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Die Bildungsreise im 18. Jahrhundert. Ein Vergleich der Italienreisen Goethes und Herders

Seminararbeit 2016 16 Seiten

Geschichte - Weltgeschichte - Moderne Geschichte

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Ausgangssituation und Intention
2.1.1 Ausweg aus einer Krisensituation
2.1.2 Äußerliche und innerliche Vorbereitung
2.2 Reisemodalitäten
2.2.1 Der Reiseverlauf
2.2.2 Die Rolle in der Zielgesellschaft
2.3 Wahrnehmungsstrategien und Fremdwahrnehmung
2.3.1 Die Wahrnehmung der Bildungsreisenden im 18. Jahrhundert
2.3.2 Die Wahrnehmung Goethes und Herders während ihrer Italienreisen
2.3.3 Die Begegnung mit der Antike

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis
4.1 Primärliteratur
4.2 Forschungsliteratur

1. Einleitung

Die Bildungsreise entstand im 18. Jahrhundert als Ausläufer der Kavalierstour des 16. und 17. Jahrhunderts.1 Es reiste nicht mehr nur der Adel, sondern auch das Bürgertum. 2 Italien entwickelte sich zu einem noch beliebteren Reiseziel, besonders für deutsche Reisende.3

Auch Johann Wolfgang von Goethe und Johann Gottfried Herder unternahmen 1786 beziehungsweise 1788 eine Reise durch Italien.

Im Folgenden sollen diese beiden Italienreisen zunächst kurz bezüglich ihrer Ausgangslage und der Reisemodalitäten verglichen werden. Anschließend sollen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Fremdwahrnehmung Goethes und Herders unter besonderer Berücksichtigung des Kunstverständnisses und des antiken Erlebens herausgearbeitet werden. Es sei zu Beginn schon auf einen maßgeblichen Unterschied in der Quellengrundlage hingewiesen: Goethe verfasste und veröffentlichte seinen Reisebericht „Italienische Reise“4 mit einer Verzögerung von ungefähr dreißig Jahren. Es handelt sich folglich um ein intendiertes Selbstzeugnis, dessen Ausmaß an nachträglicher Stilisierung zum größten Teil nicht mehr nachvollziehbar ist5.

Dagegen existiert von Herders Italienreise keine ausformulierte Reisebeschreibung. Lediglich Briefe an einige Freunde, seine Kinder und vor allem seine Frau Caroline Herder sowie wenige Tagebuchaufzeichnungen, Notizen und Gedichte6 sind aus dieser Zeit erhalten. Diese Quellenlage erlaubt möglicherweise einen unmittelbareren Zugang zu Herders Erfahrungen als bei Goethe, dennoch muss auch hier mit einer Stilisierung durch den Autor gerechnet werden, je nach Adressat des jeweiligen Briefes7.

Literaturgeschichtlich wurde Goethes Italienreise bereits umfassend erforscht.8 Eine differenzierte wahrnehmungsgeschichtliche Analyse, die bisher nur in Ansätzen vorliegt, stellt noch ein Forschungsdesiderat dar.9 Der Umfang der folgenden Untersuchung lässt die Erfüllung des Desiderats nicht zu, soll jedoch die bestehenden Ansätze10 durch einen Vergleich mit Herders Italienreise fortführen und Perspektiven aufzeigen.

2. Hauptteil

2.1 Ausgangssituation und Intention

2.1.1 Ausweg aus einer Krisensituation

Sowohl für Goethe als auch für Herder bedeutete eine Reise nach Italien, widrigen Umständen in der Ausgangsgesellschaft zu entkommen.

Goethe nahm in seiner langjährigen Funktion als Fürstenerzieher und Minister zunehmend innerlich Abstand zu seinen vielen öffentlichen Pflichten11. Außerdem dürfte das diffuse Verhältnis zu Charlotte von Stein12 dazu beigetragen haben, dass Goethe am 3. September 1786 Karlsbad fluchtartig verließ13.

In der „Italienischen Reise“ tritt dagegen ein anderer Grund für die Reise weitaus stärker hervor. Goethes Sehnsucht nach Italien hatte eine innere Krise ausgelöst, die er nur bewältigen konnte, indem er die Reise antrat: „[...] den Mittelpunkt zu suchen, nach dem mich ein unwiderstehliches Bedürfnis hinzog. Ja die letzten Jahre wurde es eine Art von Krankheit, von der mich nur der Anblick und die Gegenwart heilen konnte“14.

Bei Herder spielte im Gegensatz zu Goethe die Sehnsucht eine untergeordnete Rolle.15 Sie äußerte sich beispielsweise dadurch, dass sich Herder in seinem Leben immer wieder mit der römischen Klassik auseinandersetzte.16 Insgesamt überwogen jedoch die äußeren Umstände bei der Entscheidung zu einer Reise nach Italien. Denn auch Herder war mit öffentlichen – in seinem Fall kirchlichen – Pflichten überhäuft worden, seit er 1776 in Weimar das Amt des Generalsuperintendenten angetreten hatte.17 Des Weiteren hatte er Geldprobleme und stand im Konflikt mit Herzog Carl August, weil dieser seine Reformpläne abgelehnt hatte18. Hinzu kamen die Schicksalsschläge, dass 1788 sein jüngster Sohn Alfred und der Freund Georg Hartmann starben.19 In dieser Situation kam Herder die Einladung Johann Friedrich Hugos von Dalberg „so unvermutet, als ob sie [ihm] vom Himmel zugefallen wäre“20.

Insgesamt entzogen sich sowohl Goethe als auch Herder einer krisenhaften Lebenslage, wobei das Moment der Sehnsucht bei Goethe stärker als bei Herder ausgeprägt war.

2.1.2 Äußerliche und innerliche Vorbereitung

Die äußerliche und innerliche Vorbereitung auf die Reise erfolgte bei den beiden Künstlern weitestgehend unterschiedlich.

Herder definierte das Ziel seiner Reise im Voraus nicht: „Wozu ich reise? wird die Zeit selbst negativ oder positiv zeigen: ich lasse ihr gern ihren Lauf und will den guten Göttern nicht vorgreifen; ich hoffe aber das Letzte“21. Herder unterwarf sich folglich einer schicksalsartigen Macht („den guten Göttern“), anstatt sich selbst Ziele zu setzen.

Dagegen war sich Goethe im Vorfeld seiner Reise im Klaren, welches Ziel er verfolgen würde: „Ich mache diese wunderbare Reise nicht, um mich selbst zu betrügen, sondern um mich an den Gegenständen kennenzulernen“22. Hier zeigt sich bereits Goethes „Subjektivismus“23, im Zuge dessen er durch Fremderfahrung (die „Gegenstände“) Selbsterfahrung zu erleben intendierte.24

Doch Goethe stimmte sich nicht nur mental auf seine Reise ein, er plante auch die Modalitäten wie zum Beispiel ein Inkognito25 eigenverantwortlich und detailliert im Voraus26, während Herders Planungen auch im Bezug auf die Modalitäten von „Fremdbestimmung“27 beherrscht waren. Erst im Nachhinein gestand er, dass er auf seiner Italienreise andere Ziele und Schwerpunkte gesetzt hätte, wenn es in seiner Möglichkeit gestanden hätte28.

Insgesamt wies Goethes Vorbereitung auf die Italienreise ein hohes Maß an selbstbestimmter Vorausplanung und Vorfreude auf, Herders dagegen Passivität und Fremdbestimmung.

2.2 Reisemodalitäten

2.2.1 Der Reiseverlauf

Nach Goethes Flucht aus Karlsbad scheint zunächst vielmehr Rom das Objekt der Sehnsucht gewesen zu sein als ganz Italien: „Die Begierde, nach Rom zu kommen, war so groß, wuchs so sehr mit jedem Augenblicke, daß kein Bleibens mehr war“29. Er wollte so schnell wie möglich seine „Hauptstadt der Welt“30 erreichen und verweilte in anderen Städten nur so lange wie nötig. In Rom konnte er sich schließlich seine Sehnsucht erfüllen: „Alle Träume meiner Jugend seh ich nun lebendig“31.

Für Herder wurde die Reise gleich zu Beginn unangenehm. Denn Dalberg reiste in Begleitung seiner Mätresse Sophie von Seckendorff, die die Reisekasse durch ihre luxuriöse Lebensweise ausschöpfte und sich zudem Besichtigungen in den Weg stellte.32

Goethe und Herder hielten sich nach ihrer Ankunft in Rom dort zunächst mehrere Wochen auf, bevor sie nach Süden weiterreisten, um unter anderem Neapel zu besichtigen. Anschließend folgte für beide erneut ein längerer Aufenthalt in Rom und auf der Rückreise weitere Besichtigungen. Insgesamt war Goethe ungefähr 21 und Herder ungefähr 12 Monate auf Reisen.

2.2.2 Die Rolle in der Zielgesellschaft

Goethe und Herder waren beide vor ihrer Italienreise deutschlandweit bekannt. Bei Herder wusste die Öffentlichkeit bereits vor dem Beginn der Reise von der Planung und spekulierte über den Abreisetag. Beispielsweise konnte Goethe auf seiner Rückreise aus Italien fälschlicherweise in der Zeitung lesen, dass Herder schon aufgebrochen sei33.

Diese öffentliche Präsenz – vor allem auch aufgrund seiner kirchlichen Würden - behielt Herder während der gesamten Italienreise und sie wurde ihm schon bald zur Last: „Meine Zelebrität fängt mir an, so gar in Nürnberg beschwerlich zu werden“34. Zumal er der Begleiter eines Adligen war, geriet Herder in einen „Repräsentationszwang“35, dem er aufgrund seiner monetären Probleme nur schwer beikommen konnte.36

Um diesem Druck in der Zielgesellschaft zu entkommen, kleidete sich Herder mitunter wie ein Bürger: „Noch muß ich Dir sagen, daß ich seit Inspruck einen Zopf u. graue seidne Strümpfe trage, um nur mein geistl. Ansehen zu dämpfen“37.

Im Gegensatz zu Herder hatte Goethe durch seine Vorausplanung die notwendigen Vorkehrungen getroffen, damit er sich in der Zielgesellschaft frei bewegen konnte. Zu diesen Maßnahmen gehörte vor allem das Inkognito Philipp Möller38, das ihm erlaubte, sich unter das einfache Volk zu mischen: „Mir erscheinen die Italiener als eine recht gute Nation: man muß nur die Kinder und die gemeinen Leute sehen, wie ich sie jetzt sehe und sehen kann, da ich ihnen immer ausgesetzt bin und mich ihnen immer aussetze“39. Die passende Kleidung war bei ihm eher unwichtig40.

In Rom wohnte Goethe am Corso bei dem Maler Tischbein, der dort selbst zur Untermiete wohnte, unter deutschen Künstlern41. Insgesamt gelang es Goethe folglich, in Italien eine völlig andere Rolle in der Gesellschaft einzunehmen als in Weimar.

Herder wusste, wie Goethe in Rom gelebt hatte, und verabscheute diese Lebensweise: „G[oethe] hat gut reden; alle seine Ratschläge in Ansehung Roms taugen nicht; er hat wie ein Künstlerbursche hier gelebet“42. Herder nahm sich in Rom eine eigene kleine Wohnung, um Sophie von Seckendorff zu entkommen.43 Als schließlich Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach mit ihrer Reisegesellschaft in Rom ankam44, unterschied sich Herders Rolle in der Zielgesellschaft endgültig kaum mehr von seiner Rolle vor der Abreise,da er nun sogar Umgang mit denselben Personen hatte.

[...]


1 Zur Entwicklung von Kavalierstour, Grand Tour und Bildungsreise s. Leibetseder, Mathis: Kavalierstour – Bildungsreise – Grand Tour: Reisen, Bildung und Wissenserwerb in der Frühen Neuzeit, in: Europäische Geschichte Online (EGO), Mainz 2013 [URL: http://www.ieg-ego.eu/leibetsederm-2013-de, aufgerufen am 04. 03. 2016].

2 Vgl. ebd..

3 Vgl. ebd...

4 Goethe, Johann Wolfgang von: Italienische Reise, hrsg. v. Alfred Kuhn, München 2000 [Unveränderter Nachdruck der Erstausgabe von 1925].

5 Vgl. Niggl, Günter: Der Zusammenhang von Fremd- und Selbsterfahrung in Goethes ,Italienischer Reise', in: Iwasaki, Eijiro (Hrsg.): Begegnung mit dem ,Fremden'. Grenzen – Traditionen – Vergleiche, München 1991 (= Akten den VIII. internationalen Germanisten-Kongresses Tokyo 1990, Bd. 7), S. 173-179, S. 173.

6 Herder, Johann Gottfried: I talienische Reise. Briefe und Tagebuchaufzeichnungen 1788-1789, München 22003; zitiert als BT. In einem Brief an Caroline schreibt Herder: „[...] verzeih, daß ich Dir so manche Kleinigkeit beinah Stundenzählend schreibe. Wenn Dirs nicht hilft, so hilft es mir; u. wird mir, statt eines Journals der Reise Erinnerung werden“ (Herder an Caroline, 25. August 1788, BT, S. 70); Für Herder stand demzufolge bereits während der Reise fest, dass es aus seiner Hand keinen nachträglichen Reisebericht geben würde. Eine Theorie über die Ursache dieser Entscheidung findet sich bei Buntfuß, Markus: Von Rom kuriert – in Neapel genesen. Herders andere Italienreise, in: Wallraff, Martin/Matheus, Michael/Lauster, Jörg (Hrsg.): Rombilder im deutschsprachigen Protestantismus. Begegnungen mit der Stadt im „langen 19. Jahrhundert“, Tübingen 2011, S. 87-100, S. 91: Der Druck, mit Goethe verglichen zu werden, sei zu groß gewesen, weshalb Herder detaillierte Reiseerlebnisse meist nur in den Briefen an seine Kinder verborgen habe.

7 Vgl. Meier, Albert/Hollmer, Heide: Nachwort, in: Herder, Johann Gottfried: Italienische Reise. Briefe und Tagebuchaufzeichnungen 1788-1789, München 22003, S. 623-645, S. 642f..

8 S. hierzu Krellner, Ulrich: Fremderfahrung im Kontrast. Goethes und Herders Italienreisen, in: Peitsch, Helmut (Hrsg.): Reisen um 1800, München 2012 (=Kulturwissenschaft(en) als interdisziplinäres Projekt, Bd. 5), S. 125-138, S. 125.

9 Vgl. ebd...

10 Hierzu zählen beispielsweise Krellner, Fremderfahrung; Göres, Jörn: Goethes Bewältigung des Fremden zur Zeit der Weimarer Klassik, in: Iwasaki, Eijiro (Hrsg.): Begegnung mit dem ,Fremden'. Grenzen – Traditionen – Vergleiche, München 1991 (= Akten den VIII. internationalen Germanisten-Kongresses Tokyo 1990, Bd. 7), S. 153-159; Buntfuß, Von Rom kuriert; Kroll, Thomas: Herder in Italien: Politische Formen der Wahrnehmung Italiens am Ende des 18. Jahrhunderts, in: Kofler, Peter/Ders./Seifert, Siegfried (Hrsg.): Herzogin Anna Amalia von Sachsen-Weimar-Eisenach und die Italien-Beziehungen im klassischen Weimar, Bozen 2010, S. 139-152.

11 Vgl. Krellner, Fremderfahrung, S. 127.

12 S. hierzu Zapperi, Roberto: Das Inkognito. Goethes ganz andere Existenz in Rom, München 1999 (unveränderter Nachdruck 2002), S. 14-20; die vielen Verwaltungsaufgaben und das diffuse Verhältnis zu Charlotte von Stein werden in der Forschung tendenziell als die Hauptgründe für Goethes Abreise angeführt (Vgl. z.B. Krellner, Fremderfahrung, S. 127 oder Zapperi, Inkognito, S. 8-20).

13 „Früh drei Uhr stahl ich mich aus Karlsbad, weil man mich sonst nicht fortgelassen hätte“ (Goethe, Italienische Reise, S. 9); in Karlsbad war wenige Tage zuvor Goethes 37. Geburtstag gefeiert worden (vgl.ebd.).

14 Goethe, Italienische Reise, S. 134; außerdem „Die Begierde, dieses Land zu sehen, war überreif“ (ebd.); die Italiensehnsucht wird für gewöhnlich auf die Italienreise seines Vaters Johann Caspar Goethe zurückgeführt, der sie durch Schwärmerei und Souvenirs in Goethes Kindheit geschürt haben soll (vgl. z.B. Niggl, Fremd- und Selbsterfahrung, S. 174); dafür spricht zum Beispiel Goethe, Italienische Reise, S. 134f..

15 Laut Kroll, Politische Formen, S. 140 ist zu bezweifeln, ob sie überhaupt vorhanden war.

16 Vgl. z.B. Herder an Gottfried Herder, 28. Oktober 1788, BT, S. 190.

17 Vgl. Krellner, Fremderfahrung, S. 127f..

18 S. hierzu Kroll, Politische Formen, S. 142f.: Bei den Reformplänen habe es sich um eine Akademie gehandelt, die von allen deutschen Fürstenhäusern unterstützt werden sollte, die auf die Verbreitung der Lehren der Aufklärung abzielen und die als eine Art Kontrollorgan der Politik fungieren sollte.

19 Vgl. Buntfuß, Von Rom kuriert, S. 88.

20 Herder an Herzog Carl August, 26. April 1788, BT, S. 7; die Einladung war für Herder zusätzlich besonders vielversprechend, weil Dalberg die Reise bezahlen wollte und außerdem Herders kulturelles Interesse teilte (vgl. Meier/Hollmer, Nachwort, S. 626).

21 Herder an Heyne, 22. Juni 1788, BT, S. 12; s. hierz Krellner, Fremderfahrung, S. 131.

22 Goethe, Italienische Reise, S. 47.

23 Aurnhammer, Achim: Goethes „Italienische Reise“ im Kontext der deutschen Italienriesen, in: Goethe- Jahrbuch 120 (2003), S. 72-86, S. 76.

24 Vgl. Niggl, Fremd- und Selbsterfahrung, S. 174-176; hierauf soll unten näher eingegangen werden.

25 S. hierzu Zapperi, Inkognito.

26 Vgl. Krellner, Fremderfahrung, S. 128f..

27 Ebd., S. 130; gemeint ist die Fremdbestimmung durch Dalberg.

28 Vgl. Herder an Ludwig Wilhelm Meyer, 7. Dezember 1789, BT, S. 546.

29 Goethe, Italienische Reise, S. 134; s. hierzu Boyle, Nicholas: Eine Stunde in Paestum: Goethes Begegnung mit der Antike 1787, in: Iwasaki, Eijiro (Hrsg.): Begegnung mit dem ,Fremden'. Grenzen – Traditionen – Vergleiche, München 1991 (= Akten den VIII. internationalen Germanisten-Kongresses Tokyo 1990, Bd. 7), S. 180-190, S. 182.

30 Ebd.

31 Goethe, Italienische Reise, S. 134.

32 Vgl. Herder an Caroline, 1. September 1788, BT, S. 75: „[...] daß ich […] den Schmerz unterdrücke, daß alle die schönen Ideen, mit dem guten, wirklich guten Dalberg zu reisen, so gut als ein leerer Traum gewesen. Durch die S. ist ein Tropfe in den Teig gegossen, der keine Vereinigung möglich macht, sondern sie vielmehr verhindern soll; als worauf sie es vom ersten Abende angelegt hat“; s. hierzu Buntfuß, Von Rom kuriert, S. 89f.; s. außerdem Krellner, Fremderfahrung, S. 131f.; Sophie von Seckendorff ist jedoch nicht alleinverantwortlich für das Scheitern von Herders Italienreise, sondern maßgeblich seine Wahrnehmung, die wiederum entscheidend durch Goethe geprägt worden war (vgl. Meier/Hollmer, Nachwort, S. 626; s. auch Shimada, Pendant, S. 43).

33 „Gestern Abend lese ich in der Vaterlandschronik, du seiest wirklich mit Dalbergen verreist“ (Goethe an Herder, 5. Juni 1788, BT, S. 10); s. hierzu Krellner, Fremderfahrung, S. 130; in diesem Brief gibt Goethe Herder zusätzlich Ratschläge, was Herder in Italien tun solle, wie zum Beispiel einen bestimmten Antiquar oder einen bestimmten Maler aufzusuchen (Vgl. Goethe an Herder, 5. Juni 1788, BT, S. 10).

34 Herder an Caroline, 19. August 1788, BT, S. 59.

35 Krellner, Fremderfahrung, S. 132; der Umgang mit Herzogin Anna Amalia in Rom dürfte diesen Zwang ebenfalls nicht reduziert haben.

36 Vgl. ebd.; Herder ärgerte sich beispielsweise über Goethes Ratschlag, seinen schwarzen Rock zuhause zu lassen, denn nun müsse er sich einen neuen anfertigen lassen (vgl. Herder an Caroline, 11. Oktober 1788, BT, S. 156).

37 Herder an Caroline, 19. August 1788, BT, S. 104.

38 S. hierzu Zapperi, Inkognito; Goethes Werk „Die Leiden des jungen Werthers“ war seit seiner Erstveröffentlichung 1774 in ganz Europa so erfolgreich wie kontrovers diskutiert und teilweise – zum Beispiel durch die Kirche - sogar verboten worden - aus diesem Grund war es ebenfalls sinnvoll, unter einem Decknamen zu reisen (vgl. ebd., S. 71).

39 Goethe, Italienische Reise, S. 61; hier zeigt sich bereits Goethes Offenheit und Neugier gegenüber dem Fremden (vgl. Göres, Bewältigung, S. 154), auf die unten näher eingegangen werden soll.

40 Goethe reiste, „nur einen Mantelsack und Dachsranzen aufpackend“ (Goethe, Italienische Reise, S. 9) in einer Postkutsche (vgl. ebd.); s. hierzuKrellner, Fremderfahrung, S. 132.

41 Vgl. Zapperi, Roberto: Römische Spuren. Goethe und sein Italien, München 2007, S. 53.

42 Herder an Caroline, 11. Oktober 1788, BT, S. 156; diese Abneigung äußert sich außerdem in Folgenden Aussagen: „Wie Göthe hier gelebt hat, habe ich Dir schon geschrieben, kann, mag u. will ich nicht leben“ (Herder an Caroline, 4.[/8.] November 1788, BT, S. 209); „Auch von Göthes Gesellen habe ich eigentlich wenig: es sind junge Maler, mit denen am Ende doch nicht viel zu tun ist, geschweige daß ich mit ihnen Jahrelang leben sollte“ (Herder an Caroline, 8. November 1788, BT, S. 212): hier wird deutlich, dass Herder Goethes Mitbewohner kennengelernt und wohl ein Leben wie Goethe in Rom durchaus in Betracht gezogen hatte.

43 Vgl. Herder an Caroline, 11. Oktober 1788, BT, S. 155.

44 Vgl. Herder an Herzogin Luise, 28. Oktober 1788, BT, S. 196.

Details

Seiten
16
Jahr
2016
ISBN (eBook)
9783346050519
ISBN (Buch)
9783346050526
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v502912
Institution / Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München – Geschichts- und Kunstwissenschaften
Note
1,7
Schlagworte
Goethe Herder Italienreise Bildungsreise Grand Tour

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Titel: Die Bildungsreise im 18. Jahrhundert. Ein Vergleich der Italienreisen Goethes und Herders