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Wie kann sexueller Missbrauch in einer sexualisierten Gesellschaft vermieden werden? Mögliche Präventionsmaßnahmen

Hausarbeit 2018 22 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Das epidemische Phänomen sexuelle Gewalt

2. Sexualität im kulturellen Wandel

3. Die sexualisierte Gesellschaft

4. Sexuelle Gewalt
4.1 Sexueller Kindesmissbrauch
4.2 Sexualisierte Gewalt im Internet

5. Folgen

6. Täter

7. Präventive Maßnahmen
7.1 Sexualerziehung
7.2 Schutz vor sexueller Gewalt im Netz
7.3 Präventionsmodelle für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund
7.4 Behandlung pädophiler Täter

8. Fazit

9. Literaturverzeichnis

1. Das epidemische Phänomen sexuelle Gewalt

Über Jahrhunderte schon wurden Mädchen und Jungen sexuell ausgebeutet. Bis Anfang der 80er Jahre war das Thema sexuelle Gewalt tabu. Sogar in Jungendämtern, Beratungsstellen, Jugendzentren, Krankenhäusern, Kindergärten, Heimen und Schulen wurde meistens nicht darüber gesprochen. Den Betroffenen von einigen Einzelfällen, die an die Öffentlichkeit kamen, wurde zwar Hilfe angeboten, doch es bestand ein Mangel an einer differenzierten Auseinandersetzung mit diesem Thema, sowie an Konzepten einer Arbeit mit sexuell missbrauchten Opfern. Nicht die sexuelle Gewalt war ein Tabu, sondern das Sprechen darüber. Dies bestätigen Ärzte, Juristen, Sozialarbeiter und Lehrer, die einen sexuellen Missbrauch nicht an die Öffentlichkeit gebracht haben. Es wurden zum Beispiel minderjährige Mütter, die von ihren eigenen Vätern geschwängert wurden, häufig in ein Mutter-Kind-Heim abgeschoben, das Kind wurde zur Adoption freigegeben oder das Neugeborene von den Eltern des Mädchens als eigenes Kind großgezogen. Das Bild der “heiligen Familie” wurde durch spektakuläre Sexualverbrechen an Kindern durch Fremdtätern in den Medien aufrechterhalten. Kinder wurden vor dem bösen “schwarzen” Mann gewarnt, aber nicht vor dem eigenen Vater, Bruder, Lehrer, Erzieher, Nachbarn, der Mutter oder der Tante.1 Das Thema sexuelle Gewalt ist heutzutage omnipräsent. Es gibt unzählige Schicksäle von Kindern, die schwer vernachlässigt und im Verborgenen unter unvorstellbaren Bedingungen gehalten werden, auch von den Menschen, die diesen Kindern eigentlich besonders liebevoll und zärtlich gegenüberstehen müssten, nämlich den eigenen Eltern.2 Fälle, wie die von Josef Fritzl, erschütterten die Welt. Er hielt seine eigene Tochter 24 Jahre lang in einem zugemauerten Verließ gefangen, vergewaltigte sie Tausende Male und zeugte sieben Kinder mit ihr, von denen eines kurz nach der Geburt starb.3 Sogar in Hollywood wurde der erfolgreiche Filmproduzent Harvey Weinstein im Mai 2018 wegen Vergewaltigung und sexuellem Missbrauch angeklagt. Im Oktober 2017 wurden die ersten Vorwürfe gegen ihn bekannt. Mehr als hundert Frauen werfen ihm vor, sie sexuell belästigt oder vergewaltigt zu haben. Dieses Medienspektakel bewirkte, dass weltweit zahlreiche mutmaßliche Opfer sexueller Gewalt an die Öffentlichkeit gingen.4 Kinder und Jugendliche haben schon immer sexuelle Gewalt erfahren und werden auch künftig missbraucht werden. Dies darf jedoch nicht zu einer gleichgültigen Einstellung oder zu einer aussichtslosen Haltung führen. Es müssen eher präventive Maßnahmen ergriffen werden, um die Häufigkeit des Auftretens sexueller Gewalt zu minimieren.5

2. Sexualität im kulturellen Wandel

Die Bedeutung von Sexualität und wie diese gelebt werden sollte, hat sich im Laufe der Geschichte sehr verändert. Kinderprostitution war im alten Griechenland erlaubt und alltäglich. Die Rechte eines Kindes wurden damals durch eine Vergewaltigung nicht verletzt. Wenn eine Jungfrau vergewaltigt wurde, verringerte sich ihr Wert für einen anderen Mann. Nur in diesem Sinne wurde der Missbrauch bestraft. Der Täter konnte sich von seiner Schuld befreien, in dem er die Zahlung des Brautpreises abwickelte und das Mädchen heiratete. Die christlichen Wertvorstellungen sahen die Sexualität als etwas „Unreines“ an. Diese musste von unschuldigen Kindern ferngehalten werden. Vergewaltigungen, Missbrauch und Kinderprostitution fanden trotzdem statt.6 Die gesellschaftlichen Vorstellungen von Sexualität und das individuelle sexuelle Erleben befinden sich in einem ständigen historischen und kulturellen Wandel. Man kann von drei „sexuellen Revolutionen“ sprechen, nachdem in den letzten 50 Jahren in Deutschland entscheidende Veränderungen der Sexualität stattgefunden haben. In den späten 1960er Jahren und den frühen 1970er Jahren spricht man von der ersten sexuellen Revolution. Gekennzeichnet ist diese durch eine Liberalisierung des sexuellen Verhaltens und dem Wegfall vieler moralischer Verbote. Mit der Sexualität, die damals auf den Privatbereich Ehe beschränkt wurde, wurde viel freizügiger umgegangen. Zudem wurden in vielen westlichen Ländern die Strafgesetze zur Homosexualität, zum Schwangerschaftsabbruch und zur Pornografie liberalisiert. Es folgt die neosexuelle Revolution der 1990er Jahre.7 Durch die Medikalisierung der Sexualität wächst der Potenzmittelmarkt. Frühere Perversionen werden als normal angesehen. Es entsteht eine Kommerzialisierung sexueller Erlebnismöglichkeiten, wie zum Beispiel Sex-Shops oder Telefonsexanbieter. Des Weiteren ist die Sexualität in der Öffentlichkeit und in den Medien allgegenwertig präsent.8 Zuletzt fand die digitale sexuelle Revolution durch das Internet statt.9 Anonymität, geringe Kosten und eine leichte Zugänglichkeit bieten ein beinahe grenzenloses Angebot von sexuellem Material und sexuellen Aktivitäten.10 Die Sexualität ist ein soziales Phänomen. Die Fähigkeit sexuell zu handeln, zu erleben und zu empfinden ist nicht von Natur aus gegeben. Sie wird vielmehr durch Interaktion mit anderen fortlaufend entwickelt.11 Sexualität gehört, wie, essen, trinken und schlafen zu den Grundbedürfnissen des Menschen. Wenn der Mensch seine Art erhalten möchte, muss er sich fortpflanzen. Dies geschieht durch sexuelle Betätigung mit einem andersgeschlechtlichen Wesen. Wir gehen heute vom Recht auf sexuelle Selbstbestimmung aus. Jeder Mensch kann selbst entscheiden, wie er sich sexuell orientiert. Menschen, die geschlechtsreif sind, haben ihre sexuelle Identität gefunden. Kinder haben in der Regel noch keine sexuellen Bedürfnisse. Sie sind auch noch nicht in der Lage, ihr Recht auf sexuelle Selbstbestimmung wahrzunehmen.12

3. Die sexualisierte Gesellschaft

Leben wir in einer sexualisierten Gesellschaft? Vor einigen Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, wie heutzutage in aller Offenheit und in einer Art und Weise über Sexualität gesprochen, diskutiert und gelacht wird. In den größeren Städten trifft man meistens in den Fußgängerzonen auf Sex-Shops. Es besteht ein reichhaltiges Angebot zum Thema Sex: Präservative, Sexspielzeuge, Bücher, Magazine, DVDs. Diese Produkte treten jedoch immer mehr in den Hintergrund und werden durch Angebote aus dem Internet ersetzt. Der Zugriff auf pornographische Medien war, sogar für Kinder und Jugendliche, die Verbote mühelos umgehen können, noch nie einfacher. Das Motto “Sex sells” hat sich in der Werbung etabliert, weil sich Sex nun einmal gut verkaufen lässt. Demzufolge sind weite Bereiche der Werbung sexualisiert. Sogar im Theater lassen sich die Regisseure zu klassischen Stücken etwas Neues einfallen und bieten den Geschlechtsakt auf offener Bühne dar. Durch diesen Tabubruch erhoffen sich die Theatermacher natürlich vollere Zuschauerränge. Bei jungen Mädchen wird viel Zeit in die Fassadenpflege investiert. Sie schminken sich, um den Jungen zu gefallen und Konkurrentinnen auszustechen. Die Kleidung ist auch oft sexualisiert. Kleine Mädchen ziehen sich schon aufreizend an, ohne es zu wissen. Beobachter denken über einen Zusammenhang zwischen aufreizender Kleidung und sexueller Belästigung nach und fragen sich ob letztere nicht auch manchmal gewollt ist. Ist es legitim aufgrund solcher Erscheinungen und Beobachtungen schon von einer sexualisierten Gesellschaft zu sprechen? Die Frage lässt sich so konkret nicht beantworten, da natürlich viele Faktoren, wie zum Beispiel das sozio-kulturelle Umfeld eine Rolle spielen. Was man aber deutlich beobachten kann ist eine Entwicklung. Die Schamgrenzen sind gefallen. Viele Menschen sprechen heute ganz unbefangen über Sexualität. Früher waren viele Menschen gehemmt. Sie waren der Meinung, dass Themen, wie sexuelle Orientierung, sexuelle Bedürfnisse oder sexuelle Nöte ausschließlich intim seien.13

4. Sexuelle Gewalt

Sexuelle Gewalt ist eine physische und psychische Gewalt, die zu einer seelischen Verletzung, also zu einer Traumatisierung führen kann. Sexuelle Übergriffe können überall stattfinden, in den Familien, in Schulen und im Freizeitbereich. Sie sind an kein soziales System und an keine bestimmte Einrichtung gebunden. Wenn sexuelle Gewalt thematisiert oder über sie berichtet wird, sind mehrere Faktoren zu beachten: das Alter des Opfers, das Alter der Täter und die Häufigkeit der Gewaltausübung. Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Alter der Opfer und der Art der sexuellen Gewalt. Je jünger das Opfer, desto folgenschwerer erscheint die Tat. Übergriffe bei Säuglingen sind besonders schwerwiegend. Kleinkinder und Kinder im Vorschulalter sind sexuellen Übergriffen ebenfalls schutzlos ausgeliefert. Sie können solche Handlungen weder einschätzen noch beurteilen. Sie halten sie oft für normal, weil sie nicht zwischen „guten“ und „schlechten“ Ereignissen unterscheiden können. An solche Übergriffe können sie sich später nur noch vage erinnern. Das Recht auf sexuelle Selbstbestimmung wird so den Säuglingen, Kleinkindern und Kindern genommen. Es handelt sich bei etwa zwei Drittel aller Fälle um einen einmaligen Übergriff. Dies ist besonders bei Fremdtätern der Fall. Doch schon ein einmaliger brutaler Übergriff kann zu erheblichen seelischen Verletzungen führen. Wenn ein hoher Bekanntheitsgrad zwischen dem Opfer und dem Täter besteht, finden die Übergriffe häufiger statt. Bei einer Beziehung zwischen Vater und Tochter oder zwischen Onkel und Nichte dauert der Missbrauch häufig länger an. Bei etwa 10 % aller Fälle über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr.14

4.1 Sexueller Kindesmissbrauch

Unter sexuellem Kindesmissbrauch versteht man alle Handlungen, die eine ältere Person an einer jüngeren Person ausübt, um die eigenen sexuellen Interessen zu befriedigen. Im Mittelpunkt steht hier die Ungleichheit der Beteiligten. Ein Kind kann das Geschehene teilweise noch gar nicht verstehen und somit auch kein Einverständnis zu sexuellen Handlungen mit einer älteren Person geben.15 Der sexuelle Missbrauch verstößt in Deutschland gegen das Recht der sexuellen Selbstbestimmung, also wenn die Handlungen gegen den Willen des Opfers aber auch mit scheinbarem Einverständnis ausgeführt wurden. Die sexuelle Nötigung beschreibt sexuelle Handlungen gegen den Willen des Opfers zum Beispiel unter Anwendung von Gewalt oder Drohungen. Von einer Vergewaltigung wird gesprochen, wenn der Täter in den Körper des Kindes eindringt. Dies ist dann als eine besonders schwere Form der Nötigung zu bezeichnen. Um zu beurteilen ob ein Kind dazu in der Lage war, scheinbar sein Einverständnis zu sexuellen Handlungen gegeben zu haben, wurde vom Gesetzgeber eine Altersgrenze festgesetzt. Kinder unter 14 Jahren sind nicht fähig ihr Einverständnis zu geben. Des Weiteren sind Jugendliche mit einer geringen intellektuellen Leistungsfähigkeit und Jugendliche, die bezahlt wurden ebenfalls nicht in der Lage ihr Einverständnis zu geben. Schutzbefohlene können ebenfalls nicht ihr Einverständnis geben. Der Missbrauch von Schutzbefohlenen beschreibt sexuelle Handlungen zwischen einer Betreuungsperson, wie zum Beispiel einem Elternteil oder einem Ausbilder, und einem Jugendlichen. Gefangene, Kranke oder hilfsbedürftige Menschen in einer Einrichtung können ihr Einverständnis auch nicht frei geben.16 Der zusammenfassende Wissenstand aller Studien beschreibt ein typisches Missbrauchsopfer als Mädchen im Alter von 7 bis 14 Jahren. Häufig kommt es aus einer nicht unterstützenden Familie. Es hat kein Wissen über Sexualität und erfährt während ihrer Pubertät erstes Wissen durch außenstehende Menschen. Außer dem Täter besitzt sie keine weitere Vertrauensperson. Aufgrund einer hohen Dunkelziffer, also der Anzahl nicht gemeldeter Übergriffe, ist die tatsächliche Zahl der missbrauchten Kinder unbekannt und kann nur geschätzt werden. Nach einer großen Befragung in Deutschland gaben 18,1 % der Frauen und 7,3 % der Männer an, in ihrer Kindheit oder Jugend in irgendeiner Form sexuelle Handlungen erlebt zu haben. Unter dem Alter von 14 Jahren sind es 10,7 % der Frauen und 3,4 % der Männer, die von sexuellen Misshandlungen berichteten.17

4.2 Sexualisierte Gewalt im Internet

Sexualisierte Gewalt ist im Netz weit verbreitet. 45 % der Mädchen und 14 % der Jungen geben in der Studie „Jugend Sexualität 2013“ der Hochschule Merseburg bekannt, sexuelle Belästigung im Internet erfahren zu haben. Dazu gehören fremde, digitale Konfrontationen mit sexuellen und durchaus auch gewaltvollen Inhalten, die Weitergabe von pornografischen Bildern und Filmen, in denen die Kinder und Jugendliche selbst zu sehen sind, die Verbreitung von Kinderpornografie und Cyber-Grooming, also die Manipulation von Kindern und Jugendlichen zu Cybersex beziehungsweise sexuellem Missbrauch. (s.68 Weiler) Vor allem männliche Jugendliche suchen oft gezielt nach Pornofilmen oder Bildern nackter Menschen. Sie stoßen jedoch auch zufällig auf pornografische Seiten, zum Beispiel durch Pop Ups mit Sexszenen auf Spiele- oder Filmseiten. Somit werden Jungen öfters mit sexuellen Inhalten konfrontiert als Mädchen und ältere Jugendliche etwas häufiger als jüngere. Im Vergleich zu Jungen empfinden Mädchen sexuelle Inhalte oft als unangenehmer, ebenfalls jüngere Kinder im Vergleich zu älteren. Neben der gewollten und zufälligen Konfrontation, empfangen Kinder und Jugendliche von Erwachsenen oder anderen Jugendlichen pornografisches Material. Es ist strafbar Kindern und Jugendlichen pornografische Inhalte zu schicken, auch wenn das Gegenüber einwilligt. Das Versenden und Empfangen vom selbst hergestellten pornografischen Material, welches „Sexting“ genannt wird, liegt im Trend. Es haben 16 % der deutschen und 17 % der österreichischen 11- bis 16-Jährigen schon Nachrichten mit sexuellem Inhalt empfangen. Nach einer deutschen Studie hat bereits jedes sechste Mädchen sexy Fotos oder Filme von sich verschickt. Häufig filmen sich auch Jugendliche in gegenseitigem Einverständnis beim Sex und verbreiten diese Aufnahmen weiter. Sobald das Material einmal im Umlauf ist, verlieren sie jedoch die Kontrolle darüber. Solche Aufnahmen landen nicht selten auf pornografischen Webseiten. Es ist wichtig Jugendliche darüber gut aufzuklären und damit die unautorisierte oder massenhafte Weiterverbreitung zu bekämpfen.18 Gemäß §176 Abs. 4 Satz 3 StGB ist Cyber-Grooming strafbar und kann mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren verhängt werden. Pädophile halten sich auf sozialen Netzwerken, in Chatrooms und Online-Spielen auf. Auf diesen Plattformen ist es einfach Kontakt zu Kindern und Jugendlichen herzustellen. Es werden dabei mehrere Kinder und Jugendliche angeschrieben. Mit denen, die darauf reagieren, wird dann in engeren Kontakt getreten. Dies findet bevorzugt nachmittags und am frühen Abend statt, wenn besonders viele Kinder und Jugendliche erreichbar sind. Die Täter gehen sehr unterschiedlich vor. Manche schicken direkt Nachrichten an alle Chatbesucher ob jemand Lust auf Cybersex hätte oder Nacktbilder verschicken möchte. Einige Täter gehen eher langsamer vor und bauen über Stunden, Tage oder sogar mehrere Wochen eine Beziehung zu ihrem Opfer auf. Die Hemmschwelle ist durch die Anonymität des Internets deutlich herabgesetzt. Die Identität und die Absicht können im Netz versteckt werden. Es muss nicht zuerst das Vertrauen der Eltern oder anderen Erwachsenen aus dem Umfeld des Kindes gewonnen werden, denn man hat im Netz einen direkten und ungestörten Zugang zum Kind. Alle Menschen suchen nach Anerkennung und Bestätigung. Die Täter gehen strategisch vor und manipulieren ihre Opfer. Sie geben den Mädchen oder Jungen das, was diese gerade am meisten brauchen, seien es Komplimente oder Geborgenheit, und nutzen dies für ihre eigenen Interessen aus.19 Die Täter verfolgen unterschiedliche Ziele. Einige wissen, dass sie etwas Verbotenes tun und erhoffen sich dadurch den schnellen Kick. Andere wiederum haben als Ziel eine Beziehung zu einem Kind aufzubauen.20

5. Folgen

Die Folgen können für die Opfer eines Missbrauchs ganz unterschiedlich sein. Diese äußern sich oft in psychischen Problemen und Störungen, wie zum Beispiel Schlafstörungen. Einige Kinder isolieren sich und wollen alleine sein. Andere Kinder bringen mit einem bestimmten Verhalten ihr Unwohlsein zum Ausdruck. Jüngere Kinder wollen auf einmal mit manchen Menschen nicht mehr alleine bleiben oder erfinden Gründe, um diese nicht mehr besuchen zu müssen. Langfristige Folgen von sexuellem Kindesmissbrauch sind Posttraumatische Belastungsstörungen, Depressionen, Ängste, Essstörungen, Drogenabhängigkeit und Persönlichkeitsstörungen. Des Weiteren können Betroffene einen geringen Selbstwert, sexuelle Probleme, Selbstverletzungen und Suizidgedanken erleiden. Einige erwachsene Opfer haben im Umgang mit anderen Menschen Schwierigkeiten. Sie glauben, dass sie weniger wert als andere sind oder immer noch bedroht zu werden. Andere Betroffene versuchen ihre traumatischen Erinnerungen durch einen Alkohol- oder Drogenmissbrauch zu vergessen. Typisch ist auch die Entwicklung von sexuell riskanten Verhaltensweisen, wie zum Beispiel häufige ungeschützte sexuelle Kontakte. Verglichen mit anderen Formen der Traumatisierung, ist das Risiko nach einem sexuellen Missbrauch in der Kindheit, eine Posttraumatische Belastungsstörung zu entwickeln, am größten. Diese zeigt sich bei 80 % der Betroffenen. Im Vergleich dazu sind es nach einem Verkehrsunfall oder einer Naturkatastrophe lediglich 10 % der Betroffenen, die traumatische Folgen erleiden. Es ist möglich, dass ein Patient, das Symptombild eines Missbrauchsopfers zeigt aber keine Erinnerungen an die Übergriffe hat. Hier ist zu beachten, dass die Möglichkeit besteht, falsche Erinnerungen zu erzeugen. Somit kann aufgrund psychischer Symptome oder Störungen nicht schlussfolgert werden, ob eine betroffene Person einen sexuellen Missbrauch erlebt hat. Es besteht aber durchaus die Möglichkeit, dass Betroffene jahrelang keine Erinnerungen an die Ereignisse haben und diese dann erst durch eine neue Situation in ihrem Leben auftauchen. Manche Menschen, die einen Missbrauch erlebt haben, entwickeln gar keine Symptome oder Störungen und schaffen es, diesen ohne gravierende Folgen zu überstehen.21

[...]


1 Vgl. Enders, U. (1996), S. 13.

2 Vgl. Greuel, L. / Petermann, A. (2009), S. 76.

3 Vgl. Süddeutsche Zeitung (2018).

4 Vgl. Frankfurter Allgemeine (2018).

5 Vgl. Becker, G. (2011), S. 102.

6 Vgl. Dyer, A. / Steil, R. (2012), S. 30.

7 Vgl. Klein, A. / Tuider, E. (2017), S. 21-22.

8 Vgl. Klein, A. / Tuider, E. (2017), S. 24.

9 Vgl. ebenda, S. 21.

10 Vgl. ebenda, S. 31.

11 Vgl. ebenda, S. 21.

12 Vgl. Becker, G. (2011), S. 13.

13 Vgl. Becker, G. (2011), S. 35-39.

14 Vgl. Becker, G. (2011), S. 56-59.

15 Vgl. Dyer, A. / Steil, R. (2012), S. 12.

16 Vgl. Dyer, A. / Steil, R. (2012), S. 15.

17 Vgl. ebenda, S. 18-19.

18 Vgl. von Weiler, J. (2014), S. 68-71.

19 Vgl. ebenda, S. 73-74.

20 Vgl. von Weiler, J. (2014), S. 83.

21 Vgl. Dyer, A. / Steil, R. (2012), S. 21-24.

Details

Seiten
22
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668999633
ISBN (Buch)
9783668999640
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v493897
Institution / Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn – IUBH München
Note
1,0
Schlagworte
missbrauch gesellschaft mögliche präventionsmaßnahmen

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