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Der Kaschmirkonflikt. Ursprung, Entwicklung und Prognosen für die Zukunft

Ausarbeitung 2019 17 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Kaschmir – Geografie und Demografie
2.1 Geografische Lage
2.2 Bevölkerung – Demografie, Kultur, Religion

3 Geschichtlicher Diskurs
3.1 Frühzeit
3.2 Ab der Islamisierung des Kaschmirtals 1339 bis zur Unabhängigkeit von Indien und Pakistan

4 Kaschmirkonflikt von 1947 bis heute
4.1 Ab der Teilung von Indien und Pakistan 1947 bis zur Border Line Control 1949
4.2 Kaschmirkonflikt 1949 – 1980
4.3 Entwicklung ab 1980 bis heute

5 Stellungnahme der Kashmiris, von Indien und Pakistan bezüglich des Kaschmirkonfliktes

6 Aktuelle Situation und mögliche Lösungen für die Zukunft

7 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Region Kaschmir ist eine schwer zugängliche Gegend in Nordindien und Osten Pakistans, umgeben von hohen Gebirgsketten. Um diese Region streiten sich zwei Nachbarländer, sowohl Indien als auch Pakistan. Eine friedliche Lösung ist noch lange nicht in Sicht. Ferner erhebt auch China territoriale Ansprüche auf einige Regionen in Ladakh.

Den Schwerpunkt der vorliegenden wissenschaftlichen Arbeit bildet der Verlauf des Kaschmirkonflikts und die Problematik der pakistanisch-indischen Beziehungen ab 1949 bis heute. Ferner werden der historische und nationale Aspekt, die Positionen einzelnen Länder und mögliche Szenarien für die Zukunft erläutert.

Im ersten Abschnitt wird der Geografie und Demografie von Kaschmir behandelt. Die Region um das Kaschmirtal, von dem separatistische Strömungen ausgehen, machen nur einen Teil des ehemaligen Fürstenstaates Jammu und Kaschmir aus. Wie schon im Jahr 1950 der Beauftragte der Vereinten Nationen berichtete, bildet der indische Bundesstaat weder ethnisch noch religiös eine Einheit.1

Der Kaschmirkonflikt begann 1947 als die Teilung zwischen Indien und Pakistans stattgefunden hat und bleibt auch nach über 70 Jahren ein ungelöster Konflikt. Der von Indien kontrollierte Bundesstaat Jammu und Kaschmir gehört heutzutage zu einen der am stärksten militarisierten Zonen weltweit. Die politischen Beziehungen der beiden Länder bleiben weiterhin angespannt. Im Februar 2019 verübte Indien einen Luftangriff auf Pakistan. Es bleibt abzuwarten, wann Pakistan einen Gegenangriff verüben wird. Sowohl Indien als auch Pakistan sind Länder mit Nuklearwaffen. Ein regionaler Konflikt könnte somit schwerwiegende Folgen für die Region haben.

Nach dem British India im Jahre 1947 die Unabhängigkeit erhielt, teilte sich das Gebiet in zwei Staaten auf: in einen von der hinduistischen Mehrheit geprägten Indien und einen muslimischen Staat Pakistan (Bangladesch gehörte damals zu Ost-Pakistan). Kaschmir hätte zu Pakistan übergehen müssen, weil in dieser Region eine muslimische Mehrheit vorhanden ist. Dies erfolgte jedoch nicht. Kaschmir war zu diesem Zeitpunkt ein hinduistisches Fürstentum, d.h., dass eine hinduistische Elite über der muslimischen Mehrheitsbevölkerung herrschte. Im zweiten Abschnitt wird der historische Aspekt erläutert sowie die Ursachen, dass Kaschmir an Indien angeschlossen wurde.

Im dritten Abschnitt wird die Entwicklung des Kaschmirkonflikts von 1947 bis heute erläutert. Die Entstehung des Konflikts begann nicht mit der Teilung zwischen Indien und Pakistan an, sondern bereits ab dem Zeitpunkt als sich die Sikh-Herrscher 1819 Kaschmir zum Fürstentum Jammu anschlossen. Dies erklärt auch, warum eine mehrheitlich muslimische Region an Indien ging. In über 70 Jahren scheint es, dass die Lage in Kaschmir sich nicht gebessert hat, sondern immer weiter eskaliert.

Im vierten Abschnitt wird die Position von Indien, Pakistan sowie von den Kaschmiris selbst zur Problematik erläutert. Indien und Pakistan vertreten dazu ganz unterschiedliche Positionen: Die indische Regierung betrachtet den Kaschmirkonflikt als einen inneren Konflikt und beschuldigt Pakistan, sich in die Innenpolitik Indiens einzumischen. Pakistan dagegen betrachtet Kaschmir als die von Indien ungerecht annektierte Provinz. Laut des pakistanischen Staatsgründers Ali Jinnah sollte Pakistan alle Muslime auf dem indischen Subkontinent zusammenfassen. Das Wohl der kaschmirischen Bürger spielt sowohl für Indien als auch für Pakistan eine nebensächliche Rolle.

Im fünften Abschnitt wird die aktuelle Situation und die mögliche zukünftige Entwicklung behandelt. Dabei soll die Frage geklärt werden, ob Kaschmir weiter zu Indien oder an Pakistan angeschlossen werden sollte oder ob Kaschmir zu einem unabhängigen Staat werden sollte. Bei der Betrachtung wird auf die Wünsche der lokalen Bevölkerung eingegangen sowie weiter hinterfragt: Ob die Kashmiris als Volksgruppe und getrennter Staat überhaupt existieren könnten.

Der letzte Abschnitt bildet eine kurze Zusammenfassung und Fazit zum Thema.

2 Kaschmir – Geografie und Demografie

2.1 Geografische Lage

Kaschmir liegt im geografischen Dreieck zwischen Indien, Pakistan und China. Der südliche und somit der größere Teil der Region wird von der indischen Regierung kontrolliert und gehört zum Bundesstaat Jammu und Kaschmir, der aus drei Großregionen Jammu (Mehrheit Hindus und Sikhs), Ladakh (vorwiegend schiitisch-ismaelitische Muslime) und Kaschmir (vorwiegend sunnitische Muslime) besteht. Der nordwestliche Teil wird von der pakistanischen Regierung kontrolliert und wird bezeichnet als Azad Kashmir (urdu: freies Kaschmir).

Der Bundesstaat Jammu und Kaschmir grenzt im Westen an die pakistanische Provinz Punjab, im Norden an einen schmalen Gebietskorridor von Afghanistan, im Osten mit China und im Süden mit den indischen Bundesstaaten Himachal Pradesh und Punjab.2

Das von Indien kontrollierte Kaschmirtal zählt zu der nördlichsten Region Indiens, umgeben vom hohen Gebirge wie beispielsweise Himalaja, Karakorum, Papanjal-Gebirge.

Die in der folgenden Abbildung dargestellte Karte3 zeigt die von Indien und von Pakistan kontrollierten Gebiete sowie Teilgebiete, die von China beansprucht werden. Zu sehen ist, dass sowohl Indien auf Gilgit-Baltistan als auch Pakistan auf den vorwiegend hinduistischen Jammu einen Anspruch erheben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das Kaschmirtal ist bekannt wegen seines Klimas, besonders in Sommermonaten. In den Bergregionen wechseln kurze Sommermonate lange und harte Wintermonate ab.4 Die Landwirtschaft findet vor allem in den Ebenen statt, etwa 80% der Bevölkerung von Jammu und Kaschmir sind in der Landwirtschaft tätig.

2.2 Bevölkerung – Demografie, Kultur, Religion

Aufgrund der geografischen Lage zählen Jammu und Kaschmir zu den ärmeren Regionen Indiens. Ein Großteil der Bevölkerung (etwa 80%) ist in der Landwirtschaft tätig, die Analphabetenquote liegt bei 33% (vergl. Indien 24%)5. Die Gesamtbevölkerung von Jammu und Kaschmir liegt bei 12,5 Millionen.

Eine weitere Besonderheit ist, dass Jammu und Kaschmir zwei Hauptstädte besitzen: Srinagar in den Sommermonaten und Jammu in Wintermonaten.

Nach ungefähren Angaben gibt es ungefähr 7 Millionen Kashmiri (6,8 Sprecher in Jammu und Kaschmir und ca. 130000 in Azad Kashmiri in Pakistan), deren Nationalsprache Kashmiri (auch Koshur genannt) ist. Diese gehört dem dardischen Sprachenstamm an und ist eine Untergruppe der indoarischen Sprachgruppe. Lange Zeit blieb die Sprache von anderen Bevölkerungsgruppen isoliert und gehört heutzutage als einzige zu den dardischen Sprachen, die eine Tradition der Literatur aufweist. Im Kaschmirtal sprechen etwa 90% Kashmiri als Muttersprache, in ganz Jammu und Kashmir machen diese ca. 55% der Gesamtbevölkerung des Bundesstaates aus. Weitere gesprochene Sprachen im Bundesstaat bilden Dogri (ca. 21%), Hindi (ca. 18%), Panjabi (ca. 2%), Ladakhi (ca. 1%).

Die meisten Kashmiris bekennen sich zum sunnitischen Islam, der von sufistischer Mystik geprägt ist, die wiederum Nähe zum hinduistischen und buddhistischen Gedankengut aufweist. Dies erklärt auch die Tatsache, dass Muslime und Hindus über Jahrhunderte miteinander friedlich existieren konnten. Erst in den 1990er-Jahren kam es zu Spannungen und viele Pandit waren gezwungen, das Kaschmirtal zu verlassen und nach Jammu zu fliehen.

Der Bundesstaat Jammu und Kaschmir lässt sich auch konfessionell in drei Abschnitte teilen: In Jammu bekennt sich die Mehrheit zum Hinduismus und Sikhismus, in Ladakh leben vor allem schiittische-ismaelitische Muslime und Buddhisten, in Kaschmir sind die meisten sunnitische Muslime, die von der sufistischen Mystik beeinflusst wurden. Ferner existieren in Jammu und Kaschmir einzelne 12 schiitische Gemeinden.

Obwohl Kashmiri zu den 22 offiziellen Verfassungssprachen Indiens gehört, benutzen viele die in Jammu und Kaschmir lebenden Muslime Urdu als Verkehrssprache zwischen einzelnen Volksgruppen. Diese Gewohnheit existiert bei fast allen Muslimen in Indien, dass Urdu als eine Kommunikationssprache dient und viel mehr Menschen sie als Zweitsprache sprechen. Dagegen gibt es viel weniger Muttersprachler von Urdu.

Bezüglich der Schrift wurde ursprünglich Koshur in Sharada-Schrift geschrieben, die heutzutage nur noch für religiöse Zeremonien der Pandit (hinduistische Kashmiri) benutzt wird. Heutzutage wird bei den muslimischen Kashmiris die arabisch-persische Schrift mit Modifikationen und bei Pandit die Devanagari Schrift verwendet.

Auch wenn die Kashmiris von indischer und pakistanischer Geschichte geprägt sind, bleiben ihre Traditionen mehr von Zentralasien geprägt als vom indischen Subkontinent.

3 Geschichtlicher Diskurs

3.1 Frühzeit

Bereits im 3. Jahrhundert v.Chr. wurde um die Region Srinagar, was heutzutage die Hauptstadt in den Sommermonaten ist, die erste Siedlung von König Asoka gegründet. Im 2. Jahrhundert v.Chr. verbreitete sich in der Region der Buddhismus aus, der später vom hinduistischen Brahmanismus verdrängt wurde.6 In vielen Teilen der Region fand ein Synkretismus zwischen dem Buddhismus und Hinduismus statt. Ab dem 13. Jahrhundert begann auch der islamische Einfluss.7

Über Kaschmir verlief auch einst die berühmte Seidenstraße. Dies erklärt auch die Tatsache, dass die Kultur der Kaschmiris sich der zentralasiatischen ähnelt, vor allem bei Kunst, Literatur, Theater und Tanz.8

3.2 Ab der Islamisierung des Kaschmirtals 1339 bis zur Unabhängigkeit von Indien und Pakistan

Die erste islamische Dynastie in Kaschmir wurde 1339 vom Shah Mir gegründet und dauerte bis 1561. Es wird angenommen, dass die Vorfahren vom Shah Mir entweder persisch- oder türkischstämmig waren und im Gebiet Swat (heutige Provinz Khyber Pakhtunkhwa in Pakistan). Obwohl der Islam ab Schah Mir zur offiziellen Religion wurde, konvertierte zunächst nur ein kleiner Teil der Bevölkerung. Die Herrschaft von Ghiyas-ud-Din Zain-ul-Abidin(reg. 1420 – 1470) könnte als eine Blütezeit der Region bezeichnet werden, die von religiöser Toleranz geprägt ist. Er schaffte die Kopfsteuer für Nichtmuslime ab, verbot das Schlachten von Kühen, forderte die einst vertriebenen Hindus auf, in ihre Heimatorte zurückzukehren und ließ die hinduistischen Schriften in die persische Sprache übersetzen.

Ab der Herrschaft von Shah Mir begann die allmähliche Islamisierung im Kaschmirtal an. Die Islamisierung in Indien und Süd-Ost-Asien ist nicht gleichzusetzen mit einer Zwangskonversion, sondern wie eine freiwillige Annahme der mystischen Strömung des Islams. Oft entstand auch ein Synkretismus zwischen dem sufistischen Islam und Hinduismus.

Die Fremdherrschaft über Kaschmir begann im Jahre 1586 und wurden weite Teile Kaschmirs vom Mogulherrscher Akbar erobert. Die Mogulherrschaft dauerte fast zweihundert Jahre, bis der Pathanenfürst Ahmed Shah Durani 1753 Kaschmir eroberte.9 Die afghanisch stämmige Herrschaft wird von den Kashmiris als eine Zeit der Tyrannei und Plünderung bezeichnet.10

Im Jahre 1819 endete die muslimische Herrschaft über Kaschmir, in dem der Sikh-Herrscher Ranjit Singh die Pathanen besiegte. Er setzte als Verwalter über Kaschmir den General Raja Gulab Singh ein, der in den Jahren 1834 – 1841 Ladakh und im Jahre 1840 Baltistan unterwarf. Erst unter der Sikh-Herrschaft wurde das vorwiegend muslimische Kaschmir dem hinduistischen Teil Jammu angeschlossen. Dies erklärt auch die aktuelle Tatsache, warum der Bundesstaat Jammu und Kaschmir politisch geteilt ist. Im Gegensatz zu Kaschmir weist Jammu keine separatistischen Züge auf.

Im Jahre 1846 besiegten die britischen Truppen mithilfe von Gulab Singh, die Seite gewechselt hatte, die Sikhs und Jammu. Kaschmir wurde zum britischen Protektorat. Gegen Zahlung einer Abfindung wurde Gulab Singh zum Maharaja von Jammu und Kaschmir und gründete somit die Dogra Rajput Dynastie. Während dieser Zeit kam es zur Benachteiligung der muslimischen Bevölkerung. Diese mussten hohe Steuern entrichten, nur Hindus wurden in gehobene Positionen zugelassen. Viele Kashmiris waren aufgrund von Hungersnot gezwungen, nach Panjab zu fliehen. Im Jahre 1931 erfolgten erste muslimische Proteste, um eine Gleichstellung mit den Hindus zu erlangen, rund 20 Demonstranten wurden erschossen. Doch aus Sicht des Herrschers waren es berechtigte Maßnahmen, weil sie in diesen Protesten es eine Anti-Maharaja-Bewegung sahen.

Nachdem Indien im Jahre 1947 unabhängig vom britischen Protektorat wurde, entstanden gleichzeitig zwei Staaten: Indien (15.08) und Pakistan (14.08). Den einzelnen Fürsten war es freigestellt, ob sie zu Indien oder Pakistan gehören wollten oder ganz unabhängig sein wollten. Die mehrheitlich muslimischen Gebiete gingen meistens an Pakistan und die mehrheitlich hinduistischen Gebiete gingen an Indien. In Kaschmir entstand die Problematik, dass eine muslimische Mehrheit und der Herrschaft der hinduistischen Elite war. Aus diesem Grund entschied der damalige Maharaja Hari Singh, dass Kaschmir ein unabhängiges Fürstentum bleiben sollte.

[...]


1 P. Hönig: Der Kaschmirkonflikt und das Recht der Völker auf Selbstbestimmung – S. 100

2 P. Hönig: Der Kaschmirkonflikt und das Recht der Völker – S. 99

3 http://www.bpb.de/internationales/weltweit/innerstaatliche-konflikte/54616/kaschmir

4 P. Hönig: Der Kaschmirkonflikt und das Recht der Völker – S. 100

5 https://www.census2011.co.in/census/state/jammu+and+kashmir.html

6 P. Hönig: Der Kaschmirkonflikt und das Recht der Völker auf Selbstbestimmung – S. 100

7 P. Hönig: Der Kaschmirkonflikt und das Recht der Völker auf Selbstbestimmung – S. 100

8 P. Hönig: Der Kaschmirkonflikt und das Recht der Völker auf Selbstbestimmung – S. 101

9 P. Hönig: Der Kaschmirkonflikt und das Recht der Völker auf Selbstbestimmung – S. 100

10 Bhat K. A.: Special Status of Jammu and Kashmir – S. 8

Details

Seiten
17
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668967427
ISBN (Buch)
9783668967434
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v490072
Institution / Hochschule
Georg-August-Universität Göttingen – Institut für Arabistik/Islamwissenschaft
Note
1,3
Schlagworte
Kaschmirkonflikt Prognose Indien Pakistan

Autor

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Titel: Der Kaschmirkonflikt. Ursprung, Entwicklung und Prognosen für die Zukunft