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Projektfinanzierung. Aktuelles Beispiel und Risikomanagement

Seminararbeit 2017 22 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

2. Grundlagen der Projektfi nanzierung
2.1. Defi nition und Merkmale
2.2. Ablauf

3. Die Beteiligten an ei ner Projektfinanzierung

4. Abgrenzung zu einer klassischen Investitionsfinanzierung

5. Aktuelles Beispiel und Risikomanagement
5.1. Aktuelles Beispiel: Nordsee One
5.2. Risikomanagement
5.2.1. Risikomanagementprozess
5.2.2. Risiken

6. Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Überblick über die Beteiligten an einer Projektfinanzierung

Abbildung 2: Vergleich klassischer Unternehmenskredit und Projektfi nanzierung

Abbildung 3: Lage Nordsee One

Abbildung 4: Projektbeteiligte Nordsee One

1. Einleitung

1.1 Problemstellung

Projektfinanzierungen sind seit den siebziger Jahren immer stärker vertreten. Darauf ha- ben viele Banken mit der Errichtung eigener Abteilungen für diesen Bereich reagiert. Die Projektfinanzierung ist grundsätzlich keine neue Finanzierungsfor m, der Stellenwert steigt jedoch stetig. Ihren Ursprung hat die Projektfinanzierung in der Erschließung von Rohstoffen, wird jedoch zunehmend für große Investitionsvorhaben verwendet, wie zum Beispiel der Bau des Hochsee-Windpark Nordsee One. Wo befinden sich jedoch die Schwierigkeiten und Risiken in diesen Projekten und wie kommen diese überhaupt zu Stande? Wer sind die Beteiligten und wie sind diese untereinander organisiert?

1.2 Zielsetzung und Gang der Arbeit

Ziel der Arbeit ist einen grundlegenden Überblick über das wachsende Phänomen Pro- jektfinanzierung zu geben. Der Leser soll im Laufe der Arbeit die Zusammenhänge des Themas verstehen. Weiterhin möchten wir im Verlauf der Arbeit die offenen Fragen aus der Problemstellung beantworten. Die Arbeit gliedert sich dabei so auf, dass zunächst ein Überblick über die Begriffsbestimmung der Projektfinanzierung, die Merkmale, sowie die Projektphasen gegeben wird. Danach wird eine Abgrenzung zu herkömmlichen Fi- nanzierungsfor men vorgenommen. Weiter werden die damit verbundenen Risiken und ein aktuelles Beispiel erläutert. Anhand des Projekts Nordsee One wird ein Einblick in die Ausgestaltung eine aktuelle Projektfinanzierung geworfen.

2. Grundlagen der Projektfinanzierung

2.1. Definition und Merkmale

Bei der Projektfinanzierung geht es darum, große und risikoreiche Investitionsvorhaben zu realisieren. Je größer die einzelnen Vorhaben sind, desto größer sind auch die Chancen und die Risiken des entsprechenden Vorhabens. Übersteigt dieses die finanzielle Trag- kraft des einzelnen Unternehmens oder eines Staates, kann dafür eine eigens gegründete Gesellschaft eintreten. Diese vereint unterschiedliche Kapitalgeber und verteilt somit das Risiko auf mehrere Projektbeteiligte. Die Initiatoren des jeweiligen Projektes können da- bei sowohl Staaten als auch private Unternehmen sein.1 In der Regel wird dazu eine Pro- jektgesellschaft gegründet, dessen einziger Zweck die Durchführung des Projektes ist. Diese Gesellschaft wird dabei von den Projektinitiationen so gestaltet, dass Sie rechts- und kreditfähig ist. Sie kann somit selbstständig Fremdkapital aufnehmen und als Schuld- ner gegenüber den Fremdkapitalgebern, z.B. Banken auftreten.2

Für den Begriff Projektfinanzierung gibt es in der Literatur unterschiedliche Definitions- ansätze. Dabei hat sich die Definition von Peter K. Nevitt und Frank J. Fabozzi haupt- sächlich durchgesetzt:3 „Projektfinanzierung ist die Finanzierung eines Vorhabens, bei der ein Darlehensgeber zunächst den Fokus der Kreditwürdigkeitsprüfung auf die Cash- flows des Projektes als einzige Quelle der Geldmittel, durch die die Kredite bedient wer- den, legt.“4

In dieser Definition spielt die Cashflow Orientierung (Cashflow Related Lending) eine entscheidende Rolle. Der Cashflow beschreibt die Zahlungsbilanz einer Unternehmung Dabei werden nur tatsächliche Geldströme betrachtet. Umso größer der Cashflow ist, desto besser ist die Innenfinanzierungskraft. Der Begriff des Cashflow Related Lending bezeichnet, dass potentielle Kreditgeber bezüglich Ihrer Kreditvergabeentscheidung ent- scheidend darauf vertrauen, dass die zukünftigen Zahlungsströme des zu finanzierenden Projektes ausreichen, um daraus den Kapitaldienst (Zinsen und Tilgungen) zu bedienen. Die Prognosen des Cashflows sind dabei wesentlich dafür verantwortlich, ob es zur Durchführung des Projektes kommt oder nicht.5 Es handelt sich dabei um eine voraus- schauende Kreditwürdigkeitsprüfung mit dem Beurteilungskriterium der Cashflow-Ent- wicklung. Die Stabilität und Erträglichkeit des Cashflows ist für die Wirtschaftliche Be- urteilung daher das entscheidende Kriterium.6

Als weiteres entscheidendes Merkmal gilt Risk Sharing als zentrale Bedeutung der Pro- jektfinanzierung. Da die Projekte die Tragfähigkeit eines Unternehmens oder des Staates übersteigen, werden diese mit Hilfe einer Projektgesellschaft auf mehrere Kapitalgeber verteilt. Die Projektgesellschaft steht im Mittelpunkt dieser und vereinbart anhand um- fangreicher Verträge das Verhältnis der unterschiedlichen Kapitalgeber zum Vorhaben. Dabei ist das Ziel, die unterschiedlichen Projektrisiken auf die jeweiligen Geldgeber zu verteilen, welche in der Lage sind, das entsprechende Risiko am besten zu bewerten und zu tragen.7

Ein weiteres Merkmal für Projektfinanzierung ist Off-Balance Sheet-Financing. Die be- teiligten Gesellschaften streben an, die Projektkredite direkt in der Bilanz der Projektge- sellschaft auszuweisen, damit die eigenen Bilanzen davon nicht beeinflusst werden. Dies hat zur Folge, dass die eigenen Kennzahlen der Gesellschaften nicht belastet werden und sich das eigene Kreditrating nicht verschlechtert. Voraussetzung für Off-Balance Sheet- Financing ist, dass kein Unternehmen mehr als 50 % am Eigenkapital der Projektgesell- schaft hält.8

2.2. Ablauf

Da die zu finanzierenden Projekte häufig individuell und einzigartig sind, ist eine mög- lichst genaue Planung maßgeblich für den Erfolg. Folgend wird auf die einzelnen Phasen eingegangen:

Am Anfang eines jeden Projektes steht die Projektidee, die von den Sponsoren entwickel t und mit ersten Machbarkeitsstudien überprüft wird. Dabei werden technische Studi en durchgeführt, die technische Details enthalten und das Projekt hinsichtlich seines Fertig- stellungstermins der Anlagen und die Einhaltungsmöglichkeit der geplanten Kosten über- prüfen. Des Weiteren gehören Marktstudien dazu, welche die Situation und die Entwick- lung der Absatz- und Beschaffungsmär kte im relevanten Markt untersuchen. Die Daten der technischen Studien und der Marktstudien fließen folgend in die Wirtschaftlichkeits- studie ein. Dabei wird ein erstes Cashflow-Model entwickelt, bei dem es darum geht, die Wirtschaftlichkeit des Projektes zu untersuchen. Hierbei wird die Tragfähigkeit des Pro- jektes analysiert und ermittelt, ob die Rentabilitätsziele der Eigenkapitalgeber erfüllt wer- den. Dabei wird auch die Bedienung der Fremdkapitalzinsen berücksichtigt. Die Studi en werden entweder von den Sponsoren selbst oder in Zusammenarbeit mit verschiedenen Beratungsfirmen wie Ingenieurbüros, Marktforschungsspezialisten, Anlagenbauer, In- vestmentbanken und Wirtschaftsprüfern erstellt. Diese werden später im Rahmen der Fi- nanzierung nochmals durch unabhängige Gutachter überprüft.9

Die Projektanalysen sind Grundlage für das Risikomanagement, bei dem bereits die Ri- sikobereiche grob aufzeigt werden. In jener Phase folgt die Identifikation der Risikobe- reiche, bei der die Risiken genauer aufgespalten werden. Danach werden die verschiede- nen Risikoquellen auf die möglichen Auswirkungen auf den Cashflow analysiert und da- mit hinsichtlich der wirtschaftlichen Tragfähigkeit des Models untersucht. Die Risiken werden im dritten Schritt des Risikomanagement hinsichtlich ihrer Reduktion überprüft und geeignete Maßnahmen zur Vermeidung entwickelt. Weiterhin erfolgt in diesem Schritt auch die Aufteilung der Risiken auf die Beteiligten.10 Es wird darauf geachtet, dass eine langfristige Einigkeit der Beteiligten realisiert und das Projekt damit bankfähi g gemacht wird. Das heißt eventuelle Risiken sollen durch die Beteiligten abgesichert wer- den, damit das Ausfallrisiko für Fremdkapitalgeber minimiert wird.11

In der folgenden Phase wird auf Grundlage der Projektanalyse und des Risikomanage- ment ein Finanzierungskonzept erarbeitet. Dabei sind sowohl Eigenkapitalgeber, als auch beratende Banken beteiligt. Das Kreditvolumen und die Ausstattung werden dabei fest- gelegt.12

Im nächsten Schritt geht es um die Mittelaufbringung. Dabei wird das Mandat an einen Arrangeur vergeben, der sich im Folgenden um die Organisation und breite Verteil ung im Markt kümmert. Dabei wird den Interessenten eine detaillierte Projektbeschreibung inklusive des Finanzierungskonzeptes mit den erwarteten Cashflows und Risiken vorge- legt. Wenn das Projekt bankfähig ist, beginnt die Ausarbeitung der Dokumentation, die das gesamte Vertragswerk beinhaltet. Diese wird im Abschluss der Transaktion mit dem sogenannten Financial Closing unterzeichnet.

Es folgt die Überwachungsphase, in der überprüft wird, ob die Voraussetzungen für die Auszahlung des Fremdkapitals erfüllt sind. Dabei geht es im Wesentlichen um die Über- wachung, ob die vorher festgelegten Projektabschnitte vertragsgemäß durchgeführt wur- den. Dieses geschieht mit Hilfe von Berichten und Vor-Ort-Besichtigungen. In der Regel dauern solche Finanzierungen selten weniger als 2 Jahre von der Ersten Idee bis zum Financial Closing.13

3. Die Beteiligten an einer Projektfinanzierung

Eine Projektfinanzierung zeichnet sich durch seine hohe Komplexität aus, sodass ein zu- verlässiges Zusammenspiel aller Beteiligten maßgeblich zum Projekterfolg beiträgt. Da- bei ist die Vermeidung von Dissensen, die gerade bei einer hohen Anzahl an Projektbe- teiligten bestehen, eine große Herausforderung.

In der Abbildung 1 wird anschaulich dargestellt, welche Parteien an einer Projektfinan- zierung im Regelfall mitwirken. Die Beteiligten sind dabei zu unterschiedlichen Zeit- punkten in den Projektverlauf involviert. Fremdkapitalgeber wie z.B. Banken sind im ri- sikoreichen Anfangsstadium einer Projektfinanzierung für gewöhnlich nicht gegenwär - tig.14

Abbildung 1: Überblick über die Beteiligten an einer Projektfinanzierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an Hill, M., et. al., Finanzierungen, 2011, S. 90.

Im Mittelpunkt einer Projektfinanzierung steht regulär eine Zweckgesellschaft, welche die erforderlichen Finanzierungsmittel aufnimmt. Die Gründung einer eigenen Projekt- gesellschaft ist „zwar nicht unbedingt eine Voraussetzung für die Durchführung von Pro- jektfinanzierungen, zumeist wird in der Praxis aber so vorgegangen, um die rechtliche und wirtschaftliche Unabhängigkeit des Projektes zu gewährleisten.“15

Die Initiatoren und Auftraggeber einer Projektfinanzierung sind Sponsoren oder Investo- ren, die der Projektgesellschaft notwendiges Eigenkapital zur Verfügung stellen und die kaufmännischen Entscheidungen treffen. Sie tragen das unternehmerische Risiko und übernehmen die Abwicklung der Projektdurchführung.16 Beispielhafte Sponsoren sind Energiegesellschaften oder Kohleproduzenten, die eine Errichtung und Betreibung eines neuen Energiekraftwerkes beabsichtigen. Auch Staaten und andere staatliche Organisati - onen kommen als Sponsoren, z.B. bei Projektfinanzierungen in Entwicklungsländern, in Betracht. Die Erfahrung mit derartigen Finanzierungsprojekten und das Interesse für ein langfristiges Engagement der Sponsoren ist hierbei ein wesentlicher Trei ber für die Be- teiligung anderer Risikoträger an dem Investitionsvorhaben, wie z.B. der Fremdkapital - geber.17

Die Projekthersteller, auch Contractors genannt, sind für die Erstellung der Vermögens- werte (Aktiva) zuständig. Hierbei handelt es sich um Anlagenbau-, Bau-, und Zuliefer un- ternehmen, sowie um Consulting- und Ingenieurunter nehmen. Deren Zuständigkeit reicht von der Lieferung und Installation einer bestimmten Maschine, bis hin zur „kompletten Errichtung eines funktionsbereiten 500-MW-Kraftwerks mit entsprechender Schul ung des lokalen Personals.“18

Die Verantwortung für die laufenden Geschäfte trägt der Betreiber, welches nicht zwin- gend eine Sponsoreneigenschaft voraussetzt. Externe Betreiber werden in der Regel ein- gesetzt, wenn den Sponsoren technologische Fertigkeiten und Erfahrungen bei vergleich- baren Projekten fehlen. Dies ist zum Beispiel beim Bau und Betrieb von Autobahnab- schnitten und Tunneln gegeben, bei denen ein Bauunternehmen die Betreiberfunkti on übernimmt und durch anreizkompatible Vertragsbestandteile, wie z.B. das Recht, Maut- gebühren erheben zu dürfen, langfristig an das Projekt gebunden wird.19

[...]


1 Vgl. Reuter, A., Projektfinanzierung, 2010, S. 1 f.

2 Vgl. Blattner, P., Böttcher, J., Projektfinanzierung, 2013, S. 8.

3 Vgl. Blattner, P., Böttcher, J., Projektfinanzierung, 2013, S. 7.

4 N ev itt , P.K., Fabozzi, F.J., Projektfinanzierung, 2000, S. 1.

5 Vgl. Jöhnk, T., Finanzwirtschaft, 2013, S. 107 f.

6 Vgl. Blattner, P., Böttcher, J., Projektfinanzierung, 2013, S. 11 f.

7 Vgl. Jöhnk, T., Finanzwirtschaft, 2013, S. 109 f.

8 Vgl. Blattner, P., Böttcher, J., Projektfinanzierung, 2013, S. 8 f.

9 Vgl. Hill, M., Pfaue, M., Wolf, B., Finanzierungen, 2003, S. 74 f.

10 Vgl. Reuter, A., Projektfinanzierung, 2010, S. 75 f.

11 Vgl. Hill, M., Pfaue, M., Wolf, B., Finanzierungen, 2003, S. 75.

12 Vgl. Reuter, A., Projektfinanzierung, 2010, S. 75 f.

13 Vgl. Hill, M., Pfaue, M., Wolf, B., Finanzierungen, 2003, S. 75 f.

14 Vgl. Blattner, P., Böttcher, J., Projektfinanzierung, 2013, S. 2.

15 H an z li k , C., et al., Handbuch Projektfinanzierung, 2006, S. 27.

16 Vgl. Hill, M., Pfaue, M., Wolf, B., Finanzierungen, 2011, S. 89.

17 Vgl. Hanzlik, C., et al., Handbuch Projektfinanzierung, 2006, S. 29.

18 H ill , M., Pfaue, M., Wolf, B., Finanzierungen, 2011, S. 92.

19 Vgl. Hill, M., Pfaue, M., Wolf, B., Finanzierungen, 2011, S. 92.

Details

Seiten
22
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668983359
ISBN (Buch)
9783668983366
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v492199
Institution / Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,7
Schlagworte
Projektfinanzierung

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Titel: Projektfinanzierung. Aktuelles Beispiel und Risikomanagement