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Das Kloster Ettal bis zum Dreißigjährigen Krieg. Ritterstift und Benediktinerkloster

Hausarbeit 2018 19 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Die Entstehung des Klosters Ettal

Die Kirche des Klosters
Die mittelalterliche Klosteranlage
Geistliche Bewohner des Klosters

Das Ritterstift .
Die Gründung des Ritterstifts
Die Ritterregeln
Strafen bei Nichteinhaltung der Ritterregeln
Zusammenleben zwischen Rittern und Mönchen

Grundbesitz und Rechte
Erste Phase: 1330 – 1332
Zweite Phase: 1339 – 1343

Die Zeit nach dem Tod des Kaisers

Von der Reformation bis zum dreißigjährigen Krieg

Fazit.

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Einleitung

Das Kloster Ettal gehört zu den jüngsten Benediktinerklöstern Deutschlands. Seine Geschichte beginnt erst im Mittelalter, mit der Gründung im Jahre 1330 durch Kaiser Ludwig dem Bayern. Als herausstechende Besonderheit des Klosters gilt das zugehörige Ritterstift, dessen Ritterregeln, sowie die Handhabung Ludwigs des Zusammenlebens von Mönchen, Rittern und ihren Ehefrauen.

Die Geschichte des Klosters wird durch viele wissenschaftliche Quellen rekonstruiert. In dieser Hausarbeit werden zahlreiche Werke genutzt, um die beschriebenen, historischen Inhalte zu belegen. Hierzu zählen etwa das „Germania Benedictina“ von Kaufmann, Flachenecker, Wüst und Heim, sowie der „Historische Atlas von Bayern“ verfasst von Dieter Albrecht oder die „Festschrift zum Ettaler Doppeljubiläum“ von Kalff und Koch. Im Werk „Ritterorden und Adelsgesellschaften im spätmittelalterlichen Deutschland“ von Kruse und Paravicini sind unter anderem die erwähnten Ritterregeln dargestellt. Besonders hervorzuheben ist eine Dissertation mit dem Titel „Die Gründung des Klosters Ettal“ aus dem Jahre 1928, in welcher Friedrich Bock die Gründungsgeschichte Ettals detailliert beleuchtet und zahlreiche Erkenntnisse über das Kloster erstmalig schriftlich erfasst. Diese Doktorarbeit dient dadurch auch als Diskussionsgrundlage für andere Werke aus dem 20. Jahrhundert.

In dieser Hausarbeit wird nun das Kloster Ettal vorgestellt. Unter Einbeziehung der oben erwähnten Quellen wird die Entstehung des Klosters und des bereits erwähnten Ritterstifts, sowie die interessante Vorgeschichte dargelegt. Darüber hinaus werden die Ritterregeln und ihre entsprechenden Auswirkungen auf den Klosteralltag vorgestellt. Es erfolgt eine genaue Abgrenzung des Grundbesitzes und der entsprechenden Rechte zur jeweiligen Zeit, was die schnell wachsende Bedeutung des Klosters für Kaiser Ludwig verdeutlicht. Abschließend werden einige besondere Ereignisse zur Zeiten nach dem Tod des Kaisers 1347, sowie im Zeitraum zwischen Reformation und dem dreißigjährigen Krieg geschildert.

Die Entstehung des Klosters Ettal

Das Kloster wurde am 28. April 1330 von Kaiser Ludwig dem Bayern gegründet. Ettal zählt damit zu den jüngeren Klöstern der altbayrischen Benediktinerabteien. Die Gründungsurkunde des Klosters konnte nicht überliefert werden. Der Kaiser hatte unterschiedliche und zahlreiche Motive für die Gründung Ettals. Eines davon, dass er in Avignon aus der Kirche gebannt wurde, aber auch als Dank an Gott für die Rückkehr seines Heeres aus Italien, die Liebe zu Gottes Mutter und somit auch als Zeugnis seines Glaubens als Christ, sowie die sachlich-reale Erwägung zur zivilisatorischen Erschließung dieses Gebietes nördlichen von Partenkirchen und auch der Sorge um seine treuen Ritter und ihre Familien.1

Neben diesen verschiedenen Motiven soll aber ein Gelöbnis Kaiser Ludwigs in Italien ausschlaggebend für die Gründung des Klosters gewesen sein. So sicherte der Kaiser, der Legende nach, einem alten Mönch die Gründung eines Klosters am Ampferang nach dem Ende seines Heereszugs durch Italien zu. Ludwig der Bayer war zu dieser Zeit in großer finanzieller Not und war auf die Hilfe des Mönchs angewiesen, um mit seinem Heer erfolgreich über die Alpen hinweg in sein Reich zurückkehren zu können.2 Hierbei brachte er auch gleich eine Marmorstatue mit, welche in der Kirche des Klosters als Abbild Marias als religiöser Grundstein des Klosters gilt.3 Dieses Marienbild war wohl auch Teil der Abmachung mit dem Mönch.

Die Gründung des Klosters brachte für Ludwig, unabhängig von den Geschehnissen auf dem Heereszug durch Italien, gewichtige Vorteile mit sich. Ettal wurde ein fester Stützpunkt auf der wichtigen Handelsroute über den Brenner nach Italien und erfüllte somit vor allem wirtschaftliche Gesichtspunkte. Durch die Vergabe von Reichsbesitz und fremde Hoheitsrechte, schaffte er ein geschlossenes Herrschaftsgebiet, was später im Detail betrachtet wird. Zusätzlich konnten verdiente Ritter im Kloster versorgt werden und Ludwig bewies seinen Gegnern seinen starken christlichen Glauben.4

Die Namensgebung des Klosters ist nicht eindeutig übermittelt. Klar ist, dass Ettal sich auf das Gebiet bezieht, da es in einem Tal zwischen dem Ammertal und dem Loisachtal nördlich von Partenkirchen erbaut wurde. Der Name des Klosters entstand mit seiner Gründung und kann auf zwei Theorien zurückgeführt werden. Zum einen lässt sich insbesondere durch den Sprachgebrauch des Kaisers eine tiefere Bedeutung des Namens interpretieren, zum anderen aber auch durch die Herleitung des Begriffs logisch erklären. So stammt der Begriff „Etal“ aus dem Althochdeutschen und bedeutet etwa „Gesetz“ oder „Gelöbnis“. Im Bayrischen entwickelten sich dadurch die Begriffe „Ehgarten“ und „Ehhalten“. Im heutigen Sprachgebrauch ist dabei nur die „Ehe“ übriggeblieben. So ließe sich der Name als „Tal des Gelöbnisses“ oder „Tal des Gesetzes“ interpretieren, was letztendlich ein Indiz für sein oben beschriebenes Versprechen gegenüber dem Mönch ist.5

Eine weitere Interpretation des Namenursprungs geht auf den Sprachgebrauch Kaiser Ludwigs selbst zurück. So sprach er immer wieder vom „unser frawen Etal“, also einem Maria angelobten Tal, sozusagen einem Mariental. Eine Begrifflichkeit, die durchaus nicht unüblich für deutsche Kloster dieser Zeit war und somit logisch und wahrscheinlich erscheint.6

Die Kirche des Klosters

Die mittelalterliche Klosteranlage

Die Ettaler Klosterkirche ist besonders durch eine außergewöhnliche Form geprägt. Sie ist nämlich ein sogenannter Zwölfeckbau, bei dem eine Mittelsäule das Gewölbe trägt. Diese Art der Konstruktion ist für diese Zeit im Deutschen Reich sehr selten und macht die Kirche des Klosters somit zu einer Besonderheit, die auch im 21. Jahrhundert noch viele Touristen und Besucher anlockt.7

Vor allem der Bau der Kirche wirft Fragen bei Kunsthistorikern auf. So wurde etwa überliefert, dass es zum Ende des 15. Jahrhundert ein Bauvorhaben der erwähnten Mittelsäule und dem beeindruckenden Gewölbe gab. Unklar ist dadurch, ob es sich dabei um eine Modernisierung des ursprünglichen Gewölbes handelt, oder, ob die Klosterkirche zuvor nur eine unspektakuläre Holzdecke besaß und das Gewölbe somit nachträglich errichtet wurde. Das bleibt aber wohl für immer ein weiteres Geheimnis in der Geschichte Ettals, da es bislang keine eindeutigen Beweise für die verschiedenen Theorien der Kunsthistoriker gibt.8

Anmerkung der Redaktion: Diese Abbildung wurde aus urheberrechtlichen Gründen entfernt

Abbildung 1: Kloster Ettal im 17. Jahrhundert

Um sich die besondere Bauweise der Klosterkirche erläutern zu können, wird vor allem auf die englische Gotik verwiesen. Möglicherweise, weil Kaiser Ludwig gute politische Beziehungen mit England pflegte. In der Architektur der englischen Gotik finden sich zahlreiche Gebäude mit solchen Einstützenräumen, welche auch Kapitelsäle genannt werden. Diese Räume wurden vor allem für die Sitzungen der geistlichen Konvente genutzt, was mit großer Wahrscheinlichkeit auch der Zweck des Ettaler Kapitelsaals war, denn die Ritter und ihre Frauen nahmen jede Woche an einer Kapitelsitzung teil.9

Zum Ende des 14. Jahrhunderts, also einige Jahre nach der Gründung des Klosters Ettal, entstanden ähnliche Bauten in Prag. So etwa die Servitenkirche, die mit ihren Einstützenraum, gebaut als Rundkirche, eine ähnliche Form wie die Klosterkirche (siehe Abbildung 1) aufweist. Auch die Fronleichnamskapelle in Prag besitzt einen vergleichbaren Einstützenraum.10

Viele Historiker haben in der Vergangenheit über die Vergleichbarkeit der Bauart der Klosterkirche diskutiert. Konsens dabei ist, dass es sich wohl um eine Nachahmung der Templerkirche in Jerusalem oder der Gralsburg handelt. Allerdings gibt es auch die Auffassung, dass sich Ludwig wohl am römischen Pantheon orientierte, das der Kaiser sehr geschätzt haben soll.11 Letztendlich ist die Ettaler Klosterkirche auf ihre Art aber doch einzigartig. Hugo Schnell schreibt dazu 1938, „dass an eine totale Kopie von irgendeiner Seite aus nicht zu denken ist.“12 Dies gilt auch für die Ritterregeln Ludwig des Bayern im Kloster Ettal, die im Abschnitt „das Ritterstift“ näher erläutert werden.

Geistliche Bewohner des Klosters

Da Kaiser Ludwig IV. dem Kirchenbann unterlag, wurde das Kloster erst 1368 vom Papst als geistliche Institution anerkannt. So wie es, wie oben erwähnt, keine Überlieferung der Gründungsurkunde gibt, ist auch diese Anerkennung des Papstes nicht ausreichend festgehalten. Dadurch ist auch bis heute nicht eindeutig, wie die ersten Mönche ins Kloster Ettal gelangten. Die Vermutung allerdings, dass die Mönche aus einem Konvent in Reichenbach kamen, liegt nahe und wird auch mehrmals so erwähnt. Unklar ist wiederrum, wer der erste Abt war. Hierzu gibt es unterschiedliche Aussagen. Es handelt sich hierbei also um ein weiteres Geheimnis der Ettaler Geschichte. Verschiedenen Theorien zufolge kommt aber nur eine Person für das Amt als erster Abt des Klosters in Frage, Friedrich Heinrichsreuter. Dieser war von 1320 bis zum 1. Dezember 1347 Abt in Reichenbach und ein enger Vertrauter des Kaisers. Eine Tätigkeit als Abt in Ettal ist allerdings nicht belegt bzw. übermittelt. Er soll nach der Chronik von Reichenbach aber in Ettal auf jeden Fall den Titel als „primicerius religionis“ innegehabt haben. Verschiedene Quellen nennen ihn jedoch auch mit unterschiedlichen Namen, etwa Friedrich Heinrich Rieter oder Friedrich der Heinrich Ruter. Unklar ist zudem, das Jahr, in welchem Heinrichsreuter begann dieser Rolle in Ettal nachzugehen. Der Gründungslegende von Albert von Tegernsee aus dem 14. Jahrhundert zufolge, war dies direkt mit der Gründung im Jahr 1330, in der Ettaler Festschrift von 1970 wiederrum beginnt die Auflistung der Äbte erst im Jahr 1332. Unabhängig davon, ob er nun tatsächlich das Amt als Abt oder eben doch nur den unkirchlichen Titel als „primicerius religionis“ innehatte, soll Heinrichsreuter derjenige gewesen sein, der den Orden einführte und somit in weitesten Sinne auf geistlicher Seite gründete.

[...]


1 Vgl. Kaufmann, Flachenecker, Wüst, & Heim, 2014. S. 587. und Benker, 1980, S. 182.

2 Vgl. Kaufmann, Flachenecker, Wüst, & Heim, 2014. S. 588

3 Vgl. Kalff & Koch, 1980, S. 35

4 Vgl. Kruse & Paravicini, 1991, S. 46

5 Vgl. Benker, 1980. S. 184. und Kalff & Koch, 1980. S. 55f.

6 Vgl. Kalff & Koch, 1980. S. 55f.

7 Vgl. Kalff & Koch, 1980. S. 58f.

8 Vgl. Kalff & Koch, 1980. S. 58f.

9 Vgl. Kalff & Koch, 1980. S. 59

10 Vgl. Kalff & Koch, 1980. S. 59

11 Vgl. Kaufmann, Flachenecker, Wüst, & Heim, 2014. S. 588

12 Schnell, 1960. S.8f.

Details

Seiten
19
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346000637
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v494087
Institution / Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,7
Schlagworte
kloster ettal dreißigjährigen krieg ritterstift benediktinerkloster

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