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Furie versus Grazie. Penthesileas ambivalentes Agieren im gleichnamigen Trauerspiel Heinrich von Kleists

Hausarbeit (Hauptseminar) 2019 26 Seiten

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beziehungsgeflecht Penthesilea Prothoe Zwischen Hoffnung und Verzweiflung: Ein Gefühlskonflikt

3. Beziehungsgeflecht Penthesilea Achill Zwischen Liebe und Vernichtung: Ein Machtkonflikt

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Kleists Penthesilea – Trauerspiel und Titelprotagonistin zugleich – ließ einen Teil kleistscher Zeitgenossen in absoluter Ablehnung, den anderen Teil in fesselnder Faszination zurück. Zwei ambivalente Reaktionen auf ein von Ambivalenzen durchzogenes Trauerspiel eines von Ambivalenzen geplagten Dramatikers. Ein verschachtelter Satz, der jedoch durch diese Eigenschaft das Wesen Kleists und seiner Werke widerspiegelt: Undurchschaubarkeit, Rätselhaftigkeit, Verwirrung – ein Gefühl von Ausgeliefertsein.

Kleists Figuren sind beständig »Suchende, Zweifelnde, Irrende, Zerrissene [und] Scheiternde«1. Seine Figur Penthesilea manövriert der Dramatiker – wie so oft seine Figuren – in prekäre Situationen; in eine gestörte Ordnung einer stets »gebrechliche[n] [Welt]« (V. 2854)2, in der sie sich, hin- und hergerissen zwischen den Pflichten einer Amazonenkönigin und persönlichen Neigungen, zu beweisen versucht – jedoch dramatisch scheitern muss. Kleist lässt seine Penthesilea seelische Ausnahmezustände durchleben und foltert sie durch ihr zu starkes, inneres Gefühl, das sich mit der äußeren, geschlechtsspezifischen Ge- sellschaftsordnung als nicht lebbar erweist und sie unausweichlich als Individuum zerbrechen lässt.

Vor diesem Hintergrund erscheint es besonders interessant, Penthesilea als Kleists persönlichste Dichtung zu begreifen, in der sein »innerstes Wesen«3 und »der ganze Schmutz zugleich und Glanz [s]einer Seele [liegt]«4 und die ihn gleichzeitig so gequält hat5. Als »Schriftsteller […], den die Zeit nicht tragen [konnte]«6 und als Mensch, der »das allerqualvollste [Leben führte], das je ein Mensch geführt hat«7, hat Kleist stark unter Versagensängsten, enttäuschten

Hoffnungen, unerfüllter Liebe8, seinem inneren Konflikt zwischen Mensch und Offizier9 und der Demütigung Preußens unter napoleonischer Fremdherrschaft gelitten. Dies hat Kleist als Schöpfer seiner zutiefst in sich zerrissenen Figur im- mer wieder selbst Identitätskrisen und innere Zerrissenheit erleben lassen. Eine Spirale von Scheitern und Neubeginn, Hoffnung und Verzweiflung prägten das Leben Kleists, der dabei unermüdlich das »nur […] eine Ziel für ihn [verfolgte], der größte Dichter seiner Nation zu werden; und auch Goethe sollte ihn daran nicht hindern«10 – ein hoch formulierter Anspruch an sich selbst, der den jungen Dramatiker in seinem unsteten Leben zu zerreißen drohte.

Kleists Beziehung zu Goethe ist – wie so vieles in Kleists Leben – höchst widersprüchlich: »Keiner hat Goethe leidenschaftlicher bewundert, aber auch keiner ihn so wie Kleist beneidet und sein Glück und seinen Vorrang gehaßt«11. Immer wieder versuchte Kleist die Anerkennung Goethes zu gewinnen und im- mer wieder musste er daran scheitern: Denn gerade der bedeutende Weimarer Dichterfürst – vor dem Kleist mit seinem ganz persönlichen Organischen Frag- ment aus dem Trauerspiel: Penthesilea »›auf den Knieen [s]eines Herzens‹«12 und »innigste[r] Verehrung und Liebe«13 erscheint, ganz mit dem Ziel, ihn als »den einzigen Richter […], auf dessen Urteil es ihm ankömmt«14 zu gewinnen – lässt den ohnehin schon zerbrechlichen Kleist auf seiner endlos erscheinenden Suche nach Bestätigung und Anerkennung abermals Ablehnung erfahren: »Mit der Penthesilea kann ich mich noch nicht befreunden«15 und zugleich Kleists Credo wieder aufleben: »Der Himmel versagt mir den Ruhm«16. Diese bittere Enttäuschung muss Kleist in seinem Innersten gerade deshalb schmerzlich getroffen haben, weil er als Schöpfer seiner fiktiven Figur Penthesilea eine ganz besondere und einzigartige Beziehung zu dieser führte17: Pfuels Erzählung zu- folge habe Kleist um Penthesileas Tod »helle Tränen«18 geweint und dabei ver- zweiflungsvolle Trauer und wahrhaften Schmerz ausgedrückt19 – eine hoch af- fektive Reaktion auf eine hoch affektive Figur, mit der Kleist gewillt war, so viel mehr als nur Ruhm zu erlangen.

Kleist begann die Arbeit an seinem Trauerspiel im August 1806 in Königsberg und führte sie während seiner auf Spionageverdacht gegründeten Gefangen- schaft in französischer Burg fort, bis er sie 1807 im Spätherbst in Dresden voll- endete und 1808 schließlich publizierte20. Mit seiner Penthesilea kreiert Kleist ein antikisierendes Drama, das unmittelbar an die als Bildungsgut der damaligen Goethezeit geltende Ilias von Homer anschließt und das analog zu den 24 Ge- sängen des Epos 24 Auftritte aufweist. Durch das Fehlen der Akteinteilung kon- terkariert Kleist bewusst das Ideal der Klassik, grenzt sein Trauerspiel in der Form von diesem ab und verstärkt inhaltlich den Eindruck der ohnehin schon »rapiden, unaufhaltsam stürzenden Handlungsfolge«21.

Als Vorlage für Kleists 3043 Verse umfassendes Trauerspiel gilt sowohl die Aethiopis als auch Hederichs Gründliches mythologisches Lexicon. Beide Werke behandeln den von Kleist aufgegriffenen Mythos der Amazonenkönigin Penthe- silea, unterscheiden sich jedoch in einem zentralen Gesichtspunkt: Während in der Aethiopis Achill die Amazonenkönigin tötet22, findet im Werk Hederichs eine Umkehrung statt: Penthesilea erscheint gegenüber dem gewaltigsten, stärksten und tapfersten trojanischen Helden als Überwinderin und Siegerfigur23. Diese Umkehrung24 übernimmt Kleist, erhebt die Amazonenkönigin zu seiner Titelprotagonistin und stattet sie mit grandiosen Ambivalenzen in ihren Verhaltensweisen aus, die Penthesilea oftmals fatale Entscheidungen mit verheerenden Folgen treffen lassen. Die Ambivalenzen, die sich in Kleists Figur Penthesilea offenbaren und sich in ihren Verhaltensweisen und Entscheidungen äußern, sind Gegen- stand der weiteren Analyse. Unter Ambivalenz wird dabei die gleichzeitige An- wesenheit einander entgegengesetzter Gefühle in einem Subjekt25 verstanden26. Die daraus resultierenden ambivalenten Verhaltensweisen lassen Penthesilea oftmals als Schwankende und in sich Zerrissene erscheinen, der es verwehrt bleibt, kohärente Entscheidungen zu treffen. Die Analyse spaltet sich in Bezug auf zwei ausgewählte Dramatis Personae auf, die jeweils für die dramatische Handlung und den tragischen Konflikt eine zentrale Funktion erfüllen27: Prothoe als engste Vertraute Penthesileas, als ihre Konfident-Figur, lässt die Protagonis- tin in einen Gefühlskonflikt geraten, der die Amazonenkönigin in ihrem Innersten zwischen Hoffnung und Verzweiflung schwanken lässt. Achill als zentrales und zugleich unerreichbar erscheinendes Objekt Penthesileas Begehrens lässt die Titelheldin in einen Machtkonflikt geraten, der sie in ihrem Innersten zwischen Liebe28 und Vernichtung schwanken lässt.

Im Folgenden soll Penthesileas ambivalentes Agieren anhand repräsentati- ver Textstellen herausgearbeitet werden, indem die beiden Beziehungsgeflechte und die sich daraus ergebenen Konflikte textgebunden analysiert werden. Der Blick auf Kleist – als Schöpfer seiner ambivalenten und hochinteressanten Fi- gur – soll dabei nicht verloren gehen.

2. Beziehungsgeflecht Penthesilea Prothoe Zwischen Hoffnung und Verzweiflung: Ein Gefühlskonflikt

Kleist entwirft mit Penthesilea eine Figur, die einem rigiden Ziel folgt; einem Ziel, das der jungen Amazone von ihrer Mutter am Sterbebett in Form einer Prophezeiung: »Du wirst den Peleïden dir bekränzen« (V.2138), bzw. in Form ihres »letzten Willen[s]« (V. 216) formuliert wurde: »Werd eine Mutter, stolz und froh, wie ich –« (V. 2139). Damit lässt Penthesileas Mutter ihre Tochter in einen Hoffnungsprozess treten und zur Hoffenden werden. Sie stellt Penthesilea Glück in Aussicht, das dabei unmittelbar mit Besitz des griechischen Helden korreliert – Achill bzw. sein Besitz erscheint durch die mütterliche Prophezeiung als Weg zum Glück, der der Amazone zunächst durch den Tod ihrer Mutter versperrt bleibt und sie »einen ganzen kummervollen Mond« (V. 2151) weinen lässt.

Entscheidend ist, dass Kleist durch den Tod der Mutter einerseits den Verlust von Halt und somit eine gestörte familiäre Ordnung skizziert, gleichzeitig aber durch die Prophezeiung in Penthesilea Hoffnung erwachsen lässt. Im Moment des tiefsten Schmerzes bekommt die junge Amazone ein Ziel vor Augen geführt – ein Ziel, das sie verfolgt, um »Otrere[s] Schatten, zu gefallen« (V. 2169), das ihr Handeln und Entscheidungsverhalten determiniert und für das sie in Kleists Drama auf Leben und Tod kämpft: »ihn / Mir überwinden, oder leben nicht!« (V. 654f.) Ende und Neubeginn, Schmerz und Freude stehen in einem vertrack- ten Verhältnis und können ineinander übergehen: »Als ich mich dem Skamandros näherte, […] / Schwand mir der Schmerz, und meiner Seele ging / Die große Welt des heitern Krieges auf.« (V. 2175-2179). In der scheinbar »große[n] Welt des heitern Krieges« (V. 2179) gerät Penthesilea immer wieder in eine sich abwechselnde Spirale von Hoffnung und Verzweiflung, von Versa- gensangst und »Größenphantasie«29, in die auch Prothoe – wie sich zeigen wird – auf fatale Weise verstrickt ist.

Gleichzeitig manövriert Kleist seine Heldin durch die mütterliche Vorausdeu- tung in eine tragische »double-bind-Ausgangssituation«30: Penthesilea, die nach dem Tod ihrer Mutter Amazonenkönigin geworden ist, muss als solche dem strengen Amazonengesetz Folge leisten. Gleichzeitig und paradoxerweise wird Penthesilea jedoch durch die Vorhersage just zur Übertretung der amazonischen Gesetzordnung aufgefordert – eine »Doppelbestimmung«31, aus der heraus Penthesileas ambivalentes Agieren erwächst: Die Amazonenkönigin, qualvoll hin- und hergerissen zwischen den divergierenden Ansprüchen ihres Volkes und ihrer Mutter, entscheidet sich einerseits dazu, gemäß des Amazonengesetzes zu handeln: Achill zu unterwerfen und sich kämpfend um sein Gefühl zu bewerben; anderseits entscheidet sie sich dazu, gleichzeitig der mütterlichen Prophezeiung Folge zu leisten. Dadurch verstößt sie unausweichlich gegen das Amazonenge- setz, indem sie gezielt den »einzgen Helden« (V. 648) im Kampf sucht: »Es schickt sich nicht, daß eine Tochter Mars´ / Sich ihren Gegner sucht, den soll sie wählen, / Den ihr der Gott im Kampf erscheinen läßt. –« (V. 2145-2147) Penthe- sileas Bestreben und ihr vergeblicher Versuch, zwei divergierende Ansprüche32 zu vereinbaren, droht sie allmählich innerlich zu zerreißen und führt entscheidend zur Tragik in Kleists Trauerspiel: Penthesilea wird von Kleist als Figur präsentiert, die das Unerreichbare und Unmögliche versucht und schmerzlich daran schei- tern muss.

Mit Penthesilea und Prothoe entwirft Kleist ein Beziehungsgeflecht zwischen zwei dem Amazonentum angehörigen Figuren, die in einer hierarchischen Ord- nung zueinanderstehen33: Penthesilea, die den Rang der Amazonenkönigin be- kleidet, erscheint gegenüber Prothoe, die den Rang einer Fürstin bekleidet, als Höhergestellte und übergeordnete Figur – eine Hierarchie, die Kleist interessan- terweise konterkariert, indem er die beiden Mädchenfiguren zugleich als eben- bürtige Freundinnen präsentiert.

Als Amazonenkönigin agierend, stattet Kleist seine Titelprotagonistin mit ei- nem kriegerisch-männlichen Verhalten aus, stets bestrebt, ihren und den äuße- ren Ansprüchen gerecht zu werden und sich in ihrer Stärke zu beweisen. Als Freundin agierend, verleiht Kleist seiner Penthesilea hingegen ein zärtlich-mäd- chenhaftes Verhalten – seine ›Kriegsmaschine‹ erscheint plötzlich ganz verletz- lich, zeigt Schwäche und durchlebt innere Qualen. Hin- und hergerissen zwi- schen den äußeren Ansprüchen des Amazonenstaates und der mütterlichen Pro-phezeiung, die in Penthesilea selber eigene Wünsche und Bedürfnisse evoziert, lässt Kleist seine Figur oftmals Momente der Verzweiflung erleben, die sich mit Momenten der Hoffnung abwechseln und abrupt und zugleich tragisch ineinan- der übergehen. Kleist lässt Penthesilea das ›Hin und Her‹ zwischen Hoffnung und Verzweiflung jedoch nicht alleine erleben, sondern stets mit Prothoe zusam- men – Penthesilea als »Wankende« (V. 1280) und Prothoe als ihre Stütze er- scheinen als feste Einheit. Kleist lässt Prothoe in seinem Schauspiel zu Penthe- sileas engster Vertrauten, zur Konfident-Figur werden, die Penthesileas »junge[r] Seele« (V. 666) Sicherheit und Halt gibt – just das, was Penthesileas verstorbene Mutter ihr nicht mehr geben kann und doch so wichtig für die in sich schwankende Figur erscheint.

Doch was genau lässt Kleists Figur immer wieder in solch einen schmerzli- chen Hoffnungsprozess geraten? Wie und warum gerät Penthesilea, in deren Name interessanterweise der Geist ›Penthos‹ eingeschrieben ist34, dabei immer wieder aufs Neue in Momente der Verzweiflung?

In den ersten drei Auftritten, die Penthesileas Verfolgungsjagd Achills schil- dern, skizziert Kleist seine Figur als Hoffende, die in »glühender Begier« (V. 308) gewillt ist, den »Doloperheld« (V. 520) zu ihrer »Füße Staub [zu werfen]« (V. 638). Dieses Bild wird durch Zuschreibungen wie beispielsweise »hunger- heiß« (V. 484) und »atemlos« (V. 460) dramatisch verstärkt und hebt zugleich Penthesileas starke Fixierung auf ihr Ziel Achill hervor. Für den Moment lässt Kleist seine Figur Hoffnung und ein Gefühl von Höhe erleben, der es gelingt, »zu seiner (Achills) Größe […] heran[zuwachsen]« (V. 409). Und doch lässt der Dra- matiker seine Heldin »stürzen« (V. 429) – buchstäblich einen Fall und Verzweif- lung erleben. Die Titelprotagonistin wird von den Griechen mit »entblößt[em] [Haupt]« (V. 451) präsentiert, die sich »An ihres Pferdes Nacken hält« (V. 450) – völlig schutzlos auf der Suche nach Halt. In diesem Moment weist Penthesilea entscheidend die Ausrufe der Amazonen, »Siegerin! Überwinderin! / Des Rosen- festes Königin! Triumph dir!« (V. 626f.), von sich und reagiert stattdessen mit ver- zweifelten Ausrufen: »Nichts vom Triumph mir! Nichts vom Rosenfeste!« (V. 628). Durch ihre erste Niederlage glaubt sie, ihren und den an sie gestellten Ansprüchen nicht gerecht geworden zu sein: »Ist das die Siegerin, die schreckliche, / Der Amazonen stolze Königin […]?« (V. 642-645). Sie selbst will sich nicht als »Überwundene, Besiegte« (V. 650) sehen und reagiert auf die erfahrene Nie- derlage mit neuer kriegerischer Hoffnung: Sie trifft im fünften Auftritt die Entschei- dung, sich erneut »Ins Schlachtgetümmel [zu] stürzen« (V. 653), um einen »Sieg« (V. 633) über Achill zu erkämpfen. Aus dieser Entscheidung heraus er- wächst jedoch im fünften Auftritt ein Konflikt zwischen den Freundinnen Penthe- silea und Prothoe, der die Titelheldin zugleich als Verzweifelnde erscheinen lässt:

[...]


1 Košenina, Alexander: Kontexte: Quellen, Diskurse, kulturelle Codes. Anthropologie. In: Breuer, Ingo (Hg.): Kleist Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart 2013, S. 243-246, hier: S. 246.

2 Versangaben in Klammen nach: Kleist, Heinrich von: »Penthesilea«, in: Ders.: Sämtliche Werke und Briefe, hg. von Helmut Sembdner, 3. Auflage, München 2013, Bd. 1, S. 321-428.

3 Kleist, Heinrich von: »Brief an Marie von Kleist, Spätherbst 1807«, in: Ders.: Sämtliche Werke und Briefe, hg. von Helmut Sembdner, 3. Auflage, München 2013, Bd. 2, S. 797.

4 Ebenda.

5 Vgl. Kleist: »Brief an Christoph Martin Wieland, 17. Dezember 1807«, S. 799f., hier: S. 800.

6 Kleist: »Brief an Johann Friedrich Cotta, 24. Juli 1808«, S. 814.

7 Kleist: »Brief an Marie von Kleist, 21. November 1811«, S. 887f., hier: S. 887.

8 Spekulativ betont die Forschung Kleists homoerotische Disposition – ein Tabu im damaligen Preußen –, die sich beispielsweise in Kleists Brief vom 7. Januar 1805 an seinen Freund Ernst von Pfuel offenbart: »Ich habe Deinen schönen Leib oft […] mit wahrhaft mädchenhaften Ge- fühlen betrachtet.«, S. 748-750, hier: S. 749.

9 Vgl. Kleist: »Brief an Christian Ernst Martini, 19. März 1799«, S. 478-486, hier: S. 479.

10 Sembdner, Helmut (Hg.): Heinrich von Kleists Lebensspuren. Dokumente und Berichte der Zeitgenossen, München 1996, Nr. 112, S. 104f., hier: S. 104.

11 Ebenda.

12 Kleist: »Brief an Johann Wolfgang von Goethe, 24. Januar 1808«, S. 805f., hier: S. 805.

13 Ebenda, S. 806.

14 Sembdner: Lebensspuren, Nr. 200b, S. 172f., hier: S. 173.

15 Kleist: »Goethe an Kleist, 1. Februar 1808«, S. 806f., hier: S. 806.

16 Kleist: »Brief an Ulrike von Kleist, 26. Oktober 1803«, S. 737.

17 Kleist stellt interessanterweise zwischen seiner Penthesilea und seinem Freund Pfuel eine Ver- bindung heraus, indem er schreibt: »Pfuels kriegerisches Gemüt ist es eigentlich, auf das es (das Trauerspiel) durch und durch berechnet ist.« (Kleist: »Brief an Marie von Kleist, Spätherbst 1807«, S. 796).

18 Sembdner: Lebensspuren, Nr. 198, S. 171.

19 Vgl. ebenda.

20 Vgl. Kleist: Sämtliche Werke, S. 932.

21 Port, Ulrich: Werke–Dramen. Penthesilea. Aufbau und Inhalt. In: Breuer, Ingo (Hg.): Kleist Handbuch. Leben – Werk – Wirkung. Stuttgart 2013, S. 50-61, hier: S. 51.

22 In der Aethiopis verliebt sich Achill in die sterbende und eigens getötete Penthesilea – eine unerfüllte Liebe im Diesseits. Dies greift Kleist auf, indem auch sein Achill gewillt ist, Penthesilea zu seiner »Braut« (V. 613) zu machen.

23 Vgl. Kleist: Sämtliche Werke, S. 933.

24 Erneut als bewusste Abgrenzung Kleists vom Ideal der Klassik zu verstehen, indem Kleists Umdeutung das klassische Bild des Helden mit seinem heldenhaften Tod schmälert.

25 In dieser Ausarbeitung: in der Figur Penthesilea.

26 Vgl. Burdorf, Dieter. Ambivalenz. In: Metzler Lexikon. Literatur. 3., völlig neu bearbeitete Aufl. Stuttgart 2007, S. 18.

27 Auch die Oberpriesterin der Diana, die von Penthesilea im 24. Auftritt als »Höllenfürstin« (V. 2945) bezeichnet wird, nimmt als strenge Repräsentantin der amazonischen Ordnung und zugleich Opponentin Penthesileas eine zentrale Rolle im Schauspiel ein. Dieses Beziehungsge- flecht kann jedoch im Rahmen dieser Ausarbeitung nicht berücksichtigt werden.

28 Der abstrakte Begriff ›Liebe‹ wird in dieser Ausarbeitung mit Zartheit und Verletzlichkeit gleich- gesetzt.

29 Gutjahr, Ortrud: Gewalt im Spiel. Kriegsschauplätze in Kleists Penthesilea. In: Ders.: Penthe- silea von Heinrich von Kleist. Geschlechterszenen in Stephan Kimmigs Inszenierung am Thalia Theater Hamburg. Würzburg 2006, S. 21-39, hier: S. 36.

30 Gutjahr, Ortrud: Eigensinnige Mädchen. Das Käthchen von Heilbronn + Penthesilea – Figuren- verwandtschaften in Heinrich von Kleists Dramen und Roger Vontobels Inszenierungen. In: Ders.: Das Käthchen von Heilbronn und Penthesilea von Heinrich von Kleist. Extreme Ähnlichkeiten in Roger Vontobels Inszenierungen am Schauspielhaus Hamburg. Würzburg 2011, S. 61-86, hier: S. 69.

31 Wolf, Christa: PENTHESILEA, DAS „WEIB HALB FURIE, HALB GRAZIE“. In: Bosco, Lorello: „Das furchtbar-schöne Gorgonenhaupt des Klassischen“. Deutsche Antikebilder (1755–1875). Würzburg 2004, S. 95-154, hier: S. 128.

32 Den Anspruch des Amazonenvolkes und den der Mutter.

33 Vgl. Kleist: Penthesilea, S. 322.

34 ›Penthos‹ gilt als Geist der Verzweiflung und Trauer.

Details

Seiten
26
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783668994560
ISBN (Buch)
9783668994577
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v493638
Institution / Hochschule
Universität Hamburg
Note
1,3
Schlagworte
Pentheseila Kleist Drama Trauerspiel

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Titel: Furie versus Grazie. Penthesileas ambivalentes Agieren im gleichnamigen Trauerspiel Heinrich von Kleists