Lade Inhalt...

Selbstwirksamkeit und Suchterkrankungen. Psychologie des Gesundheitsverhaltens

Einsendeaufgabe 2018 20 Seiten

Psychologie - Klinische u. Gesundheitspsychologie, Psychopathologie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Selbstwirksamkeit
1.1 Definition Selbstwirksamkeitserwartung
1.2 Befragung zum Thema: spezifische Selbstwirksamkeitserwartung
1.3 Vergleich von zwei Studien zum Thema Selbstwirksamkeitserwartung

2 Suchterkrankungen
2.1 Alkohol
2.2 Tabak
2.3 Illegale Drogen

3 Beratungsgespräch
3.1 Einordnung der Kundin in ein Modell des Gesundheitsverhaltens und gesundheitspsychologische Ziele in der Intentionsphase
3.2 Gesundheitspsychologische Beratung: Rolle des Beraters und die ersten Schritte
3.3 Gesundheitspsychologisches Beratungsgespräch

4 Literaturverzeichnis

5 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis
5.1 Abbildungsverzeichnis
5.2 Tabellenverzeichnis

1 Selbstwirksamkeit

1.1 Definition Selbstwirksamkeitserwartung

„Selbstwirksamkeitserwartung (oder Kompetenzerwartung) meint die Fähigkeit, die sich eine Person zuschreibt, ein bestimmtes Verhalten auf Grund von bestimmten Handlungsstrategien, über die sie verfügt bzw. nicht verfügt, ausführen oder nicht ausführen zu können“ (Pieter, 2017, S. 126). Bandura verwendete den Begriff „Selbstwirksamkeit“ in seiner sozial-kognitiven Lerntheorie und prägt somit einen großen Bestandteil der Psychologie (1986, 1997).

Selbstwirksamkeitserwartung ist demnach eine subjektiv geprägte Eigenschaft des Menschen, welche ihn veranlasst eine Handlung durchzuführen, oder niederzulegen. Diese Eigenschaft hat Ihren Ursprung in den persönlichen Erfahrungen des jeweiligen Menschen, denn wenn man eine ähnliche Situation bewältigen konnte verfügt man über bestimmte Handlungsstrategien mit deren Hilfe man diese Handlung ausführen kann. Selbstwirksamkeit ist nicht angeboren, sondern wird individuell durch bewältigte Situationen und Aufgaben erlernt. Elemente dieses unbewussten Lernprozesses sind direkte, indirekte und symbolische Erfahrungen und Gefühlserregungen (Pieter, 2017, S.127).

Die direkte Erfahrung aus bewältigten Situationen ist die wichtigste Informationsquelle zum Erwerb von Selbstwirksamkeitserwartung. Die Person ist einer Situation gewachsen und erfüllt diese sehr gut, dadurch erlebt sie die positiven Konsequenzen in Verbindung mit der vorangegangenen Anstrengung. Beispielsweise hat eine Person mit Gelenkproblemen an einem Präventionskurs teilgenommen und erlebt, dass sich ihre Beschwerden durch regelmäßigen Sport eindämmen lassen. Damit es zu einer solchen Beeinflussung der eigenen Selbstwirksamkeitserwartung durch Erfolgs- / Misserfolgserlebnisse kommt, muss die Person jedoch diese (Miss-)Erfolge ihrer eigenen Fähigkeit zuschreiben (Schöne, Tandler, 2017). Diesen Vorgang nennt man Kausalattribution, bei der man zwischen internale und externale Attribution unterscheidet. Die internale Attribution beschreibt die Ursache des Erfolgs von der Person selbst ausgehend und die externale bezeichnet die Ursachenbeschreibung als umweltbedingt (Heider, 1977). Zudem gibt es erfolgs- und misserfolgsorientierte Menschen, deren Einstellung ebenfalls sehr viel Einfluss auf die Handlungsentscheidung hat.

Die indirekte Erfahrung ist eine beobachtete Situation, in der eine andere Person eine bestimmte Aufgabe meistert, welche auf sich selbst projiziert wird. Durch solche sozialen Vergleichsprozesse werden Schlüsse auf die eigene Handlungskompetenz gezogen und an einem selbst angewandt (Pieter, 2017, S.127). Zum Beispiel weiß die Person, dass ihre Freundin ihre Rückenbeschwerden durch regelmäßige Training reduzieren kann, demnach versucht sie es ihrer Freundin gleich zu tun und ist bereit auch ein regelmäßiges Training einzuhalten.

Die symbolische Erfahrung ist die Überzeugung durch eine andere Person, welche einem vermittelt, dass man den Situation und Aufgaben gewachsen ist und man die nötige Handlungskompetenz innehat. Wichtig ist hier, dass der Berater überzeugend und glaubwürdig erscheint, sowohl durch die soziale als auch die berufliche Rolle. So kann beispielsweise ein Physiotherapeut dem Patienten überzeugend empfehlen, ergonomische Büroeinrichtung zu kaufen und regelmäßige Übungen durchzuführen.

Die Gefühlserregung tritt immer in Verbindung mit physiologischen Reizen auf. Bei schwierigen Handlungen senden erlebte physiologische Reaktionen Informationen über die eigene Kompetenz diese Handlung auszuführen. Beispielsweise hat eine Person vor einem Vortrag Herz-Kreislauf-Reaktionen und spürt eine ängstliche Erregung, somit ist die Selbstwirksamkeitserwartung der Vortragenden sehr gering.

Menschen mit hoher Selbstwirksamkeitserwartung treten Anforderungssituationen mit weniger körperlicher Erregung entgegen oder diese ist mit positiven Gefühlen verbunden (Pieter, 2017, S.128).

Die Selbstwirksamkeit beeinflusst ob wir eine Handlung begehen oder nicht, so hat sie einen hohen Stellenwert in unseren Entscheidungen.

1.2 Befragung zum Thema: spezifische Selbstwirksamkeitserwartung

Damit der Komplex Selbstwirksamkeit deutlicher gemacht werden kann, sind im Folgenden Ergebnisse einer Umfrage dargestellt. Fünf Personen im Alter von 16 bis 65 Jahren beantworteten den Fragebogen zum Thema „gesunde Ernährung“ (siehe A. Pieter, 2017, S.134).

Um die Ergebnisse genauer spezifizieren zu können, wurden die einzelnen Fragen zu zwei Gruppen zusammengefasst. Gruppe eins beschreibt externe Umstände und Gruppe zwei sind Gefühle und Stimmungen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Auswertung des Fragebogens zur persönlichen Selbstwirksamkeit

Zu den externen Umständen zählen Restaurantbesuche, Urlaub, Wochenende oder festliche Anlässe. Diese beeinflussen uns weniger als Gefühle und Emotionen. Bei externen Umständen fühlt sich der Mensch mehr selbstbestimmt, trotz dass man sich von der Umgebung unter Druck gesetzt fühlt. 60% der Befragten sind sich ganz sicher, dass sie sich auch gesund ernähren können, wenn sich die äußeren Umstände ändern.

Gefühle und Emotionen umfassen hier Langeweile, Wut, Trauer, Enttäuschung und Nervosität; keiner der fünf Teilnehmer hat angegeben, dass sie sich ganz sicher sind auch bei diesen Gefühlszuständen sich gesund ernähren zu können. Außerdem ergab die Umfrage, dass Heißhunger, Langeweile und das Gefühl sich etwas zu gönnen, die häufigsten Gründe sind sich nicht gesund ernähren zu können.

Nach Pieter sind Emotionen subjektive Erregungszustände, welche sich in körperlichen Reaktionen äußern und dadurch unser Verhalten maßgeblich beeinflussen (2017, S.92). Natürlich ist die vorangegangene Befragung nicht allgemeingültig und aussagekräftig, da nur fünf Personen befragt wurden und dies nicht wissenschaftlichen Standards entspricht. Die Umfrage gibt trotzdem einen Einblick in das menschliche Verhalten und Handeln und wie der Mensch von Emotionen und Gefühlen bestimmt ist.

1.3 Vergleich von zwei Studien zum Thema Selbstwirksamkeitserwartung

Abschließend soll die Studie von Dohnke et al. mit der von Schneider und Rief verglichen werden.

Tab. 1 Vergleich der Studien zur Selbstwirksamkeitserwartung von Dohnke et al. Und Schneider & Rief

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Beide Studien weisen Gemeinsamkeiten auf. Sowohl in der Studie von Dohnke et al. Als auch in der von Schneider und Rief sind nur grobe Angaben zu den Teilnehmern der Studie vorhanden.

Ein wesentlicher Unterschied ist, dass Dohnke et al. Mehr Teilnehmer aufweisen kann, damit ein genaueres Ergebnis möglich ist. Ein negativ geprägter Unterschied bei Dohnke ist, dass die Materialien und Tests nur oberflächlich beschrieben wurden und die Ergebnisse nur als allgemeingültige Thesen formuliert wurden. Schneider und Rief weisen mehr Details bei den Tests auf und nehmen einen intensiveren Bezug auf die Studienteilnehmer und der Veränderung ihrer somatoformen Schmerzstörung. Schneider und Rief haben zudem noch neue Erkenntnisse im Bereich von Schmerzbewältigungsstrategien im Zusammenhang mit Selbstwirksamkeit gewonnen und können diese nun anwenden. Insgesamt scheint die zweite Studie von Schneider und Rief erfolgreicher zu sein als die von Dohnke et al..

2 Suchterkrankungen

Sucht betrifft viele Menschen in Deutschland. Mit Suchterkrankungen sind nicht nur die Abhängigkeitserkrankungen gemeint, sondern die Gesamtheit von riskanten, missbräuchlichen und abhängigen Verhaltensweisen in Bezug auf Suchtmittel (legale und illegale) sowie nichtstoffgebundene Verhaltensweisen, Glücksspiel oderpathologischer Internetgebrauch (Bundesministerium für Gesundheit, 2017).

Eine Abhängigkeit wird nach dem ICD-10 diagnostiziert, wenn drei oder mehr der nachfolgenden Kriterien gleichzeitig- entweder mindestens einen Monat oder wiederholt innerhalb eines Jahres- bestehen (Renneberg, 2006, S.158):

Nach Renneberg:

„1. starkes Verlangen, die Substanz zu konsumieren
2. verminderte Kontrolle über Beginn, Beendigung und Menge des Konsums
3. körperliche Entzugssymptome bei Reduktion oder Beendigung des Konsums
4. Toleranzentwicklung, d. h. es müssen größere Mengen der Substanz konsumiert wer
den, um den intendierten Effekt zu erreichen
5. Einschränkung des täglichen Lebens auf den Substanzkonsum und
6. anhaltender Konsum trotz eindeutiger schädlicher Folgen, dessen sich der Betreffende bewusst ist oder sein könnte.“ (2006, S. 158)

Eine weitere Theorie zur Entstehung von Suchterkrankungen zeigt die „Sucht-Trias“ ( ) Dieses Modell stellt die vielfältigen potenziellen Ursachen von Sucht im Dreieck von Umwelt, Individuum und Substanz dar. Dieses Modell hat sich in den letzten Jahren als Schema für die Ursachenforschung der Sucht durchgesetzt und lässt sich auch als Erklärungsmodell für nicht abhängige problematische Konsumformen anwenden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Modell des Sucht-Trias (Steiner, 2013)

Zu Nichtstoffgebundene Suchterkrankungen zählen beispielsweise „Computerspielabhängigkeit“, „pathologisches Glücksspiel“ und „Internetsucht“, diese haben die Merkmale von Suchterkrankungen und gehören deshalb dazu (Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, 2017, S.61). Im weiteren Verlauf werden stoffgebundene Suchterkrankungen in den Fokus gerichtet, insbesondere Alkohol, Tabak und illegale Drogen.

2.1 Alkohol

Es gibt viele verschiedene Alkohole in der Chemie, aber nur Ethanol ist für den Menschen verträglich. Dieser Trinkalkohol wird durch die Vergärung von Zucker aus verschiedenen Grundstoffen gewonnen (Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, 2017, S.35). Der Alkoholgehalt der verschiedenen Getränke ist sehr unterschiedlich. Der getrunkene Alkohol kommt zunächst ins Blut und damit auch zum Gehirn, wo es verschiedene Transmitter freisetzt (Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, 2017, S.35). Hauptsächlich wird Dopamin, welches für das „Glücksgefühl“ zuständig ist, und GABA, das eine angstlindernde und beruhigende Wirkung hat, freigesetzt. Allgemein kann man sagen, dass Alkohol eine enthemmende Wirkung hat und sich die Stimmung verbessert. Jedoch können größere Mengen zu massiven Wahrnehmungsstörungen, Beeinträchtigung von Koordination und Sprache, kommen (Die Drogenbeauftrage der Bundesregierung, 2017, S.35). Bei sehr hohen Mengen Alkohol kann die entstandene Müdigkeit zu Bewusstlosigkeit führen und schließlich ins Koma münden (Die Drogenbeauftrage der Bundesregierung, 2017, S.35). Nach Renneberg jedoch gilt: „ für den Gebrauch von Alkohol (...), dass unbedenkliche Konsummuster eher die Regel sind. So ist der Konsum von Alkohol, in unserer Gesellschaft kulturell verankert und weit verbreitet (2006, S.160).“

Der Alkoholkonsum ist zwar rückläufig, dennoch zählt Deutschland zu den Hochkonsumländern (weltweiter Durchschnittskonsum im Jahr: 6,04 Liter pro Erwachsener; in Deutschland 12,14 Liter Alkohol) (Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, 2017, S.35). Ebenfalls rückläufig ist die Anzahl von Diagnosen der Alkoholabhängigkeit, die insgesamt 3,1% der 18- bis 59-Jährigen erhielten; dabei wurden erwartungsgemäß mehr Männer als Frauen alkoholabhängig diagnostiziert (4,8% gegenüber 1,3%) (Renneberg, 2006, S.162). Trotz der sinkenden Zahlen sind immer noch 18,2% der über 18-jährigen Männer und 13,8% der Frauen Risikokonsumenten (Renneberg, 2006, S.37).

Die Folgen des Alkoholkonsums sollen im Folgenden kurz erläutert werden. Ab etwa 1 Promille spricht man vom Rauschstadium, welches die Orientierung und die Reaktionsfähigkeit verschlechtert (Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, 2017, S.39). Bei einem Wert von 3 Promille droht Bewusstlosigkeit, Schutzreflexe des körpers werden ausgeschalten und es kann zu lebensgefährlichem Atemstillstand kommen (Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, 2017, S.39). Langanhaltender Alkoholmissbrauch kann alle Organe schädigen; typische Folgen des sogenannten chronischen Alkoholkonsums sind Veränderungen der Leber. Diese Veränderungen machen sich erst als Fettleber sichtbar und enden in einer Leberzirrhose, die in den westlichen Industrienationen bei ca. 50% der Diagnosen Alkoholmissbrauch als Ursache haben (Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, 2017, S.40). Alkoholabhängigkeit ist der häufigste Grund für eine Entwöhnungsbehandlung durch die Rentenversicherung: im Jahr 2016 waren es 57.457 Behandlungen (Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, 2017, S.42). In der Folgenden Abbildung soll dies noch deutlicher werden.

[...]

Details

Seiten
20
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346029300
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v499545
Institution / Hochschule
Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement GmbH
Note
1,4
Schlagworte
selbstwirksamkeit suchterkrankungen psychologie gesundheitsverhaltens

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Selbstwirksamkeit und Suchterkrankungen. Psychologie des Gesundheitsverhaltens