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Angewandte Prävention und Gesundheitsförderung

Ein Fallbeispiel

Einsendeaufgabe 2015 10 Seiten

Gesundheitswissenschaften

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Definition, Zusammenhänge und Abgrenzungen von Prävention, Gesundheitsförderung und Früherkennung

2. Präventionsprojekte nach Indikation und Lebensphasen

3. Der Settingansatz

4. Gesundheitsförderung im Setting APOLLON-Hochschule

5. Erfolgsfaktoren von Gesundheitsförderungsprojekten

1. Definition, Zusammenhänge und Abgrenzungen von Prävention, Gesundheitsförderung und Früherkennung

Im Gesundheitswesen ist Prävention ein Oberbegriff für zielgerichtete Maßnahmen, zur Vermeidung von Krankheiten oder gesundheitlichen Schädigungen. Das Risiko zu erkranken soll verringert werden. Präventive Maßnahmen lassen sich nach dem Zeitpunkt zu dem sie eingesetzt werden unterteilen in: Primärprävention, sie zielt darauf ab die Entstehung von Krankheiten zu verhindern. Besonders die sogenannten Volkskrankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2 oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sowie auch einige psychische Störungen können in vielen Fällen durch einen gesundheitsbewussten Lebensstil vermieden und in ihrem Verlauf günstig beeinflusst werden. Gesunde Ernährung, sportliche Aktivitäten und eine gute Stressbewältigung zählen zu den positiven Faktoren einer gesunden Lebensweise. Sekundärprävention, sie ist auf die Früherkennung von Krankheiten gerichtet, Erkrankungen sollen zu einem möglichst frühen Zeitpunkt erkannt werden, um eine frühzeitige Therapie einleiten zu können. Eine eindeutige Abgrenzung von primärer und sekundärer Prävention ist jedoch nicht immer möglich. Ein Beispiel ist die Darmkrebs- und Gebärmutterhalskrebsfrüherkennung. Ist eine Vorstufe der Krebserkrankung erkannt und beseitigt worden, sind beide Maßnahmen der Primärprävention (Krankheitsvermeidung) zuzuordnen. Bei Entdeckung einer Krebserkrankung im Frühstadium, handelt es sich jedoch um eine Maßnahme der Sekundärprävention (Früherkennung).

- Tertiärprävention, Ziel ist hier die Milderung von Krankheitsfolgen, die Vermeidung von Rückfällen bei bereits entstandenen Krankheiten und die Verhinderung von Verschlechterungen einer Erkrankung. Die tertiäre Prävention ist weitgehend mit der medizinischen Rehabilitation gleichzusetzen.

Des Weiteren lassen sich in der Prävention zwei grundsätzliche Ansätze unterschieden, die Verhaltensprävention und die Verhältnisprävention. Maßnahmen der Verhaltensprävention beziehen sich direkt auf den einzelnen Menschen und dessen individuelles Gesundheitsverhalten. Beispielsweise die Stärkung der eigenen Gesundheitskompetenz, mit dem Ziel Risikofaktoren bedingt durch Rauchen, Fehlernährung, Bewegungsmangel und übermäßigen Alkoholkonsum zu reduzieren (vgl. Bundesministerium für Gesundheit, 2015). Die Verhältnisprävention zielt ab auf die Lebensbedingungen in der Gesellschaft, beispielsweise die Wohnumgebung, das Einkommen und die Bildung, die die Gesundheit beeinflussen können (vgl. Bundesministerium für Gesundheit, 2015). Die Gesundheitsförderung nach WHO (Weltgesundheitsorganisation) umfasst alle Maßnahmen die auf Veränderungen und Förderungen des individuellen Verhaltens sowie auf die Lebensverhältnisse abzielen, sie orientiert sich an der Gesundheit. Ziel der Gesundheitsförderung ist die Reduzierung von gesundheitlichen Ungleichheiten in Bezug auf Gesundheitszustand und Lebenserwartung unterschiedlicher sozialer Gruppen. Die Gesundheitsförderung umfasst fünf ausschlaggebende Handlungsbereiche:

1. Entwicklung einer gesundheitsfördernden Gesamtpolitik
2. Schaffung von gesundheitsfördernder Lebenswelten
3. Unterstützung von gesundheitsbezogenen Gemeinschaftsaktionen
4. Neuorientierung der Gesundheitsdienste
5. Förderung der Entwicklung persönlicher Kompetenzen

(vgl. Gesundheitsberichterstattung des Bundes, 2015)

Die Begriffe Prävention und Gesundheitsförderung beziehen sich auf unterschiedliche Bezugsrahmen, jedoch haben sie ein gemeinsames Ziel. Den individuellen als auch den kollektiven Gesundheitsgewinn. Die Prävention durch das Zurückdrängen von Risikofaktoren für Krankheiten und die Gesundheitsförderung durch die Förderung von gesundheitlichen Ressourcen. Die unterschiedlichen Maßnahmen mit ihren verschiedenen Wirkungsweisen werden sowohl bei der Prävention als auch bei der Gesundheitsförderung vor der Erkrankung eingeleitet und ergänzen sich. Allerdings ist der Weg zum gemeinsamen Ziel nicht der gleiche. Die Prävention befasst sich mit der Entstehung von Krankheit (Pathogenese) und die Gesundheitsförderung mit der Entstehung von Gesundheit (Salutogenese). Des Weiteren sind die Maßnahmen der Gesundheitsförderung im Gegensatz zur Prävention nicht zeitlich in primär, sekundär oder tertiär zu differenzieren (vgl. Knaack, 2013, S. 39 ff).

2. Präventionsprojekte nach Indikation und Lebensphasen

Ansatz nach Indikation Herz – Kreislauf – Erkrankung:

Die wesentlichen klassischen Risikofaktoren sind vor allem, Rauchen, Übergewicht und Adipositas, Bluthochdruck, mangelnde körperliche Aktivität, erhöhter Alkoholkonsum, Stress, Diabetes mellitus Typ II und Fettstoffwechselstörungen (vgl. Eberhard, 2013, S. 19). Diese Risikofaktoren können durch gesundheitsbewusstes Verhalten und eine Veränderung des Lebensstils beeinflusst und maßgeblich verhindert werden. Auch psychosoziale und ökonomische Faktoren spielen bei der Entstehung von Herz – Kreislauf – Erkrankungen eine große Rolle (vgl. Eberhard, 2013, S. 41). Folgende Faktoren wirken sich ungünstig aus: Niedriger sozioökonomischer Status, Stress am Arbeitsplatz (Schichtarbeit, Überstunden), Soziale Vereinzelung, Doppelbelastung Beruf und Familie, Depressive Symptome, Angststörungen, Neigung zu emotionalen Reaktionen auf Umweltreize, Posttraumatische Belastungsstörung (vgl. Ärztezeitung, 2014).

Zur Reduktion dieser ungünstigen Faktoren bedarf es sowohl der Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention. Maßnahmen der Primärprävention sind bereits bei Kleinkindern und ihren Eltern, Kindertagesstätten und Schulen sinnvoll, denn der dort gelernte gesunde Lebensstil (z.B. Gesundes Frühstück, körperliche Aktivität) festigt sich und wird ins Erwachsenenalter übertragen. Eine weit verbreitete Sekundärprävention im Erwachsenenalter sind die Check-Up-Untersuchungen. Ab dem Alter von 35 Jahren haben gesetzlich Krankenversicherte alle zwei Jahre Anspruch auf einen kostenlosen Gesundheits-Check. Ziel dieser ärztlichen Untersuchung und ihrer Nachbesprechung ist die Reduktion von Risikofaktoren (vgl. Eberhard, 2013, S. 37 ff).

Ansatz nach Indikation Krebserkrankung

Einflussfaktoren wie Lebensführung, genetische Dispositionen, Umweltfaktoren und Infektionen können die Entstehung von Krebserkrankungen begünstigen (vgl. Eberhard, 2013, S.43). Für die Sekundärprävention von Krebserkrankungen werden sowohl Früherkennungsuntersuchungen im Rahmen von Check-up-Untersuchungen als auch in Form von Screenings (Reihenuntersuchung), beispielsweise das Mammografie Screening zur Früherkennung von Brustkrebs, durchgeführt. Früherkennungsuntersuchungen richten sich an Menschen bzw. Bevölkerungsgruppen die sich in Bezug auf die zu untersuchende Erkrankung gesund fühlen. Wichtig ist hier die Qualität und Sicherheit der Früherkennungsuntersuchungen, wodurch Falsch positive Ergebnisse vermieden werden sollen (vgl. Eberhard, 2013, S. 49).

Ansatz nach Lebensphase

Der Lebenslauf eines Menschen lässt sich in vier Lebensphasen einteilen, Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter, Alter. Jede Lebensphase beinhaltet sowohl unterschiedliche Belastungen, Herausforderungen und Risiken als auch unterschiedliche Ressourcen (vgl. Becklas, 2012, S.3). Die Einteilung in Lebensphasen erlauben Folgerungen auf den Bedarf und die Bedürfnisse der jeweiligen Zielgruppe in der Prävention und Gesundheitsförderung. Besonders zwischen den Lebensphasen oder bei Eintritt eines besonderen Lebensereignisses (z.B. Tod eines Angehörigen, Verlust von Arbeit, Geburt, Hochzeit etc.) ist der Mensch durch die Lebensveränderung besonders empfänglich für präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen (vgl. Knaack, 2013, S.50).

Prävention und Gesundheitsförderung Kindheitsphase

In der Kindheitsphase kommt es kaum zu Krankheiten. Prävention setzt hier beim Verhalten und der Lebensweise der Eltern an (Aufklärung und Unterstützung). Die kindheitsbezogene Gesundheitsförderung setzt auf den Ausbau der Handlungskompetenzen sowohl von den Kindern als auch der Eltern (vgl. Becklas, 2013, S.26 f).

Beispiel Prävention: Stillen, Impfungen

Bespiel Gesundheitsförderung: Projekt „Familienhebamme“, Bewegungsspiele

Prävention und Gesundheitsförderung Jugendphase

Auch in der Jugendphase kommt es kaum zu Krankheiten, jedoch nimmt das gesundheitsriskante Verhalten in dieser Phase des Lebens zu. Dieses Risikoverhalten birgt die Gefahr von Unfällen, welche Verletzungen bis hin zum Tod nach sich ziehen können (vgl. Becklas, 2012, S. 34). Die Prävention in der Jugendphase konzentriert sich daher auf das Verhindern von Risikoverhalten. Die Gesundheitsförderung setzt auf die Unterstützung der Jugendlichen durch soziale Netzwerke, ein Projekt ist beispielsweise das Programm „komm auf Tour – meine Stärken, meine Zukunft“ (vgl. Becklas, 2012, S.38).

Prävention und Gesundheitsförderung Erwachsenenphase

Neben der eigenen Gesundheit spielt in dieser Lebensphase auch die Gesundheit der Angehörigen (Kinder, Eltern) eine wesentliche Rolle. Ursache für die steigende Krankheitslast im Erwachsenenalter sind körperliche, psychische und soziale Faktoren. Prävention und Gesundheitsförderung sollte aus diesem Grund vor dem Hintergrund der Vereinbarkeit von Familie und Beruf stattfinden (vgl. Becklas, 2012, S. 42 ff).

Beispiel Prävention: Ernährungs-, Bewegungs- und Suchtprogramme

Beispiel Gesundheitsförderung: Zahlreiche Programme zur sozialen Unterstützung

(vgl. Becklas, 2012, S. 50)

Prävention und Gesundheitsförderung Altersphase

Diese Lebensphase ist durch einen starken Anstieg von gesundheitlichen Problemen gekennzeichnet. Zudem sind ältere Menschen oft von gleichzeitig bestehenden Krankheiten (Multimorbidität) betroffen. Beispielsweise die Grunderkrankung Diabetes mit Folgeerkrankungen wie Augenleiden, offenes Bein etc. (vgl. Becklas, 2012, S. 55). Präventive und gesundheitsfördernde Maßnahmen sind im Alter wichtig, sie beeinflussen die objektive und subjektive Gesundheit (vgl. Becklas, 2012, S.57).

Beispiel Prävention: Sturzprophylaxe, Bewegungsprogramme

Beispiel Gesundheitsförderung: Soziale Unterstützung besonders im kommunalen Bereich, Verbesserung der Umweltbedingungen (vgl. Becklas, 2012, S. 59 f)

Vor- und Nachteile eines Ansatzes nach Lebensphasen

- Eine Orientierung an den individuellen Lebensphasen ermöglicht eine bessere Erfassung der Zielgruppen. Besonders in den Übergängen der einzelnen Lebensphasen sind die Menschen aufgeschlossener und zugänglicher für Verhaltensänderungen. Maßnahmen sind schon in der Kindheitsphase wichtig, sie prägen das Verhalten im Heranwachsen (vgl. Becklas, 2012, S. 25).

- Mangelnde Inanspruchnahme von Interventionen aufgrund der Freiwilligkeit. Pluralität der Lebensstile erschwert das Erfassen der Lebenswelten. Die den Lebensphasen entsprechende Ansprache zu finden ist schwierig (vgl. Becklas, 2012, S. 62).

Vor- und Nachteile eines Ansatzes nach Indikation

- Risikogruppen können durch das Screeningverfahren identifiziert und entsprechend angesprochen werden. Die Umsetzung von Intervention auf der Verhältnisebene sind gut erreichbar, z.B. Raucherschutz, bessere Arbeitsbedingungen (vgl. Eberhard, 2013, S.50 ff).

- Qualität und Validität von Testuntersuchungen ist nicht immer ausreichend. Fehlinterpretationen von Vorsorgeuntersuchungen. Daraus eventuell resultierende unnötige Folgeuntersuchungen (vgl. Eberhard, 2013, S. 50 ff).

3. Der Settingansatz

Der Begriff „Setting“ charakterisiert und beschreibt die sozialen Lebensräume in dem Menschen ihren Alltagstätigkeiten nachgehen und einen Großteil ihrer Lebenszeit verbringen (z.B. Kindergarten, Schule, Familie, Stadt, Kommune, Arbeitsplatz). Diese Vielzahl von verschiedenen sozialen Lebensräumen erfordert umfassende und vielschichtige Strategien um Gesundheitsförderung erfolgreich umzusetzen und anzuwenden (vgl. Hartmann, Hesse, 2013, S. 1). Der Settingansatz bezieht sich auf die Lebenswelten der Menschen und deren Rahmenbedingungen. 1986 wurde auf der ersten Internationalen Konferenz zur Gesundheitsförderung in Ottawa, Kanada, der Settingansatz erstmals durch das Projekt „Gesunde Städte“ ins Leben gerufen (vgl. Hartmann, Hesse, 2013, S.6). Die zentralen Merkmale des Settingansatzes sind:

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Details

Seiten
10
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783668958586
ISBN (Buch)
9783668958593
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v490064
Institution / Hochschule
APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen
Note
1,7
Schlagworte
angewandte prävention gesundheitsförderung fallbeispiel

Autor

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Titel: Angewandte Prävention und Gesundheitsförderung