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Der Mensch auf der Suche nach Gott, Theodizee und Willensfreiheit

Unterrichtsentwurf 2019 12 Seiten

Didaktik - Theologie, Religionspädagogik

Leseprobe

Inhalt

1. Kompetenzlernziele

2. Bemerkungen zum Kurs
2.1 Eigene Tätigkeit
2.2 Bild des Kurses
2.3 Stand der Klasse

3. Fachwissenschaftliche Bemerkung

4. Begründung der didaktischen Entscheidung

5. Begründung der methodischen Entscheidung

Literaturverzeichnis

1. Kompetenzlernziele

Lernziel:

Die Schüler[1] beantworten die Frage nach der Vereinbarkeit von Willensfreiheit und Theodizee, indem sie erkennen, dass Gott uns als Wesen mit Freiheiten erschaffen hat, die es uns ermöglicht uns zum Guten bzw. Bösen zu entscheiden, es uns dadurch aber erst gestattet echte Verantwortung zu tragen.

Teilziele:

Die Schüler...

- Benennen den Zusammenhang von Willensfreiheit und dem Theodizee, indem sie unsere Welt mit moralischen Übeln, der fiktiven, leidfreien Welt ohne Willensfreiheit des Spieles „Sims“ gegenüberstellen. (Wahrnehmungskompetenz I)
- Analysieren einen Versuch eines theoretischen Theodizees, welches die Willensfreiheit als zentralen Aspekt hat, indem sie sich mit Richard Swinburnes Argument der Willensfreiheit als höchstes Gut auseinandersetzen. (Deutungskompetenz II)
- Setzen sich mit den erarbeiteten Aspekten auseinander, indem sie diese mit dem Kurzfilm „SPIN“ in Bezug setzen. (Urteilsfähigkeit III)

2. Bemerkungen zum Kurs

2.1 Eigene Tätigkeit

Der Religionskurs Stufe 11 wurde von mir im angeleiteten Unterricht seit dem 05.06.2019 an einem Gymnasium unterrichtet. Der Umfang beläuft sich auf zwei Wochenstunden, die mittwochs in der fünften und sechsten Stunde im Religions-Fachsaal stattfinden.

2.2 Bild des Kurses

Der Kurs in katholischer Religion in Stufe 11 besteht insgesamt aus 25 Schülern. Aufgrund der aktiven Teilnahme am Abschlussgottesdienst sind mehrere Schüler während der Stunde allerdings entschuldigt. Bei den Lernenden handelt es sich um eine sehr motivierte Gruppe, die sich sehr aktiv am Unterricht beteiligt und ein sehr großes Interesse an der Thematik des Theodizee zeigt. Das allgemeine Leistungsniveau der Lerngruppe schätze ich als hoch ein, was ich anhand der Ergebnisse der vergangenen Erarbeitungsphasen, dem Umgang mit schweren philosophischen/theologischen Texten und den Unterrichtsgesprächen feststellen konnte.

2.3 Stand der Klasse

Die vorliegende Stunde ist die sechste Einzelstunde in der Unterrichtsreihe 11/2 Der Mensch auf der Suche nach Gott - Einzelthema 3: Das Leid und die Frage nach Gott. [2] Die Unterrichtsreihe begann mit einer Hinführung zur Theodizee Problematik. Dies geschah anhand einer Konkretisierung christlicher Gottesvorstellungen und Epikurs „von der Überwindung der Furcht“, die einen ersten Überblick über die Gott – Leid Problematik geschaffen hat. In den Folgestunden wurde Leibniz These: „der besten aller möglichen Welten“ in den Fokus gestellt, die eine deduktiven Herangehensweise verdeutlicht. Als Antwort auf Leibniz These folgte Voltaires induktiver Ansatz: „Leid und Unrecht widerlegen den Glauben an einen gütigen Gott“. In der Vorstunde wird die Unterscheidung des Leids in das Böse und die Übel thematisiert, da dies eine wichtige Grundlage für die gezeigt Stunde schafft.

3. Fachwissenschaftliche Bemerkung

Woher kommt das Leid? Warum musste das geschehen? Wie konnte Gott das Zulassen? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen die Menschheit seit tausenden von Jahren und haben auch in unserer heutigen Welt nicht an Relevanz verloren. Der Begriff des Theodizee wurde zum ersten Mal in der Aufklärungszeit von Gottfried Wilhelm Leibniz formuliert, in dem er die Frage aufstellte „Wie können wir unseren Glauben an Gott rechtfertigen angesichts einer Welt voller Leid und Übel?“ Das Theodizeeproblem lässt sich daher in Form eines logischen Widerspruchproblems darstellen. „Erstens glauben wir, dass Gott allmächtig ist; zweitens glauben wir, dass Gott vollkommen gütig ist; drittens müssen wir feststellen, dass es Leid gibt. Aber wenn Gott allmächtig ist, dann könnte er alles Leid verhindern; und wenn Gott vollkommen gütig ist, dann müsste er alles Leid verhindern. Trotzdem gibt es ein noch dazu vernichtendes Ausmaß an Leid und Unglück!“[3] Dieser Widerspruch ist es, der die Menschen dazu führt, sich die Frage zu stellen und nach möglichen Antworten zu suchen.

Ein Versuch einer theoretischen Antwort für das Theodizeeproblem ist die Free-will-Defence des britischen Religionsphilosophen Richard Swinburne, in der er den freien Willen des Menschen in den Mittelpunkt stellt. In unserem christlichen Verständnis von Gott, hat uns Gott als Wesen mit Freiheiten erschaffen. Aber in welcher Form besteht diese Freiheit? Die menschliche Freiheit könnte in dem Sinne auch darin bestehen, nur zwischen guten Handlungsoptionen wählen zu können. An diesem Punkt setzt Swinburne an, indem er sagt, dass dies vielleicht wünschenswert wäre, dies allerdings etwas Entscheidendes vermissen lassen würde, nämlich den „Ernst echter Verantwortung“.[4] Eine Freiheit, die nur auf der Wahl zwischen positiven Alternativen bestehen würde, wäre zum einen eine sehr bevormundende und zum anderen keine echte Freiheit. Denn egal wie unsere Entscheidung aussehen würde, die Konsequenzen unserer Handlungen wären in jedem Sinne ohne negative Folgen. Dies würde aus theologischer Sicht, auch unserem christlichen Menschenbild widersprechen, da Gott uns schon in der Schöpfung Verantwortung übertragen hat.

Der Mensch besitzt die Freiheit frei zwischen Gut und Böse zu wählen, er kann sich zu heiligmäßigem Tun erheben, aber auch zur Bestie werden.[5] Wir zeigen Nächstenliebe und Barmherzigkeit, aber auch Krieg, Gewalt und Sünde.

Im Rückschluss ergeben sich daraus zwei Prinzipien, die der Überlegung einer theoretischen Theodizee ihre Stringenz geben. Alles ethisch Gute, welches sich aus menschlichen Handlungen ergibt, setzt die Erfahrung des Leides voraus. Würde kein Leid existieren, wären hoch geschätzte Handlungen wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit nicht notwendig. Gäbe es im Paradies eine Mutter Teresa – im Paradies, in dem es keine ausgesetzten Kinder gibt, keine Armen, keinen Hunger?[6] Erst die Umstände auf unserer Welt geben uns Menschen die Möglichkeit, das Beste in uns zu zeigen.

Das zweite Prinzip basiert auf dem Werturteil, dass moralische Güte, Tugenden und Werte, die jemand aus eigener Anstrengung erworben und gegen Widerstände durchgekämpft hat, in sich mehr wert als Werte, für die der Einsatz persönlicher Entschiedenheit nie ernsthaft gefordert war.[7] Moralisch gute Handlungen sind mit einem Opfer verbunden, weswegen sie auch so geschätzt werden. Unsere Welt ist so wie sie ist und kein Paradis auf Erden, da wir Verantwortung als Mensch tragen und nur so das Beste in uns zum Vorschein bringen können.

[...]


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird im Folgendem nur die maskuline Form verwendet. Diese Schließt die feminine Form mit ein

[2] Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung Rheinland-Pfalz: Rahmenlehrplan Katholische

Religion. Für die Sekundarstufe I, S. 40

[3] A. Loichiner: Die Frage nach Gott angesichts menschlichen Leids In.: RU Heute 01.2011 S.5

[4] A. Loichiner: Die Frage nach Gott angesichts menschlichen Leids In.: RU Heute 01.2011 S.5

[5] A. Loichiner: Die Frage nach Gott angesichts menschlichen Leids In.: RU Heute 01.2011 S.6

[6] A. Loichiner: Die Frage nach Gott angesichts menschlichen Leids In.: RU Heute 01.2011 S.6

[7] A. Loichiner: Die Frage nach Gott angesichts menschlichen Leids In.: RU Heute 01.2011 S.6

Details

Seiten
12
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346020307
ISBN (Buch)
9783346020314
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v499093
Institution / Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
1,7
Schlagworte
mensch suche gott theodizee willensfreiheit
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Titel: Der Mensch auf der Suche nach Gott, Theodizee und Willensfreiheit