Lade Inhalt...

Geschichtsvermittlung durch Historische Romane

Die Highland-Saga von Diana Gabaldon. Realistische Darstellung historischer Persönlichkeiten?

Hausarbeit (Hauptseminar) 2019 18 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Highland-Saga von Diana Gabaldon
2.1. Über die Autorin Diana Gabaldon
2.2. Die Quellen und Recherche der Autorin zu Hexen, Hexenprozesse und der Person Geillis Duncan
2.3. Die Darstellung von der Person Geillis Duncan im Buch Feuer und Stein

3. Historische Quellen zum Thema Hexen, Hexenverfolgung und der Person Geillis Duncan
3.1. Jakob I. Daemonologie
3.2. News From Scotland
3.3. Das 18. Jahrhundert

4. Fazit

5. Bibliographie

Anhang

1. Einleitung

Historische Romane, Serien und Filme nehmen in der modernen Gesellschaft an Popularität zu. Das bestätigt die von Jahr zu Jahr zu beobachtende Zunahme von Medien dieses Genres. Dazu gehört auch die aus mehreren Bänden bestehende Romanreihe Highland-Saga von Diana Gabaldon. Ihre Romane standen auf unzähligen Bestsellerlisten für mehrere Wochen und werden seit August 2014 als Serie unter dem Titel Outlander im Fernsehen und auch auf Streaming-Webseiten ausgestrahlt.

Wenn es um historische Romane geht, ist es aus der Sicht eines Historikers nicht nur interessant die Ereignisse, die die Geschichtswissenschaft betreffen auf ihre Authentizität zu prüfen sondern auch die Persönlichkeiten die aus der Historie bekannt sind kritisch zu betrachten. In diesem Falle wären es der Jakobitenaufstand von 1745 und historische Personen wie Charles Edward Stuart und die aus den Quellen der Hexenprozesse in North Berwick im 16. Jahrhundert bekannte Geillis Duncan. Der Faktor der Glaubwürdigkeit von historischen Ereignissen und Personen ist von Wichtigkeit wenn es um die Vermittlung dieser Informationen an Laien geht. Denn im Falle von nicht korrekter Darstellung dieser, kann es zu einer irreführenden Vermittlung der Geschichte für Personen kommen, die dem Thema fremd sind. Das hat für den Historiker zur Folge dass die Frage der Angemessenheit von historischen Romanen zur Geschichtsvermittlung an Laien entsteht.

Deshalb soll die kritische Betrachtung von der Darstellung von historischen Personen in historischen Romanen das Thema dieser Arbeit sein. Dabei soll die Darstellung von der Person Geillis Duncan auf ihre Authentizität hin detailliert besprochen und analysiert werden. Dazu soll im ersten Schritt eine kurze Zusammenfassung über die Romanreihe und Informationen über die Autorin Diana Gabaldon gegeben werden. Anschließend soll auf die Quellen der Autorin für ihre Recherche zu Geillis Duncan und den Hexenprozessen in Schottland betrachtet werden und die Darstellung dieser Anhand von verschiedenen Stellen in ihren Romanen untersucht werden. Zur weiteren Überprüfung der Übereinstimmung der fiktiven Person mit der historischen, sollen im zweiten Teil der Arbeit historische Quellen, in denen Geillis Duncan Erwähnung findet, besprochen werden. Hierzu gehören Daemonologie, News from Scotland und weitere Quellen aus dem 18. Jahrhundert. Zum Schluss sollen die Ergebnisse im Fazit vergleichend zusammengefasst werden, um daraus Antwort auf die Frage der historischen Korrektheit von historischen Personen in der Romanreihe von Diana Gabaldon und der Eignung der Romanreihe für die Geschichtsvermittlung für Laien zu finden.

2. Die Highland-Saga von Diana Gabaldon

Die Highland-Saga von Diana Gabaldon thematisiert die Zeitriese der Engländerin Claire Randall durch einen fiktiven Steinkreis, namens Craig na Dun, welcher außerhalb von Inverness liegen soll. Dort wird sie vom Jahre 1945 in das Jahr 1743 versetzt wo sie Jamie Fraser, einen Highlander, kennenlernt und sich in ihn verliebt. Zeitlich spielt der Roman also zum einen in der Mitte des 18. Jahrhunderts und zum anderen in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Wobei der Schwerpunkt auf dem ersten liegt. Wichtige Themen sind aus historischer Sicht das Schottland des 18. Jahrhunderts, der Jakobitenaufstand und im späteren Verlauf der Romanreihe der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg. Außer den wahren historischen Ereignissen welche sich in den Romanen vorfinden, begegnet der Leser 46 echten historischen Personen.[1] Zu diesen zählen der Thronprätendent Charles Edward Stuart und die aus der Hexenverfolgung in North Berwick bekannte Geillis Duncan. Zu der Echtheit dieses Charakters äußert sich Diana Gabaldon folgendermaßen:

„Are any of the fictional characters based on real historical figures?

There’s a "real" female witch (late 16th century) named Geilis Duncane in Daemonologie, a treatise on witches by King James of Scotland (later James I of England….)–the book is about the trial of a coven of witches whom James believed tried to assassinate him via black magic. (You know how women are always teaming up with the devil to do things like that…). I figured anybody up on Scottish witchcraft would know the name, and for anyone who wasn’t, it didn’t matter.

It is, of course, not the OUTLANDER witch’s real name–we meet her in DRAGONFLY under (what we suppose is) her original name of Gillian–she took Geillis deliberately as a name, because of the original, whom she of course was familiar with, owing to her researches into witchcraft.“[2]

Das bedeutet, dass es sich bei der Romanfigur Geillis Duncan um eine Person handelt, welche die Identität der echten Geillis Duncan aus dem 16. Jahrhundert übernommen haben soll. Somit ist die Geillis Duncan von der Romanreihe kein echter historischer Charakter wie der bereits erwähnte Charles Edward Stuart, sondern nur ein Charakter der auf einer historische Person basiert.

Dennoch erweist sich der Einsatz dieser Figur als interessant für den Historiker und der Historikerin, da durch sie das Thema der Hexerei aufgegriffen wird und die Einordnung dieses Themas in das 18. Jahrhundert problematisch erscheint. Auf die Romanfigur Geillis Duncan und der Problematik der Hexerei im 18. Jahrhundert soll im späteren Verlauf des Arbeit eingegangen werden.

2.1. Über die Autorin Diana Gabaldon

Dieser Abschnitt soll den akademischen und familiären Hintergrund der Autorin behandeln. Diese Informationen sind obligatorisch, um bei der Zusammenfassung des Gesamtergebnisses im Fazit, ein politisches Fazit zur Art und Weise der Darstellung der historischen Person Geillis Duncan und dem Grund für die gewählte Darstellung zu ziehen.

Die US-amerikanische Autorin Diana Gabaldon wurde am 11. Januar 1952 in Arizona geboren und wuchs dort in der Stadt Flagstaff auf.[3] Sie studierte Zoologie und Meeresbiologie und promovierte im Bereich Qualitative Verhaltensökologie an der Northern Arizona University.[4] Danach nahm sie Stellen an der University of Pennsylvania und der UCLA an.[5] Neben diesen Beschäftigungen schrieb sie für einen Zeitraum von eins bis zwei Jahren Comic Bücher für Walt Disney, bis sie die Professur an der Arizona State University für 12 Jahre antrat.[6] Nach dem Ende Ihres Vertrags an der Universität, beschloss sie statt einer Verlängerung Ihres Vertrages, sich auf Ihre Romane zu konzentrieren.[7]

Außer ihrem akademischen Hintergrund ist eine weitere wichtige Information zu der Person der Autorin im Zusammenhang mit dieser Arbeit zu besprechen: ihr Familiärer Hintergrund. Die ehemalige Professorin und Bestseller Autorin hat zum einen mexikanisch-amerikanische Vorfahren und zum anderen englische Vorfahren.[8]

2.2. Die Quellen und Recherche der Autorin zu Hexen, Hexenprozesse und der Person Geillis Duncan

Zu der Frage ob sie jemals in Schottland gewesen sei antwortete die Autorin im Q&A Teil ihrer offiziellen Webseite, dass sie erst nachdem sie ihr erstes Buch der Reihe geschrieben hat, zum ersten mal nach Schottland gereist wäre und das Buch mit bloßer Bibliotheksrecherche geschrieben hätte.[9] Deshalb soll in diesem Teil der Arbeit die Recherche, die von der Autorin genutzten Quellen und auch die zu weitere Informationen eingesetzte Sekundärliteratur kritisch betrachtet werden.

In ihren Begleitbüchern zu den Romanen, The Outlandish Companion Volume 1 und The Outlandish Companion Volume 2, stellt die Autorin eine ausführliche Bibliographie, welche sie in verschiedene Themenbereiche sortiert hat, für ihre Leserinnen und Leser zur Verfügung.[10] Außerdem konnte durch eine Emailanfrage in Erfahrung gebracht werden, dass Diana Gabaldon ihre Bibliothek auf der Webseite librarything.com für interessierte Personen anbietet.[11]

Beim Anschauen der Bibliographie wird deutlich, dass die Autorin Gebrauch von verschiedenen Genres für ihre Recherche zur Hexerei genutzt hat. Sie nutzte unter anderem historische Überblickswerke zum Thema Hexerei und Hexerei in Schottland, Sachbücher zum Thema Magie, Kräuterkunde und Okkultismus[12] und nennt auf ihrer Webseite das von Jakob I. verfasste Werk Daemonologie als Quelle[13]. Diese ist somit auch die einzige Primärquelle zur Hexerei und der historischen Persönlichkeit Geillis Duncan, die von der Autorin genutzt wurde.

Beim genaueren auseinandersetzen mit den Quellen und der Literatur der Autorin zur Recherche des in dieser Arbeit behandelten Themas wird deutlich, dass der Schwerpunkt der genutzten Literatur mehr bei Sachbüchern als bei historischen Quellen und Literatur liegt. In wie weit das Auswirkungen auf die Qualität und Echtheit der Darstellungen im Roman hat, soll nach einer detaillierten Analyse der Quellen zum Thema Hexerei aus dem 16. und dem 18. Jahrhundert im späteren Teil der Arbeit diskutiert werden.

2.3. Die Darstellung von der Person Geillis Duncan im Buch Feuer und Stein

Dieser Abschnitt soll sich mit der Darstellung der Person Geillis Duncan im ersten Buch, Feuer und Stein, der Highland-Saga beschäftigen. Der Leser lernt den Charakter Geillis Duncan durch Claire’s erster Begegnung mit ihr, als die Ehefrau von Arthur Duncan, dem Staatsanwalt des Dorfes Cranesmuir, und einer mutmaßlichen Hexe, kennen. Geillis warnt Claire vom pflücken eines giftigen Pilzes und sie beginnen ein Gespräch über die Abtreibung von ungewollten Kindern durch Pflanzenkunde.

„>>Wissen Sie auch, dass diese …<< S ie bückte sich und richtete sich mit einer Handvoll kleiner blauer Blumen mit herzförmigen Blättern auf- >>Blutungen bewirken?<< (…) >> Warum sollte jemand Blutungen bewirken wollen?<< (…) >>Zum Beispiel um ein unerwünschtes Kind loszuwerden<< (…) >>Die Mädchen aus dem Dorf kommen hin und wieder wegen solcher Dinge zu mir (…) Die Leute behaupten ich sei eine Hexe. (…) Aber mein Mann ist Prokurator deswegen behaupten sie’s nicht zu laut.“[14]

Im weiteren Verlauf geratet Geillis Duncan mit Claire, die zufällig bei Geillis zu Besuch gewesen ist, aufgrund der Aussage einer jungen Frau, dass sie durch die Hilfe von Geillis Duncan ein unerwünschtes Kind abgetrieben hätte, in einen Hexenprozess.[15] Hier erfährt der Leser, dass Geillis ein Kind von Dougal MacKenzie, dem Oberhaupt des Mackenzie Clans, erwartete und deswegen ihren Ehemann Arthur Duncan vergiftet hat.[16] Am nächsten Tag trifft ein kirchliches Untersuchungskomitee ein. Es wird vorgelesen weswegen die beiden Frauen schuldig sein sollen:

„…wird der Beschuldigungen zu Last gelegt, mittels Hexerei den Tod von Arthur Duncan verursacht zu haben, den Tod des ungeborenen Kindes von Janet Robinson herbeigeführt zu haben, das Schiff von Thomas MacKenzie zum Kentern gebracht zu haben.“[17]

Geillis bekennt sich bei einem weiteren Gerichtsverfahren eine Hexe zu sein und dass Claire, die auch der Hexerei beschuldigt wird, keine ist und hilft somit dem entkommen von Claire vor einer Hinrichtung.

„>>Diese Frau ist keine Hexe<<, sagte sie schlicht. >>Aber ich bin eine.<< (…) >>Ich, Geillis Duncan, gestehe, daß ich eine Hexe und Satans Braut bin.<<“[18]

Später erfährt man, dass Geillis Duncan nach der Geburt ihres Kindes als Hexe verbrannt wurde.[19]

In den nächsten Büchern der Reihe stellt sich heraus, dass Geillis Duncan noch am Leben ist. Sie soll ebenso wie Claire eine Zeitreisende sein und den eigentlichen Namen Gillian Edgars haben. Dougal Mackenzie soll ihr beim Entkommen geholfen haben, indem er die Leiche einer älteren Frau als die ihre verbrannte und somit zu ihrer Flucht nach Frankreich verhalf.

3. Historische Quellen zum Thema Hexen, Hexenverfolgung und der Person Geillis Duncan

Nachdem im ersten Teil der Arbeit eine generelle Einführung zu der Romanreihe, dem akademischen und familiären Hintergrund der Autorin, der Recherche zum Thema Hexen und der Person Geillis Duncan und zuletzt der Darstellung dieser Person in den Romanen gegeben wurde, soll sich dieser Teil der Arbeit, zum Abgleichen der fiktiven Person mit der historischen Person, mit historischen Quellen und Traktaten aus historischen Quellen aus dem 16. und dem 18. Jahrhundert auseinandersetzen:

[...]


[1] Gabaldon, Diana: The Outlandisch Companion Volume 1. S. 387

[2] Gabaldon, Diana: FAQ: About the Characters, http://www.dianagabaldon.com/resources/faq/faq-about-the-characters/ , Zugriff am 12.02.19.

[3] Gabaldon: The Outlandish Companion , S.375

[4] Gabaldon: The Outlandish Companion , S.376

[5] ebd.

[6] ebd.

[7] ebd.

[8] Gabaldon: The Outlandish Companion, S.375

[9] Gabaldon, Diana: About Diana, http://www.dianagabaldon.com/resources/faq/faq-about-diana/, Zugriff am 12.02.19

[10] Anhang 1

[11] Anhang 2

[12] Anhang 1

[13] Gabaldon, Diana: FAQ: About the Characters, http://www.dianagabaldon.com/resources/faq/faq-about-the-characters/ , Zugriff am 12.02.19.

[14] Gabaldon, Diana: Feuer und Stein. München 191998. S. 161

[15] DuPlessis, Nicole M.: Men, Women and Birth Control in the Early Outlander Books., in: Valerie Estelle Frankel (Hg.), Outlander’s Sassenachs. Essays on Gender, Race, Orientation and the other in the Novels and Television Series, Not Carolina 2016, S.82-96. S.86

[16] Gabaldon: Feuer und Stein, S.493f.

[17] Gabaldon: Feuer und Stein, S.499

[18] Gabaldon: Feuer und Stein, S.514

[19] Gabaldon: Feuer und Stein, S.645

Details

Seiten
18
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346023261
ISBN (Buch)
9783346023278
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v495887
Institution / Hochschule
Bergische Universität Wuppertal – Geistes- und Kulturwissenschaften
Note
2,7
Schlagworte
Outlander Diana Gabaldon historische Romane Adaption historische Adaption Didaktik

Autor

Zurück

Titel: Geschichtsvermittlung durch Historische Romane