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Bilanzpolitik und Kapitalmaßnahmen. Eine exemplarische Analyse von Zusammenhängen

Die Fälle des Initial Public Offering (IPO) und Management-Buy-Out (MBO)

Seminararbeit 2019 20 Seiten

BWL - Rechnungswesen, Bilanzierung, Steuern

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Rechnungslegung und Bilanzpolitik der kapitalmarktorientierten Unternehmen
2.1. Anwendung und Ziele der IFRS-Rechnungslegung
2.2. Qualität der Ergebnisgrößen und Earnings Management

3. Typische Kapitalmaßnahmen und angewandte Bilanzpolitik
3.1. IPO
3.1.1. Ziele des IPOs
3.1.2. Anreize für Earnings Management
3.1.3. Sperrfristen und der Einfluss der Anteilseigner
3.1.4. Periodenabgrenzungen vor dem IPO
3.1.5. Periodenabgrenzungen nach dem IPO
3.2. MBO
3.2.1. Ziele des MBOs und Anreize für Earnings Management
3.2.2. Widersprüche unter den Anreizen
3.2.3. Empirische Ergebnisse

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Onlinequellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Motive für die Durchführung eines IPOs

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Empirische Studien über Periodenabgrenzungen vor dem Börsengang

1. Einleitung

Die Liberalisierung der Kapitalmärkte schafft die Grundlage für die reibungslose Verbindung zwischen Investoren und Kapitalgesellschaften in dem wirtschaftlichen Alltag. In dieser dynamischen Welt brauchen Anleger immer mehr aussagekräftige und substanzbasierte Informationen, um sinnvolle Investitionsrechnungen durchzuführen.

Als standardisierte und branchenübergreifende Informationsquelle versucht es der Jahresabschluss eines Unternehmens, Ungewissheiten über das Geschäft und seine Zukunft zu beseitigen. Doch die Bildung von Bilanzposten und die Darstellung des Gewinns beruht an vielen Stellen auf den Meinungen und Schätzungen der Geschäftsführung, weil sie über exklusives Unternehmenswissen verfügt.

In dieser Hausarbeit werden gezielte Verzerrungen der Rechnungslegungs-informationen im Bezug auf zwei unterschiedliche Kapitalmaßnahmen analysiert. Ziel ist die Feststellung von Zusammenhängen zwischen der Rechnungslegungspolitik eines Unternehmens und der von ihm vorgenommenen Börsenoperation und deren Erklärung.

In dem ersten Teil dieser Arbeit werden die Ziele der in der EU relevanten internationalen Rechnungslegung dargestellt. Es wird über die Qualität einer Ergebnisgröße und das Ausmaß an Bilanzpolitik diskutiert. Dies schafft die theoretische Grundlage für weitere gezielte Untersuchungen.

Im zweiten Teil werden bilanzpolitische Aspekte anhand zwei Kapitalmaßnahmen- des IPOs (Initial Public Offering) und des MBOs (Management-Buy-out), analysiert. Zu Beginn werden die Ziele und Anreize des Managements in Bezug auf die jeweilige Börsenoperation präzisiert. Davon ausgehend werden Erwartungen darüber gesetzt, welcher Art von Bilanzpolitik ein Unternehmen in dem gegebenen Fall verfolgen würde. Die Vermutungen werden durch die Auswertung empirischer Studien und deren Gegenüberstellung geprüft.

Zusammenfassend werden die Ergebnisse aus den fallbezogenen Untersuchungen mit den Zielen der Rechnungslegung verglichen. Es wird eine Aussage darüber getroffen, ob Unternehmen und Manager ihre Ziele bei der Durchführung von Kapitalmaßnahmen durch das Betreiben von Bilanzpolitik rigoros verfolgen und ob opportunistisches Verhalten zu Marktineffizienz führt.

2. Rechnungslegung und Bilanzpolitik der kapitalmarktorientierten Unternehmen

In der heutigen Wirtschaft sind alle Kapitalgesellschaften dazu verpflichtet, Information über ihre Vermögens-, Finanz- und Ertragslage zu veröffentlichen.1 Der Umfang dieser Publizitätspflicht richtet sich auf die Größe des jeweiligen Unternehmen, wobei große und kapitalmarktorientierte Firmen am strengsten behandelt werden.

2.1. Anwendung und Ziele der IFRS-Rechnungslegung

Die Globalisierung der Wirtschaft lockt viele Unternehmen an, sich grenzübergreifend zu entwickeln, um neue Märkte einzuschließen und ungenutzte Erfolgspotenzialen auszuschöpfen. Diese Internationalisierung bedeutet, dass immer mehr Abschluss-adressaten eines Unternehmens aus dem Ausland stammen und somit die Anforderungen nach einer einheitlichen internationalen Rechnungslegung erhöhen. Durch den erhöhten Bedarf nach Kapital für Expansionen beschließen viele Unternehmen, sich über den Kapitalmarkt zu finanzieren.

In Deutschland, sowie im ganzen Europäischen Union, sind kapitalmarktorientierte Gesellschaften dazu verpflichtet, Jahresabschlüsse nach den internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) zu veröffentlichen.2 Dies ermöglicht die Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen aus unterschiedlichen Heimmärkten und schafft die Grundlage für internationale Investitionen und effiziente Kapitalmärkte.3

Der Einzelabschluss nach IFRS hat in Deutschland ausschließlich eine Informationsfunktion zu erfüllen.4 Das bedeutet, dass weitere Aufgaben eines Abschlusses wie die Zahlungsbemessungs- (Zahlung von Dividenden oder Steuern) oder die Koordinationsfunktion eher an nationalen Vorschriften gebunden oder untergeordnet sind. Der IASB beschreibt diese Zielsetzung in seinem Rahmenkonzept (RK) als Decision usefulness (Entscheidungsnützlichkeit). Das RK deutet an, dass Investoren wie Eigen- und Fremdkapitalgeber in der Lage sein müssen, „die Höhe, die zeitliche Struktur und das Risiko künftiger Cashflows“5 aus den Abschlussaussagen abzuleiten. Diese Parameter sind der Grundbestandteil des Discounted-Cashflow-Verfahrens, eine Methode zur Ermittlung des Unternehmenswertes und demzufolge des fairen Aktienpreises einer börsennotierten Kapitalgesellschaft.

Die Abschlussadressaten brauchen für ihre Berechnungen vor allem glaubwürdige Informationen, damit diese überhaupt als nützlich betrachtet werden können. Das RK ist aber den Einzelstandards und Interpretationen der IFRS untergeordnet. Das bedeutet, dass „qualitativ hochwertige“6 Standards erforderlich sind, um die Aufgabenstellung der Entscheidungsnützlichkeit zu erfüllen.7

2.2. Qualität der Ergebnisgrößen und Earnings Management

Damit die IFRS sein Ziel erfüllen kann, Investoren mit nützlichen und glaubwürdigen Informationen über die künftige Lage eines Unternehmens zu beliefern, müssen die in den Abschlüssen ermittelten Gewinngrößen qualitativen Anforderungen entsprechen. Qualitativ hochwertige Ergebnisse sind nachhaltige, durch Cashflows gestützte Gewinne, die unter Verwendung konservativer Bilanzpolitik abgeleitet werden. Anhand solcher Erfolgsgrößen lassen sich künftige Gewinne und Cashflows ableiten.8 Earnings Quality gewinnt an Bedeutung, weil sie die Grundlage für eine qualitative Vergleichbarkeit zwischen Unternehmen schafft. Solche Differenzierungen fließen in etliche Bewertungsverfahren ein und beeinflussen die Entscheidungen der Investoren.9

Für die Unternehmen besteht jedoch die Möglichkeit, Gewinne mittels Bilanzpolitik (Earnings Management) oder Sachverhaltsgestaltungen (Real Earnings Management) zu verzerren. Erstere bezieht sich auf Wahlrechte und Ermessensentscheidungen des Managements, die sich auf den Ausweis, Ansatz und Bewertung ausgewählter Posten beziehen.10 Solcher Wahlrecht besteht z.B. bei der unternehmerischen Entscheidung, ob das Cost- oder das Fair-Value-Modell bei der Folgebewertung langfristiger Vermögenswerten angewandt wird. Frey definiert Bilanzpolitik als „die willentliche und hinsichtlich der Unternehmensziele zweckorientierte Einflussnahme auf Form, Inhalt und Berichterstattung des Jahresabschlusses im Rahmen der durch die Rechtsordnung gezogenen Grenzen“.11

Um das Ausmaß an Bilanzpolitik und die Qualität einzelner Gewinngrößen zu beurteilen, müssen die Bestandteile des Gewinns veranschaulicht werden:

Gewinn = Operativer Cashflow (CFO) + Periodenabgrenzungen (PA)12

Periodenabgrenzungen sind erfolgswirksame Buchungen, die im Geschäftsjahr zu keinen Zahlungen führen, wie z.B. Abschreibungen oder Änderungen in den Rückstellungs- oder Forderungshöhen. Diese „Accruals“ sind Anpassungen an das Cashflow, um die Periodengerechtigkeit der angefallenen Gewinne zu gewährleisten. Bei ihrer Bestimmung und Bewertung werden Ermessensspielräume erteilt, damit das Management seine persönliche Einschätzung über die geschäftliche Lage besser kommunizieren kann.13 Bei großen Abgrenzungsbeträgen ist es daher wahrscheinlicher, dass es aufgrund einer Fehlschätzung zu einem stark verzerrten Gewinn kommt. Solche Schätzfehler sind in der Literatur entweder auf opportunistisches Handeln (Opportunismus-Hypothese) oder auf die Erteilung privaten Wissens des Managements (Informations-Hypothese) zurückzuführen.14

Um die Bedeutung der Bilanzpolitik zu präzisieren, muss die Unterscheidung zwischen diskretionären und innaten Periodenabgrenzungen getroffen werden, obwohl diese in der Realität schwierig trennbar sind. Erstere sind von Bilanzpolitik und Schätzungen geprägte Abgrenzungsposten, die zum Teil weniger wertrelevant sind, aber trotzdem am Kapitalmarkt bei der Bewertung berücksichtigt werden.15 Innate PA sind dadurch gekennzeichnet, dass sie durch zahlungswirksame Transaktionen in dem Zeitraum vor oder nach dem Geschäftsjahr abgewickelt werden und dadurch die Aussagequalität des Gewinns erhöhen.16

Die Gewinnanpassungsstrategien durch bilanzpolitische Maßnahmen basieren auf unterschiedliche Ziele. Üblich bei börsennotierten Kapitalgesellschaften ist das Streben nach Gewinnglättung oder das Übertreffen von Analysten- oder Management-prognosen.17 Schafft es ein Unternehmen nicht, die externen Erwartungen zu erfüllen, bedeutet dies i.d.R. eine Abwertung des Börsenkurses.18

Die Entscheidungsfindung der Investoren beruht aber nicht nur auf buchhalterischen Größen und ist vielmehr ein komplexer und nicht direkt beobachtbarer Prozess. Eine weitere Möglichkeit für die Beurteilung der Ergebnisqualität und des damit verbundenen Earnings Management ergibt sich zudem aus der Korrelation zwischen der langfristigen Marktwertentwicklung eines Unternehmens (der Aktienpreis) und den offengelegten Gewinne.19 Die langfristige Reaktion des Aktienpreises nach einer Kapitalmaßnahme kann daher einen Nachweis für die Nachhaltigkeit der publizierten Ergebnisgrößen ermitteln. Das basiert darauf, dass weitere Annahmen über die Geschäftslage, wie die makroökonomische oder strategische Lage, in den Kalkül mitreinfließen.20

Bilanzpolitische Aspekte müssen bei der Beurteilung einer Kapitalmaßnahme in Betracht gezogen werden, weil sie durch unterschiedliche Ziele und Anreize geprägt sind und eine Auswirkung auf die Investorenentscheidung haben können. Im folgenden Kapitel werden Arten von Kapitalmaßnahmen untersucht und die relevante Bilanzpolitik analysiert.

3. Typische Kapitalmaßnahmen und angewandte Bilanzpolitik

3.1. IPO

Initial Public Offering (IPO) ist der erstmalige Börsengang eines Unternehmens. Dadurch verkauft eine Aktiengesellschaft (oder Kommanditgesellschaft auf Aktien) Eigenkapital zum Marktwert, um sich flüssige Mittel zu beschaffen. Erst nach der Börsenersteinführung können diese Aktien frei von dem Anlegerpublikum gehandelt werden.21 Die Erstmaligkeit dieser Kapitalmaßnahme schafft der Unterschied zu anderen Kapitalmaßnahmen, die auch durch das Angebot neuer Aktien gekennzeichnet werden. Im Rahmen der Erstplatzierung werden öfter Underwriter wie Emissionsbanken beauftragt, die zum Teil das Platzierungsrisiko übernehmen. Das ist das Risiko, das die Wertpapiere des Emittenten nicht abgesetzt werden können.22

3.1.1. Ziele des IPOs

Die Ziele eines Börsengangs fallen unterschiedlich aus und können in zwei Hauptmotive unterteilt werden- finanzielle und strategische.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Motive für die Durchführung eines IPOs23

Das meistverbreitete Motiv unter den emittierenden Gesellschaften ist die Finanzierung des künftigen Wachstums durch die Beschaffung zusätzliches Kapital für Investitionen. Die Aufnahme von Eigenkapital bedeutet zudem, dass eine optimale Kapitalstruktur für junge Unternehmen geschaffen wird, um Haftungsrisiken gegenüber Fremdkapital-gebern zu mindern. Im Rahmen dieser Arbeit wird auch der mögliche Ausstieg von Venture-Capital-Gesellschaften (VC) näher untersucht. Eine VC-Gesellschaft ist ein Beteiligungsunternehmen, das sich mit der Finanzierung von nicht börsennotierten Unternehmen beschäftigt. Der sogenannte Exit ist eine Alternative für die Altaktionäre, ihre Beteiligungsgewinne zu realisieren.24

Relevante strategische Motive beziehen sich auf das Timing der Platzierung und das Streben nach Imageverbesserung. Der passende Zeitpunkt wird durch die Markt-stimmung bestimmt und ermöglicht die Realisierung möglichst hoher Emissionspreise. Die mit dem Börsengang verbundene Fungibilisierung der Aktien ermöglicht die Ein-richtung aktienbasierter Vergütungssysteme, die die Rekrutierung von Führungskräften stark erleichtert.25 Außerdem schafft der langfristige Erfolg des Aktienkurses ein Maß für die Beurteilung der Managementleistung.26

[...]


1 § 325 Abs. 1 HGB.

2 § 315e Abs. 2 i.V.m. § 325 HGB sowie VO (EG), Nr. 1606/2002.

3 Vgl. Kühnberger (2017), S. 19.

4 Vgl. Treisch (2017), S. 127.

5 Kühnberger (2017), S. 3.

6 Kühnberger (2017), S. 5.

7 Vgl. Kühnberger (2017), S. 3-5.

8 Vgl. Franceschetti (2018), S. 16.

9 Vgl. Hermanns (2006), S. 3.

10 Vgl. Kühnberger (2017), S. 147.

11 Frey (2009), S. 155.

12 Kühnberger (2017), S. 147.

13 Vgl. Teoh et al. (1998b), S. 1938-1940.

14 Vgl. Kühnberger (2017), S. 142f.

15 Vgl. Subramanyam (1996).

16 Vgl. Kühnberger (2017), S. 140.

17 Vgl. Kühnberger (2017), S. 148.

18 Vgl. Frey (2009), S. 155.

19 Vgl. Kühnberger (2014), S. 432f.

20 Vgl. Kühnberger (2017), S. 167.

21 Vgl. Achleitner (2018).

22 Vgl. Rummer (2006), S. 10f.

23 Rummer (2006), S. 42.

24 Vgl. Rummer (2006), S. 43-47.

25 Vgl. Rummer (2006), S. 48-50.

26 Vgl. Armstrong et al. (2016), S. 1.

Details

Seiten
20
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668983571
ISBN (Buch)
9783668983588
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v492362
Institution / Hochschule
Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin
Note
1,0
Schlagworte
bilanzpolitik offering public initial fälle zusammenhängen analyse eine kapitalmaßnahmen management-buy-out

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