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Deutschkurs für das Berufsbild des Kranken-und Altenpflegers

Die Bedeutung kultureller Feste im Pflegeberuf

Unterrichtsentwurf 2019 12 Seiten

Pädagogik - Unterrichtsvorbereitung allgemein

Leseprobe

Vorwort

Das Thema „Feiern von Pflegebedürftigen“ habe ich gewählt, weil ich es als sehr wichtig erachte, die leichten und positiven Seiten des Lebens nicht zu vernachlässigen, gerade in schwierigen Zeiten, wenn ein Mensch pflegebedürftig geworden ist. Bekanntlich sind für viele Menschen Rituale sehr wichtig. Sie vermitteln das Gefühl der Sicherheit, in der Gemeinschaft, einen Platz gefunden zu haben. Genau dies ist so wichtig, wenn man aus der vertrauten Umgebung, in der man vielleicht jahrzehntelang gelebt hat, herausgerissen wird und sich in einer völlig fremden Umgebung, meist ohne vertraute Bezugsperson, wiedergefunden hat.

In einem Krankenhaus oder Pflegeheim gibt es sicher viele Rituale, die morgendliche Pflege, die Mahlzeiten, die Medikamentengabe, die ärztlichen Besuche und vieles mehr. Diese regelmäßigen Abläufe geben dem Leben Struktur. Die täglich sich wiederholenden Abläufe werden ergänzt durch die jährlich wiederkehrenden Feste wie beispielsweise Ostern, Weihnachten, Silvester, Songkran, Tet-Fest Nguyen Dan, Zuckerfest, das Pessachfest oder Chanukka sowie die persönlichen Feste wie Geburtstag oder Hochzeitstag. Diese Feste stellen einen Bezug zu der Vergangenheit der Patienten her. Sie wecken Erinnerungen, die sicher häufig positiver Art sind. Damit schenken sie Geborgenheit und Halt und stärken das Ich- und Wir-Gefühl.

Auch wenn sich Vertreter verschiedener Kulturen in einer Station eines Krankenhauses oder eines Pflegeheims zusammenfinden und nicht alle Personen Bezüge zu den einzelnen Festen haben, so haben doch die meisten Menschen Verständnis dafür, dass Patienten die Feste ihrer eigenen Kultur bevorzugt feiern möchten und sind oft bereit, sich für die Feste verschiedener Kulturen zu interessieren und anderen Personen zu gratulieren oder alles Gute zu wünschen.

Einleitung

Seit fünf Jahren unterrichte ich in Alphabetisierungs- und Integrationskursen, sowie in berufsbezogenen Deutschsprachförderungskursen in allen Niveaustufen A1 - C2. Bisher habe ich trotz meiner früheren Rettungssanitäterausbildung noch keine Gelegenheit gehabt, Erfahrungen in Deutschkursen für medizinische Fachkräfte zu machen, daher bin ich darauf angewiesen, einen imaginären Kurs zusammenzustellen.

Die Zielgruppe

Der Kurs findet täglich von 8:30 - 15:00 Uhr statt und dauert insgesamt 8 Wochen. Er besteht aus insgesamt 8 Teilnehmerinnen1 und Teilnehmern. Sie kommen ursprünglich aus unterschiedlichen Ländern bzw. Kontinenten.

Alle Teilnehmer haben bereits Berufserfahrung im Ausland machen können und die Zertifizierung des Pflegeberufes ist in der Bundesrepublik anerkannt worden. Sie können also nach erfolgreichem Abschluss, bestandener Prüfung des Kurses „Deutsch Pflege B1/B2“, die ersten Bewerbungen schreiben und direkt beruflich tätig werden.

Die 8 Teilnehmer sind zwischen 28 - 52 Jahre alt. Im Folgenden werden sie kurz hinsichtlich ihrer Herkunft und beruflichen Tätigkeiten kurz charakterisiert:

- 2 Teilnehmerinnen kommen aus Thailand - zwei Frauen 32 und 51 Jahre alt, beide verheiratet, sind befreundet seit dem sie in Berlin einen Integrationskurs besucht haben. Sie haben beide zuvor in ihrem Herkunftsland als Krankenschwester gearbeitet. Sie freuen sich sehr auf die berufliche Tätigkeit in Deutschland.
- 1 Teilnehmerin, 44 Jahre alt, kommt aus Vietnam. Sie arbeitet z. Z. aushilfsweise bei einem Schneider. Sie hat in Vietnam als Krankenschwester gearbeitet, aber konnte aufgrund ihrer mangelhaften Deutschkenntnisse ihren Beruf bisher nicht ausüben.
- 1 Teilnehmerin, 28 Jahre, kommt aus Georgien. Sie hat dort die Ausbildung beendet, aber noch keine Berufserfahrung sammeln können.
- 1 Teilnehmer kommt aus der Ukraine, ist befreundet mit der Teilnehmerin aus Georgien. Er ist ebenfalls 28 Jahre alt und hat in Russland als Krankenpfleger gearbeitet.
- 1 Teilnehmer kommt aus dem Irak, er ist 52 Jahre alt, sehr motiviert und möchte gern so bald wie möglich im Seniorenheim arbeiten. Im Irak war er durchgehend tätig und ihm fällt es schwer, seit 1 Jahr nicht in seinem Beruf arbeiten zu können. Er hofft sehr die Prüfung zu bestehen.
- 1 Teilnehmer kommt aus Polen. Er ist 30 Jahre alt, möchte sobald wie möglich als Krankenpfleger arbeiten und eventuell parallel dazu Medizin studieren.
- 1 Teilnehmerin kommt aus Mazedonien. Sie ist 39 Jahre alt spricht schon gut Deutsch, besonders die Aussprache ist sehr gut. Sie hat in ihrem Herkunftsland Erfahrungen im Beruf als Seniorenpflegerin machen können.

Die Teilnehmer sind am Ende der 6. Woche des Intensivkurses „Deutsch Pflege“, sie kennen sich untereinander schon sehr gut und die Atmosphäre ist positiv, die Teilnehmer sind ohne Ausnahme zielorientiert und sehr zuversichtlich, was ihre berufliche Zukunft in Deutschland angeht.

Unterrichtsmaterial

Als Kursleitendes Lehrwerk habe ich „Trainingseinheiten Deutsch Pflege - für Berufssprachkurse B1-B2“ von Telc gewählt. Das Lehrwerk erscheint mir sehr gut strukturiert zu sein und bietet vielfältige Möglichkeiten, den Unterricht zu gestalten und ist darüber hinaus das einzige unter den mir bekannten Lehrwerken2, das eine ganze Lektion dem Topos „Feiern im Pflegeheim“ gewidmet hat. Die Lektion 22, die das Feiern thematisiert, liegt genau zwischen zwei weniger erfreulichen, eher schwierigen Lektionen, und zwar steht es im Anschluss an Kapitel 21 „Freiheitsentziehende Maßnahmen, Betreuung“ und vor der Lektion 23, Palliativ Pflege und Patientenverfügung“.

Lernziele

Im Vordergrund dieser Trainingseinheit stehen weniger medizinische Inhalte sondern eher kommunikative Handlungsstrategien und Aspekte der interkulturellen Kompetenz. Die Teilnehmer sollen auf den Berufsalltag speziell in Deutschland vorbereitet werden. Es geht um das Wahrnehmen der Bedürfnisse der Patienten, die Vorbereitung für das Thema „kultursensible Pflege“, d.h. sie müssen sich am Ende des Kurses auf verschiedene kulturelle Gepflogenheiten einstellen können und sich mit Ritualen, im Kapitel 22, speziell mit Festen unterschiedlicher Kulturen beschäftigen insbesondere insofern auch Patienten unterschiedlicher Kulturen in den Senioren- oder Pflegeheimen wohnen.

In meiner Multi-Kulti-Gruppe werden die Teilnehmer zu Beginn der Unterrichtseinheit die Rolle der Lehrkraft übernehmen, denn sie kennen sich mit unterschiedlichen Ritualen und Gebräuchen aus. Sie kennen ihre eigenen Traditionen, z.T. auch ihre religiösen Riten.

Die Unterrichtsfeinplanung schließt an den Abschluss des Kapitels 21 „Freiheitsentziehende Maßnahen, Betreuung“ an und beginnt mit der Lektion: „Feiern von Pflegebedürftigen“. Dabei möchte ich, anders als in der vorliegenden Lektion des Lehrwerkes „Trainingseinheiten Deutsch Pflege“, das Thema der Interkulturalität an dieser Stelle schon erwähnen und zu Beginn ganz allgemein das Feiern von Festen thematisieren. Erst im Anschluss rückt das eigentliche Thema der beiden UE „Das Feiern eines Pflegebedürftigen“ in den Vordergrund.

Unterrichtsplanung

Zielgruppe: kranken- oder altenpflegerinnen mit anerkennung der berufsausbildung in deutschland

GER Niveau: Start-Niveau A2 /B1 - Ziel ist die Prüfung Medizin Pflege B1/B2 mit dem Zertifikat B2 abzulegen

Voraussetzungen: Sprachniveau A2 und Berufsausbildung als Kranken- oder AltenpflegerIn

Globales Lernziel: Das Feiern von Festen in verschiedenen Kulturen - Interkulturelle Kompetenz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 Im Folgenden wird aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung nur die männliche Form verwendet. Es sind jedoch stets Personen männlichen und weiblichen Geschlechts gleichermaßen gemeint.

2 z.B.: M. Böck , Dr. H.H. Rohrer, „Deutsch B1/B2 in der Pflege“ Springer Verlag, 1. Auflage 2015 und V. Hagner, „Menschen im Beruf. Pflege“, Hueber Verlag 1. Auflage 2016

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Titel: Deutschkurs für das Berufsbild des Kranken-und Altenpflegers