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Die Vereinbarkeit von Motorsport und Umweltschutz

Facharbeit (Schule) 2019 14 Seiten

Sport - Sportsoziologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Wie schädigt Motorsport die Umwelt?
2.1 Positive Auswirkungen
2.2 Negative Auswirkungen
2.3 Gesellschaftliche Wahrnehmung

3. Probleme des Motorsports

4. Heilsbringer Formel E?

5. Vergleich mit anderen Sportarten / Bereichen

6. Möglichkeiten für Motorsport in der Zukunft

7. Fazit

Literaturverzeichnis

9. Anhang
9.1 Umfrage

1. Einleitung

Dass (Massen-) Sport die Umwelt belastet steht außer Frage, vor allem der Motorsport wird von vielen als “Übeltäter” bezeichnet. In der Meinung vieler ist er dreckiger und umweltschädlicher als andere Sportarten, besonders in letzter Zeit spielt der Umweltschutz eine immer größere gesellschaftliche Rolle. Durch Feinstaubalarme in Stuttgart oder Diesel Fahrverbote in Innenstädten und nicht zuletzt durch die Fridays for Future Proteste steigert sich unser Umweltbewusstsein was auch zu mehr Kritik gegenüber dem Motorsport führt. Obwohl sich der Umweltbegriff nicht ausschließlich auf die natürliche Umwelt beschränkt[1], soll in dieser Arbeit der Konflikt des Motorsports mit der natürlichen Umwelt thematisiert werden.

2. Wie schädigt Motorsport die Umwelt?

Vorbemerkung:

Auf den ersten Blick erscheint eine Einteilung von positiven und negativen Auswirkungen des Motorsports als einfach, da, wie bereits erwähnt, die meisten Motorsport mit ausschließlich negativen Auswirkungen in Verbindung bringen. Bei genauerem Befassen wird aber deutlich das dem nicht so ist

2.1 Positive Auswirkungen

Sich direkt auf die Umwelt beziehende, positive Auswirkungen, die nicht im marginalen Bereich liegen, sind im Motorsport schwer bis unmöglich zu finden. Langfristig gesehen jedoch können vor allem die technischen Fortschritte, die durch die Entwicklung im Motorsport erzielt werden, als positive Auswirkung angeführt werden. So werden Entwicklungen, wie zum Beispiel die Hybridtechnik moderner Autos, im Motorsport begonnen und später zur Serienreife gebracht[2]. Außerdem können als Umweltpositive Entwicklungen des Motorsports zum Beispiel die elektronische Benzindirekteinspritzung bzw. das elektronische Motormanagement oder aerodynamische Maßnahmen genannt werden[3], wodurch es zur Senkung des Energieverbrauchs und Erhöhung des Wirkungsgrads kommt. Ein weiteres Beispiel der Umweltnützlichen Entwicklungen im Motorsport sind unfallsichere Benzintanks, durch die das Risiko einer Brandkatastrophe oder (Grund-)Wasserverschmutzung verringert wird[4].

Es wird jedoch nicht nur im Bereich des Motors zunehmend umweltverträglich entwickelt, sondern werden auch Maßnahmen um den Motorsport umweltverträglicher zu machen vom Deutschen Motorsport Verbund gefördert. Dazu gehören die Unterstützung der Entwicklung, Angebote zum umweltverträglichen Fahren und Beratungen zur umweltverträglichen Fahrzeugbeschaffung und – Haltung[5].

2.2 Negative Auswirkungen

Negative Auswirkungen hingegen sind bei weitem einfacher zu finden, allem voran gehen natürlich die Emissionen durch Kraftstoffverbrauch, dazu kommen noch Umweltbelastungen wie Lärm, Emissionen durch Abrieb (vor allem Reifen und Bremsen und dadurch entstehender Feinstaub), Emissionen durch Logistik / Infrastruktur, Emissionen durch anreisende Zuschauer, Umweltverschmutzung /-Zerstörung durch Zuschauer, auslaufende Betriebsmittel und die am besten für jeden sichtbare Belastung: der Rennstreckenbau[6] /[7]. Dabei werden große Naturflächen zerstört, wie zum Beispiel der nahe gelegene Hockenheimring, auf einer Fläche von 97 Hektar[8], was mehr als die gesamte Stadtfläche von Pattonville (81 Hektar[9] ) ist, wurde hier ein Wald abgeholzt und großflächig gebaut, und dadurch Tier und Natur ein großes Stück ihres Lebensraums entzogen, um 3-mal im Jahr ein bedeutenderes Rennevent abzuhalten (2-mal DTM, 1-mal Formel 1). Den Rest des Jahres ist die Strecke meist unbenutzt oder wird von kleineren Events beansprucht.

Hinsichtlich dessen stellt der Nürburgring ein gravierenderes Problem dar, ein Streckenabschnitt verläuft direkt durch das Naturschutzgebiet Hohe Acht[10] nach dem dieser sogar benannt wurde[11].

Andere Folgen sind bei auslaufenden Betriebsmitteln wie Öl oder Benzin eine mögliche Verseuchung des Bodens oder (Grund-)Wassers, Pflanzenschäden durch Abgase und in Extremfällen, in Gebieten wie Stuttgart in denen bereits eine hohe Luftverschmutzung besteht, Schädigungen der Atemwege von Menschen und Tieren, sowie Störung von eventuell brütenden Tieren durch Lärmemissionen und von Zuschauern verursachte Flurschäden durch das Betreten von geschützten Gebieten oder zurückgelassenen Müll[12].

2.3 Gesellschaftliche Wahrnehmung

In einer Umfrage, die im Rahmen dieser Arbeit durchgeführt wurde[13], wurde deutlich, dass der Motorsport für die meisten eine größere Umweltgefahr darstellt als andere Sportarten[14]. Besonders im Vordergrund standen hierbei die Emissionen durch Kraftstoffverbrauch und die Emissionen durch den feinstauberzeugenden Abrieb der Bremsen und Reifen. Dicht gefolgt von den Emissionen der anreisenden Zuschauer, dem Platzverbrauch beim Bau einer Rennstrecke, der Gefahr der Verseuchung durch auslaufende Betriebsmittel und der Lärmbelastung. Mit gewissem Abstand, folgten die Emissionen der Logistik, die von den wenigsten als Gefahr für die Umwelt gesehen wurden[15]. Des Weiteren gab die Mehrheit an, dass es ”Wichtig” oder ”Sehr Wichtig” sei den Motorsport umweltfreundlicher zu machen[16], es aber vor allem in anderen Bereichen darauf ankomme Maßnahmen für den Umweltschutz zu treffen. Am häufigsten gewählt wurde hier die Müllvermeidung und –Entsorgung, wobei auch die Stromerzeugung und der Straßenverkehr, mit je über 50%, von vielen als Probleme mit Änderungsbedarf gesehen werden. Bei dieser Frage sprachen sich nur knapp über 10% dafür aus, dass es wichtiger ist im Motorsport als in anderen Bereichen Änderungen für den Umweltschutz vorzunehmen[17].

Zusammenfassend kann man also sagen, dass viele den Motorsport zwar als Umweltschädlich und Gebiet mit Änderungsbedarf sehen, im Allgemeinen aber andere Bereiche genannt werden, in denen eher etwas für den Umweltschutz getan werden sollte. Auch ist erkennbar, dass in der Meinung vieler der Motorsport hauptsächlich durch die entstehenden Abgase im Rennbetrieb Umweltschäden verursacht, inwiefern diese Ansicht der Wahrheit entspricht, soll im nächsten Kapitel thematisiert werden.

3. Probleme des Motorsports

Die Meinung vieler steht fest, die Abgase der Motoren sind das Hauptproblem. Doch bei genauerem befassen wird klar, dass die Abgase das kleinste Übel am Motorsport sind, doch dazu später.

Zuerst einmal zu den auslaufenden Betriebsmitteln, dazu gehören vor allem Öl und Benzin. Wenn man von auslaufendem Öl hört denkt man immer erst einmal an Umweltkatastrophen die durch Unfälle auf Bohrinseln oder ähnlichem verursacht werden, auf der Rennstrecke stellt dieses Thema ein weitaus geringeres Problem dar. Zum einen handelt es sich bei Motorsportgeräten um eine vergleichsweise geringe Menge von wenigen Litern, zum anderen sind immer Streckenposten an der Strecke die sofort einschreiten können um größere Schäden zu verhindern. Beim Geländemotorsport, sprich Rally und Motocross, sind auslaufende Betriebsmittel ein weitaus größeres Problem, da beide meist auf öffentlichen (abgesperrten) Strecken oder im Wald stattfinden, wo es keine Sicherheitsvorrichtungen hinsichtlich dessen gibt. Vor allem im Motocross-Sport ist dieses Problem sehr präsent da diese meist auf kleinen, unasphaltierten Wegen oder quer durch den Wald fahren. Zudem wird der Sport meist von Amateuren in der Freizeit ausgeübt, wodurch es nahezu unmöglich ist eine dauerhafte Absicherung durch qualifizierte Streckenposten zu schaffen.

Ein weiteres Umweltproblem des Motorsports sind die Emissionen und Flurbeschädigungen die durch die Anreise der Zuschauer und deren Verhalten entstehen[18]. Zum jährlichen Großen Preis von Deutschland in Hockenheim reisen, allein für das Rennen, 120.000 Menschen mit dem Auto oder dem Flugzeug an und wieder ab[19]. Zum Vergleich, das gesamte Starterfeld über 20 Fahrer verbraucht in einer ganzen Saison, bestehend aus 21 Rennen mit insgesamt 147 Sessions in etwa so viel wie ein einziger Transatlantik-Flug[20]. Rechnet man mit der Flugstrecke zwischen Stuttgart und New York City, entspricht ein Formel 1 Wochenende rund 300km, bedenkt man nun die aus der ganzen Welt anreisenden Fans, stellt sich heraus, dass die auf der Strecke anfallenden Emissionen bei weitem die durch die Zuschauer erzeugten unterschreiten. Ein weiteres, durch Zuschauerverhalten verursachtes Umweltproblem sind Flurschäden durch "Hinterlassen von Abfall und Betreten von landwirtschaftlichen Nutzflächen”[21] oder anderen geschützten Gebieten. Vor allem bei Rally-Veranstaltungen ist dieses Verhalten zu beobachten, da sich hier die Zuschauer frei an der Strecke verteilen können und so Tiere stören können, was vor allem bei Brutvögeln ein großes Problem ist, hinzu kommt das oftmals der Müll einfach am Streckenrand verteilt liegen gelassen wird.

Auch als Problem zu nennen ist die Bodenerosion, welche fast ausschließlich durch Geländemotorsport verursacht wird (vor allem durch Motocross oder ähnliches). Hier werden durch mechanische Einflüsse erst Pflanzenbedeckung, später Boden abgetragen wodurch es zu Spurrillenbildung kommt in denen Wasser für weitere Erosion sorgt[22]. Aufgrund der relativ geringen geschädigten Fläche ist dieses Problem gegenüber den anderen allerdings eher zu vernachlässigen.

[...]


[1] Bauer, H. (1989) S.39

[2] vgl. https://www.motor-talk.de/blogs/geschichten-vom-asphalt/motorsport-passt-das-in-unsere-zeit-t5630851.html (29.05.2019, 20:03)

[3] vgl. DSK (1990) S.14

[4] vgl. DSK (1990) S.14

[5] vgl. http://dmv-lg-bw.de/umweltschutz.html (29.05.2019, 20:43)

[6] vgl. https://www.motor-talk.de/blogs/geschichten-vom-asphalt/motorsport-passt-das-in-unsere-zeit-t5630851.html (29.05.2019, 21:14)

[7] vgl. DSK (1990) S.10

[8] vgl. https://www.hockenheimring.de/daten-und-fakten (30.05.2019, 18:22)

[9] vgl. http://www.pattonville.de/start/ueber+uns/zahlen+und+fakten.html (30.05.2019, 18:38)

[10] vgl. Bauer, H. (1989) S.42

[11] vgl. https://www.nuerburgring.de/fans-info/rennstrecken/nordschleife/streckenabschnitte.html (30.05.2019, 19:11)

[12] vgl. DSK (1990) S.11

[13] siehe Anhang (S.16)

[14] siehe Anhang (S.16, Q4)

[15] siehe Anhang (S.16, Q5)

[16] siehe Anhang (S.16, Q6)

[17] siehe Anhang (S.16, Q8)

[18] vgl. DSK (1990) S.11

[19] vgl. https://www.hockenheimring.de/daten-und-fakten (01.06.2019, 14:28)

[20] vgl. https://www.reddit.com/r/formula1/comments/9h0yo6/carbon_emissions_of_an_f1_team/ (01.06.2019, 14:51)

[21] DSK (1990) S.11

[22] Bauer, H. (1989) S.45

Details

Seiten
14
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346009951
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v497269
Note
10
Schlagworte
Motorsport; Umweltschutz; Umwelt; Sport

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