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Das Empowermentkonzept. Eine Betrachtung in Verbindung mit der Arbeit im Gemeinwesen

Seminararbeit 2018 18 Seiten

Sozialpädagogik / Sozialarbeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung in die Arbeit

2 Grundlegendes zur Gemeinwesenarbeit

3 Historische Betrachtung des Empowerments
3.1 Geschichtlicher Hintergrund
3.2 Theoretischer Hintergrund

4 Die Grundhaltung des Empowerments

5 Empowerment auf verschiedenen Ebenen
5.1 Die Individualebene
5.2 Die Ebene der Gruppe
5.3 Die Ebene der Organisation
5.4 Die Ebene von sozialräumlichen Kontexten

6 Empowerment und Gemeinwesenarbeit

Das Projekt der österreichischen Kleinstadt Knittelfeld

7 Schlussfolgerung der Arbeit

Literaturverzeichnis

1 Einführung in die Arbeit

Ob in den Medien, in den Vorlesungen der Hochschulen und Universitäten oder dem Arbeitsalltag, findet der Begriff des Empowerments immer häufiger Verwendung. Vor allem im Bereich der Sozialen Arbeit bekommt dieses Konzept immer stärkeren Zuspruch, um mit den immer umfassenderen Forderungen in diesem Arbeitsfeld zurande zu kommen. Der Fokus der professionellen Kräfte richtet sich in eine veränderte Denkstruktur, in welcher die Klienten und Klientinnen zur Selbsthilfe aktiviert werden sollen. Die betroffenen Personen als Experten ihres eigenen Alltags anzusehen und sie bei der Mobilisierung ihrer Stärken und Ressourcen hin zu Unabhängigkeit und autonomen Entfaltung zu unterstützen, liegt im Sinne dieses Gesamtkonzeptes. Obgleich ist zu beachten, dass das Konzept des Empowerments nicht nur der Disziplin der Sozialen Arbeit zuzuordnen ist. Vielmehr findet dies auch immer mehr Bedeutung in anderen Bereichen, wie beispielsweise in Prozessen des Managements. Da dieses Konzept in unterschiedlichen Bereichen Anwendung findet, liegt die Vermutung nahe, dass sich aus diesem heraus viele Chancen und Möglichkeiten des Handelns ergeben. Andererseits kommt die Frage auf, was Selbstbestimmung und Aktivierung der Autonomie genau bedeutet. Auch ist die Rolle der Fachkräfte nicht klar definiert, denn wie muss dieser oder diese ausgebildet sein, um angemessen auf den Bedarf der hilfesuchenden Personen einzugehen? In diesem Zusammenhang treten auch Herausforderungen, wie auch Grenzen hervor, welche in der Sozialen Arbeit in Bezug auf das Konzept des Empowerments eine Rolle spielen.

Da sich diese Seminararbeit im Kontext der Gemeinwesenarbeit verfasst wird, ist auch der Bezug dahingehend herzustellen wichtig.

In vielen Städten bzw. in vielen Stadtteilen existieren soziale Spannungen und Probleme, aufgrund von verwahrlosten Grünflächen oder mangelnden kulturellen Angeboten für die Bewohner und Bewohnerinnen. Vor allem Wohngebiete, in welchen viele Arbeitslose, Migranten und Migrantinnen, alten Menschen und Sozialhilfeempfänger leben, werden meist als benachteiligt betitelt. Aus der Wissenschaft der Psychologie ist bekannt, dass das soziale Umfeld, wie auch das die Familie betreffend, ein wichtiger Aspekt für die persönliche Motivation und den Zustand der Persönlichkeit darstellt. Somit ist es gerade in den benachteiligten Stadtteilen ein zentrales Anliegen, das Stadtleben wiederaufzubauen und die Gesellschaft in diesem zu stärken. In Anlehnung dessen soll außerdem den Fragen nachgegangen werden, welchen Beitrag Empowerment in der Gemeinwesenarbeit leisten kann und welche Bedeutung dabei die Soziale Arbeit einnimmt?

Vor diesem Hintergrund soll nun eine differenziertere Auseinandersetzung mit dem Konzept des Empowerments, deren Grenzen und Möglichkeiten für die Sozialer Arbeit erfolgen. Bezüglich des Aufbaues der vorliegenden Seminararbeit kommt es zunächst zu einer Auseinandersetzung mit der Gemeinwesenarbeit und ihre Entstehung. Anschließend erfolgt eine historischen und theoretischen Betrachtung des Begriffs des Empowerments. Nach dem Überblick über die Hauptaspekte und Forderungen des Empowerment- Konzeptes, wobei ebenfalls die verschiedenen Ebenen betrachtet werden, erfolgt eine Betrachtung der Gemeinwesenarbeit und des Empowerments welche an einem konkreten Beispielsprojekt beleuchtet werden. Die vorliegende Seminararbeit wird durch ein Fazit und eine kritische Reflektion abgeschlossen.

2 Grundlegendes zur Gemeinwesenarbeit

Bei der Gemeinwesenarbeit handelt es sich um eine sozialräumliche Vorgehensweise. Diese bezieht sich nicht ausschließlich auf die individuelle Ebene, sondern betrachtet den Stadtteil ganzheitlich. Ziel ist es die Ressourcen herauszuarbeiten und zu stärken, um Defizite abzuschwächen, welche sich auf den Stadtteil und deren Bewohner und Bewohnerinnen beziehen. Demnach stehen die Verhältnisse, die Formen und die Zusammenhänge des Lebens der Menschen, wie auch die Aktivierung der Menschen im Fokus der Arbeit. Daraus resultierend, sollen diese autonome Handlungsfähigkeit erlangen und vermehrt die Kontrolle über ihre Lebensverhältnisse erhalten. (vgl. Oelschlägel, o.S.)

Ganz und gar nicht fußt die Gemeinwesenarbeit auf einem laienhaften Vorgehen. Vielmehr handelt es sich dabei um eine professionelle Strategie, welche ein systematisches und methodisches Vorgehen verfolgt. Zur Anwendung kommen verschiedenste Methoden aus dem Feld der Sozialen Arbeit. Beispielsweise soziale Gruppenarbeit oder Beratung. (vgl. Oelschlägel, o.S.)

„GWA schafft Raum und Bedingungen, dass aktive Beteiligung möglich wird. Es braucht Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und Zeit, damit zwischen den Menschen Vertrauen aufgebaut und eine konstruktive Beteiligungskultur entstehen kann.“ (Pro Senectude 2009, S. 5 zitiert in Oelschlägel, o.S.)

3 Historische Betrachtung des Empowerments

Der Begriff des Empowerments, betitelt eine Ansammlung von verschiedenen Grundüberzeugungen, moralischen Haltungen und Werten. Wörtlich übersetzt ist die Begrifflichkeit „Empowerment“ gleichbedeutend zu verstehen, wie die Wörter „Selbstbemächtigung“ und „Stärkung von Autonomie und Eigenmacht“. Der Prozess, welcher mit dem Empowerment bezeichnet wird, ist jener in dem die Menschen die Leistung erlangen, um nach eigens gesteckten Maßstäben ein „besseres“ Leben zu führen. Aber genau in dieser Aussage liegen die Kontroversen dieses Begriffs. Der Prozess des Macht- und Autonomiegewinns ist offen für gegensätzliche Interpretationsperspektiven und ideologischen Einrahmungen. Nicht nur in der gesellschaftlichen, sondern auch in der wissenschaftlichen Diskussion, wie auch in der ausführenden Praxis, bestehen Differenzen, welche eine allgemein bestehenden Definition erschweren. (vgl. Herriger 2014, S.13)

Um den Begriffe genauer greifen und eventuell verstehen zu können, wird im nachfolgenden Kapitel sein historischer, wie auch theoretischer Hintergrund ausführlicher dargelegt.

3.1 Geschichtlicher Hintergrund

Schriftlich festgehalten wurde das Konzept des Empowerments das erste Mal im Jahre 1976 in den USA, durch Barbara B. Solomon, in ihrem Buch „Black Empowerment: Social work in opressed communities“. Das darin vorgestellte Empowerment Konzept stande stellvertretend für ein Kennzeichen einer neuen Kultur des Helfens. Gleichzeitig agierte dieses in einem Spannungsfeld der traditionellen Linien der Bürgerrechtsbewegungen und der extremen-politischen Arbeit im Gemeinwesen. Die Bewegung der schwarzen Bevölkerung für ihre Recht als Bürger in den USA, ab den 1950er Jahren, bildet den fundamentalen Ursprung des Empowerments. Ebenfalls einige Jahre später, fand der Begriff des Empowerments durch die Frauenbewegung verstärkt öffentliches Gehör. Der gemeinsame handlungsleitende Gedanke, bezog sich auf einen Prostest gegen eine Unterdrückung von staatlicher Seite. Parallel bestand das Verlangen nach Autonomie bezogen auf die eigenen Rechte. (vgl. Herriger 2014, S.21ff.) Ein weiterer Motor des Empowerments – Diskurses war die in den 1970er Jahren beginnende Selbsthilfe – Bewegung in den USA. In diesem Zeitraum entwickelten sich an der Seite der Staatsfürsorglichkeit ein kritisches Gegenprogramm. (vgl. Herriger 2014, S.28f.) Diese eigens organisierte Gemeinschaften und Zusammenschlüsse eröffnete den Menschen eine Auswahl an verschiedenen Optionen an einer aktiven Teilnahme an der Gesellschaft (vgl. Hill u.a. 2013 in Herriger 2014, S.29).

Ab Beginn der 90er Jahre fand das Konzept des Empowerments Einzug nach Deutschland. Vertreter, welche das Konzept nach und nach öffentlich thematisiert haben waren unter anderem Stark, Keupp und Herringer. (vgl. Empowerment konkret! 2016, S.10)

3.2 Theoretischer Hintergrund

Das Konzept des Empowerments in dem Feld der Sozialen Arbeit ist von zwei verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Auf der einen Seite handelt es sich von seiner ethischen Begründung nach um ein Arbeitsprinzip. Demgegenüber ist es ein handlungsleitendes Konzept, in welchen ein großer Bereich von Arbeitsformen und - methoden, welche auf vier Ebenen des Handelns integriert werden können. Bei diesen vier Ebenen erstrecken sich über die Individual-, Gruppen-, Organisations- und Gemeindeebene. Gerade aus diesem Grund, sollte bei der kommunikativen Verwendung dieses Begriffs darauf achten, ob von Arbeitsprinzipien oder von handlungsleitenden Konzepten die Rede ist. (vgl. Stimmer 2012, S.155) Gerade aus diesem Grund ist eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Konzept des Empowerments ratsam, um den Mittelpunkt des Begriffes zu präzisieren. Herringer unterscheidet dabei in vier unterschiedliche Zugängen. (vgl. Herriger 2014, S.14)

1. Politischer Zugang:

Empowerment wird bei diesem Zugang durch die strukturell heterogene Aufteilung von politischer Autorität und Einflussnahme thematisiert (vgl. Herriger 2014, S.14).

„In politischer Definition bezeichnet Empowerment so einen konflikthaften Prozeß der Umverteilung von politischer Macht, in dessen Verlauf Menschen oder Gruppen von Menschen aus einer Position relativer Machtunterlegenheit austreten und sich ein Mehr an demokratischem Partizipationsvermögen und politischer Entscheidungsmacht aneignen.“ (Herriger 2014, S.14)

2. Lebensweltlicher Zugang:

Empowerment wird bei diesem zweiten Zugang auch mit dem Wort „power“ verbunden. Dieser wird hierbei mit Stärke, Kompetenz, Durchsetzungskraft und Alltagsvermögen übersetzt. (vgl. Herriger 2014, S.15) Empowerment meint hierbei,

„(…) das Vermögen von Menschen, die Unüberschaubarkeiten, Komplikationen und Belastungen ihres Alltags in eigener Kraft zu bewältigen, eine eigenbestimmte Lebensregie zu frühen und ein nach eigenen Maßstäben gelingendes Lebensmanagement zu realisieren.“. (Herriger 2014, S.15)

3. Reflexiver Zugang:

Dieser Zugang stellt die aktive Aneignung von Einfluss, Kraft und Möglichkeiten der Gestaltung in den Fokus, durch jene die von Einflusslosigkeit und Beengung betroffen sind.

Empowerment wird dabei als prozesshafter Vorgang angesehen, welcher das Ziel der Selbstbefähigung hat. Die Betroffenen wenden sich hin zu einem durch Aktivität geprägtes Handeln, welches durch Selbstbestimmung und Unabhängigkeit begleitet werden. (vgl. Herriger 2014, S.16)

4. Transitiver Zugang:

Bei diesem vierten Zugang werden die Aspekte hervorgehoben, welche durch anderen Personen ermöglicht werden. Dazu gehört die Unterstützung und die Beihilfe von Selbstbestimmung. Hierbei rücken die Fachkräfte mit ihrer professionellen Ausbildung in den Mittelpunkt der Betrachtung. Durch eine Aktivierung von Seiten der professionellen Fachkräfte, werden den Betroffenen „(…) vielfältige Vorräte von Ressourcen für ein gelingendes Lebensmanagement zur Verfügung [gestellt], (…).“ (vgl. Herriger 2014, S.17)

Wie bei vielerlei Teilbereichen ist eine klare Trennung und getrennte Betrachtung dieser eher schwierig. Diese vier vorangegangenen Zugänge sind zwar einer begrifflichen Sortierung dienlich, weißen allerdings gemeinsame Schnittstellen auf. Aus diesem Grund, um zu einer klaren Arbeitsdefinition zu gelangen unterteilt Herringer in zwei Traditionslinien. (vgl. Herriger 2014, S.18)

1. Empowerment als Prozess der Selbst – Aneignung von politischer Macht:

Der historische Hintergrund des Empowerment Konzeptes ist demnach untrennbar mit den sozialen Bewegungen verbunden. In dem Kontext der Bürgerrechts-, Frauen- und Selbsthilfebewegung, hat das Empowerment als Leitformel fungiert. Empowerment ist in dieser Traditionslinie ein Konzept zur Schaffung einer sozialen Gerechtigkeit und zur Umverteilung von der Entscheidungsmacht. (vgl. Herriger 2014, S.18f.)

2. Empowerment als Konzept und Handlungsprogramm für die Förderung von

Autonomie:

Hierbei geht es um die professionelle Hilfe des Konzeptes. Es wird in dieser Traditionslinie als ein Arbeits- und Handlungskonzept verstanden, welches den Prozess der Aktivierung hin zu der Aneignung von Selbstgestaltungskräften gestaltet. Weitergehend sollen Ressourcen der professionellen Helfer und Helferinnen bereitgestellt werden, welche unterstützend und fördernd eingebracht werden können. (vgl. Herriger 2014, S.19f.)

4 Die Grundhaltung des Empowerments

In der professionellen Auseinandersetzung mit dem Konzept des Empowerments, sollte man nicht nur sein eigenes, sondern auch das Menschenbild seiner Klienten und Klientinnen betrachten. Denn meist setzt die sozialpädagogische Arbeit dort an, wo Menschen sich in problematischen und schwierigen Situationen des Lebens befinden, in welchen diese sich nicht mehr eigenverantwortlich helfen können. Durch wissenschaftliche Untersuchungen war es möglich herauszufinden, dass das typische Vorstellungsbild der praktizierenden Sozialarbeiter und Sozialarbeiterinnen dadurch gekennzeichnet waren, dass diese ihre Klienten und Klientinnen „[…] im Lichte tiefgreifender Hilflosigkeit und Unfähigkeit …“ wahrnehmen. (vgl. Herriger 2014, S.66)

[...]

Details

Seiten
18
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783668992801
ISBN (Buch)
9783668992818
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v496624
Institution / Hochschule
Duale Hochschule Baden-Württemberg, Stuttgart, Horb, früher Berufsakademie Stuttgart; Horb
Note
1,3
Schlagworte
empowermentkonzept eine betrachtung verbindung arbeit gemeinwesen

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Titel: Das Empowermentkonzept. Eine Betrachtung in Verbindung mit der Arbeit im Gemeinwesen