Lade Inhalt...

Sportmedizinische Diagnostik beim femoroacetabulären Impingement

Hausarbeit 2018 11 Seiten

Medizin - Chirurgie, Unfall-, Sportmedizin

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Das Hüftgelenk
1.2 Das femoroacetabuläre Impingement
1.3 Cam Impingement
1.4 Pincer Impingement

2 Sportmedizinische Diagnostik beim femoroacetabulären Impingement
2.1 Anamnese
2.2 Körperliche Untersuchung
2.3 Weiterführende Diagnostik
2.4 Empfehlungen für Sportler

3 Reflektion

Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Beklagt sich ein Sportler häufig über Schmerzen in tiefer Beugung oder bei längerem Sitzen in der Hüfte und hat Einschränkungen in seiner Sportart ist die sportmedizinische Diagnostik essenziell für die weitere Therapie und die Karriere des Sportlers (Raschka & Nitsche, 2016). Vom femoroacetabulärem Impingement sind, laut Raschka & Nitsche (2016), vor allem Kampfsportler betroffen. Es gilt als eine der häufigsten Ursachen für Hüftschmerzen bei Sportlern (Belser & Sonderegger, 2017).

Dabei entstehen pathologische Knochenstrukturen am Femur oder/und am Acetabulum, welche bei Bewegung einklemmen und Schmerzen auslösen können (Sobau & Zimmerer, 2017). Eine genaue Diagnostik ist in diesem Zusammenhang wesentlich, um eine geeignete Therapie zu finden, die den Patienten von den Schmerzen befreit und ihm wieder die Ausführung seiner Sportart ermöglicht. Zudem ist die Behandlung essenziell um einen irreversiblen Knorpelschaden vorzubeugen (Belser & Sonderegger, 2015). Das femoroacetabuläre Impingement gilt, nach Sobau und Zimmerer (2017), als

Präarthrose, welches bei Nichtbehandlung zu einer sekundären Coxarthrose führen kann. Als eigenständiges Krankheitsbild besteht das femoroacetabuläres Impingement noch nicht lange und wurde 2001 erstmalig beschrieben (Schneider et al., 2017).

Im Laufe der Jahre hat die Anzahl der Veröffentlichungen zu dem Krankheitsbild zugenommen, was auf eine steigende Relevanz des femoroacetabulären Impingements hinweist. Erst 2016 haben sich sogar mehrere internationale orthopädisch- traumatologische Gesellschaften auf Diagnostik und die Therapie des femoroacetabulären Impingements geeinigt (Sobau & Zimmerer, 2017).

Das zeigt, dass Hüftschmerz, gerade bei Sportlern, ernst genommen werden sollte und eine umfassende sportmedizinische Diagnose unumgänglich ist, um die volle sportliche Belastbarkeit wiederherzustellen.

1.1 Das Hüftgelenk

Das Hüftgelenk ist ein Kugelgelenk und besteht aus den drei Teilen des Os coxae und dem Femurknochen. Die Hüftpfanne umfasst dabei den größten Durchmesser des Femurkopfes und darüber hinaus. Deswegen bezeichnet man das Gelenk auch als Nussgelenk (Wurzinger, 2017).

Die Gelenkfläche des Acetabulums, also der Hüftpfanne, ist zu einem großen Teil mit einem Knorpel überzogen. Das faserknorpelige Labrum acetabuli vertieft die sowieso schon tiefe Hüftpfanne noch mehr. Es bildet nämlich einen Vorsprung am knöchernen Pfannenrand und schließt das caput femoris ein (Wurzinger, 2017).

Das kugelförmige caput femoris bildet den Gelenkkopf und ist auch großflächig überknorpelt,bis auf die medial gelegene Fovea capitis femoris. Die Knorpelschicht ist sogar bis zu 4mm dick (Belser & Sonderegger, 2015).

Der Schenkelhals, der collum femoris, trägt das caput femoris und ist gegenüber dem Schaft des Femurs im Regelfall um 126° abgewinkelt. Der Schenkelhals liegt sogar zum größten Teil in der Gelenkhöhle, da die Gelenkkapsel so weit reicht. In der Gelenkhöhle ist der Schenkelhals von der Synovialmembran überzogen (Wurzinger, 2017).

Das Hüftgelenk besitzt drei Freiheitsgrade. Die Streckung ist durch das Ligamentum iliofemorale gehemmt. Die Beugung hingegen ist nur durch die muskuläre Hemmung der ischiokruralen Muskulatur oder der Hüftflexoren gehemmt.

Folge dessen ist, dass der aufrechte Stand auf zwei Beinen kräftesparend ist. Das Ligamentum iliofemorale sorgt dabei dafür, dass das Becken nicht überkippt. Es ist sogar das kräftigste Band des menschlichen Körpers (Wurzinger, 2017).

Die normalen Bewegungsausmaße des Hüftgelenks sind 140° Flexion und 15° Extension, sowie 40° Abduktion und 25° Adduktion. Der Umfang der Innenrotaion umfasst 35° und der der Außenrotation 45° (Raschka & Nitsche, 2016).

1.2 Das femoroacetabuläre Impingement

Beim femoroacetabulären Impingement liegen einklemmende Knochenbauten vor, die sich in zwei Untertypen einteilen lassen (Sobau & Zimmerer, 2017). Laut Ezechieli und Windhagen (2014) liegen allerdings in 75 % der Fälle Mischformen vor. Vor allem Sportler sind betroffen und die Prävalenz ist sehr hoch, jedoch treten nicht zwangsweise auch Symptome auf (Schneider et al., 2017).

1.3 Cam Impingement

Bei der CAM- Deformität, auch Nockenwellendeformität genannt, liegt eine Offsetstörung vor. Damit ist gemeint, dass der Übergang vom caput femoris zum Schenkelhals nicht ausreichend tailliert ist, sondern übermäßig gerundet ist (Schneider, Mohr, Reith, Zimmerer, Miehlke & Sobau, 2017).

Die Deformität schädigt so zunächst den Knorpel der Hüftpfanne. Dieser Untertyp des femoroacetabulären Impingements ist, nach Sobau und Zimmerer (2017), häufiger und kommt öfters bei jungen Männern vor.

Auch Sportler aus Sportarten wie Fußball, Eishockey oder Kampfsport sind häufiger betroffen (Sobau & Zimmerer, 2017).

1.4 Pincer Impingement

Bei der acetabulären Pincer-Variante des Impingements ist das caput femoris durch eine Ausziehung des Pfannenrandes übermäßig überdacht und wird deshalb auch Zangendeformität genannt (Schneider et al., 2017).

Nach Ezechieli und Windhagen (2014) führt das bei Flexion zum Anschlagen des Schenkelhalses und dadurch primär zu einer Läsion des Labrums. Laut Schneider et al. (2017) sind häufiger Frauen mittleren Alters betroffen.

Die stechenden Schmerzen treten bei diesem Untertyp früher auf, was zur Folge hat, dass die Patienten auch früher zum Arzt gehen (Sobau & Zimmerer, 2017).

Bei diesem Typ kommt es, nach Sobau und Zimmerer (2017), mit Fortschreiten der Deformität auch zu progredienten Knorpelschäden.

2 Sportmedizinische Diagnostik beim femoroacetabulären Impingement

2.1 Anamnese

Zu Beginn steht der Schmerz im Hüftgelenk. Der Zeitschriftenartikel von Schneider et al. (2017) betont, wie wichtig die darauffolgende Anamnese ist, um die richtige Diagnose zu finden und im Anschluss die geeignete Therapie einzuleiten.

Inhalt der Anamnese sollte, nach Schneider et al. (2017), die Frage nach einem Trauma, Tätigkeiten, die Schmerzen auslösen und dem Schmerzverlauf sein. Beim Schmerzverlauf ist wesentlich, ob es sich um akute oder chronische Schmerzen handelt.

Sobau und Zimmerer (2017) unterstreichen, wie wichtig es ist, auch die Art des Schmerzes zu erfragen. So können zum Beispiel stechende Schmerzen auf eine Labrumläsion hinweisen.

Auch drückende Schmerzen in der Leiste während einer Bewegung sind kennzeichnend. Jene treten häufig zusammen mit dem femoroacetabulärem Impingement auf (Sobau & Zimmerer, 2017).

Grifka, Keshmiri, Maderbacher und Craiovan (2014) erwähnen darüber hinaus Ruheschmerzen mit ventralem ausstrahlendem Oberschenkelschmerz, gepaart mit einem Anlaufschmerz und durch Schmerzen eingeschränktes Gehen. Diese charakteristischen Schmerzen können Hinweise für eine Coxarthrose geben, welche möglicherweise auf ein femoroacetabuläres Impingement hin entstanden ist.

Laut Schneider et al. (2017) können auch Schmerzen nach längerem Sitzen, welche sich beim Gehen bessern, auf ein femoroacetabuläres Impingement hindeuten.

Außerdem unterstreichen Schneider et al. (2017), dass das Sportpensum, bereits durchgeführte Therapien und Vorerkrankungen erfragt werden soll. Zu den Vorerkrankungen zählen unter anderem die Hüftdysplasie, Morbus Perthes und Epiphyseolis capitis femoris (Schneider et al., 2017). Diese sind laut Sobau und Zimmerer (2017) typische kindliche Hüfterkrankungen, welche mit den Beschwerden im Hüftgelenk im Zusammenhang stehen können.

Ein weiteres Zeichen für das femoroacetabuläre Impingement ist, nach Schneider et al. (2017), das so genannte C-Zeichen. Damit ist ein spezieller Griff des Patienten von lateral an seine Hüfte gemeint, wenn er aufgefordert wird seine Schmerzen zu lokalisieren. Die Hand wird dann zu einem C geformt, um die ventral, lateral und dorsalen Schmerzen zu beschreiben.

2.2 Körperliche Untersuchung

Um die Beschwerden im Hüftgelenk beurteilen zu können ist eine klinische Untersuchung notwendig. Sobau und Zimmerer (2017) betonen, dass diese Beurteilung durch die Lage des Hüftgelenks im Vergleich zu anderen Gelenken besonders schwer ist. Denn das Hüftgelenk liegt besonders tief zwischen angrenzenden Knochen, Muskeln, Sehnen, Faszien und Nervensträngen.

Schneider et al. (2017) betonen zudem, dass viele Funktionstests nicht ausreichend wissenschaftlich validiert sind. Das erschwert die Diagnosefindung zusätzlich. Deswegen ist es umso wichtiger, dass die Untersuchung standardisiert und gezielt abläuft und von vornherein festgelegt ist (Sobau & Zimmerer, 2017). Dies ist auch wichtig um keine Differentialdiagnose zu verpassen (Belser & Sonderegger, 2015). Schneider et al. (2017) empfehlen als Orientierung die Untersuchungstechniken der Hüftspezialisten Dr. Hal Martin und Dr. med. Christian Sobau.

Ziel der Untersuchung ist, nach Sobau und Zimmerer (2017) die Schmerzlokalisation und genauer, die Feststellung ob die Pathologie intraartikulär oder extraartikulär vorliegt (Schneider et al., 2017).

Auch ist es wichtig andere ähnliche Erkrankungen abzugrenzen. Hernien, Entrapment Syndrome der dorsalen Nerven und eine Sportlerleiste sind durch eine allgemeine Untersuchung mit entsprechenden Tests auszuschließen (Sobau & Zimmerer, 2017). Nach Schneider et al. (2017) sind, zur Erkennung von Insertionstendinopathien und Bursitiden, laterale und dorsale Knochenpunkte zu palpieren. Schneider et al. (2017) betonen zudem, dass nicht nur die Hüfte untersucht werden sollte, sondern auch räumlich nah gelegene Regionen, wie die Sakroiliakalgelenke, die Lendenwirbelsäule, der untere Bauch, das Becken und die Leiste.

Als Untersuchungsmethoden werden die üblichen Techniken wie Inspektion, Palpation und die aktive und passive Beweglichkeitsuntersuchung angewandt (Belser & Sonderegger, 2015). Die Untersuchung startet mit der Entkleidung des Patienten und der Beobachtung dessen. Denn schon dort können sich Bewegungseinschränkungen oder ein unsicherer Stand sichtbar machen (Schneider et al., 2017).

Danach wird der Patient im Stehen, Sitzen und Liegen untersucht. Bezüglich der Reihenfolge gibt es in der Literatur verschiedene Empfehlungen. So raten Schneider et al. (2017) die Untersuchung im Stehen mit der Beurteilung des Gangbildes und des Einbeinstandes einzuleiten. Sobau und Zimmerer (2017) schlagen hingegen vor, die Untersuchung in Rückenlage des Patienten zu beginnen.

Im Stehen lässt sich das Vorhandensein eines Trendelenburg-Hinkens oder Trendelenburg-Zeichens, sowie die aktive Hüftbeweglichkeit nach der Neutral-Null- Methode überprüfen (Schneider et al., 2017). Im Liegen, sowie im Stehen, sollte nach Sobau und Zimmerer (2017) besonders auf ein sogenanntes „kneeling in“ geachtet werden. Dieses meint eine vermehrte Innenrotation der Kniegelenke in Neutralstellung, welches womöglich eine Antetorsion des Femurs als Ursache hat. Das könnte nach Sobau und Zimmerer (2017) ein atypisches Impingement hervorrufen. Im Stehen kann dann, laut Schneider et al. (2017), noch der Beckenstand und die Beinlänge, sowie die Lendenwirbelsäule untersucht werden.

Nach der Untersuchung im Stehen erfolgt die Untersuchung in Rückenlage. An dieser Stelle nennt Schneider et al. (2017) die passive und aktive Beweglichkeitsuntersuchung des reinen Hüftgelenks und gepaart mit dem Becken nach der Neutral-Null-Methode. Auch die Beinlänge sollte ein weiteres Mal im Liegen und auch nochmals im Sitzen angeschaut werden. Knöcherne Punkte und Weichteilstrukturen sollten palpiert werden, besonders um eine mögliche Sportlerleiste ausfindig machen zu können (Schneider et al., 2017). Nach Raschka und Nitsche (2016) kann gekoppelt mit einem Valsalva Manöver so eine Bruchpforte entdeckt werden, was für die Diagnose des Leistenbruchs entscheidend ist.

[...]

Details

Seiten
11
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346021847
ISBN (Buch)
9783346021854
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v500450
Institution / Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen – Psychologie und Sportwissenschaften
Note
11
Schlagworte
diagnostik sport impingement hüfte femoroacetabulär sportmedizin

Autor

Teilen

Zurück

Titel: Sportmedizinische Diagnostik beim femoroacetabulären Impingement