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Umweltverhalten und Umweltbewusstsein im Wandel - Zur Aktualität eines Dilemmas

Hausarbeit 2006 13 Seiten

Soziologie - Sonstiges

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung und Problemaufriss

2. Das Dilemma – Diskrepanz zwischen Umweltbewusstsein- und Verhalten

3. Die „Low Cost“ Theorie in der Umweltsoziologie

4. Die Ökosteuer als „High – Cost“ Situation?

5. Umweltbewusstsein im Wandel?!

6. Fazit

7. Literatur

1. Einleitung und Problemaufriss

„Mit der endgültigen Etablierung der Umweltpolitik als einem eigenständigen Politikfeld seit Ende der 1960er Jahre wurde die Förderung des Umweltbewusstseins in der Bevölkerung zur wichtigen öffentlichen Aufgabe. Der Grund dafür liegt auf der Hand: Ohne ein hinreichendes Verständnis für die umweltpolitischen Notwendigkeiten sowie Chancen bei den betroffenen Menschen und ohne eine hinreichende Mitwirkungsbereitschaft bei allen Bürgerinnen und Bürgern wird die Umweltpolitik keine nachhaltigen Erfolge erzielen können.“[1]

Ein treffliches Zitat wie ich glaube, weißt es doch auf zwei Bereiche hin, die im Folgenden näher untersucht werden sollen. Zum Einen interessiert mich der Begriff des „Umweltbewusstseins“ zum Anderen die „Mitwirkungsbereitschaft des Einzelnen“, was ich in den Begriff „Umwelthandeln“ transformiere. Zwei Begriffe deren Verhalten zueinander durchaus ambivalent ist. So konstatiert eine Vielzahl von Studien eine Diskrepanz zwischen dem Bewusstsein auf der einen und dem aktuellen Verhalten auf der anderen Seite. Ich konzentriere mich in dieser Arbeit zunächst auf die Ergebnisse einer von Andreas Diekmann und Peter Preisendörfer in Bern und München durchgeführten Befragung aus dem Jahr 1992.[2]

Dies geschieht nicht aus einer historischen Versessenheit, sondern weil diese Studie die Erste dieser Art im deutschsprachigen Raum war. Darüber hinaus gaben die Ergebnisse dieser Studie einigen Anlass zur Kontroverse innerhalb der Umweltsoziologie. Mein Fokus gilt dieser Umfrage nicht zuletzt aufgrund der Verknüpfung von Umweltsoziologie und Ansätzen von „rational choice“ als Erklärungsmuster. Dieses theoretische Konstrukt steht im Zentrum meiner Betrachtungen. Ich will im Folgenden prüfen, ob rational choice, speziell die „low cost“ These, ein adäquater Ansatz zur Erklärung dieser Diskrepanz sein kann. Ich werde dies anhand aktueller Forschungsergebnisse überprüfen, da diese durchaus einige Zweifel an dem Erklärungsmuster aufkommen lassen.

Es wird meiner Auffassung nach zunächst nötig sein, die Ergebnisse von Diekmann und Preisendörfer zu explizieren und deren Verknüpfung mit dem rational choice Ansatz darzulegen. Dann gilt es, dies anhand aktueller Forschung kritisch zu würdigen. Wesentliches Element hierbei werden die Forschungsberichte aus der Reihe „Umweltbewusstsein in Deutschland“ sein, die vom Umweltbundesamt, in maßgeblicher Zusammenarbeit mit Udo Kuckartz, publiziert werden. Ich vermute, dass sich der rational choice Ansatz nicht uneingeschränkt halten lässt und versuche dies im Fazit zu explizieren.

2. Das Dilemma – Diskrepanz zwischen Umweltbewusstsein- und Verhalten

Die Soziologen Andreas Diekmann und Peter Preisendörfer führten im Jahr 1991 eine parallele Befragung von 1357 Personen in Bern und München durch. Dabei wurden in Bern 392 und in München 965 Personen per Zufall ermittelt und in einem 30-minütigen Telefonat befragt. Hauptanliegen dieser Befragung war eine möglichst präzise Erfassung des persönlichen und alltäglichen Umweltverhaltens der befragten Personen[3]. Zur Erfassung des Umweltverhaltens wurden genau 16 verschiedene Verhaltensweisen in folgenden vier Bereichen erfragt. 1. umweltfreundliches Einkaufsverhalten, 2. umweltbewusste Abfall- beseitigung, 3. umweltschonender Umgang mit Energie und 4. umweltfreundliches Verkehrsverhalten. Aus diesen Bereichen entwickelten sie ein vierstufiges Pfadmodell, um einen ersten Überblick zu erhalten. Die Ergebnisse, die in Bern und München durchaus ähnlich ausfielen, zeigten, dass es sich bei dem Begriff Umweltbewusstsein um eine höchst heterogene Angelegenheit handelt. So verteilen sich umweltschonende Handlungen nicht gleichmäßig auf die vier Bereiche, sondern sind unterschiedlich stark ausgeprägt. Es konnte gezeigt werden, dass die Befragten eher bereit waren, umweltfreundliche Produkte zu kaufen und ihren Abfall umweltgerecht zu entsorgen, als an einen umweltschonenden Energieverbrauch zu denken oder das Verkehrsverhalten zu ändern. Wenngleich das angewandte Pfadmodell viele Ergebnisse, vor allem aufseiten des Umweltverhaltens unterschlägt,[4] und in der einschlägigen Literatur durchaus kritisiert wird[5], zeigt sich an dieser Stelle eine gewisse Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität. Besonders deutlich wird dies in den Bereichen Energie und Verkehr. Hier scheint ein deutlich umweltschädliches Verhalten zu dominieren. Um dies zu erklären, ziehen Diekmann und Preisendörfer einen Kosten – Nutzen Faktor hinzu, d. h. die Ursache hierfür liegt in den relativ hohen Kosten, die mit einem umweltschonenden Verhalten in diesen beiden Bereichen verbunden sind. So formulieren Diekmann und Preisendörfer folgende Generalthese: „Die individuellen Akteure tun ihrem hohen Niveau des „Umweltbewusstseins“ dadurch genüge, dass sie ihre „Umweltmoral“ und ihre „Umwelteinsichten“ in Situationen einlösen, die keine einschneidenden Verhaltensänderungen erfordern, keine größeren Unbequemlichkeiten verursachen und keinen besonderen Zusatzaufwand verlangen.“[6]. Diese kurzen Ausführungen mögen genügen, um dem Leser das Dilemma zu verdeutlichen, ohne dabei die Argumente von Diekmann und Preisendörfer zu kurz kommen zu lassen. Richten wir den Fokus nun auf das Konstrukt des rational choice.

[...]


[1] Preisendörfer, Peter: Umwelteinstellungen und Umweltverhalten in Deutschland, S. 9, Opladen 1999

[2] Diekmann, A./ Preisendörfer, P.: Persönliches Umweltverhalten. Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, S. 226-251, 44 Jg. 1992

[3] Diekmann, A./ Preisendörfer, P.: Persönliches Umweltverhalten. Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, S. 226-251, 44 Jg. 1992

[4] Ebd., S. 234

[5] de Haan, G/Kuckartz, U.: Umweltbewusstsein. Denken und Handeln in Umweltkrisen, Opladen 1996

[6] Diekmann, A./ Preisendörfer, P.: Persönliches Umweltverhalten. Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, S. 240, 44 Jg. 1992

Details

Seiten
13
Jahr
2006
ISBN (eBook)
9783638465939
Dateigröße
674 KB
Sprache
Deutsch
Katalognummer
v50358
Institution / Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg – Institut für Soziologie
Note
1,7
Schlagworte
Umweltverhalten Umweltbewusstsein Wandel Aktualität Dilemmas Proseminar Umweltprobleme Akteure

Autor

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Titel: Umweltverhalten und Umweltbewusstsein im Wandel - Zur Aktualität eines Dilemmas