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Die russische Etymologie ausgewählter Wald- und Jagdtiere

Hausarbeit 2019 19 Seiten

Russistik / Slavistik

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Geschichte der Jagd

3. Der Nutzen der Jagdtiere als Grundlage für die sprachlichen Wanderwege

4. Die Auswahl an Wald- und Jagdtierbezeichnungen (nach Vasmer).

5. Die Schlussfolgerung
a) бобр – der Biber
b) волк - der Wolf
c) зaяц - der Hase
d) медведь – der Bär
e) горностай - das Hermelin
f) лось – der Elche
g) ворон – der Rabe
h) лис – der Fuchs
i) oлень – der Hirsch
j) ёж – der Igel

6. Fazit

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Jagd ist eine der urtümlichsten Fertigkeiten der Menschheit und beschreibt die Fähigkeit, Wild aufzuspüren, zu verfolgen und zu erlegen oder zu fangen.1 Die Jagd sicherte das Überleben der frühsten Menschen und ist damit eine der Grundlagen für die Entwicklung der Menschheit und auch ein notwendiger Bestandteil für dessen sprachliche Entwicklung. Die Notwendigkeit Wil dtiere zu jagen und Nutzen daraus zu ziehen – sei es zur Nahrungsbeschaffung oder zur Herstellung von Kleidung, Schmuck oder Werkzeugen – begründet schon frühzeitig den Wunsch nach einer Bezeichnung dieser Tiere. Denn von jeher hatte der Mensch den Wunsch, den Dingen einen Namen zu geben.

U nd Gott der HERR machte aus Erde alle die Tiere auf dem Felde und alle die Vögel unter dem Himmel und brachte sie zu dem Menschen, dass er sähe, wie er sie nennte; denn wie der Mensch jedes Tier nennen würde, so sollte es heißen. Und der Mensch gab einem jeden Vieh und Vogel unter dem Himmel und Tier auf dem Felde seinen Namen; […] „ (Mose 1, Kap.2 ,19-20).

Daher habe ich die Annahme, dass die Bezeichnungen für das Jagdwild historisch weit zurück verfolgbar sind. Das heißt, dass diese Bezeichnungen lange etymologische „Wanderwege“ zurückgelegt haben, welche bis ins Urslawische zurückreichen, und sich viele verwandte Begriffe in anderen Sprachen finden lassen müssten. Zur Überprüfung dieser Annahme habe ich für den Kontext des russischsprachigen Raums auf Grundlage von Lorenz' „Jagdwörterbuch Russisch-Deutsch“ eine zufällige Auswahl von 26 Bezeichnungen für Jagd- und Waldtiere getroffen, deren etymologische Entwicklung ich aus Vasmer's „Russisches etymologisches Wörterbuch“ übernommen habe.

Bevor ich im Einzelnen zur Auswahl dieser Tiere komme, werde ich einen kurzen Abriss zur Jagdgeschichte geben, um den Grund und die dahingehende Notwendigkeit für die Jagd bestimmter Tiere zu verdeutlichen.

2. Die Geschichte der Jagd 2

Wie zuvor erwähnt, ist die Jagd 2 eine Fertigkeit, die die Entwicklung des Menschen ermöglicht hat. Malereien in steinzeitlichen Höhlen verdeutlichen, welchen hohen Stellenwert die Jagd für den frühzeitlichen Menschen hatte, denn die Jagd hat vornehmlich sein Überleben gesichert. Dabei waren die Wildtiere nicht nur Grundnahrungsmittel, sondern es wurden auch die Knochen und Pelze zur Herstellung von Werkzeugen und Kleidung verwendet.

Als der Mensch schließlich sesshaft wurde und begann, Ackerbau und Viehzucht zu betreiben, erweiterte sich die Bedeutung der Jagd. Sie war nun nicht mehr alleiniger Garant für die Nahrungsbeschaffung, sondern wurde nun auch zum Mittel der Verteidigung, da das gezüchtete Vieh und die angebauten Nahrungsmittel gegen Raubtiere wie Wolf, Fuchs oder Raubkatze und gegen Schädlinge wie Hase, Reh oder Wildschwein geschützt werden mussten.

Zudem wurde die Jagd zur Erbeutung von Trophäen genutzt, wodurch junge Männer beispielsweise ihre Tapferkeit beweisen konnten oder um gesellschaftliche Anerkennung zu erlangen. Schon in der Antike wurde die Jagd als eine Fertigkeit angesehen, die heroisches und sogar göttliches Geschick verlangte. So bestanden zum Beispiel mindestens vier der zwölf Aufgaben des Herakles, die ihn zur Göttlichkeit befördern sollten, aus Tätigkeiten, die großes Jagdgeschick erforderten.3

Im Mittelalter (ab 7.Jahrhundert) wurde die Jagd zum Privileg für die Adligen und gleichzeitig als Mittel zur freien Nahrungsbeschaffung für die Bauern verboten. Dieses Privileg wurde dabei genau geregelt: der Hochadel hatte das Recht, Hochwild wie Hirsch oder Wildschwein zu jagen, der niedrige Adel durfte dagegen das Niederwild wie Hase, Reh oder Fasan jagen. Der Höhepunkt der Jagdkultur wurde zur Zeit des Absolutismus (17./18.Jahrhundert) erreicht, als Jagdschlösser errichtet wurden, die oftmals prächtiger ausgestattet waren als die eigentlichen Wohnsitze des Adels. Die Jagd wurde somit vornehmlich zum Vergnügen der aristokratischen Gesellschaft und zum Anlass, um Treffen abzuhalten und Beziehungen zu knüpfen.

Mitte des 19.Jahrhunderts kam es zum Ende des Vorrechts der Feudaljagd und zur Einführung des Jagdrechts für die Bürger auf ihrem eigenen Grund und Boden. Dennoch wurde die Jagd weiterhin zum Vergnügen begangen und zum Zwecke der Trophäensammlung.

Heute ist durch das Jagdrecht gesetzlich genau bestimmt, wer jagen darf, welche Tiere gejagt werden dürfen und wann sie gejagt werden dürfen. Dadurch soll verhindert werden, dass die Tierbestände zu stark dezimiert werden.

3. Der Nutzen der Jagdtiere als Grundlage für die sprachlichen Wanderwege

Die Bedeutung der Jagd hat sich in der gesellschaftlichen Entwicklung gewandelt – beginnend mit dem Zweck der reinen Nahrungsbeschaffung, über die Jagd als Schutzmittel, bis hin zur Jagd als Zeitvertreib und zur Trophäensammlung. Unbestreitbar ist jedoch, dass die Jagd in der Menschheitsgeschichte eine sehr große Bedeutung hatte und noch immer hat und somit auch die Tiere, die die Ziele dieser Jagden sind.

Da sich meine Annahme bezüglich der sprachhistorischen Verbreitung der Jagdtier- und Waldtierbezeichnungen auf die Zweckmäßigkeit in der Verwendung bezieht, stelle ich die These auf, dass die Bezeichnung für Tiere, die den größten Nutzen (Fleisch, Kleidung, Werkzeug) brachten und bringen, auch die größten sprachlichen „Wanderwege“ vollzogen haben. Demnach würden Tiere, die keinen oder nur einen geringen relevanten Nutzen für den Menschen hatten, sprachhistorisch weniger verbreitet sein.

Die von mir ausgesuchten Tiere habe ich in der folgenden Tabelle gemäß ihrer Verwendungs- möglichkeit eingeordnet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Gründe für die frühzeitliche Erwähnung von Tieren im russischsprachigen Raum

Die Tiere, die mehrere relevante Bedeutungen haben und gemäß meiner Annahme die größte sprachgeschichtlichen „Wanderwege“ vollzogen haben, sind: B är (Медведь) , Elch (Лось), Hase (Зaяц), Hirsch (Олень) und Wildschwein (Кабан).

4. Die Auswahl an Wald- und Jagdtierbezeichnungen (nach Vasmer)

Die folgende Übersicht zeigt die gesamte Auswahl an Wald- und Jagdtieren mit der jeweiligen etymologischen Verbreitung nach Vasmer's „Russisches etymologisches Wörterbuch“ in alphabetischer Reihenfolge.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


1 aus Duden online

2 Fischer (2014)

3 Bosold (2007)

Details

Seiten
19
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346030436
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v498244
Institution / Hochschule
Universität Potsdam – Institut für Slawistik
Note
2,0
Schlagworte
Russisch Etymologie Jagdtiere

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Titel: Die russische Etymologie ausgewählter Wald- und Jagdtiere