Lade Inhalt...

Ökonomie vs. Ökologie. Der Konflikt um den Hambacher Forst

Ist der Rodungsstopp des Hambacher Forst Verschwendung wertvoller Energieressourcen?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 16 Seiten

Politik - Didaktik, politische Bildung

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Didaktische Analyse
2.1 Begründung der Themenwahl
2.2 Einordung in den Lehrplan
2.3 Problemzielformulierung
2.4 Begründung des didaktischen Prinzips der Konfliktorientierung

3. Konfliktanalyse
3.1 Allgemeines zur Konfliktanalyse
3.2 Kategorien und Kategorienbildung zur Konfliktorientierung (Sachstrukturanalyse)

4. Politische Urteilsbildung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Energieversorger RWE rodet seit den 1970er Jahren den Hambacher Forst in Nordrheinwestfalen Stück für Stück ab. Schon in den späten 70er Jahren entwickelten sich Gegenbewegungen gegen die Rodung des Waldes. Seit 2012 besteht diese Gegenbewegung aber nicht mehr nur aus Protesten, sondern aus häufigeren Belagerungen von Umweltaktivisten (vgl. Dalkowski, 2018). Diese bauen sich dort Plattformen oder Baumhäuser in den Bäumen, um sich darin zu verschanzen und den Fortschritt der Rodung zu verhindern. Der daraus entstehende Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie, zeigt ein Problem auf, dass schon seit Jahrzehnten relevant ist und durch den Klimawandel und die schnelle Industrialisierung der letzten Jahrzehnte aktueller denn je ist.

Der Konflikt spitzte sich im Sommer 2018 nochmals zu, da die RWE im Oktober den Wald nochmals um die Hälfte, von 200 Hektar auf 100 Hektar (Zeit Online, 2018) , roden wollte und sich deshalb zahlreiche Aktivisten über Tage und Wochen im Hambacher Forst verschanzten. Die Polizei musste die Aktivisten vertreiben, da laut Landesregierung der Brandschutz ihrer Baumhäuser nicht ausreichend war. Die Rodung wurde durch das Oberverwaltungsgericht vorerst gestoppt und es sind weitere Verhandlungen geplant. Je nachdem wie lang der Rodungsstopp gilt, könnte dies einen herben Verlust für RWE bedeuten.

Verhindert der Umweltschutz den wirtschaftlichen Wachstum? Oder beutet die Wirtschaft rücksichtlos unsere Natur aus? Gibt es Lösungen, Kompromisse oder einen Mittelweg für solche Konflikte? Dies sind Fragen die die Schülerinnen und Schüler mit ihrer eigenen Meinung/ihrem eigenen Urteil beantworten sollen, anhand des Konfliktes um den Hambacher Forst.

Im Mittelpunkt der vorliegenden Arbeit soll aufgezeigt werden, welche Informationen die Schüler und Schülerinnen benötigen, um den Konflikt zu verstehen und sich ihr eigenes Urteil bilden zu können. Von diesem Konflikt aus sollen die Schülerinnen und Schüler dann auf den allgemeinen Konflikt von Ökologie und Ökonomie schließen können. Im Folgenden wird die Themenwahl noch weiter begründet und in den Lehrplan eingeordnet. Eine Sachstrukturanalyse und die geplante Urteilsbildung sollen dann das Thema genauer darstellen und welche Informationen wie an die Klasse herangebracht werden sollten.

2. Didaktische Analyse

2.1 Begründung der Themenwahl

Obwohl die schwierige Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie schon lange ein Thema in Deutschland ist, ist durch den aufkommenden Klimawandel die Sensibilität für die Umwelt und deren Schutz in den letzten Jahren stark angestiegen. Die politischen Debatten um Umweltschutz und Klimagipfel sind fast täglich in den Medien vertreten. Deutschland möchte in diesem Bereich auch Vorreiter sein und trifft mit Themen wie zum Beispiel dem Kohleausstieg den Zeitgeist. Gleichzeitig ist Deutschland aber auch eine Industrienation und Wirtschaftsmacht, die besonders durch die wirtschaftlichen Stärken Ansehen in der Weltpolitik genießt. Dieses Ansehen möchte man auch beibehalten.

Der Konflikt im Hambacher Forst, bei dem sich der „Energieriese“ RWE und zahlreiche Umweltaktivisten gegenüber stehen, spiegelt genau diesen Konflikt wieder.

Da das Thema noch sehr aktuell ist und sowohl in Medien als auch in der Gesellschaft diskutiert wird, besitzt dieses eine Gegenwartsbedeutung für die Schüler. Das Thema dürfte also jedem Schüler zumindest schon mal zu Ohren gekommen sein. Für alle Schüler ist auch eine Zukunftsbedeutung und „indirekte“ Betroffenheit durch das Thema impliziert, da das Thema sich unter anderem mit der Zukunft unserer Gesellschaft und unseres Landes beschäftigt und jeder Einzelne davon auch betroffen ist. Die Schüler müssen also abwägen welche Interessen sie vertreten können, sowohl moralisch als auch gesellschaftlich gesehen, um auch Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen zu können.

Didaktisch gesehen sind die Aspekte Gegenwarts- / Zukunftsbedeutung und Betroffenheit (vgl. Klee, 2008, S.39ff.) wichtig für den (Sozialkunde-)Unterricht und fördern auch das Interesse der Schülerinnen und Schüler. Die Schüler können sich zudem klar positionieren, da sowohl die Perspektive der Umweltaktivisten als auch die des Energiekonzerns behandelt werden. Somit ist auch die Mehrperspektivität und Kontroversität des Themas gegeben. „Die Auseinandersetzung mit kontroversen Standpunkten muss Bestandteil des Wirtschafts- und Sozialkundeunterrichts sein. In unserer Wirtschaft sind viele Entscheidungen auf Grund unterschiedlicher Wertauffassungen und Sachinteressen umstritten“ (vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung, Lehrplan Wahlpflichtfach Wirtschafts- und Sozialkunde, 1999). Diese Faktoren sind ebenso relevant zur Ausbildung des mündigen Bürgers.

2.2 Einordung in den Lehrplan

Nach den rheinlandpfälzischen Lehrplänen kann das Thema im Fach Gemeinschaftskunde Grundkurs in der Sekundarstufe II in Klasse 11/2 (zweites Halbjahr) durchgenommen werden. Der Schwerpunkt in diesem Halbjahr liegt auf dem Thema Wirtschaft und 8 bis 10 Stunden sollen in diesem Halbjahr für das Teilthema (TT5) Ökonomie und Ökologie aufgewandt werden (vgl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung, Lehrplan Gemeinschaftskunde: Sek. II Grund- und Leistungskurs, 1998). Umweltpolitik wird hier nochmals als Schwerpunkt hervorgehoben. Die Schülerinnen und Schüler sollen hier „das Spannungsverhältnis von Ökonomie und Ökologie aus der unterschiedlichen Interessenlage beider Bereiche“ (Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung, Lehrplan Gemeinschaftskunde: Sek. II Grund- und Leistungskurs, 1998) kennenlernen sowie die Probleme für den Wandel zu einer ökologischen Industriegesellschaft erörtern. Zu diesem Themenbereich kann der Konflikt um den Hambacher Forst perfekt herangezogen werden.

Auch im Leistungskurs ist das gleiche Thema unter Teilthema 12 zu finden. Hier sind 10-12 Stunden für das Thema angedacht und auch ein Schwerpunkt auf Umweltpolitik gelegt. Im Leistungskursbereich sollte das Thema detaillierter behandelt werden und der Konflikt tiefgründiger hinterfragt werden. Das Thema ist somit für die gymnasiale Oberstufe geeignet (bzw. Integrierte Gesamtschule mit Oberstufenzweig).

Für Klassen der Sekundarstufe I ist dieses spezielle Thema der Wirtschaft und Umweltpolitik nicht vorgesehen. In diesem Zeitraum werden nur wirtschaftliche Grundlagen vermittelt.

2.3 Problemzielformulierung

Ich habe mich in dieser Thematik für das übergeordnete Problemziel „Ökologie vs. Ökonomie“ entschieden und zusätzlich eine provokante Problemfrage für die Auseinandersetzung mit diesem Thema gewählt („Ist der Rodungsstopp des Hambacher Forst eine Verschwendung wertvoller Energieressourcen?“). Die Thematik wird somit kurz und einfach dargestellt, sodass der Leitfaden der Stunde erkennbar ist, da (mindestens) zwei Standpunkte herausgearbeitet werden können. Die Begrifflichkeit „versus“ anstatt „und“ zwischen Ökologie und Ökonomie ist bewusst gewählt, da zuerst die beiden Standpunkte herausgearbeitet werden, um die Kontroversität des Themas darzustellen. Auch die dazugehörige Problemfrage, die für den Unterricht wichtig ist, kann kontrovers betrachtet werden, da hier auch zwei Standpunkte vertreten werden können. Zudem wurde das Thema auch kontrovers in der gesellschaftlichen Debatte geführt, sodass der direkte Anschluss an ein gesellschaftliches Problem hergestellt ist. Durch diese Aspekte, können sich die Schülerinnen und Schüler ein politisches Urteil bilden.

Nach der Erarbeitung der Standpunkte und der Urteilsbildung der Schüler ist es möglich das Thema mit „Ökologie und Ökonomie“ weiterzuführen, indem Kompromissfindungen und Lösungen erarbeitet werden an beispielhaften Problemstellungen.

2.4 Begründung des didaktischen Prinzips der Konfliktorientierung

Das ausgewählte Thema und Problemziel wird in der vorliegenden Arbeit durch das didaktische Prinzip der Konfliktorientierung nach Hermann Giesecke beleuchtet. Ich habe mich für dieses Prinzip entschieden, da in diesem Fall eine klare Trennung von zwei Konfliktparteien möglich ist. Beide Parteien stehen in einem Interessenkonflikt um materielle (Erhaltung des Waldes/Kohleabbau) Ressourcen. Alle drei Komponenten der Grundstruktur eines Konflikts nach Schrader sind in diesem Fall gegeben:

- „ein Widerspruch, d.h. eine Unvereinbarkeit von Zielen, Interessen bzw. Bedürfnissen,
- ein den Konflikt anzeigendes und allzu oft verschärfendes Verhalten (z.B. Konkurrenz, Aggressivität, Hass, Gewalt) der Konfliktparteien sowie
- eine auf den Konflikt bezogene und diesen – bewusst oder unbewusst – rechtfertigende Einstellung/Haltung. Diese ist eng verbunden mit den Wahrnehmungen und Annahmen der Konfliktparteien in Bezug auf ihre eigene Stellung im Konflikt, die Bewertung der anderen Parteien (z.B. Feindbilder) und ihre Vermutungen zu den Konfliktursachen.“ (nach Bundeszentrale für politische Bildung, 2018)

Es besteht ein Widerspruch der beiden Konfliktparteien, der sich aktuell auch nicht vereinen lässt, da die Interessen beider Lager sehr stark auseinandergehen. Die Blockade des Hambacher Forst zeigt ebenso ein verschärfendes Verhalten der Umweltaktivisten. Die Gegner oder Befürworter des Kohleabbaus haben eine klare Einstellung und Haltung auch gegenüber dem größeren gesellschaftlichen und politischen Konflikt zwischen Umweltschutz und Wirtschaftswachstum.

Somit sind alle drei Faktoren eines Konflikts erfüllt. Die zusätzlich klare Trennungsmöglichkeit der beiden Konfliktparteien und die eindeutige Zuordnung des Konfliktgegenstandes (Interessenkonflikt), haben mich überzeugt, dass Thema konfliktorientiert zu behandeln.

[...]

Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668969094
ISBN (Buch)
9783668969100
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v492614
Institution / Hochschule
Technische Universität Kaiserslautern
Note
2,0
Schlagworte
ökonomie ökologie konflikt hambacher forst rodungsstopp verschwendung energieressourcen

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Ökonomie vs. Ökologie. Der Konflikt um den Hambacher Forst