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Fußball in der Gesellschaft. Vereine und deren Integrationsleistungen

Hausarbeit 2018 23 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Grundlagen der Arbeit
2.1. Forschungsfrage
2.2. Begriffsdefinition

3. Theoretischer Rahmen
3.1. Integration
3.1.1 Allgemeines zum Integrationsbegriff
3.1.2. Wodurch gelingt erfolgreiche Integration
3.2. Migration in Deutschland
3.2.1. Geschichte der Migration
3.2.2. Folgen der Migration
3.3. Forschungsstand Integrationspotenzial im Sport
3.3.1. Theoretische Forschung
3.3.2. Empirische Forschung
3.3.3. Zwischenresumee

4. Strukturanalyse
4.1. Darstellung der für die Analyse relevanten Theorie
4.2. Integrationsorganisation im Fußball – deskriptive Analyse
4.3. Vergleich zu anderen Sportarten
4.4. Entwicklung anhand von Zahlen

5. Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

1. Einleitung

Unsere Gesellschaft war vermutlich noch nie so intensiv mit anderen Völkergruppen konfrontiert wie in den letzten Jahren. Die Thematik des Aufeinandertreffens verschiedener Kulturen war noch nie so präsent wie jetzt. Politische Unruhen in den verschiedensten Ländern der Welt sorgen für Völkerbewegungen in einem nie da gewesenen Ausmaß. Immer mehr Menschen anderer Nationen, aus anderen Kontinenten, vor allem aus Afrika, suchen den Weg nach Europa und nicht zuletzt nach Deutschland.

Auch wenn es aktuell nicht mehr ganz so viele Flüchtlingsbewegungen gibt wie beispielsweise noch vor zwei Jahren, so ist der Migrantenanteil dennoch vergleichsweise hoch und es geht immer noch darum mit dem rasch gestiegenen Bevölkerungswachstum umzugehen.

In diesem Zusammenhang fällt immer wieder ein bestimmter Begriff, nämlich der Begriff der Integration. Immigranten sollen sich integrieren und an das Land anpassen, in dem sie Zuflucht suchen. Hierbei oft diskutiert ist die Frage, ob die Integration von der Gesellschaft oder von den Migranten ausgehen muss, beziehungsweise wodurch beide Parteien ihren Anteil leisten können.

In dieser Arbeit soll unter anderem erklärt werden, welche Aufgaben der Sport, im Speziellen der Fußball, bei der Integration der ausländischen Mitbürger übernimmt. Das Thema dieser Arbeit ist deshalb „Fußball in der Gesellschaft – Vereine und deren Integrationsleistungen“.

In einem ersten Schritt soll die Forschungsfrage präsentiert, das Thema definiert werden, sowie eine inhaltliche Abgrenzung erfolgen. Danach wird ein theoretischer Rahmen gegeben, in dem auf die Integration und Migration sowie auf den aktuellen Forschungsstand eigegangen wird. Im Anschluss komme ich dann zur Analysephase, bei der ich unter anderem die relevante Theorie darstelle und eine deskriptive Analyse durchführe. Ein Fazit, das die Forschungsfrage beantwortet sowie meine Sicht kurz schildert, bringt die Arbeit zu einem Ende.

2. Grundlagen der Arbeit

Die in der Einleitung geschilderte Situation begründet die Relevanz des Themas. Egal ob in Vereinsheimen oder gesellschaftspolitischen Gesprächen, immer wieder wird gerne darüber diskutiert, ob es effektiv ist, dass Migranten sich an örtlichen Sportaktivitäten beteiligen. Die einen meinen, das ermöglicht einen besseren Anschluss an die Gesellschaft, andere wiederum sind der Ansicht, dass zum Beispiel mangelnde Sprachkenntnisse eine zu große Barriere darstellen, um Integration zu ermöglichen. Um in dieser Angelegenheit ein Stück weit mehr Klarheit zu schaffen, soll der Fußball nicht nur isoliert betrachtet werden, sondern seine Stellung auch vergleichend mit anderem Sport dargestellt werden.

2.1. Forschungsfrage

Das leitet mich folglich zu der zentralen Frage, um die es in der Arbeit gehen wird und die am Ende beantwortet werden soll: Kann der organisierte Fußball einen besseren Beitrag zur Integration von Migrantinnen/Migranten leisten als ein Verein einer anderen Sportsparte?

Meine Hypothese, die es zu bestätigen oder widerlegen gilt, ist, dass der organisierte Fußball aufgrund seiner Strukturen für die Integration zugewanderter Menschen besonders geeignet ist.

2.2. Begriffsdefinition

Um das zu beantworten möchte ich an dieser Stelle zunächst einige Begrifflichkeiten definieren beziehungsweise zu erläutern.

Beschäftigt man sich einmal mit dem Thema Integration, so fällt auf, dass in den verschiedensten Quellen immer wieder vor allem zwischen der kulturellen Integration und der Integration von Menschen mit Behinderung unterschieden wird. So definiert zum Beispiel das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den Begriff als „langfristigen Prozess [mit dem Ziel; Anmerk. d. Verf.] alle Menschen, die dauerhaft und rechtmäßig in Deutschland leben, in die Gesellschaft einzubeziehen. Zugewanderten soll eine umfassende und gleichberechtigte Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen ermöglicht werden.“ (Bundesamt für Migration und Flüchtlinge). Entsprechend anders wird der Begriff ausgelegt, wenn es um die Eingliederung von Menschen mit Behinderung geht. Hier wird häufig der Fokus auf die schulische Integration gelegt. Die Integration von Menschen mit Behinderung wird in dieser Arbeit allerdings nicht einbezogen. Häufig wird der Begriff um eine soziale Komponente erweitert und man spricht deshalb auch gerne von sozialer Integration. „Mit dem Begriff ‚sozial‘ werden die Beziehungen zwischen einem Einzelwesen und Gruppen sowie die Beziehungen dieser Gruppen untereinander beschrieben. Entsprechend bezeichnet der Begriff individuelle Kompetenzen genauso wie die allgemeinen Bedingungen, unter denen die Mitglieder einer Gruppe oder verschiedene Gruppen miteinander interagieren.“ (definition-online). Bringt man nun diese beiden Begriffe in Zusammenhang kann soziale Integration gefasst werden als eine weitgehende soziale Übereinstimmung der Migranten mit der einheimischen Bevölkerung. Es geht um eine gleichberechtigte Teilhabe an allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens unter Respektierung kultureller Vielfalt. Etwas komplexer versucht auch REINHOLDT den Ausdruck ganzheitlich zu definieren, indem er sagt: „Durch die Zuweisung von Positionen und Funktionen in einem sozialen Gebilde sollen dessen Elemente aufeinander bezogen, funktional aufeinander angewiesen sein und sich damit zu einem Ganzen konstruieren.“ (REINHOLDT 2000, S. 300)

Das Statistische Bundesamt definiert Migrantinnen/Migranten beziehungsweise Personen mit Migrationshintergrund wie folgt: „ ‘Eine Person hat einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt besitzt.‘ [Herv. Im Original]“ (STATISTISCHES BUNDESAMT 2017, S. 4). Oftmals werden die Begriffe Flüchtling und Migrant Synonym verwendet. Dies ist allerdings falsch, da sich ersterer lediglich auf Personen bezieht, die vor Verfolgung in ein anderes Land fliehen.

Letztlich sollte noch geklärt werden, was unter organisiertem Sport, im Speziellen dem organisierten Fußball zu verstehen ist. Hierfür gibt es keine einheitliche Definition. Im allgemeinen Verständnis ist es die Bezeichnung für den Vereinssport und zu unterscheiden vom nicht organisierten Sport. Während zu Letzterem Aktivitäten wie Joggen, Wandern oder solche zählen, die man ohne Kosten (Vereinsbeträge) mit Familie/Freunden oder alleine ausübt, meint der organisierte Sport, das Sporttreiben in der klassischen Organisation von Verbänden, Vereinen und Ligensystemen. Voraussetzung ist demnach die Mitgliedschaft in einer entsprechenden Organisation/Institution.

3. Theoretischer Rahmen

3.1. Integration

3.1.1 Allgemeines zum Integrationsbegriff

Es ist schwierig eine einheitliche Definition für Integration zu finden, weshalb viele Experten ganz einfach davon sprechen, dass es das Gegenteil von Desintegration, also Ab-/ Ausgrenzung ist. Das ist auch immer wieder Ansatzpunkt für Kritiker, die behaupten der Begriff sei zu offen und unbestimmt, als dass er sinnvoll als Arbeitsbegriff verwendet werden kann. Es geht sowohl um die individuelle Zugehörigkeit der Einzelperson, als auch um die Teilhabe am gesellschaftlichen Miteinander. Das Idealbild ist eine auf allgemein anerkannte Werte aufgebaute Gesellschaft, die ein Zusammenleben ohne Ausgrenzung ermöglicht.

Wie bereits in 2.2. angedeutet, ist Integration entweder in Verbindung mit Menschen mit Migrationshintergrund oder mit einer Behinderung gemeint. (Inklusion)

Bezogen auf Migrationshintergrund: „Integration von Zuwanderern ist in der Regel ein mittel- bis langfristiger, mitunter sogar mehrere Generationen umfassender kultureller und sozialer Prozess.“ (SÜSSMUTH 2006, S.138). Integration ist vielmehr ein Prozess als ein Zustand, und kann daher unterschiedliche Geschwindigkeiten oder Verläufe annehmen oder aber auch scheitern. Wichtig ist, dass Integrationsprozesse durch eine starke Eigendynamik geprägt sind. Das heißt sie können durch entsprechende Maßnahmen zwar gelenkt aber nicht eindeutig vorhergesehen werden, da das stark von den beteiligten Personen abhängt. Zusammengefasst kann man sagen Integration umfasst das Primärziel „[…] möglichst gute und breite Beteiligungsmöglichkeiten in allen Lebensbereichen“ (ebd. 2006, S.138) zu verwirklichen.

3.1.2. Wodurch gelingt erfolgreiche Integration

Zunächst einmal ist die Integrationsförderung ein Aufgabenbereich von Bund, Ländern und Gemeinden, wobei die kommunale Ebene entscheidend ist, weil die Integration wenn überhaupt bei den Menschen vor Ort stattfindet. In erster Linie ist für eine erfolgreiche Integration eine dementsprechende politische Ausrichtung erforderlich. Darauf möchte ich gar nicht weiter eingeben, sondern nur einige wenige Punkte herausgreifen, die zu beachten sind um ganz allgemein Integration zu ermöglichen oder zu fördern.

Zum einen mal ist der Zeitpunkt in der Entwicklung einer Person ganz entscheidend. Erwachsene haben es zusehend schwerer sich in eine Gesellschaft zu integrieren, weshalb ein Ansatz im Kindesalter ratsam und fast schon notwendig erscheint. Zum anderen übernimmt die Schule eine große Integrationsaufgabe. Das greift wieder den Ansatz auf, dass Integration sehr früh beginnen sollte und weil die Kinder dort einen Großteil ihrer Zeit verbringen. Ein weiterer Einflussfaktor ist das Elternhaus des Kindes. So wird sich ein Kind, dessen Eltern in der Gesellschaft bereits integriert sind, viel besser und schneller zurecht finden als eines mit Eltern, die in der Öffentlichkeit weniger akzeptiert sind.

Die Hauptvoraussetzung für eine erfolgreiche Integration bilden allerdings in jedem Fall die Sprachkenntnisse. Es ist unumgänglich die Sprache des Landes zu lernen, in dem man lebt, denn das ermöglicht erst den Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung.

Das ist auch der Grund, warum der Sport im Allgemeinen und der Fußball im speziellen ein gutes Instrument für Integration darstellen, weil eine Verständigung ohne großes sprachliches Wissen möglich ist.

3.2. Migration in Deutschland

Im Folgenden werde ich in verkürzter Form einen Überblick über die Einwanderungsbewegungen in Deutschland geben und die dadurch hervorgegangene heutige Situation von Menschen mit Migrationshintergrund umreißen. Das Wissen dazu erleichtert es später den Sport als Mittel der Integration zu erfassen.

Ich möchte darüber hinaus noch die Schwierigkeit der richtigen Bezeichnung anmerken. In den verschiedenen Literaturen finden sich unterschiedliche Ausdrücke für Menschen mit Migrationshintergrund. Heute ist der Begriff politisch korrekt – wie auch der Begriff der Zugewanderten – weshalb ich ihn im Weiteren verwende. Auch wenn keine explizite Nennung erfolgt sind selbstverständlich immer beide Geschlechter gemeint, also beispielsweise Migrantinnen und Migranten. Trotz Darstellung der Vergangenheit und Gegenwart ist zu beachten, dass diese nicht als abgeschlossene Entwicklungsphasen betrachtet werden können, da sich Migrationsprozesse ständig fortsetzen. Es handelt sich um sozialdynamische Prozesse, die über eine gewisse Eigensinnigkeit verfügen. Da der Fokus der Arbeit auf dem Großraum München liegt, ist meiner Meinung nach die Eingrenzung auf die nationale Migration völlig ausreichend.

3.2.1. Geschichte der Migration

Ich stütze die verwendeten Daten, Fakten und Zahlen auf die Ausführungen von SCHULTE/TREICHLER 2010 (S. 17ff.). Für einen ersten Einblick reicht es die Historie in verkürzter Form ab der Nachkriegszeit darzustellen und sie in markante Abschnitte zu unterteilen.

Die Jahre von 1945-1954 waren vom Ende des zweiten Weltkrieges und damit einhergehenden Migrationsbewegungen geprägt. Aus den ehemaligen Ostgebieten flohen die Menschen vor anrückenden Armeen in die anderen Bundesländer wie zum Beispiel nach Bayern. Nach Gründung von BRD und DDR im Jahr 1949 bzw. 1950 stieg die Zahl der Auswanderer von Deutschland nach Übersee extrem an. Es waren zumeist solche mit qualifizierten Berufsabschlüssen, die in den USA, Kanada etc. fehlten.

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Details

Seiten
23
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668993686
ISBN (Buch)
9783668993693
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v493992
Institution / Hochschule
IST-Hochschule für Management
Note
Schlagworte
fußball gesellschaft vereine integrationsleistungen

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