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Schweriner Bauten des Architekten G. A. Demmler. Veränderung eines Stadtbilds

Hausarbeit 2016 18 Seiten

Kunst - Architektur, Baugeschichte, Denkmalpflege

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. ArchitektBaumeister Georg Adolph Demmler

3. Öffentliche Gebäude in Schwerin 1823 -1842
3.1. Kollegiengebäude Schwerin (1824-1834)
3.2. Großherzogliches Schauspielhaus am Alten Garten Schwerin (1832-1836)
3.3. Marstall Schwerin (1838-1843)
3.4. Arsenal am Pfaffenteich Schwerin (1840-1844)
3.5. Torhäuser Schwerin (1840-1843)

4. Demmlers privates Wohnhaus am Pfaffenteich

5. Stadtplanung in Schwerin1842

6. ZusammenfassungAusblick

7. Literaturverzeichnis

1 Einleitung

In der vorliegenden Hausarbeit soll es um das architektonische und städtebauliche Schaffen des Architekten und Baumeisters Georg Adolph Demmler in Schwerin in den Jahren 1825 bis 1842 gehen. In diesem Zeitraum entwarf Demmler über vierzig Pläne für Gebäude unterschiedlichster Art in Ludwigslust, Rostock, aber vor allem in Schwerin. Einige der öffentlichen Gebäude, die Demmler für die Stadt Schwerin ent- warf, werden – nach einem kurzen Überblick über den (beruflichen) Lebensweg Demmlers – im zweiten Kapitel dieser Arbeit vorgestellt. Der dritte Teil widmet sich kurz dem Wohnhaus, das Georg Adolph Demmler als sein Privatwohnsitz am Pfaf- fenteich errichtete. Im letzten Hauptteil wird der städtebauliche Aspekt, der in Demmlers Plänen stets eine Rolle spielte, untersucht.

Die zeitliche Begrenzung des in dieser Arbeit betrachteten Zeitraums von 1823 bis 1842 ist bewusst gewählt, da sie als erfolgreichste und tatkräftigste Schaffensphase Demmlers gilt. Von seinem Amtsantritt im Juni 1823 als Landesbaukondukteur1 bis zum Tode seines Förderers Großherzog Paul Friedrich im Jahr 1842 erlebte der zuvor seit 1819 unter anderen bei Friedrich Schinkel an der Berliner Bauakademie2 ausge- bildete Demmler einen rasanten Karriereaufstieg und durchlief zahlreiche Positionen am Großherzoglichen Hof von Mecklenburg-Schwerin. Demmlers Werdegang wird sich das erste Kapitel dieser Arbeit widmen.

Die im zweiten Kapitel beschriebenen öffentlichen Bauten in Schwerin – Kolle- giengebäude, Großherzogliches Schauspielhaus, Marstall, Arsenal und die Torhäuser – fallen in die Schaffensperiode von 1823 bis 1842. Demmler baute in jener Zeit re- präsentative aber auch funktionelle Gebäude, die das Stadtbild Schwerins definieren. Diese Auswahl soll dementsprechend als Beispiel für Demmlers architektonisches Talent dienen. Anschließend werden zunächst einige Details zu Demmlers privatem Wohnhaus zusammengetragen und dann ein Blick auf Demmlers städtebauliche Be- mühung geworfen.

Ziel dieser Arbeit ist es, Demmlers Werke zu betrachten sowie damit einherge- hend herauszufinden, inwieweit Demmler eine Stadtplanung Schwerins anstrebte und umsetzte.

2 Architekt und Baumeister Georg Adolph Demmler

Georg Adolph Demmler wurde 1804 in Berlin als Sohn eines Güstrower Schorn- steinfegermeisters geboren.3 Bereits im jungen Alter wurde er durch zusätzlichen Privatunterricht in Linearzeichnen, architektonischen und freiem Handzeichnen auf seinen späteren Beruf vorbereitet.4 Er studierte schließlich an der Berliner Bauakade- mie, deren Einflüsse

„und vor allem das Schaffen Schinkels (in dieser Zeit entstanden gerade in Berlin be - deutende Schinkelbauten wie das Schauspielhaus am Gendarmenmarkt und die Neue Wachte Unter den Linden) spiegelten sich in Demmlers späteren baukünstlerischen Wirken wider.“5

Nach dem Studium in Berlin bewarb sich Demmler im März 1823 beim mecklenbur- gischen Großherzog Friedrich Franz I. und erhielt im Juni 1823 das Patent als Lan- desbaukondukteur, womit er dem damaligen Oberlandesbaumeister Wünsch als Ge- hilfe zugeteilt wurde.6 Zu dem Zeitpunkt hatte Schwerin 10 000 Einwohner und war Sitz der Großherzoglichen Landesregierung Mecklenburg-Schwerin; der Großherzog residierte jedoch bis 1837 in Ludwigslust.7

Demmler bewies sich als talentiert, ehrgeizig und geschickt, so dass er viele ein- flussreiche Freunde in Regierungs- und Hofkreisen gewann – so war er beispielswei- se der Protegé und Freund von Erbgroßherzog Paul Friedrich8. Auch seinen Vorge- setzten fiel Demmler seit Beginn seiner Karriere positiv auf.9

Paul Friedrich wurde 1837 zum Großherzog von Mecklenburg-Schwerin und machte Demmler, der schon vorher seine baulichen Wünsche umgesetzt hatte, zum Hofbaumeister.10 Gemeinsam mit Demmler strebte Paul Friedrich danach, die Stadt Schwerin zu verbessern und zu verschönern:

„Nur fünf kurze Jahre hat Paul Friedrich die Regierung führen können, und doch ver- dienen gerade sie es, einen besonderen Abschnitt in der Geschichte der Stadt Schwerin zu bilden. Was dieser Fürst in der kurzen Zeit für die Stadt getan hat und noch viel mehr das, was er angeregt und angefangen, nur nicht mehr hat vollenden können, ist für die neuere Entwicklung Schwerins bis zum heutigen Tage bedeutungsvoll gewe- sen.“11

Deshalb konzentrieren sich die nächsten Kapitel auf Demmlers wohl produktivste Schaffensphase von seinem Amtseintritt als Landesbaukondukteur 1823 bis zum Jahr 1842, dem Sterbejahr von Paul Friedrich.

3 Öffentliche Gebäude in Schwerin 1823 -1842

3.1 Kollegiengebäude Schwerin (1824-1834)

Das Kollegiengebäude wird auch Regierungsgebäude genannt, beherbergt heute die Staatskanzlei Mecklenburg-Vorpommern und steht mit seiner Schauseite in der Schlossstraße Schwerins in unmittelbarer Nähe zum Alten Garten und Schloss.

Als Demmler im Jahr 1823 als Gehilfe für den Oberlandesbaumeister Carl Hein- rich Wünsch eingestellt wurde, lagen schon Baupläne für ein neues Regierungsge- bäude vor, die Demmler studierte.12 Zuvor hatte bereits Johann Georg Barca im Jahr 1819 Entwürfe für ein Kollegiengebäude vorgelegt, in denen er eine zweigeschossige Dreiflügelanlage vorschlug.13 Barcas Entwürfe – und gleichfalls die des Landbau- meister Carl Theodor Severins – wurden nicht umgesetzt.

1824 erhielt der Oberlandbaumeister Wünsch den Auftrag für den Bau des Kolle- giengebäudes. Die Bauleitung wurde an den jungen und talentierten Demmler über- tragen, da dieser „zuvor über Wünsch einen im klassizistischen Stil und in Anleh- nung an die Berliner Schinkelbauten entworfenen Bauriß für die Fassadengestaltung eingereicht hatte, der am Hofe Anklang fand.“14

Demmler überarbeitete die Pläne von Severin und Barca,

„indem er die Anzahl der Achsen der Seitenrisalite um je eine minderte und den Bau- körper durch die Hinzufügung des rustizierten Sockelgeschosses nun auch in der Ver - tikalen betonte. Entscheidend aber wirkte sich die Veränderung im Mittelrisalit aus, der zu einem Säulenportikus aufgewertet wurde.“15

Die Fassade des Kollegiengebäudes wird durch einen Rustikasockel sowie Kolossal- pilaster über das erste und zweite Geschoss in der Horizotalen gegliedert. Der weit hervortretende Säulenportikus mit Dreiecksgiebel betont sehr stark den Mittelteil des Gebäudes. Es handelt sich um eine klassische Säulenbildung mit vier Säulen ioni- scher Ordnung auf einem massiven Sockel.

Die Seitentrakte der Dreiflügelanlage bilden zwei vorspringende Flügelbauten mit Giebelabschluss. Auf dem Dach sind sechs [ heute nur noch fünf, Anm. der Verfasse- rin ] Skulpturen antiker Gottheiten und daneben Opferschalen platziert.16 Diese Sand- steinfiguren wurden von Emil Cauer dem Älteren geschaffen und sollen das Land und seine Regierung symbolisieren.17

„Über dem Säulenportikus thront Gott Zeus als Hüter der Rechtsordnung. Ihn flankie- ren auf den Seitenflügeln Athena und Demeter. Die Göttin Athena gilt als Schutzgöttin und wurde als die Siegbringende verehrt. Demeter als Göttin, die den Menschen den Getreideanbau lehrte, verkörpert die Landwirtschaft. Hermes und Poseidon findet man an den rückwärtigen Flügeln als Symbole für den Handel und die Fischerei. Sie perso - nifizieren Erwerbszweige des Landes.“18

Die ungewöhnliche Platzierung des Kollegienhauses im Straßenverlauf in der Schlossstraße und in unmittelbarer Nähe zum Alten Garten ist der Grundstücksgröße geschuldet: „Die geringe Breite des Grundstückes zwang, das Gebäude der Schloß- straße zuzuwenden. Zum freien Platz, auf den die Wirkung einer solchen Dreiflügel- anlage berechnet ist, kehrt es die nüchterne Schmalseite.“19 Oberlandesbaumeister Wünsch fand im Standort den einzigen Mangel des Gebäudes, er schrieb 1834:

„Es wäre gewiß dem Gebäude rund umher ein freier Raum zu wünschen, und viel - leicht (?) wäre es schöner gewesen, wenn das corps de logis ein wenig mehr Breite hätte gewinnen können. Doch dies ist alles Schuld der beengenden Nothwendigkeit, nicht des Baumeisters.“20

So nutzte der Bauleiter Demmler die gegebene Fläche bestmöglich aus und plante ebenfalls die Innenräume des Gebäudes, welche dem Zeitgeist entsprechend ausge- stattet und mit Fresken vom Hofmaler Schuhmacher und Gemälden von Gaston Len- the verziert wurden.21

Karl Heinz Klingenburg beschreibt den von Demmler umgesetzten Stil des neuen Regierungssitzes: „Sein strenger Klassizismus mit sparsamer Dekoration erscheint dem Ausdruck von abweisender Würde und Repräsentanz angemessen. Die Propor- tionen, die sich in die Höhe strecken, weisen die Gestaltung als einen Spätstil aus.“22

Zeitgenossen waren von den Bauplänen scheinbar begeistert, so wird am 26.Janu- ar 1824 in der Zeitung „FREIMÜTHIGES ABENDBLATT“ nach der Veröffentli- chung von Demmlers Entwürfen Folgendes zum Kollegienhaus geschrieben:

„Die ganze Idee ist im anmuthigen ionischen Styl ausgeführt. Die vordere Fassade hat einen weit vorspringenden Portikus, getragen von vier ionischen Säulen, deren Kapitä - ler ihr Muster an einem der schönsten Denkmäler des Alterthums, am Erechtheum zu Athen finden. Vor dem Portikus zeigt sich eine breite Freitreppe, auf deren Seiten 4 Podestlaternen stehen. Im Fries des Portikus befinden sich über jeder Säule, als An - spielung auf das uralte Wappen unseres erhabenen Herrscherstammes, gekrönte Büf- felköpfe, von deren Hörner sich Frucht- und Blumenkränze im Bildwerke fortwinden.“23

Oberbaurat Wünsch schreibt in der selben Zeitung am 1. Dezember 1834:

„...Alle Pilaster, alle Verzierungen sind durchaus schön und tüchtig konstruirt und aus - geführt. Kolossal zeigt sich die hintere Seite des Gebäudes in einer Wand ohne Vor- und Einsprünge. Eben so reich und geschmackvoll ist die ganze innere Ausstattung, z.B. die vierfache Säulenstellung übereinander im Mitteltheile des Gebäudes (im Trep - pengebäude). Die große Sauberkeit und Tüchtigkeit des Ganzen und der einzelnen Theile, namentlich in den Ornamente, verdanken wir dem Baumeister Demmler, wel - chen den ganzen Bau leitete und beaufsichtigte und gegenwärtig mit der Ausführung des neuen Schauspielhauses und des Rathauses beschäftigt ist.“24

Das Kollegienhaus wird heute als eines der ersten größeren und bedeutendsten Schöpfungen Demmlers angesehen25 und fast 75 Jahre nach Baubeginn als „eines der vornehmsten aus der klassicierenden Zeit unseres Jahrhunderts“26 beschrieben.

3.2 Großherzogliches Schauspielhaus am Alten Garten Schwerin (1832-1836)

Einige Jahre nachdem er den Bau eines Schauspielhauses in Güstrow abgeschlossen hatte, erhielt Demmler auf dringenden Wunsch vom Erbgroßherzog Paul Friedrich den Auftrag für ein Großherzogliches Schauspielhaus.27 Das alte Schauspielhaus war im Jahr zuvor während einer Vorführung abgebrannt.28

Paul Friedrich und seine Gemahlin waren große Freunde des Theaters und sehnten sich nach einem angemessenen Schauspielhaus in Schwerin. „Paul Friedrich nahm deshalb Demmler mit auf eine Reise nach Berlin, wo er die dortigen Theater studie- ren und einen neuen Entwurf ausarbeiten sollte.“29

Demmler erbaute das neue Großherzogliche Schauspielhaus am Alten Garten in unmittelbarer Nähe zu dem sich noch im Bau befindenden Kollegienhaus. Dessen klassizistischen Stil wandelt er ab:

„Er bevorzugt größere Öffnungen sowie den Rundbogen, auf dessen Vorzüge Schinkel zeitig hingewiesen hatte. Durch die geringe Plastizität der gliedernden Elemente, ins - besondere des Mittelrisalits an der Gartenfront, kann Demmler einer gewissen Mono- tonie nicht entgehen.“30

[...]


1 Vgl. Krempien 1991, S. 18.

2 Vgl. Klingenburg 1995, S. 7.

3 Vgl. Krempien 1991, S. 7.

4 Vgl. Krempien 1991, S.12.

5 Krempien 1991, S. 12.

6 Vgl. Krempien 1991, S. 18

7 Vgl. Krempien 1991, S. 20.

8 Vgl. Borchert 1992, S. 33.

9 Vgl. Krempien 1991, S. 20.

10 Vgl. Jesse 1995, S. 392.

11 Jesse 1995, S. 392.

12 Vgl. Jesse 1995, S. 364.

13 Hier und im folgenden vgl. Handorf 1999, S. 44.

14 Krempien 1991, S. 22.

15 Handorf 1999, S. 45.

16 Vgl. Landesbauamt 1995, S. 92.

17 Vgl. Krieck 1990, S. 60.

18 Handorf 1999, S. 45.

19 Landesbauamt 1995, S. 91.

20 Wünsch nach Conrades 1995, S. 68.

21 Vgl. Landesbauamt 1995, S. 92.

22 Klingenburg 1995, S. 10.

23 FREIMÜTHIGES ABENDBLATT nach Conrades 1995, S. 65.

24 Wünsch nach Conrades 1995, S. 68.

25 Vgl. Borchert 1992, S. 28.

26 Schlie 2003, S. 144.

27 Vgl. Borchert 1992, S. 28.

28 Vgl. Krieck 1990, S. 63.

29 Jesse 1995, S. 365.

30 Klingenburg 1995, S. 10.

Details

Seiten
18
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783346032218
ISBN (Buch)
9783346032225
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v499044
Institution / Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald – Caspar-David-Friedrich-Institut
Note
1,3
Schlagworte
Spätbarock Schwerin Klassizismus Architektur Demmler Mecklenburg G.A. Demmler

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Titel: Schweriner Bauten des Architekten G. A. Demmler. Veränderung eines Stadtbilds