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Der schöne Schein des Dritten Reichs. Die nationalsozialistische Organisation Kraft durch Freude

Seminararbeit 2018 18 Seiten

Geschichte - Allgemeines

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Entstehung der Organisation Kraft durch Freude

2 Ziele und Aufgaben der KdF
2.1 Körperliche und geistige Ertüchtigung der Bevölkerung
2.2 Steigerung der volkswirtschaftlichen Produktivität
2.3 Schaffung einer Volksgemeinschaft durch die Überwindung von Klassenunterschieden
2.4 Verbreitung des nationalsozialistischen Gedankengutes
2.5 Vorbereitung auf den Krieg
2.6 Außenpropaganda

3 Die wichtigsten Ämter der KdF und deren Funktionen
3.1 Amt für Reisen, Wandern und Urlaub
3.2 Amt Feierabend
3.3 Amt Schönheit der Arbeit
3.4 Sportamt
3.5 Amt Deutsches Volksbildungswerk

4 Ein gutes Leben als Illusion

5 Literaturverzeichnis

1 Entstehung der Organisation Kraft durch Freude

Viele Deutsche haben den Ausdruck Kraft durch Freude schon einmal gehört und verbinden ihn sicherlich mit dem Dritten Reich. Den meisten kommen dabei wahrscheinlich handgezeichnete Werbeplakate in den Sinn, auf denen ein VW-Käfer, ein Sportler, ein Ozeandampfer oder Nazisymbole dargestellt sind. Aber was bedeutet dieser Spruch wirklich? War es nur ein Werbeslogan der Nationalsozialisten Hitlerdeutschlands? Oder war Kraft durch Freude eine Vereinigung wie die Hitlerjugend? Sollte gar eine politische Organisation hinter diesen Worten stecken? Die Wenigsten wissen es. Auch mich interessierte dieses Mysterium. Die Suche im Internet, im Buchhandel und in Büchereien brachte schnell zutage, dass das Dritte Reich und alles was damit zusammenhängt, schon viele inspiriert hat Bücher, Artikel und andere Publikationen über dieses Thema zu schreiben. Es kristallisierte sich schnell heraus, dass Kraft durch Freude eine der wichtigsten Propagandamaschinerien der NS-Diktatur war. Ein Netz aus Organisationen, Veranstaltungen und nicht zuletzt aus Illusionen. Und gerade auf letzteres wollte ich mein Augenmerk richten, da der Titel unseres W-Seminares lautet: „Der schöne Schein des Dritten Reichs“. Diese Überschrift lässt darauf schließen, dass Hitler den Menschen lediglich etwas vorgaukelte – eine Illusion von einer schönen Welt.

Nachdem Adolf Hitler am 30.01.1933 vom damaligen Reichspräsidenten Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt wurde, hatten die Politiker der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei 1, kurz NSDAP, ihre Ziele erreicht. Allen voran Adolf Hitler. Die Ideologie des Nationalsozialismus konnte von nun an völlig hemmungslos und ohne großen Widerstand propagiert werden. Binnen weniger Monate überzogen Terror und Organisationsverbote das Land. Die pluralistische Demokratie und der Rechtsstaat wurden beseitigt.

Hitler wollte mit aller Macht die für eine nationalsozialistische Gesellschaftspolitik wesentliche Kernforderung der Volksgemeinschaft in die Realität umsetzen.2

Die Volksgemeinschaft, welche an das verklärte Bild der Lebensweise der alten Germanen anknüpfte, kannte idealerweise keine Unterschiede zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen und -schichten: Beruf, Bildung, Vermögen und Abstammung waren unwichtig. Die logische Folgerung aus dieser Ideologie war die Auflösung bzw. Gleichschaltung aller gesellschaftspolitischen Bereiche. Das fing mit Parteiverboten an und endete bei der Auflösung aller Gewerkschaften.3

Nachdem im Mai 1933 die freien Gewerkschaften besetzt und letztlich aufgelöst wurden, existierte keine Organisation mehr, die die Rechte und Meinung der Arbeiter vertrat. Um jedoch die große Masse der Arbeiter auf die Seite der Nationalsozialisten zu ziehen und auch den Kommunisten das Wasser abzugraben, entstand die Deutsche Arbeiterfront (DAF) als Dachorganisation der arbeitenden Bevölkerungsschichten. Die DAF vereinte, getreu nach dem Motto „wir sind eine Volksgemeinschaft “, sowohl Arbeiter, als auch Angestellte und Freiberufler unter einem Dach.4

Damit kam Hitler seinem Ziel von der Überwindung der Klassengesellschaft einen beträchtlichen Schritt näher. Und was die Nationalsozialisten noch damit bezweckten, lässt sich aus folgendem Zitat sehr gut herauslesen: „,Die Verheißung von sozialer Gemeinschaft und nationalem Wiederaufstieg, von Überwindung der Klassengesellschaft und politischer Einheit trug ganz wesentlich zur Attraktivität des Nationalsozialismus bei.‘“5 Außerdem ließ sich natürlich eine Organisation wie die DAF leichter lenken und führen, als mehrere unterschiedliche Berufsverbände. So konnte, mehr oder weniger unbemerkt, die politische Erziehung der Mitglieder in den Vordergrund rücken.6

Die ursprüngliche Aufgabe der Gewerkschaften, nämlich Lohnforderungen bei den Arbeitgebern durchzusetzen, wurde vollends beiseite gelassen. Lohnerhöhungen wurden von Seiten der Reichsregierung ausgeschlossen. Man wollte so die Gewinne der Unternehmen erhöhen und den wichtigsten Kostenfaktor Lohn kalkulierbar machen. Die Unternehmensgewinne sollten reinvestiert werden, um die Gesamtwirtschaft auf die bestehende Kriegsproduktion vorzubereiten.7

Um die Arbeiterschaft bei Laune zu halten, musste man natürlich etwas bieten, wenn Lohnerhöhungen schon ausgeschlossen wurden.

Dr. Robert Ley, dem Leiter der DAF, schwebte da eine Freizeitorganisation nach italienischem Vorbild vor. Mussolini, der Italien bereits 1925 einen faschistischen Stempel aufdrückte, betrieb ein Nationales Freizeitwerk. So kam es am 27.11.1933 auf einer Sondersitzung der DAF zur Gründung der Nationalsozialistischen Gemeinschaft Kraft durch Freude, kurz KdF genannt. Diese Organisation war der DAF unterstellt und verband die Volksgemeinschaft mit der Kraft durch Freude.8 Zwei faschistische, emotionale Schlagwörter, die das NS-Regime propagierte, um das Volk im angeblichen Kampf gegen den äußeren Feind zusammenzuschweißen und zu stählen.9

Die NS-Propaganda verstand es, wie kaum eine andere, Illusionen zu erzeugen. Der Arbeiterklasse wurde eine Aufwertung in jeder Hinsicht versprochen: Die Arbeit des „einfachen Mannes“ wurde scheinbar aufgewertet, die Freizeitgestaltung den individuellen Bedürfnissen angepasst und die Privilegien der Bürgerschicht auch den Arbeitern zugänglich gemacht. Die Gesundheit des

Einzelnen und die Freude bei Sport und Bewegung, sowie in der Freizeit, lagen scheinbar den Obrigen am Herzen.

Wie diese Illusion entstand und, teilweise bis heute, aufrecht erhalten werden konnte, sollen die folgenden Kapitel näher bringen.

2 Ziele und Aufgaben der KdF

2.1 Körperliche und geistige Ertüchtigung der Bevölkerung

Eine große Herausforderung für die KdF-Funktionäre war mit Sicherheit die Erstellung eines Sportprogrammes. Folgendes Zitat von Peter Reichel gibt die gesellschaftliche Stellung des Sportes wieder: „Der Sport hat sich seit den zwanziger Jahren zur ‚Weltreligion des 20. Jahrhunderts‘ […] entwickelt.“10

Der Sport war gesellschaftsfähig geworden. Nicht nur die Oberschicht oder ein paar Freaks nahmen ihn für sich in Anspruch. Die breite Masse entdeckte den Sport für sich. Sowohl aktive Freizeitsportler als auch sportbegeisterte Zuschauer von großen Sportveranstaltungen hatten eine Beschäftigung jenseits des Alltages gefunden. Die Medien berichteten über Sport, die Mode war sportlich geworden und zum Feierabend gehörte Sport, in aktiver oder passiver Form. Durch aktiven Sport sollte die deutsche Rasse, welche ja nach NS-Ideologie die Herrenrasse darstellte, verbessert, beziehungsweise veredelt werden. Sport schafft Lebensfreude und Lebensfreude schafft Kraft. Mit Kraft schafft man seine Arbeit, überwindet man Stress und hält sogar die psychischen und körperlichen Belastungen eines Krieges aus.11 Dieses Massenphänomen wussten die Nationalsozialisten für sich zu nutzen und zu politisieren. „Sport wurde hier folglich als eine Art Vorschule der Nation verstanden, als Instrument zur ‚völkischen Gesundung‘ und zur Erneuerung der ,Wehrkraft‘, also als vormilitärische Ausbildung.“12

2.2 Steigerung der volkswirtschaftlichen Produktivität

Die NS-Führungselite dachte aber auch schon weiter: ein gesundes Volk ist auch produktiver. Körperliche Ertüchtigung formt gesündere Menschen. Und gesunde Menschen haben weniger Fehltage in der Arbeit. Durch weniger Krankheitstage wird die Volkswirtschaft automatisch finanziell weniger belastet und die Produktivität steigt. Gesunde und kräftige Männer sind auch bessere Soldaten und gesunde Frauen können, wenn die Männer in den Krieg ziehen, die Wirtschaft am Laufen halten.13

2.3 Schaffung einer Volksgemeinschaft durch die Überwindung von Klassenunterschieden

Die Nationalsozialisten propagierten die Volksgemeinschaft als gesellschaftspolitisches Hauptziel. Eine neue Gemeinschaftlichkeit aller Deutschen im Geiste sollte natürlich auch in der Realität sichtbar werden. Wie kann dies besser praktiziert werden, als im gemeinschaftlichen Tun.14 Nicht nur in den Betrieben bei der Arbeit, sondern auch in der Freizeit. Gemeinsame Aktivitäten verbinden Menschen und schweißen sie zusammen. Freundschaften entstehen, Cliquen und Gruppen bilden sich, die sich gegenseitig vertrauen, anspornen und unterstützen. Eine Volksgemeinschaft, infiltriert von nationalsozialistischem Gedankengut, sollte entstehen.

Die KdF-Organisation sollte aber nicht nur die Arbeiterklasse, sondern auch das reichere privilegierte Bürgertum einbinden. Nur so konnte eine klassenlose und damit harmonisierende Gesellschaft entstehen, die sich nicht durch Arbeits- und Klassenkämpfe selbst schwächt. Die Arbeiterklasse musste sozial angehoben und damit befriedet werden. Nur so konnte der innerdeutsche Frieden gesichert werden.15

Adolf Hitler plante auch den Bau eines sogenannten Volksautos. Dies sollte ein Projekt ganz nach dem Vorbild von Henry Ford sein. Ein preiswertes Auto, das sich jeder leisten konnte und die Massen mobilisieren sollte. Mit 990 Reichsmark sollte im eigens errichteten Volkswagenwerk der KdF-Wagen produziert werden. Kein Geringerer als Ferdinand Porsche konstruierte 1934 die Baupläne. 1938 legte Adolf Hitler den Grundstein für das größte Automobilwerk Europas in Fallersleben. Neben den eigentlichen Werkshallen entstand eine Stadt für 90.000 Menschen. Durch extra dafür aufgelegte Sparpläne konnten sich weniger betuchte Bürger den Kaufpreis ansparen. Das KdF-Automobil wurde jedoch nie an die Zivilbevölkerung ausgeliefert, obwohl es bis Kriegsende 340.000 Vorbestellungen gab. Stattdessen wurde ab 1940 das Automobilwerk zur Rüstungsfabrik umgebaut. Flugzeugbauteile, Bomben und der Kübelwagen VW 82 für das Militär verließen die Werkshallen. Der Kübelwagen wurde eins zu eins nach den Bauplänen des KdF-Wagens gebaut. Leichte Modifikationen machten den Personenwagen militärisch nutzbar.16

Der Nebeneffekt, dass 340.000 Vorbestellungen des Volksautos in Zusammenhang mit dem Ansparplan 350 Millionen Reichsmark in die Kriegskasse spülten, dürfte Hitler ganz gelegen gekommen sein.17

Im Mai 1945 benannte die britische Übergangsregierung die Stadt des KdF-Wagens um. Fortan ging der Name „Wolfsburg“ als die Keimzelle des VW-Konzerns in die Geschichte ein. Seit Oktober 1949 werden zivile Fahrzeuge in Wolfsburg produziert.18

2.4 Verbreitung des nationalsozialistischen Gedankengutes

Die Nationalsozialisten versprachen der Arbeiterklasse das, was sich bisher nur das Bürgertum leisten konnte: soziale Aufwertung und eine erfüllte Freizeit, z.B. durch Theaterbesuche und Pauschalreisen. Die nationalsozialistischen Ideologen wollten die Gesellschaft nicht nur wirtschaftlich und politisch umkrempeln, sondern auch gesellschaftlich. Die Freizeit sollte genauso in den Dienst des Staates gestellt werden, wie die Arbeit. Und die Infiltration des Gedankengutes des Nationalsozialismus konnte in einer geplanten und geführten Organisation viel leichter in die Köpfe der Menschen gelangen. „Gehirnwäsche“ und „Umerziehung“ zu „guten Mitgliedern“ der Gesellschaft, die dem Führer bedingungslos gehorcht, sollten vollzogen werden. Eine Indoktrination, wie sie im Lehrbuch steht. Eine Stärkung des nationalsozialistischen Gedankengutes durch wecken von Heimatgefühl, Nationalstolz und Gemeinschaftsgefühl sollte die Bevölkerung vereinen. Eine den anderen Völkern überlegene Gemeinschaft mit starkem Selbstbewusstsein würde entstehen und die Rolle der Herrenrasse unterstreichen.19

[...]


1 Begriffe der damals verwendeten nationalsozialistischen Terminologie werden hier kursiv geschrieben.

2 vgl. Howind, Sascha: Die Illusion eines guten Lebens. Kraft durch Freude und nationalsozialistische Sozialpropaganda. Reihe: Politische Kulturforschung – Band 8; Salzborn, Samuel (Hrsg.), Frankfurt am Main 2013, S. 18.

3 vgl. https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/innenpolitik/volksgemeinschaft.html, zuletzt aufgerufen am 01.09.2018.

4 vgl. http://webdoc.gwdg.de/edoc/p/fundus/4/brosowski.pdf, zuletzt aufgerufen am 21.5.2018, S.262.

5 zitiert bei: Howind, S. 18.

6 vgl. Gottschalk, Sarah: Die “Kraft durch Freude“ auf Reisen. Ideologie und Propaganda des nationalsozialistischen Tourismus, Norderstedt 2007, S. 9.

7 vgl. Mason, Timothy W.: Sozialpolitik im Dritten Reich. Arbeiterklasse und Volksgemeinschaft, Opladen 1978, S. 147.

8 vgl. http://webdoc.gwdg.de/edoc/p/fundus/4/brosowski.pdf, zuletzt aufgerufen am 21.5.2018, S. 263.

9 vgl. Howind, S. 21.

10 Reichel, Peter: Der schöne Schein des Dritten Reiches. Gewalt und Faszination des deutschen Faschismus. Hamburg 2006, S. 327.

11 vgl. ebd., S. 327 ff.

12 Reichel, S. 329.

13 vgl. ebd., S. 337 ff.

14 vgl. Howind, S. 18 ff.

15 vgl. Strehle, Lukas: Die NS-Gemeinschaft „Kraft durch Freude“ – Staatliche Wohltat für die Arbeiterschaft? Norderstedt 2007, S. 8.

16 vgl. https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/industrie-und-wirtschaft/volkswagen.html, zuletzt aufgerufen am 26.5.2018.

17 vgl. Strehle, S.13.

18 vgl. https://www.dhm.de/lemo/kapitel/ns-regime/industrie-und-wirtschaft/volkswagen.html, zuletzt aufgerufen am 26.5.2018.

19 vgl. Strehle, S.12 f.

Details

Seiten
18
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346002273
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v497711
Note
11
Schlagworte
Kraft durch Freude Nationalsozialismus Drittes Reich

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