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Die Aktualität der Reformpädagogik von Pestalozzi für die Erziehung und Bildung im schulischen Kontext

Ausarbeitung 2018 15 Seiten

Sozialwissenschaften allgemein

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2. Leben und Werk Pestalozzis

3. Zentrale Aspekte der Lehre Pestalozzis
3.1. Schule nach Pestalozzi

4. Aktualität in der (schulischen) Erziehung und Bildung
4.1. Ein schulbezogenes Beispiel ganzheitlichen Lernens und Lehrens im pestalozzischen Sinne
4.2. Praktikabilität der Pädagogik Pestalozzis im heutigen Schulsystem
4.3. Die Unterstützung ganzheitlicher schulischer Bildung durch Schulsozialarbeit in Deutschland

5.Fazit

6.Literatur

1.Einleitung

Diese Arbeit befasst sich mit der Aktualität der Reformpädagogik Pestalozzis in heutigen Einrichtungen und Institutionen der Erziehung und Bildung für Kinder und Jugendliche. Was sind zentrale Aspekte der Lehre Pestalozzis und wo finden diese heutzutage Anwendung im schulischen Kontext? Diese Fragen sollen hier im Wesentlichen beantwortet werden. Ein grober Überblick zur zeitgeschichtlichen Einordnung des Leben Pestalozzi wird in 2. gegeben. Dieser Überblick über sein Leben und die Zeit, in der es sich abspielte, ist scheinbar unerlässlich und grundlegend für ein weiteres Verständnis der pädagogischen Grundgedanken Pestalozzis; seine Ansichten sind kaum separat von seinem Leben und seinen persönlichen Erfahrungen zu betrachten. Zentrale, erziehungsrelevante Aspekte seiner Lehre werden in 3. näher beleuchtet und in 3.1. ein weit gefasster Bezug Pestalozzis zur heutigen Sozialisations- und Bildungsinstanz Schule hergestellt. In 4. wird der Frage nachgegangen, inwieweit die Umsetzung der Pestalozzischen Reformpädagogik in Schulen überhaupt praktikabel bzw. umsetzbar ist. Zunächst stellt das konkrete Beispiel eines Schulprojektes eine Möglichkeit unter vielen dar, wie ganzheitliches Lernen am Modell gehen kann, wenn die Schüler/innen selbst dabei als Entdecker ihrer eigenen Umwelt im Mittelpunkt stehen. Im Gegensatz zu diesem eindeutigen Beispiel, das subjektiv gewählt wurde steht die (begrenzte) Möglichkeit der Umsetzung der pestalozzischen Pädagogik, gesehen auf das gesamte Bildungssystem Deutschlands. In 4.2. werden in aller Kürze Einschränkungen und Schwierigkeiten umrissen, die einer individuellen Förderung im ganzheitlichen Ansatz an Schulen entgegenstehen. Die Frage ob und inwieweit Schulsozialarbeit im Kontext gegenwärtiger Problematiken Abhilfe bezüglich ganzheitlichen Lernens im pestalozzischen Sinne leisten kann, ist Gegenstand des letzten Abschnittes 4.3. Abschließend beleuchtet ein knappes, persönliches Fazit kritisch eigene Erkenntnisse und rundet die Arbeit ab.

2. Leben und Werk Pestalozzis

Pestalozzi wurde am 12. Januar 1746 in Zürich geboren und verbrachte dort die Zeit bis zum 21. Lebensjahr. Er war fünf Jahre alt, als sein Vater starb und wurde so in seiner Erziehung geprägt durch das weibliche Umfeld seiner Mutter und dessen Magd, sowie durch viele Aufenthalte im Hause seines Großvaters, einem Pfarrer, der ihm zeitweise als ein väterlicher Ersatz diente (vgl. Knoop 1994, S. 72). Diese Umstände trugen zum späteren Wunsch Pestalozzis bei, sich für Kinder der benachteiligten Landbevölkerung und für Verwaiste einzusetzen. Trotz der relativ ärmlichen Verhältnisse, in denen er gemeinsam mit seinen beiden Geschwistern aufwuchs, profitierte er stark von den schulischen Verhältnissen und dem aktiven geistigen Leben in Zürich (vgl. Liedtke 1968, S. 10 ff.). Von 1751 bis 1765 besuchte Pestalozzi die Elementar- und die Lateinschule; zuerst studierte er Theologie, dann Jurisprudenz am Collegium Carolinum in Zürich, wo ihn der Aufklärer Johann Jakob Bodmer als sein Lehrer neben Breitinger stark beeinflusste. Ebenso großen Einfluss auf Pestalozzi und dessen spätere Werke erhielt Jean Jaques Rousseau, als einer der bekanntesten Vertreter der Aufklärung. In seinen Schriften stellte Rousseau die Vernunft des Menschen und dessen Selbstbestimmung über eine durch die Kirche vorgegebene göttliche Vorhersehung; dieser Grundgedanke zieht sich auch durch die Werke Pestalozzis hindurch (vgl. Kuhlmann 2013, S. 31). 1767 brach Pestalozzi sein Theologiestudium ab und begann eine Lehre als Landwirt in Burgdorf. Einige Geisteswissenschaftler sehen bereits in dieser Handlung eine bewusste Entscheidung und deutliche Ablehnung Pestalozzis der schulischen Bildung im Sinne reiner Wissensvermittlung (vgl. Danner et al. 1985, S.79 ff.). Zu betonen an dieser Stelle ist, dass das geistige Leben im Umfeld Pestalozzis seinerzeit geprägt wurde von den Umbrüchen in einem beginnenden Abbau der Ständegesellschaften Europas bzw. der gesellschaftlichen Neugestaltung in der Epoche der Aufklärung. Die Schwächung der Kirche und des Adels, sowie die einsetzende Industrialisierung und vor allem die Französische Revolution prägten den damaligen Geist der Zeit und sind daher nicht zu trennen von den Werken und dem Wirken Pestalozzis. Die Forderung nach einer allumfassenden Erziehung, die Abkehr der Pädagogik von der Kirche, die Dekonstruktion der Familie als Erziehungsinstanz durch den Wegfall der Landwirtschaft und den vermehrten Arbeitseinsatz in der Produktion, die Frage um die Waisenkinder von Kriegsopfern, all dies prägte und formte das Leben von Johann Heinrich Pestalozzi. 1779 erfolgte die Einrichtung des ersten Lehrstuhls für Pädagogik an der Universität Halle im Jahr (vgl. Blankertz 2011, S.28ff.). Im selben Jahrzehnt gründete Pestalozzi in Neuhof eine Armenanstalt für Waisenkinder, die hier die Möglichkeit erhalten sollten, sich durch die Ausübung leichter land- und hauswirtschaftlicher Tätigkeiten an einen geregelten Alltag zu gewöhnen. Die Armenanstalt scheiterte bereits 1780 aus finanziellen Gründen (vgl. Knoop 1994, S. 72f.). In finanzieller Not wendete sich Pestalozzi der Schriftstellerei zu und begann ab 1781 mit seinem Werk „Lienhard und Gertrud“, welches ihm schnell zu gesellschaftlicher Anerkennung verhalf (vgl. Thole 2012, S. 136). Der schriftstellerische Erfolg Pestalozzis war ebenso wenig konstant, wie sein gesamter Werdegang und die Erfolge und Misserfolge, die er durchlebte. Sein pädagogisches Hauptwerk „Wie Gertrud ihre Kinder lehrt“ erschien 1801, im selben Jahr, in dem sein einziger Sohn im Alter von 31 Jahren an Epilepsie verstarb. 1798 übernahm Pestalozzi für ein halbes Jahr die Leitung einer Anstalt in Stans. Hier verfasste er seinen berühmten Stanser Brief, in dem er einem Freund seine Erfahrungen bezüglich der Erziehung von armen und verwaisten Kindern schilderte (vgl. Kuhlmann 2013, S. 40ff.). 1800 erhielt Pestalozzi eine Position als Lehrer und Schulleiter in Burgdorf und gründete eine Ausbildungseinrichtung für Lehrer, mit der er später nach Iferten umsiedelte. Die Tätigkeit in Iferten und die veröffentlichten Schriften zu Lehrmethoden erbrachten ihm weltweiten Ruhm (vgl. Knoop 1994, S. 72ff.). Johann Heinrich Pestalozzi starb am 17. Februar 1827 in Brugg. Auf seinem Grabstein stehen die Worte: „Retter der Armen in Neuhof, Prediger des Volkes in Lienhard und Gertrud, in Stans Vater der Waisen, zu Burgdorf und Münchenbuchsee Gründer der neuen Volksschule“ (vgl. Kuhlmann 2013, S. 39f.)

Leben und Werk Pestalozzis ist nicht oder kaum trennbar von seinen Ansichten über Berufs- und Rollenbilder in der Pädagogik. In seinem Dorfroman Lienhard und Gertrud kommt der Grundgedanke der Milieupädagogik erstmals stark zum Ausdruck: äußere Umstände formen den Menschen, wobei der Mensch durch sein eigenverantwortliches Handeln (begrenzt) Einfluss erhält auf diese Umstände. Der dahinterstehende Grundgedanke ist philosophisch verankert im sogenannten Dualismus (vgl. Danner et al. 1985, S.80). In Abgrenzung zu Rousseau lässt Pestalozzi den sozialen Lebensformen als Erziehungsgemeinschaften eine große Bedeutung zukommen. Es besteht eine klar ersichtliche Wechselwirkung zwischen gesellschaftlichen Veränderungsprozessen und pädagogischen Lösungsversuchen (vgl. ebd., S.81f.). Die Verringerung des Gegensatzes zwischen Lern- und Erziehungsschule führte mitunter zu seiner ganzheitlichen Betrachtungsweise (vgl. ebd., S.79ff.). Politische Auseinandersetzungen mit der Gegenüberstellung von Mensch und Gesellschaft ist zu Zeiten der französischen Revolution allgegenwärtig und damit auch in den Grundgedanken zu pädagogischem Handeln enthalten. Zeitgebundene Normen und Betrachtungsweisen spielen also stets eine große Rolle in den pestalozzischen Schriften.

3. Zentrale Aspekte der Lehre Pestalozzis

Die Pädagogik Pestalozzis ist grundlegend in der Anthropologie verhaftet. Die Frage nach dem Menschen ist wesentlicher Ausgangspunkt seiner Überlegungen. Die Berufs- und Standesbildung ist somit eindeutig der Menschenbildung untergeordnet (vgl. Danner at al. 1985, S.77). Dieser Grundgedanke kann in Anbetracht der allgemein anerkannten Normen und Werte des 18. Jahrhunderts als revolutionär bezeichnet werden. In den Theorien Pestalozzis stellt die Bildung des Menschen und damit einhergehend die Bildung der gesamten Menschheit ein zentrales Thema dar. Eine gesellschaftskritische Auseinandersetzung mit der Frage nach der Beziehung zwischen Mensch und Gott findet statt; hinterfragt werden auch Zusammenhänge von Erziehung und Entwicklung. Pestalozzi legt Wert auf eine nahe, vertraute Welt des Konkreten bzw. auf die Methode der Anschauung (vgl. Hebenstreit 1996, S. 46). Der Begriff der Bildung meint im pestalozzischen Sinne auch immer die Menschenbildung bzw. Menschwerdung (vgl. ebd., S.19f.). In diesem Zusammenhang wird in fachlichen Diskursen häufig von einer Vermenschlichung der Pädagogik und deren Erhebung zur Menschenbildung gesprochen. Ziel der Menschenbildung sollte sein, ein glücklicher Mensch werden zu können. In diesem Zusammenhang betont Pestalozzi die Notwendigkeit, ein einfaches Leben zu führen. Der Mensch sollte sich zur inneren Ruhe bemühen und die Fähigkeit entwickeln, Stille zu genießen. Dazu zählt auch der Verzicht auf Oberflächlichkeit, Zerstreuung und Überflüssiges (vgl. Thesing 2014, S. 29). Zu Zeiten Pestalozzis gab es Dorfschulen und Gymnasien. In den Dorfschulen wurde hauptsächlich Elementarbildung vermittelt, an Gymnasien hingegen war das bloße Auswendiglernen oder Lösen abstrakter Aufgaben oftmals hauptsächlicher Bestandteil des Unterrichts (vgl. ebd., S. 31f.). Seine Kritik am damaligen Schulsystem bemängelt daher, dass der Unterricht und die Lerninhalte zu abstrakt gestaltet seien und den Kindern nur leere Worte ohne Inhalt vermitteln würde. Ein Vorbereiten auf das spätere Leben fand demnach laut Pestalozzi überhaupt nicht statt. Er fordert die Anpassung der Schulen an sein sogenanntes Wohnstubenmodell (vgl. ebd., S. 31f.). Dieses besagt, dass Kinder am besten im häuslichen Umfeld lernen können, da sich dort das wahre Leben abspielt. Der Vater übernimmt als Vorbild die Verantwortung gegenüber der eigenen Familie. Die Mutter steht, als Gegenpart zum Vater, für Liebe, Dankbarkeit und familiäre Verpflichtungen. So kann das Kind physische, affektive und intellektuelle Kräfte, also „Herz, Kopf und Hand“, ausbilden (vgl. Russ 1963, S.98). Das Erlangen eines Gleichgewichts zwischen den einzelnen Komponenten Herz, Kopf und Hand ist Ziel der ganzheitlichen Erziehungsmethode Pestalozzis.

In seinen Vorstellungen zur Erziehung der Armen tritt das Prinzip „Hilfe zur Selbsthilfe“ in den Vordergrund. Praktische Hilfen zu Selbstständigkeit sind für Pestalozzi wichtiger als materielle Unterstützung. Dieses Prinzip verfolgte Pestalozzi beispielsweise in Stans, in dem er die Waisenkinder durch das Ausführen (leichter) körperlicher Arbeiten auf ihr späteres Leben vorbereiten wollte. Neben der Befähigung zu einer selbstständigen Arbeitsweise und der Förderung handwerklicher bzw. landwirtschaftlicher Fähigkeiten sollen Kinder aus ärmeren Schichten Zugang zu Bildung haben und die Möglichkeit erhalten, Lesen, Schreiben und Rechnen zu lernen. Somit steht hinter der Armenerziehung nach Pestalozzi auch der Gedanke einer Chancengleichheit. Weiterhin betont Pestalozzi die Notwendigkeit einer geplanten und reflektierten Erziehung des Kindes als Elementarbildung. Er bezeichnet diese als eine „Kunst“, mit deren Hilfe sich der Mensch in der "chaotischen Natursituation" zurechtzufinden kann. Ein Kind darf sich demnach nicht vollkommen selbst überlassen werden, sondern wird in seiner Entwicklung dann optimal unterstützt, wenn Bildungsinhalte durch die Eltern in eine richtige Reihenfolge gebracht werden. Laut Pestalozzi werden Kinder so dazu befähigt, Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. In vier aufeinanderfolgenden Stufen soll das kindliche Lernen optimal geregelt werden. Diese vier Stufen benennt Pestalozzi als Anschauung, Bestimmtheit, Klarheit und Deutlichkeit (vgl. Thesing 2014, S. 33ff.). Stets den Menschen im Blick, suchte Pestalozzi nach einer Vereinfachung der Lehrmittel. Im Mittelpunkt von Erziehung sollte das Kind selbst stehen, sowie dessen kindliche Natur mit all seinen ursprünglichen Anlagen und Fähigkeiten (vgl. ebd., S.26). Bildung und Erziehung werden von Pestalozzi als ein ganzheitlicher Prozess angesehen. Er bezieht sich dabei auf das Zusammenspiel der sittlichen (Herz), geistigen (Kopf) und physischen (Hand) Entwicklung des Menschen. Die von Pestalozzi an vielen Stellen erwähnte „sittliche Erziehung“ ist begrifflich gleichzusetzen mit „Sozialerziehung“ und meint im weitesten Sinne wiederum die ganzheitliche Erziehung zur Menschwerdung. Sie sollte idealerweise ebenso neutral wie wertend sein (vgl. Danner et al. 1985, S.82 f.). Den Ursprung der sittlichen Entwicklung sieht er in der frühen Mutter-Kind-Bindung, durch die ein Urvertrauen erlangt werden kann, welches das Vertrauen zu Gott und anderen Menschen überhaupt erst ermöglicht, wobei die geistigen und physischen Entwicklungen eng miteinander verbunden sind. Geistige Erfahrungen sollen stets von praktischen Handlungen untermalt werden, um eine fundierte anwendungsbezogene Grundlage in der Praxis zu schaffen (vgl. ebd., S. 32). Die Reifung von Gefühl und Verstand ist dabei stets als zentrales Element zu betrachten. All dies unterliegt insgesamt der Idee der Naturgemäßigkeit in der Entfaltung und Ausbildung der Kräfte und Anlagen eines Menschen. Pestalozzi betont mehrfach die Selbstregulierungskraft der Natur bzw. des Lebens. Die Umwelt des Kindes fördert dessen Anlagen und Fähigkeiten bestmöglich. Das Kind wird sich als Erforscher der eigenen Umwelt seiner Fähigkeiten bewusst und entfaltet aus diesen Erkenntnissen heraus seine „aufwachenden Menschenkräfte“ (vgl. Pestalozzi 1976, S.41). Abschließend sind zusammenfassend folgende wesentlichen Elemente als pädagogische Leitideen und Konzepte Pestalozzis zu benennen:

1. Menschenbildung
2. die Schaffung einer neuen Schule
3. die Wohnstubenerziehung
4. die Armenerziehung
5. die Elementarbildung
6. die Bildung von Kopf, Herz und Hand

3.1. Schule nach Pestalozzi

Im Fokus aller nachfolgenden Betrachtungen steht insgesamt die Idee des entdeckenden Lernens mit dem Kind als Erforscher seiner eigenen Welt, sowie das damit verbundene Konzept der Individualförderung innerhalb der Sozialisations- und Bildungsinstanz Schule. Als idealtypische Schulerziehung fordert Pestalozzi eine elementare Bildung zum bewussten Menschen unter Berücksichtigung gegebener Talente des Kindes, sowie die individuelle Förderung eines jeden Schülers, welche die intrinsische Motivation entstehen lässt, durch eigenes Erforschen lernen zu wollen. Die Lehrperson tritt ihren Schüler/innen auf Augenhöhe entgegen und nicht als (aufgrund ihres Wissensvorsprungs) höhergestellte Autoritätsperson. Als Begleiterin des aktiven Lernprozesses soll sie die Tätigkeiten in eine konstruktive Richtung lenken und wenn nötig, kommentieren. Häufige oder zu frühe Eingriffe in den Lernprozess würden den didaktischen Mehrwert des erforschenden Lernens minimieren. Der/ die Lehrende ist kein/e Vortragende/r, sein Ziel ist es, den Kindern zu selbst gewonnenen Erkenntnissen zu verhelfen, indem sie/er abstrakte Sachverhalte konkretisiert und sie transparent, also selbstlernbar, macht (vgl. Domke 1991, S.97ff.). Bei Onlinerecherchen stoßt man unter den begrifflichen Definitionen zu Pestalozzischulen immer wieder auf eine unter dem Landesdurchschnitt liegende Anzahl an Schülern pro Klasse, sowie auf zahlreiche Angebote, in denen Schüler/innen in eigenen Projekten selbst die Möglichkeit haben, sich frei zu entfalten. So bietet beispielsweise das Pestalozzi-Gymnasium in Herne neben dem Regelunterricht viele Neigungsgruppen an, wie unter anderem die „Klangakrobaten“. Des Weiteren helfen sich Schüler gegenseitig im Projekt „Schüler helfen Schüler“; ältere leistungsstarke Schüler geben hier jüngeren bzw. leistungsschwächeren Schülern Nachhilfe (vgl. Schulleitung, Pestalozzi-Gymn., 2015). Weitere zahlreiche Pestalozzi Schulen stellen ihre Konzepte online zur Verfügung. Wirft man einen Blick darauf, so fallen einem sofort Stichworte, wie individuelle Förderung, Schwerpunktschule, Inklusion oder interessenorientiertes Lernen (u.a. in vielen Projekten) ins Auge. Eine Pestalozzischule sollte sich dem Namen des großen Pädagogen verpflichtet fühlen. Was eine solche Schule ist und sie besonders auszeichnet, muss sie jedoch stets am konkreten Beispiel der jeweiligen Einrichtung hinterfragt werden. Viele Pestalozzischulen sind Privatschulen und stehen somit im Widerspruch zu den Ideen einer (chancenangleichenden) Armenerziehung von Pestalozzi und dem Grundgedanken eines freien, nicht durch die Kirche oder der Standeszugehörigkeit vorherbestimmten Zugangs zu elementarer Bildung. Die Umsetzung der Konzepte erfolgt hier beispielhaft mit Erfolg, nicht zuletzt aufgrund der finanziellen Mittel und Möglichkeiten privater Bildungsinstitutionen und Einrichtungen (vgl. Domke 1991, S.73).

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Details

Seiten
15
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346018762
ISBN (Buch)
9783346018779
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v497995
Institution / Hochschule
Hochschule RheinMain
Note
1,0
Schlagworte
Pestalozzi ganzheitliches Lernen Schulsystem Pädagogik Schulsozialarbeit

Autor

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Titel: Die Aktualität der Reformpädagogik von Pestalozzi für die Erziehung und Bildung im schulischen Kontext