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Spiel und Mimicry

Seminararbeit 2002 22 Seiten

Medien / Kommunikation - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Spiel
2.1 Überblick über Spieltheorien

3. Huizinga Johan: “Homo Ludens”
3.1 Wesen und Bedeutung des Spiels als Kulturerscheinung
3.1.1 Spiel als primärer Begriff und eine sinnvolle Funktion
3.1.2 Hauptkennzeichen des Spiels
3.1.3 Die Spielregeln
3.1.4 Die besondere Welt des Spiels
3.2 Spiel und Wetteifer als kulturschaffende Funktion
3.2.1 Kultur als Spiel nicht Kultur aus Spiel

4. Caillois Roger: “Die Spiele und die Menschen”
4.1 Kritik an Huizingas Spiel-Definition
4.2 Definition des Spiels nach Caillois:
4.3 Einteilung der Spiele
4.4 Mimicry

5. Fink Eugen: „Oase des Glücks“
5.1 Das Spiel als Grundphänomen
5.2 Momente der Spielstruktur

6. Nachwort

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Im Rahmen des Seminars „Kultursemiotik und Medientheorie“ versuchten wir unter anderem uns den Wurzeln der Kultur anzunähern und erkannten als eine dieser Wurzeln das menschliche Spiel in seinen unterschiedlichen Manifestationen.

Im Zuge dieser Seminararbeit will ich nun versuchen, mich dieser Thematik vor allem über die beiden Wissenschaftler Johan Huizinga, Roger Caillois und in Folge mit Eugen Fink anzunähern, um mich somit zum ersten mal in meiner studentischen Laufbahn wissenschaftlich mit der Thematik „Spiel“ auseinander zu setzen. Insofern dieser Bereich für mich noch völlig unbekannt war, dient diese Arbeit eher dazu, mir einen ersten Einblick zu verschaffen und mich mit den Grundgedanken der Spieltheorien anzufreunden, als neue wissenschaftliche Erkenntnisse einzubringen, für was ich mich noch nicht in befähigt sehe, was aber angesichts des nun geweckten Interesses hoffentlich nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt.

Ich werde zu Beginn ganz kurz versuchen, einen Überblick über die Entwicklung der Spieltheorie und ihrer unterschiedlichen Interpretations- und Herangehensweisen zu schaffen, um mich danach ausführlicher mit den Werken „Homo Ludens“ des Niederländers Johan Huizinga, „Die Spiele und die Menschen“ von Roger Caillois und „Die Oase des Glücks“ von Eugen Fink auseinander zu setzen.

2.) Spiel

In der Umgangssprache finden sich eine Unzahl von Verwendungen des Wortes Spiel, von "wie das Leben so spielt" über "verspielte" Kinder, "spielend gemeistert", von "spielerische Leichtigkeit" bis zum "Katz-und-Maus-Spielen". In allen Redewendungen dieser kleinen Auswahl - sie ließe sich noch sehr lange fortführen - kommt zwar der Wortstamm "spiel" vor, jedoch immer in einer anderen semantischen Bedeutung. So steht "spielend" in "spielend gemeistert" für leicht, mühe- und problemlos, das Leben spielt dagegen eher willkürlich. Der Versuch, sich dem Spielphänomen durch den sprachlichen Gebrauch zu nähern, ist somit zum Scheitern verurteilt. Allerdings wird deutlich, welche Komplexität besagtes Phänomen auszeichnet. Diese Komplexität wird auch deutlich, wenn man sich klar macht, in welchen Entwicklungsphasen gespielt wird und in welch unterschiedlichen Kontexten gespielt wird: Die Katze spielt anders mit der Maus als ein Kleinkind mit Bauklötzen, Skatspiel ist etwas deutlich anderes als Verstecken. Und dann gibt es noch Glücksspiele, Geschicklichkeitsspiele, Rollenspiele... . Die scheinbar einfache Frage "Was ist ein Spiel?" scheitert schon an grundsätzlichen Merkmalen: Ist spielen ein Zustand oder eine Tätigkeit, ist es ein physischer, psychischer oder geistiger Prozess? Die Tendenz der Spielforschung geht laut Scheuerl in die Richtung "psychische Funktion". Beim Versuch, eine griffige und dennoch umfassende Definition zu erstellen, sind die Spieltheoretiker meines Wissens bisher gescheitert. Allerdings konnten einige Charakteristika herausgearbeitet werden, die das Spiel kennzeichnen, auf welche im Verlauf dieser Arbeit noch zu sprechen kommen werde.

Vermutlich liegt der Ursprung des Wortes „Spiel“ im Althochdeutschen „spilen“ das Fließende, Bewegliche, das Schwebende, sich Bewegende.

Unter dem „Spiel“ versteht man heute großteils ein Verhalten, eine „Tätigkeit, die ohne bewussten Zweck lediglich aus Freude an ihr selbst ausgeübt wird und mit Lustempfindungen verbunden ist.“[1]

2.2 Überblick über Spieltheorien

Das Spiel wurde schon von Platon und Aristoteles als Phänomen erkannt, allerdings bildet sich erst auf den Grundlagen der Untersuchungen Rousseaus, Pestalozzis, Schillers und Fröbels eigene Spieltheorien heraus.

Herbert Spencer deutete das Spiel als „Ausfluss eines Kraftüberschusses“ der Spielenden, er sieht also im Spiel das Ablassen eines angestauten Kraftüberschusses. Diese Meinung vertraten unter anderen auch Tolman und Thinklepaugh.

Eine Abwandlung der Kraftüberschusstheorie stellt die Katharsis- oder Reinigungstheorie dar, der zufolge das Spiel dem Menschen, der von ursprünglich aggressiven Trieben besessen ist, die Chance, diese auf unschädliche Weise abzureagieren. Vertreter dieser Theorien sind u.a. Harvey Carr und Karl Grooss

Unter Einfluss von Darwins Evolutionstheorie formulierte Stanley Hall 1906 die Rekapitulierungstheorie, welche besagt, dass das Spiel des Kindes den Entwicklungsverlauf des Menschen bis zur Jetztzeit widerspiegelt.

Lazarus formulierte 1883 seine Erholungstheorie, die von Patrick 1916 erweitert wird und der Energieüberschusstheorie gegenübersteht.

Auch der österreichische Tiefenpsychologe Alfred Adler setzte sich mit dem Spiel auseinander. Bei ihm erhält das Spiel die Bedeutung der Scheinbefriedigung der Macht- und Geltungstriebe, welche beim Spiel offen dargelegt werden können.

Mit seinem Buch „Homo Ludens“ hat Johan Huizinga jedoch ein wegweisendes Werk geschaffen, welches den weiteren Verlauf der Entwicklung der Spieltheorien stark beeinflusst hat, weshalb sich das nächste Kapitel mit diesem Werk beschäftigen wird.

3. Huizinga Johan: “Homo Ludens”

Der holländische Historiker und Kulturphilosoph Johan Huizinga (1872 – 1945), hat in dem 1939 erschienenen Buch „Homo ludens“[2] eine Theorie der Kultur entworfen, in der er dem Denker ( homo sapiens)und dem Tätigen, Planenden (homo faber) den Menschen als Spieler (homo ludens) an die Seite stellt.

Huizinga richtet die Aufmerksamkeit auf die früheren Stadien der Hochkulturen, vor allem auf den griechischen, den indischen und den chinesischen Kulturkreis, und will zeigen, welch großen Anteil des Spielvermögens und die Spielneigung des Menschen am Aufbau dieser Kulturen haben.

Religion und Kultus entfalten sich in heiligen Spielen. Dichtung und Musik sind im Spiel geboren und sind und bleiben ihren Wesen nach Spiel. Aber auch die Formen des sozialen

Umgangs, das Regeln der Konflikte, Rechtswahrung usw. gründen und formen sich im Spiel.

3.1 Wesen und Bedeutung des Spiels als Kulturerscheinung

3.1.1 Spiel als primärer Begriff und eine sinnvolle Funktion

Spiel ist älter als Kultur, denn der Begriff Kultur setzt auf jeden Fall eine menschliche Gesellschaft voraus, und die Tiere haben nicht auf den Menschen gewartet, um von ihm erst das Spielen zu lernen. Ja, man kann ruhig sagen, dass die menschliche Gesittung dem allgemeinen Begriff des Spiels kein wesentliches Kennzeichen hinzugefügt hat. Alle Grundzüge des Spiels sind schon im Spiel der Tiere verwirklicht. Man braucht nur junge Hunde beim Spielen zu beobachten, um alle diese Züge zu erkennen. Sie beobachten die Regeln, dass man seinem Bruder das Ohr nicht durchbeißen soll. Sie stellen sich so, als ob sie fürchterlich böse wären. Und was das wichtigste ist: an alledem haben sie offensichtlich ungeheuer viel Vergnügen und Spaß. Es gibt viel höhere und entwickeltere Stufen: echte Wettkämpfe und schöne Vorführungen vor Zuschauern. Schon in seinen einfachsten Formen und schon im Tierleben ist das Spiel mehr als eine rein physiologisch bestimmte psychische Reaktion. Spiel ist eine sinnvolle Funktion.

3.1.2 Hauptkennzeichen des Spiels

Es bleibt also dabei, das wir es im Spiel mit einer Funktion des lebendigen Wesens zu tun haben, die sich weder biologisch noch logisch vollkommen determinieren lässt. Der Begriff Spiel bleibt ständig in merkwürdiger Weise abseits von allen übrigen Gedankenformen, in denen wir die Struktur des Geisteslebens und des Gemeinschaftslebens ausdrücken können. So müssen wir uns vorläufig darauf beschränken, die Hauptkennzeichen des Spiels zu beschreiben.

Das Thema Zusammenhang von Spiel und Kultur erlaubt uns nicht alle vorhandene Formen des Spiels in die Behandlung einzubeziehen. Wir können uns in der Hauptsache auf die Spiele sozialer Art beschränken. Sie sind leichter zu beschreiben als die primären Spiele von Säuglingen und jungen Tieren, weil sie ihrer Gestalt nach entwickelter und gegliederter sind und weil sie vielfältigere sichtbare Kennzeichen an sich tragen

Das Spiel ist für Huizinga eine deutlich erkennbare „unbedingt primäre Lebenskategorie“, der er sechs konstituierende Merkmale zuordnet:

- Freies Handeln
- Nicht eigentliches Leben
- Abgeschlossenheit
- Wiederholbarkeit
- Ordnung
- Spannung

3.1.2.a Spiel ist freies Handeln

Alles Spiel ist zunächst freies Handeln. Befohlenes Spiel ist kein Spiel mehr. Höchstens kann es aufgetragenes Wiedergeben eines Spiels sein.

Für den erwachsenen und verantwortliche Menschen ist das Spiel eine Funktion, die er ebenso gut sein lassen könnte. Das Spiel ist überflüssig. Nur insoweit wird das Bedürfnis nach ihm dringend, als es aus dem Vergnügen an ihm entspringt. Jederzeit kann das Spiel ausgesetzt werden oder ganz unterbleiben. Es wird nicht durch physische Notwendigkeit auferlegt und noch viel weniger durch sittliche Pflicht. Es ist keine Aufgabe. Es wird in der Freizeit gespielt. Erst sekundär, dadurch dass es Kulturfunktion wird, treten die Begriffe Müssen, Aufgabe und Pflicht mit ihm in Verbindung. Damit hat man also das erste Hauptkennzeichen des Spiels: Es ist frei, es ist Freiheit.

Unmittelbar damit hängt ein zweites Kennzeichen zusammen.

3.1.2.b Spiel ist uninteressiertes Handeln

Wie alle anderen Forscher legt auch Huizinga den Nachdruck auf den uninteressierten Charakter des Spiels. Dieses Etwas, das nicht das „gewöhnliche Leben“ ist, steht außerhalb des Prozesses der unmittelbaren Befriedigung von Notwendigkeiten und Begierden, es unterbricht diesen Prozess. Es schiebt sich zwischen ihn als eine zeitweilige Handlung ein.

[...]


[1] Meyers großes Taschenlexikon. 7. Auflage. Mannheim/Leipzig/Wien/Zürich, B.I.-Taschenbuchverlag 1999

[2] HUIZINGA, Johan: Homo Ludens. Versuch einer Bestimmung des Spielelements der Kultur. Pantheon Akademische Verlagsanstalt. Amsterdam 1939

Details

Seiten
22
Jahr
2002
ISBN (eBook)
9783638130080
Dateigröße
547 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v4926
Institution / Hochschule
Universität Wien – Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft
Note
2
Schlagworte
Spiel Mimicry KW-Seminar Kultursemiotik Medientheorie

Autor

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Titel: Spiel und Mimicry