Lade Inhalt...

Weisen SchülerInnen der 8. Schulstufe mit einer höheren Motivation für den Sportunterricht eine höhere sportmotorische Leistungsfähigkeit auf?

Seminararbeit 2017 24 Seiten

Sport - Sportpädagogik, Didaktik

Leseprobe

Inhalt

Zusammenfassung

1 Einleitung

2 Methodik
2.1 Probanden
2.2 Messinstrumente
2.3 Auswertung

3 Ergebnisse

4 Diskussion
4.1 Limitationen
4.2 Schlussfolgerung

Literatur

Zusammenfassung

Hintergrund: Speziell im Kindes- und Jugendalter ist in den vergangenen Jahren eine Ab- nahme der motorischen Leistungsfähigkeit zu beobachten. Menschen mit verminderter Moti- vation sind von dieser Entwicklung besonders gefährdet. Die Schule als Institution ist dabei besonders in die Pflicht zu nehmen, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Um dies errei- chen zu können, ist das Wissen um die Motivationen der Schüler und Schülerinnen zum Sporttreiben unabkömmlich.

Zielsetzung: Ziel dieser Studie ist es zu ermitteln, ob Schülerinnen und Schüler der 8. Schulstufe mit einer höheren Motivation für den Sportunterricht eine höhere sportmotorische Leistungsfähigkeit aufweisen. .

Methodik: Im November und Dezember 2016 wurden insgesamt 295 SchülerInnen aus 7 verschiedenen Schulen der 8. Schulstufe anhand des Deutschen Motorik-Test (DMT) auf ihre motorische Leistung getestet. Im Zuge der von Sportstudenten des ISW Innsbruck durchgeführte Leistungsüberprüfung wurde zur Erhebung motivationaler Verhaltensregulati- on der „Behavioural Regulation in Exercise Questionnaire“ (BREQ-3) verwendet, um den Relative Autonomy Index“ zu ermitteln.

Ergebnisse: Unter den insgesamt 295 Befragten fanden sich 167 Jungen (56,60%) und 128 Mädchen (43,40%) mit einem durchschnittlichen Alter von 13,00 ± 0,60 Jahren. Davon be- treiben 51,70% mehr als drei Stunden wöchentlich Sport. Der z-Gesamtwert der sportmotori- schen Leistungsfähigkeit ist bei motivierten Schülerinnen und Schülern höher als bei unmoti- vierten (108,90 vs. 102,46). Besonders im „6-Minuten-Lauf“ wurde der Unterschied in der sportmotorischen Leistungsfähigkeit zwischen Motivierten und Unmotivierten deutlich (99,19 vs. 90,68).

Schlussfolgerung: Es besteht ein Unterschied in der sportmotorischen Leistungsfähigkeit zwischen für Sport motivierte und unmotivierte Schülerinnen und Schüler. Schule kann und soll einen Einfluss auf sportbezogene Motivation der Schülerinnen und Schüler nehmen.

1 Einleitung

Bildungsabschlüsse wie Abitur und Abiturnote werden, beispielsweise in Deutschland, als wichtiger erachtet als sportliche Leistungen (Winkelhake et al. 2014). Folglich ist der gesell- schaftliche Stellenwert des Sports der Bildung untergeordnet. Die motorische Leistungsfä- higkeit aber nimmt gegenwärtig bereits bei Kindern und Jugendlichen immer weiter ab (Wagner et al. 2010; Opper et al. 2007; Bös und Ulmer 2003) und zeitgleich Zivilisationser- krankungen zu (WHO 2009), obwohl sich körperliche Aktivität positiv auf die Herz-Kreislauf- Gesundheit, das psychische Wohlergehen und die schulische Leistung auswirkt (Ekelund et al. 2012; Biddle und Asare 2011; Singh et al. 2012). In Finnland wurde beispielsweise ein positiver Zusammenhang zwischen höherer Stundenanzahl pro Woche an körperlicher Akti- vität im Jugendalter und höherem Bildungsstand im Erwachsenenalter bewiesen (Koivusilta et al. 2003). In der Tat ist körperliche Aktivität für die erzieherische, psychisch-kognitive und gesellschaftlich-soziale Entwicklung von Menschen essentiell (Singrün 2014). Körper und Geist profitieren gleichermaßen von sportlicher Aktivität (Albertin 2011).

Daher liegt es nahe, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) im Jahr 2010 empfahl, dass Heranwachsende im Alter zwischen fünf und siebtzehn Jahren täglich mindestens 60 Minuten moderater bis intensiver körperlicher Aktivität nachgehen sollen. In einem rauen Abgleich mit aktuellen epidemiologischen Studien resultiert aber, dass ein Großteil der Her- anwachsenden das empfohlene Aktivitätsniveau nicht erreicht (Babey et al. 2016; Graf et al. 2013; Manz et al. 2014). Bereits 1997 konnten Schott und Mitarbeiter feststellen, dass die motorische Leistungsfähigkeit zehnjähriger Kinder 1996 um 10 bis 20% schlechter ausfiel als im Jahr 1976.

Das Ausmaß an körperlicher Aktivität geht mit dem Übergang von Kindheit zu Adoleszenz (zwischen dem 13. und 15. Lebensjahr) zurück (Corder et al. 2015; Whitt-Glover 2009), ob- gleich die Fähigkeit, sportmotorische Leistung zu erbringen, zwischen elf und achtzehn Jah- ren aufgrund der enormen Wachstums- und Reifeprozesse stark und rapide steigt (Bös 1994). Insbesondere in der zweiten Hälfte der Pubertät verliert die Beliebtheit der Sportivität an Bedeutung, die jedoch mit dem Erreichen des vollständigen Erwachsenenalters wieder zunimmt (Dumith et al. 2011; Jaakkola et al. 2012; Nader et al. 2008; Pate et al. 2006). In ihrer Entwicklung von Kindheit ins Jugendalter bis zum Ende der Pubertät wird bei Schüle- rinnen und Schülern der Rückgang körperlicher Aktivität auf 7% im Jahr geschätzt (Ekelund et al. 2011, Nader et al. 2008, Dumith et al. 2011).

Das einem Mangel an körperlicher Leistungsfähigkeit verschuldete allgemeine gesundheitli- che Risiko ändert scheinbar nicht die Einstellung der deutschen Kinder und Jugendlichen, ihre sportmotorische Leistungsfähigkeit zu steigern; allein das Ziel, einen gesünderen Le- bensstil zu führen, sollte Grund genug dafür sein, die motorische Leistungsfähigkeit in einem gewissen Ausmaß zu verbessern (Augste und Künzell 2015; Bös und Schlenker 2011; Op- per et al. 2007; Lampert et al. 2007; Starker et al. 2007).

Umso wichtiger scheint es, dass Schule die sportmotorische Leistungsfähigkeit der Heran- wachsenden fördert. Sie vermag, als eine die Kindheit und Jugend prägende Institution, da- bei zu helfen, Werte, Einstellungen und Gewohnheiten in Schülerinnen und Schülern auszu- bilden und zu verstärken. Insbesondere das Schulfach Bewegung und Sport kann wesentlich dazu beitragen, den langfristig positiven Wert von körperlicher Aktivität zu erkennen. Außer- dem birgt es die Möglichkeit, als Sprungbrett zu fungieren, um Interesse für außerschuli- sches Sporttreiben zu wecken.

Dies bildet insofern einen Kernaspekt des Sportunterrichts, da außerschulisches Sporttrei- ben nicht nur das Engagement im Sportunterricht verstärkt (Aelterman et al. 2012), sondern auch die Motivation und Leistungsbereitschaft im Sportunterricht fördert (Barkoukis et al. 2010). Eine fehlende Anpassung der Vielfalt und Häufigkeit von Sportarten gemäß dem Alter der Schülerinnen und Schüler führt hingegen zu geringerer Motivation und folglich zu gerin- gerer Teilnahme derselben an körperlicher Aktivität (Brooke et al. 2014).

Motivation, unabhängig von ihrem Bezugsfeld, beschäftigt sich mit der Richtung von Verhal- ten (Pintrich 2003). Es ist außerdem bewiesen, dass besonders die intraindividuelle Motivati- on bei Schülerinnen und Schüler eine entscheidende Rolle für die körperliche Aktivität im Kindes- und Jugendalter spielt (Standage et al. 2012). So scheint es umso plausibler, dass es einen positiven Zusammenhang zwischen Motivation im Sport und sportlicher Leistung gibt (Martin et al. 2006).

Es bleibt die Frage offen, ob nicht nur allgemeine, also größtenteils außerschulische Sport- motivation, Einfluss auf die sportmotorische Leistung von Kindern und Jugendlichen hat; sondern ob auch eine höhere Motivation, besonders im Rahmen des Tiroler Sportunterrichts, eine höhere sportmotorische Leistung der Schülerinnen und Schüler – in diesem Fall besu- chen sie die achte Schulstufe – mit sich führt.

2 Methodik

2.1 Probanden

Im Rahmen des Seminars Sportdidaktik wurde die sportmotorische Leistungsfähigkeit von 295 Tiroler Schülerinnen und Schüler der 8. Schulstufe (167 männlich, 128 weiblich) im Alter von 13,00 ± 0,60 Jahren erhoben. Die Tests wurden an Gymnasien und Neuen Mittelschulen in Innsbruck, Stams, Telfs, Kematen, Imst und im Stubaital durchgeführt. Die Untersuchung erfolgte im November und Dezember 2016 durch Studierende des Seminars „Sportdidaktik“ am Institut für Sportwissenschaften der Universität Innsbruck.

2.2 Messinstrumente

DMT-Test 6-18

Die motorische Leistungsfähigkeit der Probanden wurde anhand des Deutschen Motorik- Test für 6-18 Jährige (DMT 6-18) in den acht Disziplinen „20-Meter-Sprint“ „Standweit- sprung“, „Seitliches Hin- und Herspringen“, „Balancieren rückwärts“, „Liegestütz“, „Sit-Up“, „6-Minuten-Lauf“, und „Rumpfbeuge“ getestet (Bös et al. 2003). Die Autoren empfehlen ex- plizit diesen Test, um Rückschlüsse über sportmotorische Entwicklungen ziehen zu können. Die erhobenen Daten wurden z-transformiert. Des Weiteren wurden demografische Daten wie Alter, Geschlecht und Gewicht erhoben.

BREQ-3

Anhand des Fragebogen zur Motivation im Sportunterricht (deutsche Version des BREQ-3) wurde die Motivation der Teilnehmenden untersucht. Dieser Fragebogen wurde selbststän- dig von den Schülerinnen und Schülern ausgefüllt. Anhand der daraus erhobenen Daten konnte nach Errechnung des RAI (Relative Autonomy Index) der Motivationsgrad der Pro- bandinnen und Probanden bestimmt werden.

Bei der Befragung sollten die Schülerinnen und Schüler anhand einer fünfstufigen Skala nach Likert von 1 („trifft nicht auf mich zu“) bis 5 („trifft voll auf mich zu“) angeben, inwiefern die jeweiligen Motive, Sport zu treiben, aus ihrer Sicht bedeutend sind. Von insgesamt 24 Fragen, wurden vor allem die Fragen: „Warum bewegst du dich im Sport?“ und „Warum nimmst du am Sportunterricht teil?“ gestellt.

Bei der Auswertung wurden diese in Anlehnung an das „Multidimensional Scoring“ in sechs Dimensionen zusammengefasst, um aussagekräftigere Ergebnisse zu erzielen. Die Ausprä- gung der jeweiligen Motivation wurde mit Hilfe des „Relative Autonomy Index“ (RAI) be- stimmt. An die Selbstbestimmungstheorie angelehnt setzt sich der RAI als Gesamtscore der sechs Unterskalen des BREQ-3 zusammen. Je höher das Ergebnis, desto höher ist der Grad der (selbstbestimmten) Motivation der Schülerinnen und Schüler (Chemolli und Gagné 2014). In Tab. 1 werden diese Items dargestellt und erklärt, wie sich die jeweiligen Dimensi- onen zusammensetzen:

Tabelle 1: Dimensionsreduktion der Items

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Details

Seiten
24
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668993501
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v493712
Institution / Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck – Sportwissenschaft
Note
2,0
Schlagworte
weisen schülerinnen schulstufe motivation sportunterricht leistungsfähigkeit

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Weisen SchülerInnen der 8. Schulstufe mit einer höheren Motivation für den Sportunterricht eine höhere sportmotorische Leistungsfähigkeit auf?