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Luis Buñuel und der Surrealismus

Hausarbeit 2017 17 Seiten

Filmwissenschaft

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Surrealismus
2.1. Der Surrealismus nach André Breton
2.2. Surrealismus im Film

3. Luis Buñuel und der Surrealismus
3.1. Luis Buñuel
3.2. Un chien andalou
3.3. Él
3.4. Le charme discret de la Bourgeoisie

4. Fazit

Literaturverzeichnis

Filmverzeichnis

1. Einleitung

Der Surrealismus ist eine künstlerische Bewegung, welche in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Frankreich entstand und sich besonders in Europa und den USA rasch verbreitet.1 War der Surrealismus zu Beginn eher ein Phänomen der Literatur, so ging er bald auch auf die Malerei und andere Kunstformen, unter anderem den Film, über.2

Einer der bekanntesten Vertreter des filmischen Surrealismus ist ohne Zweifel der spanische Regisseur Luis Buñuel, darum soll in folgender Hausarbeit untersucht werden, wie sich der Surrealismus durch dessen Lebenswerk zieht. Dazu werden drei Filme miteinander verglichen, zum einen UN CHIEN ANDALOU (EIN ANDALUSISCHER HUND, FR 1929), eines seiner ersten und gleichzeitig bekanntesten Werke, zum an- deren ÉL (ER, MX 1953), ein Film, welcher in seiner eher realistisch geprägten Schaffenszeit in Mexiko entstand. Zu guter letzt wird noch eines seiner letzten Werke betrachtet, welches wieder in Europa entstand, nämlich LE CHARME DISCRET DE LA BOURGEOISIE (DER DISKRETE CHARME DER BOURGEOISIE, FR/ES 1972).

Auf die Einleitung folgt ein Kapitel über den Surrealismus generell und anschließend speziell im Film mit Bezug auf die Manifeste des französischen Surrealisten André Breton. Das darauffolgenden Kapitel wird mit einem kurzen biografischen Einblick in das Leben Buñuels eingeleitet und widmet sich anschließend den drei oben ge- nannten Filmen. Diese werden zunächst inhaltlich skizziert, bevor sie auf ihre surrea- listischen Aspekte hin untersucht werden.

Ziel dieser Hausarbeit ist es, zu untersuchen wie sich der Surrealismus in verschiede- nen Werken Buñuels zeigt und wie sich diese Darstellung möglicherweise über die Jahre verändert hat.

2. Surrealismus

Der Begriff „Surrealismus“ wurde 1917 von dem französischen Schriftsteller Guil- laume Apollinaire eingeführt und bedeutet übersetzt soviel wie „Überrealismus“.3

Apollinaire beschrieb dadurch die Kombination verschiedener Elemente auf der Bühne, was nicht ganz unserem heutigen Verständnis von Surrealismus entspricht.4

Ein paar Jahre später übernahm der Schriftsteller André Breton den Begriff, schrieb dazu zwei Manifeste und wurde so zum zentralen Akteur dieser Bewegung.5 Das fol- gende Unterkapitel behandelt dementsprechend die Person André Breton sowie dessen Auffassungen über den Surrealismus.

2.1. Der Surrealismus nach André Breton

André Breton wurde im Jahr 1986 in Frankreich geboren und begann nach der Schule zunächst damit, Medizin zu studieren.6 Durch dieses Studium kam er zur Ar- beit in einer Psychiatrie, in welcher er beginnt sich mit Sigmund Freuds Psycho-analyse auseinanderzusetzen.7

Breton stieß in seinen jungen Jahren auf viele ein- flussreiche Persönlichkeiten und beendete schließlich, nachdem er 1918 Guillaume Apollinaire kennengelernt hatte, sein Medizinstudium, um Schriftsteller zu werden.8 Nach einer kurzen Phase, in welcher sich Breton dem Dadaismus widmete, schrieb er 1924 schließlich sein erstes „Manifest des Surrealismus“, in welchem der Surrealis- mus sowie dessen Anforderungen und Ziele nach seiner Auffassung definierte.9 Dieses Manifest wurde zum wichtigsten Grundpfeiler der surrealistischen Bewegung und folgend sollen einige der wichtigsten inhaltlichen sowie gestalterischen Punkte des Surrealismus genannt werden.

Hauptmotiv des Surrealismus ist die Traumwelt, welche von den Surrealisten eben-falls als Realität aufgefasst wird, neben der alltäglichen Wirklichkeit.10 Breton spricht von einem „psychischen Automatismus“11, bei welchem die Gedanken frei und aus dem Unterbewusstsein fließen und sich demnach auch jeder Logik entziehen dürfen. Demnach ist auch die Technik des „automatischen Schreibens“ bei den Sur- realisten so populär, denn dabei wird einfach alles niedergeschrieben, was und wie es einem gerade in den Sinn kommt.12 So entstand beispielsweise auch das Drehbuch zu UN CHIEN ANDALOU, dem ersten Werk Luis Buñuels in Zusammenarbeit mit dem Maler Salvador Dalí.13 Ein weiteres wichtiges Motiv der Bewegung sind die Ablehnung des Bürgertums und dessen Konventionen, was für die Surrealisten einer Einschränkung des Geistes und der Kunst gleichkam. Ein anderer, stets wieder auf- tauchender thematischer Aspekte ist die amour fou, die leidenschaftliche, unvernünf- tige und teils obsessive Liebe und in diesem Zuge die Darstellung von Erotik, Sexu- alität, aber auch Gewalt.14 Auch religiöse Motive sind immer wieder in den surrealis- tischen Werken zu finden.

In Bretons zweitem Manifest von 1930 wurde am inhaltlichen Sinn nicht viel verän- dert, jedoch beschreibt er den Surrealismus nun als sozial-revolutionäre Bewegung.15

2.2. Surrealismus im Film

Ab Ende der 1920er Jahre tauchte der Surrealismus auch vermehrt in Form des Films auf. Eines der ersten Werke war LA COQUILLE ET LE CLERGYMAN (DIE MUSCHEL UND DER KLERIKER, FR 1928) von der Regisseurin Germaine Dulac, für welchen Antonin Artaud, welcher ebenfalls surrealistische Theaterstücke verwirklichte, das Drehbuch geschrieben hatte.16 In den Jahren 1928 und 1929 schuf der amerikanische Regisseur Man Ray gleich zwei surrealistische Filme, nämlich L’ÉTOILE DE MER (DER SEESTERN, FR 1928) und LES MYSTÈRES DU CHÂTEAU DE DÉ (THE MYSTERIES OF THE CHÂTEAU DE DÉ, FR 1929). Doch die wohl heutzutage bekanntesten und prä- gendsten Werke des Surrealismus, sind ohne Frage UN CHIEN ANDALOU und L’ÂGE D’OR (DAS GOLDENE ZEITALTER, FR 1930), welche aus der Zusammenarbeit von Luis Buñuel und Salvador Dalí entstanden. Besonders letzterer löste beim Publikum starke Proteste aus, sodass dieser zunächst verboten wurde.17 Trotzdem erlangte der Surrealismus auf diese Weise strake Aufmerksamkeit und wurde unter anderem durch Salvador Dalí auch in den USA immer populärer.18 So entstanden beispiels- weise Zusammenarbeiten Dalís mit Disney oder auch Hitchcock für die Traumszene in dessen Film SPELLBOUND (ICH KÄMPFE UM DICH, USA 1945).19

Auch wenn der Begriff Surrealismus hauptsächlich die französische Bewegung um André Breton bezeichnet, so übte diese einen weitreichenderen Einfluss auf die Filmkunst aus. Seit den späten 1920er Jahren entstehen bis heute immer wieder Werke mit surrealistischen Tendenzen, wie beispielsweise MESHES OF THE AFTER- NOON (USA 1943), L’ANNÉE DERNIÈRE À MARIENBAD (LETZTES JAHR IN MARIEN- BAD, FR/IT 1961) und ERASERHEAD (USA 1977).20

Doch der Inbegriff des surrealistischen Filmes sind und bleiben wohl die beiden er- sten Werke Luis Buñuels, UN CHIEN ANDALOU und L’ÂGE D’OR.

Das nächste Kapitel wird sich nun speziell Luis Buñuel und dessen erstem surrealis- tischen Werk, UN CHIEN ANDALOU sowie zwei seiner späteren, schon weniger sur- realistischen Werke, nämlich ÉL und LE CHARME DISCRET DE LA BOURGEOISIE, widmen.

3. Luis Buñuel und der Surrealismus

In diesem Kapitel wird zunächst ein kurzer Einblick in das Leben und Schaffen Luis Buñuels gegeben. Daraufhin werden dessen drei bereits genannten Werke, UN CHIEN ANDALOU, ÉL und LE CHARME DISCRET DE LA BOURGEOISIE, inhaltlich sowie ana- lytisch behandelt.

3.1. Luis Buñuel

Luis Buñuel Portolés wurde am 22. Februar 1900 in Calanda, Spanien, als ältestes von sieben Kindern geboren.21 Zunächst begann er im Jahr 1917 auf Wunsch des Vaters ein Ingenieurstudium in Madrid, wechselte jedoch bald zu Literatur, Philoso- phie und Geschichte.22 Während des Studiums kam er mit Freuds Psychoanalyse in Kontakt und lernte den Maler Salvador Dalí kennen.23 Buñuel fühlte sich vom französischen Surrealismus, besonders der Thematik der Traumwelten, stark angezo- gen und so kam es dazu, dass in Zusammenarbeit mit Dalí Buñuels erstes und zu- gleich eines der bekanntesten surrealistischen Werke entstand, nämlich UN CHIEN ANDALOU. Nach dessen großen Erfolg wurden Buñuel und Dalí in die Surrealisten-gruppe um André Breton aufgenommen.24 Während den Arbeiten zu L’ÂGE D’OR trennten sich die Wege Buñuels und Dalís, deren Freundschaft einige Jahre später endgültig daran zerbrach, dass Dalí Buñuel in seiner Biografie als Atheisten bezeich- nete.25 Nach verschiedenen Aufenthalten in Europa und den USA ging Buñuel im Jahr 1946 nach Mexiko, wo er insgesamt über 20 Filme schuf, unter anderem ÉL.26 Diese Filme waren eher realistischer Natur, erst nach seiner Rückkehr nach Frank- reich, wo er den erfolgreichen Film BELLE DE JOUR (BELLE DE JOUR - SCHÖNE DES TAGES, FR 1967) drehte, entstanden wieder mehr surrealistisch gefärbte Werke.

Eines dieser Werke ist LE CHARME DISCRET DE LA BOURGEOISIE, welches zugleich auch eines seiner letzten Werke war, bevor er am 29. Juli 1983 in Mexiko-Stadt ver- starb.27

[...]


1 Vowinckel 1989: S. XVII.

2 Ebd., S. XXIII.

3 Vgl. Bradley 2001, S. 6.

4 Vgl. ebd.

5 Vgl. ebd.

6 Vowinckel 1989, S. 67.

7 Vgl. ebd., S. 71.

8 Vgl. ebd., S. 72.

9 Vgl. Bradley 2001, S. 6.

10 Vgl. Breton 1977, S. 18.

11 Ebd., S. 26.

12 Vgl. ebd., S. 29f.

13 Vgl. Kyrou 1963, S. 18.

14 Vgl. Breton 1977, S. 58, S. 67.

15 Vgl. ebd., S. 69.

16 Bradley 2001, S. 69.

17 David 1994, S. 313.

18 Vgl. Bradley 2001, S. 62.

19 Vgl. ebd., S. 72.

20 Vgl. ebd., S. 73.

21 David 1994, S. 291.

22 Ebd.

23 Ebd., S. 292.

24 Vgl. Bradley 2001, S. 70.

25 Vgl. Edwards 1991, S. 21, S. 24.

26 Vgl. David 1994, S. 325.

27 David 1994, S. 343.

Details

Seiten
17
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668977341
ISBN (Buch)
9783668977358
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v493704
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Schlagworte
Luis Buñuel Dalí Surrealismus Breton Un chien andalou Él Le charme discret de la Bourgeoisie Der diskrete Charme der Bourgeoisie Ein andalusischer Hund Buñuel

Autor

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Titel: Luis Buñuel und der Surrealismus