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Begutachtung des Gesundheitswesens durch den Sachverständigenrat

Kostenentwicklung und Rationalitätenfalle des Gesundheitswesens

Ausarbeitung 2014 8 Seiten

Gesundheit - Public Health

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Der Sachverständigenrat zur Begutachtung und Entwicklung im Gesundheitswesen
1.1 Rechtlicher Rahmen des Sachverständigenrates (SVR)
1.2 Gründung und historische Entwicklung des SVR
1.3 Aufgaben und Stellenwert des SVR
1.4 Vetrauenswürdigkeit als zuverlässige Quelle

2 Kostenentwicklung im Gesundheitswesen
2.1 Begriffsbestimmung „Kostenexplosion“
2.2 Daten zur Entwicklung der Gesundheitsausgaben

3 „Rationalitätenfalle“ bei Reiners
3.1 Homo oeconomicus
3.2 Rationalitätenfalle in der privaten Krankenversicherung

4 Einfluss des Alterns auf die Gesundheitsausgaben

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis:

Tabelle 1 Gesundheitsausgaben in Deutschland absolut und prozentual, 1992-2011

Abbildung 1 Gesundheitsausgaben in Deutschland in Mio. Euro () 1992 - 2011

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung und Entwicklung im Gesundheitswesen

1.1 Rechtlicher Rahmen des Sachverständigenrates (SVR)

Die gesetzliche Grundlage für den Sachverständigenrat zur Begutachtung und Entwicklung im Gesundheitswesen (SVR) stellt das fünfte Sozialgesetzbuch (SGB V) dar [vgl. www.dejure.org, 2013] . Im § 142 SGB V ist die Einsetzung eines aus sieben Mitgliedern bestehenden interdisziplinären Gremiums durch das Bundesgesundheits-ministerium vorgesehen, dessen Aufgaben weiter gesetzlich geregelt sind. Der Rat ist an den somit begründeten Auftrag gebunden, im Übrigen in seiner Tätigkeit jedoch unabhängig.

1.2 Gründung und historische Entwicklung des SVR

Der Sachverständigenrat wurde im Jahr 1985 ursprünglich als "Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen" begründet . Ab dem Jahr 2004 erhielt er im Zuge des GKV-Modernisierungsgesetzes die heutige Bezeichnung „Sachver-ständigenrat zur Begutachtung und Entwicklung im Gesundheitswesen“ [vgl. Bundesministerium für Gesundheit, 2014]. Ursprünglich wurden die Ratsmitglieder durch den Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung eingesetzt. Seit 1991 erfolgt die Berufung durch den Bundesminister für Gesundheit für eine jeweilige Dauer von jeweils vier Jahren, wobei wiederholte Berufungen möglich sind. Der letztmalig im November 2011 geänderte §4 des Erlasses über die Einrichtung eines Sachverständigenrats regelt die Ratszusammensetzung.

Dabei ist insbesondere ein interdisziplinäres Gremium aus den Bereichen Medizin, Ökonomie, Sozialwissenschaften und Rechtswissenschaft vorgesehen. Der aktuelle Sachverständigenrat wurde am 13.07.2000 vom ehemaligen Bundesgesund-heitsminister, Dr. Philipp Rösler, für den Zeitraum bis zum 14.07.2014 eingesetzt, dessen Vorsitzender seit September 2012 Herr Professor Ferdinand Gerlach ist. Mit ihm sind derzeit drei medizinische Experten Mitglieder des Sachverständigenrates. Zusätzlich sind die Gebiete Gesundheitsökonomie, Versorgungsforschung und Pflege-wissenschaften, Arbeits- und Sozialrecht sowie Volkswirtschaftslehre inhaltlich vertreten [vgl. Sachverständigenrat, 2013].

1.3 Aufgaben und Stellenwert des SVR

In der wissenschaftlichen Politikberatung hat der SVR durch Schwerpunktsetzung unter Einbeziehung von qualitativen Aspekten der medizinischen Versorgung sowie der Berücksichtigung finanzieller Ressourcen einen hohen Stellenwert. Eine wesentliche Aufgabe des SVR umfasst die Erstellung von Gutachten zur „Analyse der Entwicklung der gesundheitlichen Versorgung mit ihren medizinischen und wirtschaftlichen Auswirkungen unter Berücksichtigung der finanziellen Rahmenbedingungen und vorhandener Wirtschaftlichkeitsreserven, Prioritäten für den Abbau von Versorgungsdefiziten und bestehenden Überversorgungen zu entwickeln, Vorschläge für medizinische und ökonomische Orientierungsdaten vorzulegen und Möglichkeiten der Weiterentwicklung des Gesundheitswesens aufzuzeigen“. Seit 1993 erfolgt die Begutachtung auf Anfrage bzw. nach Auftragserteilung durch das Bundesgesundheitsministerium [vgl. Cassel, 2003]. Die Gutachten werden in einem zweijährigen Rhythmus durch das Ministerium den an der Gesetzgebung beteiligten Körperschaften weitergeleitet. Bislang sind insgesamt 16 Gutachten veröffentlicht worden [vgl. Sachverständigenrat, 2013]. Zu den durch den Sachverständigenrat vorgeschlagenen und durch die Politik umgesetzten Maßnahmen gehören z. B. der Risikostrukturausgleich sowie die Wahlfreiheit der gesetzlichen Krankenkassen [vgl. Cassel, 2003].

1.4 Vetrauenswürdigkeit als zuverlässige Quelle

Bezugnehmend auf die obigen Ausführungen kann bei dem Sachverständigenrat von einer vertrauenswürdigen Quelle ausgegangen werden. Der Sachverständigenrat zur Begutachtung und Entwicklung im Gesundheitswesen ist ein offizielles Gremium, das seine Aufgaben aufgrund gesetzlicher Regelungen sowie aufgrund von Erlassen nach wissenschaftlichen Kriterien zum Zweck der Beratung politischer Organe wahrnimmt. Die Website „www.svr-gesundheit.de“ hat den Sachverständigenrat selbst, vertreten durch dessen Vorsitzenden, als Herausgeber. Der Sachverständigenrat ist stets hochkarätig besetzt und hat seine physische Präsenz durch eine Geschäftsstelle am Bundesministerium für Gesundheit in Bonn. Er kann somit in allen Modalitäten kontaktiert werden.

Der gesetzliche Auftrag regelt die Unabhängigkeit des Sachverständigenrates bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben, wodurch eine etwaige lobbyistische Beeinflussung vermieden werden soll.

2 Kostenentwicklung im Gesundheitswesen

Die Gesundheitsausgaben unterliegen aufgrund ihrer erheblichen Relevanz und aufgrund der Wahrnehmung des Themas Gesundheit als „sensiblem Gut“ der intensiven öffentlicher Aufmerksamkeit. In diesem Kontext spielt in der medialen Darstellung wiederholt der Begriff „Kostenexplosion“ im Gesundheitswesen eine Rolle. Es titelte beispielsweise das Handelsblatt: „Neuer Rekord. Gesundheitsausgaben explodieren“ [vgl. Handelsblatt Online, 2013].

Begriffsbestimmung „Kostenexplosion“

Unter dem Begriff „Kostenexplosion“ im Gesundheitswesen wird ein -im Vergleich mit der Wachstumsrate des Nationaleinkommens- über einen längeren Zeitraum schneller Anstieg der Gesundheitskosten verstanden [vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, 2010].

Im nachfolgenden Abschnitt soll aufgrund statistischer Daten der Frage nachgegangen werden, ob und ggf. ab wann für die Gesundheitskosten in Deutschland tatsächlich von der Kostenexplosion, also einem in Relation raschen Wachstum gesprochen werden kann.

2.1 Daten zur Entwicklung der Gesundheitsausgaben

Zur Beantwortung der Frage, ob ein erheblicher Anstieg der Gesundheitsausgaben in Deutschland zu verzeichnen ist, wurde eine Datenabfrage beim Statistischen Bundesamt vorgenommen und in der Tabelle 1 für die Kalenderjahre 1992 bis 2011 aufgeführt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Gesundheitsausgaben in Deutschland absolut und prozentual, 1992-2011 [http://www.gbe-bund.de, abgerufen am 05.01. 2014]

In der nachfolgenden Grafik sind einerseits die absoluten Gesundheitsausgaben der Jahre 1992 – 2011 in Millionen Euro dargestellt, andererseits diese auch als prozentualer Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) im gleichen Zeitraum. Die Absolutzahlen werden in der Abbildung 1 als Balkendiagramm gezeigt, während die relativen Werte als Liniendiagramm erscheinen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Gesundheitsausgaben in Deutschland in Mio. Euro (Balken) und als Anteil am BIP in % (Linie) 1992 - 2011 [eigene Grafik, Datenquelle: http://www.gbe-bund.de, abgerufen am 05.01.2014]

Es ist der Abbildung 1 ein stetiger Anstieg der Gesundheitskosten im Zeitraum von 1992 bis 2011 zu entnehmen. Die Gesundheitsausgaben wachsen im genannten Zeitraum beinahe linear von etwa 160 auf 300 Milliarden Euro. Eine abrupte oder exponentielle Entwicklung kann den Graphen nicht entnommen werden, wie es bei einer „Kostenexplosion“ definitionsgemäß zu erwarten wäre. Bei der Betrachtung der prozentualen Gesundheitsausgaben lässt sich zudem ein seit 1992 zwar undulierender, insgesamt jedoch weitgehend konstanter Anteil der Gesundheitsausgaben am BIP (9,6 - 12 %) verzeichnen. Zusammenfassend kann somit durchaus festgestellt werden, dass die Gesundheitsausgaben im benannten Zeitraum zwar signifikant angestiegen sind, Kriterien einer Kostenexplosion jedoch nicht erfüllt sind.

3 „Rationalitätenfalle“ bei Reiners

Hartmut Reiners [vgl. Reiners, 2006] beschreibt in „Der Homo oeconomicus im Gesundheitswesen“ den Begriff „Rationalitätenfalle“, welche aufgrund seiner Darstellung einen Kontext zu steigenden Gesundheitsausausgaben habe.

3.1 Homo oeconomicus

Ausgangspunkt ist das wirtschaftswissenschaftliche Modell des „Homo oeconomicus“ [vgl. Gabler Wirtschaftslexikon, 2010], unter dem eine Person verstanden wird, deren Handeln sich ausnahmslos an wirtschaftlich-zweckorientierten Aspekten orientiere. Nutzenoptimierung in der Konsumentenrolle und Gewinnmaximierung als Händler seien die leitenden ökonomischen Motive. Mit Bezug auf die soziale Kranken-versicherung spricht Hartmut Reiners vom „Homo oeconomicus im Gesundheitswesen“ [vgl. Reiners, 2006].

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Details

Seiten
8
Jahr
2014
ISBN (eBook)
9783346024954
ISBN (Buch)
9783346024961
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v497196
Institution / Hochschule
APOLLON Hochschule der Gesundheitswirtschaft in Bremen
Note
2,3
Schlagworte
Sachverständigenrat

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