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Möglichkeiten pädagogischer Einwirkungen auf die Schüler der 3. Jahrgangsstufe - Schüler gestalten im Rahmen des Schulfestes eine Oscarverleihung

Examensarbeit 2006 60 Seiten

Pädagogik - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Terminologie
2.1 Fest und Feier
2.2 Schulleben
2.3 Fest und Feier als Teil des Schullebens
2.4 Welche Aktivitäten umfasst der Begriff „Schulleben”?

3 Begründung eines pädagogisch gestalteten Schullebens
3.1 Begründungen durch Veränderungen in der Gesellschaft
3.2 Begründung durch die Aussagen des bayerischen Lehrplans für die Grundschulen 2000
3.3 Pädagogische Begründung

4 Vorüberlegungen zum Thema
4.1 Entwicklungspsychologische Voraussetzungen
4.2 Klassenspezifische Situationen
4.3 Ziele und Aufgaben

5 Durchführung
5.1 Planung und Vorbereitung
5.1.1 Bewusstmachen des Anlasses
5.1.2 Welche Möglichkeiten haben wir für unsere Aufführung?
5.2 Erstellen des Rahmenprogramms für das Schulfest
5.3 Gemeinsames, schülerorientiertes Vorbereiten der Aufführung
5.3.1 Ernstnehmen der eigenen Ideen der Kinder bei der Erstellung eines Konzepts für unsere Aufführung
5.3.2 Verteilen der Rollen
5.3.3 Fächerübergreifendes Arbeiten bei der Erstellung des Bühnenbildes und der Requisiten
5.4 Proben für die Aufführung
5.4.1 Einbeziehung der Kollegen
5.4.2 Ablauf der Proben
5.5 Aufführung am Schulfest

6 Reflexion

Literaturverzeichnis

Anhang

1 Einleitung

„And the Oscar goes to …!“

Der Academy Avard of Merit, als Oscar bekannt, ist der bedeutendste US- amerikanische Filmpreis. Er wir jährlich von der Academy of Motion Picture Arts and Sciences (AMPAS) für die besten Filme des vergangenen Jahres verliehen. Im Jahre 1927 rief Louis B. Mayer, der damalige Präsidenten der MGM Studios diese Auszeichnung ins Leben. Sie wird jedes Jahr in einer großen Zeremonie in derzeit über 30 Kategorien, in Form einer 34 cm hohen Statue verliehen. Die Plastik stellt einen Ritter mit einem Schwert auf einer Filmrolle dar. Die nächste, 78. Oscarverleihung wird am 5. März 2006 im Kodak Theatre in Hollywood (Kalifornien) stattfinden.[1]

Eben diese berühmte, jährlich stattfindende Veranstaltung wurde von den Schülern der 3. Jahrgangsstufen als Thema für die Aufführung auf dem Schulfest bestimmt. Nach eigenen Angaben der Kinder, hatten viele schon länger den heimlichen Wunsch, einmal in die Rolle eines berühmten Stars zu schlüpfen. Die Motivation und Vorfreude auf die Aufführung am Schulfest war bei allen Kindern ersichtlich. Aber ist es neben Spannung und Spaß die vermittelt werden, auch möglich in anderer Hinsicht pädagogisch auf die Schüler einzuwirken? Ziel dieser Arbeit ist es, anhand der Aufführung der Oscarverleihung am Schulfest als Beitrag zum Schulleben aufzuzeigen, wie pädagogisch auf die Kinder eingewirkt und somit ein förderlicher Beitrag zum Schulleben geleistet werden kann. Interessant und zudem gut zu beobachten und zu dokumentieren sind hierbei vor allem die sozialen Beziehungen der Schüler untereinander.

Nachdem die Begriffe definiert und voneinander abgegrenzt wurden, die für die Arbeit bedeutsam sind, wird im theoretischen Teil zunächst eine ausführliche Begründung der Thematik aus mehreren Perspektiven gegeben. In den daran anschließenden Vorüberlegungen, werden entwicklungspsychologische, sowie klassenspezifische Voraussetzungen der Schüler besprochen und Ziele und Aufgaben definiert. Anschließend erfolgt eine Darlegung der Durchführung. Zunächst werden Planung und Vorbereitung, sowie die Erstellung des Rahmenprogramms für das Schulfest aufgeführt. Ausführlich wird danach die gemeinsame, schülerorientierte Vorbereitung der Aufführung, die Probearbeiten und schließlich die Aufführung am Schulfest erörtert. Die abschließende Reflexion rundet die Arbeit ab.

2 Terminologie

Im Folgenden werden die Begriffe definiert, voneinander abgegrenzt und anschaulich erläutert, die zur Erarbeitung des Themas von Bedeutung sind.

2.1 Fest und Feier

Die Begriffe Fest und Feier werden im alltäglichen Sprachgebrauch oft synonym verwendet. Streng genommen unterscheiden sie sich jedoch voneinander. Bei einem Fest steht das „freudig-überschäumende“ im Vordergrund, bei der Feier dagegen bildet „das Besinnliche“ den Mittelpunkt.

So ist das Fest vor allem durch irdische, weltliche Freude gekennzeichnet, es ist unterhaltsam, locker im Aufbau und Ablauf und es soll auch Freiraum für Kreativität und Ausgelassenheit bieten. Das zentrale Thema, sowie ein inhaltlicher und gestalterischer Rahmen werden bewusst geplant und leiten die Teilnehmer während des gesamten Zeitraumes durch die Veranstaltung.[2]

Im Gegensatz dazu ist die Feier von einem Leitgedanken und einem Anlass, wie z.B. einem Geburtstag, einem Totengedenken, der Adventszeit o.ä. getragen. Der inhaltliche und gedankliche Rahmen wird somit nicht vom Menschen als Veranstalter selbst, sondern vielmehr vom zu Grunde liegenden Ereignis bestimmt. Die Feier verlangt vom Einzelnen eine nach innen gerichtete Teilnahme. Es bleibt weniger Raum für Freiheit und Kreativität als dies bei Festen der Fall ist. Ruhe, Würde und Besinnlichkeit diktieren den äußeren Rahmen.[3]

Trotz aller hier gezeigten Unterschiede im Inhalt der beiden Begriffe, arbeiten Bartl A./Bartl M. (1988) dennoch zwei wichtige Gemeinsamkeiten heraus. Ebenso wie Feste, bieten auch Feiern dem jeweiligen Teilnehmer die Möglichkeit aus dem Alltag herauszutreten und eine bleibende Erinnerung in das weitere Leben mitzunehmen. Sie gliedern den Jahreslauf, stellen Höhepunkte im Alltag dar und ermöglichen einen Rück- und einen Ausblick auf die Vergangenheit und auf zukünftige Geschehnisse.[4]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bartl/ Bartl, München, 1988, S.10

Feste und Feiern sind damit auch in der Schule ein pädagogisch äußerst wertvolles Mittel, Vertrauen und Vertrautheit bei Schülern zu wecken und so bestehende Bindungen zu schulischen Veranstaltungen zu festigen oder solche Bindungen entstehen zu lassen. Gerade solche Aktivitäten, die positiv vom Schüler wahrgenommen werden, können durch entsprechende Steuerung positive Effekte auf den schulischen Alltag und Unterricht entfalten.

In der Schule sind in Form von Schul- oder Sportfesten, sowie Sommerfesten oder anderen unter einem bestimmten Motto stehenden Festveranstaltungen sowohl Feste, als auch Feiern zu verschiedenen Anlässen zu finden. Ein feierlicher Charakter wird zumeist in einem kleineren Rahmen, wie z.B. einer Geburtstags-, einer Osterfeier oder in einer Adventsbesinnung stattfinden.

Veranstaltungen beider Art können das Schulleben (vgl. 2.3) der jeweiligen Schule erheblich bereichern.

2.2 Schulleben

Schulleben ist ein Schlüsselbegriff aus der Reformpädagogik, der kritisch gegen die Verengung der Schule auf mehr oder minder rigiden Unterricht gewendet ist. Schulleben umfasst alle Maßnahmen, die geeignet sind, die Lebensferne der Schule als Institution der Wissensvermittlung zu überwinden, die Einheit von Erziehung und Unterricht herzustellen und die Schule zu einem kindgemäßen Lernort zu gestalten, in dem emotionales und ästhetisches Lernen nicht zu kurz kommen.[5]

Schon seit dem alten Lehrplan für die Grundschulen aus dem Jahr 1981 ist Schulleben wieder ein zentrales Thema des Erziehungsauftrages, den die Schule zu verfolgen hat; Schule ist nicht nur Unterrichtsanstalt, sondern auch Erziehungseinrichtung (vgl. Präambel LP 1981). Dieser Gedanke wird im neuen bayerischen Grundschullehrplan 2000 fortgeführt und erweitert (vgl. Kapitel I: Grundlagen und Leitlinien 3.1).[6]

Die Schlussfolgerung, die sich daraus für die Lehrkraft ergibt, muss also lauten, dass über den Unterricht als Instrument der reinen Wissensvermittlung hinaus, weitere Möglichkeiten zu schaffen und deren kontinuierliche Verankerung im Gesamterlebnis Schule zu fördern sind, damit die Schule ihrem gesetzlich kodifizierten Erziehungsauftrag vollumgänglich erfüllen kann.

2.3 Fest und Feier als Teil des Schullebens

Als Teil des Schullebens tragen Feste und Feiern zu einer Verbindung schulischen und außerschulischen Lernens bei. Die Vorbereitung dieser Veranstaltungen schafft durch die Notwendigkeit projekt- und teamorientierter Arbeitsweisen bei gleichzeitiger Freiheit in der Wahl der fachlichen Orientierung für jeden einzelnen Schüler die Möglichkeit, sich entsprechend seiner Interessen und besonderen Fähigkeiten in das Gruppenerlebnis der eigenständigen Gestaltung einzubringen. Der Lehrkraft obliegen in dieser Situation vor allem die Überwachung und die bewusst und gezielt aus dem Hintergrund gegebene Steuerung der Aktivitäten jeder einzelnen Gruppe. Durch die Verbindung der als eigeninitiativ empfundenen Gestaltung eines außerschulischen Erlebnisses in der Schule als Teil des Unterrichtes mit der Vermittlung lehrplanrelevanter Sachverhalte, ergeben sich für die Schüler völlig neue Sichtweisen auf die Schule als Ort des Lebens und Erlebens. Vorhandene Berührungsängste können abgebaut und Erfolgserlebnisse durch den Einsatz pädagogischer Mittel auf den Schulalltag übertragen werden. Der in der Fachliteratur als „Teufelskreis der Schulunlust“ bezeichnete Effekt, dass Misserfolge zu einer „ich-kann-es-sowieso-nicht“- Einstellung beim Schüler und damit zu weiteren Misserfolgen und der Bestätigung der getroffenen Eigeneinschätzung führen, kann im Rahmen eines solchen Projektes leicht durchbrochen werden, es können darüber hinaus sogar Impulse zur Revidierung der Eigeneinschätzung gegeben werden. Das Erlebnis, in einer Disziplin besser zu sein, als ein anderes Kind wirkt über die Vorbereitung in der Gruppe hinaus und hinein in den Schulalltag.[7]

Daneben wird im Rahmen der Vorbereitung bei den Schülern ein breites Spektrum intellektueller Fähigkeiten und sozialer Kompetenzen angesprochen. Zu nennen sind hier vor allem die Förderung von Kreativität sowie musischen und instrumentellen Fähigkeiten im Rahmen eines sozialen und emotionalen Lernens.[8]

Zusammengefasst lässt sich feststellen, dass sich immer mehr schulische Vorhaben um die „(...) Verwirklichung einer dem menschlichen Leben gemäßen und humanes Leben fördernden Schule, die sich durch Lebendigkeit und Lebensnähe auszeichnet, in der Lebensernst und Lebensfülle zur Geltung kommen, in der ein soziales und bejahenswertes Leben möglich ist.” bemühen.[9]

Diese Beschreibung ist die Definition für den Begriff „Schulleben” von E. Weber (1979) und bedeutet, dass alle Planer eines außerunterrichtlichen Vorhabens in einer bewussten Gestaltung des Schullebens versuchen, die Schüler stärker für die Institution Schule und deren Ziele zu gewinnen.

2.4 Welche Aktivitäten umfasst der Begriff „Schulleben”?

Sind es wirklich nur große Aktivitäten, Feste und Projekte? Wer hätte neben all den anderen schulischen Anforderungen noch die Kraft zu solchen Großaktionen? Die Antwort auf diese Frage findet man, wenn man in die Schulen hineinblickt. Ein fruchtbares, positives Schulleben beginnt schon im Kleinen, z.B. im Umgang zwischen Lehrern und Schülern und im Umgang der Schüler untereinander. Laut Definition von E. Weber (1979) ist es wichtig, dass die Schule „humanes Leben fördert”. Dazu gehört z.B. die Schüler ernst zu nehmen, ihnen Verständnis entgegen zu bringen, manche kleinere „Entgleisungen” mit Humor zu nehmen, Vertrauen zu schaffen.[10] Hierbei spielt es keine Rolle, ob dies im Rahmen einer Unterrichtsstunde oder eines groß angelegten Projektes geschieht.

Keck (2001) fasst den theoretisch- systematischen Hintergrund des Schullebens in vier Säulen zusammen: Die erste Säule begründet die Einheit von Erziehung und Unterricht in der Schule als ein in allen Dimensionen verantworteter Raum (Schulrituale, Gewohnheiten, unterrichtsübergreifende Veranstaltungen, emotionales Wohlbefinden, etc.). Das Selbstverständnis der Schule als Lebenswelt des Kindes (Freizonen und –zeiten, Raum für Selbsttätigkeit, etc.) bildet die zweite Säule des Schullebens. Die dritte Säule zur Fundierung des Schullebens versteht Schule als Lernort im Netzwerk von Lernorten (originale Begegnung, außerschulische Lernorte, heimatlicher Nahraum, etc.). Durch die Herstellung einer erzieherischen Kontinuität zwischen Elternhaus und Schule (Hausaufgabenpraxis, Schullaufbahnberatung, schulergänzende Aktivitäten von Eltern im Sinne einer „Schulgemeinde“, etc.) wird die vierte Säule definiert.[11]

Auch Regelein (1997) macht einen Versuch, das Schulleben zu gliedern und arbeitet dabei folgende vier Bereiche heraus:

- Das Miteinander der Klassengemeinschaft im Alltag
- Die Offenheit der Schule: Einerseits durch das Aufsuchen außerschulischer Lernorte (Ausflüge, Unterrichtsgänge, Theater- und Museumsbesuche, Schullandheimaufenthalte etc.), andererseits durch das Einbeziehen von schulfremden Personen (Experten, Eltern etc.) öffnet sich die Schule dem Leben und ermöglicht dadurch das Lernen durch die originale Begegnung.
- Projekte: z.B. Wettbewerbe, Sport- und Musikveranstaltungen, Ausstellungen, Theateraufführungen, Durchführen einer Lese- oder Kunstnacht u.v.a.m.
- Feste und Feiern als Glanzpunkte[12]

Keck (2001) und Regelein (1997) definieren die Aufgaben des Schullebens sehr ähnlich. Beiden ist zunächst eine gute Klassengemeinschaft wichtig, auf die dann weitgreifender, auf die gesamte Schule bezogen, aufgebaut werden kann. Damit die Schule als Lernort und Lebenswelt der Kinder gelten kann, ist die Offenheit der Schule bedeutsam. Ein Hinaustreten aus dem Klassenzimmer durch Unterrichts-gänge u.a., sowie das Hereinholen schulfremder Kompetenzen, ermöglicht das Lernen durch originale Begegnung. Keck betont in diesem Zusammenhang auch die Förderung der Selbsttätigkeit der Kinder, ebenso wie die Zusammenarbeit mit dem Elternhaus. Ich stimme Regelein zu, die als absoluten Höhepunkt eines gelungenen Schullebens Feste und Feiern, zunächst im Klassenverband, später in der gesamten Schule, betont.

3 Begründung eines pädagogisch gestalteten Schullebens

Für die Begründung eines pädagogisch gestalteten Schullebens und der damit verbundenen Chance pädagogisch auf die Schüler der 3. Jahrgangsstufe einzuwirken, stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung. Diejenigen Perspektiven, die im vorliegenden Fall relevant sind, werden in den folgenden Abschnitten erläutert.

3.1 Begründungen durch Veränderungen in der Gesellschaft

Das Schulleben übernimmt in der heutigen Zeit auch eine psychohygienische Funktion. Verschiedene, insbesondere familiäre Entwicklungen innerhalb der Gesellschaft, entfalten vielseitige Auswirkungen auf unsere Kinder. Seit den 1980er Jahren werden sie mit den Schlagwörtern „Kindheit im Wandel“ oder „Veränderte Kindheit“ ausgedrückt. Diese Veränderungen sind von erheblicher Bedeutung.[13]

Im Folgenden werden nun die wesentlichen Bereiche dieser „Kindheit im Wandel“ aufgeführt:

1. Veränderte Familienstrukturen: Die Funktionen der Familie als Ort der Geborgenheit und des sozialen Lebens an dem Normen und Werthaltungen eingeübt werden, sind heute häufig durch strukturelle Veränderungen beeinträchtigt. Neben der traditionellen Familienform von erwerbstätigen Vater, der den Haushalt führenden Mutter und Kind bzw. Kindern sind zunehmend die Ein–Eltern–Familien mit alleinerziehender Mutter oder alleinerziehendem Vater, nichteheliche Lebensgemeinschaften mit und ohne Kinder, sowie so genannte „Patchworkfamilien“ verbreitet, bei der beide Partner Kinder in eine neue Beziehung einbringen und als Paar ggf. ein gemeinsames Kind haben. Die Berufstätigkeit beider Elternteile kann zudem dazu führen, dass die Kinder zu wenige soziale Kontakte in der Familie erfahren. Die Schule bietet insbesondere mit dem Schulleben einen Raum, in dem dieses Defizit ausgeglichen werden kann. Ihr kommt somit eine wichtige Kompensationsfunktion zu.[14]

2. Verändertes Freizeitverhalten: Aufgrund des steigenden Verkehrsaufkommens in den letzten 35 Jahren, wurden Kinder weitgehend aus dem öffentlichen Raum verdrängt und auf speziell errichtete Spielplätze ausgesondert. Die Kinder ziehen sich zum Spielen außerdem immer mehr ins eigene Kinderzimmer zurück („Verhäuslichung der Spieltätigkeit“). Zudem ist ein starker Anstieg des Fernseh- und Computerkonsums zu beobachten, was wiederum zur Abnahme von sozialen Aktivitäten führen kann. Darüber hinaus besteht die Gefahr von Defiziten in der sprachlichen Entwicklung, dem Auftreten von Konzentrationsstörungen oder Störungen der Grob- und Feinmotorik, sowie von Haltungsschäden. Ferner ist der Alltag und die Freizeit der Kinder zunehmend durch feste Aktivitäten wie beispielsweise Ballet, Musikunterricht o.ä. verplant, was dazu führt, dass sich die Kinder nicht mehr einfach so im Freien treffen, sondern feste Verabredungen einhalten müssen. Oft ist ein Transport zum Spielpartner durch die Eltern nötig. Das Schulleben erlangt damit kompensatorische Funktion im Sinne der präventiven Psychohygiene.[15]

3. Leitbilder und Wertewandel: Als führendes Zeichen der Gegenwart lässt sich die nachhaltige Veränderung von vertrauten Verhaltensweisen, Denk- und Orientierungsmustern sowie das allmähliche Verschwinden traditioneller Werte bezeichnen. Eltern lassen ihren Kindern zumeist mehr Freiheiten und Raum zur Selbstentfaltung. Das Schulleben bietet viele Möglichkeiten zur Erprobung wertorientierten Denkens, Fühlens und Handelns.[16]

Die Grundschule muss sich auf diese Veränderungen einstellen, mit entsprechenden, daraus resultierenden Folgen in den einzelnen Lern- und Erziehungsbereichen rechnen und selbst lernen, damit umzugehen.[17]

Gerade im Bereich des Schullebens können viele Defizite, die durch die veränderten Bedingungen in unserer Gesellschaft aufkommen, kompensiert werden.

3.2 Begründung durch die Aussagen des bayerischen Lehrplans für die Grundschulen 2000

Der Erziehungsauftrag für die Grundschule findet sich in der Präambel, den Grundlagen und Leitlinien, den fächerübergreifenden Bildungs- und Erziehungsaufgaben sowie in den Fachprofilen der einzelnen Fachlehrpläne.

Im Kapitel I werden im Punkt 3: „Grundschule als gemeinsame pädagogische Aufgabe“, explizite Aussagen zum Schulleben getroffen:

„Eine von allen Mitgliedern der Schule gestaltete und getragene Schulkultur unterstützt die Identifikation mit der Schule. Eine offene und vielfältige Schulkultur wirkt sich positiv auf die Qualität von Erziehung und Unterricht sowie auf das gesamte Erscheinungsbild der Schule aus...“[18]

Die Grundschule ist also nicht nur Lernort für Schüler und Lehrer, sondern ebenso Lebensraum und Raum zur persönlichen Entfaltung für den Schüler.

„Feiern, Schulgottesdienste, religiöse Einkehrtage, Wanderungen, Aufenthalte in Schullandheimen, Aufführungen, Ausstellungen, sportliche Veranstaltungen u.a. bereichern das Schulleben ... In einer so gestalteten Grundschule können die Schüler lernen, Verantwortung zu übernehmen und gemeinsame Entscheidungen zu treffen.“[19]

Die Aussagen des Lehrplans unterstützen also erneut die Annahme, dass ein gut gestaltetes Schulleben, sowohl innerhalb der Klassengemeinschaft, als auch klassenübergreifend die ganze Schule betreffend, einen durchwegs positiven Effekt auf das Lernklima und die Motivation der Schüler haben kann.

3.3 Pädagogische Begründung

Viele Festanlässe des Jahreskreislaufes und auch solche des Kirchenjahres sind den Kindern heutzutage nicht mehr bewusst und werden ihnen oft im Elternhaus auch nicht mehr bewusst gemacht. Feste und Feiern als herausragende Erlebnisse des Alltages tragen die Motivation zum persönlichen Engagement in sich selbst und dienen zugleich der wesentlichen existentiellen Erfahrung und der Rhythmisierung der Zeit. Nicht- Gewusstes oder in Vergessenheit geratenes vergegenwärtigen, Gefühle zu differenzieren und diese zu artikulieren zählen zu einer wichtigen Aufgabe in der Grundschule.

Gelingt es dem Lehrer, den Kindern den Anlass der Festlichkeit lebendig und anschaulich vor Augen zu führen, so werden die Kinder sich auch gern bei der Planung beteiligen und engagiert bei Vorbereitungen oder Probearbeiten für etwaige Aufführungen mitwirken.[20]

Wenn die Schule mit Selbstbewusstsein ihrem erzieherischen Auftrag nachkommen will, muss die pädagogische Leitlinie darauf bauen, dass die formenden Kräfte des Schullebens das allgemeine Leben positiv beeinflussen. Somit kann (und darf) pädagogisch gestaltetes Schulleben nie „Abbild des Lebens“ sein, es ist vielmehr an Zielvorstellungen gebunden und seine Qualität wird an deren Einhaltung gemessen. E. Weber (1979) spricht in diesem Zusammenhang von „moralischer Mündigkeit“ und „demokratischem Ethos“.[21]

Innerhalb der schulpädagogischen Diskussion um Geschichte und Definitionen von Schulleben hat die grundschulpädagogische Sichtweise einen gesonderten Stellenwert, weil gerade in der Grundschule besonders günstige Rahmenbedingungen gegeben sind: Klassenlehrersystem, festes Klassenzimmer, Möglichkeit relativ flexibler Zeiteinteilung innerhalb der vorgegebenen Unterrichtszeit, kein strikter 45 – Minuten – Rhythmus u.v.a.m.[22]

Nicht nur der bekannte Regelunterricht, sondern die gesamte Schulzeit entscheidet darüber, ob ein Kind die Schule als angenehme Lernstätte empfindet und mit positiver Erinnerung und angereichertem Wissen erfolgreich beendet. Aus diesem Grund ist eine angemessene Formgebung dieser Institution, mit der Vermittlung von Tradition, eines Wohlgefühles und der weitgehend offenen Gestaltung aller Abläufe wichtige Grundvorrausetzung für den Erfolg bei Schülern, sowie das Gelingen und die Zufriedenheit auf Seiten der Lehrer und Eltern.

Schulfeiern und Klassenfeste sind als Bestandteil der anzustrebenden Schulkultur folglich ein zentrales Anliegen der Grundschule: „Eine von allen Mitgliedern der Schule gestaltete und getragene Schulkultur unterstützt die Identifikation mit der Schule. Eine offene und vielfältige Schulkultur wirkt sich positiv auf die Qualität von Erziehung und Unterricht sowie auf das gesamte Erscheinungsbild der Schule aus.“[23]

Durch das Organisieren und Mitgestalten von Feiern und Festen erfahren die Schüler, dass sie in der Gemeinschaft aufgenommen sind. So können sie ein Gefühl der Zusammengehörigkeit entwickeln und zunehmend Verantwortung für sich und auch für Mitschüler übernehmen.[24]

Es werden grundsätzlich zwei Formen des Schullebens unterschieden. Institutionsübergreifende Aktivitäten, wie z.B. Einschulungsfest, Patenschaft für Erstklässler, Projektwoche, Sportfest, Tag der „Offenen Tür“, Wandertag, Faschingsfeier, Martinsumzug, Basar, Autorenlesungen, Schulfest/ Sommerfest u.a. und Feste im Klassenverband, z.B. Klassenfahrt, Theaterspiel, Radfahren im Realverkehr, Bastelnachmittag, Lesenacht, Tagesausflüge, Unterrichtsgänge u.a.

Mit der Organisation von Schulfesten für Schüler, Eltern und alle Bürger des Ortes hat die Schule die Möglichkeit, an die Öffentlichkeit heran zu treten und sich als ein wichtiger und lebendiger Teil dieser darzustellen. So werden auch die Eltern mit einbezogen und nehmen am Schulleben teil. Häufig helfen sie mit großem Engagement bei der Vorbereitung von Festen oder Feiern mit, wenn sie die Gelegenheit dazu erhalten. Ein Schulfest gibt zudem Gelegenheit zum ungezwungenen Austausch zwischen Eltern (auch untereinander), Lehrern, Schülern und anderen Mitgliedern der Gemeinde.[25]

Der normale Schulbetrieb veranlasst nur wenig Möglichkeiten echten Handelns. Im Rahmen des Schulfestes überwiegt die emotionale Komponente stark. Kreativität und Fantasie der Kinder wird angeregt. Vor allem der musische und ästhetische Lernbereich wird stark betont. Feste und Feiern im Klassenverband, bzw. in der Schule, sollten so konzipiert sein, dass sie dem vielfältigen Spektrum kindlicher Interessen und Neigungen entgegen kommen. So tragen sie dazu bei, dass positive Erlebnisse vermittelt werden. Sie steigern damit, insbesondere bei leistungsschwächeren Schülern das Selbstwertgefühl und können damit sogar eine positivere Grundhaltung zu Institution Schule ermöglichen. Die Erfahrung zeigt, dass Schüler sich auch später immer wieder gern an Schulfeste erinnern, weil es den Schülern einfach Spaß gemacht hat. Feste und Feiern fördern darüber hinaus die Klassengemeinschaft durch die Schulung sozialen Verhaltens. Sie wirken sich dadurch positiv auf die weitere Arbeit im Schulalltag aus.[26]

Gelingt es dem Lehrer, schon vor den Vorbereitungen den Anlass des Festes lebhaft darzulegen, sind die Schüler für das Einbringen ihrer eigenen Ideen, das Abstimmen und die Auswahl der Programmpunkte und die Bereitschaft, sich zu engagieren durchwegs motiviert.[27]

4 Vorüberlegungen zum Thema

4.1 Entwicklungspsychologische Voraussetzungen

Der schweizer Entwicklungspsychologe Jean Piaget (1896-1980) beschäftigte sich mit ausgewählten Feldern der Entwicklung von Kindern unterschiedlichen Alters. Kinder und Jugendliche durchlaufen in ihrer kognitiven Entwicklung die folgenden vier Phasen: 1. die sensu-motorische Phase, 2. die voroperationale Phase, 3. die Phase der konkreten Operationen und die 4. die Phase der formalen Operationen.[28]

Nach Piaget befinden sich die Kinder im Alter von 8 – 12 Jahren in der Phase der konkret- operationellen Intelligenz. Sie lösen sich in ihrem Denken immer mehr von Anschauungsbildern bzw. realen Situationen und sind häufiger in der Lage reversible Operationen zu entwickeln. Kroh bezeichnet diese Phase der Entwicklung als „naiven Realismus“, in der jede neue Erfahrung und begründete Erkenntnis mit Freude aufgenommen und einfache Wirkungszusammenhänge erfasst werden können.[29]

Angewandt auf den konkreten Sachzusammenhang dieser Arbeit, ergibt sich aus entwicklungspsychologischer sicht, dass die Kinder in diesem Alter sehr empfänglich und motivierbar für Ereignisse sind, die aus dem bekannten Schulalltag heraustreten. Es ist daher zu erwarten, dass sich die Schüler mit großem Interesse und hoher intrinsischer Motivation bei den Vorbereitungen der Aufführung engagieren werden.

4.2 Klassenspezifische Situationen

Bei der Aufführung am Schulfest war die gesamte 3. Jahrgangsstufe der Volksschule Rottenburg eingebunden. Sie besteht aus drei Klassen. An dieser Stelle werden nun kurz die jeweiligen klassenspezifischen Voraussetzungen beschrieben.

Die Klasse 3a setzt sich aus 26 Kindern, davon 13 Mädchen und 13 Jungen zusammen. Alle Schüler sind deutscher Staatsangehörigkeit und besuchen den katholischen Religionsunterricht. Die gesamten Mitglieder der Klasse kommen direkt aus der Kleinstadt Rottenburg. Die Klasse ist relativ ruhig, aber lernwillig. Nur einzelne Kinder fallen dadurch auf, dass sie den Unterricht durch Zwischenrufe stören oder sich leicht ablenken lassen.

Die Klasse 3b der Volksschule Rottenburg besteht aus 27 Kindern, davon 9 Mädchen und 18 Jungen. Alle Kinder sind deutscher Staatsangehörigkeit. 24 Kinder besuchen den katholischen, die verbliebenen drei den evangelischen Religionsunterricht. Sie kommen aus dem ländlichen Einzugsgebiet von Rottenburg, viele aus Pattendorf und Inkofen, sowie aus Münster, Niedereulenbach und Schaltdorf. Dies sind alles sehr kleine, durch die Bewahrung ländlicher Werte geprägte Ortschaften. Die Kinder wachsen somit sehr naturverbunden und behütet auf. In ihrer Gesamtheit habe ich die Klasse im Unterricht eher unruhig und leicht ablenkbar erlebt. Einzelne Kinder, fallen zudem durch störendes Verhalten im Unterricht auf.

[...]


[1] vgl. www.wikipedia.de (Stand: 12.12.2005)

[2] vgl. Bartl, A./ Bartl, M.: Spiele, Feste, Feiern in der Schule. München, 1988, S.10.

[3] vgl. ebd.

[4] vgl. Regelein, S.: So läuft Ihr Unterricht. München, 1997, S.119f.

[5] vgl. Sandfuchs, U.: Schulleben. In: Heckt, D. H./ Sandfuchs, U. (Hg.): Grundschule von A bis Z. Braunschweig, 1997, S.227f.

[6] vgl. Schröder, H.: Schulleben. In: Schröder, H. (Hg): Grundwortschatz Erziehungswissenschaft. München, 1985, S. 309-311.

[7] vgl. Regelein, S.: So läuft Ihr Unterricht. München, 1997, S.119f.

[8] ebd.

[9] Weber, E.: Das Schulleben und seine erzieherische Bedeutung. Donauwörth, 1979, S.63.

[10] vgl. Haselbeck, F.: Wie HauptschülerInnen die Schule sehen. In: Lernchancen 14/2000, S. 58 ff.

[11] vgl. Keck, Rudolf W.: Schulleben. In: Einsiedler u.a. (Hrsg.): Handbuch Grundschulpädagogik und Grundschuldidaktik. Bad Heilbrunn, 2001. S.204ff.

[12] vgl. Regelein, S.: So läuft Ihr Unterricht. München, 1997, S.314f.

[13] vgl. Fölling-Albers, Maria: Veränderte Kindheit – revisited. Seelze/ Velber, 2001, S.10ff.

[14] vgl. Knapp, Rudolf: Elternarbeit in der Grundschule. Grundlagen. Berlin, 2001, S.16f.

[15] vgl. Knapp, Rudolf: Elternarbeit in der Grundschule. Grundlagen. Berlin, 2001, S.17f.

[16] vgl. ebd. S.18f.

[17] vgl. Fölling-Albers, Maria: Veränderte Kindheit – revisited. Seelze/ Velber, 2001, S.10ff.

[18] Amtsblatt der Bayerischen Staatsministerien für Unterricht und Kultus und Wissenschaft, Forschung und Kunst: Lehrplan für die Grundschulen in Bayern. München, 2000.

[19] ebd.

[20] vgl. Müller-Bardoff, Schulfeiern und Klassenfeste in der Grundschule. Regensburg, 1987, S.3.

[21] vgl. Schorch, G.: Grundschulpädagogik – eine Einführung. Bad Heilbrunn, 1998. S.133.

[22] ebd S.133f.

[23] Amtsblatt der Bayerischen Staatsministerien für Unterricht und Kultus und Wissenschaft, Forschung und Kunst: Lehrplan für die Grundschulen in Bayern. München, 2000.

[24] vgl. Hüsten, G./ Gruber, I./ Winkler-Menzel, R.: Hilfreiche Rituale im Grundschulalltag. Oldenburg, 2000, S. 87.

[25] vgl. Bartl, A./ Bartl, M.: Spiele, Feste, Feiern in der Schule. München, 1988, S.15.

[26] vgl. ebd., S.14f.

[27] vgl. Müller-Bardoff, Schulfeiern und Klassenfeste in der Grundschule. Regensburg, 1987, S.3.

[28] vgl. Mietzel, G.: Pädagogische Psychologie des Lernens und Lehrens. Göttingen u.a. 2001. S.78.

[29] vgl. Kirchner, C.: Kinder und Kunst der Gegenwart. Seelze, 2001.

Details

Seiten
60
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638460071
ISBN (Buch)
9783638718165
Dateigröße
1.5 MB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v49604
Note
1,5
Schlagworte
Möglichkeiten Einwirkungen Schüler Jahrgangsstufe Rahmen Schulfestes Oscarverleihung

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Titel: Möglichkeiten pädagogischer Einwirkungen auf die Schüler der 3. Jahrgangsstufe - Schüler gestalten im Rahmen des Schulfestes eine Oscarverleihung