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Das Jugendamt. Zwischen öffentlicher Wahrnehmung und staatlichem Auftrag

Hausarbeit 2017 16 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Gliederung

1 Einleitung

2 Das Jugendamt
2.1 Aufgaben des Jugendamtes
2.2 Inobhutnahme
2.2.1 Anstieg der Inobhutnahmen in Deutschland

3 Jugendamt und Medien
3.1 Soziale Arbeit und der Umgang mit den Medien
3.2 Negativ-Image des Jugendamtes
3.2.1 „Fall Kevin“
3.2.2 Imagekampagne Jugendamt
3.3 Fehler durch Belastung der Sozialarbeiter

4 Fazit

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Der Titel dieser Arbeit lautet „Das Jugendamt – zwischen öffentlicher Wahrnehmung und staatlichem Auftrag“. In direktem Bezug auf den Titel handelt der erste Abschnitt dieser Ausarbeitung von der Struktur, den Aufgaben und Leistungen des Jugendamtes, welche im 8. Sozialgesetzbuch verfasst sind. Außerdem wird neben einem Überblick über das Tätigkeitsfeld des Jugendamtes ein genauer Einblick zum Thema „Inobhutnahme“ (§ 42 SGB VIII) geboten.

Im darauffolgenden Abschnitt geht es um die Wahrnehmung des Jugendamtes in der Öffentlichkeit, insbesondere bei der Darstellung der Handlungen des Jugendamtes in den Medien.

In den vergangenen Jahren ist das Jugendamt häufig in die Kritik der Öffentlichkeit geraten, wenn Fälle von „Kindeswohlgefährdung“ (§8a SGB VIII) bekannt wurden. Artikelüberschriften in Zeitungen wie der Bild mit Titeln wie beispielsweise „Jugendamt nimmt Mutter in der Klinik das Baby weg!“ (Bild 15.11.2011) oder „So hat das Jugendamt im Fall Tayler versagt“ (Bild 22.12.2015) verdeutlichen die negative Präsenz des Jugendamtes.

Bei Artikeln in denen das Scheitern des Jugendamtes bei Einzelfällen thematisiert wird, ist häufig die Inobhutnahme ein wichtiger Faktor. Die zuvor genannten Titel der Bildzeitung veranschaulichen die unterschiedlichen Wahrnehmungsweisen des Jugendamtes: Auf der einen Seite wird die Entscheidung ein Kind aus einer Familie zu nehmen kritisiert und auf der anderen Seite wird die Passivität des Jugendamtes bemängelt.

Darüber hinaus ist die Anzahl der in Obhut genommenen Kinder und Jugendlichen in Deutschland in den vergangenen Jahren stark angestiegen, was wiederum in den Medien für Diskussionsstoff sorgt. (vgl. Statistisches Bundesamt 2015)

Im Hinblick auf die Fragestellung „Wie wird das Image und die Arbeit des Jugendamtes durch die Berichterstattung der Medien beeinflusst?“ wird sowohl der Ruf des Jugendamtes näher betrachtet, als auch dessen Folgen für die Arbeit der Fachkräfte.

Dazu wird der „Fall Kevin“ näher betrachtet und hinsichtlich der medialen Ereignisse analysiert.

Insgesamt gibt diese Arbeit einen begrenzten Einblick über die Zusammenhänge von Jugendamt und Medien und wie sich daraus eine öffentliche Wahrnehmung entwickelt hat.

2 Das Jugendamt

Das Jugendamt ist die primäre Beratungsstelle für Familien, Kinder und Jugendliche. Eltern oder Erziehungsberechtigte erhalten Unterstützung bei der Erziehung, Betreuung und Bildung von Kindern und Jugendlichen, um ein positives Zusammenleben innerhalb der Familie zu gewährleisten.

Das Jugendamt ist zweigliedrig aufgebaut und setzt sich aus den folgenden zwei Teilen zusammen: dem Jugendhilfeausschuss, der für die Planung von Lösungsvorschlägen und die Entwicklung des örtlichen Jugendhilfeangebotes zuständig ist, und der Verwaltung, wel- che die Vereinbarungen des Jugendhilfeausschusses umsetzt, die Aufgaben des Jugend- amtes bewältigt und Förderung nach dem SGB VIII anbietet.

Leistungen und Aufbau des Jugendamtes sind durch das Kinder- und Jugendhilfegesetz (SGB VIII) geregelt. (vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Landesjugendämter 2011, S. 1-5)

2.1 Aufgaben des Jugendamtes nach dem SGB VIII

Das Aufgabenfeld des Jugendamtes ist durch das Sozialgesetzbuch VIII geregelt und um- fasst diverse Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen, wobei das Jugend- amt die Funktion eines „staatlichen Wächteramtes“ einnimmt. (vgl. Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend 2014, S. 52-54)

Zu den Tätigkeitsbereichen zählt die Beratung von Familien in Bezug auf Themen wie Kin- derbetreuung, Schulbildung und Berufswahl, Kindererziehung und anderen familiären Prob- lemen. Darüber hinaus ist das Jugendamt auch ein Ansprechpartner bei Trennungs- und Scheidungssituationen.

Neben der Beratung für Eltern oder Erziehungsberechtigte unterstützt das Jugendamt auch Jugendliche bei Anliegen bezüglich Informationen zu Alkohol, Drogen oder Medien oder fungiert als Vermittler bei Strafverfahren.

Bei der Ausübung der unterschiedlichen Tätigkeiten steht das Wohl des Kindes oder des Jugendlichen immer im Vordergrund, auch wenn das bedeutet, dass ein Kind zur eigenen Sicherheit von seinen Eltern oder Erziehungsberechtigten getrennt wird. Um das zu ge- währleisten arbeitet das Jugendamt mit anderen Organisationen, Behörden oder Personen zusammen, wie z.B. der Polizei, Kitas und ÄrztInnen. (vgl. Bundesarbeitsgemeinschaft Lan- desjugendämter 2011, S. 6-17)

2.2 Inobhutnahme

Die Inobhutnahme von Kindern und Jugendlichen ist ein wichtiger und umstrittener Teil der Arbeit des Jugendamtes.

Der Ablauf und die Merkmale einer Inobhutnahme sind im SGB VIII §42 beschrieben.

Das Jugendamt hat das Recht und die Pflicht eine minderjährige Person unter bestimmten Voraussetzungen in Obhut zu nehmen. Dazu gehört die Situation in der ein Kind oder Ju- gendlicher selbst den Wunsch äußert in Obhut genommen zu werden. Darüber hinaus ist eine Inobhutnahme möglich wenn eine Gefahr für das Kindeswohl besteht und die Eltern einverstanden sind oder ein familiengerichtlicher Beschluss nicht früh genug eingeholt wer- den kann. Ausländische Kinder oder Jugendliche, die alleine nach Deutschland kommen und keine Möglichkeit haben bei Personensorge- oder Erziehungsberechtigten zu leben, werden ebenfalls in staatliche Obhut genommen.

Im Falle einer Inobhutnahme besitzt das Jugendamt die Befugnis das Kind oder den Ju- gendlichen bei einer Person, beispielsweise einem Verwandten, in einer Einrichtung wie z.B. ein Kinder- und Jugendnotdienst oder einer anderen betreuten Wohnform wie einer Jugendwohngemeinschaft unterzubringen.

Dem Kind oder Jugendlichen sollten die Zusammenhänge die zur Inobhutnahme führen und das weitere Vorgehen erläutert werden und es erhält die Möglichkeit eine Vertrauens- person zu kontaktieren.

Wenn Personensorge- oder Erziehungsberechtigte der Inobhutnahme widersprechen, ent- lässt das Jugendamt das Kind zurück in die Familie, sofern keine Kindeswohlgefährdung vorliegt oder die Eltern bereit sind diese abzuwenden oder das Familiengericht wird hinzu- gezogen um eine Entscheidung zugunsten des Kindeswohls herbeizuführen.

Eine Inobhutnahme endet, wenn das Kind den Personensorge- oder Erziehungsberechtig- ten übergeben wird oder die Genehmigung von Hilfen nach dem SGB angeordnet werden. (vgl. §42 SGB VIII)

Die Entscheidung für oder gegen eine Inobhutnahme ist sehr kompliziert, da für ein Kind sowohl die Trennung von den Eltern negative Auswirkung haben kann als auch die Gefähr- dung durch die Eltern. In der Öffentlichkeit werden die Entscheidungen des Jugendamtes daher oft sehr abwertend betrachtet. Entweder es nimmt Eltern ihre Kinder weg obwohl diese in der Lage zu sein scheinen für das Wohl ihres Kindes zu sorgen oder das Jugend- amt unternimmt nichts, wenn Kinder tatsächlich einer Gefahr ausgesetzt sind.

Durch dieses negative Bild des Jugendamtes sind viele Eltern argwöhnisch und nehmen die Hilfen des Jugendamtes eher als Überwachung und nicht als Unterstützung wahr.

2.2.1 Anstieg der Inobhutnahmen in Deutschland

Die Graphik des Statistischen Bundesamtes zeigt die Anzahl der vorläufigen Schutzmaßnahmen (In- obhutnahmen durch das Jugendamt) nach § 42 des SGB VIII in Deutschland in einem Zeitraum von 1995 bis 2015.

Insgesamt ist die Zahl der Inobhutnahmen in dieser Zeitspanne deutlich angestiegen.

1995 lag die Anzahl an Kindern und Jugendlichen, die durch das Jugendamt in staatliche Obhut ge- nommen wurden noch bei gut 23.400. In den zwei darauffolgenden Jahren stiegen die Zahlen deutlich an, blieben dann jedoch von 1997 bis 2001 etwa gleich. In den Jahren 2002 bis 2005 sank die An- zahl der in Obhut genommenen Minderjährigen zu- nächst auf 25.664. Ab 2006 stieg die Häufigkeit der Inobhutnahmen mit jedem Jahr an. 2015 erreichen die Inobhutnahmen in Deutschland ihren Höchst- stand mit 77.645 Kindern und Jugendlichen. (vgl. Statistisches Bundesamt 2015)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Vorläufige Schutzmaßnahmen nach § 42 SGB VIII von 1995 bis 2015

Die Zahlen dieser Statistik sagen nichts über die Beweggründe des Jugendamtes ein Kind oder Ju- gendlichen in staatliche Obhut zu nehmen aus und können daher ohne genauere Betrachtung zu Missverständnissen führen. Zeitungsartikel mit Überschriften wie „Jugendamt holt viel mehr Kinder aus Familien“ (Volland 02.04.2017) tragen nicht zu einem positiven Ruf des Jugendamtes bei und verhindern möglicherweise eine Inanspruchnahme der Leistungen, da viele Eltern Angst haben, dass ihnen ihr Kind vom Jugendamt weggenommen wird.

Der enorme Anstieg der Inobhutnahmen in den Jahren 2013 bis 2015 lässt sich dadurch erklären, dass im Zuge der Flüchtlingskrise viele Minderjährige ohne eine sorgeberechtigte Person nach Deutschland gekommen sind und in staatliche Obhut genommen wurden. Zu- nächst waren es 2010 nur wenige unbegleitet Einrei- sende aus dem Ausland, doch die Anzahl stieg mit je- dem Jahr an und er- reichte 2015 mit rund 42.300 ihren Höhepunkt. Im Ver- gleich zum Jahr 2014 ist das ein An- stieg von 263%. Der Großteil dieser Kinder und Jugendlichen war männlich und nur etwa 3600 Mädchen sind aus dem Ausland eingereist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Inobhutnahmen in Deutschland zwischen 2010 und 2015

Die Zahl der Inobhutnahmen, die aus anderen Anlässen wie beispielsweise der Überforde- rung der Eltern erfolgte hat zwischen 2014 und 2015 um etwa 3% abgenommen. (vgl. Sta- tistisches Bundesamt 2015)

Neben der hohen Anzahl an minderjährigen unbegleiteten Geflüchteten, die in den vergan- genen Jahren nach Deutschland gekommen sind, ist eine weitere Erklärung für den Anstieg der Inobhutnahmen die Sensibilisierung durch Fälle von Kindesmisshandlung die öffentlich gemacht wurden. Durch die mediale Betrachtung von gescheiterten Maßnahmen des Ju- gendamtes wurden vermutlich mehr Kinder aus ihren Familien genommen um ihre Sicher- heit zu garantieren. Ein weiterer Faktor für die hohe Zahl an Inobhutnahmen ist die verbrei- tete Armut, die Familien in schwierige Lebenslagen bringt und somit die Gefahr für Kindes- wohlgefährdungen und die damit zusammenhängenden Konsequenzen erhöht. (vgl. Rücker 2015, S.21)

3 Jugendamt und Medien

Medien wie Zeitung, Fernsehen und Internet sind heutzutage ein wichtiger Bestandteil des Alltags und tragen zur Meinungsbildung der Gesellschaft bei. Da das Jugendamt in den Medien häufig als überfordert, inaktiv oder unprofessionell dargestellt wird, gibt dieses Ka- pitel einen Überblick über den Zusammenhang von Sozialer Arbeit und Medien, erklärt wie das negative Image des Jugendamtes zustande kommt und aus welchem Grund Fehler in der Jugendsozialarbeit, die in den Medien skandalisiert werden, entstehen.

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Details

Seiten
16
Jahr
2017
ISBN (eBook)
9783668993587
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v493872
Institution / Hochschule
Hochschule Hannover
Note
Schlagworte
jugendamt zwischen wahrnehmung auftrag

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Titel: Das Jugendamt. Zwischen öffentlicher Wahrnehmung und staatlichem Auftrag