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Investor Sentiment als Risikofaktor

Seminararbeit 2017 18 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Notationsverzeichnis

1. Einleitung

2. Investor Sentiment als wichtiger Bestandteil der Behavioral Finance
2.1. Behavioral Finance
2.2. Empirisch offengelegte Phänomene
2.2.1. Unterreaktion
2.2.2. Überreaktion
2.3. Ursachen des irrationalen Investorenverhaltens
2.3.1. Konservatismus
2.3.2. Repräsentativitätsheuristik
2.3.3. Stärke und Gewicht als Erklärungsansatz
2.4. Aktueller Stand der Forschung

3. Investor Sentiment als Einfluss- und Risikofaktor auf Wertpapierrenditen
3.1. Gewinnankündigungen und deren Effekte auf die Rendite eines Wertpapiers
3.2. Investor Sentiment Modell nach Barberis, Shleifer und Vishny
3.2.1. Formulierung und Annahmen
3.2.2. Analyse des Modells und dessen Implikationen
3.3. Wertung des Modells und der Resultate

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Übergangswahrscheinlichkeit Mean-Reverting Modell

Tabelle 2: Übergangswahrscheinlichkeit Trending Modell

Tabelle 3: Wahrschinlichkeit des Regimewechsels

Tabelle 4: Rendite im Simulationsverfahren

Notationsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Aktuelle Nachrichten haben die Eigenschaft Aktienkurse zu beeinflussen. Nachrichten politischen Ursprungs, Nachrichten von und über Unternehmen etc. lassen die Kurse fallen oder steigen. Durch die rasche Weitergabe der Informationen über Internet, das Fernsehen oder die Tageszeitung, gelangen die Anleger an neues Wissen und bewerten ihre gehaltenen Wertpapiere neu. Häufig widergespiegelt in Optimismus und Pessimismus verhalten sich die Preise anders, als in der Welt eines rational denkenden Investors. Ereignisse in der jüngeren Geschichte, wie beispielsweise das Platzen der Internetblase 2000, die Wirtschafts- und Finanzkrise ab 2008 oder eine politische Entscheidung, wie der Brexit, haben einen erheblichen Einfluss.1 Mit der Behavioral Finance, setzt sich ein sehr junges Forschungsgebiet explizit mit dieser Thematik auseinander.

Um die Bedeutsamkeit und den Einfluss des Investor Sentiment (zu Deutsch: Investorenstimmung) auf Aktienkurse herauszustellen, wird im Zuge dieser Arbeit ein theoretisches Modell zu dieser Thematik vorgestellt und analysiert. Das sogenannte Investor Sentiment Modell von N. Barberis, A. Shleifer und R. Vishny soll empirisch beobachtbare Phänomene und dessen Ursachen offenlegen sowie mittels einer Simulation bestätigen.

Einleitend erfolgt eine knappe Beschreibung des Themengebietes der Behavioral Finance. Im Anschluss werden in diversen Unterkapiteln die psychologischen Effekte, ausgelöst durch Investor Sentiment, dargestellt und deren Ursache erläutert. Der letzte Teilabschnitt des zweiten Kapitels vermittelt ein Bild über den aktuellen Forschungsstand. Im Anschluss an diese Herleitung, knüpft in Kapitel 3, die Formulierung des Modells und dessen Annahmen an. Des Weiteren werden in einem Unterkapitel (Kapitel 3.2) die bereits beschriebenen Effekte durch simuliertes Datenmaterial visualisiert und gestützt. In Verlauf des letzten Teilkapitels schließt der Hauptteil mit Darstellung der Vorgehensweise und Implementierung der Parameter, sowie einer kritischen Würdigung.

2. Investor Sentiment als wichtiger Bestandteil der Behavioral Finance

Die Behavioral Finance zählt zu den jüngeren Forschungsgebieten der modernen Finanzwissenschaft. Sie befasst sich mit den menschlichen Verhaltens- und Denkweisen die Finanz- und Kapitalmärkte, anders als in der Annahme der klassischen Kapitalmarkttheorie, beeinflussen. Untersucht werden die Aufnahme und Weiterverarbeitung von Informationen und die daraus resultierenden Entscheidungen der Investoren. Im Folgenden soll sowohl das Forschungsgebiet als auch die durch Investor Sentiment (Investorenstimmung) hervorgerufenen Phänomene kurz erklärt werden.

2.1. Behavioral Finance

Die Behavioral Finance (zu Deutsch: Verhaltensökonomik) versucht eine Verbindung zwischen der klassischen Kapitalmarkttheorie und der Psychologie herzustellen, die das Anlegerverhalten beeinflusst. Während in der klassischen Kapitalmarkttheorie die Investoren völlig rational denken, handeln und neue Informationen zeitgleich einpreisen, ist in der Annahme der Behavioral Finance eben jene Rationalität nur eingeschränkt vorhanden.2 Aus diesem Einfluss des Investorenverhaltens entsteht ein Marktpreis, der von dem fairen Wert abweicht.3 Sowohl die Ursachen, als auch die daraus resultierenden Auswirkungen, werden im Folgenden knapp analysiert und erläutert.

2.2. Empirisch offengelegte Phänomene

Wie bereits erwähnt, zählt zu den Hauptbestandteilen der Behavioral Finance, dass die individuellen Denkweisen und Einstellungen der Investoren die Preise beeinflussen können. Diese verzerrten Preise von Wertpapieren resultieren aus einer irrationalen Bewertung des Assets. In der Praxis wurden zwei Phänomene, die diesen Prozess beschreiben, empirisch offengelegt - die Unter- und Überreaktion. 4

2.2.1. Unterreaktion

Das Phänomen der Unterreaktion resultiert aus dem Zusammenspiel der Gedanken und Reaktionen des Investors auf die Bekanntgabe von Nachrichten (hier: Gewinnankündigungen einer Firma).5 Diese Ankündigungen lassen sich in zwei Klassen differenzieren: 1. Gute Nachrichten (�� = ��) und 2. schlechte Nachrichten (�� = ��).6 Laut N. Barberis, A. Shleifer und R. Vishny tritt das Phänomen der Unterreaktion innerhalb eines ein- bis zwölfmonatigen Zeitraums nach Bekanntgabe der Nachrichten auf.7 Innerhalb des Modells ist dieser Effekt formal wie folgt definiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese Unterreaktion der Aktie in Periode �, wird in Periode � + 1 durch eine höhere Rendite korrigiert. Folglich ist die durchschnittliche erwartete Rendite der Aktie ��(���+1 ) in einer auf eine positive/gute Nachricht folgende Periode höher als die Rendite in der auf eine schlechte Nachricht folgende Periode.8 Ursächlich hierfür ist eine positive Autokorrelation der Renditen.9 Die neu erlangten Informationen über den Asset werden nicht zeitgleich mit der Bekanntgabe eingepreist, sodass der Preis nicht einem Random Walk folgt, sondern eine Abhängigkeit zu Vergangenheitswerten aufweist.10 Neue Informationen beeinflussen letztlich die Folgeperiode, woraus ein messbarer Unterschied der Renditen zwischen guten und schlechten Nachrichten resultiert. In früheren empirischen Studien konnten beispielsweise V. Bernard und J. Thomas sowie D. Cutler, J. Poterba und L. Summers eine solche Autokorrelation nachweisen.11

2.2.2. Überreaktion

Die Überreaktion lässt sich ebenfalls auf einen Effekt der fehlerhaften kognitiven Wahrnehmung des Investors zurückführen. Beobachten lässt sich dieses Phänomen nicht kurzfristig, wie die Unterreaktion, sondern eher mittel- bzw. langfristig. Präziser ausgedrückt und empirisch belegt, tritt das Phänomen über einen Zeitraum von drei bis fünf Jahren auf.12 Eine Abfolge von Nachrichten werden bei diesem Effekt überbewertet und formal, in dem Investor Sentiment Modell von N. Barberis, A. Shleifer und R. Vishny, wie folgt dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schlussfolgernd ist die erwartete Rendite ��(���+1 ) folgend auf eine Serie guter Nachrichten geringer als die erwartete Rendite nach einer Serie schlechter Nachrichten.13 Der Investor prognostiziert nach einer Reihe guter Ereignisse weitere positive Ankündigungen. Er schätzt somit den Preis der Aktie zu hoch ein und umgekehrt für eine Reihe negativer Ankündigungen.14 Stehen neue Informationen im Widerspruch zu seinem Optimismus/Pessimismus, sorgt dies für eine niedrigere/höhere Rendite.15 Empirische Beweise für das Phänomen der Überreaktion liefern W. De Bondt und R. Thaler.16

2.3. Ursachen des irrationalen Investorenverhaltens

Der Ursprung der beiden Phänomene ist auf die Anlegerpsychologie, genauer gesagt dem Investor Sentiment zurückzuführen. Die Unter- und Überreaktion lassen sich zum einen mittels Konservatismus, zum anderen durch die Repräsentativitätsheuristik begründen.17 Während in der Behavioral Finance eine Vielzahl von irrationalem Investorenverhalten existiert, fokussieren sich N. Barberis A. Shleifer und R. Vishny in ihrem Aufsatz auf die oben genannten.

2.3.1. Konservatismus

Konservatismus (zu Englisch: Conservatism Bias) ist als Denkfehler des Investors anzusehen, dessen vorgefasste Erwartungen bei der Bekanntgabe neuer Informationen in einem falschen Maß angepasst werden. Im Einklang mit diesem Phänomen steht der Effekt der Unterreaktion.18 Die Beobachtungen gehen zurück auf eine Studie von Ward Edwards (1968), dessen Experimente offenlegen konnten, dass die individuellen Meinungsanpassungen im Verhältnis zum Bayes Theorem in die richtige Richtung, jedoch zu langsam erfolgen.19 Weiter erklärt Edwards, dass der Fehler in der Unterschätzung der Tragweite neuer Informationen liegt und sie als temporär wahrgenommen werden.20 Laut den Autoren schätzt der Investor seinen bisherigen Kenntnisstand als zutreffender ein und wählt eine falsche Gewichtung zwischen alter und neuer Informationen. 21 Die Folge ist eine zu konservative Bewertung der Situation.

2.3.2. Repräsentativitätsheuristik

Die Repräsentativitätsheuristik (zu Englisch: representativeness heuristic) ist eine Denkweise des Investors, bei der er in der Vergangenheit beobachtete Schemata und Muster als repräsentativ ansieht und auf neue Informationen überträgt. Dieser Effekt begründet innerhalb der Studie von N. Barberis, A. Shleifer und R. Vishny das Phänomen der Überreaktion.22 Diskutiert und dokumentiert wird dieser Effekt von D. Kahnemann und A. Tversky.23 Nach den Autoren glaubt der Investor in zufälligen Gewinnverläufen Muster erkennen zu können. Da der Unternehmensgewinn jedoch dem Zufall unterliegt, ist eine falsche Bewertung die Folge. Nach N. Barberis, A. Shleifer und R. Vishny ist das Resultat eine Überreaktion nach einer Reihe von positiven oder negativen Gewinnankündigungen.24

2.3.3. Stärke und Gewicht als Erklärungsansatz

D. Griffin und A. Tversky (1992) stellen in Ihrer Studie eine Verbindung zwischen den beiden psychologischen Ursachen her. Im Fokus stehen zwei Eigenschaften von Informationen, die die Informationsaufnahme und Informationsverarbeitung beeinflussen. Unterschieden wird zwischen „Stärke“ und „Gewicht“ neuer Erkenntnisse.25 Während die „Stärke“ („strength“) ein Indikator für Auffälligkeit und ein Maß für die Extreme der Information ist, beziffert das „Gewicht“ („weight“) eine statistische Eigenschaft.26 Fixiert sich der Investor zu stark auf die „Stärke“ und vernachlässigt das „Gewicht“ der Information, ist dies mit der durch die Repräsentativitätsheuristik ausgelöste Überreaktion gleich zu setzen.27 Konservatismus und somit die Unterreaktion kann erklärt werden durch hohes „Gewicht“ und geringe „Stärke“ der Information.28

2.4. Aktueller Stand der Forschung

Aufgrund ihrer relativ jungen Historie und praktischer Relevanz, ist die Behavioral Finance ein aktuelles und breites Forschungsgebiet. Dies spiegelt sich durch eine hohe Präsenz in der Forschung und einer Fülle an jüngeren Aufsätzen zu entsprechenden Themen wider. Im Vergleich zu anderen Teilbereichen existiert jedoch kein allgemein gültiges Modell. Daraus resultiert eine differenzierte Anwendung von Methoden und Vorgehensweisen in der Forschung. So liegt der Fokus in den hier betrachteten Überlegungen von N. Barberis, A. Shleifer und R. Vishny, auf einem von ihnen entwickelten theoretischen Modell. Aufgegriffen und erweitert wird dieses Modell beispielsweise von K. Lam, T. Liu und W. Wong 2010.29 Andere Forschungen legen wiederum den Schwerpunkt auf Empirische Analyse, beispielsweise M. Baker und J. Wurgler.30 Hierdurch entsteht eine Vielfalt an Forschungsergebnissen, die auf unterschiedlichste Weise die Lösung desselben Kernproblems anstreben und verschiedene Arten der Analyse offenlegen.

[...]


1 Vgl. Süddeutsche Zeitung: Zydra (24.06.2016)

2 Der effiziente Markt bildet die Basis für die klassische Kapitalmarkttheorie. In dieser Annahme spiegeln Preise alle Informationen in vollem Umfang wider. Die Annahmen sind: 1. Rationalität der Investoren, 2. Nicht - Rationalität einzelner Investoren und 3. Ausgleichende Arbitrageure. Vgl. Shleifer (2000), S. 2

3 Vgl. Barberis/Thaler (2003), S. 1053

4 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 307

5 Gewinnankündigungen in Periode � werden mit �𝑡 beziffert. Vgl. Barberis et al. (1998), S. 310

6 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 310

7 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 311

8 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 313

9 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 308

10 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 310

11 Vgl. Bernard/Thomas (1990), S. 307; Vgl. Cutler et al. (1991), S. 532

12 Vgl. De Bondt/Thaler (1985), S. 804

13 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 313

14 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 313

15 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 313

16 Vgl. De Bondt/Thaler (1985), S. 804

17 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 315

18 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 315

19 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 315, siehe hierzu Edwards (1968)

20 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 315

21 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 315

22 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 316

23 Vgl. Kahnemann/Tversky (1974), S. 1124

24 Vgl. Barberis et al. (1998), S. 316

25 Vgl. Griffin/Tversky (1992), S. 412

26 Vgl. Griffin/Tversky (1992), S. 412

27 Vgl. Griffin/Tversky (1992), S. 411

28 Vgl. Griffin/Tversky (1992), S. 411

29 Vgl. Lam et al. (2010), S. 3

30 Vgl. Baker/Wurgler (2007), S. 138 ff.

Details

Seiten
18
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668961609
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v491474
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,7
Schlagworte
Behavioral Finance Investor Sentiment

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