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Einführung in die Psychologie. Geschichte, Pioniere und aktuelle Trends

Einsendeaufgabe 2019 22 Seiten

Psychologie - Allgemeine Psychologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1. GESCHICHTE DER MOTIVATIONSPSYCHOLOGIE
1.1 ACHS/WUNDTS NATURWISSENSCHAFTLICHEWILLENSPSYCHOLOGIE
1.2 SIGMUNDFREUDS GEISTESWISSENSCHAFTLICHESTRIEBREDUKTIONSMODELL
1.3 KURTLEWINS SOZIALWISSENSCHAFTLICHEFELDTHEORIE

2. PIONIERE DER PSYCHOLOGIEGESCHICHTE
2.1 GEISTESWISSENSCHAFTLICHEWURZELN: ARISTOTELES
2.2 SOZIALWISSENSCHAFTLICHEWURZELN:FLOYDALLPORT
2.3 NATURWISSENSCHAFTLICHEWURZELN:WILHELMWUNDT

3. AKTUELLER TREND: POSITIVE PSYCHOLOGIE
3.1 POSITIVEPSYCHOLOGIEUND DIEFRAGE NACH EINEM ERFÜLLTENLEBEN
3.2 POSITIVEPSYCHOLOGIEIN DERBILDUNG UNDERZIEHUNG
3.3 POSITIVEPSYCHOLOGIEAMARBEITSPLATZUND IMBERUFSLEBEN

LITERATURVERZEICHNIS

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Übersicht über die fünf motivationspsychologischen Problemstränge und ihre Begründer. Der markierte Zweig verdeutlicht den ausgewählten Fokus der vorliegenden Arbeit. Eigene Darstellung in Anlehnung an Heckhausen und Heckhausen (2018)

Abbildung 2: Das Spektrum der mentalen Gesundheit. Eigene Darstellung, in Anlehnung an Huppert und So (2009)

1. Geschichte der Motivationspsychologie

Der Begriff „Motivation“ begegnet uns häufig im Alltag und wird im Gemeingut meist mit Eigenschaften wie Leistungsbereitschaft, Ausdauer, Entschlossenheit oder Taten- drang in Verbindung gebracht. In der Wissenschaft beschäftigt sich die Motivations- psychologie mit diesem Gegenstand, die Teil der allgemeinen Psychologie ist. Genauer sucht die Motivationsforschung nach „Prinzipien, die uns verstehen helfen, warum Menschen und Tiere Handlungen in jeweils spezifischen Situationen wählen, beginnen und aufrechterhalten.“ (Rudolph, 2013, S. 17).

Aus der Definitionen wird deutlich, dass sich der Fokus der Wissenschaft nicht auf unwillkürliche Reflexe oder automatisch ablaufende motorische Vorgänge konzentriert. Vielmehr untersuchen Motivationsforscher das Zielstreben von Personen und beleuchten Eigenschaften wie Ausdauer, Ausrichtung und Intensität dieser Handlungen. Zusätzlich ist von Interesse wie sich diese Eigenschaften auf kognitive Prozesse, beispielsweise das Gedächtnis oder dem körperlichen und geistigen Wohlbefinden, auswirken (Brandstätter, Schüler, Puca & Lozo, 2018).

Die Forschung auf dem Gebiet der Motivationspsychologie reicht weit bis in die griechisch-römische Philosophie zurück. In der frühen Geschichte befassten sich bereits Gelehrte mit motivationspsychologischen Fragestellungen und philosophierten über den Zweck und das Warum von menschlichen Handlungen. Mit Beginn der wissen- schaftlichen Psychologie, Anfang des 20. Jahrhunderts, wurden die Erkenntnisse jedoch erstmalig in psychologische Theorien inkludiert (Brandstätter et al., 2018). In der gegenwärtigen Motivationsforschung werden verschiedene Problemstränge unter- schieden, die allesamt unterschiedliche historische Wurzeln aufweisen. Dazu zählen der instinkt-, der persönlichkeits- und der assoziationstheoretische Problemstrang sowie der willenspsychologische Zweig (Heckhausen & Heckhausen, 2018). Betrachtet man die literarische Datenlage, so wird deutlich, dass der größte Einfluss in der heutigen Motivationspsychologie auf Theorien und Modelle der willens- und persönlichkeits- theoretischen Stränge zurückzuführen ist. In ihnen sind sowohl naturwissenschaftliche als auch geistes- und sozialwissenschaftliche Strömungen vertreten. Heckhausen und Heckhausen (2018) prophezeien zudem, dass vor allem der willenspsychologische Problemstrang in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird. Ausgehend von diesen Erkenntnissen sollen im Folgenden die Pioniere Ach, Freud und Lewin mit ihren Motivationstheorien genauer erläutert werden. Abbildung 1 verdeutlicht den zeitlich und inhaltlichen Zusammenhang der fünf Problemstränge sowie den Fokus der nachfolgenden Arbeit.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Übersicht über die fünf motivationspsychologischen Problemstränge und ihre Begründer. Der markierte Zweig verdeutlicht den ausgewählten Fokus der vorliegenden Arbeit. Eigene Darstellung in Anlehnung an Heckhausen und Heckhausen (2018)

1.1 Achs/Wundts naturwissenschaftliche Willenspsychologie

Zwischen 1905 und 1935 erlebte die Willenspsychologie ihren Höhepunkt in Deutschland, geriet jedoch bis zu den 1980er Jahren wieder in Vergessenheit.

Das Hauptaugenmerk der Willenspsychologie liegt auf dem Unterschied zwischen Ziel- setzungen und Zielrealisierungen. Als Pionier der Willenspsychologie gilt der in München geborene Mediziner und Psychologe Narziss Ach. Er selbst war Teil der Würzburger Schule und befasste sich im Rahmen der Motivationspsychologie mit dem Denken und dem Willen von Personen. Nach Franziß Ach leiten Handlungsintentionen nicht automatisch eine erfolgreiche Handlungsbewältigung ein. Vielmehr führen etwaige Schwierigkeiten immer wieder zu einer Vermeidung von geplanten Taten. Er fragte sich wie Individuen diese Hindernisse überwinden können und entwickelte das Konzept der determinierenden Tendenz. Sie beschreibt kognitive Prozesse, die nach einer Handlungsintention freigesetzt werden und die Handlungsbewältigung positiv beeinflussen. Die deterministische Tendenz kann durch einen Willensakt mittels zweier Methoden positiv verstärkt werden: Dem gegenständlichen und dem aktuellen Moment. Ersteres beschreibt die Imagination einer erfolgreichen Handlungsausübung, während der aktuelle Moment die Entschlossenheit eine Aufgabe wirklich bewältigen zu wollen einschließt (Brandstätter et al., 2018).

Auch Wilhelm Wundt beschäftigte sich in seinen Forschungen mit dem menschlichen Willen. Der 1932 in Neckerau geborene Mediziner gilt als Begründer der experimentellen Psychologie. Seine Forderung nach messbaren, quantitativen Methoden wurde von seiner naturwissenschaftlichen Tätigkeit geleitet und ließ eben diese Einflüsse in die heutige Motivationspsychologie zu. Das Hauptziel von Wundt war es naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten zu erkennen. Dabei unterstützte er die Selbst-Introspektion nur unter dem Aspekt Kontrolle zu behalten sowie das Erzählte in einzelne Teile zerlegen zu können. Wundt beschrieb diese Erzeugnisse zunächst als „Elemente des Bewusstseins“. Später wurde daraus die Elementarpsychologie, eine eigene Wissenschaft, die starke Kritik seitens Geisteswissenschaftlern erntete. Ein Kritikpunkt stellte das Ausblenden von unbewussten Prozessen dar. Diese waren für Wundt nicht objektiv nachweisbar. Kritikern zufolge verhinderte er mit diesem Nichtbeachten die Entwicklung einer experimentellen Sozialpsychologie. Insgesamt muss man jedoch festhalten, dass die abstrakten Theorien der Willenspsychologen die heutige Motivationspsychologie trotzdem stark beeinflusst und vorangetrieben haben. Insbesondere Wundt ging schon damals davon aus, dass alle Prozesse wie Aufmerksamkeit, Apperzeption, Gedanken, Erinnerungen und Gefühle von einem Willensakt beeinflusst werden. Zudem prägte Wundt den Begriff des „Motivs“, welches die Verbindung zwischen Beweggründen (Vorstellungen) und Triebfeldern (Gefühlen) beschreibt. Während Narziss Ach sich noch lediglich auf die Volitionsprobleme fokussierte und Motivation vernachlässigte, so berücksichtige Wundt bereits die heutige Unterteilung in Volition und Motivation (Heckhausen & Heckhausen, 2018).

1.2 Sigmund Freuds geisteswissenschaftliches Triebreduktionsmodell

In Abbildung 1 wird deutlich, dass die darwinistischen Erkenntnisse als Vorlage aller fünf Problemstränge dienten und verdeutlichen den hohen Stellenwert der Forschung Darwins. Im Bereich der persönlichkeitspsychologischen Linie konzentrierten sich die Wissenschaftler an Darwins „Survival of the Fittest“ Theorie und gingen davon aus, dass einige Individuen aufgrund von bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen besser an Umweltbedingungen angepasst sein müssen, als andere. Ein elementarer Bestandteil dieser Persönlichkeitsmerkmale stellte die Motivation dar. Sigmund Freud widmete sich der Erforschung von Auslösern unbewusster Handlungen und gilt als Begründer der Psychoanalyse sowie als Pionier des persönlichkeitstheoretischen Problemstranges (Heckhausen & Heckhausen, 2018).

Im Mittelpunkt seiner Motivationsforschung steht das sogenannte Trieb- reduktionsmodell. Nach Freud sind Triebe aus dem inneren des Körpers stammende Reize, die dem Verlangen entspringen ein körperliches Ungleichgewicht, z.B. Flüssigkeitsmangel, auszugleichen und die damit einhergehenden Unlustgefühle zu mindern bzw. Lustgefühle zu steigern. Er bezeichnet dies als „Hedonismusprinzip“. Freuds Triebreduktionsmodell diente auch den assoziationstheoretischen Forschungen als Vorlage, vgl. Abbildung 1 (Brandstätter et al., 2018). Ein Bestandteil seiner psychoanalytischen Theorie ist das Prinzip der drei Persönlichkeiten „Es“, „Ich“ und dem „Über-Ich“. Im „Es“ liegen die zuvor beschriebenen unbewussten Triebe und die Lustsuche begründet, während das „Über-Ich“ als eine Art Gewissensinstanz agiert, Werte und Normen beachtet, unangemessene Wünsche verhindert und für einen reibungslosen Schlaf sorgt. In der Instanz des „Ichs“ konkurrieren die zwei Persönlichkeiten miteinander und werden, etwa mittels einem Kompromiss, der Realität angepasst (Lück, Guski-Leinwand, Leplow & von Salisch, 2014). Für die Motivations- psychologie war vor allem das „Es“ eine wichtige Komponente des Modells. Freud ging davon aus, dass die im „Es“ wirkenden Triebe unterbewusst der Erzeugung von Unlustgefühlen entgegenstreben. Individuen verspüren daraufhin das Verlangen diesen Emotionen entgegenzuwirken und so Befriedigung zu erlangen. Nach dem ersten Weltkrieg erweiterte Freud sein Modell, das er als dritte Triebtheorie kennzeichnete. In ihr ordnete er dem „Es“ den Lebens- und den Todestrieb zu und fokussierte sich im zeitlichen Verlauf seiner Forschungen zunehmend auf diese zwei Triebe. Während der Lebenstrieb zur Erhaltung der Art beiträgt, strebt der Todestrieb einen bedürfnislosen Zustand entgegen. Ersteres kann durch die Sicherung von körperlichen Grund- bedürfnissen, Sexualität und sozialen Bindungen erreicht werden. Letzteres beinhaltet u.a. auch aggressives Verhalten gegenüber Mitmenschen. Freud war sich sicher, dass die Bedürfnislosigkeit der einzig wünschenswerte Zustand von Individuen ist. Er begründete seine These mit psychischer Energie, die im erstrebenswerten Zustand frei verfügbar und nicht an sogenannte Triebreduktionsobjekte gebunden ist (Brandstätter et al., 2018). Schon Freud erkannte jedoch, dass das Ausleben von sozial unangemessenen Trieben, etwa Sexualität oder Aggression, aufgrund von sozialen Regeln und Normen nicht immer möglich ist. Sofern eine solche Konfliktsituation eintritt, können Individuen ihre Triebe stellvertretend in Träumen oder Fantasien ausleben und infolgedessen stillen. Eine weitere Lösung kann das „Ich“ darstellen, in dem es rational eine Auslebung des Triebes zu einem späteren Zeitpunkt vorbereitet und plant. Diese Vorausplanung erfordert jedoch ein gewisses Maß an Selbstdisziplin. Seine Annahmen untersuchte Freud mittels Hypnose anhand von neurotischen Patienten und widmete sich später der Traumdeutung (Heckhausen & Heckhausen, 2018).

Die gegenwärtige Motivationsforschung ist in einigen Bereichen stark von den Freud‘schen Theorien beeinflusst. Insbesondere Freuds Auffassung, dass die menschliche Realitätswahrnehmung von Bedürfniszuständen abhängt, ermöglichte den Forschern Rückschlüsse auf interne, unbewusste Sehnsüchte zu ziehen. Folglich wurden vermehrt Vorgänge untersucht, in denen sich Probanden keiner klaren Motivation bewusst waren. Auf dieser Basis wurde für die Motivmessung der thematische Apperzeptionstest (TAT) entwickelt und diente später als ein wichtiges Mittel für die Motivationsdiagnostik. Neben dem TAT fließen Freuds Erkenntnisse über die Befriedigung durch Fantasiegeschichten in die heutigen Analysen von Tagträumen ein (Rheinberg & Vollmeyer, 2018). Abschließend muss betont werden, dass sich Freud mit der Analyse von subjektiven Deutungen in Träumen oder freien Gedankenspielen, lediglich qualitativen Forschungsmethoden bediente. Er war der festen Überzeugung, dass sich die Psyche und ihre Realität nicht durch Experimente erfassen lasse. Dies führte im Verlauf der Zeit zu starker Kritik seitens Befürworter quantitativer Methoden (Brandstätter et al., 2018).

1.3 Kurt Lewins sozialwissenschaftliche Feldtheorie

In Anschluss an Sigmund Freud und Narziß Ach beschäftigte sich der 1980 in Westpreußen geborene Psychologe Kurt Lewin mit willenspsychologischen Problematiken und gilt als einer der Mitbegründer der Sozial- und Motivations- psychologie. In seinen Forschungen orientierte er sich an den Erkenntnissen der sogenannten Gestaltpsychologie und deren Begründer Max Wertheimer, Kurt Koffka, Herta Kopfermann und Wolfgang Köhler. Die Gestaltpsychologie geht davon aus, dass in bestimmten Situationen die Wahrnehmung des Menschen in Form von Gestalten arbeitet, anstatt ihre einzelnen Bestandteile zu sehen. Diese Erkenntnisse übertrug Lewin auf den Bereich der motivationalen Verhaltensanalyse und entwickelte seine Feldtheorie mit zwei verschiedenen Ausrichtungen: Dem Personen- und dem Umweltmodell (Brandstätter et al., 2018).

Im Personenmodell geht Lewin davon aus, dass menschliche Bedürfnisse einen inneren Spannungszustand aufbauen, den es abzubauen gilt. Stehen für den Ausgleich keine geeigneten Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung, so kann aufgrund dynamischer Verbindungen auf ein der Intention ähnliches Bedürfnis zurückgegriffen werden. Brandstätter et al. (2018) nennen als Beispiel das Bedürfnis einen Roman zu lesen. Ist dies aus bestimmten Gründen nicht möglich, etwa weil das Buch verliehen wurde, so kann auch der entspannte Kinoabend, positiv auf das Spannungsfeld einwirken. Es muss jedoch angemerkt werden, dass laut Lewin nur Grundbedürfnisse wie Hunger oder Durst zu den Bedürfnissen zählen. Im Beispiel des Romanlesens würde Lewin von einem (Quasi-)Bedürfnis sprechen. Hieraus wird deutlich, dass sowohl Lewin als auch Freud das Konzept der gestörten Homöostase als Hauptmotivationsquelle für Handlungen von Menschen angesehen haben.

Im Umweltmodell verfolgt der feldtheoretische Ansatz das Ziel, Verhalten mittels gegenwärtiger psychischer Kräfte zu erklären. Die Vektoren wirken aus dem jeweiligen Feld, auch Lebensraum genannt, auf die Wahrnehmung von Individuen ein und veranlassen sie zu bestimmten Handlungen (Heckhausen & Heckhausen, 2018). Lewin definierte dazu die folgende Formel: Verhalten = f (Person, Umwelt) (Brandstätter et al., 2018).

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Details

Seiten
22
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346002433
ISBN (Buch)
9783346002440
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v495209
Note
1,0
Schlagworte
Psychologie Einführung Geschichte Pioniere Motivation Positive Psychologie Wundt Allgemeine Psychologie Einsendeaufgabe Martin Seligman

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Titel: Einführung in die Psychologie. Geschichte, Pioniere und aktuelle Trends