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Vermittlung von Ernährungswissen und Ernährungspraxis bei Schülern

Die Bedeutsamkeit des Unterrichtsfaches Alltagskultur, Ernährung und Soziales

Hausarbeit 2018 59 Seiten

Gesundheit - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Auseinandersetzung
2.1. Aktuelles Ernährungsverhalten bei Kindern und Jugendlichen
2.2. Ernährungsempfehlung derDGE
2.3. Empfohlenes Ernährungsverhalten für Kinder und Jugendliche
2.3.1. Ernährungspyramide des BZfE
2.3.2. optiMIX®
2.4. Einfluss der Ernährung auf die schulische Leistungsfähigkeit
2.5. Bildungsauftrag und Bildungsplan des Unterrichtsfaches AES

3. Empirische Studie
3.1. Forschungsfrage
3.2. Methodik
3.2.1. Aufbau des Fragebogens
3.2.2. Begründung der Fragenauswahl
3.3. Forschungsfeld
3.3.1. Soziodemografische Daten
3.4. Zeitrahmen und Ort der Datenerhebung
3.5. Darstellung und Interpretation der Ergebnisse

4. Gesamtzusammenfassung und Folgerungen

5. Literaturverzeichnis
5.1. Abbildungsverzeichnis
5.2. Tabellenverzeichnis

6. Anhang
6.1. Fragebogen
6.2. Lösung zum Fragebogen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einleitung

Besonders Kinder und Jugendliche nehmen im frühen Alter Essgewohnheiten auf, sowohl gute als auch schlechte, die später oft nur schwer zu ändern sind (Elmadfa & Leitzmann, 2015). Aktuelle Ergebnisse der zweiten Welle der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2, 2014 - 2017) zeigen, dass 15,4 % der 3- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen in Deutschland übergewichtig sind und fast 6 % sind adipös (Robert Koch- Institut, 2018).

Die Entwicklung von Adipositas, welche mit enormen Gesundheitsrisiken verbunden ist, ist nur eine von vielen Auswirkungen falscher Ernährung. Um negativen Ernährungs- und Gesundheitsentwicklungen entgegenzuwirken und dafür zu sorgen, dass Kinder im Erwachsenenalter ein gesundes Ernährungsverhalten praktizieren, ist es wichtig, ihnen frühzeitig Ernährungswissen und Ernährungspraxis zu vermitteln. Da jedoch „gegenwärtig generell davon ausgegangen wird, dass immer weniger Ernährungswissen und Ernährungskompetenzen im familiären Kontext weitergegeben werden, lassen sich vermehrt Forderungen nach einer umfassenden schulischen Ernährungs- und Verbraucherbildung vernehmen.“ (Wittkowske, Polster & Klatte, 2017, S.11) So sind ernährungsbezogene Lernprozesse besonders in der Schule von großer Bedeutung und prägen die Kinder enorm in ihrem zukünftigen Lebensstil (Ludwig & Schmid, 2010). Es ist daher wichtig, dass die Schule die Verantwortung der Ernährungsbildung übernimmt und diese intensiviert, sodass Zusammenhänge zwischen Ernährung und Gesundheit zum Allgemeinwissen der Schülerinnen und Schüler werden. Denn das Ernährungswissen, welches Kinder sich aneignen, ist von großer Bedeutung für ihr zukünftiges Ernährungsverhalten. Ranetbauer (2007) stellte dazu die folgende Formel auf: „Ernährungsverhalten= Wissen + Einstellung + Anwendung (EV=W+E+A)“ (Ranetbauer & Hackl, 2007).

Um einer Zunahme von Fehlernährung entgegenzuwirken, sollte den Schülerinnen und Schülern also mehr ernährungsbezogenes Wissen vermittelt werden, so wie beispielsweise im Fach Alltagskultur, Ernährung und Soziales (AES). Doch ob und in welchem Maß Schülerinnen und Schüler über Ernährungswissen verfügen und wie weit das Fach AES Einfluss auf dieses hat, untersucht die vorliegende wissenschaftliche Hausarbeit. Die Untersuchung erfolgt mittels eines Fragebogens, der in vier neunten Klassen zweier Realschulen ausgeteilt wurde.

Die wissenschaftliche Hausarbeit ist in zwei Teilbereiche gegliedert. Der erste Teil setzt sich sachlich mit den theoretischen Grundlagen auseinander. Dazu gehören ernährungsdidaktische und ernährungswissenschaftliche Aspekte.

Der zweite Abschnitt beinhaltet einen wissenschaftlichen Teil, der folgende Forschungsfrage behandelt: „Welchen Einfluss hat das Fach AES auf das Ernährungswissen der Schülerinnen und Schüler?“ durchleuchtet. Hier wird die Bedeutsamkeit des Unterrichtsfaches AES herausgearbeitet.

2. Theoretische Auseinandersetzung

Das folgende Kapitel beschäftigt sich zunächst mit der aktuellen Ernährungssituation von Kindern und Jugendlichen in Deutschland und unterschiedlichen Ernährungsempfehlungen, welche mitunter speziell für Kinder und Jugendliche entwickelt wurden, um eine gesunde Ernährung zu fördern. Zuletzt wird das Thema Ernährung mit der Schule und dem Bildungsplan in Verbindung gesetzt.

2.1. Aktuelles Ernährungsverhalten bei Kindern und Jugendlichen

Im Folgenden wird auf den aktuellen Stand der Forschung zum Ernährungs- und Gesundheitsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland eingegangen. Hierbei wird sich auf die Ergebnisse der Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGs Welle 2) bezogen, welche in den Jahren 2014 bis 2017 vom RKI und der Universität Paderborn durchgeführt wurde. Teilgenommen haben 15.023 Kinder und Jugendliche im Alter von 0 bis 17 Jahren (Robert Koch Institut, 2018).

Ergebnisse zeigen, dass Kinder im jüngeren Alter und Mädchen sich gesünder ernähren als Kinder, die älter sind und Jungen. Der Verzehr von Süßwaren sowie der Konsum von zuckerhaltigen Getränken ist, im Gegensatz zur KiGGs- Basiserhebung, welche im Zeitraum vom Jahr 2003 bis 2006 andauerte, deutlich zurückgegangen. Jedoch liegt der prozentuale Wert des täglichen Verzehrs von Softdrinks bei Mädchen immer noch bei 17% und bei Jungen bei 22%. Ebenso zu erkennen ist, dass besonders Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren weniger Gemüse verzehren im Vergleich zu vor etwa zehn Jahren. Zudem sind, wie bereits erwähnt, 15,4 % der 3- bis 17-jährigen Kinder und Jugendlichen übergewichtig und fast 6 % adipös. Ursachen hierfür sind nicht nur genetische Veranlagungen, sondern auch „ein dauerhaftes Ungleichgewicht zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch [...] ein ungesundes Ernährungsverhalten, sitzende Tätigkeiten sowie körperlich-sportliche Inaktivität“ (RKI, 2018, S.4). Es wurde sichtbar, dass empfohlene Verzehrmengen von Obst und Gemüse nicht eingehalten werden (RKI, 2018).

Positiv anzumerken ist, dass dertägliche Wasserkonsum sich deutlich verbessert hat und die durchschnittliche Trinkmenge bei Mädchen im Alter von 11-17 Jahren 1.665ml/Tag beträgt und bei Jungen im gleichen Alter etwa gleich hoch ist. Dies deckt sich mit der Mindestempfehlung der Trinkmenge durch die DGE (ebd.).

Was den Konsum problematisch macht, ist der Zugang und die Verfügbarkeit von unzähligen energiedichten Lebensmitteln, die meist zu oft konsumiert werden und zu einer erhöhten Zufuhr von Energie führen (ebd.).

Die Ergebnisse der KiGGs- Studie lassen erkennen, dass es viele Problematiken beim Ernährungs- und Gesundheitsverhalten gibt und präventive Ansätze zu gesundheitsförderndem Verhalten von Kindern und Jugendlichen von zentraler Bedeutung sind. Es besteht ein hoher Bedarf an Aufklärung und Bildung über Ernährung. Denn ein angemessenes Ernährungsverhalten kann gesundheitsschädliche Auswirkungen Vorbeugen. Wie eine gesunde Ernährung gelingt und diese optimalerweise aussehen kann, wird im folgenden Kapitel 2.2. beschrieben.

2.2. Ernährungsempfehlung der DGE

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung arbeitet rund um das Thema Ernährung. „Sie unterstützt die ernährungswissenschaftliche Forschung ideell, informiert über neue Erkenntnisse und Entwicklungen und macht diese durch Publikationen und Veranstaltungen verfügbar“ (DGE, 2018a).

Auf Basis der vollwertigen Ernährung und der D-A-C-H Referenzwerten formulierte die DGE die folgenden zehn Regeln, welche die Gesundheit, die Leistung und das Wohlbefinden fördern sollen (DGE, 2017).

1. Lebensmittelvielfalt genießen.
2. Gemüse und Obst - nimm „5 am Tag“.
3. Vollkorn wählen.
4. Mit tierischen Lebensmitteln die Auswahl ergänzen.
5. Gesundheitsfördernde Fette nutzen.
6. Zucker und Salz einsparen.
7. Am besten Wasser trinken.
8. Schonend zubereiten.
9. Achtsam essen und genießen.
10. Auf das Gewicht achten und in Bewegung bleiben.

Zur Veranschaulichung der zehn Regeln der DGE wurde der Ernährungskreis entwickelt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: DGE- Ernährungskreis

Der Ernährungskreis dient als Wegweiser für eine vollwertige Ernährung und soll die tägliche Lebensmittelauswahl erleichtern. Eine der Kernaussagen des Ernährungskreises ist, dass Lebensmittel aus allen sieben Gruppen gewählt werden sollten. Weitergehend macht der Ernährungskreis darauf aufmerksam, dass die dargestellten Mengenverhältnis zu berücksichtigen sind. Das heißt, je größer ein Segment des Kreises ist, umso größere Mengen sollten aus der Lebensmittelgruppe verzehrt werden. Zudem sollte die Lebensmittelvielfalt der einzelnen Gruppen genutzt werden (DGE, 2018b).

Es werden folgende Gruppen im Ernährungskreis unterschieden: (ebd.)

1. Getreide, Getreideprodukte, Kartoffeln
2. Gemüse, Salat
3. Obst
4. Milch und Milchprodukte
5. Fleisch, Wurst, Fisch und Eier
6. Öle und Fette
7. Getränke

Die DGE erstellt zudem Musterspeisepläne, die sich nach dem Ernährungskreis und den D-A- C-H Referenzwerten richten. Die Musterspeisepläne beinhalten Beispiele für Lebensmittelmengen, mit denen die Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr erreicht werden können. Diese sollen jedoch nur zur Orientierung dienen und individuell angepasst werden (ebd.).

Schon im Bildungsplan 2004 sind der Ernährungskreis und die Ernährungspyramide (Kap. 2.2.1. ) fest verankert. Unter den Kompetenzen und Inhalten des Unterrichtsfaches Mensch und Umwelt lässt sich für die Klassenstufe 8 folgendes auffinden: „Die Schülerinnen und Schüler können mit der Ernährungspyramide/dem Ernährungskreis einen vollwertigen Tageskostplan erstellen“ (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, 2004, S. 151).

Die Verankerung der Ernährungspyramide sowie der zehn Regeln der DGE spielen im Bildungsplan 2016 im Fach AES ebenso eine große Rolle. Diese Themen werden im Bildungsplan 2016 als Kompetenzen und Inhalte aufgeführt: (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, 2016, S. 18)

- G- Niveau: „Die Schülerinnen und Schülern können ausgewählte
Ernährungsempfehlungen und -regeln nennen (u. a. Empfehlungen der DGE)“.
- M- Niveau: „Die Schülerinnen und Schülern können Ernährungsempfehlungen und - regeln nennen und kriteriengeleitet begründen (u. a. Empfehlungen der DGE)“.
- E- Niveau: „Die Schülerinnen und Schülern können Ernährungsempfehlungen und - regeln analysieren, begründen und zielgruppenorientiert erklären (u. a. Empfehlungen der DGE)“.

2.3. Empfohlenes Ernährungsverhalten für Kinder und Jugendliche

Eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung sollte Kindern und Jugendlichen ausreichend Energie liefern sowie den Körper mit essenziellen Nährstoffen für die körperliche und geistige Entwicklung versorgen, zudem vor späteren, ernährungsmitbedingten Krankheiten schützen (Kersting, 2018). Die Ernährung ist also eine wichtige Voraussetzung für die zukünftige Entwicklung, Gesundheit sowie Leistungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen. Bei Heranwachsenden wird die Nahrung nicht nur gebraucht, um wichtige Körperfunktionen aufrechtzuerhalten, sondern vor allem für das Wachstum. Hier sind die richtige Zusammensetzung und Menge von Nährstoffen besonders wichtig. Um die Essensgestaltung zu vereinfachen, gibt es formulierte Empfehlungen, die als Unterstützung und Hilfestellung dienen können.

2.3.1. Ernährungspyramide des BZfE

Die Ernährungspyramide soll besonders Kindern und Jugendlichen als Orientierung ihres Ernährungsverhaltens dienen. Das Modell besteht aus Portionsbausteinen, welche acht Lebensmittelgruppen darstellen, die mit individuellen Lebensmitteln gefüllt werden können. Getränke, wie zum Beispiel Wasser, bilden die Basis der Ernährungspyramide. Es schließen sich an zweiter und dritter Stelle die pflanzlichen Lebensmittel an. Dazu gehören Obst, Gemüse sowie Getreide und Getreideprodukte. An vierter Stelle platziert sind tierische Lebensmittel, wie Milch, Milchprodukte, Fisch, Fleisch, Wurstwaren und Eier. Diese sollten im Gegensatz zu den vorherigen Lebensmitteln nur mäßig zu sich genommen werden. Sparsam sollte mit Ölen und Fetten umgegangen werden, welche die fünfte Ebene bilden. Der Spitze der Pyramide werden Süßigkeiten und Snacks zugeordnet, welche nur sparsam einzunehmen sind. Die Ampelfarben der Ernährungspyramide stellen die Essensmenge dar. Grün bedeutet reichlich, gelb bedeutet mäßig und rot bedeutet sparsam (Seitz, 2018).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Ernährungspyramide

2.3.2. optiMIX®

Das Konzept der optimierten Mischkost wurde von dem Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund entwickelt, um eine gesunde Kinder- und Jugendernährung zu fördern. Zudem stellt es eine Maßnahme zur Prävention von Adipositas dar. Zur Grundlage des Konzepts gehört, dass Lebensmittel zwischen ‘empfohlen' und 'geduldet' unterschieden werden. Lebensmittel, wie mageres Fleisch, Fisch, Vollkornprodukte etc. zählen zu den empfohlenen Lebensmitteln. Zu den geduldeten Lebensmitteln gehören dagegen Süßigkeiten, Knabbereien und gesüßte Getränke. Daran lässt sich erkennen, dass es bei diesem Konzept der optimierten Mischkost einen individuellen Spielraum gibt und auf Vorlieben sowie Gewohnheiten nicht komplettverzichtetwerden muss (Wittkowske et al., 2017).

Zu der Basis der optimierten Mischkost gehören ebenso die 7- Tages- Speisepläne. Mit diesen werden alle Referenzwerte für Kinder im Alter von 1- 18 Jahren für Energie, Hauptnährstoffe, Mineralstoffe und Vitamine erreicht. Dabei wird 13,8% Energie aus Proteinen, 32,8% Energie aus Fett und 53,4% aus Kohlenhydraten gewonnen (ebd.).

Darüber hinaus spielen regelmäßige Mahlzeiten gleichfalls eine große Rolle. Es wird davon ausgegangen, dass diese zu einer positiven Ernährungsqualität führen und bei der Prävention von Übergewicht helfen (Rabast, 2018). In den Referenz- Speiseplänen werden fünf Mahlzeiten am Tag festgelegt. Davon sind drei Hauptmahlzeiten und zwei Zwischenmahlzeiten. Die täglich empfohlenen Lebensmittelverzehrmengen werden auf die einzelnen Mahlzeiten aufgeteilt (Alexy, Clausen und Kersting, 2008).

Es ist jedoch stets zu bedenken, dass Ernährungsempfehlungen lediglich einen Orientierungsrahmen vorgeben. Die Verantwortung und Entscheidung, was gut für einen ist, ist jedem Individuum selbst überlassen.

2.4. Einfluss der Ernährung auf die schulische Leistungsfähigkeit

Wieso das Thema „Ernährung“ überhaupt wichtig für Schülerinnen und Schüler ist, hängt damit zusammen, dass bestimmte Ernährungsgewohnheiten unterschiedliche Auswirkungen haben können. In der Schule ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung bei Kindern und Jugendlichen von besonderer Bedeutung, denn sie fördert nicht nur das Wachstum oder verringert das Risiko von ernährungsabhängigen Folgeerkrankungen, sondern sie trägt durchaus zu einer besseren Leistungs- und Konzentrationsfähigkeit bei.

Das Gehirn benötigt allein 20% des Grundumsatzes für die Versorgung sowie die Interaktion von unzähligen Nervenzellen. Um zu verhindern, dass Schülerinnen und Schüler unaufmerksam werden und ihre Aufgaben beispielsweise langsamer oder mit mehr Fehlern lösen, ist es wichtig, dass der Körper ausreichend mit Nährstoffen versorgt wird. Hierbei sind regelmäßige Mahlzeiten und der Verzehr komplexer Kohlenhydrate besonders vorteilhaft. Dadurch kann das Gehirn kontinuierlich mit Nährstoffen versorgt werden und das wiederum führt zu einer guten Konzentrations- und Leistungsfähigkeit von Schülerinnen und Schülern (Wittkowske et al., 2017). Zudem braucht das Gehirn regelmäßig Flüssigkeit, um leistungsfähig zu bleiben. Denn bei einem Flüssigkeitsmangel werden Nährstoffe und Sauerstoff langsamer ins Gehirn transportiert (Kreutz, 2017).

Es gibt zahlreiche Studien zum Einfluss der Mahlzeiten und Nährstoffe auf die kognitiven Leistungsfähigkeiten von Kindern und Jugendlichen. Diese weisen daraufhin, dass besonders das Frühstück hierbei eine große Rolle spielt und positive Effekte mit sich bringt, im Vergleich zum Frühstücksverzicht. Die Auswahl der Kohlenhydrate (zum Beispiel Kohlenhydrate mit einem geringen Glykämischen Index) kann ebenfalls einen hohen Einfluss auf die Gedächtnisleistung, Aufmerksamkeit und Reaktionsgeschwindigkeit haben (Müller & Terschlüsen, 2010).

2.5. Bildungsauftrag und Bildungsplan des Unterrichtsfaches AES

Wie bereits in der Einleitung erwähnt, ist die frühzeitige Wissensvermittlung über Ernährung von Vorteil, um negativen Ernährungsentwicklungen entgegenzuwirken. Da Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihrer Zeit in der Schule verbringen, hat diese einen hohen Einflussfaktor auf das Ernährungsverhalten. Sie ist für die Kinder nicht nur ein Lernort, sondern vielmehr auch ein Lebensort. Durch den hohen Einflussfaktor der Schule erfolgt Ernährungsbildung also nicht nur im Unterricht. Sie beginnt im Alltäglichen, wie beispielsweise in der Mensa, am Schulkiosk etc.

In der Primarstufe wird Ernährungserziehung im Sachunterricht behandelt und in der Sekundarstufe kommt dem Fach AES eine besondere Rolle zu. Hier sollte neben der Ernährungserziehung die Wissensvermittlung über Lebensmittelzusammensetzung, Esskultur, Ernährungsphysiologie sowie über den Zusammenhang zwischen Ernährung und Gesundheit eine große Relevanz haben. Laut dem Bildungsplan 2016 sollen Schülerinnen und Schüler sich mit dem Thema Ernährung und Essen gezielt auseinandersetzen, um ein verantwortungsbewusstes Handeln für sich und andere zu entwickeln (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, 2016). Zudem sollten Kompetenzen in der Verarbeitung, Zubereitung und der Lagerung erlernt werden. Ernährungserziehung gilt als Prävention, bei der gesundheitsbedingte negative Einflüsse verhindert, bzw. verringert werden. Die Schülerinnen und Schüler sollten sich mit ihrem eigenen Ernährungsprozess auseinandersetzen, um einen gesundheitsbewussteren Weg anzubahnen (Wittkowske et al., 2017). Hier wird auch von lebensweltorientiertem Lernen gesprochen, bei dem Lehr- und Lernprozess an die bereits vorhandenen Erfahrungen angeknüpft werden (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, 2016).

Das Essen ist mit allen Sinnen verbunden und daher ist es Ziel, die Sinne zu schulen, um die Genuss- und Wahrnehmungsfähigkeit zu optimieren (Wittkowske et al., 2017). Dies ist auch ein Bestandteil der Kompetenzen und Inhalte des Bildungsplans im Fach AES: „Die Schülerinnen und Schüler können Zugänge zur Genussfähigkeit ermöglichen, sinnliche Wahrnehmungen mit Unterstützungsmaterial beschreiben und reflektieren“ (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, 2016, S. 17).

Wichtig vor allem sind praktische Unterrichtseinheiten. Laut Ranetbauer und Hackl (2007) sollte „praktischer Kochunterricht in einer Lehrküche [...] ein fester Bestandteil der Lehrpläne aller Schulen werden und könnte bereits im Kindergarten begonnen werden“ (S. 19). Dies ist heutzutage auch besonders wichtig, da bei der Nahrungszubereitung ein besonders hohes Kompetenzdefizit festzustellen ist. Im neuen Bildungsplan wurde darauf Rücksicht genommen unter dem Kapitel „Nahrungszubereitung und Mahlzeitengestaltung“. Hier sollen die Schülerinnen und Schüler erlernte Techniken der Nahrungszubereitung anwenden. Dazu gehört jedoch nicht nur die Mahlzeitengestaltung, sondern auch der Umgang mit Arbeitsgeräten, sowie Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, 2016).

Zum Aufbau des Bildungsplans 2014 des Unterrichtsfaches Mensch und Umwelt lässt sich sagen, dass dieser sich aus einzelnen Kompetenzen mit Kenntnissen, Fertigkeiten und Einstellungen zusammensetzt. Diese gliedern sich in Sachkompetenzen, Methodenkompetenzen, soziale und personale Kompetenzen (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, 2014). Hier steht „die Planung, Bewertung und Zubereitung von bedarfsgerechter, vollwertiger und gesunder Ernährung unter Berücksichtigung des Genusswertes und des Ökologiewertes im Mittelpunkt“ (ebd., S. 150).

Im Bildungsplan 2016 wird hingegen stets zwischen prozess- und handlungsorientierten Kompetenzen unterschieden. Zudem wird zwischen drei Niveaus differenziert: G-/ E-/ M- Niveau. Die Leitgedanken zum Kompetenzerwerb wurden neu formuliert und die Kompetenzen und Inhalte nach Bereichen gegliedert. Die Bildungsziele wurden in Form von Könnens- Beschreibungen festgelegt (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport, 2016).

Der aktuelle Bildungsplan setzt sich für die Klassen 7, 8 und 9 aus folgenden Themenbereichen zusammen:

- Lernen durch Engagement
- Ernährung
- Gesundheit
- Konsum
- Lebensbewältigung und Lebensgestaltung

Zum Themenbereich Ernährung gehört:

- die Essbiografie: Reflektieren des eigenen Essverhaltens
- das ernährungsbezogene Wissen: Herstellen von Zusammenhängen zwischen Ernährung, Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und Gesundheit
- die Nahrungszubereitung und Mahlzeitengestaltung'. Kenntnisse über Kultur und Technik der Nahrungszubereitung und Mahlzeitengestaltung sowie die Anwendung, Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen, Nachhaltigkeit (ebd.)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Ernährungserziehung in der Schule eine große Rolle zukommt. Die Schülerinnen und Schüler sollten im besten Fall nicht nur zu einer kritischen Reflexion des eigenen Ernährungsverhaltens fähig werden, sondern viel mehr Spaß an einer gesunden Ernährung bekommen. Des Weiteren ist das Lebensmittelangebot so facettenreich und vielseitig wie nie zuvor, sodass auch hier eine Sensibilisierung für die Jugendlichen stattfinden muss.

3. Empirische Studie

Diese wissenschaftliche Untersuchung erforscht das ernährungsbezogene Wissen Jugendlicher der neunten Klassenstufe in zwei Realschulen. Dabei werden die Auswirkungen des Unterrichtsfaches AES berücksichtigt. Ernährungsbezogenes Wissen meint das „Wissen um .gesunde/ ungesunde' bzw. .richtige' Ernährung (nach den für das Land gültigen Ernährungsempfehlungen), um .gesunde/ ungesunde' Lebensmittel und deren Wirkung und um den Zusammenhang zwischen Ernährungsgewohnheiten und ernährungsbedingten Erkrankungen“ (Austel, Heseker, Ellrott& Mickelat, 2009, S.24).

3.1. Forschungsfrage

Bei der empirischen Studie wird von folgender Forschungsfrage ausgegangen: „Welchen Einfluss hat das Fach AES auf das Ernährungswissen der Schülerinnen und Schüler?“

Daraus leiten sich folgende Hypothesen ab:

H1: Es wird vermutet, dass Schülerinnen und Schüler, die das Fach AES besuchen, über mehr ernährungsbezogenes Wissen verfügen.

HO: Das ernährungsbezogene Wissen von Schülerinnen und Schülern, die Unterricht im Fach AES hatten, unterscheidet sich nicht von jenen, die dieses Unterrichtsfach nicht besucht haben.

3.2. Methodik

Für die vorliegende wissenschaftliche Hausarbeit wurde die Methodik der Befragung gewählt. Es gibt unterschiedliche Arten von Befragungen. Unterschieden wird nach dem Grad ihrer Standardisierung und danach, ob sie mündlich oder schriftlich durchgeführt werden. In diesem Fall wurde die schriftliche Befragung mit standardisierten Antwortvorgaben gewählt, um eine quantitative Datensammlung und eine möglichst große Zahl von Menschen zu erfassen. Das Hauptanliegen der quantitativen Wissenschaftsmethodologie liegt darin, empirische Daten zu gewinnen, mit denen bereits formulierte Hypothesen überprüft werden können. Zudem gilt der Fragebogen als das Verbindungsstück von Theorie und Analyse. Wichtig ist es, bei der Entwicklung des Fragebogens präzise und sorgfältig zu arbeiten, um Fehler im Fragebogen zu vermeiden. Die Auswahl der einzelnen Fragen spielt also eine große Rolle und die Fragen sollten genau unter die Lupe genommen werden (Bühren, 2018). Bei den Formulierungen muss im ersten Schritt überlegt werden, an wen sich der Fragebogen richtet. Da der Fragebogen ausschließlich Jugendlichen vorgelegt wurde, musste die Sprache angepasst werden. Zudem sollte der Aufbau des Fragebogens nicht zu komplex sein und die Gesamtlänge zumutbar. Um Gedankensprünge zu vermeiden, sollten Fragen zum gleichen Themengebiet nacheinander folgen. Bei der Formulierung der Fragen sollte bereits im Voraus bedacht werden, welchen Spielraum die Befragten für ihre Beantwortung der Fragen bekommen sollten. Es wird hierbei zwischen offenen, halboffenen und geschlossenen Fragen unterschieden. Bei offenen Fragen gibt es keine vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Die Befragten formulieren ihre Antwort also selbstständig. Hier werden individuelle und offene Rückmeldungen der Befragten erwartet. Bei Fragen mit halboffener Befragung gibt es vorgegebene Antwortmöglichkeiten sowie eine zusätzliche Kategorie, in der sonstige Antworten individuell formuliert werden können (ebd.). Der Vorteil der Fragebogenmethode ist, eine hohe Vergleichbarkeit der Informationen vieler Personen. Zudem bekommen die Befragten Anhaltspunkte für ihre Meinungsbildung. Durch den hohen Standardisierungsgrad gibt es allerdings auch Nachteile. Der Fragebogen, vor allem mit geschlossenen Fragen, ist nicht flexibel. Das bedeutet, dass weitere, möglicherweise relevante Informationen dem Forscher unerkannt bleiben. Jedoch erlauben schriftliche Befragungen eine größere Anonymität im Gegensatz zu mündlichen Befragungen. So kann davon ausgegangen werden, dass verfälschte Aussagen bei anonymen, schriftlichen Befragungen geringer sind als bei mündlichen (Eid, Gollwitzer & Schmitt, 2013). Bei der Auswahl der Fragen ist zudem zu bedenken, wie viele Fragen für den Fragebogen ausgewählt werden. Sind die Anzahl oder der Schwierigkeitsgrad der Fragen zu hoch, kann es bei den Befragten zu einer Anstrengung oder Frustration kommen (ebd.).

3.2.1. Aufbau des Fragebogens

Der Fragebogen beginnt mit einer kurzen Einleitung. Hier wurde knapp beschrieben, welchen Zweck die Befragung hat. Zudem wurde in der Einleitung die Anonymität zugesichert und um ein vollständiges Ausfüllen des Fragebogens gebeten.

Der für diese Forschung verwendete Fragebogen wurde speziell für diese wissenschaftliche Hausarbeit entwickelt. Er gliedert sich in vier Teilbereiche und besteht insgesamt aus 20 Fragen.

Die ersten sechs Fragen sind soziodemografische und persönliche Angaben zur Person. Hier geht es um das Geschlecht, die Klasse, die Schule, den Besuch und die Besuchsdauer des Unterrichtsfaches AES sowie den Bezug zum Thema Ernährung. Die sechste Frage soll vor allem persönlich betreffend sein und als Eisbrecherfrage fungieren. Hier können die Schülerinnen und Schüler ihr (Nicht-) Interesse zum Thema Ernährung in ein bis zwei Sätzen darlegen und erläutern. Dadurch wird der Einstieg in den Fragebogen erleichtert.

Im zweiten Teilbereich wurden Fragen gestellt, die erwünschte Konsumhäufigkeiten nach den zehn Regeln der DGE abfragen. Diese gehören zu den Ernährungsempfehlungen der DGE. Das Nennen, bzw. Erklären oder Begründen der Empfehlungen und - regeln ist als eine der

[...]

Details

Seiten
59
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346024725
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v497876
Note
Schlagworte
vermittlung ernährungswissen ernährungspraxis schülern bedeutsamkeit unterrichtsfaches alltagskultur ernährung soziales

Autor

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Titel: Vermittlung von Ernährungswissen und Ernährungspraxis bei Schülern