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Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Netzwerkstruktur von Wissenschaftlern

Hausarbeit 2019 20 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Theorie der Strukturellen Löcher nach Ronald Burt
2.1 The Social Structure of Competiton
2.2 Strukturelle Löcher

3 Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wissenschaft?
3.1 Fragestellung
3.2 Methodik und Daten
3.3 Ergebnisse
3.3.1. Dropout-Raten und Produktivität
3.3.2. Kollaborationsmuster
3.3.3. Homophilie
3.3.4. Kollaborationsmuster, Geschlecht und Erfolg

4 Fazit

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Die Theorie der strukturellen Löcher ist eine der wichtigsten Grundlagen der soziologischen Netzwerkforschung. Burt (1992) beschreibt in seiner Arbeit, welche Merkmale und Strukturen eines Netzwerks zu Vorteilen für einen Akteur führen. Jadidi et al. (2017) untersuchen in ihrem Aufsatz das Kollaborationsverhalten von Computerwissenschaftlern über einen Zeitraum von über 40 Jahren. In dieser Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, inwiefern die von Burt beschriebenen Merkmale eines Netzwerk und deren Auswirkungen, vor allem die strukturellen Löcher, in den Netzwerken von Computerwissenschaftlern vorzufinden sind, ob die Netzwerkstruktur im Zusammenhang mit dem wissenschaftlichen Erfolg steht und ob es diesbezüglich geschlechtsspezifische Unterschiede gibt.

2 Die Theorie der Strukturellen Löcher nach Ronald Burt

Ronald Burt (*1949) ist ein US-amerikanischer Soziologe, der im Bereich Soziologie und Strategie an der University of Chicago tätig ist. Seine Theorie der Strukturellen Löcher ist neben Granovetters „The Strength of Weak Ties“ (1973) die bekannteste Grundlagentheorie der soziologischen Netzwerkforschung. In seinem Artikel „Structural Holes: The Social Structure of Competition“ (1992) stellt Burt die Theorie auf, dass jeder Spieler mit verschiedenen Kapitalen in eine Wettbewerbsarena einzieht und diese mit einem bestimmten Profit wieder verlässt. Die „rate of return“ (Burt 1992:8) ist laut Burt abhängig von der sozialen Struktur des Netzwerks und der Position des Spielers und seinen Kontakten in diesem Netzwerk. Burt beschreibt in seiner Theorie, wie durch die soziale Struktur für bestimmte Spieler Vorteile und Möglichkeiten entstehen, die anderen verwehrt bleiben. (vgl. Burt 1992)

2.1 The Social Structure of Competiton

Burt (1992) geht davon aus, dass Spieler mit einer optimalen Netzwerkstruktur an Informationsvorteile gelangen. Das bedeutet, dass die Position eines Spielers im Netzwerk ausschlaggebend dafür ist, ob er von neuen Möglichkeiten und Ideen erfährt, und wie schnell er die Informationen erhält. Spieler, die Informationsvorteile haben erhalten höhere Renditen für ihre Investitionen im Netzwerk. Um ein Netzwerk aufzubauen, welches reich an Informationsvorteilen ist, muss ein Spieler Kontakte an Orten knüpfen, an denen es wahrscheinlich ist, dass relevante Informationen erscheinen und sicherstellen, dass ein Informationsfluss zu diesen Kontakte entsteht. (vgl. Burt 1992)

Burt (1992) beschäftigt sich mit der Frage, wie ein Spieler ein Netzwerk aufbauen und Kontakte knüpfen sollte, um an Informationsvorteile zu gelangen. Wichtig ist nicht nur, das Netzwerk nach dem Motto „Bigger is better“ (Burt 1992:16) zu vergrößern, sondern die Diversität und Anzahl der non-redundanten Kontakte ist entscheidend. Kontakte sind redundant, wenn sie zu den gleichen Personen und damit zu den gleichen Informationsvorteilen führen. (vgl. Burt 1992)

2.2 Strukturelle Löcher

Burt (1992) definiert Strukturelle Löcher als „seperation between nonredundant contacts“ (Burt 1992:18); non-redundante Kontakte sind also durch strukturelle Löcher verbunden. Burt beschreibt zwei empirische Bedingungen, die ein strukturelles Loch durch ihre Abwesenheit definieren: Wenn „Rudundancy by cohension“ (Burt 1992:18) oder „Redundancy by Structural Equivalence“ (Burt 1992:18) vorliegen, ist das ein Zeichen für die Abwesenheit eines strukturellen Lochs.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

A bbildung 1: Redundanz durch Kohäsion. (Quelle: Burt 1992:18)

Unter dem Kriterium der Kohäsion sind zwei Kontakte redundant, da sie durch eine starke Beziehung verbunden sind. Die drei verbundenen Kontakte bieten die gleichen Netzwerkvorteile, da sie zu den gleichen Informationen zur gleichen Zeit führen. (vgl. Burt 1992)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Redundanz durch Strukturelle Äquivalenz. (Quelle: Burt 1992:18)

Zwei Kontakte sind strukturell äquivalent, wenn sie die gleichen Kontakte haben; unabhängig von der Beziehung zwischen den Personen, führen sie zu dem selben Cluster und den selben Informationsquellen und sind daher redundant. (vgl. Burt 1992) Burt (1992) geht davon aus, dass durch die Balance der Netzwerkgröße und der Diversität im Netzwerk die strukturellen Löcher -der Schlüssel zu Informationsvorteilen - optimiert werden können.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Das effizient-effektive Netzwerk. (Quelle: Burt 1992:17/20)

Bei zwei Netzwerken der gleichen Größe und der gleichen Anzahl an Kontakten bietet das Netzwerk mit mehr non-redundanten Kontakten mehr Vorteile. Es gibt kaum Vorteile, wenn man sein Netzwerk wie im oberen Bild mit redundanten Kontakten erweitert, lediglich die Kosten zur Aufrechterhaltung der Beziehungen steigen. Im Netzwerk C des oberen Bilds hat der Spieler nur vier non-redundante Kontakte, aber die Kosten, um 16 Kontakte zu pflegen. Im unteren Bild werden die Kosten auf vier Kontakte gesenkt, indem der Spieler einen Kontakt in jedem Cluster auswählt, der zum primären Kontakt wird. Diese primären Kontakte dienen als „ports of access to clusters of people beyond“ (Burt 1992:21): Die übrigen Beziehungen werden zu indirekten, sekundären Beziehungen, die nur noch über den einen primären Kontakt zu erreichen sind. Die Zeit, welche der Spieler dadurch spart, dass er die redundanten Kontakte schwächer werden lässt, kann er darin investieren, weitere primäre Kontakte in anderen Clustern herzustellen. (vgl. Burt 1992)

Die Vielfältigkeit der Kontakte verbessert die Qualität der Netzwerkvorteile, die er erhält. Durch Kontakt zu mehreren Clustern hat ein Spieler eine größere Sicherheit, dass er frühzeitig über aufkommende Möglichkeiten informiert wird und er außerdem der Erste ist, der Möglichkeiten sieht, die durch Bedürfnisse in einer Gruppe entstehen, die durch die Fähigkeiten einer anderen Gruppe bedient werden können. Der Spieler kann also als Broker zwischen mehreren Clustern tätig werden. Die Fähigkeit eines Spielers, Personen aus verschiedenen Clustern zusammenzubringen und deren Aktivitäten zu koordinieren, macht ihn attraktiv als Kontakt und erleichtert es ihm, sein Netzwerk weiter auszubauen und die eigenen Interessen bestmöglich zu verfolgen. (vgl. Burt 1992)

Burt (1992) geht davon aus, dass das Structual Hole-Argument die Bedingung erfasst, die direkt für Netzwerkvorteile eines Spielers verantwortlich ist: Vorteile entstehen durch die Unterscheidung zwischen redundanten und non-redundanten Kontakten. (vgl. Burt 1992)

3 Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Wissenschaft?

Die Gemeinschaft der Computerwissenschaftler ist in den letzten Jahren stark gewachsen und der Anteil von Frauen und Männern erweckt den Eindruck, dass der Gender-Gap über die Zeit kleiner wird. Außerdem ist der Anteil der Personen, die Teil des „Largest Connected Component (LCC)“ (Jadidi et al. 2017:5) sind, in den letzten Jahren deutlich gestiegen; dies deutet auf einen Anstieg der Netzwerkkonnektivität im Bereich der Computerwissenschaft hin. (vgl. Jadidi et al. 2017)

3.1 Fragestellung

In ihrem Artikel „Gender Disparities in Science? Dropout, Productivity, Collaboration Patterns and Success of Male and Female Computer Scientists“ (2017) beschäftigen sich Jadidi, Karimi, Lietz und Wagner mit den Mustern der Zusammenarbeit von männlichen und weiblichen Computerwissenschaftlern. Im Fokus steht zum einen die zeitliche Entwicklung der Kollaborationen in diesem Feld und zum anderen der Vergleich zwischen der strukturellen Position und dem Erfolg von Männern und Frauen.

Die Autoren untersuchen, inwieweit die Position von Männern und Frauen in ihrem Netzwerk ihren Erfolg erklären und ob es gender-spezifische Unterschiede gibt. (vgl. Jadidi et al. 2017)

3.2 Methodik und Daten

Um ein Kollaborations-Netzwerk der Autoren mit Zeitentwicklung zu konstruieren, verwenden die Autoren die „DBLP Computer Science Bibliography“ (Jadidi et al. 2017:3), eine Sammlung von Publikationen der Computerwissenschaft. Um auch die Zitationen zu erfassen, werden die Daten aus der DBLP mit dem „Aminer dataset“ (Jadidi et al. 2017:3) kombiniert, welches die Zitationen aller im DBLP veröffentlichten Artikel beinhaltet. (vgl. Jadidi et al. 2017)

Das Geschlecht der Autoren wird ermittelt, indem eine bereits aus anderen Studien bekannte Methode angewendet wird, welche die Ergebnisse aus einer namensbasierten und einer gesichtsbasierten Erkennung kombiniert. Der Datensatz umfasst 1634682 Wissenschaftler, 3085544 Publikationen und 7849398 Zitationen aus einer Zeitspanne von 47 Jahren zwischen 1970 und 2016. Aus allen Autoren (mit bekanntem und unbekanntem Geschlecht) wird ein Netzwerk gebildet, in dem jeder Knoten einen Autor und jede Kante eine Beziehung in Form einer Co-Autorenschaft darstellt. Das Gesamtnetzwerk besteht aus 1634682 Knoten und 7304250 Kanten. 43% der Autoren wurden als Mann identifiziert, 14% als Frau, bei 43% der Autoren ist das Geschlecht unbekannt. (vgl. Jadidi et al. 2017)

3.3 Ergebnisse

Um die Entwicklung der Genderunterschiede in der Computerwissenschaft zwischen 1970 und 2015 zu untersuchen, betrachten Jadidi et al. (2017) die Dropout-Raten (Anzahl der Wissenschaftler, die keine Artikel mehr veröffentlichen), die Produktivität (Anzahl der Publikationen pro Autor), die Kollaborationsmuster und den wissenschaftlichen Erfolg (Anzahl der Zitationen und h -Index) der männlichen und weiblichen Autoren. (vgl. Jadidi et al. 2017)

Der Fokus dieser Arbeit liegt auf dem dritten Punkt, den Kollaborationsmustern, und auf den Unterschieden der Netzwerkstruktur der männlichen und weiblichen Autoren.

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Details

Seiten
20
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668974692
ISBN (Buch)
9783668974708
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v493454
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
Schlagworte
geschlechtsspezifische unterschiede netzwerkstruktur wissenschaftlern soziologie netzwerkforschung geschlecht gender-gap soziale ungleichheit

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Titel: Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Netzwerkstruktur von Wissenschaftlern