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Wissenschaftliche und politische Positionen der Friedens- und Konfliktforschung

Eine Skizze

Hausarbeit (Hauptseminar) 2017 29 Seiten

Politik - Internationale Politik - Thema: Frieden und Konflikte, Sicherheit

Leseprobe

Gliederung

1 Ordnung und Handlung

2 Wissenschaftstheorie – Theoretische Position und Erkenntnistheorie
2.1 Ontologie und Epistemologie
2.2 Poststrukturalismus
2.2.1 Dekonstruktion
2.3 Kritische Theorie
2.2.2 Diskursanalyse
2.4 Konstruktivismus
2.5 Zusammenfassung

3 Aspekte der Friedens- und Konfliktforschung
3.1 Die Zucht der Friedens- und Konfliktforschung
3.2 Praxis und Forschung
3.3 Friedensforschung - Kritische Friedensforschung - Friedens- und Konfliktforschung

4 Friedens- und Konfliktforschung: [K]ritische Forschung?

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

NOCH EIN ANDERER HÄUFIGER IRRTUM IST IN DIESEM ZUSAMMENHANG ZU ERWÄH- NEN, NÄMLICH DIE ILLUSION, LIEBE BEDEUTE NOTWENDIGERWEISE, DAß ES NIEMALS ZU KON- FLIKTEN KOMME. GENAUSO WIE MENSCHEN GEWÖHNLICH MEINEN, SCHMERZ UND TRAURIG- KEIT MÜßTEN UNTER ALLEN UMSTÄNDEN VERMIEDEN WERDEN, SO GLAUBEN SIE AUCH, LIEBE BEDEUTE DAS FEHLEN JEGLICHER KONFLIKTE. SIE HABEN AUCH ALLEN GRUND ZU DIESER AN- NAHME, WEIL DIE STREITIGKEITEN IN IHRER UMGEBUNG OFFENBAR NICHTS ALS DESTRUKTIVE AUSEINANDERSETZUNGEN SIND, DIE KEINEM DER BETEILIGTEN IRGENDEINEN NUTZEN BRIN- GEN. DIE URSACHE HIERFÜR IST JEDOCH, DAß DIE »KONFLIKTE« DER MEISTEN MENSCHEN IN WIRKLICHKEIT VERSUCHE DARSTELLEN, DEN WIRKLICHEN KONFLIKTEN AUSZUWEICHEN. ES SIND MEINUNGSVERSCHIEDENHEITEN ÜBER GERINGFÜGIGE, NEBENSÄCHLICHE DINGE, DIE SICH IHRER NATUR NACH NICHT DAZU EIGNEN, ETWAS KLARZUSTELLEN ODER ZU EINER LÖ- SUNG ZU KOMMEN. WIRKLICHE KONFLIKTE ZWISCHEN ZWEI MENSCHEN, DIE NICHT DAZU DIE- NEN, ETWAS ZU VERDECKEN ODER AUF DEN ANDEREN ZU PROJIZIEREN, SONDERN IN DIE TIE- FENSCHICHT DER INNEREN WIRKLICHKEIT, ZU DER SIE GEHÖREN, ERLEBT WERDEN, SIND NICHT DESTRUKTIV. SIE DIENEN DER KLÄRUNG UND FÜHREN ZU EINER KATHARSIS, AUS DER BEIDE PARTNER WISSENDER UND GESTÄRKT HERVORGEHEN.

ERICH FROMM

1 Ordnung und Handlung

Wir sind politisch. Wissenschaft ist politisch. Die Friedens- und Konfliktforschung ist es auch. Dass „heutige Studierende und junge Akademiker teilweise nahezu unpolitisch“ erschei- nen, wenn man sie mit den „FriedensforscherInnen der 60er und 70er Jahre“ vergleicht (Hof- mann 2013), ist in meinen Augen eine Frage des Standpunktes darüber, was politisch ist. Gregor Hofmann schrieb 2013 den Artikel „Sind wir (noch) politisch? Die Gretchenfrage der Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland damals und heute“ und weckt nicht nur durch seine Ein- schätzung der Studierenden und jungen Akademiker, sondern vor allem durch seine abschlie- ßende Aufforderung meinen Unmut:

Es ist an der Zeit die Friedensforschung und ihre Leitdisziplin, die Politikwissenschaft, als Orte zur Entwicklung normativer Ordnung und gesellschaftspolitischer Handlungsempfehlungen wiederzuentde- cken. (Hofmann 2013)

Nein, ist es nicht.

Unsere Zeitschrift als Vertreterin einer empirischen Fachdisziplin muß, wie wir gleich vorweg fest- stellen wollen, diese Ansicht grundsätzlichablehnen, denn wir sind der Meinung, daß es niemals Aufgabe einer Erfahrungswissenschaft sein kann, bindende Normen und Ideale zu ermitteln, um daraus für die Praxis Rezepte ableiten zu können. (Weber 1904: 149, Hervorhebung im Original)

Normative Ordnung zu produzieren ist nicht die Aufgabe der Friedens- und Konfliktfor- schung und ist nicht die Aufgabe der Politikwissenschaft. Wer Wissenschaft betreibt, darf po- litische Aussagen treffen; tut das immer implizit, aber Hofmann befördert durch sein Schreiben für mehr normativen Gehalt höchstens die Wiederkehr einer werteorientierten und ideologisier- ten Friedens- und Konfliktforschung und blockiert analytisch scharfe und treffende Kritik. „Die Sprachlosigkeit der Disziplin“ (Hofmann 2013), wie Hofmann sie deutet, muss bestehen blei- ben, wenn sie nicht zu einem Instrument der Herrschaft verkommen will. Die normative und politische Position der Forschenden wird nicht über Handlungsempfehlungen und eine auf Li- nie gebrachte Disziplin transportiert, sondern über die Auswahl der Forschungsgegenstände und die Schärfung der eigenen Begriffe und kritischen Reflektion der wissenschaftstheoreti- schen Standpunkte. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass eine „kritisch-emanzipatorische und zugleich realistische Perspektive eröffnet werden kann, ohne dass hierfür auf die Begründung normativer Modelle zurückgegriffen werden muss“ (Oliver Flügel-Martinsen 2015: 202). Un- serer Aufgabe als Wissenschaftler*innen werden wir gerecht, wenn wir Alternativen aufzeigen und möglich machen, statt Möglichkeiten einzuschränken, indem wir „Handlungsempfehlun- gen“ (Hofmann 2013) aussprechen.

Meine Position, die sich hier an Georg Hofmanns Artikel stört, wird in ihren Grundzügen in der vorliegenden Arbeit erörtert. Als Erstsemester und Neuling der Friedens- und Konfliktfor- schung geht es mir zunächst darum, klare und scharfe Begriffe auszubilden und zuallererst eine durchdachte wissenschaftstheoretische Position im Feld der Friedens- und Konfliktforschung einzunehmen. Nur auf Grundlage einer selbstreflexiven Positionierung wird es gelingen, „die analytischen Waffen der Kritik zu schärfen“, ohne „sich in Begründungsglasperlenspielen zu verlieren“ (Flügel-Martinsen 2015: 204). Ziel der nachstehenden Arbeit ist keineswegs eine umfassende Theorie der Friedens- und Konfliktforschung zu erarbeiten, sondern lediglich eine zu drei zentralen methodologischen Aspekten der Friedens- und Konfliktforschung argumen- tierte Positionierung einzunehmen.

Erst diese reflektierte Stellungnahme zur Methodologie der Friedens- und Konfliktforschung wird es mir als jungen Forscher möglich machen, in meinen Analysen auf einem eindeutigen, aber dennoch flexiblen Fundament zu stehen. Mit gesichertem Stand und sortierten Werkzeug- kasten wird mir die kritische Bearbeitung von Konflikten gelingen. Stichhaltige Argumente und kritische Analysen werden dann stärker wirken als normative Ordnungen und Handlungsemp- fehlungen.

Um stets sicher zu stellen, dass meine Arbeit als Wissenschaftler und die Arbeit aller Wis- senschaftler*innen aktuell, reflektiert und nicht Opfer eigener Methoden und Weisen zu denken wird, bedarf es des ständigen Drucks der Methodologie und der ständigen Nachfragen der Epis- temologie, wo geforscht, wie gedacht und gearbeitet wird und weshalb dieser und kein anderer Weg gegangen wird. Methoden und Positionen sind die Versicherung der Wissenschaft sicht- bare Wahrheit zu entdecken und zu erkennen, statt Irrglauben zu predigen oder im Glücksspiel zu wetten. (vgl. Fleck 2015 und Berg-Schlosser / Stammen 2003)

Eine Stellungnahme zu aktuellen methodologischen und epistemologischen Aspekten und die Darstellung der persönlichen theoretischen Grundsätze sind für jede wissenschaftliche Ar- beit relevant (vgl. Marsh / Furlong 2002). Mit diesen wissenschaftstheoretischen Grundsätzen beginne ich die vorliegende Arbeit, um meine Stellung zu und in der sowie meine Perspektive auf die Methodologie der Friedens- und Konfliktforschung deutlich zu machen. Daran anschlie- ßend nehme ich konkret auf drei zentrale Themen der Methodologie der Friedens- und Kon- fliktforschung Bezug. Zunächst nimmt die Frage der Disziplinarität viel Raum ein. Ist die Frie- dens- und Konfliktforschung interdisziplinär oder multidisziplinär, transdisziplinär oder gar au- ßerhalb dieser Kategorien? Des Weiteren versuche ich den Praxisbezug der Friedens- und Kon- fliktforschung zu erarbeiten, um dann schließlich Vermutungen anzustellen, weshalb die Frie- dens- und Konfliktforschung „Friedens- und Konfliktforschung“ heißt und nicht anders. Im dritten Teil der Arbeit verbinde ich alle meine methodologischen Positionen. Meine Perspektive mit der ich auf die Friedens- und Konfliktforschung blicke und meine Stellung als Friedens- und Konfliktforscher werden zusammengefasst und kritisch reflektiert. Am Ende der Arbeit steht ein Ausblick, wie konkrete Friedens- und Konfliktforschung mit meinen wissenschafts- theoretischen Argumenten zu denken ist und welche Aspekte keinen Eingang in die Arbeit ge- funden haben.

2 Wissenschaftstheorie – Theoretische Position und Erkenntnistheorie

Als Student der Sozialwissenschaften blicke ich auf die Friedens- und Konfliktforschung aus einer sehr theoretischen Position. Anders als in den Naturwissenschaften ist der Gegenstand meines Interesses nicht ein stummes Objekt, sondern ein antwortendes, reagierendes Subjekt bzw. soziales System. Als Sozialwissenschaftler bin ich Teil des Gegenstands, den ich analy- siere und kann mich nicht als außerhalb davon betrachten. Die Gedanken, die ich mir über den Gegenstand mache, beziehen sich auf das bereits Gedachte und verändern die Sinn- und Rele- vanzstruktur des Gegenstands. (vgl. Schütz 2004: 139)

Friedens- und Konfliktforschung ist immer schon ein wichtiger Bestandteil meiner Arbeit, weil ich bereits durch die Auswahl der Konflikte oder der Ideen die ich erforsche meine Stel- lung in der Welt preisgebe und meine Perspektive auf die Welt bewerbe. Ich übe Einfluss aus und bin über meine Wissenschaft hinaus dafür mitverantwortlich, dass Frieden und Konflikt gelebt und ausgetragen werden. Dabei will ich Differenzen und Fremdheit als wertvolle und notwendige Elemente gelingenden Lebens und Konflikte als Motor von Vergesellschaftung und Integration begreifen. Aus diesen nun zunächst flachs hingeworfenen Aussagen ergeben sich eine Reihe von theoretischen Implikationen, die ich im Folgenden möglichst kurz darstelle, bevor ich dann wieder alle Positionen zusammenwürfle.

2.1 Ontologie und Epistemologie

Der wissenschaftliche Blick auf meinen Untersuchungsgegenstand die Methodologie der Friedens- und Konfliktforschung, wird beeinflusst durch meine mehr oder minder bindende1, aber definitiv ergründbare ontologische und epistemologische Position (Marsh / Furlong 2002: 17). Die Welt erscheint mir als Gegeben. Ihre Inhalte tragen keinen letztgültigen Sinn. Sinn und Bedeutung präsentieren sich immer in Differenzen, in Abgrenzungen und Zuordnungen. Jeder Sinn der länger als für nur einen Moment behauptet letztgültiger Sinn zu sein, bestimmt Still- stand. Die Welt begegnet mir in paradoxen Diskursen, die aufzulösen oder zu beherrschen nicht Ziel meiner wissenschaftlichen Tätigkeit ist, aber sie in ihrer (je nach Perspektive) verwunde- nen Verwobenheit darzustellen, möchte ich leisten. Diese Darstellung ist immer zugleich eine Deutung von Welt und damit Verschiebung und Teilnahme am Kampf der Ideen2 und politisch. Außerdem liegt es nicht an mir als Wissenschaftler - eine Überzeugung für die ich kämpfe - zu bestimmen was sein soll. Den Raum und die darin liegenden Deutungsmöglichkeiten zu öffnen oder zumindest sichtbar zu machen, ist Funktion von Wissenschaft.

Wie lassen sich diese Angaben nun wirklich auflösen? Den Horizont kann ich aus meiner Position nicht sehen. Ich kann nicht genau sagen, wohin mich mein Umgang mit Wissenschaft und Kritik führt. Das entledigt mich selbstverständlich nicht von meiner Verantwortung für mein Handeln. Ganz genau bestimmen, unter welchem Paradigma mein Handeln steht, kann ich ebenso wenig. Das befreit mich wiederum nicht von der Möglichkeit falsch zu liegen, aber fungiert wie ein doppelter Boden, der mir zumindest im Fall (ich läge falsch), Rückhalt geben würde. So viel sei gesagt, um meine Angst3 abzulegen, eine eigene methodologische Position zu entwickeln.

Meine Positionen lassen sich aus mehreren Richtung einschränken. Da ist zunächst einmal der Poststrukturalismus, mit einerseits der Diskursanalyse und andererseits der Dekonstruktion. Alles ändert sich, wabert, steht im Bezug aufeinander und ist nie letztgültig ergründbar. Zur französischen Diskursanalyse gesellt sich der wissenssoziologische Überbau von Common- sense und Sozialkonstruktivismus. Außerdem schwebt die nie ruhende und zwanghaft negative Kritische Theorie über allem und versucht Andersheit als ein notwendiges zu bewahren, wäh- rend Dekonstruktion Differenzen als das Eigentliche und Sinn stiftende postulieren. Die Kriti- sche Theorie verspricht zudem eine Aussicht auf gelingendes Leben und der Poststrukturalis- mus eine Teilhabe am gesellschaftlichen und politischen Leben, die sich immer in einem Kon- flikt um selbiges verwirklichen wird. Beide bleiben dabei im Negativen und sprechen nicht aus, wie sich Teilhabe und gelingendes Leben ergreifen lassen. Das alles im Detail nachzuweisen, wird mir im Folgenden nicht gelingen, aber der Versuch einer knappen Darlegung soll dennoch unternommen werden.

2.2 Poststrukturalismus

Der Poststrukturalismus hat seine Ursprünge in den 1960er Jahren in Frankreich und im Widerspruch zum Strukturalismus. Wichtige dem Poststrukturalismus zugerechnete Strömun- gen sind die Diskursanalyse von Michel Foucault und die strukturale Psychoanalyse von Jac- ques Lacans. Die wichtigste poststrukturalistische Strömung für die vorliegende Arbeit ist die Dekonstruktion nach Jacques Derrida. Allen Ansätzen gemeinsam ist die Verneinung eines letztgültigen Sinns. Bedeutung wird nicht an einem Punkt fixiert, sondern im Geflecht von Zei- chen analysiert (Diskursanalyse) oder in ihren Differenzen und Widersprüchen ergründet (De- konstruktion). (vgl. Köppe / Winko 2013: 297 und Moebius 2009)

2.2.1 Dekonstruktion

Jacques Derrida entwickelte die Dekonstruktion in Abgrenzung und basierend auf Ferdinand de Saussure: „Ein einzelner Begriff, so Saussures Idee, konstituiert sich in Abgrenzung zu an- deren Begriffen, die auf andere Wirklichkeitsbereiche zutreffen […]. Entsprechend können un- terschiedliche Sprachen die Welt in unterschiedlicher Weise ›begrifflich‹ aufteilen“ (Köppe / Winko 2013: 298). Derrida konzentriert sich auf diese Abgrenzung und schließt, dass Begriffe in einer endlosen Schleife sich immer weiter ineinander verstricken und nie ein Letztgültiges übrigbleiben wird. „Die dekonstruktivistische Bedeutungstheorie ist ›anti-essentialistisch‹, in- sofern sie bestreitet, dass sich Begriffe (durch ein bestimmtes Set anderer Begriffe) klar defi- nieren lassen […]“ (Köppe / Winko 2013: 299). Welt wird uns über Sprache vermittelt und nur über Sprache lässt die Welt sich beschreiben und erkennen. Der Sprache können wir nicht ent- fliehen, weil wir uns ihr bedienen, um ihr zu entfliehen. (vgl. Köppe / Winko 2013)

Die Dekonstruktion verweist darauf, dass eine Bedeutung, immer zugleich eine andere Deu- tung verdeckt und dass aufgrund der sprachlichen Gebundenheit, bereits das Aussprechen von Sprache eine eigene Bedeutung transportiert, die Nichtgesagtes damit indirekt unbedeutend macht.

2.2.2 Diskursanalyse

Michel Foucault entwickelte 1970 die Diskursanalyse. Im Zentrum der Analyse stehen Dis- kurse. Diskurse sind keine stillstehenden Bedeutungen, sondern Aussagen und deren Träger, die in sich selbst bereits immer auf sich selbst verweisen, die bereits eine historische Rezeption in sich tragen und bestimmen, was über sie ausgesagt werden kann. Diese Diskurse sind histo- risch gewachsen und können als Gewebe vorgestellt und in ihren Verflechtungen analysiert und benannt werden. (vgl. Köppe / Winko 2013: 348 – 354)

2.3 Kritische Theorie

Die Kritische Theorie ist eine deutsche Denkschule die um Max Horkheimer und das Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main entstand. Wichtig, zumindest für die vorliegende Arbeit, ist der unbeugsame Wille der Kritischen Theorie, Handlungsanweisungen zu unterlas- sen und die Behauptung es gäbe einen unhintergehbaren Sinn genauso zu vermeiden, wie zu behaupten, man wisse, wie das Gerechte und Gute aussieht.

Einzig als Gewiss kann die Ungewissheit gelten, lediglich die Opposition gegen den Wahn des Iden- tischen, des Unihinterfragten und Ideologischen, der beständige Zweifel an wissenschaftlichen und poli- tischen Letztwerten. (Salzborn 2015a: 7)

Die Kritische Theorie muss demnach im Negativen verbleiben und mit den Waffen der Ana- lyse und Kritik die Bedingung der Möglichkeit zu liefern, Leid zu lindern. Sie erhebt sich in keinen Elenbeinturm der Wissenschaft, sondern arbeitet parteiergreifend für eine gerechte Welt.

Die Methoden der Negation, die Denunziation alles dessen, was die Menschheit verstümmelt und ihre freie Entwicklung behindert, beruht auf dem Vertrauen in die Menschen. (Max Horkheimer zitiert nach Salzborn 2015a: 12)

Parteiergreifend ist sie deshalb, weil das letzte subjektive Werturteil in jeder Analyse und Arbeit verbleibt und Ausdruck für die eigenen Vorstellungen einer gerechteren Welt wird. Ein objektives Letztgültiges wird es mit der Kritischen Theorie nicht geben. (vgl. Jaeggi 2010)

Es ist zwar das gelingende Leben, nachdem Ausschau gehalten wird und dessen Möglichkeit bedingt werden soll, aber es ist nicht Aufgabe der Kritischen Theorie dieses zu erkennen und zu benennen oder zu beurteilen.4

Hier besteht eine Verbindung der Kritischen Theorie zum Poststrukturalismus. Beide Seiten betonen die paradoxe und unhintergehbare Erscheinung von Sinn und Welt und sehen ihre Auf- gabe jeweils darin (herrschafts)kritisch zu forschen und durch ihre Tätigkeit hegemoniales Herrschaftswissen zu durchbrechen, um den Raum für die Sprache der Unterdrückten zu öff- nen, um diese für sich selbst sprechen zu lassen5. Sichtbar wird diese Verbindung in Teilen und beispielsweise, wenn man Oliver Marchart (2010) und Hartmut Rosa (2016) in ihrem Begriff der Entfremdung vergleicht. Rosa ist hier in der Tradition der Kritischen Theorie, während Machart im Anschluss an den Poststrukturalismus arbeitet. Marchart betont wie wichtig die „Anerkennung gegenüber der Unbedingtheit des Bedingten “ (Marchart 2010: 343, kursiv im Original) sei und stellt heraus, dass die „ Differenz zu sich selbst “ (Marchart 2010: 340, kursiv im Original), das Wissen darüber, dass man mit sich selbst nie identisch, dass man sich selbst fremd ist, erst die Möglichkeit birgt, politisch zu werden und in den Diskurs und Konflikt dar- über, was politisch ist, einzutreten (Marchart 2010: 329 – 364). Ähnlich, aber letztendlich ganz anders in seinen Konsequenzen, erkennt Rosa Entfremdung als notweniges Negativ, um gelin- gendes Leben (also auch das Politische) zu ermöglichen und deutet an, dass umso bewusster die Entfremdung ist, umso deutlicher wird das gelingende Leben (Rosa 2016: 316 – 328). Beide erkennen eine Differenz in jedem Individuum in seiner Beziehung zu sich selbst und zur Welt und benennen diese mit Entfremdung. Für beide wird Entfremdung nicht nur als Übel beschrie- ben, sondern als anzuerkennender und notweniger Bestandteil gelingenden Lebens. Für beide transportiert Entfremdung, das Wissen um einen Konflikt, der wenn er ausgetragen wird, In- tegration und Vergesellschaftung bedingt6.

Der Kreis um meine ontologischen und epistemologischen Vordenker*innen schließt sich hier noch nicht. In Verbindung mit dem Poststrukturalismus, muss auch der Konstruktivismus gedacht werden.

2.4 Konstruktivismus

„In den Sozialwissenschaften reichen konstruktivistische Positionen vom soziologischen Common- sense, soziale Wirklichkeit sei vom Menschen gemacht, über moderate Versionen wie den ,Sozialkon- struktivismus’ bei Peter L. Berger und Thomas Luckmann […] oder den ,Konstruktionismus’ in der So- zialpsychologie […] bis zu starken Varianten wie dem sogenannten ,Radikalen Konstruktivismus’ der Kognitionstheorie […] und der Diskursanalyse im Gefolge Michel Foucaults […].“ (Hofmann / Hirsch- auer 2012: 86)

Im vorliegenden Fall spielen vor allem Alfred Schütz und dessen Schüler Peter L. Berger und Thomas Luckmann eine tragende Rolle. Reiner Keller veranschaulicht dann den letzten Schritt und verknüpft den Konstruktivismus mit der poststrukturalistischen Diskursanalyse zur „diskursiven Konstruktion von Wirklichkeit“. Schütz bestimmt im Anschluss an die Phäno- menologie Husserls und beeinflusst durch die Soziologie Webers die Grenzen eines „methodo- logischen Verfahren[s] zur Ermittlung von objektiven und überprüfbaren Wissens von subjek- tiven Sinnstrukturen“ (Strübing / Schnettler 2004: 156). Er stößt hier an die einleitenden Gren- zen, dass das Feld der Sozialwissenschaften eigene Sinn- und Relevanzstrukturen hat. Genauso weißt auch Wissenschaft eigene Strukturen auf, die nicht vernachlässigbar sind und Einfluss auf die Forschung nehmen. In Untersuchungen im Labor können jedoch einzelne Phänomen betrachtet und in ihrem Kontext verstanden werden (vgl. Schütz 2004). Seine Schüler setzen die Gedanken von Schütz fort und folgern, dass Gesellschaft sich permanent neu herstellt, da sich die Sinn- und Relevanzstrukturen je nach Kontext in ihrer Verwobenheit ändern (vgl. Kel- ler 2012: 203). Genau wie Schütz und dessen Schüler Berger und Luckmann die ständige Neu- einschreibung von sozialer Welt beobachten, erkennt die Diskursanalyse soziale Welt als ein Konstrukt aus Diskursen, welches sich in seinen Bedeutungszuschreibungen und damit in sei- ner Erscheinung immer wandelt (vgl. Keller 2012).

2.5 Zusammenfassung

Die Verknüpfung zu einer einheitlichen Ontologie und Epistemologie wird immer deutli- cher. Die Betonung liegt auf der unmöglichen und integrativen Bedingung gelingenden Lebens, sich in einer Differenz darzubieten und deshalb immer nur ein Versprechen zu bleiben. Den- noch ist es der Antrieb für wissenschaftliches Arbeiten, dieses Versprechen einzuholen und an der Konstruktion von Welt über Diskurse mitzuwirken. Darüber hinaus Räume zu öffnen, dass die Konfliktaustragung darüber, was das Versprechen ist, wie es erreicht werden könnte und wer daran teilhaben darf, für alle erstrebenswert und möglich wird7. Eine Methodologie lässt sich daraus noch nicht im Ganzen ablesen. Kritik und Analyse sind Methoden und Diskurse sind der Forschungsgegenstand. Dekonstruktion ist das Vorgehen, in dem die Diskurse analy- siert und dann kritisiert werden. Methoden, die Narrative sichtbar und hörbar machen, sind nötig, um bisher ungesagtes, verdecktes, nicht am Diskurs teilnehmendes zu entdecken.

Wichtig anzumerken ist, obgleich das bereits in den dargestellten ontologischen und episte- mologischen Prämissen sichtbar wurde, dass bereits durch die Teilnahme am Diskurs, durch das was Gesagt, aber auch nicht Gesagt wird, Konflikte bewegt und verändert werden. Bereits die Rezeption von Diskursen in einem neuen Kontext, hat Auswirkungen auf die Ordnung der Welt und der Ideen in der Welt. Die erneute Aufnahme von Gesagtem und Gedachten interve- niert immer in das Bestehende, genau wie eine neue Idee das vermag. (vgl. Salzborn 2015b)

Dadurch wird also bereits die methodologische, epistemologische und ontologische Positio- nierung, wie ich sie hier versuche, zu dem politischen Aufruf, die Verknüpfung der Diskurse und damit Wirklichkeit, anders zu konstruieren. Möglichkeitsräume werden geöffnet und der Raum des Sag- und Denkbaren erweitert sich und schließt sich womöglich an anderer Stelle.

Wogegen sich die genannten Strömungen verschließen und abgrenzen, soll nun den Ab- schluss der allgemeinen Positionierung bilden, bevor konkreter auf drei zentrale methodologi- sche Positionen der Friedens- und Konfliktforschung eingegangen wird.

Es ist nicht der Wunsch hier weiter Namedropping zu betreiben und wahllos interessante und spannende wissenschaftstheoretische Überblicke zu liefern, sondern der Versuch, die eigene Position sinnvoll und nachvollziehbar herauszustellen. Deswegen soll nun gewagt werden, aus einer jungen und möglicherweise unzureichend informierten Perspektive, die Verknüpfungen zwischen den aus unterschiedlichen Kontexten geschnittenen wissenschaftstheoretischen Ar- gumentationslinien herzustellen und Parallelen aufzuweisen. Diese Parallelen - sie ließen sich sicher besser ausarbeiten und belegen, was nun aber nicht Teil dieser Arbeit sein wird – sind die Knotenpunkte entlang derer sich meine methodologische und epistemologische Position entfaltet. Poststrukturalismus, Konstruktivismus und Kritische Theorie sind die Heimat meiner theoretischen Überlegungen. Sowie der Poststrukturalismus (Derrida) sich vom Strukturalis- mus (Althusser) abgrenzte, entwickelte sich der Konstruktivismus (Berger/Luckmann) in Ab- grenzung zum Funktionalismus (Parsons) und ebenso bewies sich die Kritische Theorie (A- dorno) im Konflikt mit dem kritischen Rationalismus (Popper). Allen drei Auseinandersetzun- gen ist eigen, dass sie8 gegen eine Ontologie ankämpften, die an einen letzten Sinn oder daran, die eine und einzige Wahrheit zu erreichen und vor allem benennen zu können, glaubte. Alle drei setzten sich dafür ein, die erkenntnistheoretische Position der Wissenschaft nicht als los- gelöst und unabhängig vom Gegenstand zu betrachten und betonten die ideologische Gefahr, die von normativen Aussagen ausgeht. Dem Poststrukturalismus folgte der Konstruktivismus in der Auffassung, dass sich Wirklichkeit diskursiv konstruiert und Kritische Theorie und Post- strukturalismus entwickelten parallel eine negative Dialektik. Ohne diese Brüche und Verbin- dungen in ihren Gemeinsamkeiten überspitzen zu wollen, liegt doch darin meine eigene Posi- tion, wie ich sie bereits am Anfang des Kapitels angedeutet habe und nun noch einmal zusam- menfassen werde.

Meine Positionierung zu drei zentralen Aspekten der Friedens- und Konfliktforschung wird in ihrer Auswahl und Argumentation nachvollziehbar(er) und verständlich(er), falls bedacht wird, dass meine Ontologie kein benennbares oder begründbares Sein bedenkt, sondern darauf aus ist, Sein als flüssiges und wandelbares zu begreifen. Die Welt erfahre ich diskursiv. Es ist mög- lich Diskurse einzugrenzen und in einzelnen Phänomenen darzustellen, aber unmöglich sie zu begründen, nur möglich sie zu demonstrieren. Das heißt, Austausch und Forschung über Phä- nomene sind sinnvoll gestaltbar und notwendig, um dem letzten Grund seinen Halt zu nehmen und diesen in eine fluide und wandelbare Form zu überführen. Die Methode dieser Wissen- schaft ist sehr wohl eine hermeneutisch, aber eine sich ständig verdoppelnde und somit den letzten Sinn entgründende 9 . Aus dieser Position heraus werden nun drei zentrale, methodologi- sche Aspekte der Friedens- und Konfliktforschung analysiert, kritisiert und zurechtgerückt. Die ersten beiden Schritte sind der Kern der Arbeit, weil sie mögliche Fundamente der Friedens- und Konfliktforschung wegspülen werden. Der letzte Schritt wird einer öffnenden Bewegung gleichen müssen, die dazu einlädt den methodologischen Diskurs offen zu halten. Inwiefern dieser letzte Schritt gelingen kann und wird und dennoch so etwas wie eine eigene methodolo- gische Position mit sich bringen wird, wage ich an dieser Stelle nicht vorauszusagen.

3 Aspekte der Friedens- und Konfliktforschung

Benanntes Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, zu drei zentralen methodologischen Aspekten der Friedens- und Konfliktforschung Aussagen zu treffen und eine Position zu demonstrieren10. Als drei zentrale Aspekte wurden ausgewählt, die Frage nach der Disziplinarität der Friedens- und Konfliktforschung, außerdem inwiefern die Friedens- und Konfliktforschung einen prakti- schen Bezug hat und letztlich, weshalb die Friedens- und Konfliktforschung aus meiner Per- spektive „Friedens- und Konfliktforschung“ heißt und nicht anders (zum Beispiel Friedensfor- schung, Konfliktforschung oder Kritische (Friedens-)Forschung). Dass die erste Frage als zent- rale Position behandelt wird, hat folgenden Hintergrund: Zunächst einmal wurde diese Frage durch Nora Gäng, Klara Spiesberger und mich eingehend über ein Semester hinweg, im Rah- men eines Seminars bei Prof. Dr. Weller, diskutiert und ausgearbeitet und dementsprechend intensiv ist hier die Lektüre zu diesem Thema bereits bekannt. Andererseits ist die Friedens- und Konfliktforschung als junges Fach, das sich in Abgrenzung zum Fach der Internationalen Beziehungen entwickelte, noch im Diskurs darüber, wo die eigenen Grenzen des Labels „Frie- dens- und Konfliktforschung“ liegen (vgl. bspw. Bonacker 2011, Brunner 2015, Stephenson 2008 oder Tudyka 1988) und diese Diskussion über die Grenzen offen zu halten bis hin zur Entgrenzung ist mein Anliegen. Die zweite Frage wird behandelt, weil hierin ein Zwang ver- mutet wird (ähnlich wie in der Grenzziehung und Bestimmung, was Friedens- und Konfliktfor- schung heißen darf) hin zu Handlungsanweisungen, die letztendlich Output der Forschung wer- den. Darin steckt, so vermute ich, ein Irrglaube an die Macht von Forschung und Wissenschaft und die Sorge, in der Meinung als Wissenschaftler*in nicht gehört oder anerkannt zu werden, dem hier entgegengewirkt werden soll. Die dritte und abschließende Frage zeugt von der ver- wirrenden, weder absichtlich offen gehaltenen, noch bestimmten Verwendung von Begriffen in der Friedens- und Konfliktforschung bis hin zur Selbstbetitelung. Alles Identitäre aufzuheben und zu demonstrieren, wie Frieden, Toleranz und Konfliktbearbeitung möglich werden, mag erstrebenswert und wichtig klingen. Die eigene Identität sollte jedoch in erster Linie bekannt sein (auch wenn sie flüssig und wandelbar ist), um überhaupt Stellung beziehen und Kritik formulieren zu können. Begonnen mit dem eigenen Titel, der gerne in jeder Arbeit neu kreiert werden darf, und fortgesetzt mit klaren und scharfen Vorstellungen von Konflikt, von Frieden und Hass (je nachdem was demonstriert werden soll), wird Forschung und wird Wissenschaft erst zu einem Arsenal11 und nimmt Einfluss auf die diskursive Konstruktion der Wirklichkeit12. Geht es darum, für sich selbst zu sprechen, wie in der Formulierung des eigenen Namens, wird die eigene Reflexivität, das Nachdenken darüber, wie Welt vorstellbar, erfahrbar und wandelbar wird, im Ganzen gefordert und zum Ausdruck gebracht. Versagt bereits hier die nachvollzieh- bare (obgleich, wie in meinem Fall entgründende) Demonstration der eigenen Position mangels Klarheit über den eigenen Namen, wird eine spätere Rezeption und damit einhergehende Dis- kussion der vermittelten Inhalte wenig Halt und Resonanz finden.

Andere Begriffe klarer und schärfer zu differenzieren oder was Gegenstand der Friedens- und Konfliktforschung sein soll auszuhandeln, wären ebenfalls denkbare und zentrale Themen, denen eine methodologische Ausarbeitung folgen könnte. Jedoch liegt in der Auswahl der Fra- gen bereits die Vermutung begründet, dass alle weiteren interessante und wichtigen methodo- logischen Aspekte bereits durch die Auswahl angeschnitten werden und mithin durch die Be- arbeitung der Auswahl erst behandelbar werden. Sobald Ort, Erreichbarkeit und Name eindeu- tiger verfasst sind, wird überhaupt die Bedingung gegeben sein, Friedens- und Konfliktfor- schung erreichbar und wirkmächtig zu positionieren.

Die Ausarbeitung der einzelnen Fragen versucht einem einheitlichen Schema zu folgen, um besser gelesen und verstanden werden zu können. Beginnend wird die Frage dargestellt, wie sie in der Literatur behandelt wurde. Welche Positionen lassen sich herauslesen und inwiefern ist die Diskussion darüber noch lebendig? Daran anschließend werde ich meine eigene Positi- onierung demonstrieren.

3.1 Die Zucht der Friedens- und Konfliktforschung

Disziplin, veraltet Zucht, ist ein Wissenschaftsbereich, eine Unterkategorie von Wissen- schaft. „Trans“ ein Präfix, das ein Verb oder Substantiv „über, hinüber, über … hinaus“ stellt oder führt. Interdisziplinär ist etwas, wenn es Disziplinen miteinander verbindet und multidis- ziplinär wird etwas dann, wenn es die Zusammenarbeit „sehr vieler Disziplinen“ erfordert. Ein „a-verneint in Verbindung mit Adjektiven deren Bedeutung“ genau wie das Präfix „in-“ Be- deutungen verneint. Diese kurze Darstellung, die wenige Sekunden Recherche auf www.du- den.de13 ergaben, dient nur als Übersicht, bevor die reichhaltigen Vorstellungen der Literatur der Friedens- und Konfliktforschung, was alles mit Disziplin gesagt werden soll, kann, darf oder muss, beigebracht werden.

Einigkeit besteht darin, dass die Friedens- und Konfliktforschung interdisziplinär oder/und multidisziplinär und definitiv ein eigenes Forschungsfeld ist (Stephenson 2008). Kurt P. Tu- dyka schreibt 198814 „Nicht über den, sondern über die Disziplinen“. Pathetisch blickt er in die Zukunft und weiß sich sicher, dass alle Forschung dem Frieden dienen wird und in der Vielfalt der Disziplinen und Forschung die „Friedensforschung als wissenschaftliches Korrektiv“ (Tu- dyka 1988: 146) kritisch darauf bedacht ist, dass Frieden Ziel aller Wissenschaft und Forschung ist. Umso mehr sich die Politik von den Ergebnissen der (Friedens-)Forschung entfernt, umso politischer wird Forschung erscheinen. Während Friedensforschung die Vielfalt der Disziplinen unter einem Banner verbindet, müssen die einzelnen Friedensforscher*innen eine interdiszipli- näre Perspektive einnehmen, um den Überblick bewahrend, Forschung für den Frieden gestal- ten zu können. Friedensforschung verläuft multidisziplinär entlang und über die einzelnen Dis- ziplinen und die einzelnen Forscher*innen ermöglichen das, indem sie ihre je individuelle For- schung reflexiv dem Frieden widmen. Friedensforschung ist keine Suprawissenschaft (Daase / Moltmann 1988), hat kein Sonderbewusstsein (konträr zu Bonacker 2011) und sitzt nicht über den Disziplinen (Tudyka 1988), kann nach Tudyka gefolgert werden. Johan Galtung blickt 1970 ähnlich wie Tudyka 1988 oder Dieter Senghaas 1989 auf die Frage der Disziplinarität. Die Friedens- und Konfliktforschung ist multidisziplinär, wenn Wissenschaftler*innen aus ver- schiedenen Disziplinen gemeinsam arbeiten und veröffentlichen. Die einzelnen Wissenschaft- ler*innen verbleiben innerhalb ihrer Disziplinen und öffnen ihre Expertise nur soweit, dass ge- meinsame und fruchtbare Forschung sinnvoll möglich wird. Hier besteht ein Kontrast zwischen Galtung und Senghaas. Senghaas erwartet von einzelnen Forscher*innen, dass sie eine trans- disziplinäre Position einnehmen können und dementsprechend auf sich selbst die Expertise vie- ler Disziplinen zu vereinigen wissen. Tudyka schlägt hier in dieselbe Kerbe, wenn er die Frie- dens- und Konfliktforschung als Korrektiv über den Disziplinen positioniert, obgleich er das selbst, in Bezug auf die einzelnen Wissenschaftler*innen, relativiert. Für eine Friedens- und Konfliktforschung „gar über allen Disziplinen“ spricht sich Thorsten Bonacker (2011: 48) aus und für eine transdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung tritt jüngst Claudia Brunner (2015: 46) ein und schließt sich hierin Wilfried Graf an, der die „derzeit praktizierte additive Interdisziplinarität nicht mehr für ausreichend [hält] […] und für vertiefte Transdisziplinarität [plädiert] (Graf nach Brunner 2015: 46). Diese Aufzählung von Stellungnahmen ließe sich be- liebig weiterführen. Diese Debatte um den eigenen disziplinären Status wirkt sehr vielfältig, obgleich klare Tendenzen erkennbar sind, wie Stephenson 2008 hervorhebt, oder im Vergleich von Bonacker (2008), Senghaas (1989), Daase und Moltmann (1988), die jeweils versuchen der Friedens- und Konfliktforschung Kernkompetenzen zuzuweisen, deutlich wird. In diese Vielfalt bringt Johan Galtung (1970) mehr Klarheit, als er erkennt, dass bereits Unklarheit dar- über herrscht, was multidisziplinär bedeutet. Er unterscheidet vier Stufen multidisziplinären Arbeitens, wobei die erste Stufe inter-, die zweite inter- und multi- und die dritte Stufe multi- disziplinäre Arbeit beschreibt und die vierte Stufe bereits eine eigene Disziplin darstellt (Gal- tung 1970: 529 f.). Karlheinz Köppe liefert 2010 eine Zusammenfassung über die institutionelle Ausbreitung der Friedens- und Konfliktforschung in Deutschland, die die institutionalisierte Zusammenarbeit einzelner Forscher aus verschiedenen Disziplinen veranschaulicht. Demnach wäre die dritte Stufe in Galtungs Modell erreicht. Die Friedens- und Konfliktforschung ließe sich als multidisziplinär beschreiben. Wird diese Entwicklung fortgesetzt und aus den multidis- ziplinären Studiengängen (Köppe 2010: 56 f.) werden vermehrt erfolgreiche Absolventen das Fach der Friedens- und Konfliktforschung weiterentwickeln, dann wird (oder ist bereits?) die vierte Stufe nach Galtungs Modell entstehen. Die Friedens- und Konfliktforschung hätte über die Disziplinen hinaus eine eigenes Port Folio entwickelt mit klaren Kernkompetenzen und standardisierten Methoden und wäre so zu einer eigenen Disziplin gewachsen. Eine Entwick- lung, die Thorsten Bonacker (2011) bereits skizziert. Anstatt den letzten Schritt zu wagen und die Friedens- und Konfliktforschung als eigene Disziplin zu verorten, rückt Bonacker die Be- deutung des selbstkritischen Forschens ins Zentrum seiner Arbeit und zeichnet die Friedens- und Konfliktforschung als eine über den Disziplinen stehende, selbstbewusste Gemeinschaft von kritischen Wissenschaftler*innen. Diese Gemeinschaft will ergebnisoffen und anwen- dungsorientiert die Bearbeitung von Konflikten und die Förderung des Friedens durch wissen- schaftliche Expertise fördern. Diese erkennbare Tendenz Bonackers, sich der Grenzen einer eigenen Disziplin zu verwehren, formuliert Claudia Brunner wesentlich deutlicher aus. Sie überlegt, wodurch „Monodisziplinen“ ihren Anspruch generieren, festzusetzen, was Wissen- schaft ist und was nicht und worin der Prozess der disziplinären Grenzziehung begründet ist.

Die dabei wirksam werdende Disziplinierung von Wissen ist also vielmehr als Machtprozess einer Konkurrenz um Anerkennung, Ressourcen und Wirksamkeit und damit selbst als Element epistemischer Gewalt zu verstehen, mit der der daraus resultierende Objektivitätsanspruch befestigt wird. (Brunner 2015: 47)

Claudia Brunner folgert daraus die „Notwendigkeit einer transdisziplinären Herangehens- weise und deren weitere Theoretisierung“ (Brunner 2015: 46). Brunner und Bonacker sind da- rauf bedacht, dass die Friedens- und Konfliktforschung weiterhin ein wissenschaftliches Kor- rektiv bleibt, wie Kurt P. Tudyka das bereits 1988 beschrieben hat. Bonacker sabotiert sein Anliegen, indem er der Friedens- und Konfliktforschung ein arrogant anmutendes Sonderbe- wusstsein andichtet (Bonacker 2011: 48), obgleich er dieselben Paradigmenwechsel wie in den Sozialwissenschaften im Allgemeinen auch für die Friedens- und Konfliktforschung anerkennt. Claudia Brunner gestellt sich mit ihrer de- und postkolonialen Perspektive und ihre Nähe zu Judith Butlers Argumentation (Brunner 2015: 49) zum Poststrukturalismus15. In ihrer Forde- rung nach einer transdisziplinären Friedens- und Konfliktforschung gelingt es ihr nicht, der durch sie selbst erkannten, epistemischen Gewalt des „disziplinären“ zu entgehen und ihr post- strukturalistisches und kritisches Denken radikal zu Ende zu bringen.

Obgleich die Vielfalt der Argumente und Anliegen, die die Friedens- und Konfliktforschung in ihrer Frage nach eigenen Grenzen vielfach gesprengt haben; obwohl die wissenschaftlichen Revolutionen ausgehend von bspw. der Kritischen Theorie, feministischer Kritik oder de- und postkolonialen Denkens die Friedens- und Konfliktforschung zu keiner Einheit, Ruhe und Si- cherheit in ihren Theorien und Methoden haben kommen lassen, setze ich mich dafür ein, dass die Friedens- und Konfliktforschung um die Perspektive der Dekonstruktion erweitert wird und plädiere in diesem Sinn für eine radikale Lossagung von Grenzen im Denken und im Handeln, plädiere für eine a- oder indisziplinäre16 Stellung der Friedens- und Konfliktforschung. Nur diese klare Formulierung würde das ständige Changieren zwischen den vielen Möglichkeiten der disziplinären Züchtigung und Einengung obsolet werden lassen, würde die Klarheit liefern, dass Friedens- und Konfliktforschung keine noch so friedvolle Position durch die Gewalt einer Begründung erniedrigen möchte und die Freiheit und den Zwang mit sich bringen, im ständigen Hinterfragen von Grenzen, Gründen und Formulierungen „vom überlegenen Modus der Moral zum solidarischen Modus des Ringens zu gelangen“ (Brunner 2015: 50). Ohne sich eine Son- derrolle zuzuschreiben, ohne zu einer Suprawissenschaft zu gedeihen, wäre eine indisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung nur ihrem einzigen, undefinierbaren Kern, dem Frieden ver- bürgt und würde Konflikte, egal hinter welchen (disziplinären) Grenzen diese stattfinden, zu ihrem Gegenstand machen.

3.2 Praxis und Forschung

Die Loslösung von der identitären Grenzziehung der Disziplinen, wird sich im nächsten Ar- gument verbinden mit der Abkehr vom bereits kritisierten Aberglaube, die Friedens- und Kon- fliktforschung müsse Handlungsanweisungen produzieren. In der Überwindung der positivisti- schen Narrative der Internationalen Beziehungen und andererseits in ihrer Hinwendung zur Praxis der Kritischen Theorie17, demonstriert die Friedens- und Konfliktforschung bereits ihre an der Praxis ausgerichteten Forschung (vgl. Stephenson 2008 oder Bonacker 2011). Des Wei- teren lässt sich die Friedens- und Konfliktforschung nach Anwendungsgebieten unterscheiden. Die Lehre vom Frieden, Friedenserziehung oder Friedensforschung unterscheidet beispiels- weise Carolyn Stephenson (2008) und veranschaulicht wie sich die Friedens- und Konfliktfor- schung je nach Anwendungsgebiet entwickelt hat. Michael Alfs unterscheidet 1995 nach drei potentiellen Praxisfeldern: Politikberatung, Friedensbewegung und Friedensforschung (Alfs 1995: 72 ff.). Definitiv ist alleine in dieser Unterscheidung ein praktischer Bezug begründet, der sich zum Beispiel in Ausprägungen, wie der Entwicklung von konkreten Konfliktmanage- mentstrategien, Mediationsverfahren oder der Ausrichtung von Friedensseminaren, zeigen lässt. Rechnet man diese Entwicklungen zur erfolgreichen praktischen Einflussnahme der Frie- dens- und Konfliktforschung, ist umgekehrt viel offensichtlicher, inwiefern die Praxis Einfluss auf die Friedens- und Konfliktforschung hatte und hat. Ob mit Ende des Kalten Kriegs oder nach den Anschlägen auf das World Trade Center in New York City am 11. September 2001, die Friedens- und Konfliktforschung hat reagiert und die Themen aufgegriffen, um ihre prakti- sche Relevanz aufrecht zu erhalten (vgl. Stephenson 2008). Christoph Weller (2017) veran- schaulicht diesen Mechanismus, wie Perspektiven aufgrund von medialer und politscher Insze- nierung geändert und der Fokus ganzer Bevölkerungen oder eben Fächer beeinflusst werden kann. Für die Praxis Relevanz zu besitzen, ist Kriterium jeder wissenschaftlichen Arbeit. Diese Relevanz herzustellen hat ihren Preis, zum Beispiel einen unterkomplexen Gewaltbegriff (Brunner 2015: 41). Doch, so meine Überzeugung, es ist nicht unterkomplexes und einfaches Arbeiten, dass wissenschaftliches Arbeiten praktisch werden lässt und es ist ebenso wenig ein strikter Methodenzwang, der nachvollziehbare Ergebnisse liefert18. Praxis und Wissenschaft lässt sich nicht in zwei Schulen aufteilen und die methodologische Positionierung ist hier das klare Beispiel für dieses Argument. Erst die Erarbeitung meiner theoretischen, wissenschaftli- chen (wissenschaftstheoretischen) Position, verschafft mir die nötige Klarheit, um in der Praxis Gewalt abzubauen und Frieden zu befördern. Die theoretische Positionierung wird in einer dis- kursiven Konstruktion notgedrungen zu einem praktischen Einfluss und ist somit selbst Pra- xis19. Wer nicht, wie die Theorie des Demokratischen Friedens missbraucht werden will für Gewalt (vgl. Mann 1999: 19 f.), muss sich selbstkritisch und progressiv mit seinen eigenen Ansätzen und Positionen auseinandersetzen und diese Kritik in Handlungen zum Ausdruck bringen (vgl. Brunner 2015). Ist es die Friedens- und Konfliktforschung, die Mediation und Konfliktmanagement erarbeitet und ist es die Friedens- und Konfliktforschung, die Konflikte als Motor für Integration ins Auge blickt, statt Konflikten auszuweichen, dann sind es die For- scher*innen der Friedens- und Konfliktforschung, die ihre Ansichten und Erkenntnisse ohne Gewalt und ohne normativen Anspruch formulieren und in die Gesellschaft hineintragen, dann besitzt die Friedens- und Konfliktforschung Relevanz und hat praktischen Einfluss auf die Zu- nahme von Frieden; oder mit Michael Alfs: Die zentrale und erste Praxis der Friedens- und Konfliktforschung ist die Wissenschaft (Alfs 1995: 116 ff.).

3.3 Friedensforschung - Kritische Friedensforschung - Friedens- und Kon- fliktforschung

Die begriffliche Verschiebung des Titels der Friedens- und Konfliktforschung lässt sich ähn- lich historisch veranschaulichen, wie die Suche nach der praktischen Wirkmächtigkeit und ist letztlich oft thematisiert, aber wenig reflektiert worden. Ulrike C. Wasmuth (1998) beleuchtet in ihrer Habilitationsschrift über knapp dreißig Seiten hinweg, wie die kritische Friedensfor- schung sich in Abgrenzung zu traditionellen Friedensforschung entwickelte. Die Nähe, welche zu Jürgen Habermas und der Frankfurter Schule herausgebildet wurde, begründete die kritische Friedensforschung. Der Begriff Friedensforschung war zuvor entstanden, um die stärkere Wert- bindung an Frieden in Abgrenzung zu den Internationalen Beziehungen zu signalisieren (vgl. Stephenson 2008 oder Alfs 1995: 17 ff.). Mit Ende des Kalten Kriegs verlor die starke Werte- orientierung der kritischen Friedensforschung ihren Einfluss, das „friedenspolitische Selbstver- ständnis“ der kritischen Friedensforschung wurde infrage gestellt und das Adjektiv viel wieder weg (Bonacker 2011:62). Weshalb dann eine begriffliche Wendung hin zu Friedens- und Kon- fliktforschung stattfand, weg von Friedensforschung, ist in der Literatur nicht explizit themati- siert. Michael Alfs spricht 1995 von Friedensforschung und Friedens- und Konfliktforschung gleichzeitig und scheint hier möglicherweise einen Wendepunkt in der Verwendung des Titels (ungewollt) zu verkörpern. Er versucht die selbstauferlegte Bürde der Friedens- und Konflikt- forschung wissenschaftlichen Standards zu genügen und dennoch positiven und friedensstiften- den Einfluss auf gesellschaftlich-politische Praxis zu nehmen, darzustellen. Ohne nun beleidi- gen zu wollen, möchte ich eine Theorie anstellen, worin die Wendung der Begrifflichkeit ihren Ursprung genommen hat. Die Lektüre von Ulrike C. Wasmuth (1998: 165 – 191) wirft ein negatives Bild auf die Fähigkeiten deutscher Friedensforscher*innen. Ohne Unterlass reiht sie Zitate von Jürgen Habermas aneinander, ohne deren Inhalt tiefergehend zu diskutieren. Ähnlich negatives Licht auf die Friedens- und Konfliktforschung wirft Kurt P. Tudyka (1988: 137 – 150), weil sein Beitrag in einer beinahe privaten und unwissenschaftlichen Perspektive auf die Friedens- und Konfliktforschung verbleibt und Prognosen über die Wirkmächtigkeit der Frie- dens- und Konfliktforschung anstellt (ähnlich wie Galtung 1970), die eher wie ein Wunschkon- zert klingen, als wie fundierte, wissenschaftliche Überlegungen. Georg Hofmann (2013) be- schreibt in seinem einleitend zitierten Artikel, inwiefern sich die Friedens- und Konfliktfor- schung mittlerweile professionalisiert habe und verlangt gleichzeitig nach einer stärkeren nor- mativen Ordnung, gehaltvolleren Handlungsanweisungen und politischen Positionierung durch die Friedens- und Konfliktforschung. Genau hierin liegt meiner Ansicht nach die gelungene Professionalisierung, in der Abkehr von (unwissenschaftlichen) normativ-politischen Hand- lungsanweisungen durch die Friedens- und Konfliktforschung. Thorsten Bonacker scheint diese These zu stützen, wenn er die selbstbewusste und reflektierte Friedens- und Konfliktforschung aus der Kritik an dem „friedenspolitischen Selbstverständnis“ hervorgehen sieht (Bonacker 2011: 63). Claudia Brunner drängt zudem in die gleiche Richtung, obgleich aus anderem An- trieb, wenn sie den „überlegenen Modus der Moral“ (Brunner 2015: 50) verlassen möchte. Carolyn Stephenson beschreibt zudem, dass nach dem Kalten Krieg vermehrt Konflikte in den Fokus der Forschung gerückt sind und diese die Forschung für oder über den Frieden dement- sprechend verdrängt haben (Stephenson 2008: 1543 ff.). Die Friedens- und Konfliktforschung hat sich darauf besonnen, dass Konflikte und deren Austragung der eigentliche Antrieb für ge- sellschaftlichen Wandel sind und demensprechend eine Kultur der Konflikte die Möglichkeit zum Frieden in sich birgt. Frieden als normative Orientierung, ohne normative Ordnung und Konflikte als Ursprung gesellschaftlichen Wandels zu fassen, legen die Formulierung Friedens- und Konfliktforschung nahe. Die unwissenschaftliche Argumentation für den Frieden, aus der moralisch überlegenen Position der westlichen Wissenschaft heraus, hat den Bezug zur Praxis auf dem Weg dorthin verloren. Die Kritische Theorie als Namenspatron, für derlei verblendete Zucht hin zum Frieden, wurde missbraucht, wäre im Hinblick auf die formulierten Erkenntnisse eine möglicherweise unkompliziert abzuhandelnde These. Diese Ansicht zeugt natürlich davon, dass ich selbst, der Autor dieser Ansicht, kein Zeitzeuge der kritischen Friedensforschung bin.20 Im Wettrusten zwischen West und Ost Position zu beziehen und konkreten Bedrohungsszena­ rien entgegenzuwirken, hat vermutlich anderes Engagement erfordert, als der Umgang mit der terroristischen Bedrohung des jungen 21. Jahrhunderts.

4 Friedens- und Konfliktforschung: [K]ritische Forschung?

Die drei diskutierten methodologischen Aspekte der Friedens- und Konfliktforschung, las- sen sich nur schwer zusammenfassen. Der Name Friedens- und Konfliktforschung hat sich aus historischen Beweggründen geändert und demonstriert, zumindest aus meiner Perspektive her- aus, die Abkehr von normativer Ordnung und Handlungsanweisungen. Der konkrete Anwen- dungsbezug der Friedens- und Konfliktforschung war und ist immer gegeben. Veranschauli- chen lässt sich diese Praxis im Hinblick auf verwandte Berufsfelder wie die Friedenspädagogik oder die Politikberatung. Außerdem ist Forschung an sich bereits eine Handlung mit praktischer Relevanz und wird durch die Auswahl der Themen und Methoden politisch. Die Friedens- und Konfliktforschung befindet sich auf dem Weg über disziplinäre Grenzen hinaus und läuft nun einerseits Gefahr, eine eigene Disziplin zu werden, oder andererseits der Möglichkeit entgegen, sich von der Zucht der Disziplin zu lösen. Eine Linie, oder zumindest das angestrebte flexible Fundament für meine methodologische Position in der Friedens- und Konfliktforschung, zu formen, ist kaum fassbar. Worin liegt die methodologische Einheit zwischen einer Forschung für den Frieden, über Konflikte, ohne disziplinäre Einschränkungen und in der geistigen Frei- heit einer diskursiv konstruierten Welt? In Rückbezug auf die ontologischen und epistemologi- schen Positionen, wird eine entgründende Positionierung, sich wie folgt lesen lassen:

Konflikte sind die Momente, in denen politische und gesellschaftliche Positionen erkennbar und entgründbar werden. Die Forschung über Konflikte unter dem Credo des Friedens, ist be- reits eine normative Orientierung hin zu einem Kampf um etwas, um den Frieden. Die Fixie- rung der eigenen Position auf eine Position der Friedens- und Konfliktforschung, ist eine Par- teinahme für den Frieden, der sich als uneinholbares Versprechen gibt und nur durch die aktive Teilnahme an Konflikten und die Anerkennung des unbeherrschbaren, politischen Einflusses jeder Regung, erfahrbar wird. Frieden lässt sich nur in seiner Differenz zu Gewalt erkennen und der Konflikt ist der Ort, ist der Moment des Politischen und der Moment der Einsetzung des reflexiven Subjekts, wo der Frieden in seiner Differenz teilbar wird. Jegliches Leid das erfahren wird, ist nicht Konflikt, sondern ist Abwesenheit von Konflikt.

Eine womöglich Kritische Friedens- und Konfliktforschung erkennt die Negativität eines nicht erkannten und benannten Konflikts an. Der behandelbare Konflikt erst, gibt Hoffnung und Aussicht auf Frieden, obgleich Frieden nur im Vertrauen in ihn selbst verwirklicht werden kann.

Die Skizze einer Kritischen Forschung, die Skizze einer paradigmatisch unparadigmatischen – aparadigmatischen Forschung für eine romantische Entzauberung von Welt.

5 Schlussbetrachtung

Ganz gleich wie viel Entwicklung und Potential in dieser letzten, sich öffnenden Bewegung hin zu einer angewandten Friedens- und Konfliktforschung erkennbar ist, verbleibt sie doch pathetisch und romantisch, unwissenschaftlich und fragwürdig in ihrer Konsequenz. Die An- wendung dieser Positionierung auf eine empirische Forschung hätte den Rahmen dieser Arbeit überstiegen. Die weitere Ausarbeitung der Position muss fortgesetzt werden, bis hin zu einer am konkreten Fall exerzierten, um ihre postulierte Relevanz zu unterstreichen. Gleichzeitig ist es das Paradigma des In-paradigmatischen, das durch den Poststrukturalismus Einzug findet in die Kritische Theorie oder die Friedens- und Konfliktforschung oder die Politische Theorie21, dessen Banner diese Arbeit und mich als Autor in Beschlag nimmt. Diese starke Orientierung hin zu einer grenzenlosen Welt, steuert eventuell an der global-gesellschaftlichen Realität vor- bei oder operiert, das bleibt zu hoffen, direkt aus ihrem Zentrum heraus.

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[...]


1 „They [the ontological and epistemological position] are like a skin not a sweater: they cannot be put on and taken off whenever the researcher sees fit.“ (Marsh / Furlong 2002: 17) Dieser Postition folge ich mehr oder minder, weil meine ont. und epist. Position nicht jederzeit ablegbar sind, aber sich im Laufe der Zeit sehr wohl ändern oder sogar von außen anders wahrgenommen werden können.

2 Diese Wendung verwende ich in Anlehnung an Samuel Salzborn 2015b: Kampf der Ideen.

3 Weshalb „Angst“ eine Rolle für die methodologische Positionierung in den Sozialwissenschaften spielen könnte hat Veith Selk (2013) besprochen.

4 Hierin besteht zweifelsohne keine Einigkeit. Hartmut Rosa (2016) entwirft einen Ort des gelingenden Lebens, obgleich er ihn als Nicht-Ort charakterisiert und Rahel Jaeggi (2010) fordert eine Kritik der Lebensformen und „die Beurteilung „letzter Werte““ (Jaeggi 2010: 488) und beide stellen sich in die Tradition der Kritischen Theorie.

5 „Es zeigt sich dann nicht zuletzt, dass das „Interesse der Emanzipation“, von dem Horkheimer gesprochen hatte, eines ist, das zwar einerseits in mancher Hinsicht ethisch formal bleibt. Schließlich geht es dem Ansinnen der Emanzipation darum, die Individuen selbst zu Faktoren ihres eigenen Lebens und ihrer eigenen Entscheidun- gen zu machen und nicht darum, ihnen bestimmte Inhalte des für sie „guten Lebens“ vorzuschreiben.“ (Jaeggi 2010: 491)

6 Georg Simmel lässt sich hier dazu denken, aber ist außerhalb meiner Reichweite: „ Simmel […] verweist wiederum auf den K. [Konflikt] als Quelle der Integration, indem er im internen Gruppenkonflikt ein Sicherheits- ventil gegen sich akkumulierende Feindseligkeiten erkennt und überhaupt dem K. eine einigende Wirkung in Gruppen und Gesellschaften gegenüber Außenseitern und Feinden zuschreibt.“ (Strasser 2005: 458)

7 Konfliktaustragungen sind konstitutiv für ein gelingendes Leben und umso größer das Potential und die Chance an Konflikten teilzunehmen, desto größer die Chance auf ein gelingendes Leben. (vgl. Dahrendorf nach Imbusch 2015: 149)

8 Gemeint sind die jüngeren Widersacher: Poststrukturalismus, Konstruktivismus und Kritische Theorie

9 Oliver Flügel-Martinsen veranschaulicht die Dekonstruktion sehr gekonnt und gibt meiner Position wichtigen Halt: (Flügel-Martinsen 2017: vor allem 147; Flügel-Martinsen 2015; aber auch Marchart 2010)

10 Bereits hier, nachdem die eigene theoretische Position ausgearbeitet wurde, ändert sich die Formulierung des Erkenntnisinteresses (im Vergleich zur Einleitung) und wendet schärfere Begriffe an. Die Reflektion der ei- genen Position ändert und verdeutlicht den Blick auf den Forschungsgegenstand. Deshalb wird das eingangs for- mulierte Ziel nicht falsch in seinen Begriffen und auch nicht weniger deutlich, aber es verbleibt zurückhaltender und sachlicher, als es sich nun, nach der Hälfte der geschriebenen Arbeit, formulieren lässt.

11 Zur Funktion der Politischen Ideengeschichte und ferner der Wissenschaft als Archiv und Arsenal siehe Llanque 2008 oder Salzborn 2015b.

12 Diese Formulierung wurde bereits dargelegt, hat jedoch, deshalb hier noch einmal der Hinweis, ihren Ur- sprung für die vorliegende Arbeit bei Keller 2012.

13 Zu Disziplin: http://www.duden.de/rechtschreibung/Disziplin / zu trans-: http://www.duden.de/rechtschrei- bung/trans_; zu interdisziplinär: http://www.duden.de/rechtschreibung/interdisziplinaer / zu multidisziplinär: http://www.duden.de/rechtschreibung/multidisziplinaer / zu a -: http://www.duden.de/rechtschreibung/a_ / zu in-: http://www.duden.de/rechtschreibung/in nicht_ohne_Verneinung (jeweils zuletzt aufgerufen am 27.02.2017).

14 Er verwendet durchweg den Titel „Friedensforschung“.

15 Vgl. zu dieser Einschätzung von Judith Butler als Poststrukturalistin zum Beispiel Stephan Moebius 2009.

16 Für eine poststrukturalistische, indisziplinäre Perspektive vgl. Rancière 2007.

17 Anlass für wissenschaftliches Arbeiten ist eine vorwissenschaftlich artikulierte Leidenserfahrung.

18 Angelehnt an Paul Feyerabends Divise „Wider dem Methodenzwang“ (1986).

19 Siehe hierzu meine allgemeine Positionierung und Salzborn 2015b oder Llanque 2008.

20 Das große „K“ als Hinweis auf den Bezug zur Kritischen Theorie

21 Siehe Lars Gertenbach (2010) zu Kritischen Theorie, Claudia Brunner (2015) zu Friedens- und Konfliktfor- schung und Oliver Flügel-Martinsen (2015) zur Politischen Theorie.

Details

Seiten
29
Jahr
2017
ISBN (Buch)
9783346023605
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v498178
Institution / Hochschule
Universität Augsburg
Note
Schlagworte
wissenschaftliche positionen friedens- konfliktforschung eine skizze

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Titel: Wissenschaftliche und politische Positionen der Friedens- und Konfliktforschung