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Ist das Bevölkerungswachstum einer Großstadt die Hauptursache für deren Mietpreisanstieg?

Hausarbeit 2019 46 Seiten

Geowissenschaften / Geographie - Bevölkerungsgeographie, Stadt- u. Raumplanung

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Aufgabenstellung
1.2. Ziel der Arbeit und Gang der Untersuchung

2. Grundlagen zum Thema Mietpreisentwicklung am deutschen Wohnimmobilienmarkt
2.1. Die Bevölkerungsentwicklung in den deutschen Großstädten
2.1.1. Aktuelle Entwicklung der Bevölkerungszahl
2.1.2. Veränderung in der Altersstruktur
2.1.3. Veränderung in der Haushaltsstruktur
2.2. Aktuelle Baugenehmigungen und Fertigstellungszahlen von Wohnungsneubauten
2.2.1. Baugenehmigungszahlen im Wohnungsneubau
2.2.2. Fertigstellungszahlen von Wohnungsneubauten
2.3 Die Mietpreisbildung auf dem Wohnimmobilienmarkt
2.3.1. Zusammensetzung des Mietpreises
2.3.2. Mietpreisbildung
2.3.3. Mietspiegel
2.3.4. Mietpreisbremse

3. Die Mietpreisentwicklung der Großstädte Deutschlands
3.1. Das Mietpreisniveau und dessen Entwicklung innerhalb der Großstädte
3.2. Die Entwicklung der Mietpreise in den 10 teuersten Großstädten

4. Schlussbetrachtung
4.1. Zusammenfassung
4.2. Fazit
4.3. Ausblick

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

Anhang
Anlage 1: Entwicklung der Bevölkerungszahl in den 80 deutschen Großstädten
Anlage 2: Entwicklung der Mietpreise von Wohnungen (alle Baujahre) in den 80 deutschen Großstädten

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Durchschnittsalter der Bevölkerung im Jahr 2016 Seite

Abbildung 2: Baugenehmigungen von Wohnungen in Deutschland im Zeitvergleich Seite

Abbildung 3: Fertigstellungen von Wohnungen in Deutschland im Zeitvergleich Seite

Abbildung 4: Baugenehmigungen und Fertigstellungen von Wohnungen in Deutschland im Zeitvergleich Seite

Abbildung 5: Berliner Mietspiegeltabelle 2017 Seite

Abbildung 6: Deutschlands Wohnungsmietpreise im Jahr 2018 in €/m² (Angebotsmieten nettokalt) Seite

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Anzahl und prozentualer Anteil der Haushalte im Jahr 2010, und 2017

Tabelle 2: Entwicklung der Mietpreise von Wohnungen in den 10 teuersten Großstädten Deutschlands

Tabelle 3: Entwicklung und prozentuale Veränderung der Bevölkerungszahlen in den 80 Großstädten Deutschlands von 2010 bis 2017

Tabelle 4: Entwicklung und prozentuale Veränderung der Mietpreise von Wohngebäuden in den 80 Großstädten Deutschlands von 2017 bis 2018

1. Einleitung

1.1. Aufgabenstellung

Die vorliegende Arbeit befasst sich mit dem Thema Bevölkerungsentwicklung in Verbin- dung mit dem Mietpreisanstieg von Wohnimmobilien und der dazugehörigen For- schungsfrage „Ist das Bevölkerungswachstum einer Großstadt die Hauptursache für de- ren Mietpreisanstieg (Wohnen)?“. Der Autor hat dieses Thema gewählt, da die Bevölke- rungsentwicklung einen maßgeblichen Einfluss auf die vergangene und künftige Ent- wicklung der Mietpreise im Segment Wohnimmobilien besitzt und dadurch nicht mehr nur in den deutschen Großstädten die Wohnungsnot eine Herausforderung darstellt. Das aktuelle Problem des Wohnungsdefizites innerhalb der Großstädte, der Bevölkerungs- zuwachs, das Zinstief sowie die Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft bleiben maß- geblicher Treiber für die hohe Preis- und Nachfragedynamik. Inwiefern diese Faktoren auf die Bevölkerungsentwicklung sowie den Mietpreis von Wohnimmobilien innerhalb der Großstädte einwirken, wird in der Arbeit untersucht.

1.2. Ziel der Arbeit und Gang der Untersuchung

Ziel dieser wissenschaftlichen Arbeit ist es herauszufinden, ob das Bevölkerungswachs- tum der deutschen Großstädte die Hauptursache für dessen Mietpreisanstieg im Seg- ment Wohnimmobilien ist. Ferner ist zu analysieren, welche weiteren Faktoren das An- steigen der Mietpreise beeinflusst.

Zum Beginn der Arbeit wird im Theorieteil die künftige Bevölkerungsentwicklung Deutschlands genauer betrachtet. Dabei wird konkret auf die Entwicklung der Bevölke- rungszahl in den Großstädten eingegangen, sowie dessen Wandel in der Alters- und Haushaltsstruktur. Anschließend werden im Kapitel 2.2. die aktuellen Baugenehmigun- gen und Fertigstellungszahlen von Wohnungsneubauten genauer beziffert und zur bild- lichen Veranschaulichung gegenübergestellt. Der darauffolgende Abschnitt befasst sich mit der Mietpreisbildung auf dem Wohnimmobilienmarkt. Darin wird u. a. erklärt, wie sich ein Mietpreis überhaupt zusammensetzt, wie dieser zustande kommt und welche Rolle der Mietspiegel dabei einnimmt. Ferner wird dem Leser zu dieser Thematik näherge- bracht, was die Mietpreisbremse ist und wie diese funktioniert.

Im darauffolgenden Kapitel 3.1. wird das Mietpreisniveau sowie dessen Entwicklung in- nerhalb der Großstädte beziffert und erläutert. Des Weiteren wird der deutsche Woh- nungsmarkt einer grafischen regionalen Analyse unterzogen. Im Kapitel 3.2. wird an- schließend nochmals detaillierter auf die Entwicklung der Mietpreise der zehn teuersten Großstädte Deutschland eingegangen. Hier werden die genauen Mietpreise der vergan- genen zehn Jahre grafisch dargestellt und dem Leser nähergebracht. Die Arbeit schließt mit einer Schlussbetrachtung, gegliedert aus einer Zusammenfassung, einem Fazit so- wie einem Ausblick, ab.

Zum Beginn der Recherche hat sich der Autor im World Wide Web über diverse Artikel und Bücher der vergangenen Jahre einen ersten Eindruck von der Thematik verschafft. Es wurden div. Quellen verwendet, um eine sinnvolle Gliederung aufzustellen und die theoretischen Grundlagen zu verfassen. Darauffolgend wurde die Themensuche, pas- send zu den Gliederpunkten, eingegrenzt und optimiert. Durch die Aktualität des Themas gibt es nur wenig Buchquellen zur Verfassung des Hauptteils. Aufgrund dessen wurden umfangreiche Online-, Zeitungs- und Zeitschriftenartikel herangezogen. Des Weiteren wurden viele Publikationen, Studien sowie wissenschaftliche Texte vom Statistischen Bundesamt und dem Institut der deutschen Wirtschaft verwendet.

Bei der Suche wurden häufig Schlagwörter wie ‚Bevölkerungsentwicklung‘, ‚Mietpreis- entwicklung innerhalb der Großstädte‘ und ‚Wohnimmobilienmarkt‘ genutzt.

Zur Verbesserung der Lesbarkeit werden die Mietpreise von Wohnimmobilien, falls nicht anders erläutert, als Durchschnittswerte angegeben. Bei der Analyse und Bewertung ging der Autor von aktuellen Marktbedingungen aus.

2. Grundlagen zum Thema Mietpreisentwicklung am deut- schen Wohnimmobilienmarkt

2.1. Die Bevölkerungsentwicklung in den deutschen Großstädten

Die Bevölkerungsentwicklung in Deutschland hat einen signifikanten Einfluss auf die Höhe der Mietpreise von Wohnimmobilien. Um herauszufinden, wie und in welchem Maße die Bevölkerung die Mieten in den Großstädten beeinflusst, wird in den nachfol- genden drei Kapiteln die vergangene und künftige Entwicklung der Bevölkerungszahl, dessen Alters- und Haushaltsstrukturen genauer untersucht.

2.1.1. Aktuelle Entwicklung der Bevölkerungszahl

Anders als früher angenommen, wird die Einwohnerzahl Deutschlands auf Grundlage der, im Jahre 2015, hohen Zuwanderung nicht mehr schrumpfen, sondern lt. einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) bis zum Jahre 2035 auf über 83 Mio. Men- schen anwachsen.1 Das wären ggü. dem Jahr 2015 rd. 1,2 Mio. Einwohner mehr.2

„Das Bevölkerungswachstum verteilt sich jedoch nicht gleichmäßig auf alle Regionen in Deutschland.“3 So werden nämlich vor allem die Großstädte und Ballungszentren wei- terhin von der Zuwanderung profitieren. Es ist jedoch zu beobachten, dass die Städte aufgrund der großen Wohnraumnachfrage immer voller werden und die Miet- und Kauf- preise immer weiter ansteigen, wodurch sich insb. die Haushalte mit einem geringeren Einkommen gar keine Wohnung bzw. kein Haus mehr in der Großstadt leisten können.4

Während es Singles, Pendler, Studenten und Auszubildende weiterhin in die Stadtzen- tren zieht, entwickelt sich bei Familien, Senioren, Geringverdienern und Mehrpersonen- haushalten der Trend „zurück aufs Land“. So ist bspw. bereits seit längerem bekannt, dass das nahe Umland als Wohnstandort von München und Stuttgart genauso begehrt ist, wie die Stadt selbst.5 So sind die Vergleichsmieten von Karlsfeld, einem Vorort von München, mittlerweile höher als in der bayrischen Landeshauptstadt selbst und dem- nach liegt Karlsfeld nun auf dem 1. Platz der Liste mit den teuersten Vergleichsmieten.6

Dies lässt sich des Weiteren damit begründen, dass in Verbindung mit der hohen Bevöl- kerungsdichte zu wenig neuer Wohnraum im Verhältnis zum Wohnungsbedarf entsteht.7

„Hier zeigen sich die Folgen der höheren Nachfrage in den Umlandgemeinden der Groß- städte, da die Zentren die Nachfrage nach Wohnraum nicht mehr bedienen können und die Nachfrage deshalb in das Umland überschwappt.“8

In den letzten Jahren hat der Bevölkerungsanstieg der deutschen Großstädte historische Dimensionen angenommen, hingegen in den ländlich geprägten Räumen die Einwoh- nerzahl weiter abnahm.9 Um aufzeigen zu können, wie sich seit 2010 bis 2017 die Be- völkerungszahl in den insgesamt 80 deutschen Großstädten verändert hat, wurden um- fangreiche Statistiken des Statistischen Bundesamtes zur Auswertung herangezogen.10

Das Ergebnis zeigt, dass 62 Großstädte ein Bevölkerungswachstum erzielten, hingegen 18 Großstädte ein Bevölkerungsdefizit verzeichneten. Unter den 18 verlustreichen Städ- ten befanden sich u. a. Aachen, Bochum, Krefeld, Herne, Würzburg, Mannheim und Recklinghausen, welche Einbußen zwischen 5.000 und 12.400 Einwohner hinnehmen mussten.11 Unterm Strich haben die Großstädte zwischen 2010 und 2017 zusammen um 918.120 Einwohner (+3,5%) zugelegt.12 Die 10 Großstädte mit der höchsten Zuwan- derung machen davon alleine 617.803 Einwohner aus, d. h. rd. 67,3% der gesamten Zuwanderung in die 80 Großstädte werden von gerade mal 10 Großstädten getragen. Der Spitzenreiter Berlin verzeichnete zwischen 2010 und 2017 ein Bevölkerungswachs- tum i. H. v. 152.770 Einwohnern, was 16,6% am Gesamtwachstum der Großstädte aus- macht, gefolgt von München (+11,2%), Köln (+8,0%), Frankfurt am Main (+7,3%), Leipzig (+6,4%), Hamburg (+4,8%), Münster (+3,7%), Düsseldorf (+3,1%), Augsburg (+3,1%) und Dresden (+3,1%).13

„Die Wanderungsstatistik zeigt, dass dieses Wachstum von zwei Gruppen getragen wird: Der Zuwanderung aus dem Ausland, und dem Zuzug junger Bevölkerungsgruppen aus dem Inland.“14 So waren 20% der Zuzüge im Jahr 2012-2017 von Asylsuchenden ge- prägt.15 Die seit Jahren anhaltende Zuwanderung durch bspw. die Euro-Krisenflüchtlinge aus Spanien, Griechenland und Portugal, arbeitssuchende Osteuropäer oder Asylsu- chende aus Syrien und Afghanistan, haben dafür gesorgt, dass die Bevölkerung seit 2012 flächendeckend steigt.16 Im Saldo kamen von 2010 bis 2017 jährlich rd. 149.000 Einwohner nach Deutschland,17 wovon rd. 88% in die Großstädte gezogen sind.18 Aktuell leben in Deutschland 83,0 Menschen (31.12.2018)19 und lt. des IW soll diese Zahl bis 2035 auf 83,1 Mio. Einwohner ansteigen.20 Grundsätzlich ist jedoch zu beachten, dass Deutschland ohne die Zuwanderung aus dem Ausland schrumpfen würde, da die Ster- befälle seit dem Jahr 1972 die Geburten übersteigen.21

2.1.2. Veränderung in der Altersstruktur

Durch den Zuzug von jungen Menschen aus dem Inland und der Zuwanderung aus dem Ausland, steigt nicht nur die Bevölkerungszahl der Großstädte, sondern auch die Alters- struktur wird dadurch maßgeblich beeinflusst. So profitieren vor allem die Großstädte von dem Zuzug junger Bevölkerungsgruppen, wodurch das Durchschnittsalter zum 31.12.2016 rd. 42,4 Jahre beträgt.22 In den ländlichen Kreisen steigt das durchschnittli- che Alter um 2,8 Jahre auf 45,2 Jahre.23 Zum Vergleich: 2010 lag das Durchschnittsalter noch bei 41 Jahren.24

Insb. im Speckgürtel von Metropol- und Großstadtregionen leben viele Familien mit Kin- dern und im Zentrum der Städte wohnen zahlreiche Singles, Pendler, Studenten, Aus- zubildende, Berufseinsteiger usw., wodurch das Durchschnittsalter in diesen Gebieten niedriger ausfällt.25 Die strukturschwachen und ländlichen Räume sind hingegen für junge Menschen häufig unattraktiv.26 Folglich verlässt ein Großteil junger Menschen die ländlichen Gebiete und damit einhergehen verleiben weniger Kinder und ein ansteigen- der Anteil älterer Personen.27

„Jedoch ist der hohe Seniorenanteil nicht nur auf den Fortzug junger Menschen, sondern auch auf den Zuzug älterer Menschen zurückzuführen.“28 Denn es gibt auch Regionen, welche besonders seniorenfreundliche Angebote und eine gute Infrastruktur mit ärztli- cher- und allgemeiner Nahversorgung anbieten, wie bspw. der bayrische Landkreis Gar- misch-Partenkirchen, welcher als besonders attraktiver Wohnort für Rentner bekannt ist.29

Des Weiteren ist bereits seit längerem bekannt, dass die klassische Pyramidenform, bei der viele Kinder geboren werden und eine dauerhaft hohe Sterblichkeit über alle Alters- stufen hinweg herrscht, in Deutschland kontinuierlich abweicht.30 Aktuell zeichnet sich der Altersaufbau der Bevölkerung durch weniger jüngere und ältere Altersgruppen aus, während die mittlere Altersklasse am stärksten vertreten ist.31 Dies wird auch durch das aktuelle Durchschnittsalter von 44 Jahren bestätigt.32

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Durchschnittsalter der Bevölkerung im Jahr 201633

2.1.3. Veränderung in der Haushaltsstruktur

Neben der ansteigenden Bevölkerungszahl und der sich wandelnden Altersstruktur, verändert sich zudem ein weiterer Faktor, welcher maßgeblich den zukünftigen Woh- nungsbedarf bestimmt: die Haushaltsstrukturen. So hat sich in der Vergangenheit ge- zeigt, dass die Anzahl der Privathaushalte immer weiter anstieg, wohingegen die Haus- haltsgröße immer kleiner wurde. Gab es 2010 noch rd. 40,3 Mio. Haushalte mit einer durchschnittlichen Größe von 2,0 Personen, sind es aktuell zum 31.12.2017 bereits 41,3 Mio. mit durchschnittlich 1,99 Personen.34

Bereits heute leben rd. 42% in Ein-, 34% in Zwei-, 12% in Drei- und 12,7% in Vier- oder Mehrpersonenhaushalten.35 Demnach stellen die Singlehaushalte die größte Gruppe dar. Lt. der Haushaltsvorausberechnung des Statistischen Bundesamtes wird die Zahl der Privathaushalte auch in Zukunft weiter ansteigen, hingegen parallel dazu die Haus- haltsgröße abnehmen wird. So sollen bis 2035 bereits 43,2 Mio. Haushalte mit einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von 1,9 Personen in Deutschland leben.36

Hauptfaktoren für diese Entwicklung sind zum einen die zunehmende Lebenserwartung sowie die sich kontinuierlich verbessernde Lebensqualität.37 Dadurch wird es auch Se- nioren ermöglicht, eigenständig in Ein- oder Zweipersonenhaushalten zu leben. Ein wei- terer Faktor ist die gestiegene Flexibilität und Mobilität im beruflichen Alltag.38 Ebenso trägt die Zunahme von Partnerschaften mit separater Haushaltsführung, späterer Ehe- schließungen und Familiengründung, mit der daraus resultierenden geringeren Gebur- tenrate, zu tendenziell kleiner werdenden Haushalten bei. Denn je später eine Frau Kin- der gebärt, desto kürzer wird auch die biologische Zeitspanne für weitere Nachkom- men.39

Tabelle 1: Anzahl und prozentualer Anteil der Haushalte im Jahr 2010, 2015 und 2017

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: In Anlehnung an: Statistisches Bundesamt (Destatis) (Hrsg.) (2019): Haushalte und Familien – Privathaushalte nach Haushaltsgröße im Zeitvergleich, Online-Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Haushalte-Fa- milien/Tabellen/lrbev05.html (abgerufen am 05.07.2019, 14:03 Uhr).

2.2. Aktuelle Baugenehmigungen und Fertigstellungszahlen von Wohnungsneubauten

Der demografische Wandel stellt Deutschland bereits seit Jahren vor enorme Heraus- forderungen. So bedarf eine wachsende Bevölkerung mit parallel ansteigenden Haus- haltszahlen auch mehr Wohnungen. Ferner benötigen neue Arbeitnehmer neue Arbeits- plätze, mehr Kunden bzw. Touristen brauchen zusätzliche Unterkünfte usw.

Um feststellen zu können, ob neben der sich wandelnden Bevölkerungsstruktur über- haupt ein Mangel an Wohnraum besteht, wird in den folgenden zwei Kapiteln das Ver- hältnis zwischen Baugenehmigungen und Fertigstellungen von Wohnungsneubauten in Deutschland untersucht.

2.2.1. Baugenehmigungszahlen im Wohnungsneubau

Seit 2008 steigt die Anzahl der Baugenehmigungen kontinuierlich an und haben im Jahre 2016 mit rd. 375.400 genehmigten Wohnungen den Höchstwert seit Beginn des 21. Jahr- hunderts erreicht.40 Die Anzahl der Baugenehmigungen sind jedoch seit 2017 wieder rückläufig.41 So sank die Baugenehmigungszahl im Jahr 2017 auf rd. 347.900 geneh- migte Wohnungsbauvorhaben ab und verringerte sich 2018 um weitere 1.100 Wohnun- gen auf rd. 346.800 Genehmigungen.42 Gründe für die Rückläufigen Baugenehmigungs- zahlen sind zum einen, dass kaum noch Bauland in den Großstädten und Ballungszen- tren verfügbar ist. Denn wo kein Platz ist, kann auch nichts erbaut werden. Des Weiteren hat sich der große Flüchtlingsstrom aus dem Jahre 2015/2016 abgeschwächt, wodurch wieder weniger Flüchtlingsunterkünftige benötigt werden. Da die Flüchtlingsunterkünfte unter die Kategorie „Wohnheime“ fallen wird für jede Unterkunft ebenfalls eine Bauge- nehmigung im Wohnungsbau fällig und da die Flüchtlingszuwanderung nach Deutsch- land aktuell abgeflaut, werden demnach auch weniger Baugenehmigungen beantragt.

Es ist festzuhalten, dass eine sinkende Anzahl an Baugenehmigungen nicht autom. auch weniger Fertigstellungszahlen nach sich zieht. Denn es werden kontinuierlich mehr Bau- vorhaben genehmigt, als fertig gestellt, wodurch ein sog. Baugenehmigungsüberschuss entsteht. Lt. des Statistischen Bundesamtes beläuft sich der aktuelle Baugenehmigungs- überschuss auf rd. 710.000 Wohnungen (Stand: 31.12.2018).43 Daraus lässt sich ablei- ten, dass es keinen Mangel an Baugenehmigungen im Wohnungsneubau gibt, sondern es an der Umsetzung hapert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Baugenehmigungen von Wohnungen in Deutschland im Zeitvergleich44

2.2.2. Fertigstellungszahlen von Wohnungsneubauten

Wie bereits im vorherigen Kapitel beschrieben, hat sich über die Jahre ein Wohnungs- baugenehmigungsüberschuss i. H. v. rd. 710.000 Wohnungen angesammelt,45 welche nun auf ihre Umsetzung warten. Das daraus resultierende Fertigstellungsdefizit entsteht durch genehmigte Bauvorhaben die teilw. mit erheblichen Verzögerungen oder erst gar nicht fertiggestellt werden.46 Der Ursprung dieses Problems hängt mit unterschiedlichen Einflussfaktoren zusammen. Bspw. herrschen, durch die seit Jahren anhaltende Nied- rigzinskonjunktur, Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft.47 Die Folge daraus sind lange Wartezeiten sowohl für den Auftraggeber, als auch für den Auftragnehmer. Früherwar es so, dass sich die Bauunternehmen um die Auftragsgeber buhlen mussten. Heute ist die Auftragslage in der Baubranche jedoch so hoch, dass Auftraggeber mit langen Wartezeiten rechnen müssen und teilw. sogar von den Bauunternehmen abgelehnt wer- den. Parallel dazu steigen die Kosten für Baumaterialien und Personal signifikant an,48 welche sich u. a. mit der natürlichen Inflation und dem Fachkräftemangel in der Baubran- che begründen lassen.

Ferner nimmt der Bau eines Mehrfamilienhauses nicht selten 2-4 Jahre in Anspruch.49 Je nach Gegebenheiten und Umfang des Bauvorhabens kann die Errichtung auch noch wesentlich länger dauern. In diese Berechnung sind unvorhergesehene Verzögerungen noch nicht mit einkalkuliert, welche ebenfalls das Bauvorhaben signifikant verzögern oder gar zum Stillstand bringen können.

Einen nicht unerheblichen Faktor stellen des Weiteren sog. Baulandspekulanten dar.50 Unter diesem Begriff werden Investoren verstanden, welche Grundstücke insb. in Groß- städten einkaufen und dann entsprechende Baugenehmigungen auf Vorrat einholen, ohne das Vorhaben in nächster Zeit überhaupt realisieren zu wollen. D. h. sie spekulie- ren auf steigende Miet- und Kaufpreise, um das Grundstück inkl. der Baugenehmigung dann rentabler zu verkaufen.51

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Fertigstellungen von Wohnungen in Deutschland im Zeitvergleich52

[...]


1 Vgl. Deschermeier, Philipp: IW-Bevölkerungsprognose: Entwicklung der Bevölkerung bis 2035, in: Institut der deut- schen Wirtschaft Köln (Hrsg.): Perspektive 2035 – Wirtschaftspolitik für Wachstum und Wohlstand in der alternden Ge- sellschaft, Köln 2017, S. 41-55, hier S. 49.

2 Vgl. Deschermeier, Philipp (2017), S. 49.

3 Deschermeier, Philipp: Die Großstädte im Wachstumsmodus: Stochastische Bevölkerungsprognose für Berlin, Mün- chen und Frankfurt am Main bis 2035, in: IW-Report, No. 39/2016, Köln 2016, S. 4.

4 Vgl. Henger, Ralph (2018): Mehr Bevölkerung verlangt auch mehr Wohnungsbau, in: ifo Schnelldienst, 71. Jahrgang, Heft 21/2018, S. 23-25, hier: S. 23.

5 Vgl. Bakir, Daniel (2019): Ortsübliche Vergleichsmieten – Mietspiegel-Auswertung: Wo wohnen noch teurer ist als in München, Online-Quelle: https://www.stern.de/wirtschaft/immobilien/mietspiegel-auswertung--wo-wohnen-noch-teurer- als-in-muenchen-ist-8589020.html (abgerufen am 27.08.2019, 08:20 Uhr).

6 Vgl. Bakir, Daniel (2019).

7 Vgl. Henger, Ralph (2019): Deutsche wollen wieder im Speckgürtel wohnen, Online-Quelle: https://www.iwd.de/arti- kel/deutsche-wollen-wieder-im-speckguertel-wohnen-422755/ (abgerufen am 28.06.2019, 23:04 Uhr).

8 Bakir, Daniel (2019).

9 Vgl. Henger, Ralph; Oberst, Christian: Immer mehr Menschen verlassen die Großstädte wegen Wohnungsknappheit, in: IW-Kurzbericht 20/2019, Köln 2019, S. 1.

10 Siehe Anhang, S. 34, Anlage 1: Entwicklung der Bevölkerungszahl in den 80 deutschen Großstädten, Tabelle 3: Ent- wicklung und prozentuale Veränderung der Bevölkerungszahlen in den 80 Großstädten Deutschland von 2010 bis 2017.

11 Siehe Anhang, S. 34, Anlage 1: Entwicklung der Bevölkerungszahl in den 80 deutschen Großstädten, Tabelle 3: Ent- wicklung und prozentuale Veränderung der Bevölkerungszahlen in den 80 Großstädten Deutschland von 2010 bis 2017.

12 Siehe Anhang, S. 34, Anlage 1: Entwicklung der Bevölkerungszahl in den 80 deutschen Großstädten, Tabelle 3: Ent-wicklung und prozentuale Veränderung der Bevölkerungszahlen in den 80 Großstädten Deutschland von 2010 bis 2017.

13 Siehe Anhang, S. 34, Anlage 1: Entwicklung der Bevölkerungszahl in den 80 deutschen Großstädten, Tabelle 3: Ent- wicklung und prozentuale Veränderung der Bevölkerungszahlen in den 80 Großstädten Deutschland von 2010 bis 2017.

14 Henger, Ralph; Oberst, Christian (2019), S. 1.

15 Vgl. Henger, Ralph; Oberst, Christian (2019), S. 2.

16 Vgl. Henger, Ralph (2019).

17 Differenz Einwohnerstand Deutschland zum 31.12.2017 und 31.12.2010; Vgl. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden (Hrsg.) (2019): Bevölkerungsstand – Bevölkerung auf Grundlage des Zensus 2011 nach Geschlecht und Staatsangehö- rigkeit im Zeitverlauf, Online-Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelke- rungsstand/Tabellen/liste-zensus-geschlecht-staatsangehoerigkeit.html (abgerufen am 29.06.2019, 13:14 Uhr).

18 Einwohnerzuwachs Deutschland von 2010 bis 2017 gesamt: 1.042.400 Einwohner; Einwohnerzuwachs der 80 deut- schen Großstädte von 2010 bis 2017 gesamt: 918.120 (entspricht 88,08%).

19 Vgl. Statistisches Bundesamt, Wiesbaden (Hrsg.) (2019).

20 Vgl. Deschermeier, Philipp (2017), S. 49.

21 Vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) (Hrsg.) (2017): Mehr Geburten und weniger Sterbefälle im Jahr 2016 – Pres- semitteilung Nr. 408 vom 15. November 2017, Online-Quelle: https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilun- gen/2017/11/PD17_408_126.html (abgerufen am 28.06.2019, 23:22 Uhr).

22 Vgl. Milbert, Antonia (2018a): Deutschland wächst – aber nicht überall, Online-Quelle: https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Home/Topthemen/2018-bevoelkerung.html (abgerufen am 29.06.2019, 09:05 Uhr).

23 Vgl. Milbert, Antonia (2018a).

24 Vgl. Milbert, Antonia (2018a).

25 Vgl. Kempermann, Hanno; Millach, Agnes: Regionaler Chancen Monitor – Maß für die Attraktivität von Regionen, in: IW-Kurzbericht 77/2017, Köln 2017, S. 3.; Vgl. S. 7, Abbildung 1: Durchschnittsalter der Bevölkerung im Jahr 2016.

26 Vgl. S. 7, Abbildung 1: Durchschnittsalter der Bevölkerung im Jahr 2016.

27 Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hrsg.) (2018): Zahlen und Fakten – Alterung regional unterschiedlich weit fortgeschritten, Online-Quelle: https://www.demografie-portal.de/SharedDocs/Informieren/DE/ZahlenFakten/Ael- tere-Bevoelkerung.html (abgerufen am 28.06.2018, 23:28 Uhr).

28 Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hrsg.) (2018).

29 Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hrsg.) (2018).

30 Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hrsg.): Bevölkerung in Deutschland, in: Geographische Rundschau, 17. Jahrgang, Heft 11/2017, S. 1-8, hier: S. 1.

31 Vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) (Hrsg.) (2019b): 14. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland – Altersaufbau 2018, Online-Quelle: https://service.destatis.de/bevoelkerungspyramide/#!y=2018&v=2 (ab- gerufen am 05.07.2019, 13:47 Uhr).

32 Vgl. S. 7, Abbildung 1: Durchschnittsalter der Bevölkerung im Jahr 2016.; Vgl. Milbert, Antonia (2018b): Tabelle: De- mografie-Indikatoren Kreise 2016, Online-Quelle: https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Home/Topthemen/Down- loads/2018-bevoelkerung-demografie-indikatoren-kreise-2016.xlsx? 05.07.2019, 13:52 Uhr).

33 Vgl. Milbert, Antonia (2018a).

34 Vgl. S. 8, Tabelle 1: Anzahl und prozentualer Anteil der Haushalte im Jahr 2010, 2016 und 2017.

35 Vgl. S. 8, Tabelle 1: Anzahl und prozentualer Anteil der Haushalte im Jahr 2010, 2016 und 2017.

36 Vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) (Hrsg.) (2017b), S. 10; Lange, Wolfgang (2017), S. 34.

37 Vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) (Hrsg.) (2017a): Entwicklung der Privathaushalte bis 2035: Ergebnisse der Haushaltsvorausberechnung – 2017, S. 6, Online-Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Be- voelkerung/Haushalte-Familien/Publikationen/Downloads-Haushalte/entwicklung-privathaushalte- 5124001179004.pdf? blob=publicationFile&v=3 (abgerufen am 29.06.2019, 13:06 Uhr).

38 Vgl. Lange, Wolfgang (2017): Statistisches Bundesamt: Haushaltsvorausberechnung bis 2035 – Immer mehr Deut- sche leben in Zwei- und Dreizimmerwohnungen, in: IVV immobilien vermieten & verwalten, 19. Jahrgang, (05/2017), S.34-35, hier S. 34.

39 Vgl. Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (Hrsg.) (2017), S. 2.

40 Vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) (Hrsg.) (2018a): Bauen und Wohnen – Baugenehmigungen, Baufertigstellun- gen – Lange Reihen bis 2017, Tabellenblatt 3, 1 Baugenehmigungen, Baufertigstellungen, Online-Quelle: https://www.destatis.de/DE/Themen/Branchen-Unternehmen/Bauen/Publikationen/Downloads-Bautaetigkeit/baugeneh-migungen-baufertigstellungen-xlsx-5311101.xlsx? blob=publicationFile&v=5 (abgerufen am 05.07.2019, 14:17 Uhr).

41 Vgl. S. 10, Abbildung 2: Baugenehmigungen von Wohnungen in Deutschland im Zeitvergleich.

42 Vgl. S. 10, Abbildung 2: Baugenehmigungen von Wohnungen in Deutschland im Zeitvergleich.

43 Stand 2017: 653.300 + Defizit von 2018 i. H. v. 59.458 = 712.758 also rd. 710.000 Wohnungen.

44 Eigene Abbildung, in Anlehnung an: Statistisches Bundesamt (Destatis) (Hrsg.) (2018a).

45 Vgl. Kapitel 2.2.1. Baugenehmigungszahlen im Wohnungsneubau.

46 Vgl. Müller, Martin (2017): Es werden genug Wohnungen genehmigt – sie müssen nur gebaut werden, in: KfW Rese- arch – Fokus Volkswirtschaft, Nr. 188, S. 3, Online-Quelle: https://www.kfw.de/PDF/Download-Center/Konzernthe- men/Research/PDF-Dokumente-Fokus-Volkswirtschaft/Fokus-2017/Fokus-Nr.-188-November-2017-Wohnungsmarkt- studie.pdf (abgerufen am 05.07.2019, 14:40 Uhr).

47 Vgl. Müller, Martin (2017), S. 3.

48 Vgl. Statistisches Bundesamt (Destatis) (Hrsg.) (2019a): Baupreise für Wohngebäude im Februar 2019: +4,8 % ge- genüber Februar 2018 – Pressemitteilung Nr. 136 vom 05. April 2019, Online-Quelle: https://www.desta- tis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/04/PD19_136_61261.html (abgerufen am 05.07.2019, 15:41 Uhr).

49 Vgl. Müller, Martin (2017), S. 3.

50 Vgl. Müller, Martin (2017), S. 3.

51 Vgl. Müller, Martin (2017), S. 3.

52 Eigene Abbildung, in Anlehnung an: Statistisches Bundesamt (Destatis) (Hrsg.) (2018a).

Details

Seiten
46
Jahr
2019
ISBN (eBook)
9783346044839
ISBN (Buch)
9783346044846
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v503063
Note
1,3
Schlagworte
bevölkerungswachstum großstadt hauptursache mietpreisanstieg

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Titel: Ist das Bevölkerungswachstum einer Großstadt die Hauptursache für deren Mietpreisanstieg?