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Psychologische Grundlagen des mentalen Trainings

Hausarbeit 2014 9 Seiten

Sport - Bewegungs- und Trainingslehre

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriff der Vorstellung

3. Entstehung einer Vorstellung - Ansatztheorien

4. Bedeutung fur Bewegungs- und Handlungsvorstellungen

5. Bewegung und Wahrnehmung als System

6. Fazit

7. Quellen

1. Einleitung

Im Spitzensport/ Wettkampfsport sieht man oft viele Sportier, wie sie vor ihrer Disziplin vollig konzentriert sind und bestimmte Bewegungsablaufe geistig durchlaufen. Dabei bewegen sie sich leicht komisch, was fur den Zuschauer auch schon mal amusant werden kann. Was machen diese Sportler da genau?

Jeder Sportler kennt das, wenn man vor einem wichtigen Wettkampf steht und seine Ubung ja nicht verhauen will. 100-prozentige Konzentration ist gefragt und man hofft, dass Alles gut geht. Kurz vor der Ubung wird die Kur bzw. der Ablauf nochmals im Kopf durchgegangen und das ist das ausschlaggebende - das mentale Training.

Das Mentale Training ist eine Trainingsmethode, bei der sich Sportler Bewegungsablaufe nur vorstellen, das heiBt, sie fuhren nicht gleichzeitig die Bewegung aus. Professor Dr. Hans Eberspacher bringt es mit seiner Definition sehr gut auf den Punkt: „Unter Mentalem Training ist die planmaBig wiederholte und bewusst durchgefuhrte Vorstellung einer Bewegung oder Handlung ohne deren gleichzeitige praktische Ausfuhrung zu verstehen.“ (Mayer & Hermann 2007, S.8)

Das Ziel ist, durch das geistige Wiederholen einer motorischen Aktion diese zu optimieren, zu stabilisieren und die optimale Leistung zum definierten Zeitpunkt zu erbringen. Wichtig ist, dass man diese Bewegungsvorstellung auch regelmaBig trainiert. Mittlerweile trainieren Sportler daher nicht nur die Bewegungsausfuhrung, sondern das mentale Training ist ebenso ein wichtiger Baustein in der Trainings- und Vorbereitungsphase.

Wie kommt es zu einer Bewegungsvorstellung?

2. Begriff der Vorstellung

Hierzu ist zunachst naher auf die Definition einer Vorstellung einzugehen, das heiBt, was versteht man darunter, wie entsteht eine Vorstellung und welche Bedeutung hat diese fur Bewegungen und Handlungen.

Eine Vorstellung ist eine Erfahrung, die die reale Erfahrung imitiert, das bedeutet, der Mensch hat in der Vergangenheit etwas wahrgenommen, im Gedachtnis abgespeichert und kann nun wieder darauf zuruckgreifen (Munzert 2001, S. 42). Vorstellungen werden namlich bewusst erzeugt und gesteuert (White u. Hardy 1998) und sind somit nicht mit Traumen oder dem Wahrnehmen gleichzusetzen. Grundlage aller Vorstellungen ist die Aktualisierung vom Gedachtnisbesitz, denn dadurch entstehen sowohl auf die Vergangenheit als auch auf die Zukunft gerichtete Vorstellungen.

Anhand des Grundmodells „neuropsychologisches Modell des Vorstellungsprozesses“ von Farah (1984) und Munzert (2001) lasst sich sehr gut erklaren, wie eine Vorstellung entsteht: Voraussetzung fur die Existenz einer Vorstellung ist die Fahigkeit des Gedachtnisses, Wahrnehmungen neuronal speichern, reprasentieren und aktiv darauf zuruckgreifen zu konnen. Vorstellungen konnen wage bis differenziert sein, sie haben meistens unterschiedliche Qualitaten und konnen individuell als positiv oder negativ beurteilt werden. Der Mensch nimmt viele Eindrucke von auBen wahr, wichtige Inhalte werden im Langzeitgedachtnis gespeichert. Diese kann er dann abrufen und dadurch kommt es zur Generierung einer Vorstellung. AnschlieBend werden diese in das Arbeitsgedachtnis transformiert, d.h. sie werden verandert, wodurch verschiedene individuelle Vorstellungen entstehen. Die Transformation ist die Grundlage fur das kreative Vorstellen. Danach folgt die Inspektion, in der es zum Bewusstmachen, dem Beschreiben, Kopieren und Vergleichen einer Vorstellung kommt.

3. Entstehung einer Vorstellung - Ansatztheorien

Es gibt drei Ansatze, wie eine Vorstellung entsteht. Auf diese mochte ich eingehen, versuchen den ein oder anderen Ansatz zu entkraften, um schlieBlich meine Meinung zu verdeutlichen.

Der erste Ansatz beschreibt die Philosophie des Konstruktivismus (von Foerster 1993). Diese sagt aus, dass die Basis einer Vorstellung Erlebnisse aus der Vergangenheit sind. Bestimmte Erfahrungen werden im Gedachtnis gespeichert und zu gewisser Zeit wieder abgerufen. Das Erinnern wird als ein aktiver, konstruktiver und individueller Prozess beschrieben. Das Wahrnehmen an sich ist auch ein konstruktiver Prozess, aber es gibt keine objektive Spiegelung der Umwelt im Gehirn. Denn jeder bildet sich sozusagen eine eigene Wirklichkeit. Dieses Phanomen lasst sich sehr gut an dem Beispiel der Zeugenaussagen verdeutlichen. Befragt man zum Beispiel mehrere Beobachter zu einem Autounfall, kann man eigentlich schon vorher davon ausgehen, dass nicht jeder das Gleiche aussagen wird. Es gibt Unterschiede in der Wichtigkeit von Gesehenem, manch einer hat etwas komplett anderes wahrgenommen als andere. Generell wird man nie eine objektive Aussage horen, denn der Beobachter konstruiert seine eigene Wirklichkeit, die individuell unterschiedlich ist. Allerdings muss man dazu sagen, dass es in gewisser Weise wohl doch eine objektive Wirklichkeit geben muss, denn gerade in alltaglichen Situationen machen wir Erfahrungen, an denen wir unser Verhalten orientieren. Im StraBenverkehr ist dies deutlich zu erkennen, denn jeder halt sich an der objektiven Umwelt fest bzw. jeder orientiert sich an der „gleichen“ Umwelt.

Daraus ergibt sich der zweite Ansatz - die Theorie der Informationsverarbeitung. Bei diesem Ansatz wird das Nervensystem als ein Instrument beschrieben, woruber es Informationen aus der Umwelt aufnimmt und diese nutzt, um ein Abbild oder eine Reprasentation der Umwelt aufzubauen. Daran orientiert sich der Mensch und verhalt sich dementsprechend angemessen. Diese Annahme entwickelte sich aus der Test- Operate- Test- Exit (TOTE-) Einheit, die besagt, dass das Nervensystem Informationen aufnimmt und diese werden aufbereitet. Der Ausgangspunkt ist ein spezifischer Ist- Zustand, der mit einem bestimmten Wunschzustand verglichen wird. Die neu entstehenden Informationen werden programmiert, ausgefuhrt und letztendlich wird kontrolliert, inwiefern sich der Ist- Zustand zum Wunschzustand verandert hat (Ruckinformationen). Wurde der Wunschzustand erreicht, wird dies abgespeichert und somit als erfolgreich (exit) vermerkt. In diesem Ansatz wird der Mensch mit einem Computer gleich gesetzt, kurz gesagt, als Mensch- Computer- Analogie beschrieben.

Der Mensch wird als Informationsverarbeitungssystem angesehen, das Informationen uber die Umwelt aufnimmt, intern verarbeitet und intern abbildet bzw. reprasentiert. Das Verhalten ist das Resultat von Prozessen, die aus interner Reprasentation einer objektiven Umwelt hervorgehen. Wichtig ist zu sagen, dass die Umwelt dem Nervensystem eigene Merkmale gibt, damit das Nervensystem daraus ein Verhalten erzeugen kann.

Allerdings wird dieser Ansatz aufgrund des reduktionistischen Menschenbildes (Mensch- Computer- Analogie) kritisch betrachtet. Weitere Kritikpunkte sind der Zeitverbrauch und die begrenzte Kapazitat der Informationsverarbeitung.

Aber wie konnte dann die Fahigkeit des Menschen zum Lernen bzw. die Welt zu manipulieren entstehen, wenn keine objektive Reprasentation der Umwelt erfolgt?

Ein dritter Ansatz beschreibt die Theorie des Solipsismus oder auch Theorie des radikalen Konstruktivismus. Dabei entstehen zwei Moglichkeiten, wie das Nervensystem arbeiten konnte: reprasentationistisch und solipsistisch. Allerdings trifft keine der beiden Moglichkeiten zu.

Die solipsistische Sichtweise trifft nicht zu, da das Nervensystem ein Teil des Organismus darstellt und somit aktiv mit der Umwelt interagiert. Dies erkennt man auch bei Tieren, die ihre Verhaltensweisen an die sie umgebenden Lebensumstande anpassen.

Die reprasentationistische Sichtweise scheidet ebenfalls aus, da bei jeder Interaktion mit der Umwelt das Nervensystem einer Veranderung unterworfen wird.

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Details

Seiten
9
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783668987531
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v491379
Institution / Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Note
2.3
Schlagworte
psychologische grundlagen trainings

Autor

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Titel: Psychologische Grundlagen des mentalen Trainings