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Zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Die Kommunikationsform der Plauder-Chats

Hausarbeit (Hauptseminar) 2018 79 Seiten

Germanistik - Linguistik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Internetbasierte Kommunikation im Spannungsfeld Mündlichkeit – Schriftlichkeit
2.1 Entwicklungen durch die Erfindung des Web 2.0
2.2 Interaktionsorientiertes vs. Textorientiertes Schreiben
2.3 Modell der medialen / konzeptionellen Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit.

3. Die Kommunikationsform „Chat“
3.1 Bedeutung
3.2 Merkmale und Besonderheiten
3.3 Einordnung in das Nähe-Distanz-Modell

4. Aspekte konzeptioneller Mündlichkeit in Plauder-Chats
4.1 Korupuswahl
4.2 Analysekriterien
4.3 Analyse
4.3.1 Syntax
4.3.2 Morphologie
4.3.3 Phonetik
4.3.4 Semiotik
4.4 Auswertung und Interpretation der Ergebnisse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Korpusanhang

1. Einleitung

Tägliches E-Mail schreiben, online Zeitung lesen, chatten oder über Facebook Kontakte und Freundschaften pflegen gehört heute für die Menschen zum Alltag. Diese sogenannte ‚Online-Kommunikation‘ ist aus unserem Leben kaum noch wegzudenken. Unter Online-Kommunikation werden „alle Formen interpersonaler, gruppenbezogener und öffentlicher Kommunikation […], die über vernetzte Computer vermittelt werden“1, verstanden. Dies ist noch nicht lange so. Erst nachdem das World Wide Web 1993 zur allgemeinen Nutzung für die Öffentlichkeit freigegeben wurde, kam es zu einem weltweiten Datenaustausch.2 Weblogs und Online-Communities wurden immer populärer und für diese neuen Entwicklungen entstand der Begriff des Web 2.0.3 Mit dem Web 2.0 wird eine neue Dimension von weltweiter Kommunikation und Interaktion im Netz durchgesetzt.4 Online-Kommunikation findet in einer Vielzahl verschiedener Formen und Anwendungsfelder statt. Eine Form davon ist der sogenannte ‚Plauder-Chat‘, mit dem sich die vorliegende Arbeit befasst.

Aus Sicht der Kommunikationsgeschichte ist die Neuheit an Chats, dass die „Schrift erstmals genuin und im großen Stil für die situationsgebundene, dialogische und simultane Kommunikation zwischen mehreren Personen verwendet.“5 Die Schrift zieht erstmals in Handlungsbereiche ein, die zuvor der mündlichen Kommunikation vorenthalten waren. Koch und Oesterreicher erklären dieses Verhältnis von Mündlichkeit und Schriftlichkeit anhand ihres Nähe-Distanz-Modells. Nach diesem Modell ist die Kommunikationsform ‚Plauder-Chat‘ dem Nähepol im Bereich der medialen Schriftlichkeit zuzuordnen und enthält viele Aspekte der konzeptionellen Mündlichkeit. Auf Grundlage des Nähe-Distanz-Modelles befasst sich die vorliegende Arbeit mit den folgenden Fragen: Welche Aspekte der konzeptionellen Mündlichkeit enthält der Plauder-Chat? Inwiefern orientiert sich die Kommunikationsform ‚Plauder-Chat‘ am Duktus der gesprochenen Sprache? Zur Beantwortung dieser Fragen wird eine zur bestehenden Forschungsliteratur illustrative Analyse verschiedener Plauder-Chat Beispiele aus dem Dortmunder Chat-Korpus durchgeführt. Ziel der Arbeit ist es, aufzuzeigen, dass die Chat-Kommunikation sich in vielerlei Hinsicht der mündlichen Kommunikation annähert. Dabei soll auch auf die Grenzen der Chat-Kounikation, wie der fehlenden Mimik und Gestik, hingewiesen werden.

Dazu wird zunächst literaturbasiert ein kurzer Einblick in die internetbasierte Kommunikation im Spannungsfeld Mündlichkeit – Schriftlichkeit gegeben. Hierbei werden in 2.1 die Entwicklungen durch die Erfindung des Web 2.0 beschrieben, in 2.2 der interaktionsorientierte von dem textbasierten Schreibstil abgegrenzt und in 2.3 das Nähe-Distanz-Modell von Koch und Oesterreicher erklärt. Anschließend wird kurz auf die Kommunikationsform ‚Chat‘ eingegangen. In 3.1 werden die technischen Rahmenbedingungen des Chats erklärt, in 3.2 die Merkmale und Besonderheiten und in 3.3 wird der Chat in das Nähe-Distanz-Modell von Koch und Oesterreicher eingeordnet. Daran anschließend werden die Aspekte konzeptioneller Mündlichkeit in Plauder-Chats behandelt. In 4.1 wird das Dortmunder Chat-Korpus vorgestellt und in 4.2 die Analysekriterien erläutert. In 4.3 wird die Analyse der Chat-Beispiele auf das Vorkommen von Aspekten konzeptioneller Mündlichkeit anhand der vier übergeordneten Kategorien Syntax, Morphologie, Phonetik und Semiotik durchgeführt. In 4.4 werden die Ergebnisse der Analyse ausgewertet und interpretiert und daraus ins Fazit übergeleitet. In diesem werden die Inhalte der Arbeit kurz zusammengefasst, eingeordnet und daraus ein Resultat in Bezug auf die Forschungsfrage gezogen.

2. Internetbasierte Kommunikation im Spannungsfeld Mündlichkeit –chriftlichkeit

2.1 Entwicklungen durch die Erfindung des Web 2.0

Durch die Entwicklung des Web 2.0 entstehen viele neue Schreibanlässe. Die Schrift dient nicht nur dem Informationsaustausch, sondern spielt auch eine wichtige Rolle für den Beziehungsaufbau und die Beziehungspflege.6 Durch mobile Endgeräte ist es möglich, von nahezu jedem Ort aus und jederzeit Nachrichten zu versenden.7 Dies bewirkt, dass heutzutage deutlich mehr geschrieben wird als früher.8 Der rasante Erolg von WhatsApp, Facebook und co. zeigt dies deutlich.

Durch diese Entwicklungen wird die Schriftsprache im Internet vermehrt in Handlungsbereichen genutzt, die zuvor der mündlichen Sprache vorenthalten waren: „[…] Für den dialogischen, spontanen und informellen Austausch in öffentlichen Chats und Foren […]“.9 Durch diese Veränderungen kommt es zu neuen Haltungen über das Schreiben und die Schriftlichkeit.10 Ein neuer Schreibstil entsteht, bei dem bei dem nicht das Schreibprodukt, sondern die laufende Interaktion zwischen den Gesprächspartnern im Vordergrund steht.11 Dieser sogenannte ‚interaktionsorientierte Schreibstil‘ wird im Folgenden in Abgrenzung zum textorientierten Schreibstil näher erläutert.

2.2 Interaktionsorientiertes vs. textorientiertes Schreiben

Die wesentliche Neuheit an dem interaktionsorientiertem Schreibstil ist, dass der Fokus der Aufmerksamkeit auf dem aktuellen Kommunikationsgeschehen liegt.12 Beim textorientierten Schreibstil hingegen liegt der Fokus auf dem Schreibziel: Ein Produkt mit Textstatus, das auch über das aktuelle Kommunikationsgeschehen hinaus Bestand haben soll.13

Des Weiteren unterscheiden sich die beiden Schreibstile in der Verteilung der Produzenten- und Rezipientenrolle. Beim textorientierten Schreibstil ist der Produzent der Verfasser des Textes und der Rezipient der Leser des Textes.14 Beim interaktionsorientierten Schreibstil hingegen wechseln die Beteiligten in der Interaktion ständig zwischen der Produzenten- und der Rezipientenrolle.15

Dieser ständige Wechsel zwischen Produzenten- und Rezipientenrolle verdeutlicht, dass die Texte nur auf das Funktionieren in der aktuellen Kommunikationssituation und nicht für die spätere Rezeption gedacht sind.16 Sie eigenen sich unter anderem wegen den neuen interaktiven Einheiten, wie *lol* oder *knuddel*, nicht zum Vorlesen.17 Genau das Gegenteil ist beim textorientierten Schreibstil der Fall: Diese Texte lassen sich meist ohne Probleme zurück in gesprochene Sprache überführen und können unabhängig vom situativen Kontext, in dem sie erstellt wurden, rezipiert werden.18

Auch bei den Strategien zur Versprachlichung lassen sich grundlegende Unterschiede zwischen den beiden Schreibstilen feststellen. Beim textorientierten Schreibstil sind die Texte geplant und durchdacht, und die Schnelligkeit spielt beim Schreiben keine zentrale Rolle.19 Die Texte sollen orthographischen Normen und grammatische Standards entsprechen und an Formulierungstraditionen und Strukturierungsmuster angepasst sein.20 Deshalb nimmt das nachträgliche Überarbeiten der Texte eine wichtige Rolle ein. Beim interaktionsorientierten Schreibstil hingegen steht der kommunikative Erfolg im Fokus, und die Schnelligkeit der Reaktion ist oft wichtiger als die Prägnanz und die sprachliche Ausdifferenziertheit.21 Das Überarbeiten der Texte spielt hier, im Gegensatz zum textorientierten Schreibstil, eine untergeordnete Rolle.22

Der textorientierte Schreibstil findet seine Anwendung hauptsächlich in beruflichen und institutionellen Kontexten, beim journalistischen und wissenschaftlichen Schreiben, sowie in der Schuldidaktik.23 Der interaktionsorientierte Schreibstil wird hauptsächlich bei synchronen Netzkommunikationen, wie dem Chat, angewandt.24 Der textorientierte Schreibstil wird auch als ‚Distanzschrift‘ bezeichnet, der interaktionsorientierte als ‚Näheschrift‘. Diese beiden Begrifflichkeiten gehen auf das Nähe-Distanz-Modell von Koch und Oesterreicher zurück. Dieses Modell wird im Folgenden erklärt.

2.3 Modell der medialen / konzeptionellen Mündlichkeit bzw. Schriftlichkeit

Koch und Oesterreicher treffen in ihrem Nähe-Distanz-Modell zwei grundlegende terminologische Unterscheidungen. Laut ihnen lassen sich Mündlichkeit und Schriftlichkeit hinsichtlich des Mediums und der Konzeption unterscheiden.25

Bei der ersten Unterscheidung hinsichtlich des Mediums grenzen Sie ‚phonische‘ und ‚graphische‘ sprachliche Äußerungen voneinander ab.26 Hierfür werden die Termini ‚medial mündlich‘, für die phonischen und ‚medial schriftlich‘ für die graphischen Äußerungen eingeführt.27 Unter ‚medial mündlich‘ wird das tatsächlich Gesprochene und unter ‚medial schriftlich‘ das tatsächlich Geschriebene verstanden.

Die zweite Unterscheidung bezieht sich auf den sprachlichen Duktus, der mit mündlichen oder schriftlichen Äußerungen in Verbindung gebracht wird.28 Für diese Unterscheidung werden die Termini ‚konzeptionell mündlich‘ und ‚konzeptionell schriftlich‘ eingeführt.29 Die ‚konzeptionelle Mündlichkeit‘ wird dabei dem Nähepool und die ‚konzeptionelle Schriftlichkeit‘ dem Distanzpol zugeordnet.30 ‚Konzeptionell mündlich‘ bedeutet, dass die Art des Sprechens oder Schreibens den Bedingungen mündlicher Sprache folgt. ‚Konzeptionell schriftlich‘ bedeutet hingegen, dass die Art des Sprechens oder Schreibens den Bedingungen der Schriftsprache folgt.

Ein Brief zum Beispiel ist medial schriftlich. Handelt es sich um einen Liebesbrief, wird er von den Eigenschaften eher der konzeptionellen Mündlichkeit am Nähepol zugeordnet. Die Rede eines Politikers dagegen ist medial mündlich, wird aber von der Konzeption eher der Schriftlichkeit am Distanzpool zugeordnet.

Im Folgenden wird der Chat mit seinen Merkmalen und Besonderheiten erklärt und in das Nähe-Distanz-Modell eingeordnet.

3. Die Kommunikationsform „Chat“

3.1 Bedeutung

Der ‚Chat‘ hatte seine ersten Ausprägungen bereits in den 1980er Jahren.31 ‚Chat‘ bedeutet auf Deutsch ‚plaudern‘ oder ‚sich unterhalten‘ und bezeichnet somit die elektronische Kommunikation in Echtzeit.32 Kommunikationsgeschichtlich war der Chat eine neuartige Form der Schriftnutzung: Die Schrift wurde erstmals im großen Stil für situationsgebundene, dialogische und simultane Kommunikation zwischen mehreren 26 Vgl. Koch; Oesterreicher: Schriftlichkeit und Sprache. In: Schrift und Schriftlichkeit, Berlin 1994, S.588. Personen genutzt.33 Die Merkmale und Besonderheiten dieser Kommunikationsform werden im Folgenden erläutert.

3.2 Merkmale und Besonderheiten

Der ‚Chat‘ ist ein Prototyp und eine extreme Form des bereits erläuterten interaktionsorientierten Schreibens.34 Wie für diesen Sprachstil typisch, reagieren die Beteiligten in ihren Beiträgen im schnellen Wechsel aufeinander.35 Dabei ist die zügige Übermittlung einer Botschaft wichtiger als ausgefeilte Formulierungen.36 Die Versprachlichung ist hauptsächlich auf die Verständigung in der aktuellen Situation ausgelegt.37 Der Chat kann somit eindeutig dem interaktionsorientierten Schreiben zugeordnet werden. Was ist das Besondere an Chats?

Zum einen ist die ‚servergesteuerte Sequenzierung‘ typisch für Chats.38 Das bedeutet, die Beiträge werden in der Reihenfolge angeordnet, in der sie beim Chat-Server eintreffen.39

Ein weiteres Merkmal ist die Unsichtbarkeit der Textproduktion und die En-bloc- Verschickung.40 Die Nutzer verfassen ihre Beiträge in einer zunächst nur für sie sichtbaren Entwurfsfassung und können sie dabei bei Bedarf mehrfach redigieren.41 Erst nachdem sie eine explizite Übermittlungshandlung, wie die Aktivierung einer „Senden“- Schaltfläche, ausgeführt haben, werden die Beiträge an den Chat-Server übergeben und von diesem für andere Nutzer sichtbar gemacht.42

Eine weitere Besonderheit sind die Mechanismen von Sprecherwechsel und Rederechtvergabe.43 In der mündlichen Kommunikation reden im Idealfall die einzelnen Personen geordnet nacheinander. Durch die unsichtbare Textpruduktion ist dies im Chat nicht möglich. Sind mehrere Peronen am Chatverlauf beteiligt, wird dieser unübersichtlich bis chaotisch.

Chat ist nicht gleich Chat, es werden je nach Verwendungszweck verschiedene Arten unterschieden, zum Beispiel Plaude-Chats, politische Chats oder Beratungschats.44 Die vorliegende Arbeit beschränkt sich auf Plauder-Chats. Diese Chats sind offen in der Themenwahl und dienen der Unterhaltung und dem Freizeitvertreib.45

3.3 Einordnung in das Nähe-Distanz-Modell

Die Kommunikationsform ‚Plauder-Chat‘ ist nach dem Modell von Koch/ Oesterreicher dem Nähepol im Bereich der medialen Schriftlichkeit und konzeptionellen Mündlichkeit zuzuordnen. Typische Kommunikationsbedingungen für die Kommunikation am Nähepol sind unter anderem Vertrautheit, Emotionalität, Dialogizität, Situations- und Handlungseinbindung und Spontaneität.46 Diese lassen sich in der Chat-Kommunikation wiederfinden. Chat-Beiträge sind medial schriftlich, da sie schriftlich verfasst werden. Konzeptionell mündlich sind sie, da der ‚Plauder-Chat‘ in vielen Bereichen an den Duktus der gesprochenen Sprache erinnert. Welche Aspekte der konzeptionellen Mündlichkeit im ‚Plauder-Chat‘ enthalten sind, wird in der folgenden Analyse erläutert.

4. Aspekte konzeptioneller Mündlichkeit in Plauder-Chats

4.1 Korpuswahl

Die zur Analyse zugrunde gelegten Chat-Mitschnitte sind dem Dortmunder Chat-Korpus entnommen. Das Korpus umfasst über 140.000 Chat-Beiträge aus unterschiedlichen Handlungsbereichen, wie Chats im Hochschulkontext, Beratungschats oder Plauder- Chats. Aufgebaut wurde das Korpus am Institut für deutsche Sprache und Literatur der TU Dortmund. Es wurde als Grundlage und Hilfsmittel für sprachwissenschaftliche Untersuchungen zur Chat-Kommunikation konzipiert.

Das Dortmunder-Chat Korpus eignet sich gut für die nachfolgende Analyse. Es unterhält eine umfangreiche Auswahl an Plauder-Chat-Beispielen aus verschiedenen Chaträumen, die frei zugänglich sind.

Die Chat-Beispiele für die nachfolgende Analyse sind dem ‚Releasekorpus‘ entnommen. Dieses setzt sich aus dem Teilkorpus ‚Professionelle Chats‘ und dem Teilkorpus ‚Plauder-Chats‘ zusammen. Das Teilkorpus ‚Plauder-Chats‘ wird unterteilt in Plauder- Chats im Medienkontext und Plauder-Chats außerhalb vom Medienkontext. Zu letzerem gehören vierzehn Chat-Mitschnitte aus drei verschiedenen Chat-Plattformen. Von diesen bilden drei Chat-Mitschnitte die Grundlage für die nachfolgende Analyse.

4.2 Analysekriterien

Die Analyse der Chat-Mitschnitte erfolgt anhand der folgenden vier Überkategorien: Syntax, Morphologie, Phonetik und Semiotik. Im Folgenden werden die Bedeutungen dieser Überkategorien kurz erklärt und die untersuchten Aspekte beschrieben. Die Syntax bezeichnet laut dem Metzler Lexikon „diejenige Teildisziplin der Sprachwissenschaft, die sich mit dem Aufbau und den grammatikalischen Eigenschaften von Sätzen auseinandersetzt.“47 Hierbei werden die Chat-Mitschnitte auf das Vorkommen von Ellipsen, also unvollständigen und verkürzten Sätzen untersucht. Laut Tahler kommen diese vielfach in Chats vor: „In syntaktischer Hinsicht fällt die Chat- Kommunikation allem voran durch eine Fülle an elliptischen Konstruktionen auf, welche vielfach an gesprochensprachliche Äußerungen erinnern, […]“48 Auch Eberle bestätigt dies, er spricht von einem „parataktischen, reihenden Satzbau mit wenig durchkomponierten Sätzen.“49 Die wenig durchkomponierten Sätze in Chats ähneln denen der mündlichen Kommunikation.

Die zweite zu untersuchende Überkategorie ist die Morphologie, also „das Studium der Formen der Wörter und der Wortbildung […]“50 Hierbei werden die Chat-Mitschnitte auf das Vorkommen von Akronymen untersucht, die laut Tahler ein „beliebtes Verkürzungsverfahren im Chat sind.“51 Akronyme sind „aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildete Kurzwörter.“52 Ein Beispiel für ein Akronym wäre ‚LOL‘. Das bedeutet ausgeschrieben ‚laughing out loud‘, was zu Deutsch ‚lautes Lachen‘ bedeutet. Akronyme können als Aspekt der konzeptionellen Mündlichkeit gedeutet werden, da sie dem Ausdruck von Emotionen dienen53, die in der medialen Mündlichkeit durch Mimik und Gestik ausgedrückt werden. Außerdem stellen Akronyme laut Thaler „eine Reziptionshilfe für den Rezipienten dar“54 und tragen „zur Verhinderung von Missverständnissen bei“55. Anhand einzelner Beispiele von Akronymen wird deren Verwendungszweck in den vorliegenden Beispielen erläutert, sowie die Häufigkeit der Verwendung von Akronymen aufsummiert.

Als drittes wird die Phonetik untersucht. Die Phonetik, auch „Lautlehre“56 genannt, bezeichnet die „Wissenschaft von der Hervorbringung, der akustischen Struktur sowie der Wahrnehmung lautsprachlicher Äußerungen.“57 Laut Thaler fällt der Chat durch „eine Vielzahl von phonetisch orientierten, d.h. die entsprechende Lautgestalt imitierenden Schreibweisen […] auf.“58 Hierbei werden die Chat-Mitschnitte auf das Vorkommen von Onomatopoetika untersucht. ‚Onomatopoetika“ bezeichnen ein „lautmalendes, lautsymbolisches, klangmalendes, onomatopoetisches, schallnachahmendes Wort, […]“.59 Beispiele hierfür wären „brrrrrrrr“60 oder „bla bla bla“.61 In der nachfolgenden Analyse wird untersucht, welche und in welcher Häufigkeit Onomatopoetika in den Chat- Mitschnitten verwendet werden.

Der letzte Untersuchungsgegenstand ist die Semiotik, die „Lehre von den Kennzeichen“62, auch „Zeichentheorie, Zeichenwissenschaft“63 genannt. Hierbei werden die Chat-Mitschnitte auf Verwendung von Emoticons untersucht. Eberle definiert Emoticons wie folgt: „Emoticons, auch als Smiley oder Ideogramm bekannt, ist die Abkürzung für den englischen Begriff ‚emotional icon‘, stellt also ein Kunstwort aus ‚Emotion‘ (Gefühl) und ‚Icon‘ (Bildschirmsymbol) dar.“64 Laut ihm sind Emoticons „Zeichenkombinationen, mit denen Chatter Gefühle und Stimmungen vermitteln können.“65 Bei der nähernen Auseinandersezung mit dem Zweck der Emoticons wird deutlich, weshalb sie als Aspekte konzeptioneller Mündlichkeit betrachtet werden können. Sie stellen „in ihrer klassischen Form Gesichtsausdrücke dar und dienen in erster Linie der Kompensation der fehlenden mimischen und prosodischen Symboleben im Chat.“66 Außerdem dienen sie dazu, „dem Geschriebenen die richtige Bedeutung zu verleihen.“67 Ein ‚Zwinker-Smiley‘ hinter einer Äußerung verdeutlicht, dass diese nicht ganz ernst gemeint ist. Auch ironisch gemeinte Äußerungen können durch Emoticons gekennzeichnet werden.68 In der folgenden Analyse wird aufgelistet, welche Emoticons wie häufig verwendet werden und anhand ausgewählter Beispiele ihre Anwendung erläutert. Nach der Analyse dieser vier Aspekte werden die Ergebnisse abschließend in Bezug auf die eingangs gestellte Forschungsfrage ausgewertet und interpretiert.

4.3 Analyse

Bei der nachfolgenden Analyse werden Chat-Mitschnitte des bereits vorgestellten Dortmunder Chat-Korpus verwendet. Zwei der drei ausgewählten Beispiele entstammen der Plauder-Chat-Umgebung ‚Space-Chat‘ auf www.unicum.de, einer Online- Community zum Hochschulmagazin ‚unicum‘ mit der Zielgruppe Studierende und Schüler der gymnasialen Oberstufen. Die Chat-Beispiele sind im Einzelnen die Nummer 2221002, ein Chat-Mitschnitt mit 3.132 Wortformen und 21 Usern und die Nummer 2221007, ein Chat-Mitschnitt mit 2.251 Wortformen und 30 Usern. Das dritte Beispiel entstammt dem Chat ‚chat.de‘, ein Online-Chat mit dem Schwerpunkt Flirten und Knüpfen neuer Kontakte. Dieses Beispiel hat die Nummer 2222002 und beinhaltet 1.716 Wortformen mit 35 Usern.

4.3.1 Syntax

Im Rahmen der Untersuchung der Syntax werden die drei Chat-Mitschnitte auf die Verwendung von Ellipsen untersucht. Dazu wird die Anzahl vollständiger Sätze und elliptischer Konstruktionen bei den jeweils ersten 100 Beiträgen der drei Chat-Mitschnitte aufsummiert. Systemmeldungen und Beiträge, die nur aus Satzzeichen bestehen, wie ‚???‘ blieben bei der Aufsummierung unbeachtet. Beiträge, die aus einzelnen Wörtern bestehen, werden dazu gezählt. Als vollständige Sätze werden Sätze gezählt, die ein Subjekt und ein Prädikat enthalten. Da das Fehlen von Satzzeichen sehr auffällig ist, werden auch Sätze, bei denen lediglich die Satzzeichen fehlen, als vollständige Sätze gezählt. Die Aufsummierung ergibt das folgende Ergebnis:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Diese stichprobenartige Untersuchung zeigt, dass der Anteil an elliptischen Konstruktionen, im Vergleich zu vollständigen Sätzen, deutlich überwiegt. Dies bestätigt die Aussage von Thaler, laut der „die Anzahl unvollständiger Satzkonstruktionen im Chat wesentlich höher ist, als jene der syntaktisch vollständigen Sätze.“69 Dabei fällt insbesondere der hohe Anteil an Beiträgen auf, die nur aus ein oder zwei Wörtern bestehen. Wie zum Beispiel in dem Chat Nummer 2221002 70:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Insbesondere kurze Zwischenfragen, wie in 66 Dein Mann? weisen große Ähnlichkeiten mit der gesprochenen Kommunikation auf. Auch einzelne Wörter sind im gesprochenen Gespräch keine Seltenheit, um das Gesagte des Gegenübers zu bestätigen oder zu bewerten.

Grund für die häufige Verwendung von elliptischen Konstruktionen ist der Zeitdruck beim Schreiben.71 Wohl überlegte, vollständige Sätze sind bei dem schnellen Gesprächsfluss nicht möglich. Hier zeigen sich Parallelen zur mündlichen Gespräch. Ein weiteres Mittel, um beim Schreiben Zeit zu sparen, ist die Verwendung von Kurzwörtern, den sogenannten ‚Akronymen‘. Diese werden im folgenden Punkt untersucht.

4.3.2 Morphologie

Im Folgenden werden die drei Chat-Mitschnitte auf die Verwendung von Akronymen untersucht. Akronyme sind laut Thaler „„aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter gebildete Kurzwörter“72 und beliebte Verkürzungsverfahren in Chats.73 Die Tabelle zeigt, welche Akronyme in den Chat-Mitschnitten wie häufig verwendet wurden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In den ersten beiden Chat-Mitschnitten aus der Plauder-Chat-Umgebung ‚Space-Chat‘ ist eine häufige Nutzung von Akronymen festzustellen. Am häufigsten wird in beiden Beispielen das Akronym *g* bzw. *gg* verwendet, welches für ‚grins‘ bzw. ‚grinsgrins‘ steht. Auch oft verwendet werden in beiden Beispielen die Akronyme lol und re. Lol bedeutet ‚laughing out loud‘ und drückt Lachen aus. Re heißt ausgeschrieben ‚return‘ und bedeutet auf Deutsch ‚ich bin wieder da‘. Re wird meist in Kombination mit dem Namen eines anderen Chatters verwendet, um diesem mitzuteilen, dass man wieder online ist. Zum Beispiel im Chat 2221007:74

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In dem dritten Chat-Mitschnitt des Portals ‚chat.de‘ mit dem Schwerpunkt Flirten und Knüpfen neuer Kontakte sind im Vergleich zu den anderen beiden Mitschnitten sehr wenig Akronyme zu finden. Insgesamt sind es hier vier. Grund dafür könnte sein, dass es in dem Chat hauptsächlich um das Knüpfen neuer Kontakte geht und weniger um übliches ‚Geplauder‘ wie in den anderen beiden Chats. In diesem Ausschnitt dominieren Fragen, um sich gegenseitig kennen zu lernen, wie der nachfolgende Ausschnitt verdeutlicht:75

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Trotz der seltenen Verwendung von Akronymen im dritten Chat-Beispiel lässt sich die These von Thaler, dass Akronyme beliebte Verkürzungsverfahren in Chats sind76, insgesamt bestätigen. Bei der Betrachtung des Schnittes von allen drei Beispielen wird deutlich, dass Akronyme durchaus angwendet werden. Laut Thaler können Akronyme als Aspekt der konzeptionellen Mündlichkeit gedeutet werden, da sie dem Ausdruck von Emotionen dienen77, die in der medialen Mündlichkeit durch Mimik und Gestik ausgedrückt werden. Dies verdeutlicht insbesondere das vielfach verwendete Akronym *g* bzw. *gg*, das die Mimik des Grinsens ausdrückt. Des Weiteren sind Akronyme laut Thaler Rezeptionshilfen und tragen „zur Verhinderung von Missverständnissen bei“78. Dies lässt sich am Beispiel des Akronyms *gg* aus dem Chat 2221002 79 belegen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch das Anhängen des Akronyms *gg* an die Aussage, wird deutlich, dass es sich hierbei um einen Spaß handelt und die Ausrede Ich bin halt blond nicht ernst gemeint ist.

Nachdem die Verwendung von Akronymen in Chats bestätigt ist, wird im nächsten Punkt eine bisher nicht angesprochene Besonderheit von Chats untersucht: Die Verwendung von Onomatopoetika.

4.3.3 Phonetik

Der Chat fällt laut Thaler durch „eine Vielzahl von phonetisch orientierten, d.h. die entsprechende Lautgestalt imitierenden Schreibweisen […] auf.“80 Die folgende Analyse beschränkt sich auf das Vorkommen von Onomatopoetika. Dazu zählt zum Beispiel „bla bla bla“81 oder „hahaha“82. Die drei ausgewählten Chat-Beispiele werden auf das Vorhandensein von Lautmalereien untersucht und diese unter Angabe ihrer Häufigkeit tabellarisch aufsummiert:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Insgesamt lässt sich feststellen, dass in den Chat-Mitschnitten verschiedene Arten von Onomatopoetika zu finden sind und Thalers These somit bestätigt werden kann. Die Arten der Onomatopoetika variieren, insgesamt sind dreizehn verschiedene zu finden. Onomatopoetika sind ein typisches Beispiel für einen Aspekt konzeptioneller Mündlichkeit, da sie die Lautgestalt imitieren und somit stark an den Duktus der gesprochenen Sprach erinnern. Auch mit ihnen können Emotionen und Stimmungen ausgedrückt werden: Hahaha drückt zum Beispiel Lachen aus und Iiiihh, dass Ekel empfunden wird. Emotionen und Stimmungen lassen sich auch mit dem folgenden, letzten Untersuchungsgegenstand ausdrücken: Den Emoticons.

4.3.4 Semiotik

Bei den Emoticons wird zunächst tabellarisch aufgelistet, welche Emoticons in den ausgewählten Beispielen wie häufig verwendet wurden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie schon bei den Akronymen fällt auch hier auf, dass im dritten Chat-Mitschnitt deutlich weniger Emoticons verwendet werden als in den anderen beiden Beispielen. Dies könnte wie bei den Akronymen daran liegen, dass es hauptsächlich um das Kennenlernen neuer Kontakte und weniger um das ‚Plaudern‘ geht. In den anderen beiden Chat-Mitschnitten ist eine sehr häufige Nutzung von Emoticons festzustellen. Am häufigsten wird der lächelnde Smiley :-) verwendet, am zweithäufigsten der Zwinker-Smiley ;-). Der traurige Smiley :-( ist jeweils nur zwei Mal zu finden.

Welche Bedeutung haben die Emoticons in ihrem Kontext? Emoticons dienen, wie bereits erwähnt, dazu „dem Geschriebenen die richtige Bedeutung zu verleihen.“83 Dies lässt sich anhand des folgenden Ausschnittes aus dem Chat 2221002 84 belegen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Zwinker-Smiley ;-) hinter der Aussage verdeutlicht, dass diese als Spaß verstanden werden soll. Ohne den Smiley könnte die Aussage leicht missverstanden werden. Ein weiteres Beispiel kann aus dem Chat 2221007 85 entnommen werden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hier verdeutlicht der lächelnde Smiley :-), dass ‚TomcatMJ‘ niemanden beobachtet oder etwas Böses will. Die Aussage von Eberle bezüglich des Zwecks von Emoticons kann folglich durch die untersuchten Chat-Mitschnitte bestätigt werden.

4.4 Auswertung und Interpretation der Ergebnisse

Bevor die Ergebnisse ausgewertet und interpretiert werden, zunächst ein kurzer Blick zurück auf die Ausgangsfragen: Inwiefern orientiert sich der Plauder-Chat am Duktus der gesprochenen Sprache? Welche Aspekte der konzeptionellen Mündlichkeit enthält der Plauder-Chat? Zur Beantwortung dieser Fragen wurden die drei Chat-Mitschnitte auf das Vorhandensein von Aspekten konzeptioneller Mündlichkeit untersucht, die laut der Forschungsliteratur in Chats enthalten sind. Diese Aspekte konnten alle in den drei untersuchten Chat-Beispielen gefunden werden. Im Folgenden werden die einzelnen Aspekte kurz zusammenfassend erläutert und jeweils erklärt, inwiefern die in der Forschungsliteratur gefundenen Thesen bestätigt werden konnten. Dabei werde mögliche Besonderheiten reflektiert und erläutert, inwiefern dadurch die eingangs gestellte Forschungsfrage bestätigt werden kann.

Als erstes wurden in der Analyse im Rahmen der Syntax die drei Chat-Beispiele auf das Vorhandensein von elliptischen Satzkonstruktionen untersucht. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass im Vergleich zu vollständigen Sätzen deutlich mehr elliptische Konstruktionen in den Beispielen enthalten sind. Dies bestätigt die These der Forschungsliteratur. Besonders auffallend war, dass viele Beiträge aus nur ein oder zwei Wörtern wie ‚ja‘ oder ‚verstehe‘ oder kurzen Zwischenfragen bestehen. Dies weist große Ähnlichkeiten mit der mündlichen Kommunikation auf. Außerdem sind beide Kommunikationsarten durch Zeitdruck gekennzeichnet, dies begründet die wenig ausformulierten und unvollständigen Satzkonstruktionen. Mit der Untersuchung der Syntax konnte folglich zum einen die in der Forschungsliteratur festgestellten Aspekte bestätigt werden und zum anderen ein Teil zur Beantwortung der Frage, welche Aspekte konzeptioneller Mündlichkeit in Plauder-Chats enthalten sind, beigetragen werden. Wie sieht das bei der Morphologie aus?

Im Rahmen der Morphologie wurden die Chat-Beispiele auf das Vorkommen von Kurzwörtern, sogenannten ‚Akronymen‘, untersucht. In den ersten beiden Chat- Mitschnitten konnten viele Akronyme gefunden werden, im dritten Beispiel waren es deutlich weniger. Dies könnte daran liegen, dass der dritte Chat ein ‚Flirt-Chat‘ war und darin hauptsächlich Kontaktdaten, wie ‚Wie alt bist du?‘, ‚Woher kommst du?‘ ausgetauscht wurden und weniger ‚nur geplaudert‘ wurde. Da der dritte Chat eine besondere Art des Plauder-Chats ist und auch hier teilweise Akronyme verwendet werden kann Thalers These, dass Akronyme beliebte Abkürzungsverfahren in Chats sind86, insgesamt bestätigt werden. Akronyme sind laut Thaler Aspekte konzeptioneller Mündlichkeit, da sie dem Ausdruck von Emotionen dienen und zur Verhinderung von Missverständnissen, die durch die fehlende Mimik und Gestik entstehen könnten, beitragen.87 Auch dies konnte, insbesondere durch die häufige Verwendung des Akronyms *g* und *gg*, bestätigt werden. Dieses Akronym ersetzt die Mimik des Grinsens und kann somit einer Aussage die richtige Bedeutung zuweisen. Auch im Rahmen der Untersuchung der Morphologie konnten somit alle in der Forschungsliteratur festgestellten Aspekte bestätigt werden. Außerdem konnte ein weiterer Teil zur Beantwortung der Frage, welche Aspekte konzeptioneller Mündlichkeit in Plauder-Chats enthalten sind, beigetragen werden. Die Besonderheiten in dem Flirt-Chat-Beispiel konnten erklärt werden. Des Weiteren ist darauf hinzuweisen, dass zur eindeutigen Beantwortung der Frage nach dem Vorkommen von Akronymen eine größere Stichprobe notwendig wäre. Kleinere Abweichungen fallen auch bei der Untersuchung des nächsten Punktes, der Phonetik, auf.

Im Rahmen der Phonetik wurden die drei Chat-Mittschnitte auf das Vorkommen von

‚Onomatopoeitka‘, also lautmalerische Äußerungen wie ‚hahaha‘, untersucht. Diese konnten in allen drei Beispielen gefunden werden. Hier fiel erneut das Flirt-Chat-Beispiel aus der Reihe, in dem deutlich weniger Onomatopoetika zu finden waren. Grund dafür könnte erneut der Austausch von Kontaktdaten sein.. Auch hier wäre eine größere Stichprobe notwendig gewesen. Insgesamt kann jedoch auch hier die These von Thaler, dass Onomatopoetika häufig in Chats verwendet werden88, bestätigt werden. Onomatopoetika können als Aspekte konzeptioneller Mündlichkeit verstanden werden, da sie die Lautgestalt imitieren und somit stark an den Duktus der gesprochenen Sprache erinnern. Sie dienen außerdem dazu, Emotionen auszudrücken. Durch ‚hahaha‘ kann zum Beispiel Freude oder Belustigung ausgedrückt werden. Bei der Untersuchung der Phonetik sind die Ergebnisse, bis auf kleinere, erklärbare Abweichungen, mit den Ergebnissen der Forschungsliteratur übereinstimmend. Auch hier konnte ein weiterer Teil zur Beantwortung der Frage, welche Aspekte konzeptioneller Mündlichkeit in Plauder- Chats enthalten sind, beigetragen werden. Wie sieht das im letzten untersuchten Aspekt, der Semiotik, aus?

Im Rahmen der Semiotik wurden die drei Chat-Beispiele zum einen allgemein auf die Verwendung von Emoticons untersucht ein untersucht und zum anderen stichprobenartig, zu welchem Zweck diese verwendet wurden. In den ersten beiden Chat-Beispielen wurden viele Emoticons gefunden. Auch hier fällt der Flirt-Chat mit nur zwei Emoticons auf. Der Grund wird hier ebenfalls in der zweckgerichteten Kommunikation liegen. Laut Eberle dienen Emoticons dazu, dem Geschriebenen die richtige Bedeutung zu geben. Auch dies konnte bestätigt werden. Zum Beispiel durch ‚Zwinker-Smileys‘ hinter nicht ganz ernst gemeinten Äußerungen. Emoticons können als Aspekte konzeptioneller Mündlichkeit gedeutet werden, da sie Emotionen und Gesichtsausdrücke imitieren und somit die fehlende Mimik und Gestik kompensieren. Die Ergebnisse bei der Untersuchung der Semiotik bestätigen, genau wie die der Phonetik zuvor, die Aussagen der Forschungsliteratur eindeutig. Auch mit der Untersuchung der Semiotik konnte ein weiterer Teil zur Beantwortung der Frage, welche Aspekte konzeptioneller Mündlichkeit in Plauder-Chats enthalten sind, beigetragen werden.

Diese Aspekte konzeptioneller Mündlichkeit, die in den verschiedenen Beispielen gefunden wurden, werden im folgenden Fazit zusammengefasst, eingeordnet und daraus ein abschließendes Resultat gezogen.

[...]


1 Claudia Fraas; Stefan Meier; Christian Pentzold: Online-Kommunikation. Grundlagen, Praxisfelder und Methoden, München 2012, S. 16.

2 Vgl. Ebd., S. 14.

3 Vgl. Ebd., S. 14.

4 Vgl. Ebd., S, 14.

5 Vgl. Michael Beißwenger, Angelika Storrer: Interaktionsorientiertes Schreiben und interaktive Lesespiele in der Chat-Kommunikation. In: Beißwenger, M.; Storrer, A.: Zeitschrift für Literaturwissenschaft und Linguistik 168, Dortmund 2012, S. 94.

6 Vgl. Angelika Storrer: Sprachstil und Sprachvariation in sozialen Netzwerken. In: Frank-Job, B.; Mehler, A.; Sutter, T. (eds): Die Dynamik sozialer und sprachlicher Netzwerke, Wiesbaden 2011, S. 331.

7 Vgl. Beißwenger; Storrer: Interaktionsorientiertes Schreiben und interaktive Lesespiele in der Chat- Kommunikation, Dortmund 2012, S. 93.

8 Vgl. Ebd., S. 93.

9 Vgl. Beißwenger; Storrer: Interaktionsorientiertes Schreiben und interaktive Lesespiele in der Chat- Kommunikation, Dortmund 2012, S. 93.

10 Vgl. Storrer: Sprachstil und Sprachvariation in sozialen Netzwerken, Wiesbaden 2011, S. 331.

11 Vgl. Beißwenger; Storrer: Interaktionsorientiertes Schreiben und interaktive Lesespiele in der Chat- Kommunikation, Dortmund 2012, S. 93.

12 Vgl. Angelika Storrer: Neue Text- und Schreibformen im Internet: Das Beispiel Wikipedia. In: Köster, Juliane; Feilke, Helmuth (Hrsg.): Textkompetenzen für die Sekundarstufe II, Freiburg 2012, S.298.

13 Vgl. Storrer: Sprachstil und Sprachvariation in sozialen Netzwerken, Wiesbaden 2011, S. 337.

14 Vgl. Storrer: Neue Text- und Schreibformen im Internet, Freiburg 2012, S.298.

15 Vgl. Ebd., S. 298.

16 Vgl. Storrer: Sprachstil und Sprachvariation in sozialen Netzwerken, Wiesbaden 2011, S. 337.

17 Vgl. Ebd., S. 337.

18 Vgl. Storrer: Sprachstil und Sprachvariation in sozialen Netzwerken, Wiesbaden 2011, S. 337.

19 Vgl. Angelika Storrer: Sprachverfall durch internetbasierte Kommunikation? Linguistische Erklärungsansätze - empirische Befunde. In: Sprachverfall? Dynamik - Wandel - Variation. Jahrbuch des Instituts für Deutsche Sprache 2013, Berlin/New York 2014, S. 171.

20 Vgl. Storrer: Neue Text- und Schreibformen im Internet, Freiburg 2012, S.297.

21 Vgl. Ebd., S. 171.

22 Vgl. Ebd., S. 171.

23 Vgl. Storrer: Neue Text- und Schreibformen im Internet, Freiburg 2012, S.297.

24 Vgl. Ebd., S.298.

25 Vgl. Peter Koch; Wulf Oesterreicher: Schriftlichkeit und Sprache. In: Portal für Zweitveröffentlichungen der Philosophischen Fakultät der Universität Tübingen, URL: http://dx.doi.org/10.15496/publikation-20411, 26.03.2018. Original erschienen in: Schrift und Schriftlichkeit: Ein interdisziplinäres Handbuch internationaler Forschung, 1. Halbband, Berlin 1994, S.588.

26 Vgl. Koch; Oesterreicher: Schriftlichkeit und Sprache. In: Schrift und Schriftlichkeit, Berlin 1994, S.588.

27 Vgl. Ebd., S. 588.

28 Vgl. Ebd., S. 588.

29 Vgl. Ebd., S. 588.

30 Vgl. Ebd., S. 588.

31 Vgl. Angelika Storrer: Sprachliche Besonderheiten getippter Gespräche: Sprecherwechsel und sprachliches Zeigen in der Chat-Kommunikation. In: Michael Beißwenger (Hrsg.): Chat-Kommunikation. Sprache, Interaktion, Sozialität

32 Verena Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 12.

33 Vgl. Storrer: Sprachliche Besonderheiten getippter Gespräche, Stuttgart 2001, S. 3.

34 Vgl. Beißwenger; Storrer: Interaktionsorientiertes Schreiben und interaktive Lesespiele in der Chat- Kommunikation, Dortmund 2012, S. 95.

35 Vgl. Ebd., S. 95.

36 Vgl. Beißwenger; Storrer: Interaktionsorientiertes Schreiben und interaktive Lesespiele in der Chat- Kommunikation, Dortmund 2012, S. 95.

37 Vgl. Ebd., S. 95.

38 Vgl. Ebd., S. 95.

39 Vgl. Ebd., S. 95.

40 Vgl. Ebd., S. 96.

41 Vgl. Ebd., S. 96.

42 Vgl. Ebd., S. 96.

43 Vgl. Ebd., S. 96.

44 Vgl. Andreas Eberle: Kommunikation im Cyberspace. Eine empirische Studie über die Motive beim Chatten im Internet, Stuttgart 2003, S. 48.

45 Vgl. Ebd., S 48.

46 Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 31.

47 Helmut Glück; Michael Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache, Stuttgart 2016, S. 697.

48 Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 68.

49 Eberle: Kommunikation im Cyberspace, Stuttgart 2003, S. 54.

50 Glück; Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache, Stuttgart 2016, S. 446.

51 Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 65.

52 Ebd, S-65

53 Vgl. Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 66.

54 Ebd., S. 67.

55 Ebd., S. 67.

56 Glück; Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache, Stuttgart 2016, S. 399.

57 Ebd., S. 399.

58 Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 50.

59 Glück; Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache, Stuttgart 2016, S. 480.

60 Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 82.

61 Ebd., S. 82.

62 Glück; Rödel (Hrsg.): Metzler Lexikon Sprache, Stuttgart 2016, S. 609.

63 Ebd., S. 609.

64 Eberle: Kommunikation im Cyberspace, Stuttgart 2003, S. 55.

65 Ebd., S. 55.

66 Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 89.

67 Eberle: Kommunikation im Cyberspace, Stuttgart 2003, S. 55.

68 Vgl. Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 91.

69 Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 68.

70 Dortmunder Chat-Korpus: http://www.chatkorpus.tu-dortmund.de/files/releasehtml/html-korpus/unicum_11-02- 2003.html, letzter Zugriff: 10.04.2018.

71 Vgl. Ebd., S. 69.

72 Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 65.

73 Vgl. Ebd., S. 65.

74 Dortmunder Chat-Korpus: Dokument: http://www.chatkorpus.tu-dortmund.de/files/releasehtml/html- korpus/unicum_21-02-2003_2.html, letzter Zugriff: 10.04.2018.

75 Dortmunder Chat-Korpus: http://www.chatkorpus.tu-dortmund.de/files/releasehtml/html-korpus/chat.de_11-02- 2003.html, letzter Zugriff: 10.04.2018.

76 Vgl. Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 65.

77 Vgl. Ebd., S. 66.

78 Ebd., S. 67.

79 Dortmunder Chat-Korpus: http://www.chatkorpus.tu-dortmund.de/files/releasehtml/html-korpus/unicum_11-02- 2003.html, letzter Zugriff: 10.04.2018.

80 Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 50.

81 Ebd., S. 82.

82 Ebd., S. 82.

83 Eberle: Kommunikation im Cyberspace, Stuttgart 2003, S. 55.

84 Dortmunder Chat-Korpus: http://www.chatkorpus.tu-dortmund.de/files/releasehtml/html-korpus/unicum_11-02- 2003.html, letzter Zugriff: 10.04.2018.

85 Dortmunder Chat-Korpus: Dokument: http://www.chatkorpus.tu-dortmund.de/files/releasehtml/html- korpus/unicum_21-02-2003_2.html, letzter Zugriff: 10.04.2018.

86 Vgl. Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 65.

87 Vgl. Ebd., S. 66.

88 Vgl. Thaler: Chat-Kommunikation im Spannungsfeld zwischen Oralität und Literalität, Berlin 2003, S. 65.

Details

Seiten
79
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346024015
ISBN (Buch)
9783346024022
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v498038
Institution / Hochschule
Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Note
1,3
Schlagworte
Linguistik Chatkommunikation Nähe-Distanz-Modell Koch Oesterreicher Sprachanalyse Interaktionsorientiertes Schreiben Syntax Morphologie Phonetik Semiotik mediale Schriftlichkeit konzeptionelle Schriftlichkeit

Autor

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Titel: Zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Die Kommunikationsform der Plauder-Chats