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Chancen und Risiken des Factorings für kleine und mittelständische Unternehmen

Hausarbeit 2019 16 Seiten

BWL - Investition und Finanzierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Problemdarstellung
1.2 Zielsetzung der Arbeit

2. Begriffsdefinition Mittelstand und kleine / mittlere Unternehmen

3. Factoring

1.3 Funktionen des Factorings
1.3.1 Finanzierungsfunktion
1.3.2 Delkrederefunktion / Versicherungsfunktion
1.3.3 Dienstleistungsfunktion
1.4 Arten des Factorings
1.4.1 Echtes Factoring / Unechtes Factoring
1.4.2 Full-Service Factoring und Inhouse-Factoring
1.4.3 Fälligkeitsfactoring
1.4.4 Offenes Factoring, stilles Factoring

4. Trend des Factorings

5. Chancen und Risiken des Factorings aus Sicht des Mittelstands

6. Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Schwellwerte der Unternehmensgröße in Anlehnung

an EU Kommission

Abbildung 2: Funktionsweise des Factorings

Abbildung 3: Factoring-Arten 2017 in Prozent

Abbildung 4: Factoring: Umsatzentwicklung und prozentuale

Veränderung (2008-2017)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Die Finanzierungsformen werden in den letzten Jahren für zahlreiche Unternehmen immer komplexer und umfangreicher. Was früher in der deutschen Wirtschaft zum Teil noch mit Kaufmannswort und Handschlag vereinbart wurde, galt in dieser Zeit für beide Parteien einst als heilige Gebote. Auch die Kreditinstitute kannten so gut wie jeden ihrer Kunden persönlich und konnten deshalb auch sehr gut einschätzen, wie liquide der Einzelne ist und wie wahrscheinlich es ist, das verliehene Geld wieder zurück zu bekommen. In der heutigen Zeit benötigt es aber weitaus mehr als nur eine gute Vertrauensbasis, um eine entsprechende Finanzierung zu bekommen. Es gibt mittlerweile zahlreiche Finanzierungsformen, die sich den aktuellen Trend angepasst haben und deswegen heute als wichtiger Bestandteil geworden sind. Eine davon stellt das Factoring dar, bei dem die Kundenforderungen an ein Factoring-Unternehmen verkauft werden, um nicht lange auf die Bezahlung der offenen Forderungen warten zu müssen.

1.1 Problemdarstellung

Die seit jeher bekannteste Finanzierungsart im deutschen Mittelstand ist die Aufnahme eines Bankkredits. Doch diese Form hat sich in den letzten Jahren immer mehr durch rasch ändernde Marktverhältnisse, sowie die Tatsache von immer mehr Insolvenzen bei den Unternehmen, zwischenzeitlich als sehr schwierig dargestellt. Dadurch werden von mittelständischen Unternehmen trotz noch nie dagewesener Niedrigzinslage, ein stetig wachsendes Maß an finanzieller Transparenz, bankübliche Sicherheiten, sowie qualitative Faktoren wie Unternehmensstrategie und Management verlangt. Dieser Tatsache geschuldet, müssen sich zahlreiche Firmen auch für kurze Kontoüberziehungen mit langwierigen Kreditvergabeprozessen und hohen Finanzierungskosten auseinandersetzen.

Aus all diesen Gründen und der Tatsache, dass der deutsche Mittelstand das Rückgrat der sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik darstellt,1 müssen immer mehr Unternehmen auf alternative Finanzierungsformen greifen, um sich flexibel, unabhängig und wachstumsorientiert auf dem Markt auszurichten.

Zu einer der Wichtigsten, welche in den letzten Jahren stetig anstieg und sich mittlerweile auch fest am Finanzmarkt etabliert hat, zählt das Factoring.2

1.2 Zielsetzung der Arbeit

Ziel meiner Arbeit ist es, auf die Probleme der heutigen Finanzierung in kleinen und mittelständischen Unternehmen einzugehen und eine optionale Möglichkeit zum klassischen Kontokorrentkredit aufzuzeigen. Die bereits in der Einleitung genannte Finanzierungsform „Factoring“ nimmt hierbei bei den meisten Interessenten für alternative Unternehmensfinanzierung einen großen Stellenwert ein und gewinnt immer mehr an Bedeutung. Zudem werden Funktionen und Arten der Finanzierungsform erläutert, um die Komplexität und entstehende Trends besser verstehen zu können. Auch die damit verbundenen Chancen und Risiken werden auf den folgenden Seiten näher erläutert.

2. Begriffsdefinition Mittelstand und kleine / mittlere Unternehmen

Grundsätzlich gibt es keine einheitliche Definition für den häufig verwendeten Begriff „Mittelstand“, dieser stellt eine Besonderheit in Deutschland dar. Viel häufiger wird dieser in übrigen Ländern mit dem Begriff KMU (kleine und mittelständische Unternehmen) gleichgesetzt, was jedoch in der Regel nur einen rein statistisch definierten Teil der Gesamtwirtschaft beschreibt.3 Hier existieren ebenfalls verschiedene quantitative Definitionen, wobei vor allem die beiden KMU-Definitionen des Instituts für Mittelstandsforschung (IFM) in Bonn und der Europäischen Kommission verwendet werden.

Nach der Empfehlung der EU-Kommission gehören demnach die Unternehmen zu KMU, die weniger als 250 Arbeitnehmer beschäftigen und einen Jahresumsatz unter 50 Mio. EUR erwirtschaften oder alternativ zum Umsatz eine Bilanzsumme von höchstens 43 Mio. EUR aufweisen.4

Die Definition des IfM Bonn liegt mit der Zahl im Kleinst- und Kleinunternehmenssegment analog zur EU, jedoch gibt es für die mittleren Unternehmen eine deutsche Besonderheit im Schwellwert der Beschäftigungszahl. Hier wird für statische und empirische Analysen ein Grenzwert von unter 500 Beschäftigten festgelegt und gleichzeitig ein maximaler Jahresumsatz von 50 Mio. EUR definiert.5 Neben Mitarbeiterzahl und dem erwirtschafteten Umsatz spielt hier im Vergleich zur EU die Bilanzsumme keinerlei Rolle.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1 : Schwellwerte der Unternehmensgröße in Anlehnung an EU-Kommission6

3. Factoring

Unter Factoring versteht man die gewerbliche, revolvierende Übertragung von Außenständen eines Unternehmens gegenüber einem Forderungsschuldner (Debitoren) an einen Dritten, dem Factoring-Institut.7

Vom Grundgedanken handelt es sich hier rechtlich um einen Kaufvertrag im Sinne der §§ 433ff BGB, bei dem der Kaufgegenstand die Lieferungs- und Leistungsforderungen des Verkäufers ist. Demnach handelt es sich also um einen Rechtskauf nach §453 BGB.8

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Funktionsweise des Factorings9

Mit dem laufenden Ankauf solcher kurz- und mittelfristigen Geldforderungen von Industrie-, Gewerbe- und Dienstleistungsunternehmen, räumt der Factor gegenüber dem Schuldner die Zahlungsziele ein und finanziert zugleich dem Klienten die entsprechenden abgetretenen Forderungsbeträge abzüglich der Factoring-Gebühr im Voraus. Dem verkaufenden Unternehmen wird dadurch ein sofortiger Geldeingang und bessere Liquidität gewährt. Wird so eine spezieller Vertrag mit der Factoring-Gesellschaft vereinbart, dann gehen auch alle Rechte und Pflichten der Forderung an den Factor über, wodurch dieser dann die Zahlungseingänge des Debitors organisiert, das Mahnwesen verantwortet und gegebenenfalls auch das Ausfallrisiko übernimmt.10

Factoring kann somit der Innenfinanzierung zugeordnet werden, da es sich um eine Umfinanzierung, genauer gesagt um eine Kapitalfreisetzung durch den Verkauf von Forderungen an den Factor handelt. Obwohl Factoring auch eine kreditähnliche Finanzierungsfunktion hat, kann man es nicht mit einem klassischen Bankkredit vergleichen. Es ist vielmehr eine vielseitige Finanzdienstleistung, zu der neben der Absicherung des Delkredererisikos auch ein effizientes Debitorenmanagement gehören kann.11

1.3 Funktionen des Factorings

Aus dem Ablauf des Factoring-Geschäftes wird deutlich, dass das Factoring eine Kombination aus Finanzierung, Versicherung und Dienstleistung ist. Diese Leistungen umfassen das übliche Factoringgeschäft, das als Full-Service- oder Komfortfactoring bezeichnet wird. Nicht immer ist der Factoring-Kunde daran interessiert, die volle Leistungspalette zu nutzen. Grundsätzlich müssen jedoch mindestens zwei der drei Funktionen eingesetzt werden, da sonst das bestehende Vertragsverhältnis zwischen Forderungsverkäufer und Forderungserwerber nicht als Factoring bezeichnet werden kann.12

1.3.1 Finanzierungsfunktion

In der Regel bietet das Factoring eine sofortige Finanzierung an. Nach dem Aufkauf der Forderungen überweist der Factor 80% - 90% des Forderungsbetrages an den Klienten, wodurch dieser dann ohne Einsatz von Eigen- oder Fremdkapital sofort Liquidität erhält und sich finanzielle Unabhängigkeit gegenüber externer Geldgeber sichert.13 Den nicht ausbezahlten Differenzbetrag behält der Factor als Sicherheitsleistung im Falle eines Forderungsausfalles seitens des Debitors, eventuellen Mängelrügen die geltend gemacht werden oder Skonti, die vom Debitor in Anspruch genommen werden.

Dieser Finanzierungseffekt bedeutet für den Factoring-Nehmer zum einen, dass er mit Zustellung der Rechnung seine Liquidität erhöht und zum anderen wird die Dauer der Kapitalbindung verkürzt.14

1.3.2 Delkrederefunktion / Versicherungsfunktion

Bei der Delkrederefunktion übernimmt der Factor mit dem Ankauf der Forderungen das volle Ausfallrisiko gegenüber dem Unternehmen.

Ein späterer Rückgriff auf den Factoring-Kunden mit Regressansprüchen bei Insolvenz oder ausbleibenden Zahlungen des Debitors kann somit ausgeschlossen werden.15

Sind Forderung nach Ablauf einer im Factoring-Vertrag festgelegten Frist nach Fälligkeit noch nicht bezahlt, tritt der Delkrederefall ein. Die Absicherung für gewonnene Aufträge und erbrachte Dienstleistungen ist dadurch gegeben, was sich langfristig für das Unternehmen auszahlt. Jedoch ist im täglichen Ablauf ein Ankaufslimit der Factoring Gesellschaft vertraglich festgelegt, welches zugleich das Versicherungslimit bei Zahlungsausfall darstellt.

1.3.3 Dienstleistungsfunktion

Als weitere Factoring-Leistung kann das Unternehmen die Dienstleistungsfunktion in Anspruch nehmen, welche gleichzeitig mehrere Komponenten umfasst. Diese ermöglicht dem Factoring-Nutzer das Debitorenmanagement, sowie Mahn- und Inkassowesen auf den Factor zu übertragen.16 Häufig werden in Klein- und Mittelbetrieben Arbeiten, wie die Zuordnung der Zahlungen und das Beobachten der offenen Forderungen noch manuell durchgeführt.17 Mit dieser Zusatzleistung werden insbesondere die Tätigkeiten in administrativen Bereich beim Factoring-Kunden entlastet, wodurch die vorher gebundenen Ressourcen und Kosten dann anderweitig sinnvoll eingesetzt werden können.

1.4 Arten des Factorings

1.4.1 Echtes Factoring / Unechtes Factoring

Das Factoringverfahren, bei dem der Factor das Delkredererisiko übernimmt, also unter der Gewährung des vollständigen Delkredereschutzes, wird als „echtes Factoring“ bezeichnet.18 Das „unechte Factoring“ hingegen wird in der Rechtsprechung und Literatur überwiegend als Darlehen angesehen, da die Abtretung der Forderung lediglich zur Sicherung des Kredits erfolgt. Der Factor erhält vertraglich das Recht, den Forderungskauf rückabzuwickeln, wenn der Debitor nicht bezahlt oder endgültig ausfällt und übernimmt somit keinerlei Ausfallschutz.19

[...]


1 Vgl. Merkel Angela, (18.07.2009), Beitrag „Die Kanzlerin direkt“, Hrsg. Bundesregierung.

2 Vgl. Secker, Joachim, (05.2018) Jahresbericht 2017, Grußwort, Deutscher Factoring Verband e.V., Seite 5.

3 Vgl. Dimler, Nick et al., (2018), Unternehmensfinanzierung im Mittelstand, Wiesbaden: Springer-Verlag, Seite 4.

4 Vgl. Europäische Kommission, (06.05.2013), Amtsblatt (2003/361/EG), Hrsg. EU-Kommission, Seite 4.

5 Vgl. Institut für Mittelstandforschung Bonn, KMU-Definition des IfM Bonn.

6 Vgl. Europäische Kommission, (2015), Benutzerleitfaden zur Definition von KMU, Hrsg. Europäische Union, Seite 11.

7 Vgl. Dimler, Nick et al, (FN 3), Seite 104.

8 Vgl. Brennecke &Partner, (11.2009), Factoring - eine Einführung.

9 Vgl. Hibler, Theo et al., (2012), Factoring von A bis Z, Wien: Linde Verlag , 2. akt. Aufl., Seite 57.

10 Vgl. Drukarczyk, Jochen, (2003), Finanzierung - Eine Einführung, Stuttgart: Lucius & Lucius Verlag, 9. Auflage, Seite 483.

11 Vgl. Fahrenschon, Georg et al., (2015), Mittelstand – Motor und Zukunft der deutschen Wirtschaft, Wiesbaden: Springer-Verlag, Seite 305.

12 Vgl. Fahrenschon, Georg et al., (FN 11), Seite 307-308.

13 Vgl. Hilse, J. et al., (2010), Praxishandbuch Firmenkundengeschäft-Factoring als Lösungsweg, 1. Aufl., Gabler Verlag, Seite 228.

14 Vgl. Wöhe, G. et al., (2013), Grundzüge der Unternehmensfinanzierung, 11.Aufl., Verlag Franz Vahlen GmbH, Seite 357.

15 Vgl. Fahrenschon, Georg et al., (FN 11), Seite 308.

16 Vgl. Factoring Mittelstandsportal, (2014), Factoring Funktionen.

17 Vgl. Hibler, Theo et al., (FN 10), Seite 48.

18 Vgl. Deutscher Factoring Verband e.V., Berlin, Factoringarten.

19 Vgl. Dimler, Nick et al, (FN 3), Seite 106.

Details

Seiten
16
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346002495
ISBN (Buch)
9783346002501
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v495229
Institution / Hochschule
DIPLOMA Fachhochschule Nordhessen; Zentrale
Note
1,3
Schlagworte
chancen risiken factorings unternehmen

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