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Bernhard von Clairvaux‘ Schrift "De laude novae militiae" als Kreuzzugswerbung. Vergleich mit dem Aufruf Eugens III. von 1145/46

Seminararbeit 2015 14 Seiten

Geschichte Europa - and. Länder - Mittelalter, Frühe Neuzeit

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Über die Quellen
2.1.1 De laude novae militiae
2.1.2 Quantum predecessores
2.2 Vergleich der Quellen
2.2.1 Die Adressaten der Kreuzzugswerbung
2.2.2 Der Umgang mit der Vergangenheit
2.2.3 Schilderung der gegenwärtigen Zustände
2.2.4 Die Bedeutung der Stadt Jerusalem und ihrer Umgebung
2.2.5 Die Rolle der Bibel
2.2.6 Beichte und Ablass

3. Fazit

4. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bernhard von Clairvaux1 wurde von Eugen III.2 für die Predigt des zweiten Kreuzzugs eingesetzt, weil der Papst selbst wegen Turbulenzen in Rom verhindert war3. Alle weiteren Kreuzprediger erhielten ihre Vollmacht von Bernhard4. Bernhards Predigten und Briefe gingen mit den Äußerungen Eugens III. über den zweiten Kreuzzug stets „Hand in Hand“5. Bernhards Schrift an die Tempelritter, De laude novae militiae 6, jedoch wurde bisher nur in Bezug auf den Templerorden interpretiert - das heißt als Ermunterung nach innen und Mitgliederwerbung nach außen7. Ihre Bedeutung für die Entstehung des Templerordens ist in der Forschung unumstritten8. Doch sie enthält auch Elemente der Kreuzzugswerbung.

Deshalb soll im Folgenden untersucht werden, ob diese Schrift inhaltlich und formal nicht nur in den Kontext des Templerordens gehört, sondern ob sie sich auch in die Kreuzzugswerbung für den zweiten Kreuzzug einordnen lässt. Diese Frage soll anhand eines Vergleichs mit dem Kreuzzugsaufruf Eugens III., Quantum predecessores 9, beantwortet werden. Im Zuge dieses Vergleichs sollen zunächst De laude novae militiae und Quantum predecessores quellenkritisch kurz vorgestellt werden. Anschließend soll untersucht werden, welche inhaltlichen und formalen Gesichtspunkte des Kreuzzugsaufrufs Eugens III. sich in Bernhards Schrift an die Tempelritter wiederfinden, damit abschließend beurteilt werden kann, inwieweit es sich bei ihr um Kreuzzugswerbung für den zweiten Kreuzzug handelt.

2. Hauptteil

2.1 Über die Quellen

2.1.1 De laude novae militiae

Bei Bernhard von Clairvaux‘ Schrift Liber ad milites templi de laude novae militiae handelt es sich um einen Brief an die Tempelritter, adressiert an ihren ersten Hochmeister Hugo von Payns10. Der Auslöser waren wiederholte Bitten des Hochmeisters an Bernhard: semel, et secundo, et tertio [...] petisti a me 11. Denn der erwartete Zulauf von Mitgliedern war ausgeblieben. An der Skepsis der Bevölkerung hatte auch die Förderung König Balduins II., der den Templern einen Teil seines Palastes als Unterkunft überlassen hatte, und die Unterstützung zahlreicher anderer Mächtiger12 nichts verändern können.13 Der Zweck von De laude novae militiae war nun die Ermunterung der Tempelritter (exhortationis sermonem 14 ), eine theologische Begründung und Rechtfertigung ihres Daseins nach außen hin und nicht zuletzt die Werbung neuer Mitglieder15.

Die Datierung16 der Schrift lässt sich nicht genau feststellen, jedoch muss sie vor dem Tod Hugos 1136 verfasst worden sein. Da das Konzil von Troyes 1128/30, auf dem die Templerregel unter maßgeblichem Einfluss Bernhards17 abgefasst wurde, nicht erwähnt wird, stellt das Konzil ebenfalls einen Terminus ante quem dar. Die Tempelritter fanden sich erst Anfang der 1120er Jahre zusammen. Folglich dürfte De laude novae militiae auf die Mitte der 1120er Jahre zu datieren sein. Dieser Zeitraum liegt ungefähr zwanzig Jahre vor der Eroberung Edessas durch Zengi von Mosul und damit auch deutlich vor der Hauptursache für den zweiten Kreuzzug. Es ist infolgedessen zu erwarten, dass sich Bernhards Kreuzzugsmotive von denen Eugens III. in Quantum predecessores in dieser Hinsicht unterscheiden.

De laude novae militiae lässt sich in drei große Abschnitte gliedern18. Zuerst behandeln Kapitel eins bis vier die neue Ritterschaft – gemeint sind die Templer- in Abgrenzung zum herkömmlichen Rittertum. Das Rittertum solle mit dem Mönchstum vereint werden. Kapitel fünf bis zehn bilden den zweiten Abschnitt, in dem es um die heiligen Stätten in und um Jerusalem geht. Die Stätten werden als verschiedene Symbole Gottes und des Glaubens beschrieben. Abschließend entfaltet der Autor in Kapitel elf eine Erlösungslehre.

2.1.2 Quantum predecessores

Die Urkunde Quantum predecessores wurde von Papst Eugen III. verfasst. Adressiert ist sie an König Ludwig VII. von Frankreich, die Fürsten und alle Gläubigen Frankreichs. Er fordert darin anlässlich des Falls Edessas zu einem erneuten Kreuzzug auf.

In der Forschung hat man sich schon lange mit der Frage beschäftigt, von wem genau der Aufruf zum zweiten Kreuzzug ausgegangen war. Denn es besteht ein Widerspruch zwischen den literarischen und den diplomatischen Quellen: Odo von Deuil berichtet, dass König Ludwig VII. von Frankreich an Weihnachten 1145 seinen Hoftag in Bourges gefeiert habe. Dort habe er auf die Nachrichtt über den Fall Edessas hin alle aufgefordert, mit ihm zusammen den dortigen Christen zu helfen. Erst danach habe er Boten zum Papst entsandt19. Auch bei Otto von Freising ist zu lesen, dass Ludwig VII. 1145 schon ein occultum Hierusalem eundi desiderium 20 gehabt habe, bevor der Papst zum Kreuzzug aufgerufen habe.

Die Urkunde Quantum predecessores steht nun im Widerspruch zu den genannten literarischen Zeugnissen. Denn der Kreuzzugsaufruf liegt in zwei Ausführungen vor – eine vom 1. Dezember in Vetralla und eine vom 1. März in Trastevere. Dass Letztere 1146 verfasst wurde, ist unstrittig21. Bezüglich der Dezemberurkunde hat Caspar weitgehend sicher bewiesen, dass sie von 1145 stammt22. Auch wenn es bezüglich seiner philologischen Methode in der Forschung noch Bedenken gibt23, ist die Datierung der Dezemberurkunde auf 1145 heute der allgemeine Konsens. Folglich war laut den Urkunden Papst Eugen III. der Urheber des zweiten Kreuzzugs24, laut der Literatur war es König Ludwig VII. von Frankreich.

2.2 Vergleich der Quellen

2.2.1 Die Adressaten der Kreuzzugswerbung

Die Inscriptio von Quantum predecessores besagt, dass neben König Ludwig VII. von Frankreich auch die Fürsten und alle Gläubigen Frankreichs im Allgemeinen adressiert sind: et universis Dei fidelibus per Galliam constitutis 25. Im Laufe des Textes wird jedoch deutlich, dass Papst Eugen III. nicht alle gläubigen Franzosen zu einem Kreuzzug aufruft, sondern eine bestimmte Gruppe von Personen. Er spricht besonders die Reicheren und Adligen an: maxime potentiores et nobiles sollen sich für den Kampf gegen die Ungläubigen rüsten26. Er ermahnt in der Dispositio zwar mittels einer dreiteiligen Klimax (commonemus, rogamus atque precipimus) die Gesamtheit, jedoch spricht er schon zu Beginn der Urkunde in Erinnerung an die Taten der Väter von precipue Francorum regni fortissimi et strenui bellatores. Da diese bellatores als Vorbilder für die Kreuzfahrer dienen sollten, lässt sich schlussfolgern, dass Eugen III. neben den Reichen und Mächtigen vor allem auch die Tapfersten und die Tüchtigen der Franzosen erreichen wollte, damit der Kreuzzug nicht nur finanziert, sondern auch erfolgreich durchgeführt werden konnte.

Aus Bernhard von Clairvaux‘ Schrift De laude novae militiae lässt sich ebenfalls herauslesen, welche Zielgruppe er als Kämpfer – in diesem Fall Tempelritter- für den Nahen Osten bevorzugt. Im Gegensatz zu Eugen III., der vor allem die tapfersten Männer und die Nobilität anspricht (s. o.), hält Bernhard es für am vorteilhaftesten, Verbrecher in den Osten zu schicken27. Die Entfernung von Räubern, Ehebrechern etc. gehe für die Gesellschaft mit zweifachem Vorteil einher: Sie würden den Westen nicht mehr belasten und hülfen dem Osten. Darüber hinaus würden sie von Gegnern (oppugnatores) Christi zu Verteidigern (propugnatores28 ) Christi29. Gemessen an Quantum predecessores entspricht diese Argumentation Bernhards folglich nicht der üblichen Kreuzzugswerbung für den zweiten Kreuzzug, da diese sich an die Reichen und Mächtigen, nicht aber an Verbrecher richtete.

[...]


1 Zu seinem Leben s. G. Binding, Art. Bernhard v. Clairvaux, 1. Leben und Wirken, in: Lex MA Online 1 (1977-1999), Sp. 1992-1994; 6. September 2015.

2 Zu Papst Eugen III. s. W. Maleczek, Art. Eugen III., Papst, in: Lex MA Online 4 (1977-1999), Sp. 78-80; 6. September 2015.

3 Odo von Deuil, La croisade de Louis VII, hg. v. H. Waquet, Paris 1949, S. 21; s. auch Otto von Freising, Gesta Friderici I. imperatoris, in: G. Waltz (Hg.), Ottonis et Rahewini Gesta Friderici I. imperatoris, Hannover 1912 (ND 1978), S. 58.

4 Vgl. E. Caspar, Die Kreuzzugsbullen Eugens III., in: Neues Archiv 45 (1924), S. 285-305, S. 296.

5 Ebd..

6 Bernhard von Clairvaux, Liber ad milites templi de laude novae militiae, in: Sämtliche Werke 1, hg. v. G. B. Winkler, Innsbruck 1990, S. 268-326.

7 Ebd., S. 259.

8 S. hierzu z.B. M. L. Bulst-Thiele, The Influence of St. Bernard of Clairvaux on the Formation of the Order of the Knights Templar, in: M. Gervers (Hg.), The Second Crusade and the Cistercians, New York 1992, S. 57-65.

9 Eugenius III., Quantum predecessores, hg. v. R. Große, in: R. Große, Überlegungen zum Kreuzzugsaufruf Eugens III. von 1145/ 46, in: Francia Forschungen zur westeuropäischen Geschichte 18 (1991), S. 90-92.

10 Zur Geschichte der Tempelritter s. W. Havemann, Die Geschichte der Templer, Leipzig 2007.

11 Bernhard, De laude, Prologus.

12 Vgl. Havemann (2007), S. 14.

13 S. hierzu Winkler (1990), S. 258.

14 Bernhard, De laude, Prologus.

15 Vgl. Winkler (1990), S. 259.

16 Zur Datierung der Schrift s. D. R. Carlson, The practical theology of St. Bernard and the date of the De laude novae militiae, in: Erudition at God’s service, hg. v. J. R. Sommerfeldt, Kalamazoo 1987, S. 133-147.

17 S. hierzu C. Peter, Saint Bernard et la deuxième Croisade, in: M. de Jaeghere (Hg.), La Croix et le Croissant, Issy-les-Moulineaux 1995, S. 113-131, S. 131.

18 Vgl. Winkler (1990), S. 259.

19 Odo von Deuil 1; s. hierzu R. Große, Überlegungen zum Kreuzzugsaufruf Eugens III. von 1145/46, Francia Forschungen zur westeuropäischen Geschichte 18 (1991), S. 85-92.

20 Otto von Freising 1, 35.

21 Vgl. Große (1991), S. 85.

22 S. hierzu Caspar (1924).

23 Z.B. Große (1991), S. 86: Wenn Bernhard von Clairvaux‘ Kanzlei die Märzurkunde wirklich nachträglich verändert habe, sei eine philologische Argumentation nicht möglich, da ja dann ursprünglich beide Urkunden gleich gewesen seien.

24 Über den Einfluss von Quantum predecessores auf den zweiten Kreuzzug s. J. Phillips, The Second Crusade, Yale 2007, Kapitel 3.

25 Im Folgenden nach Eug. III., Q.p..

26 S. hierzu P. Cole, The Preaching of the Crusades to the Holy Land 1095-1207, Cambridge 1991, S. 42.

27 Im Folgenden nach Bernhard, De laude 5,10.

28 Bernhard, De laude 5,10.

29 Zu Bernhards Kreuzzugsmotivation allgemein s. G. B. Winkler O. Cist., Die Kreuzzugsmotivation Bernhards von Clairvaux, in: Mittellateinisches Jahrbuch 34 (1999), S. 51-61, S. 57: Ein Leitmotiv Bernhards sei sein „Bekehrungsoptimismus“, der Triebe nicht zu beseitigen, sondern „durch höhere Ziele zu veredeln“ suche. Der Einsatz von Verbrechern im Nahen Osten ist hier ein Beispiel für diese Einstellung. S. auch J. R. Sommerfeldt, The Bernardine Reform and the Crusading Spirit, in: The Catholic Historical Review 86:4 (2000), S. 567-578, S. 576ff.: Bernhard habe an eine spirituelle Bekehrung des Einzelnen und an dessen wachsende Tugend geglaubt, deren Gelingen sich rückwirkend auf die Gesellschaft auswirke und die von Bernhard beabsichtigte Reform von Kirche und Gesellschaft hervorrufe. Wenn er auch keine Reform bezweckte, so ist sich die Forschung folglich zumindest einig, dass Bernhard an die Besserung des Einzelnen glaubte, was sich in De laude bei den Verbrechern als potenzielle Mitglieder der Tempelritter äußert.

Details

Seiten
14
Jahr
2015
ISBN (eBook)
9783346052315
ISBN (Buch)
9783346052322
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v502907
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Geschichts- und Kunstwissenschaften
Note
1,0
Schlagworte
Bernhard von Clairvaux De laude novae militiae Kreuzug Kreuzzugswerbung Eugen III.

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