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Das Konzept der Politischen Ökologie. Der Klimawandel in der Umweltforschung am Beispiel des Aralsees

Hausarbeit 2016 25 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Politische Geographie

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Abstract

3. Die Politische Ökologie
3.1 Definition
3.2 Forschungsansätze
3.2.1 Akteursorientierte Ansatz 7
3.2.2 Chain of Explanation 10

4. Fallbeispiel Aralsee
4.1. Allgemeine Daten und Fakten
4.2. Ursachen und Folgen
4.3. Bezug zur Politischen Ökologie

5. Fazit

6. Quellenverzeichnis
6.1. Literaturverzeichnis
6.2. Reine Internetquellen
6.3. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

Mit der wachsenden Globalisierung beschäftigen sich nicht nur Umweltschützer, sondern auch Politik und Wissenschaft mehr und mehr mit den Ursachen und Folgen der weltweit zunehmenden Umweltprobleme.

Das große Streben nach Macht aller wirtschaftlichen Akteure, aber auch der ansteigende Wohlstand und das rasche Wachstum der Bevölkerung ließen die Umwelt nicht unberührt. Luft- und Wasserverschmutzung sowie der Anstieg des Meeresspiegels durch die globale Erderwärmung sind dafür nur einige Beispiele.

Seit den 1970er Jahren wurde mit dem Konzept der nachhaltigen Entwicklung die Mensch-Umwelt-Beziehung, insbesondere der Einfluss politisch-gesellschaftlicher Faktoren auf die Umwelt, genauer unter die Lupe genommen. Die Politische Ökologie entstand somit als Antwort auf eine apolitische Grundidee, da politische Gesichtspunkte damals in diesem Zusammenhang nur sehr wenig bzw. gar nicht berücksichtigt wurden.

Die nachfolgende Arbeit soll dem Leser einen Überblick über das Konzept der „Politischen Ökologie“ geben.

Der Begriff soll zunächst definiert werden. Des Weiteren sollen verschiedene Forschungsansätze des Konzeptes aufgezeigt werden, insbesondere der „akteursorientierte Ansatz“ sowie die „chain of explanation“.

Am Beispiel des Aralsees versuche ich abschließend, die Grundgedanken der Politischen Ökologie zu veranschaulichen.

2. Abstract

The following paper is about environmental problems and their concurrent causes. It deals with the relationship between the humans and the environment. The question comes up if there are some consequences between the human activity like economy, the population growth or the peoples’ prosperity and the environmental changes on the earth. The political ecology is not reduced on accepting normal changes in the surrounding world. It is about finding the true reason of the changes in the environment. Therefore the political ecology analyzes the political, the social and the economical factors.

The following report gives the reader an idea about the concept of the political ecology and illustrates what an immense power the human has to change the surroundings in the whole world. Finally the seminar paper will refer to the Aral Sea where it will show up the changes and the causes in this area.

3. Die Politische Ökologie

In den 1970er Jahren -einhergehend mit der sich verschlechternden Umweltsituation weltweit- gewann das Konzept der Politischen Ökologie immer mehr an Bedeutung. Die bis dahin noch vorherrschende apolitische Grundidee wurde mit ihren einseitigen Leitgedanken zur Erklärung des Umweltwandels zunehmend kritisch betrachtet, es wurden Defizite und Widersprüche entdeckt.

Insbesondere in den Politik- und Sozialwissenschaften, sowie in der Ethnologie und Geographie fand das Konzept immer mehr Beachtung. Es ist dementsprechend keine alleinstehende Theorie oder Auslegung, sondern vielmehr ein Sammelbegriff für unterschiedliche Theorieansätze, ein multi- und transdisziplinär gefasster Analyseansatz zur Interpretation von Umweltveränderungen, welcher als Ziel die Erhaltung der natürlichen Ressourcen, wie z.B. Boden und Wasser, hat.

Das Zusammenspiel von politischen, historischen und gesellschaftlichen Faktoren und deren Einfluss auf die Umwelt wurde mit der Politischen Ökologie seit den 1990er Jahren immer genauer analysiert.

Weil dieser Ansatz fächerübergreifend ist, wird die Politische Ökologie auch als Umweltsoziologie, Umweltökonomie oder politisierende Umwelt bezeichnet.

3.1 Definition

Der Begriff Politische Ökologie wird zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht einheitlich definiert.

Je nach Wissenschaftsgebiet werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, die einen konzentrieren sich in ihrer Definition intensiver auf die politischen und ökonomischen Aspekte, andere hingegen konzentrieren sich stärker auf die ökologischen Standpunkte. Gemeinsamkeit besteht jedoch darin, dass beide Ansätze eine Alternative zur bisherigen apolitischen Ökologie repräsentieren.

Die Hauptvertreter der Politischen Ökologie sind seit der ansteigenden Bedeutsamkeit dieses Konzeptes die angelsächsischen Geographen Piers BLAIKI und Harold BROOKFIELD. Sie formulierten die folgende Definition, welche heute noch Gültigkeit hat:

„The phrase ‚political ecology‘ combines the concerns of ecology and a broadly defined political economy. Together this encompasses the constantly shifting dialectic between society and land-based resources, and also within classes and groups within society itself.“ (BLAIKIE & BROOKFIELD 1987, S.17).

Im deutschsprachigen Raum sind die zentralen Vertreter des Konzeptes Helmut GEIST und der derzeitige Dozent an der Universität in Freiburg namens Prof. Dr. Thomas KRINGS. Letzterer definierte Politische Ökologie wie folgt:

„Unter dem Begriff Politische Ökologie vereinigen sich (...) verschiedene auf das Mensch-Umwelt-Verhältnis bezogene Arbeitsrichtungen vornehmlich in den angelsächsischen Ländern, deren gemeinsamer Nenner die Integration der politischen und historisch-gesellschaftlichen Faktoren in Analysen zu Umweltveränderungen darstellt.“

(KRINGS 1999, S.129).

Nach diesen Definitionen lässt sich herausstellen, dass Umweltveränderungen Folgen unterschiedlicher Faktoren, Interessen und Handlungen sind.

Die Politische Ökologie ist somit ein Konzept, das zur Analyse von Umweltveränderungen die Bestandteile Ökologie, Gesellschaft und Politische Ökonomie mit einbindet. Sie untersucht die reziproke Wirkung von Umwelt auf den Menschen bzw. die Gesellschaft. Hierbei reicht es ihr also nicht aus, die Analyse ausschließlich auf eine Ebene zu beschränken. Das Zusammenspiel zwischen den individuellen, lokalen und übergeordneten Strukturen wie beispielsweise Staat und Weltwirtschaft fließt in die Betrachtung von Umwelt mit ein.

Diese Verbundenheit zwischen den verschiedenen Ebenen zeigt die folgende Grafik von KRINGS deutlich:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Analyseebenen der Politischen Ökologie, www.uibk.ac.at

3.2 Forschungsansätze

Die Forschungsansätze der Politischen Ökologie werden seit den 1980er Jahren immer weiter und in verschiedene Richtungen entwickelt.

Im Mittelpunkt dieser Analysen stehen bis heute die Umweltprobleme der Entwicklungsländer, allerdings wird mittlerweile auch der Umweltwandel der Schwellen- und Industrieländer auf verschiedenen Ebenen betrachtet. Hierbei gibt es jedoch wesentliche Unterschiede in den Analyseebenen.

Der Fokus der Forschung liegt bei den Entwicklungsländern bei der Aufklärung bzw. Findung der Ursachen von lokalen Umweltveränderungen und -problemen. Diese sind beispielsweise die Zerstörung des Regenwaldes, Dürrekatastrophen, Konflikte um Wasser und Land, aber auch die Überfischung der Weltmeere.

In der Politischen Ökologie der Industriestaaten hingegen wird sich auf allgemeine Fragen der Umweltgerechtigkeit, das heißt auf die Auswirkung von Umweltpolitik auf bestimmte Bevölkerungsgruppen und Regionen, konzentriert. Es werden gesellschaftliche Hintergründe analysiert, insbesondere nach Ursachen städtischer Umweltprobleme geforscht und deren Auswirkungen auf die Bewohner analysiert, so hinterfragt man zum Beispiel Stadtplanungsprozesse oder Verkehrsemissionen.

In der Anwendung der Forschungsansätze treten bei der Untersuchung der Mensch-Umwelt-Beziehung unterschiedliche Methoden in Aktion, so zum Beispiel naturwissenschaftliche Arbeitsmethoden, die Analyse historischer Zusammenhänge oder die Analyse sozio-ökonomischer Eigenschaften.

Zwei Forschungsansätze sind der im Folgenden beschriebene akteursorientierte Ansatz sowie die Chain of Explanation. Oftmals findet man eine Kombination mehrerer Analyseelementen.

3.2.1 Akteursorientierte Ansatz

Der akteursorientierte Ansatz, der von großer Bedeutung in der Politischen Ökologie ist, zielt darauf ab, Umweltveränderungen nicht durch eindimensionale Einflüsse wie z.B. unangemessene Technologie, Überbevölkerung oder falsche Bewirtschaftung zu erklären.

Vielmehr wird die Notwendigkeit betont, sich auf die wirtschaftlichen Interessen sowie die politischen Entscheidungen und Machtstrukturen bestimmter Akteurstypen bzw. einflussreicher Gruppen zu konzentrieren und diese zu untersuchen.

Diese mitwirkenden Körperschaften können einen großen Einfluss auf eine Region haben, da sie Umweltakteure zugleich sind. Aus diesem Grund müssen auch soziale Spannungen und Ungleichheiten im Hinblick darauf analysiert werden. Es können individuelle, aber auch institutionelle Akteure sein, in jedem Fall besitzen sie einen mächtigen wirtschaftlichen Einfluss, da sie in den meisten Fällen den Ressourcenzugang als vornehmliches Ziel anstreben. Um politisch-ökologische Konflikte zu verstehen, werden vor allem ungleiche Machtbeziehungen analysiert.

Man unterteilt die Akteure in place-based-actors und non-placed-based-actors, je nach räumlicher Betrachtungsebene.

„Placed-based-actors“ sind lokale Akteure, wie beispielsweise Ureinwohner, regionale Bauern oder andere staatliche Akteure. Sie leben in dieser bestimmten Region und sind dem Umweltwandel mit dessen Konflikten direkt und dauerhaft ausgesetzt, da sie die örtlichen Ressourcen nutzen.

„Non-placed-based-actors“ sind nationale und internationale Akteure, welche nicht vor Ort leben und somit auch den Umweltproblemen nicht direkt unterlegen sind. Bei diesen Personengruppen handelt es sich um Mitarbeiter und Entscheidungsträger von internationalen Institutionen, Konzernen oder Großunternehmen, welche direkt in die Prozesse der jeweiligen Gebiete eingreifen.

Während place-based-actors, wie z.B. Fischer oder Landwirte, die Auswirkungen auf ihre Lebensweise direkt spüren und diese somit anpassen müssen, haben non-placed-based-actors durch ihre politische Machtstruktur einen globalen Einfluss auf die Region. Durch diese Macht und den daraus folglich besseren Zugang zu natürlichen Ressourcen werden globale Finanztransfers, wirtschaftliche Aktivitäten und lokale bzw. nationale Gesetzgebung stark beeinflusst. Da die Handlungen dieser Akteure nur nach Gewinnmaximierung und wirtschaftlichem Wachstum streben (Bryant & Bailey 1997), wird auch keine Rücksicht auf die Umwelt genommen. Außerdem kommt es durch diese unterschiedlichen Machtverhältnisse und Zielsetzungen zusätzlich zu einer Benachteiligung, was zu Meinungsverschiedenheiten und somit Konflikten zwischen den unterschiedlichen Gruppen führt.

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Details

Seiten
25
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783346028761
ISBN (Buch)
9783346028778
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v499731
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
2,0
Schlagworte
politik geographie politische ökologie ökologie aralsee forschungsansätze chain of explanation akteursorientierter ansatz globalisierung erderwärmung umweltschutz umwelt

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Titel: Das Konzept der Politischen Ökologie. Der Klimawandel in der Umweltforschung am Beispiel des Aralsees