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Subventionen. Nutzen oder Schaden?

Hausarbeit 2019 25 Seiten

BWL - Wirtschaftspolitik

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition

3. Wirkung von Subventionen
3.1. Das Marktgleichgewicht
3.2. Wirkung auf das Marktgleichgewicht und den Wettbewerb
3.3. Wirkung auf dem Weltmarkt

4. Subventionen in der makroökonomischen Theorie
4.1. Neoklassik
4.2. Keynesianismus

5. Beweggründe für die Subventionsvergabe
5.1. Lenkungssubventionen
5.2. Anpassungssubventionen
5.3. Erhaltungssubventionen

6. Agrarsubventionen der EU
6.1. Ökonomische Auswirkungen
6.2. Soziale Auswirkungen
6.3. Ökologische Auswirkungen

7. Diskussion

8. Fazit

Literaturverzeichnis

Abstract

Subventionen führen oft zu Auswirkungen, die auf den ersten Blick nicht ersichtlich sind und richten in Folge dessen oft große Schäden an. Sie sind aber auch nötig, um die Schwächen der Marktwirtschaft zu bekämpfen. In dieser Arbeit wird zunächst die Wirkung von Subventionen theoretisch erklärt und aus der Sichtweise der Neoklassik und des Keynesianismus betrachtet. Anschließend werden Subventionen in Abhängigkeit ihrer Beweggründe und Zielvorgaben in Erhaltung-, Anpassungs- und Lenkungssubventionen unterschieden. An Hand der Agrarsubventionen der EU werden verschiedene praktische Auswirkungen aufgezeigt und abschließend die Vor– und Nachteile gegenübergestellt, mit dem Ergebnis, dass der Nutzen Subventionen notwendig macht, auch wenn die Schäden nicht komplett verhindert werden können.

1. Einleitung

„Der Markt regelt alles von ganz alleine, genauso, wie die Welt sich von alleine dreht. Jeglicher Eingriff in den Markt ist deshalb zu unterlassen“ (Adam Smith, Wealth of Nations 1776).

Die Rolle des Staates in der Wirtschaft ist eine Frage, die seit dem Auf- kommen der Wirtschaftswissenschaften leidenschaftlich debattiert wird. Manche halten es mit Adam Smith und sehen jeden staatlichen Eingriff in die Marktwirtschaft als Bedrohung für das Gleichgewicht an, das sich aus den Kräften von Angebot und Nachfrage ergibt.

Andere, wie John Maynard Keynes, weisen auf die Fehler des Marktes hin und sehen staatliche Eingriffe als notwendig an, um die Wohlfahrt der Menschen zu sichern und auszubauen.

Die Bundesrepublik Deutschland, mit ihrem Modell der sozialen Markt- wirtschaft, greift in verschiedensten Weisen in den Markt ein, wobei die Subventionsvergabe eine beliebte Möglichkeit darstellt. Im Jahr 2018 hat die Bundesregierung Deutschland Subventionen im Wert von 25,2 Milli- arden Euro vergeben (Bundesministerium der Finanzen 2017, S. 11) . Doch auch wenn das Thema Subventionen in der deutschen Medienland- schaft immer wieder präsent ist, sind die weitreichenden volkwirtschaftli- chen Auswirkungen wohl nur einem kleinen Teil der Bevölkerung be- kannt. Im Zuge des Pariser Klimaabkommens und den daraus resultieren- den Maßgaben stehen jedoch gerade solche Subventionen im medialen Fokus, die umweltschädlichen Wirtschaftsbereichen über Jahre hinweg einen Wettbewerbsvorteil gesichert haben.

In dieser Arbeit sollen nun die theoretischen Auswirkungen der Subven- tionen näher beleuchtet und aus der Sichtweise der debattierenden Denk- schulen der Volkswirtschaftslehre betrachtet werden. Außerdem werden verschiedene Gründe aufgezeigt, die Politiker zu einer Subventionsver- gabe bewegen und an Hand des Beispiels der Agrarsubventionen der EU verschiedene Folgen der Subventionierung beschrieben. Um abschlie- ßend eine Antwort zu bekommen, ob Subventionen nutzen oder schaden.

2. Definition

Aus volkswirtschaftlicher Sicht können die Ausgaben des Staates in Transfer-, Subventions- und Realausgaben unterteilt werden. Realausga- ben sind Ausgaben für Güter und Dienste und somit an eine Gegenleis- tung gekoppelt. Subventionen und Transferausgaben werden im Gegen- satz dazu als einseitige Leistungen verstanden, die keine unmittelbare Gegenleistung erfordert. Transferausgaben kommen privaten Haushalten zugute und beinhalten unter anderem das Kindergeld oder BAföG. Sub- ventionen sind Finanzhilfen und Steuervergünstigungen an Unternehmen, wobei sich in der Wissenschaft bisher keine allgemeingültige Definition durchgesetzt hat (Sykes 2003, S. 2). (Edling 2010, S. 63)

Der Begriff Staat ist in diesem Fall eine vereinfachte Darstellung, da Subventionspolitik sowohl auf subnationaler, nationaler und supranatio- naler Ebene betrieben werden kann. Subnational steht in diesem Fall zum Beispiel für Kommunen oder Bundesländer, während Supranationale Subventionspolitik von der EU betrieben wird. (Mause 2018, S. 1262) Die deutsche Bundesregierung definiert den Subventionsbegriff als Geld- leistungen des Bundes an Stellen außerhalb der Bundesverwaltung, die privaten Unternehmen und Wirtschaftszweigen zugutekommen. Außer- dem werden Steuervergünstigungen zu den Subventionen gezählt, wenn es sich um mittel- oder unmittelbar wirkende Begünstigungen einzelner Sektoren oder Teilbereiche der Wirtschaft handelt. Dabei beruft sich die Bundesregierung auf §12 des Stabilitäts- und Wachstumsgesetztes (StabG). (Bundesministerium der Finanzen 2017, S. 9) Für den Verlauf dieser Arbeit wird die Definition der Bundesregierung übernommen.

3. Wirkung von Subventionen

3.1. Das Marktgleichgewicht

Um die Wirkung von Subventionen zu erklären, soll hier zunächst die theoretische Grundlage für ein Marktgleichgewicht aufgezeigt werden. Angenommen wird ein vollkommener Markt, der die folgenden Anforde- rungen erfüllt: die Abwesenheit von Marktmacht in der Form eines Poly- pols mit vielen kleinen Anbietern und Nachfrager, das Vorliegen von Markttransparenz und die Homogenität des betrachteten Gutes. Die Preise ergeben sich auf einem solchen Markt durch den Preismechanis- mus von Angebot und Nachfrage. Es ergibt sich ein Marktgleichgewicht, bei dem die angebotene Menge mit der nachgefragten Menge des Gutes übereinstimmen. (Woeckener 2019, 80f)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 Existenz und Eindeutigkeit des Marktgleichgewichts (Woeckener 2019, S. 81)

Die Achsen der obigen Abbildung bilden der Preis (p) und die Menge (x). Die Nachfragefunktion wird mit xN angegeben und die Angebots- funktion mit xA. Zu erkennen ist, dass die Nachfrage umso höher ist, je niedriger der Preis ist. Das Angebot ist größer, je höher der Preis ist, weil mehr produziert wird, wenn sich ein hoher Preis mit dem Produkt erzie- len lässt. Man erkennt außerdem, dass es eine Preisuntergrenze gibt. Diese entspricht den durchschnittlichen totalen Kosten des Anbieters mit der effizientesten Technologie. Wenn die Nachfragefunktion unterhalb dieser Preisgrenze verläuft, ergibt sich kein Markt, da die Produktion für alle Anbieter unrentabel ist. Wenn sie jedoch oberhalb verläuft, so wie in der hier gezeigten Abbildung, wird sich, in einem vollkommenen Markt, ein Marktgleichgewicht formen, bei dem sich ein Gleichgewichtspreis (p*) und eine Gleichgewichtsmenge (x*) ergeben. Dieses Gleichgewicht ist stabil, weil durch ein Ungleichgewicht Anpassungskräfte ausgelöst werden. Ist der Preis zum Beispiel vorübergehend höher als der Gleich- gewichtspreis, so sind mehr Anbieter bereit, das Produkt herzustellen. Dadurch erhöht sich das Angebot und der Preis sinkt wieder in Richtung des Gleichgewichtpreises. (Woeckener 2019, 81f)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2 Stabilität des Marktgleichgewichts (Woeckener 2019, S. 83)

Sowohl die Konsumenten als auch die Anbieter streben in diesem Szena- rio nach ihrem jeweiligen Wohlfahrtsoptimum.

Im Marktgleichgewicht liegt ein sogenanntes Pareto-Optimum vor.

Ein Zustand wird als pareto-effizient angesehen, wenn sich die Lage ei- nes Wirtschaftssubjektes nicht verbessern lässt, ohne die Lage eines an- deren Wirtschaftssubjekts zu verschlechtern. In diesem Zustand ist die Gesamtwohlfahrt maximal. Die Zuteilung der knappen Ressourcen, um das Pareto-Optimum zu erreichen übernimmt in der Marktwirtschaft der Markt über den oben beschriebenen Preismechanismus. Man spricht hier von Ressourcenallokation. (Edling 2010, 244f)

3.2. Wirkung auf das Marktgleichgewicht und den Wettbewerb

Da Subventionen prinzipiell nur einzelnen Wirtschaftssektoren oder Wirtschaftssubjekten zugutekommen, kommt es in der Folge von Sub- ventionen zu Wettbewerbsverzerrungen. Nicht geförderte Unternehmen haben einen Wettbewerbsnachteil gegenüber geförderten Unternehmen. Außerdem verändert der Eingriff in das Marktgeschehen die Preise und Mengen auf diesem Markt und dadurch auch die Ressourcenallokation im Sinne der freien Marktwirtschaft. So kann es zum Beispiel zu Über- produktionen in den subventionierten Unternehmen kommen, wenn diese, beflügelt durch den Wettbewerbsvorteil, die Produktionskapazitä- ten ausbauen und schließlich mehr produzieren als der Markt nachfragt. (Mause 2018, 1264f)

Die Subventionen verändern die Preise von Produkten und die Rentabili- tät von Wirtschaftsobjekten oder ganzen Wirtschaftssegmenten und ver- ändert dadurch die Ressourcenallokation des Marktes. Die Anpassungs- kräfte des Marktes verlieren ihre Wirkung und es kommt zu Ungleichge- wichten auf den betroffenen Märkten. Es gibt durchaus Gründe für die Politik die Allokation der Ressourcen im Sinne der Gesamtwohlfahrt zu verändern, diese werden in Kapitel 5 beschrieben. Zusätzlich zu der ge- wollten Ressourcenallokation kommt es jedoch häufig zum sogenannten Spillover-Effekt. Dabei schwappt die Kaufkraft, die durch die Subventio- nierung an einer Stelle frei wird oder nicht verausgabt wird, auf andere Märkte über und verändert dort das Nachfrageniveau. Die Produzenten passen daraufhin das Angebot an, können jedoch nicht unterscheiden, ob die Nachfragesteigerung durch Subventionen oder etwa einen Präfe- renzenwandel der Nachfrager ausgelöst wurde. Wenn dann zu einem spä- teren Zeitpunkt die Subventionen nicht mehr gezahlt werden, kommt es auch in den Wirtschaftsbereichen zu Anpassungskrisen, die nur durch den Spillover-Effekt von den Subventionen betroffen waren. (Kortmann 2004, S. 468)

3.3. Wirkung auf dem Weltmarkt

Subventionen haben also schon auf regional eingegrenzten Märkten ei- nen starken Einfluss auf das Marktgleichgewicht und die Ressourcenallo- kation. Durch die Globalisierung der Wirtschaft ergeben sich mittlerweile jedoch auch überregionale Konsequenzen. So kann die Subventionierung von bestimmten Exportgütern Auswirkungen auf ganze Wirtschafts- zweige in anderen Regionen der Welt haben. Die heimische Produktion in anderen Ländern kann dann mit den subventionierten Importgütern nicht mithalten. Dies führt dazu, dass der Wettbewerbsdruck gesteigert wird und die nicht subventionierten Hersteller nicht mehr konkurrenzfä- hig sind. (Welfens 2005, S. 374)

Die Möglichkeiten das auszugleichen sind dann Zölle oder selbst Sub- ventionen zu vergeben. Jedoch sind beide Möglichkeiten mit weiteren negativen Auswirkungen verbunden (Mause 2018, S. 1265). Ein Beispiel hierfür ist die Produktion von Milcherzeugnissen in Afrika. Durch den Import von günstigem Milchpulver aus Europa wird die Entwicklung ei- ner eigenen Milchindustrie erschwert (Oxfam International 2018, S. 6). Um die negativen Auswirkungen zu begrenzen wurde im Jahr 1947 das „General Agreement on Tariffs and Trade“ (GATT) von 23 Staaten un- terzeichnet. Mittlerweile wurde der GATT-Subventionskodex als Vertrag in die World Trade Organisation (WTO) übernommen. Darin werden Subventionen in verbotene, verfolgbare und nicht verfolgbare Subventio- nen unterschieden.

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Details

Seiten
25
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346048325
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v502612
Institution / Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,1
Schlagworte
subventionen nutzen schaden

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Titel: Subventionen. Nutzen oder Schaden?