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Burnout. Einzelberatung und Reflexion

Studienarbeit 2016 9 Seiten

Psychologie - Beratung, Therapie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition „Burnout“

3. Einzelberatung bei Burnout
3.1 Burnout als Ressource

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Der Begriff „Burnout“ ist in der heutigen Zeit in aller Munde. In unserer Gesellschaft ist diese Erkrankung zu einem zentralen und häufig diskutierten Thema geworden. Außerdem hat sich der Begriff „Burnout“ zu einem Modebegriff entwickelt.

Da Burnout aber einen starken Bezug auf die Persönlichkeit und die Arbeitsfähigkeit, sowie auf die Arbeitsleistung aufweist, gewinnt auch die Einzelberatung von betroffenen Personen immer mehr an Bedeutung.

Aber was ist Burnout eigentlich genau? Welche Ursachenfelder werden in einer Einzelberatung analysiert? Wie genau schaut eine Einzelberatung aus und auf welche Faktoren wird dabei besonders eingegangen?

Ziel dieser Seminararbeit ist demgemäß eine Aufklärung bezüglich der oben genannten Punkte. Da eine detaillierte Beschreibung und Definition von Burnout und der Einzelberatung von KlientInnen den Rahmen sprengen würde, wird in der vorliegenden Seminararbeit nur ein kurzer Überblick in die zuvor erwähnten Themenbereiche gegeben.

Zu Beginn erfolgt daher eine kurze Beschreibung dieser Erkrankung. Anschließend wird auf die Einzelberatung von betroffenen Personen näher eingegangen, wobei der Fokus hier auf die Faktoren und die Analyse der Ursachenfelder in der Beratung gelegt wird. In dieser Arbeit wird auch nur auf die lösungsfokussierte, systemische Form der Einzelberatung eingegangen. Am Ende wird noch die Übung „Beratung und Gesprächsführung“ reflektiert und die eigene Meinung zu den durchgeführten Gruppenübungen wiedergegeben.

2. Definition „Burnout“

„Der Begriff Burnout stammt aus dem Englischen („to burn out“ = „ausbrennen“) und kennzeichnet einen Zustand deutlicher physischer, psychischer und/oder emotionaler Belastung, der nicht nur vorübergehend nach einer entsprechenden Belastung auftritt“ (Schmiedel, 2010, S. 12).

Umgangssprachlich spricht man bei dieser Erkrankung von einem Zustand der völligen Erschöpfung, beziehungsweise von einem Ausgebrannt sein, durch beispielsweise eine Arbeitsüberlastung, oder durch zu viel Stress am Arbeitsplatz verbunden mit zu wenig Freizeit.

Der Psychoanalytiker Freudenberger brachte den Begriff „Burnout“ im Jahre 1974 zum ersten Mal in den Bereich der Psychologie (vgl. Rösing, 2003, S. 34). Auch Demerouti verwendete den Begriff. Jedoch war dieser damals eher weniger negativ besetzt (vgl. Burnisch, 2008, S. 14), als er es heute ist.

Burnout ist auch in unserer Gesellschaft in aller Munde, obwohl wahrscheinlich jeder den Begriff schon einmal gehört hat, ist es eher weniger bekannt, dass ein „Burnout“ keine Diagnose, in dem Sinne, ist. Im internationalen Klassifikationssystem (ICD-10) scheint Burnout als Einzeldiagnose gar nicht auf. Es handelt sich dabei lediglich um eine Zusatzdiagnose, welche im Kapitel XXI unter Z 73.0: Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung, zu finden ist (vgl. Bundesministerium für Gesundheit, 2013, S. 665). Das heißt also, dass Burnout nicht als Diagnose gestellt werden kann, sondern es immer mit einer anderen Erkrankung, beziehungsweise mit einer weiteren Diagnose im Einklang stehen muss. Am häufigsten ist dieser Zusammenhang mit einer Depression, bedingt durch Arbeitsüberlastung, oder durch zu viel Stress am Arbeitsplatz.

Burnout wird als ein Zustand von Frustration und Erschöpfung bezeichnet, in dessen Folge Betroffene keine Kraft und Motivation mehr haben ihre Arbeit in der bisher durchgeführten Intensität und Qualität fortzusetzen (vgl. Litzke et al., 2005, S. 155). Hohe Ideale, hohe Standards, sowie große Erwartungen an die eigene Arbeit, bis hin zum Perfektionismus, enorme Anforderungen an die Arbeit und an sich selbst, großes inhaltliches Engagement und eine hohe Bewertung der Arbeit, diese Eigenschaften, findet man sehr häufig bei betroffenen Personen (vgl. Geyerhofer/Unterholzer, 2008, S. 180). Burnout gefährdete Menschen investieren viel Energie und viel Zeit in ihre Arbeit, sie sind mit Eifer und Ehrgeiz bei der Sache und genau das kann zu einem Ausbrennen führen.

In der Literatur finden sich unzählig viele Definitionen von dem Begriff „Burnout“. Auch Maslach meinte schon im Jahre 1982, dass es keine handhabbare und eindeutige Definition über das Burnout-Syndrom gäbe (1982, zitiert nach Burisch, 2014, S. 16). Dies hat sich bis heute noch nicht wirklich geändert. Es gibt entweder zu umfassende, oder zu spezifische Definitionen in der Literatur, aber keine einheitlich zutreffende Beschreibung des Syndroms. Dies könnte wiederrum eine Ursache dafür sein, dass sich Burnout nicht als Einzeldiagnose bestimmen lässt.

Die Entstehung eines Burnouts kann unterschiedlich sein. Verschiedene Menschen reagieren unterschiedlich auf die gleichen äußeren Umstände. Somit ist auch das Stressempfinden und der Stresslevel nicht für alle Menschen zu vereinheitlichen. Außerdem spielen das subjektive Erleben und die individuelle Wahrnehmung eine zentrale Rolle für das Empfinden von Stress. Die Umwelt, vor allem die Arbeitswelt, wird oft als sehr intensive Bedrohung erlebt und die individuellen Bedürfnisse, sowie die selbst definierten Leistungsforderungen können dauerhaft nicht befriedigt werden. Meistens ist nicht nur ein Faktor ausschlaggebend für den Ausbruch eines Burnouts. Es sind diese Punkte und noch viele mehr, die zu einer Entstehung beitragen können.

Ist das Burnout dann ausgebrochen, könnten die folgenden Symptome beispielsweise auftreten: Erschöpfung, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit, reduzierte Leistung und Kreativität, negative bis zynische Einstellungen gegenüber sich selbst, sowie gegenüber der Arbeit und Verlust der Arbeitszufriedenheit, Motivation und des Verpflichtungsgefühls gegenüber dem Unternehmen (vgl. Geyerhofer/Unterholzer, 2008, S. 180). Zudem kommen nach ICD-10 auch noch vermehrte Müdigkeit nach geistiger Anstrengung und eine ablehnende Arbeitsleistung, oder eine Effektivität bei der Bewältigung täglicher Aufgaben hinzu (vgl. Bundesministerium für Gesundheit, 2013, S. 665).

Es gibt aber eine Vielzahl von Möglichkeiten, um aus dem Teufelskreis wieder auszubrechen. Burnout ist gut behandelbar, mittels Therapien, Coaching, einer Beratung, oder Ähnlichem kann man große Fortschritte erzielen. Im nächsten Kapitel wird speziell auf die lösungsfokussierte Einzelberatung bei Burnout-KlientInnen eingegangen.

3. Einzelberatung bei Burnout

Im Vorhinein ist es sicherlich wichtig eine gute Beziehung zu den KlientInnen aufzubauen, um auf einer, für beide Seiten, angenehmen Basis arbeiten zu können. Es ist wichtig, die betroffenen Personen auf dem Level abzuholen, wo sie sich gerade befinden, sei es beispielsweise durch dieselbe Körperhaltung, oder die gleiche Wortwahl.

In der lösungsfokussierten, systemischen Einzelberatung von Personen mit Burnout wird versucht vier verschiedene, mögliche Ursachenfelder zu analysieren. Meistens ist es das Zusammenspiel, beziehungsweise die Wechselwirkung von Belastungen in mehreren der vier Faktoren, welche ein Burnout auslösen kann. Es gibt in den seltensten Fällen nur einen Faktor, der ein Burnout zum Ausbruch bringt.

Diese vier Felder werden mittels systemischen Fragen, die vom Berater/von der Beraterin gestellt werden, durchgearbeitet.

1. Die persönlichen Faktoren: Bei der Bearbeitung dieser Faktoren ist es wichtig, nicht nur problemorientiert, sondern vor allem lösungs- und ressourcenorientiert zu arbeiten. Der Berater/die Beraterin versucht, durch verschiedenste Fragestellungen, gemeinsam mit dem/der Betroffenen vorhandene Ressourcen herauszuarbeiten und mögliche Veränderungspotentiale für die Zukunft zu finden (vgl. Geyerhofer/Unterholzer, 2008, S. 194). Dies soll auch helfen wieder ein positiveres Empfinden hervorzurufen.

Eine denkbare Frage hier wäre beispielsweise: „Was haben Sie selbst zu ihrem Burnout beigetragen?“ (vgl. Geyerhofer/Unterholzer, 2008, S. 194).

Dieser Faktor ist der wahrscheinlich ausschlaggebendste für den Ausbruch eines Burnouts. Es wird versucht die persönlichen Sichtweisen der KlientInnen zu erfragen und nachzuvollziehen, da eine individuelle Wahrnehmung der äußeren Umstände zu einem Ausbrennen beitragen kann (siehe dazu auch Kapitel 2). Der/die BeraterIn versucht dann die Sichtweisen positiver darzustellen und es wird versucht gemeinsam mit den betroffenen Personen ein mögliches und positives Ziel zu formulieren. Zudem soll diese Analyse dazu beitragen, dass Personen mit dem Burnout-Syndrom ein positiveres Selbstbild gewinnen.

2. Die familiären Faktoren: In diesem Feld wird versucht ein besonderes Augenmerk auf jene Belastungsfaktoren, die nicht als solche aufgefasst werden, zu legen. Gerade im Bereich der Familie handelt es sich dabei oft um Selbstverständlichkeiten den Angehörigen gegenüber. Natürlich kann eine intakte Familie auch präventiv gegen ein Burnout sein, aber bei vielen Betroffenen gibt es vor allem in diesem Faktor viele Belastungen, beziehungsweise Überforderungen, die gemeinsam mit dem Berater/der Beraterin besprochen werden sollten (vgl. Geyerhofer/Unterholzer, 2008, S. 194), da sie den meisten oft gar nicht bewusst sind.

Mit den folgenden systemischen Fragen kann der/die BeraterIn hier arbeiten: „Welche belastenden Faktoren lassen sich erkennen?“, „Gibt es eine/n PatnerIn?“, oder auch „Gibt es Schulden, Beziehungsprobleme, Sorgen um Kinder, oder Ähnliches?“ (vgl. Geyerhofer/Unterholzer, 2008, S. 194).

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Details

Seiten
9
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783668974012
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v493424
Institution / Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
1
Schlagworte
burnout einzelberatung reflexion

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Titel: Burnout. Einzelberatung und Reflexion