Lade Inhalt...

Rezension zu Dölling, Irene (2000) "Ganz neue Inhalte werden im Vordergrund stehen: die Arbeit zuerst" Erfahrungen junger ostdeutscher Frauen mit dem Vereinbarkeitsmodell (1990- 1997)

Rezension / Literaturbericht 2005 7 Seiten

Soziologie - Familie, Frauen, Männer, Sexualität, Geschlechter

Leseprobe

Ein-Euro-Job - zwei aktive Frauen

Ines Zeugner und Gisela Vukanci´c bauen in Merseburg eine Ehrenamtsbörse auf

VON Petra Wozny, 25.11.04, 18:03h, aktualisiert 25.11.04, 20:44h, erschienen in: Mitteldeutsche Zeitung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Waren unterschiedlicher Meinung, als sie von der Einführung der Ein-Euro-Jobs hörten. Jetzt sind Ines Zeugner (links) und Gisela Vukanci´c froh, bis Juni nächsten Jahres einen solchen Zuverdienst zu haben. (MZ-Foto: Werner Hoppe)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Merseburg/MZ."Das ist doch Ausbeutung", hat Ines Zeugner als erstes gedacht, als sie von den Ein-Euro-Jobs hörte. Bei Gisela Vukanci´c war die erste Reaktion etwas anders: "Ob ich zu Hause sitze und nur von Arbeitslosenhilfe, Wohngeld und GEZ-Befreiung lebe, kann ich mir auch was dazu verdienen." Beide Frauen sind seit 1. Oktober im Merseburger Bürgerzentrum beim Verein Agenda 21 beschäftigt - und wollen den Ein-Euro-Job nicht mehr missen.

30 Stunden arbeiten sie die Woche über, das macht 120 Euro Zuverdienst im Monat. Peanuts? Sie schütteln den Kopf. "Klar geht es bei der Arbeit auch um Geld, aber uns ist wichtig, dass wir gebraucht werden", schildert Ines Zeugner und ihre Kollegin nickt. In den nächsten Monaten bauen sie eine Ehrenamtsbörse auf.

Viel Zeit bleibt ihnen nicht. "Unser Projekt geht nur bis Juni nächsten Jahres" sagt Ines Zeugner leise und Tränen steigen ihr in die Augen. Hat die 41-Jährige bis dahin keinen Job gefunden, steht sie wieder vor dem Aus. Ein Zustand, der sie zur Verzweiflung bringt. Klug ist sie, hat Leistungsstipendium während des Studiums bezogen und Jahre als Projektantin im Chemieanlagenbau Grimma gearbeitet. 1988 kam ihre Tochter. Als die Wende sich abzeichnete, war sie mit dem Kleinkind beschäftigt. "Erst hatte ich Kurzarbeit, dann Kurzarbeit Null, 1991 die Entlassung", schildert sie. "Ich wollte auf keinen Fall zu Hause bleiben", war ihr Ziel. Weiterbildungen, ABM und Enttäuschungen prägen die Neunziger.

Auch Gisela Vukanci´c' Lebensweg ist nicht eben. "Ich hatte einen Prima-Job zu DDR-Zeiten. Mann, hat mir die Arbeit vielleicht Spaß gemacht", erinnert sie sich mit Freude an fast zwei Jahrzehnte, wo sie Versicherungskaufmann war. Die Mutter dreier Kinder geht 1990 mit ihrem Mann, einem Jugoslawen, in seine Heimat. "Dort hat uns der Krieg einen Strich durch die Rechnung gemacht" erzählt die heute 54-jährige. Sie kehrt zurück und findet ein anderes Land wieder.

Da sie vor der Ausreise alles aufgegeben hatte, steht Gisela Vukanci´c vor dem Nichts. Das neue, andere Leben beginnt auf der untersten Stufe - mit gebrauchten Möbeln und Arbeitslosengeld. ABM folgen - manche nimmt sie auch mit Zähneknirschen. "Es musste sein, denn das Geld wurde immer weniger." Auf Theater, Kino, Kosmetik muss sie verzichten. Einen DVD-Player oder ein Auto hat sie nicht.

"Vielleicht reicht das Geld mal für ein Fahrrad", lacht sie und auch Ines Zeugner lächelt zaghaft: "Ich wünsche mir für meine Familie eine größere Wohnung." Doch die Umzugskosten und die Miete lassen den Traum rasch zerplatzen. Die Bescheide für ALG II sind noch unterwegs. Indes lassen sich Ines Zeugner und Gisela Vukanci´c nicht beirren.

[...]

Details

Seiten
7
Jahr
2005
ISBN (eBook)
9783638457767
Dateigröße
353 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v49290
Institution / Hochschule
Universität Rostock
Note
2,0
Schlagworte
Rezension Dölling Irene Ganz Inhalte Vordergrund Arbeit Erfahrungen Frauen Vereinbarkeitsmodell

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Rezension zu Dölling, Irene (2000) "Ganz neue Inhalte werden im Vordergrund stehen: die Arbeit zuerst" Erfahrungen junger ostdeutscher Frauen mit dem Vereinbarkeitsmodell (1990- 1997)