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Bedeutung, Nutzen und Zukunftsprognosen des Einlagengeschäfts für Kreditinstitute und Privatkunden

Studienarbeit 2018 17 Seiten

BWL - Bank, Börse, Versicherung

Leseprobe

Gliederung

Abkürzungsverzeichnis

1 Einführung

2 Definition Einlagengeschäft

3 Bedeutung des Einlagengeschäfts für die Privatkunden
3.1 Teilnahme am Bargeldlosen Zahlungsverkehr
3.2 Vermögensbildung
3.3 Inanspruchnahme weiterer Dienstleistungen

4 Bedeutung des Einlagengeschäfts für die Kreditinstitute
4.1 Refinanzierung des Aktivgeschäfts
4.2 Kundenbindung
4.3 Verrechnung aller Forderungen und Verbindlichkeiten

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einführung

Es gibt einen klaren Trend bei den Volumen der Einlagen von Privatpersonen bei Kreditin- stituten: steigend. Das nachfolgende Diagramm stellt die Volumen der Einlagen von Privat- personen bei deutschen Banken in Milliarden Euro da. Hier lässt sich die Entwicklung deut- lich erkennen. Die Einlagen der Deutschen wachsen von Jahr zu Jahr und unterstreichen so die Relevanz des Einlagengeschäfts. Während das Volumen der Spareinlagen jedes Jahr annähernd konstant bleiben das der Termineinlagen etwas an Höhe verlieren, ist das Wachs- tum bei den Sichteinlagen stark ausgeprägt. Während sie Ende des Jahres 2000 bei 259,4 Milliarden Euro waren, sind sie Ende 2017 bei 1287,7 Milliarden Euro angelangt.1 Über die

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Die Entwicklung des Volumens der Einlagen von Privatpersonen in Deutschland in Milliarden Euro . Quelle: Eigene Darstellung nach Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2018b), betrachtet werden die Werte aus dem Dezember.

Das Einlagengeschäft ist aus unserem Alltag nicht wegzudenken und in vielen Belangen Teil unseres Lebens. Aktuelle Entwicklungen machen es so bedeutsam wie noch nie. Ziel dieser Arbeit ist, zu erörtern, welchen Nutzen das Einlagengeschäft für die Kreditinstitute und ihre Kunden hat, wie wichtig es ist und, wie es sich in der Zukunft entwickeln wird.

Nacheinander wird dies erst aus der Perspektive der Kunden, dann aus der Perspektive der Kreditinstitute geschehen.

2 Definition Einlagengeschäft

Zuerst sollen jedoch ein paar grundlegende Begriffe und Zusammenhänge geklärt werden. Das Einlagengeschäft nach Kreditwesengesetz ist

„die Annahme fremder Gelder als Einlagen oder anderer unbedingt rückzahlbarer Gelder des Publikums, sofern der Rückzahlungsanspruch nicht in Inhaber- oder Orderschuldver- schreibungen verbrieft wird, ohne Rücksicht darauf, ob Zinsen vergütet werden“.2

Wer das Einlagengeschäft betreibt, ist nach dem KWG ein Kreditinstitut3. Es ist eines der Kerngeschäfte der Banken. Es wird auch Passivgeschäft genannt, da es sich auf der Passiv- seite der Bilanz wiederfindet. Einlagen werden auch als Depositen bezeichnet. Die Einlagen werden in Sicht-, Termin- und Spareinlagen unterteilt. Sichteinlagen sind täglich fällige Einlagen, wie beispielsweise ein Girokonto oder ein Tagesgeldkonto, sie dienen meist vor- rangig dem bargeldlosen Zahlungsverkehr. Termineinlagen sind auf eine feste Laufzeit (Festgeld) oder eine feste Kündigunsfrist (Kündigungsgeld) vereinbart. Spareinlagen müs- sen eine Kündigungsfrist von mindestens drei Monaten aufweisen, unbefristet sein und durch eine Sparurkunde gekennzeichnet sein. Sie sind nicht für den Zahlungsverkehr be- stimmt.4

Die Gelder der Kunden werden den Kreditinstituten nur zeitweise überlassen. Auf Verlan- gen müssen sie zurückgezahlt werden. Es besteht also ein unbedingter Rückzahlungsan- spruch. So ergibt sich das rechtliche Wesen der Einlagen: ein Darlehensvertrag. Die Einle- ger sind Gläubiger und das Kreditinstitut Schuldner. Somit sind Depositen für Banken Fremdkapital.5

Die Summe der Einlagen bestimmt auch, in welcher Höhe das Kreditinstitut ihre Mindest- reserve bei der Europäischen Zentralbank unterhalten muss.6

3 Bedeutung des Einlagengeschäfts für die Privatkunden

97% der Deutschen hat ein Girokonto, 50% sparen trotz der historischen Niedrigzinsphase auf einem Tagesgeld-, 44% auf einem Sparkonto.7 Nur das Einlagengeschäft gibt den Kun- den die Möglichkeit, diese Anlageformen zu nutzen. In diesem Kapitel sollen der Nutzen und die Bedeutung des Passivgeschäfts für die Kunden analysiert werden.

3.1 Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsverkehr

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Anteil unbarer Zahlungen nach Abb. Transaktionsanzahl in Prozent8

Quelle: Eigene Darstellung nach Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2018b), S. 25.

Abb.3: Anteil unbarer Zahlungen nach Umsatz in Prozent9

Quelle: Eigene Darstellung nach Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2018b), S.24.

Heutzutage ist der bargeldlose Zahlungsverkehr aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Neben Überweisungen und Lastschriften nehmen auch die Kartenzahlungen am Point of Sale jährlich zu. Ein wachsender Teil der Zahlungspflichtigen entscheidet sich für die un- baren Methoden, vor allem, wenn es um die höheren Beträge geht. So wird zwar der Groß- teil der Zahlungen noch bar getätigt, nämlich 74,3% in 2017, was das Volumen angeht, liegen die unbaren Zahlungsmethoden mit 52,4% in 2017 jedoch vor der Barzahlung.10 Diese starke Entwicklung hin zu den unbaren Zahlungsmethoden erkennen lässt sich in den beiden oberen Graphe erkennen. Sie stellen den prozentualen Anteil unbarer Zahlungen nach Anzahl der Transaktionen und Umsatz da. Bei diesem Trend spielt die Digitalisierung eine entscheidende Rolle. In den letzten Jahren haben bequeme Online-Einkäufe an Bedeu- tung gewonnen, somit auch die unbaren Zahlungsmöglichkeiten.11 Die Bequemlichkeit des Onlineshoppings spiegelt sich auch in der Bezahlung wieder, nur die Kreditkartennummer eingeben oder die Überweisung im Onlinebanking veranlassen, schon hat man bezahlt. Nie- mand muss mehr zur Bank gehen und einen Überweisungsträger ausfüllen, geschweige denn einen Scheck ausstellen. Die Bequemlichkeit des Bezahlens wird zunehmend auch beim Einkaufen im Supermarkt durch die Kontaktlostechnologie etabliert. Es reicht, seine ec- oder Kreditkarte an das Zahlungsterminal zu halten, keine Eingabe der PIN oder eine Unterschrift ist nötig. So ist das Bezahlen auch außerhalb des Internets äußert schnell und einfach.12 Die an Popularität gewinnenden Echtzeitüberweisungen, sogenannte Instant Pay- ments, verstärken den Trend zu unbaren Zahlungsmethoden, der Zahlungsempfänger hat das Geld nach wenigen Sekunden auf seinem Konto gutgeschrieben. So lässt sich der bar- geldlose Zahlungsverkehr auch beispielsweise auf den privaten Autoverkauf anwenden, wo bis heute überwiegend mit Bargeld bezahlt wurde. Durch die Echtzeitüberweisung hat der Verkäufer die direkte Kontrolle über den Eingang des Geldes und der Käufer kein Risiko durch die ansonsten nötige hohe Bargeldhaltung.13

Mit zunehmender Bedeutung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs steigt auch die Bedeutung des Einlagengeschäfts. Hierbei spielen die Sichteinlagen die entscheidende Rolle. Ohne ein Girokonto bei einem Kreditinstitut ist die Nutzung der bargeldlosen Zahlungsmethoden schlichtweg nicht möglich. Die Bedeutung der Teilnahme am bargeldlosen Zahlungsver- kehr für Privatpersonen zeigt sich auch im Gesetz. Durch das Recht eines jeden Bürgers auf eine Konto mit den grundlegenden Funktionen, ein sogenanntes Basiskonto, kann jeder, unabhängig von Bonität und Lebensumständen, Kontoinhaber sein. Die Banken sind ver- pflichtet, dies jedem zu ermöglichen.14

Der Trend hin zum bargeldlosen Zahlens lässt sich allerdings nicht als durchweg positiv für die Kreditinstitute werten. Für die Kunden gibt es, vertrieben durch die sogenannten Fin- techs15, immer mehr Möglichkeiten ihren Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Als Paradebeispiel dient hier Paypal, mit dem man Geld bezahlen kann, ohne auch nur die IBAN des anderen zu kennen. Die Identifizierung läuft lediglich über die E-Mail-Adressen.

Niemand fragt mehr, wo du dein Konto hast, sondern nur, mit welcher App du dein Geld versenden möchtest. 46% nutzen bei dem Interneteinkauf Bezahlsysteme wie Paypal oder Sofortüberweisung.de und übergehen somit das kontoführende Kreditinstitut als Zahlungs- dienstleister.16 Diese verlieren dadurch an Bedeutung.17 Neue Richtlinien im Zahlungsver- kehr wie PSD2 unterstützen diese Entwicklung. Die Zahlungsdienstleister haben nun völ- lige Informationstransparenz über das Girokonto des jeweiligen Kunden, diese blieb bis da- hin den Kreditinstituten vorbehalten.18

Insgesamt lässt sich zweifelsfrei feststellen, dass der bargeldlose Zahlungsverkehr höchste Bedeutung für seine Nutzer hat und auch in der Zukunft weiter durch neue Technologien und Gesetze etabliert werden wird. Der bargeldlose Zahlungsverkehr ist untrennbar mit dem Girokonto, also der Sichteinlage, des Kunden verknüpft. Aus diesem Grund ist das Einla- gegengeschäft für die Kunden äußert bedeutsam und aus ihrem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken.

3.2 Vermögensbildung

Nicht nur bei dem bargeldlosen Zahlungsverkehr, auch bei der Vermögensbildung spielt das Einlagengeschäft eine wichtige Rolle für die Kunden der Kreditinstitute. Im Durchschnitt sparen die Deutschen 9,9% ihres verfügbaren Einkommens. Das waren 2017 189,8 Milliar- den Euro.19 Diese Zahl ist seit 1999 stetig angestiegen. Motive des Sparens sind insbeson- dere für das Alter oder Notlagen wie Arbeitslosigkeit vorzusorgen und um für spätere An- schaffungen genügend finanzielle Mittel zur Verfügung zu haben.20 Sparen bedeutet immer einen Verzicht in der Gegenwart, einen Aufschub von Konsum, um sich in der Zukunft mehr leisten zu können. Das Sparen selbst stiftet keinen Nutzen, es ermöglicht das Bilden von zukünftigem Konsumpotential, dieses kann man auch als Vermögen bezeichnen.21

Ganze 36,4% des Geldvermögens der Deutschen ist in Spar-, Termin- und Sichteinlagen angelegt. Damit sind die Bankeinlagen die zweitbeliebteste Anlageform nach Versicherun- gen und Pensionskassen mit 38,4%.22

[...]


1 Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2018a), Werte 2000 Q4 und 2017 Q4.

2 § 1 Abs. 1, Nr.1 KWG

3 Zur Vereinfachung wird im Nachfolgenden teilweise „Bank“ als Synonym für Kreditinstitut verwendet.

4 Vgl. Hartmann-Wendels, Thomas u.a. (2015), S.211.

5 Vgl. ebenda, S. 218.

6 Vgl. ebenda, S. 46.

7 Vgl. Bank of Scotland (Hrsg.) (2016), Welche Anlageklassen nutzen die Deutschen?.

8 100% entsprechen 21.361 .

9 100% entsprechen 626.101,51 Euro.

10 Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2018c), S. 24f.

11 Vgl. Deutsche Bundesbank (Hrsg.) (2018c), S.35.

12 Vgl. ebenda, S.41.

13 Vgl. ebenda, S.42.

14 Vgl. Die Bundesregierung (Hrsg.) (2016), Jeder hat das Recht auf ein Konto.

15 Startup Unternehmen, die im Finanzdienstleistungssektor tätig sind, meist mit innovativen und unkonven- tionellen Technologien.

16 Vgl. Boniversum (Hrsg.) (2018), S.13.

17 Vgl. Fizia, Jennifer / Kampshoff, Christopher (2017), S.23f.

18 Vgl. Die Bundesregierung (Hrsg.) (2017), Zulassung von Drittanbietern.

19 Vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.) (2018), S.30.

20 Vgl. Bank of Scotland (Hrsg.) (2016): Sparvorsätze.

21 Vgl. Hartmann-Wendels, Thomas u.a. (2015), S.205.

22 Vgl. Bundesverband deutscher Banken e.V. (Hrsg.) (2017), S.16.

Details

Seiten
17
Jahr
2018
ISBN (eBook)
9783346042538
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v503094
Institution / Hochschule
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Note
1,7
Schlagworte
bedeutung nutzen zukunftsprognosen einlagengeschäfts kreditinstitute privatkunden

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