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Die Höhenstufen der Gebirge als Modell. Vegetation, Klima und Geomorphologie

Hausarbeit 2018 16 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Allgemeines, Grundlagen

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Genese der Alpen

3. Geomorphologische Höhenstufen am Beispiel der Alpen

4. Klimageographische Höhenstufen am Beispiel der Alpen
4.1 Luftdruck
4.2 Temperatur
4.3 Kosmische- und terrestrische Strahlung
4.4 Regen, Schnee, Luftfeuchtigkeit und Wind

5. Vegetationskunde der Höhenstufen am Beispiel der Alpen

6. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Gebirge gehören in vielerlei Hinsicht zu den faszinierendsten Orten der Welt. Ihre dramatischen, jedoch ästhetischen Formen begeistern das Auge des Betrachters seit jeher. Doch es ist nicht nur das Panorama eines Gebirges, welches von Interesse ist. Auch eine Betrachtung der Höhen- stufen der Gebirge ist lohnend. Daher soll diese Arbeit sich mit der Frage beschäftigen, inwiefern die Höhenstufen der Gebirge sich als vegetationskundliches, klimageographisches und geomor- phologisches Modell eigenen.

Zunächst gilt es die Frage zu klären, was ein Gebirge überhaupt ist und was die Kriterien für die Gebirge sind, welche in dieser Arbeit erwähnt werden sollen. Im Zuge dessen wurde mit der Recherche begonnen und festgestellt, dass es viel zu viele Gebirge gibt, um sie innerhalb des begrenzten Rahmens dieser Arbeit auch nur annähernd beschreiben zu können. Daher wurde der Ansatz verfolgt, nur die Hochgebirge zu betrachten, welche alle möglichen Höhenstufen in jeder Hinsicht vereinen. Doch auch dies schien schnell unmöglich und eine neue Idee wurde verfolgt. Es sollten zwei Gebirge, die Anden und die Alpen, miteinander verglichen werden. Doch auch dies schien, unter der Zielsetzung, die Höhenstufen der Gebirge genau zu betrachten, in- nerhalb dieser Arbeit nicht realisierbar zu sein. Zu groß sind die Unterschiede, als dass die Hö- henstufen selbst ausreichend betrachten werden könnten. Auch der Ansatz, zwei sehr ähnliche Gebirge miteinander zu vergleichen erschien nach Überlegung nicht Zielführend zu sein. Ein Ver- gleich sollte schließlich Unterschiede hervorheben und nicht nur Gemeinsamkeiten bestätigen, welche ohnehin nicht zahlreich gewesen wären. Die Zahl der Unterschiede hätte einmal mehr dem Rahmen nicht entsprochen.

Die letzte Option ist diejenige, welche auch für diese Arbeit gewählt wurde. Diese umfasst eine gründliche Betrachtung der Höhenstufen der Alpen, sowohl aus geomorphologischer, als auch aus klimageographischer und vegetationskundlicher Perspektive. Auch dieser Ansatz brachte schnell die Erkenntnis, dass Vergleiche der Höhenstufen selbst innerhalb eines Gebirges nur eingeschränkt möglich sind. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise der klimageographi- sche Unterschied zwischen der Südseite der Alpen, welche an das Mittelmeer grenzt, und ihrer nach Norden gerichteten Seite zu nennen. Doch nicht nur in dieser Hinsicht sind Unterschiede innerhalb der Alpen, geschweige denn unterschiedlicher Gebirge zu erkennen. Auch geomorpho- logisch und vegetationskundlich sind massive Unterschiede festzustellen.

Dennoch soll diese Arbeit der Versuch sein, die Höhenstufen der Gebirge am Beispiel der Alpen so allgemein wie möglich zusammenzufassen, um dem Leser eigene Erkenntnisse in Bezug auf andere Gebirge ermöglichen zu können.

2. Die Genese der Alpen

Insbesondere um die Geomorphologie der Alpen verstehen zu können, ist ein Blick auf Grundle- gendes bezüglich ihrer Entstehung notwendig. Bätzing unterteilt in fünf maßgebliche Stadien, die für die Genese der heutigen Alpen entscheidend waren.

Zu beginnen ist mit der kaledonisch-variskischen Gebirgsbildung, welche vor 450-280 Millio- nen Jahren stattgefunden hat. In dieser Phase sind diverse Gebirge des europäischen Kontinents entstanden, welche bis heute jedoch signifikant abgetragen worden sind. Entscheidend für die Bildung der heutigen Alpen ist die Tatsache, dass acht dieser frühen, europäischen Gebirge in die Gebirgsbildung (Orogenese) der Alpen mit einbezogen wurden. Damit einher ging eine dop- pelte Gebirgsbildung. Diese entstand durch die Integration der alten Grundgebirge in die Genese der Alpen. Das härteste Gestein der Alpen beruht maßgeblich auf diesem Prozess.(Bätzing 1991:11).

Anschließend folgte vor 200-100 Millionen Jahren die Phase der Sedimentation. In dieser Zeit entstand durch das divergieren Afrikas und Europas ein Meer zwischen den Kontinenten, auf dessen Grund sich Sedimente ablagerten. Heute ist dieses Meer als Tethys-Meer bekannt. Zu nennen sind Sedimente aufgrund von totem, organischem Material, durch Flüsse transportierter Schlamm oder Verlandungszonen. Mit der Zeit verfestigten sich diese Sedimente, welche über sehr diverse Eigenschaften verfügten. Vor etwa 160 Millionen Jahren bildeten sich daraufhin drei signifikante Sedimentationsbecken. Diese Sedimentationsbecken können, durch die großen Un- terschiede der Eigenschaften ihres Sediments, noch heute in den Alpen wiedererkannt und von- einander unterschieden werden. Auf dem durch diese Sedimente gebildeten Gestein beruht heute das Relief der Alpen. Des Weiteren werden die durch diese Prozesse entstanden Schichten heute als helvetische, penninische und ostalpine Decken bezeichnet (Bätzing 1991:11-12).

Darauf folgte in einem dritten Schritt die entscheidende, alpine Faltung. Vor 100-26 Millionen Jahren bewegte sich die afrikanische Platte nordwärts. Diese Verschiebung schob das in der zweiten Phase entstandene Tethys-Meer zusammen und drückte es gegen die eingangs erwähn- ten, frühen Gebirge Europas. Durch den starken Druck und die damit einhergehende Energie wurden die Sedimente fest und falteten sich zusammen. Auch die durch den Druck entstehende Hitze trug zur Verfestigung der Sedimente bei. Allerdings fand zu dieser Zeit trotz aller Kräfte noch keine Hebung statt, die zur Höhe der heutigen Alpen führte (Bätzing 1991:12).

Erst während der anschließenden, alpidischen Faltung, welche seit 7 Millionen Jahren stattfin- det, bildete sich der heutige Hochgebirgscharakter der Alpen heraus. Die weiterhin gegen die Europäische Platte drückende Afrikanische Platte baut seitdem Druck auf und sorgt dafür, dass die Alpen noch immer in die Höhe wachsen würden, Jedoch ist dies nicht der Fall, da exogene Prozesse eine Abtragung bewirken, die das vertikale Wachstum in etwa ausgleicht.

In einer fünften, noch nicht eingetretenen Phase, wird der Druck der Afrikanischen Platte auf die Europäische Platte nachlassen und die Alpen werden zu einem Mittelgebirge abgetragen (Bätzing 1991:12).

3. Geomorphologische Höhenstufen am Beispiel der Alpen

Da nun die Entstehung der Alpen erläutert ist wird es möglich sein, die Höhenstufen der Alpen anhand ihrer Geomorphologie zu verstehen. Es ist wichtig anzumerken, dass es zu diesem Thema bezüglich der Alpen viel Literatur gibt, in der häufig unterschiedliche Terminologien ver- wendet werden. Das wird auch an der großen Unterschiedlichkeit der Geomorphologie innerhalb der unterschiedlichen Regionen der Alpen liegen, von den Unterschieden zu den Gebirgen auf globaler Sicht ganz abgesehen. Zudem ist die Verwendung genau definierter Höhenmeter für diese Betrachtung kaum geeignet. Nicht nur ist man sich in der Forschung dahingehend uneinig. Auch gibt es häufig fließende Übergänge zwischen den Höhenstufen, deren Unterscheidung auch durch Einflüsse wie den globalen Klimawandel erschwert wird. Im Folgenden wird an einigen Stellen auch der Einfluss des Klimas auf die geomorphologischen Höhenstufen deutlich.

Um die Übersichtlichkeit zu wahren und dem begrenzten Umfang dieser Arbeit entsprechen zu können, sollen sich die folgenden Ausführungen daher auf die Arbeit von Lehmkuhl (1989) be- schränken, mit deren Hilfe ein grober Überblick geschaffen werden soll. Von einer Diskussion oder Gegenüberstellung durchaus vorhandener, anderer Ansichten, soll bewusst abgesehen wer- den.

Zum einen ist die im vorigen Kapitel beschriebene Orogenese ein wichtiger Aspekt, wenn es um das Erscheinungsbild eines Gebirges geht. Jedoch ist diese nicht allein zu betrachten, wenn man die Geomorphologie der Gebirge verstehen möchte. Ein weiterer wichtiger Faktor sind daher äu- ßere, exogene, Einflüsse, die für die geomorphologische Erscheinung der Höhenstufen eine Rolle spielen. Aus diesem Grund soll der Begriff der Nivation eingeführt werden, welcher diverse Ver- witterungs- und Erosionsprozesse unter einem Begriff zusammenfasst. Es soll gesagt sein, dass die Definition des Begriffes teilweise umstritten ist. Mit Bezug auf Lehmkuhl beinhaltet der Begriff jedoch die durch ganzjährige Schneeflecken und deren Druck, sowie deren Schmelzwässer be- wirkte Verwitterung und Abtragung. Darüber hinaus bezieht sich Lehmkuhl auf Schunke, welcher den Begriff der Nivation auf die Frostsprengung, das Bodenfließen, die Kryoturbation, also die Bodenbewegung durch wiederholtes Auftauen und Gefrieren und das Abstürzen großer Flächen ausgeweitet hat. Zudem bezieht sich Lehmkuhl auf Berger. Dieser führte die chemische Verwit- terung als weiteren Bestandteil der Nivation mit ein. So ist ein Begriff entstanden, der schon um- fangreiche und einflussreiche Faktoren bezüglich der Reliefbildung in den Alpen zusammenfasst (Lehmkuhl 1989:12).

Auch bei der Einteilung der Höhenstufen der Alpen ist es nicht möglich, eine einheitliche Definition zu finden. Grob gesehen sind sich die verschiedenen Definitionen relativ ähnlich. Zumindest in der Terminologie werden dennoch Unterschiede und damit verbunden auch andere Ansichten deutlich. Diese in ihrer Gesamtheit zu erläutern, würde den Rahmen dieser Arbeit übersteigen. Daher soll auch hier auf die Ausführungen von Lehmkuhl zurückgegriffen werden.

Angefangen werden soll daher mit der untersten, mediterranen Höhenstufe. Diese Stufe wird, wie der Name vermuten lässt, von mediterranen Einflüssen geprägt. Daher trifft man sie auch lediglich am südlichen Rand der Alpen. Diese Region erfährt im Sommer häufig starke Regen- fälle, welche zu häufigen Fels- und Erdrutschen führen und daher große Mengen an Material abführen. Hier ist schon ein erster Hinweis bezüglich einer Verbindung zwischen Klima und Ge- omorphologie im Gebirge zu erkennen. Diese Neigung zu Fels- und Erdrutschen wird durch die geringe Dichte an Vegetation zusätzlich begünstigt und führt dazu, dass die verschiedenen, ge- ologischen Schichten häufig gut sichtbar sind. Außerdem führt dieser Umstand dazu, dass Tor- renten oft anzutreffen sind. Dies sind Trichter, die große Mengen an Geröll und Schlamm aus größeren Höhen bis ins Tal bewegen und in Extremfällen dazu führen können, dass ganze Täler von fließendem Geröll und Schlamm bedeckt sind. Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die mediterrane Höhenstufe aus geomorphologischer Sicht von starkem Abfluss aufgrund häufiger Starkregenereignisse geprägt ist. Als Grund dafür ist insbesondere ihre Exposition zum Mittel- meer aufzuführen, welches feuchte Luftmassen begünstigt, die sich an den südlichen Alpen ab- regnen. Im Sommer kommt dazu teilweise starke Schneeschmelze hinzu. Das herabfließende Schmelzwasser trägt somit signifikant zum Abtransport von Geröll und Schlamm bei (Lehmkuhl 1989:19-22).

Auf die mediterrane Höhenstufe folgt nach Lehmkuhl die gemäßigt-humide Höhenstufe. Diese Höhenstufe verfügt über ein gemäßigtes Klima, welches folglich zu einer anderen geomorpholo- gischen Situation führt. Durch ihr gemäßigtes Klima sind die Formungsprozesse durch Wasser auf dieser Stufe nicht so stark ausgeprägt, wie auf der mediterranen Höhenstufe. Dies führt dazu, dass viele der geomorphologischen Erscheinungen vergleichsweise alt und wenig verändert sind. Das weitgehende Wegbleiben von größeren Massebewegungen in Form von Versatzdenudation und Oberflächenabspülung wie in der mediterranen Zone wird zusätzlich durch den Umstand begünstigt, dass weite Teile dieser Zone von dichtem Wald bedeckt sind. Das Wurzelwerk der Bäume schafft somit Stabilität. Jedoch spielt die lineare Erosion in dieser Zone eine große Rolle, welche durch einen großen Unterschied zwischen dem höchsten und tiefsten Punkt bewirkt wird. Man kann auch sagen, dass die Hänge in der gemäßigt-humiden Höhenstufe vergleichsweise Steil sind, was das Herabfallen und Rutschen von Material aufgrund der Gravitation begünstigt. Dieser Umstand beeinflusst das Erscheinungsbild dieser Zone durch das vermehrte Auftreten von Hangfurchen, Rinnen und Kerbtälern sehr. Seltener sind auch Schluchten und Klammen zu beobachten, welche durch steiler verlaufende Flüsse bewirkt werden. Die Oberfläche wird von härteren Gesteinen, wie zum Beispiel Gneisen, geprägt. Trogtäler mit steilen Hängen, sowie Kare und Moränen gehören ebenso zum Erscheinungsbild der gemäßigt-humiden Zone. Jedoch sind in den ebenfalls vorhandenen Gebieten mit weicheren Gesteinen auch sanftere Formen zu be- obachten (Lehmkuhl 1989:23-28).

Auf die gemäßigt-humide Stufe folgt die periglaziale Höhenstufe, welche sich durch weiche und rundliche Formen abhebt. Diese sanften Formen sind insbesondere durch das langsame Fließen von sehr feuchtem Geröll durch Gletscher bedingt. Resultat dieser langsamen Bewegung von Geröll ist die Bildung von Flächen, in denen sich dieses Material sammelt, auch Schutthalden genannt (Abb.1). Prägend sind also Formen, die durch Vergletscherung entstanden sind. Auf dieser Stufe taucht zudem erstmalig der Begriff des Frostschuttes auf. Frostschutt entsteht durch häufige Perioden von Frost in Verbindung mit Perioden, während denen die Temperaturen über dem Gefrierpunkt liegen. Dies führt zu der Frostsprengung von Gestein. Dieser Prozess führt durch Wiederholung zur Entstehung von groben Steinen, bis hin zu feinerem Sediment. Nicht zuletzt wegen der für die Bildung der periglazialen Höhenstufe notwendigen Frostsprengung wird die Obergrenze dieser Höhenstufe als die Stufe definiert, in der eine permanente Schneebede- ckung anzutreffen ist. Zusammenfassend ist die periglaziale Höhenstufe daher als eine durch Gletschereinflüsse geprägte Landschaft zu begreifen, in der sehr unterschiedlich große Gesteine anzutreffen sind (Lehmkuhl 1989:28-36).

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Details

Seiten
16
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346027948
ISBN (Buch)
9783346027955
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v500078
Institution / Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen – Geographisches Institut
Note
2,4
Schlagworte
höhenstufen gebirge modell vegetation klima geomorphologie

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Titel: Die Höhenstufen der Gebirge als Modell. Vegetation, Klima und Geomorphologie