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Weiterbildung und Qualifikation in der Dienstleistungsbranche

Neue Anforderungen an die Erwerbstätigen

Hausarbeit 2015 22 Seiten

VWL - Arbeitsmarktökonomik

Leseprobe

Inhalt

1. Problemaufriss

2. Arbeitslosigkeitsrisiko und Einkommen
3. Der Arbeitsmarkt in Deutschland
3.1. Sektorale Beschäftigung
3.2. Folgen strukturellen Wandels
Die Wissens- und Informationsgesellschaft
Zur Begriffsklärung
3.3. Erwerbstätigen und Qualifikationsstruktur des Dienstleistungssektors 2005­2025
3.4. Kommunikation und Wissen
3.5. Qualifikationsanforderungen
Zwischenfazit:

4. Warum es bei der Weiterbildung hakt
4.1. Entwicklung der institutionellen Weiterbildung in Deutschland

5. Problemfelder der Weiterbildung

6. Lebenslauforientierte Arbeitsmarktpolitik
6.1. Erweiterte Bildungsgutscheine
6.2. Einführung sogenannter Persönlicher Entwicklungskonten.
6.3. Infrastruktur und Rahmenbedingungen

7. Fazit
7.1. Wichtigste Ergebnisse im Überblick

8. Literatur

1. Problemaufriss

Weltweit nimmt die soziale Ungleichheit zu. Zunehmend konzentriert sich das Weltvermögen auf eine geringe Zahl von Menschen. Besonders in den hochentwickelten Ländern, wie z.B. Deutschland, gefährdet Einkommensungleichheit Demokratie, sozialen Frieden und Ökonomie. Die Oxfam Studie prognostiziert, dass im Jahr 2016 ein Prozent der Weltbevölkerung mehr Vermögen haben werden, als alle anderen Menschen zusammen (Oxfam 2015: 2). Arbeitslosigkeit wird als einer der Gründe genannt, warum sich die soziale Ungleichheit verstärken wird. Weltweit haben durch die Finanzkrise, 2008 31 Millionen Menschen ihren Job verloren (Bohsem, Schoepp 2015: 1).

Ziel dieser Arbeit ist es, die Frage zu beantworten, welche Kriterien eine wesentliche Rolle spielen die das Arbeitslosigkeitsrisiko in Deutschland begünstigen und welche Möglichkeiten der Risikominderung vorhanden ist. Um die Arbeit im angemessenen Umfang einzugrenzen wird dabei nicht auf die Fragen von sozialer Ungleichheit zwischen den Geschlechtern oder Ausbildungschancen von benachteiligten Gruppen eingegangen. Die Arbeit ist auf das Thema Weiterbildung während des Erwerbslebens fokussiert. Um den Zusammenhang zwischen Bildung und Arbeitslosigkeitsrisiko und Einkommenshöhe zu verdeutlichen, dienen empirische Untersuchungen als Grundlage. Gleichzeitig lohnt sich ein Blick auf den Arbeitsmarkt in Deutschland und der Frage, warum Bildung so wichtig ist. Hierzu wird der Sektorale Wandel des Arbeitsmarktes von der Industriegesellschaft zur heutigen Dienstleistungsgesellschaft dargestellt. Die daraus resultierenden Folgen und neuen Anforderungen an die Erwerbstätigen werden analysiert. Hierzu erscheint es ebenfalls notwendig die institutionellen Rahmenbedingen zur höher Qualifizierung zu erforschen, Problemfelder zu benennen, um anschließend ein Lösungsvorschlag von Günter Schmidt zum Umbau der Arbeitslosenversicherung zur Beschäftigungsversicherung zu skizzieren.

2. Arbeitslosigkeitsrisiko und Einkommen

Ungleiche Vermögensverhältnisse auf der Welt nehmen zu und stoßen auf zunehmend öffentliche Kritik. Allein durch die letzte Finanzkrise haben in Europa 20 Millionen Menschen ihren Job verloren (Bohsem, Schoepp 2015:1). Für eine gerechtere Einkommensverteilung ist die Minderung der Arbeitslosigkeit von entscheidender Bedeutung (Piper 2015: 4). Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Qualifikation der Arbeitnehmer. Gut Ausgebildete sind deutlich seltener arbeitslos als Personen ohne Berufsabschluss. Gemessen wird dies unter anderem mit der qualifikationsspezifischen Arbeitslosenquote. Die Arbeitslosigkeit in Deutschland ist zwischen den Jahren 2006 und 2011 stark zurückgegangen. Die Quote sank insgesamt um fast 4 Prozentpunkte. Das Arbeitslosigkeitsrisiko hängt jedoch nach wie vor eng mit der Qualifikation zusammen. Je niedriger sie ist, desto schlechter ist die Position auf dem Arbeitsmarkt. Besonders betroffen von Arbeitslosigkeit sind Personen ohne Berufsabschluss. Trotz Rückgängen in den letzten Jahren war in dieser Gruppe im Jahr 2011 immer noch fast jeder Fünfte arbeitslos (19,6 %). Die Position der Akademiker am Arbeitsmarkt verbesserte sich weiter und zeigte sich selbst in den Krisenjahren 2008/2009 sehr stabil. Ihre Arbeitslosenquote lag 2011 bei 2,4 Prozent gegenüber 3,5 Prozent im Jahr 2006. Daraus ist zu schließen, dass bei steigender Qualifikation sich die Position auf dem Arbeitsmarkt verbessert und damit die Bedeutung von Aus- und Weiterbildung sich hervorhebt (Weber, Weber 2013). Schaut man sich die Einkommensunterschiede nach Bildungsabschluss an, verdient ein Arbeitnehmer mit Berufsausbildung im Verlauf seines Arbeitslebens durchschnittlich fast eine viertel Million Euro mehr, als ein Erwerbstätiger ohne Ausbildung. Das ergeben die Berechnungen des Instituts für Arbeit und Bildung für die Jahre 2008, 2009 und 2010. Die Differenz des Einkommens für Personen mit Abitur beträgt ca. 500.000 Euro, mit Fachhochschulstudium bei durchschnittlich 900.000 Euro und ein Hochschulstudium etwa 1.250.000 Euro, jeweils im Vergleich zu Personen ohne Berufsausbildung und ohne Abitur. Bei der untersuchten Kohorte wird von einer durchgängigen Vollzeitbeschäftigung und einer Beschäftigungsdauer vom 19. bis zum 65. Lebensjahr ausgegangen. Für Abiturienten wurden die Zahlen vom 21. bis zum 65. Lebensjahr, bei Akademikern vom 26. bis zum 65. Lebensjahr herangezogen. Alle untersuchten Personengruppen, nach Bildungsabschluss, weisen ein höheres Einkommen auf, als Personen ohne Berufsausbildung und Abitur. Dies gilt unabhängig von Geschlecht und Region. Insgesamt sind die Einkommensvorteile durch Bildung für Männer und Westdeutsche stärker ausgeprägt (Schmillen, Stüber 2014: 1).Werden die durchschnittlichen Einkommensvorteile nach Geschlecht und Region betrachtet, wird deutlich dass diese innerhalb der Frauen bei 177.000 Euro liegt. Die Einkommensdifferenz ist aber nicht so ausgeprägt, wie bei Männern, die im Vergleich zu einem männlichen Arbeitnehmer ohne Berufsausbildung rund 259.000 Euro mehr verdienen. Auch die Bildungsvorteile im Osten ist positiv, aber nicht so hoch, wie bei den Männern im Westen. Heißt, die Männer im Westen machen höhere Lohnsprünge bei gleicher Qualifikation zum Osten (Schmillen, Stüber 2014: 4). Produktivität und demographischer Wandel werden tendenziell die Bildungsvorteile weiter erhöhen (Schmillen, Stüber 2014: 6).

3. Der Arbeitsmarkt in Deutschland

Der Arbeitsmarkt in Deutschland hat sich weiterentwickelt und zeigt nun eine andere Anforderungsstruktur als vor fünfzig Jahren (Böckler Impuls). Wie ist die historische Entwicklung und wo arbeiten die Erwerbstätigen in Deutschland heute?

3.1. Sektorale Beschäftigung

Bei einer herkömmlichen Klassifikation wird der Arbeitsmarkt in drei Sektoren aufgeteilt. Forst- und Landwirtschaft im primären Sektor, produzierendes Gewerbe im sekundären Sektor und Dienstleistungen im tertiären Sektor (bpb: Zahlen und Fakten 2013). Vor dem Beginn der industriellen Revolution war die vorherrschende Erwerbstätigkeit geprägt durch Forst- und Landwirtschaft. Dies änderte sich im 20. Jahrhundert mit der industriellen Revolution. Die Arbeiten verlagerten sich auf das Produzieren von Waren in der Industrie. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts erreicht der sektorale Wandel den tertiären Sektor und findet besonders in den westlichen Ländern statt. Die Arbeit verlagert sich von der industriellen Wirtschaft in den Dienstleistungsbereich. Seit Anfang der 1970er-Jahre dominiert der tertiäre Bereich das Erwerbsgefüge (Baethge 2011a: 35). In beinahe allen entwickelten Ländern verlagern sich die Arbeitsplätze in den Dienstleistungssektor (Poltermann 2013). Auch in Deutschland haben im Laufe der Jahre der primäre und sekundäre Sektor an Bedeutung verloren. Während 1970 8,4 Prozent in der Forst- und Landwirtschaft tätig waren, sind es 2012 nur noch 1,8 Prozent. Im produzierende Gewerbe (sekundärer Sektor) waren 1970 mit 46,5 Prozent knapp die Hälfte aller Arbeitnehmer beschäftigt. Heute sind es 24,7 Prozent und damit ist nur noch jeder vierte Erwerbstätige in der Produktion tätig. Das Forschungsinstitut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung gibt bekannt, dass 2012 im Dienstleistungssektor mit 73,7 Prozent der Hauptteil aller Erwerbstätigen beschäftigt sind (bpb 2013/07).

Für die Wirtschaftsstruktur der Sektoren in Deutschland gilt aber auch, dass der Industrie- und Dienstleistungssektor in ihrer Bedeutung, durch die hohe Exportaffinität Deutschlands, gleichrangig sind und parallel bestehen (Baethge 2011: 35a). Der Grund für die Verschiebung der sektoralen Beschäftigung entspringt indes nicht den intrinsischen Motiven der Bedürfnisbefriedigung des Menschen (Fourastie 1954), sondern eher in den Anforderungen einer hochentwickelten Industriegesellschaft (Baethge 2011: 35a). Nach dem heutigen Stand insbesondere durch den Einsatz von anspruchsvollen Technologien in der Industrie- und Dienstleistungssektor (Poltermann 2013). Verfolgt man den Strukturwandel der Erwerbstätigkeit innerhalb des Dienstleistungssektors weiter, ist zu erkennen dass seit den 1990er-Jahren die stärkste Zuwachs in den Berufen Informatik und Datenverarbeitung, Medien und Kommunikation und im Bereich Organisation, Verwaltung und übrige Wissenschaften zu beobachten ist (Bonin et al. 2007: 83).

3.2. Folgen strukturellen Wandels

Neben dem strukturellen Wandel der Erwerbstätigkeit in den westlichen Gesellschaften besteht auch das Faktum, dass die Einkommensungleichheit in Deutschland weiter zunimmt (Bohsem, Schoepp: 2015/01: 1).

Einkommensungleichheit wie vor 140 Jahren, (OECD Summary 2014) prekäre Arbeitsverhältnisse in Form von Minijobs, Teilzeitarbeit, befristete Arbeitsverhältnisse sind der Regelfall und verdrängen Normalarbeitsverhältnisse (Böckler Impuls 14/2014) und Arbeitslosigkeit, auch in der Dienstleistungsbranche, sind die heutigen Folgen mit denen die Gesellschaft konfrontiert wird. So sind im Dezember 2014 mehr als 24 Millionen EU-Bürger arbeitslos (Statistisches Bundesamt 2014). Die Anzahl der Arbeitnehmer, die durch den strukturellen Wandel und zunehmend unsicherer Beschäftigungsformen, (Befristung, Teilzeit, Leiharbeit) Erwerbslosigkeit oder dem Risiko der Erwerbslosigkeit gegenüberstehen, steigt. Hinzu kommt, dass die Arbeitspolitik der Sozialpartner, die Richtschnur für die Arbeitsbedingungen und -situationen angeben. Die Bedürfnisse der Beschäftigten, ihre Gerechtigkeitsvorstellungen und sozialmoralische Standards, bedingen wechselseitig die Struktur der Arbeit, auf gesellschaftliche Normen und die individuelle Ausgestaltung der Lebensführung. Gleichzeitig dehnen sich die Fähigkeitserwartungen an die Beschäftigten auf fachliche, soziale und außerberufliche Eignungen aus (Hans Böckler Stiftung) Diese neue Form der Arbeitswelt ist demnach geprägt von spezifischem Wissen, insbesondere Technologie basiertem Wissen und Handlungskompetenzen - in nahe zu allen Lebensbereichen der heutigen modernen Gesellschaft, und ist durch den Begriff „Wissensgesellschaft“ geprägt (Poltermann 2013). Gleichzeitig zeichnen sich große Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt ab, was die Arbeitsbedingungen, Leistungs-und Qualitätsanforderungen angeht (Hans Böckler Stiftung: Förderschwerpunkte). Es macht sich bemerkbar, dass die Möglichkeiten am Arbeitsleben teilzunehmen, differenziert verteilt sind. Regelarbeitsverhältnisse werden vermehrt durch Teilzeitarbeit, Leiharbeit, befristeten Beschäftigungsformen, freiberuflichen Arbeiten ersetzt (Böcklerlmpuls 2014/14).

Aus heutiger Sicht ist zu erkennen, dass Arbeitsbedingungen und -situationen, sich nach Branche und Unternehmenskulturen, nach Geschlecht und Qualifikation unterscheiden. Dementsprechend vielfältig sind die Effekte der unterschiedlichen Arbeitskonstellationen. Die Chancen des Sektoralen Wandels liegen in der Möglichkeit auf eine Kompetenzerweiterung zur Optimierung der Anpassungsmöglichkeit der Erwerbstätigen auf die diverse Arbeitswelt (Hans Böckler Stiftung: Förderschwerpunkte).

Die Wissens- und Informationsgesellschaft

Zur Begriffsklärung

Ein Blick auf die Geschichte der Arbeit lässt erkennen, dass die Industriewirtschaft seit 140 Jahren wissensbasiert ist. Wissensergebnisse aus dem 19. Jahrhundert haben Auswirkungen bis in unsere Zeit. So zum Beispiel die Erfindung der Glühbirne, die Entdeckung von Holzstoff zur Herstellung von Papier oder die Errichtung von

Telefonnetzen. Aber Dienstleistungen sind in der Regel immaterielle Güter und werden vorwiegend mittels Wissen und Fähigkeiten hergestellt. Diese Eigenschaft rückt Dienstleistungen näher an Wissensarbeit (Kouli 2014: 3).

Auch die Gesellschaft in Deutschland wird als Wissensgesellschaft beschrieben und meint damit den erhöhten Wert von Wissen, vor allem in der Wirtschaft. Der Begriff beschreibt zum einen den Stand einer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung und kennzeichnet damit die Nachfolge der Industriegesellschaft. Zum anderen wird er in der Politik als strategischer Begriff verwendet, um die politische Richtung von gesellschaftlichen Entwicklungen einzuläuten und zu fördern. Den Anstoß der Wissensgesellschaft gab der technologische Wandel, der als Nachfolger der Industriellen Revolution gesehen wird. Mit dem Sektoralen Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft nehmen damit auch die wissensintensiven Dienstleistungen zu. Doch der tatsächlich weitreichendste Einfluss ist die strategische Verwendung des Begriffs Wissensgesellschaft. Dieser stellt Wissen in einen wirtschaftlichen Kontext und kennzeichnet es neben Arbeit, Kapital und Boden als Produktionsfaktor, der immer mehr an Bedeutung gewinnt (Poltermann 2013/09). Die politisch, strategische Ausrichtung der Eurostaaten ist die wissensbasierte Wirtschaft. Die geforderten kurzfristigen Anpassungsleistungen, an die arbeitende Gesellschaft bedürfen angepasste Ausbildungssysteme, da immer mehr Erwerbstätige Wissensarbeit verrichten (Kouli 2014: 2). Außerdem fordert die Gestaltung der Wissensgesellschaft weitreichende Eigenschaften wie Spontanität, Kreativität und Eigenverantwortung. Damit verlangt die neue Arbeitswelt besser ausgebildete Arbeitskräfte mit höheren Qualifikationen, die den technologischen Anforderungen gerecht werden und andererseits Bildung im Allgemeinen zur Kompetenzerweiterung, um die Arbeitskräfte differenzierter einsetzen zu können (Poltermann 2013).

3.3. Erwerbstätigen und Qualifikationsstruktur des Dienstleistungssektors 2005-2025

Der Dienstleistungssektor in Deutschland ist sehr vielschichtig und lässt sich im Jahre 2005 in drei Bereiche aufteilen: „Produktionsbezogene Berufe“, „Primäre Dienstleistungsberufe“ und „Sekundäre Dienstleistungsberufe“.

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Details

Seiten
22
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783346012081
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v497450
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,7
Schlagworte
weiterbildung qualifikation neue anforderungen erwerbstätigen

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