiert zwar vom Jahre 2003 aber nach den Historiker, die die Wiedervereinigung und den Vereinigungsprozess, als Forschungsgebiet haben, beginnen in Wahrheit die Anfänge der „Ostalgie“ kurz nach der Wiedervereinigung, schon im Jahre 1991.

Der Erfolg des Filmes Goodbye Lenin! von Wolfgang Becker können wir verstehen und erklären, denn im Gengensatz zu anderen früheren Filmen, die die „Ostalgie“ und das Leben in der DDR als zentrales Thema haben, gibt Goodbye Lenin! ein wahrscheinliches und realistisches Bild von dem Leben in der DDR. Der Film vermeidet zahlreiche Klischee, was seinen Erfolg erklärt.

Um dieses Phänomen zu verstehen und zu untersuchen ist es nötig, seine historischen Hintergründe zu beleuchten

2. Die historischen Hintergründe der „Ostalgie“: Rückblick auf die Ereignisse von 1989/1990

2.1 Die „ Herbst Revolution“

Der Fall der Berliner Mauer und die deutsche Vereinigung hatten, durch ihre Schnellheit, die ganze Welt überrascht, vor allem die deutsche Bevölkerung, die deutschen Politiker und die Alliierten. Der Mauerfall stellte das Ende der West-Ost Ordnung dar, die seit dem Kalten Krieg existierte. Vor dem Mauerfall schien die politische Ordnung in Europa unumstoßbar. Der Antagonismus zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion und ihren beiden politischen Anschauungen (dem Kapitalismus und dem Kommunismus) mussten in der Zukunft und nach aller Wahrscheinlichkeit fortdauern27.

Im März 1985 wurde Michail Gorbatschow als neuer Staats-und Parteichef in der Sowjetunion gewählt. Die Wahl Gorbatschows gab Hoffnung auf politische und wirtschaftliche Reformen in der DDR.28 Michail Gorbatschow kam an die Macht mit einem Programm. Die beiden wichtigsten Schlagworte des Programms von M. Gorbatschow waren Glasnost (Offenheit) und Perestroika 29 (Umgestaltung). Durch dieses Programm etablierte Gorbatschow eine Liberalisierungspolitik. Eines der großen Prinzipien dieser Liberalisierungspolitik beruhte auf der Ablehnung der Breschnew- Doktrin. Die Breschnew- Doktrin garantierte die beschränkte Souveränität der sozialistischen Staaten und ein beschränktes Recht an die Selbstbestimmung30. Am 7.7.1989 wurde die Breschnew-Doktrin offiziell von der UdSSR abgelehnt.

Im Ostblock kamen daraufhin schnell die ersten Reaktionen. 1989 z.B. organisierte Polen die ersten freien Wahlen. Im Mai desselben Jahres zog die UdSSR einen Teil ihrer Armeetruppen aus Ungarn, der Tschechoslowakei und Ostdeutschland ab. Gleichzeitig begann Ungarn seine Grenzsperren zu Österreich abzubauen und hunderte DDR- Bürger suchten über die Hauptstadt Budapest ihren weg in den Westen. Die Ausreisewilligen besetzten die bundesdeutschen Botschaften. Am 10.11.1989 ergriff Ungarn die Initiative seine Grenzen zum Westen zu öffnen. Einige Wochen darauf begann ein Massenexodus und über 25 000 Menschen verließen die DDR.31

Angesichts dieses Massenexodus und der Unordnung, die zu dieser Zeit in der DDR herrschte (schlimme wirtschaftliche Lage und Unzufriedenheit der Bevölkerung), warnte Michail Gorbatschow die DDR-Regierung davor, dass es keine chinesische Lösung (d.h. eine bewaffne Unterdrückung der Bevölkerung) geben werde. Er hatte keine Absicht diesen Massenexodus zu wiederwerfen.32

Die Machtübernahme Gorbatschows stimmte mit dem Ende der sowjetischen Bevormundung der sozialistischen Staaten überein.

Im Gegensatz zu den anderen sozialistischen Staaten zeigte sich die SED-Regierung reformunfähig. Diese Einstellung, die einer Ablehnung gegenüber den Reformen Michail Gorbatschows glich, führte sie zur politische Isolierung. Die SED-Regierung stellte sich den Reformen in den Weg und wurde ein wirkliches Hindernis für die Demokratisierung der DDR. Die SED-Regierung wollte ihren Führungsanspruch nicht aufgeben33. Sie hegte gegenüber der Politik Michail Gorbatschows großes Misstrauen und eine setzte Gegenreaktion. Z.B. wurde die deutsche Auflage der sowjetischen Zeitschrift Sputnik am 18.11.1989 verboten. In der DDR war Sputnik ein Informationsmedium, das die Politik Michail Gorbatschows befürwortete34. Die Zeitschrift wurde verboten, denn „ sie hatte über das geheime Zusatzprotokoll zum Hitler-Stalin Pakt vom 23. August 1939 berichtet und auf diesem Weg orthodox- sozialistische Geschichtsbilder in Frage gestellt“35.

Es ist auch interessant festzustellen, dass im April 1987 der Politbürokrat Kurt Hager in einem Interview für die Zeitschrift Stern die Notwendigkeit der Perestroika verwarf. In diesem Interview fragte er „ ob man seine Wohnung ebenfalls neu tapezieren müsse, wenn der Nachbar dies tue“36. Diese Meldung illustrierte den Willen des Regimes sich vom russischen Diktat zu befreien. Also distanzierte sich die DDR von der UdSSR. Die ostdeutsche Presse berichtete auch kaum über die laufenden Reformen in den anderen sozialistischen Staaten(wie z.B. die Offenheit der Grenzöffnung in Ungarn.)37. Während viele Staaten im Ostblock mit der UdSSR einen offenen Dialog engagiert hatten (dank der Reformen), vermeidete die DDR- Regierung den Dialog mit der Bevölkerung. So begann der Isolierungsprozess der DDR. Sie ergriff Schutzmaßnahmen gegen die UdSSR. Bereits 1980, zum Beispiel, durften die Ostdeutschen nicht mehr ohne Visum nach Polen reisen. Die schon bestehende Isolierung der DDR wurde noch verstärkt.

Die Ablehnung von Glasnost und Perestroika wurde zur Führungslinie der DDR- Regierung, denn sie hielt die Politik Gorbatschows für eine Leugnung. Ab diesem Moment musste die SED, aufgrund ihrer politischen Isolierung, ihre Innen- und Außenpolitik selbst bestimmen. Diese Lage führte die DDR in eine tiefe politische Krise und Gorbatschow wandte sich von der DDR ab.38 Die Partei war politisch gelähmt und es formte sich eine innere Opposition gegenüber der Reformunfähigkeit des Generalsekretärs Erich Honecker.

Die politische Krise, in der sich die DDR befand, herrschte vor und nach den Kommunalwahlen im Mai 1989. Ab Mai 1989 traten zahlreiche inoffizielle Gruppen, die sich zuvor formiert hatten, an die Öffentlichkeit. Diese Gruppen lehnten Ziele wie die fortschreitende Umweltverschmutzung, und die Ausbeutung der Dritten Welt ab und sie klagten die von der DDR Helsinki-Prozess39 anerkannten Bürgerrechte ein40.

Die Kirchen spielten dabei eine wichtige Rolle, denn die DDR-Gruppen konnten sich unter ihrem Dach treffen. Das war möglich, denn die Kirchen waren die einzige Institutionen der DDR, die nicht „sozialistisch“ war. Der Staat duldete sie. Die protestantischen Kirchen mussten eine religiöse Tätigkeit im Rahmen des Sozialismus entwickeln und diese Tätigkeit musste zum Ziel haben, den Sozialismus zu stärken41. Trotz dieser Aufgabe wurden die Kirchen Orte wo die Oppositionsgruppen und die jungen Bürger ihre Solidarität gegen die SED-Führung zum Ausdruck bringen konnten. Die SED-Führung sah dies ungern, deshalb wurden die Kirchen von den inoffiziellen Mitarbeiter des MfS infiltriert, und die Repressionen gegen Regimekritiker wie den Chemiker Robert Havemann, den Sänger Wolf Bierman oder den Philosophen Rudolf Bahro wurden verschärft und deutlicher. Die SED-Führung verhängte mehrere Haftstrafen und Ausbürgerungen oder „freiwilligen“ Ausreisen, die zum Ziel hatten, die Oppositionsgruppen zu schwächen42.

Die inoffiziellen Gruppen kämpften für den Respekt der Menschenrechte, Pluralismus, die Beibehaltung der Zweistaatlichkeit Deutschlands sowie besseren und reformierten DDR Sozialismus.43 Sie bildeten sich in allen Bezirken der DDR und es entwickelten sich im ganzen Land Netzwerke. Es entstand die Opposition.

Im Gegensatz zu denjenigen, die aus der DDR fliehen wollten, protestierten manche Gruppen für eine reformierte DDR. Die Slogans änderten sich. Nun rief die Menge nicht mehr: „ Wir wollen raus!“ sondern „Wir bleiben hier!“. Diese Veränderung bezeugte den Willen für ein demokratisches Land. Mehrere Oppositionsgruppen wie Neues Forum, Demokratie jetzt und Demokratischer Aufbruch wollten, zwischen September und Oktober 1989, eine politische und offizielle Anerkennung erreichen44. In diese Gruppen befanden sich Theologen, Pfarrer sowie Künstler und Intellektuellen.

Neues Forum bezeichnete sich selbst als eine politische Plattform und nicht als Partei, die Raum für eine innergesellschaftliche Diskussion schaffte. Zu dieser Gruppe zählten u. a. Intellektuelle wie die Malerin Bärbel Bohley, der Physiker Sebastian Pflugbeil, der Arzt Jens Reich oder der Anwalt Rolf Henrich45, deren Ziel eine politische und demokratische Reform durch demokratischen Dialog war.

Demokratie jetzt hatte den Physiker Hans-Jürgen Fischbeck, den Kirchenhistoriker Wolfgang Hullmann und den Dokumentarfilmregisseur Konrad Weiß als Mitglieder. Die Bewegung zeichnete sich durch einen christlich-sozialistischen Ansatz mit einer zivillisationkritischen Komponente aus. Sie trat für einen demokratisch reformierten DDR- Sozialismus ein und hatte folgende Ziele: soziale Gerechtigkeit, Freiheit, Menschenwürde, Pluralismus und Rechtsstaatlichkeit, Entstaatlichung der Medien und Bildungseinrichtungen sowie der Parteien und Gewerkschaften46.

Demokratischer Aufbruch wurde aus aktiven Initiativgruppen gegründet. Mitglieder waren die Theologen Rainer Eppelmann, Edelbert Richter, Erhardt Neubert und Friedrich Schorlemmer.47

Im Juli wurde auch die Sozialdemokratische Partei begründet. Trotz dieser demokratischen Bewegung hielten die Ausreisen an. Die Statistiken beweisen, dass täglich über 10 000 Emigranten die DDR zu dieser Zeit verließen.48

Abgesehen von dieser massiven Ausreisebewegung, kann der Zeitpunkt, zu dem sich die Opposition zu einer Massenbewegung verändert hat, mit den Kommunalwahlen im Mai 1989 angesetzt werden, denn nach diesen Kommunalwahlen formierte sich die Bürgerbewegung.

Am 7.Mai 1989 glaubten die Oppositionsgruppen, dass das Erlebnis der Kommunalwahlen den Unmut der Bevölkerung reflektiert hätte statt hat die SED- Führung das Resultat gefälscht.

Um ihre Macht zu verstärken hatte die SED, für die Oppositionsgruppen keine Legitimität besaßen, das folgende Wahlresultat veröffentlicht: Die Einheitslisten hatten 98.85 Prozent der Stimmen bekommen und der Anteil der Gegenstimmen wurde mit zwischen 10 und-20 Prozent festgesetzt49.

Daraufhin traten Wahlbeobachter aus den Oppositionsgruppen an die Öffentlichkeit und es wurden Demonstrationen organisiert. Hunderte von Leuten demonstrierten wegen Wahlfälschung. Das Vertrauen auf die Opposition und die Bürgerrechtler wuchs. Die Bevölkerung traf sich auf den Straßen der DDR, um ihre Enttäuschung offenkundig zu machen. Ab diesem Moment kann man von einer breiten Massenbewegung und nicht nur von einer Oppositionsbewegung sprechen. Diese demokratischen Demonstrationen werden die Montagsdemonstrationen genannt, dass sie jeden Montag in Leipzig stattfanden. Die SED-Führung konnte sie trotz Massenfestnamen nicht verhindern. Der Wille der ostdeutschen Bevölkerung war zu diesem Zeitpunkt stärker als die Staatsmacht50.

Am 7. Oktober 1989 demonstrierten Bürgen im ganzen Land für demokratische Reformen.

Am 18. Oktober 1989 wurde die Entmachtung Erich Honeckers entschieden. Die Regierung versprach eine „Wende“ in ihrem Sinne und am 23 Oktober 1989 wurde Egon Krenz zum Generalsekretär gewählt. Krenz hoffte das System vor dem Zusammenbruch retten zu können, deshalb entschied er eine halbherzige personelle Veränderung der Partei-Führung und politische Absichtserklärungen, um die öffentliche Stimmung zu beruhigen. Es genügte nicht, denn die Leute wollten grundlegende demokratisch politische Reformen, was zur Folge hatte, dass die Ausreisen weiter andauerten51. Immer mehr Leute gingen auf die Straße. Am 4.November demonstrierte circa eine Million Bürger auf dem Alexanderplatz in Berlin. Sie wollten Presse- Reise- Meinungs und Versammlungsfreiheit sowie freie Wahlen52. Zu diesem Zeitpukt war die ökonomische Lage der DDR katastrophal. Der Staat musste circa 12 oder 13 Milliarden DM von der BRD erbitten, um finanziell zu übererleben. Er war nah am Bankrott53.

Am 9. November 1989 wurde eine durch das Fernsehen übertragene Pressekonferenz am Rande der SED-ZK Tagung abgehalten. Der Parteisprecher Gunter Schabowski musste die Neuregelung der Ausreisebestimmung aus der DDR erkunden. Die DDR- Bürger konnten ab sofort in den Westen reisen.54

Um 23 Uhr begann ein Massenexodus in die BRD. Die Grenzöffnung war abrupt und hat alle politischen Akteure überrascht. Mit dieser Ausreisebestimmung wollte die DDR-Regierung das Land retten aber dieser Rettungsversuch und die Grenzöffnung bedeuteten eher den Zusammenbruch der DDR, der nah war55.

Der Mauerfall und die Bewegungen der „Herbst-Revolution“ waren die ersten Schritte zur zukünftigen deutschen Wiedervereinigung.

2.2. Weg zur Wiedervereinigung

Der Mauerfall und die Bewegungen der „Herbst-Revolution“ waren auch die ersten Schritte In Richtung Demokratisierung des Regimes und markierten den Machtzerfall der SED, die nach der Grenzöffnung ihre Handlungsfähigkeit fast völlig verloren hatte.56

Nach dem 9. November versprach die SED, durch ein „Aktionsprogramm“, eine erneuerte SED, d.h. eine Entflechtung von Partei und Staat, die die „freie Entwicklung der Frauen“ und unabhängige Gewerkschaften ankündigte.57 Trotz dieser versprochenen Reformen stolperte die Partei der Entwicklung der Gesellschaft nur noch hinterher. Alle Anpassungsversuche, alle Anstrengungen um Handlungssouveränität zu behalten, waren vergeblich.58

Bis Mitte November waren alle Spitzenfunktionäre auf zentraler Ebene, Bezirks- und Kreisebene abgelöst worden. Die SED zerfiel auf allen Ebene.59 Der Höhepunkt des Machtzerfalls der SED-Führung wurde am 13. November.

Am 13. November hatten die Blockparteien der DDR Volkskammer60 die Absicht ihre bedingungslose Gefolgschaft der SED einzustellen und den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung zu streichen. Deshalb verlangten sie freie Wahlen. Mit nur einer Gegenstimme wählte die Volkskammer den Dresdner SED-Bezirkschef Hans Modrow zum neuen Regierungschef. Hans Modrow wurde, im Osten wie im Westen für einen Reformer gehalten. Man nannte ihn den „deutschen Gorbatschow“61. Modrow versuchte in den nächsten Monaten die Existenz einer reformierten DDR zu sichern,62 aber die Ostdeutschen hatten schon eine andere Lösung wählten denn während der Leipziger Montagsdemontration des 27. November reklamiert das Volk eine Vereinigung Deutschlands63.

Am 1. Dezember wurde die „führende Rolle“ der SED aus der Verfassung gestrichen. Vor dieser Zeit an, war die Kontrolle der SED über die Parteibasis entglitten und die Korruption war immer mehr anwesende und immer mehr Menschen traten aus der Partei aus. Anfang Dezember hatte die SED 600 000 ihrer 2,3 Millionen Mitglieder verloren. Am 3. Dezember wurde die gesamte Parteiführung abgelöst64. Am 6. Dezember trat Egon Krenz als Staatsratsvorsitzender und als

Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates zurück. Seine Zeit als Generalsekretär dauerte alles in allem sieben Wochen.65

Am 8./9. Dezember wurde die SED als PDS (Partei des Demokratischen Sozialismus) benannt. Gregor Gysi wurde als Parteichef gewählt. Gregor Gysi war ein intellektuell wendiger und rhetorisch begabter Anwalt und hatte gute Kontakte zu den oppositionellen Gruppen66. Die Gründung dieser „neuen“ Partei symbolisierte die Hoffnung eines Neuanfangs. Man wollte retten was noch zu retten war. Der neue Name der Partei symbolisierte den Bruch mit der Vergangenheit der DDR.

Die PDS proklamierte einen „ dritten Weg jenseits von des stalinistischen Sozialismus und Herrschaft transnationaler Monopole“67. Die Partei sprach es gegen die deutsche Vereinigung und für die Fortbestand einer sozialistischen DDR aus68. Zwischen November 1989 und Januar 1990 verlor die PDS fast alles, was sie charakterisierte denn sie verlor viele Mitglieder und die Herrschaft über Gesellschaft und Staat. Die PDS war nur mehr eine politische Kraft unter anderen geworden.69

Die Massendemonstrationen hatten zu einer Solidarisierung breiter Schichten der Bevölkerung geführt. Die Regierung hatte vor diesen Demonstrationen fast kapituliert. Obwohl die Ideen der Bürgerrechtsbewegung allgemein waren, hatten sie Zustimmungs- und Handlungsfähigkeiten ermöglichten70. Als die Wahl von politischen Positionen und Perspektiven ein Muss wurde, zerbrach die Bürgerbewegung. Sie zerbrach wegen der Frage, die, unvermeidlich mit dem Mauerfall, an die Tagesordnung gekommen war, das heißt der nationalen Frage71.

Das Neue Forum hielt z. B. die Öffnung der Grenzen für einen zu gewagten Schritt, denn man wusste, dass, in der Euphorie des Mauerfalls, die ostdeutsche Gesellschaft mit der westdeutschen Konsumgesellschaft gereizt war. Die Priorität für das Neue Forums war, wie für der anderen prominentester Oppositionsgruppe, eine reformierte DDR zu begründen. In dieser reformierten DDR sollte die Zivilgesellschaft einer partizipatorische Demokratie verwirklichen, d.h. die „Vision einer herrschaftsfreien Gesellschaft, deren Bürger nicht von staatlichen Zwängen, materiellen Eigeninteressen oder machtpolitischen Erwägungen korrumpiert sein sollten“.72 Mit dieser Kritik an Materialismus und Konsum orientierte sich die Oppositionsgruppe nicht an dem westlichen System im Zeichen politischer und wirtschaftlicher Freiheit, sondern wollte den dritten Weg, das heißt der Weg des reformierten und demokratisierten Sozialismus zwischen westlichem Kapitalismus und ehemaligem SED-Staatssozialismus gehen73.

[...]


1 6 0 Jahre - 60 Werke, Kunst aus der Bundesrepublik Deutschland 1949-2009, Martin-Gropius-Bau, Berlin.

2 Markus Jauer, „ viel Rauch und Nichts“ , FAZ, 2. Mai 2009.

3 Grundgesetz, Artikel 5 Absatz 3: „Kunst und Wissenschaft, Forschung und Lehre sind frei. Die Freiheit der Lehre entbindet nicht von der Treue zur Verfassung“.

4 Patrice Neau, «60 Jahre, 60 Werke » une autocélébration de la république de Bonn» in Allemagne d’aujourd’hui, n°189, juillet-septembre 2009, Paris, S.309.

5 Patrice Neau, «60 Jahre, 60 Werke » une autocélébration de la république de Bonn» in Allemagne d’aujourd’hui, n°189, juillet-septembre 2009, Paris, S.310.

6 Id . S.311.

7 Die Zeit, 30.04.2009 zitiert in Patrice Neau, «60 Jahre, 60 Werke » une autocélébration de la république de Bonn» in Allemagne d’aujourd’hui, n°189, juillet-septembre 2009, Paris, S.310.

8 Siegfried Gohr, « Gegenrede an die Kritiker „ , die Welt, 2. Juni 2009 2009 zitiert in Patrice Neau, «60 Jahre, 60 Werke » une autocélébration de la république de Bonn» in A llemagne d’aujourd’hui, n°189, juillet-septembre 2009, Paris, S.310.

9 Id.

10 Thomas Ahbe : Ostalgie Zum Umgang mit der DDR-Vergangenheit in den 1990er Jahren. Erfuhrt, 2005, S.7.

11 Katarina Kuperstein, zwischen Ostalgie und Reflexion – Die filmische Darstellung der DDR nach der Wende, VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken, 2010, S. 50. Uwe Steimle, Uns fragt ja keener – Ostalgie mit Frau Bähnert und Herrn Zieschong, Eulenspiegel bei Heyne, München, 1997.

12 Duden Universalwörterbuch , 6. Auflage , S. 1216.

13 Siehe Fuβnote 10.

14 Thomas Ahbe zitiert in : Benoit Pivert, « Ostalgie, analyse d’un phénoméne », in : Allemagne d’aujourd’hui, n°189, juillet-septembre 2009, Paris, S.166.

15 Id.

16 Rita Bartl, Zum Phänomenen der « DDR-Nostalgie », GRIN Verlag, München, 2005, S.5.

17 Benoit Pivert, « Ostalgie, analyse d’un phénoméne », in : Allemagne d’aujourd’hui, n°189, juillet- septembre 2009, Paris, S.166

18 Marina Chauliac, « Les « nostalgiques de la RDA » : Entre deuil impossible et poursuite d’une utopie » in : Bogumil Jewsiewicki, Erika Nimis (dir.), « expérience et mémoire: partager en français la diversité du monde », Paris, l’ Harmattan, 2008, (Seite 4).

19 Id.

20 Ibid.

21 Ibid.

22 Siehe Fußnote 8.

23 Jean Mortier, « Ostalgie et constructions identitaires » , in Allemagne d'aujourd'hui », n°190, octobre-décembre 2009, Paris. P. 74.

24 Focus, 3/10/2008.

25 Die Welt, 30/07/2008.

26 Wolgang Becker , Goodbye, Lenin !, 2003.

27 Jacques-Pierre Gougeon : La civilisation allemande, Hachette, 1999/2000. S. 170.

28 Heike Chritina Mätzing, Michael Ploenus, Volker Sinemus, Reinhard Sturm, Geschichte und Geschehen Zusammenbruch der DDR und deutsche Einheit, Ernst Klett Verlag, Stuttgart –Leipzig, 2010. S. 35.

29 „Die Politik von Glasnost gestattete es den sowjetischen Medien erstmals, kritisch über die gravierenden gesellschaftlichen Missstände in ihrem Land zu berichten, und leitete eine umfassende Demokratisierung der sowjetischen Gesellschaft ein.“ Unter das Schlagwort Perestroika versteht man „einen sukzessiven Umbau der ineffizienten Planwirtschaft hin zu mehr Markwirtschaftlichkeit und Eigenverantwortlichkeit der Betriebe“, zitiert in: Heike Chritina Mätzing, Michael Ploenus, Volker Sinemus, Reinhard Sturm, Geschichte und Geschehen Zusammenbruch der DDR und deutsche Einheit, Ernst Klett Verlag, Stuttgart –Leipzig, 2010. S. 35.

30 Francis Lachaise, histoire d’un état disparu: la république démocratique allemande de 1945 à nos jours, ellipses, Paris, 2001. S. 114.

31 Ulrich Mählert, kleine Geschichte der DDR, Verlag C. H. Beck, München, 2010. S. 159.

32 Id. S. 162.

33 Heike Chritina Mätzing, Michael Ploenus, Volker Sinemus, Reinhard Sturm, Geschichte und Geschehen Zusammenbruch der DDR und deutsche Einheit, Ernst Klett Verlag, Stuttgart –Leipzig, 2010. S. 35.

34 Id.

35 Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland: die Geschichte der Wiedervereinigung, Verlag C. H. Beck, München, 2009. S. 64.

36 Neues Deutschland vom 10. April 1987, zitiert in: Ulrich Mählert, kleine Geschichte der DDR, Verlag C. H. Beck, München, 2010. S. 147.

37 Francis Lachaise, Histoire d’un état disparu: la république démocratique allemande de 1945 à nos jours, ellipses, Paris, 2001. S. 116.

38 Id.

39 Die Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) war eine Folge von blockübergreifenden Konferenzen der europäischen Staaten zur Zeit des Ost -West Konfliktes. Die erste Konferenz fand vor allem auf Initiative des Warschauer Paktes ab dem 3. Juli 1973 in Helsinki statt. Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Konferenz_%C3%BCber_Sicherheit_und_Zusammenarbeit_in_Europa

40 Ulrich Mählert, kleine Geschichte der DDR, Verlag C. H. Beck, München, 2010. S. 153.

41 Francis Lachaise, Histoire d’un état disparu: la république démocratique allemande de 1945 à nos jours, ellipses, Paris, 2001. S. 117.

42 Ulrich Mählert, kleine Geschichte der DDR, Verlag C. H. Beck, München, 2010. S. 154-155.

43 Id.

44 Francis Lachaise, Histoire d’un état disparu: la république démocratique allemande de 1945 à nos jours, ellipses, Paris, 2001. S. 121.

45 Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland: die Geschichte der Wiedervereinigung, Verlag C. H. Beck, München, 2009. S. 67.

46 Id. S. 69.

47 Ibid.

48 Francis Lachaise, Histoire d’un état disparu: la république démocratique allemande de 1945 à nos jours, ellipses, Paris, 2001. S. 121.

49 Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland: die Geschichte der Wiedervereinigung, Verlag C. H. Beck, München, 2009.S. 65.

50 Ulrich Mählert, kleine Geschichte der DDR, Verlag C. H. Beck, München, 2010. S. 160.

51 Id. S.165.

52 Ibid.S.166.

53 Ibid.S.166.

54 Ibid.S.168.

55 Ibid.S.168.

56 Ibid.S.168.

57 Vgl. Dazu Küsters, Einleitung zu DzD Deutsche Einheit [344], S. 110-116. Zietiert in : Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland: die Geschichte der Wiedervereinigung, Verlag C. H. Beck, München, 2009.S. 110.

58 Id. S. 111.

59 Ulrich Mählert, kleine Geschichte der DDR, Verlag C. H. Beck, München, 2010 , S. 168.

60 CDU , LDPD und DBD.

61 Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland: die Geschichte der Wiedervereinigung, Verlag C. H. Beck, München, 2009.S. 111.

62 Klaus Schroeder, Die DDR Geschichte und Strukturen, Reclam UB No 15233, Stuttgart, 2011, S. 129.

63 Id.

64 Ulrich Mählert, kleine Geschichte der DDR, Verlag C. H. Beck, München, 2010 , S. 169.

65 Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland: die Geschichte der Wiedervereinigung, Verlag C. H. Beck, München, 2009.S. 112.

66 Id.

67 Ulrich Mählert, kleine Geschichte der DDR, Verlag C. H. Beck, München, 2010 , S. 170.

68 Klaus Schroeder, Die DDR Geschichte und Strukturen, Reclam UB No 15233, Stuttgart, 2011, S. 132.

69 Id.

70 Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland: die Geschichte der Wiedervereinigung, Verlag C. H. Beck, München, 2009.S. 118.

71 Id.

72 Timmer, Bürgerbewegung, [335], S. 384, zitiert in: Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland:

73 73 Andreas Rödder, Deutschland einig Vaterland: die Geschichte der Wiedervereinigung, Verlag C. H. Beck, München, 2009.S. 119.

Details

Seiten
73
Jahr
2012
ISBN (eBook)
9783668958418
ISBN (Buch)
9783668958425
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v489784
Institution / Hochschule
Université de Picardie Jules Verne – Faculté de langues étrangère
Note
Master 1 TLE – allemand
Schlagworte
Ostalgie DDR Geschichte deutsche Wiedervereinigung Deutsche Demokratische Republik BRD Bundesrepublik Deutschland Xavier Fluet

Autor

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Titel: Spuren der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik von 1990 bis heute. Das Phänomen der "Ostalgie"